Skip to main content

Full text of "St Petersburger Medicinische Wochenschrift 30.1905"

See other formats


Google 


Über dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Regalen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfügbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 

Das Buch hat das Urheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin¬ 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 


Nutzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in partnerschaftlicher Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nichtsdestotrotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu verhindern. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 

Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche für Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials für diese Zwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google-Markenelementen Das "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 


Über Google Buchsuche 


Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppen zu erreichen. 
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter http: / /books . google . cörn| durchsuchen. 








I 


Digitized by 


















Di.gitized by 






St. Petersburger 


HSDICIIFISCnS W0DEENSCEH17T 


unter der Redaktion von 


Prof. Or. Karl Dehio. 

Dorpart. 


Dr. Johannes Krannhals. 

Riga. 


Or. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


XXX. JAHRGANG. 

(NEUE FOLGE XXII. JAHRGANG). 


8T. PETERSBURG. 

Bachdruckerel von A. W i e n e c k e, Katharinenhofer Prosp., JA 15. 

1905 . 


Digitized by Google 



THnorpa^in Bhheke, EKaTepHHrcx|)CKift np., Ns 15. 


Digitized by 


Google 



INHALTS-VERZEICHNISS 


Die mit * bezeichnet«! Zahlen beziehen 


-A.- 


Abas-Turaan, Einfl. d. Bergstation 

— a. d. rot. Blntkörper (26). 
Abnabelung, üb. d. Meth. d. — (32). 
Abort, F. v. — 8, 207. 

—, Stell, d. Landarzt, z. —behandl. 
364. 

—, üb. —behandl. (18). 

Abszess, üb. d. Retropharyngeal.— 
d. kl. Kind. 119. 

—, z. Aetiol. d. Psoas—e 279*. 

—, F. v —nnterh. d. Thymus 438. 
—, Kas. d. Hirn -e (4). 

Adnexe, Beh. d. entzündl. Erkr. 
d. - (8). 

Aerzte, d. — Livlands 139. 

—, augenärztl. Winke f. pr. — 270. 
Aethernarkose, üb. — 109. 

Akne, —exulc. serp. nasi (7). 
Akromegalie, üb. — 36. 

—, F. v. — 303*, 313*. 
Aktinomykose, F. v. — (27). 
Akumetrie, Aufgab. d. — (26). 
Alkohol, heredit. Idiosynkrasie geg. 

- ( 3 ). 

—, F. v. Angina Lud. geh. d. — 
kompr. (11). 

Alkoholismus, Beh. d. — (2). 

-, üb. - (3). 

Alopecia, F. y. —univ. congen. 172. 
—, F. v. — areata 372. 


sich quf Original-Arbeiten, die eingeklammerten auf die russische Literatur-Beilage. 


Saeh-Regrlster. 


Amaurose, famil. idiot. — 110. 
Amur, d. Weg üb. d. — (27). 
Anaemie, e. Spirochätenbef. b. schw. 

— u. karz. Lymph. 194*, 630. 

—, F. v. schw. — 291*, 297, 439. 
—, Veränd. in d. Leber b. perniz. 

- (30). 

Anaesthesie, üb. allgera. — (18). 
Anatomie, Atlas d. deskript. — 110. 
—, Grundz. d. — u. Path. d. Taub- 
stnm. 479. 

Aneurysma, F. v. — d. Art. me- 
sent. 62. 

—, F. v. — d. Aorta ascend. 73. 

—, F. v. — Aortae 350. 

—, F. v. — d. Carotis n. Schuss¬ 
verletz. (26). 

Angina, F. v. —necrot. 449. 

—, Natr. salicyl. b. — (26). 

Angina Ludovici, F. v. — geh. d. 

Alkoholkoropr. (11). 

Angulus infectiosus, Perlbche s. — 
(29). 

Antiseptikum, wäss. Jodlös. als — i. 
d. Chirurgie (26). 

Antrum Highmorii, Eröffn, d. — (6). 
Aorta, F. v. Aneur. — e. 73, 360. 
Aphasie, F. v. — (4). 

Apotheken, Reform d. Militär— (3). 
Apparat, Demonstr. e. Heissluft—8. 
i 341. 

—, Modif. d.. —s v. Thoma-Zei88 
(26). - 


Appendix, Komplik. b. Erkr. d. — 
307. 

Appendizitis, s. Perityphlitis. 
Argentum, —präpar. b. Endometr. 
gonorrh. (2). 

Arzneimittel, Lehrb. d. —lehre 149. 
Astigmatismus, F. v. hochgr. — (12). 
Aszites, F. v. — 209. 

Ataxie, Uebungsbeh. d. — 7. 

—, 3 F. v. - (26). 

Atropin, —injekt. b. Undurchgäng. 
d. Darmes (25). 

—, Beh. d. Delirium trem. m. — 

( 26 ). 

Auge, —n verletz, d. Zeitungshalter 16. 
—, üb. Tuberk. d. —s 317. 

—, —nverönder. b. Xeroderma pigm. 
317. 

—, Atlas u. Grundr. d. —noperat. 
328. 

—, —noperat. 328. 

—, F. v. —nverletz. 426. 

—, üb. Zystizerken im Gehirn u.— 
460. 

—, üb. Streptotrixerkr. d. —es 450. 
—, Stell, d. —n währ. d. Narkose 
( 1 ). 

—, Ausspül. d. vord. —ukammer n. 
Kataraktextr. (4.) 

—, Tätigk. d. —nab teil, in Sohicha- 
san (4). 

—, Ber. üb. —närztL Tätigk. (12). 
—, Diagn. d. —nmuskellähm. (12). 
—, Schäd. d. — n d. Unfall (12). 


162356 


Digitized by 


Google 



IV 


Auge, Herabsetz. d. Arbeitsfähigk. n. 
—nverletz. (31). 

—, z. Kas. d. Sohussverletz. d. — n 

(31) 

—, 3 F. v. Melanosis d. —8 (31). 
Augenheilkunde, Fortschritte d. — 
( 22 ). 

—, Entwick. d. — in Kiew (22), 

(32) . 

Augenheilanstalt, Frequenz d. St. 

Pet. — 1905 460. 

Augenklinik, Mitteil. a. d. — in 
Jurjew 306. 

Augensanitätsstationen, d. — f. Tra- 
chombehandl. (26), (26), (27). 
Automatismus, F. v. ambulat. — 
(24). 


Baeder, üb. —Schwindel, Ranbtier- 
diät etc. 479. 

Banch, Kontus. d. —es 27. 

—, d. Nervenverteil, i. d. vord. 
—wand 393. 

—, z. Kas. d. —schösse 438. 

—, üb. penetrir.—wunden (3), (13). 
—, Beh. penetrir. —wund, im Kriege 
(26). 

Becken, ac. inf. Herde im —bereich 
(29). 

Belastungslagerung 393. 

Beriberi, Refer. üb. — 46. 

—, — in Japau (3). 

-, üb. — (11). 

Besessenheit, F. v. — 406. 

Bettzeug, d. — d. Soldat. (24). 
Blase, Oper. weg. Ektopie d. — 34. 
—, üb. —ntuberkulose 149. 

—, Operat. v. —ngeschwülsten (1), 

( 5 ). 

—, üb. Neubild. d. — (6). 
Blutdruck, klin. Beob. üb. d.—189. 
Blutkörperchen, Verhalt, d. weiss. 

— b. versch. Sumpfüeber (20). 

—, Einfl. d. Bergstation Abass-Tu- 
man a. d. rot. — (26). 

Blutung, Beh. d. — p. part. (17). 
Briefe, — a. d. Fern. Osten 63,74, 
87, 197, (26), (26). 

Brillen, gelb-orange u. gelb-grüne — 
(27). 

—, Schutz— f. d. Marineartillerie 

(12). 

—, üb. Schutz—n (81). 
Bronchiektasie, F. v. — (20). 

Brust, Verletz, d. — u. Bauchhöhle 
(26), (27). 


C- 


Cerebrospinalmeningitis, z. Beh. d. 

epidem. — 182. 

—, F. schwer. —- (20). 

—, Epidemie v. — (27). 


Cervix, z. artif. Dilatat. d. — ^07. 
China, hygien. Stud. in — 161. 
Cholecystitis, F. v. oper. 'geheilt. — 
269. 

Cholera, neu. Ergehn, d. —forsch. 
488. 

—, Maassreg. z. Verhüt d. — (41 
(26). 

—, d. — in Girin (26). 

Chorioiditis, z. — ossiftc. (24). 
Cirkulations8törungen, Ther. d. ar- 
teriosklerot. — 241. 

Clavicula, F. v. —fraktur (20). 
Coecum, Tuberk. d. — (6). 

Cyanose, F. v. angebor. — 73. 
Cyste, üb. Korpusint. —n (17). 

—, z. Kas. d. Mesenterial—n (20). 
—, mehrkam. branchiog. —n d. 

Hals. (29). 

—, —n. d. Plica semilun. (31). 
Cysticercus, üb. — im Gehirn u. 
Auge 460. 


ID. 


Damm, üb. —naht 364. 

Darm, Funktionsprüf. d. —es m. d. 
Probekost 7. 

—, üb. —Verschluss 93, 298. 

—, Demonstr. e. tuberk. Dünn—su. 
Coecums 259. 

—, rätselhafte —erkrank. 406. 

—, F. ak. Undurchg. d. —s, Hel- 
lang (3). 

—, tuberk. Verenger, d. Dünn—s 
(6). 

—, Atropininjekt, b. Undurchgäng. 
d. —s (26). 

Delirium tremens, Beh. d. — m. Atro¬ 
pin (26). 

Dermoid, Schwangersch. u. — d. 
Ovariums (1). 

—, —cyst. d. Ovariums (7). 
Desinfektionsapparat, modif. — (26). 
Desinfektionsmittel, d. — im Felde 
(26). 

Deziduen, Demonstr. ausgestoss. — 
112. 

Diabetes, Prinzip, d. —behandl. 363, 
525*, 537*, 540. 

—, —insip. n. Syphilis (7). 

Diät, —, b. Sohariachnephr. 34. 
Diagnose, spec. — inner. Krkhtn. 
139. 

Diarrhoe, üb. gastrogene —en 401*. 
—, Tannigen b. —en d. Kind. (11). 
Diathesis, üb. — purul. (26). 
Diazoreaktion, üb. — b. Lungen¬ 
phthise 3*<2, 383. 

Dilatator, bydraul. — (2). 

Diphtherie, Masern—etc. 139. 

—, Nachwirk. d. —seroms 363. • 
—, d. Haltbark. d. —bazill. 447. 
Diplokokkus, Kolonien v. — alb. 
427. 

Diuretikum, Theocin als — (11). 


Divertikel, Meckels — in klin. Be¬ 
deut. 364. 

Druesen, z. Path. d. freien Talg— 

( 2 ). 

Drnesenfieber, ttb.d. Pfeiffer. — (19). 
Ductus Botalli, F. v. offenem — 449. 
Ductus thoracicas, Erweiter. d. — (2). 


Echinokokkus, —erkrank, i. d. Krim 
(30). 

Ehe, —, Tuberkulose u. Schwan¬ 
gersch. 229. 

—, d. —scbliess. v. Standpunkt d. 

Hygiene 628. 

Krankheit, u. — 393. 

Eiweisskörper, z. Kenutn. d. — i. 

nephrit. Urin 79*, 394. 

Ekzem, Naphtalan b. — (4). 
Elektrizität, —slehre f. Mediziner 
103. 

Ellenbogen, unblut. Beh. d. —brüche 
389. 

Embryologie, Handb. d. Technik d. 
— 16. 

Erapyema, F. v. — sin. ethmoid. 63. 
Endokarditis, z. Diagn. u. Path. d. 

— ak. 340, 438*. 

—, ak. pern. — (4). 

Endometritis, Silberbehandl. d. go- 

norrh. — (2). 

Endophlebitis, obliter. — d. Leber¬ 
venen (30). 

Endotheliom, F. v. — d. Mediast. u. 

d. Pleura l*, 8, 13*. 

—, d. —e d. Ovariums (5). 

—, — d. Orbita (32). 

Entozoen, üb. — im Pankreas 237*, 
251*. 

Entropium, z. Modif. d. — operat. 

( 22 ). 

Eosinophilie, klin. Bedeut d. — 405. 
Epidermitis, üb. — lin. migr. 681. 
Epilepsie, Simulat. v. Geistesstör. u. 

— 383. 

—, falsch. Selbstanklage b. — (11). 
—, F. v. Hystero— (25). 

—, üb. parasyphilit. — (26). 
Epitheliom, 2 F. v. Chorion —a (21). 
Erysipel, Antistreptok.-serum b. F. 
v. — 69*. 

—, üb. —beh. (3), (13). 

—, ther. Wert. d. Serums b.—(3). 
—, üb. Hospital— (25). 

Examen, d. — d. ambulat beh. 
Krank. (18). 

Exsudation, — u. Keratosen (30). 
Extract. flliois, Beb. d. Bandwurms 
m. — 241. 

Extrauteringravidität, F v. ansge- 
trag. — 61, (20). 

—, F. v. — 207. 

— üb. — 466. 

—, gleichzeit. Intra- u. — (8). 

—, z. Kas. d. — (32). 


Digitized by tjOOQie 



V 


Farbenblindbeit, — u. Eisenbahn¬ 
signal (26). 

Feldlazaret, d. flieg. — (26). 


3P- 


Favus, Beh. d. —capill. (4). 

Fibrom, Enncl. d. Uterus—e ( 1 ). 
Fibromyorae, oper. Beh. d. — d. Ute¬ 
rus 157*, 167*. 

Fieber, d. weiss. Blutkörperchen b. 

Sumpf— (20). 

Foetns, —papyraceus (17). 

Formalin, Gefährl. ein. Appar. f. d. 

—desinfekt. (13). 

—, chem. Unters, d. —s (27). 
Fraktur, unblut. Beh. d. Ellenbogen- 
—en 339. 

—, 3 Schädel—en (11). 

—, F. v. Clavicuia — (20). 
Frauenkrankheiten, konserv. Beh. d 
— m. Berücksicht. d. Balneother. 
325*. 

Fremdkörper, Entfern, v. — n a. d. 
Nase 34. 

—, Entf. e. —s a. d. Bronchus (14). 
—, F. v. — in d. Luftröhre (20). 
Frosch, Anatomie d. —es 61. 

Fuenf lingsgeburt, F. v. — 26. 
Fuesse, üb. schmerz. — 23*, 241. 
Fuss, — u. Schuh 529. 


Gh 


Gallenfarbstoff, Meth. z. Nachweis 
v. — i. Harn 128*. 

Gallensteine, period. Fettausnütz. b. 
—n 217*. 

—, Beh. d. — (4). 

Gangraen, Haut— n. Masern (19). 

—, 2 F. v. Lungen— (20). 

Gastroenteroanastomose, F. v. — 
268. 

Gebärasyl, Ber. stfidt. —e (3), (13). 

—, Ber. d. —s v. Sarapul (8). 

Geburt, F. v. Serratuslähm. n. d. — 
92. 

Geburtshilfe, Handb. d. — 86. 

Gedankenlesen, — u. N-strahlen 

( 10 ). 

Gefässe, Naht d. — (1). 

Gefrierpunkt, —s u. Leitfähigkeits- 
bestim. 383. 

Gehirn, F. v. —Lues 352. 

—, z. Kas. d. —abszesse (4). 

—, P8eudomelia parasth. als Sympt. 
e. —affekt. (>0). 

—, a. d. —Chirurgie (27). 

Geisteskranke, Schrift- und Zeichen¬ 
proben v. —n 86. 

—, d. Abteil, f. — a. Rigaer Milit.- 
Hosp. (3). 

—, d. Fürsorge f. — i. Kaukasus 

( 10 ). 

—, d. Evakuation d. —n (27). 


Geisteskrankheit, Simulat. v. —en 
u. Epilepsie 383. 

—, Spiritismus u. —r (9). 

—, s. a. Paranoia. 

Gelenk, Beh. d. steif. —e 308. 

—, Naht v. — frakt. 330. 

—, Operat. d. tnberk. gross. — (7). 
Geschlechtsfunktionen, Stör. d. — d 
Mannes 360. 

Geschlechtskrankheiten, — nnt. d. 

Truppen v. Turkestan (27). 
Geschlechtsleben, d. — d. Weibes 
109. 

Geschlechtsorgane, üb. Tuberkulose 
d. - (8). 

—, Erkr. d. äuss. weibl. — (18). 
—, Schlammbeh. d. Affekt, d. weibl. 
- (»8). 

Glaukom, Schwank, d. inner. Augen¬ 
druckes b. — (22). 
Gleichgewichtsstörung, F. v. — b. 
Erkr. d balbzirkelförm. Kanäle 
(27). 

Gliom, prim. Sehnerven— (12). 

—, — d. Netzhaut (22). 
Globusgefühl, d. — 31*. 

Gonokokkns, d. — u. s. Nährb. 308. 
—, d. Wachsen d. — (20). 
Gonorrhoe, Abnahme d. — b. d. 

Dorpat. Prostit. 44, 69*. 

-, z. Abortivbeh. d. — 117*, 125*, 
383. 

—, d. bakteriol. Unters, in d. Ther. 
d. — 435*. 

—, Silberbebandl. d. — (2). 

—, Ther. d. — (24). 

—, z. Kas. d. rheumat — (31). 
Gravidität, Myom u. — 103. 

—, z. Hyg. d. — u. d. Wochenb. 
206. 

—, z. Frühdiagn. d. — 363. 

—, — u. Dermoid, d. Ovariuras(l). 
—, 8. a. Extrauterin— 
Gummigegenstände, Aufbewahr, v. 
-n (3). 

Gynaekologie, Leitf. f. d. —sehen 
Operationskurse 448. 

—, — f. Aerzte u. Stud. 629. 

—, Ber. üb. d. Ambul. e. Instituts 
f. - (17). 




Haar, d. Leitungsbahnen d. —em- 
pfindl. (10). 

Haematologie, Vorles. üb. klin. — 
60. 

Haemoglobin, exper. u. klin. Unters, 
üb. — «Poehl» 265* 280*, 294*. 

Haemorrhoiden, üb. —operat. 171. 

Hallucinationen, über Gehörs—(10). 

Harn, z. Kenntn. d. Eiweissk, i. ne- 
phrit. — 79*, 394. 

—, Meth. z. Nachweis, v. Gallen¬ 
farbstoff i. — 128*. 

—, Bedeut, d. —analys auf Hg. b. 
Beh. d. Sypb. (31). 


Harnblase, s. Blase. 

Hautkrankheiten, Lehrb, d. Geschl. 
u. — 60. 

—, Atlas u. Grundr. d. — 110. 

—, Demonstr. v. Bild. ein. — 316. 
Hautkrebs, nichtchir. Beh. d. — 140. 
Hebammen, Aufbesser, d. —verhältn. 
195, 364. 

Helminthen, Beh. d. — m. Extract. 
fil. 241. 

Hemera!op8ie, Verbreit, d. — unt. 
russ. Völk. (4). 

Hemiatrophia linguae, F. v, — 219, 
220. 

Hernie, Beobacht, an — (1). 

—, Radikaloperat. d. — (1), (6). 

—, 2 F. v. Zwerchfell— (19). 

—, Inguinal—n in d. Militärpraxis 
(25). 

Herz, — Lebervergröss. Frühsympt. 

d. Schwindsucht 5*. 

—, F. v. Oper. e. —Stichwunde 52. 
—, Myom u. — 219. 

—, Ther. b. arteriosklerot. — insuff. 
241. 

—, physik. Beh. d. chron. —krankh. 
255*. 

—, Myom, —, Ovarium 421*. 

—tuberk. Erkr. d. —muskels (11). 
—, ven. Stau. b. gestört, -tätigk. 
(29). 

Hetol, d. —beh. d. Lungenschwinds. 
405. 

Hochgebirge, Winterkur i. — 48*. 
Hoden, Abszess d. —s (2). 

—, Anastomosenbild a. — (6). 
Hospitäler, Tät. d. Milit.— d. Ar¬ 
mee (26). 

Hydrarg. oxydat. flav., — b. ak. 
Konjunkt. (12). 

Hydrotherapie, kurzgef. — 360. 
Hygiene, z. Hebung d. Volks—382. 
Hymen, Entsteh, d. Cysten d. —8 
(11). 

Hyperchlorhydrie, — u. Hypersekr. 
307. 

Hysterie, F. v. — 404. 


X. 


Ichthyol, F. v. Lymphosark. geh. 

d. - (11). 

Idiotie, üb. famil. amaurot. — 26, 
110 . 

Ikterus, Widalsche Reak. b. — (24). 
—, 2 F. artif. —- (26). 

Ileus, 2 F. v. — 352. 

Impetigo herpetiformis, F. v. — b. 

e. Kind 487*. 

Impfreglement, Proj. e. —s f. Est¬ 
land 318, 330. 

Impotenz, d. Ther. d. — 317, 379*. 
Induktor, üb. magneto-elektr. —en 
(25). 

lnbalationsapparat, Demonstr. e. —s 
160. 


Digitized by ^ooQie 



VI 


Iris, F. v. beiders. —tuberkolpse 
437. 

Irrenheilan8talt, üb. d. — StackelD 
363. 

Ischiopagus (8). 


X 


Jod, wäss. —lösung als Antisept, i. 
d. Chir. (25). 

—, —tinkt. bei Hornhautgeschwür. 

(32). 

Johnentheorie, d. — i. d. Koprologie 
102 . 


b:. 


Kaiserschnitt, z. Kas. d. —s (29). 
Kakosmie, sobj. — 85. 

Kankroid, — d. Lid. geheilt d. Ra¬ 
dium (31). 

Karzinom, üb. Schleimhaut— e d. 

Magens und Rektnms 112. 

—, Frühdiagn. u. chir. Beh. d. 

Prostata —s 160. 

—, 2 F. v. — d. Zunge 352. 

—, F. v. Oesophagus — 413*, 416. 
—, F. v. —a recti 530. 

—, prim. Tuben— (8). 

—, Totalexstirp, d. Uterus b. — 
(14), (18). 

Katarakta zonularis, z. Aetiol. d. — 
85, 191*, 204*. 

Kavernitis gummosa, z. Kas. d. — 

(7)- 

Kehlkopfkrankheiten, Unters, u. Beh. 
d. — 437. 

Kemmern, — u. s. Heilfakt. 243. 
Kephalbaematoma, Äet. und Ther. 
d. —neon. 161. 

Keratosen, Exsudation u. — (30). 
Keuchhusten, Masern, — etc. 139. 
Kind, blasses Aussehen b. — ern 
306. 

—, d. —ernähr, im Säuglingsalter 
447. 

Kinderkrankheiten, Lehrb. d. — 447. 
Klimakterium, Myom u. — 207. 
Kochbuch, Diätet. — 139. 

Kolitis, oper. Beh. v. — chron. (30). 
Kolon, üb. Mega— congenit. (19). 
Kongress, internat. Ophthalmol. — 
i. Luzern 87. 

—, 5. internat. Dermatologen— i. 
Berlin 128, 231. 

XXII. — f. inner. Med. in 
Wiesbaden 231, 243, 272, 285, 
298. 

i-, XXXII. — d. Ophthalra. Ge¬ 
sellschalt in Heidelberg 427, 457. 
Konjunktivs, üb. Pemphigus —e 
02 ). 

—, F. v. Melanosarkoma —e (22). 
—, F. v. Tuberkulose d. — (22). 


Konjunktivitis, gelbe Quecksilber¬ 
salbe b. ak. — (12). 

Kopftrauraen, z. forens. Beurteil, v. 

— 466. 

Koprologie, d. Jonentheorie i. d. 

— 102 . 

Kornea, Jodtinktur b. —geschw. 
(32). 

Korpus luteum, üb. —cysten (17). 
Koxa vara, üb. — 61. 

Krankheit, — en n. Ehe 393. 

Krebs, Anschau, üb. d. — u. Beh. 
d. —es (18). 

—, s, a. Hautkrebs, Karzinom. 
Kreta, Korrespond. v. d. Insel — 
(- 7 ). 

Krieg, chir. Erfahr, v. russ.-japan. 
—e 215*, 227*, 365, 489, 529, 

(2), (11), (13), (26). 

—, Abänder, milit. Einricht, im —e 
(27). 


ULi. 


Labyrint, Gehörfunkt, b. einseit. 
—nekrose (26). 

Larynx, F. v. Sarkom d. — 438. 

—, F. v. —Stenose 449. 
Lebensprognosen, üb. — 282. 

Leber, Operat. ac. —verletz. 258. 

—, F. v..—verletz. 340. 

—, üb. —abszesse u. Perityph. 426. 
—, z. Kas. d. —abszesse (25). 

—, Nahtanlegung a. —wund. (27). 
—, Veränd. i. d. — b. perniz. 
Anaemie. (30). 

Lepra, F. v. — b. Kind. 52. 

—, Ber. üb. d. Tät. d. Ges. z. Bek. 

d. — 195, 363, 407. 

—, F. v. — 209. 

—, d. — in Finland 404. 

Leukämie, F. v. — 209. 
Leukocytose, Veränder. d. Knochen¬ 
marks b. — 499. 

Leukosarkom, —a epilbulbare (32). 
Lichen ruber planus, F. v. — 8, 
73, 257. 

Lid, fehlerh. Stell, d. unt. —es 448. 
—, amyloide Degenerat. a. d. —ern 
(22). 

Liebesieben, üb. d. — d. Mensch. 
161. 

Lunge, F. e. —nhemie (4). 

—, 2 F. v —gangrän (20). 

—, Lebensregeln f. —nleidende 383. 
Lungentuberkulose, d. Diazoreaktion 
b. — 382, 383. 

—, d. Hetolbehandl. d. — 405. 

—, Path u. Ther. d. — 448. 

_, d. — 529. 

—, d. —n i. d. städt. Hosp. (11). 
Lupus, F v. — d. Unterlippe 16. 
—, Demonstr. versch. F. v. — 140, 
173. 

Lymphangioma, 2 F. v.—cutis (30). 


Lyraphangiti8, e. Spirochätenbef. b. 
schw. Anämie u. karz. — 194*, 
630. 

Lyssa, 4 F. v. — nach Beh. m. 
Serum (3). 


iS/. E. 


Magen, Anwend. d. Wismuts b. — 
darm8törong 99*. 

—, üb. Schleimhautkarzinome d.—s 
etc. 112. 

—, occulte —blut. 172. 

—, Schussverletz, d. —s (3), (13). 

—, üb. —operat. (7). 

Magen- u. Darmkrankheiten, Grundr. 
d. med. Ther. d. — 161. 

Magnet, subj. opt. Empfind, im 
weohs. —felde (11). 

Malaria, üb. - Blutung (24). 

—.Beh.d. — m. Chinoperyninjekt.(25). 

Masern, —, Keuchh., Scharlach, 
Diphtherie 139. 

—, muit. Hautgangrän u. — (19). 

Massage, üb. gynäkol. — 218. 

Mechanotherapie, — i. Pernau 91*. 

Medizin, Jahrb. d. prakt. — 26. 

—, Handb. d. Gesch. d. — 73, 149. 

Medizin, Enzykl. d. pr. — 329. 

—, Handb. d. pr. — 405. 

Medizinalwesen, Entwick. d. —s in 
Livl. 208. 

Melanosis, 3 F. v. — oculi (31). 

Meningitis, F. v. — ac. 209. 

—, z. otogen. —ser. 318. 

—, F. v. tuberk. — (19). 

—, s. a. Cereprospinal— 

Mesenterium, z. Kas. d. Cyst. d.—s 
(20). 

Methylalkohol, z. —vergift. 32. 44, 
162, 316, 363, 489. 

Methylenblau, — i. d. psych. Praxis 
(10). 

Metreuryse (21). 

Mikrophotographien, Demonstr. v. — 
220. 

Milch, üb. trock. — (3), (4). 

—, Konserven d. eingedick. — (4). 

Militär, üb. d. Schwachen im — 
(27). 

Militärzug, Tätigk. e. —es (27). 

Missgeburt, Demonstr. e. — 341. 

-, - en (22). 

Morbus Raynaud, z. Kas. d. — (31). 

Morbus Basedowii, Pruritus als 
Sympt. d. — 73. 

Morbus Littlei, F. v. Sehnenüber¬ 
pflanz. b. — (6). 

Morbus Werlhofii, üb. — 194. 

-, F. v. - (4), 26). . 

Moulagen, Demonstr. versch. — 221. 

Musculus serratus, F. v. Lähm, 
d. — 92. 

Muskel. Pathog. u. Beb. hartnäck. 
-kontrakt. (7). 


Digitized by 


Google 



VII 


Myösthenia, F. v. — grav. pseudo- 
paralyt. 298. 

Myelitis, F. v. — ac. (25). 

Mykosis fungoides, üb. — 61. 

Myom, — o. Gravidität 103. 

—, — o. Klimakterium 207. 

—, — u. Herz 219. 

—, —, Herz, Ovarium 421*, 

Myopie, üb. —operat. (22). 
Myotonie, F. v. — (4). 

—, F. v. nervös. Erkr. m. Sympt. 
d. - (9). 

Myxidiotie, F. v. — u. Makroglossie 
• 208. 


IST. 


Nabel, 2 F. v. embryon. Geschw. d. 
-s (6). 

Nagel, —veränd. n. Scharlach o. 
Masern 60. 

Naphialan, — b. Ekzem (4). 
Narkose, üb. Aether— 109. 

—, —. p. Rektum (25). 

Nase, Ohren-u-, Rachenunters. b. 

Kind. 8. 

—, Entfern, v. Fremdk. a.-d. *—34. 
d. Krankh. d. — u. d. —n- 
rachens 529. 

Nasenkrankheiten, Abh. üb. — etc. 
72. 

Nebenniere, F; v. Sarkom d. —n 
(24). 

Nephritis, Diät b. Scharlach — 34. 
—, Path. u. Thor. d. Niereninsuff. b. 
— 171. 

—, F. v. — ac. 396. 

—, luet. — (4).' 

—, F. artif. — (26). 

Nerven, üb. d. —verteil in d. vord. 
Bauchwand 398. 

—, Endresultat, d. —operat. weg. 
Neuralg. (7). 

Nervenkrankheiten, Edingers Theorie 
über Entsteh, viel. — 515*. 
Nervensystem, Unters, d. —s 110. 
Nervus facialis, träum. Paral. d. — 
(1). 

Nervus opticus, prim. Tumor d. — 
,(12). 

—, Tumor d. — (32). 

Nervus sympatikns, z. Problem d. — 
241. 

Netzhaut, F. v. Kolobom, d. — 209. 
—i z. —ablösung (12). 

—, Gliom d. — (22). 

—, Angioneurosen d. — (31). 
Neurasthenie, Begriff d. — 374. 

—, üb. sex. — (11). 

Neuritis, F. v. asceud. — (6). 
Neurofibromatosis, üb. — (6). 
Neuronal, üb. — 129. 

Neurose, z. Kaa. d. —n n. Blitz¬ 
schlag (25). 

Niere, Einfl. d. bakt. Stoff a. d. — 
60. 


Niere, Wander— als Endbind, bindern. 
139. 

—, F. v. Tuberk. e. — 140. 

—, d.—ninsuff. b. Nephrit. 171. 

—. F. v. —ntuberk. 208. 

—, F. v. arteriosklerot. Schrumpf— 
etc. 417. 

Novargan, üb. — 129. 


o 


Oberschenkel, F. v. Sarkom d. —s 
(3). 

Oesophagus, klin. inter. F. v. — 
karzinom 413*, 416. 

— F. v. —Stenose m. Operat. 438, 
466. 

Ohr, — en, Nasen etc. -untersuch, b. 
Kind. (8). 

—, vergl. anat, Krit. b. d. Funkt, 
d. Mittel—s (26). 

Ohrenkrankheiten, Einführ, in d. 

Studium d. — 436. 

Operation, Atlas Chirurg. —eu 270. 
Operationsdauer, Einfl. d. — a. d. 
postoperat. Verlauf 197, 459*, 
473*. 

Operationsmethode, vergl. Unters. 

üb. d. abdom. u. vagin. —n (32). 
Operationstisch, neu. — (21). 
Ophthalmie, d. Toxintheorie d. sym- 
path. — (4). 

Ophthalmotonometer, neu. — (4). 
Orbita, F. v. Sarkom d. — 209. 

—, d. —Iphlegmone (12). 

—, Endotheliom d. — (32). 
Orohidopexie, z. Fr. d. — 203*. 
Organotherapie, — ra. Ovarialsubst. 

(7) . 

Ostealgien, über thorak. — 372. 
Osteomalacie, Aetiol. u. Beh. d. — 
( 21 ). 

Osteomyelitis, F. v. — staph. ac. 
fibul. 61. 

—, F. v. multipl. — (1). 

—, Entfern, d. lang. Röhrenkn. b. 
— (3), (13). 

—, ak. — d. Kreuzbeins (6). 

Otitis, Beh. d. ak. — (4). 

—, Trepanat. b. —media (24). 
Ovarialschwangerschaft, s. Extra¬ 
uteringravidität. 

Ovarium, Demonstr. e. doppelseit. — 
tumors 342. 

—, Myom, Herz, — 421*. 

—, d. Endotheliome d. —s (5). 

—, üb. d. Dermoid, d. —8 (7). 

—, Organother. m. —extr. (7). 

—, Entwick. d. Fruchtsacks i. — 

( 8 ) . 

—, Struma d. —s. (17). 

—, Teratoma d. —s (17). 

Ozaena, Serotherapie d. — (2), (13). 


:p. 


Pankreas, üb. Entozoen im — .237*, 
251*. 

—, Häufigk. d. —erkr. 307. 

—, üb. d. Langerhansschen Inseln 
im — 369* 369*. 

Paralyse, spast. Spinal — 363. 

—, träum. Facialis — (1). 

—, 900 F. progress. — (9). 

—, —n b. Ptomain vergift. (14). 
Paranoia, Stud. üb. —quaerul. 488. 
—, d. Affekt b. d. — (10). 

Parese, d. vasomotor. — als Urs. v. 
Katarrh. 390*. 

Pathologie, Lehrb. d. allgem. — 528. 
Pellagra, F. v. —pigm. (30). 
Pemphigus, üb. — konjunkt. (12). 
Penis, z. Kas. d. —verletz. 49*, 67*, 
308. 

Perikardiotomie, fib. — (4). 
Peritonitis, üb. —tuberk. 329. 
Perityphlitis, Indikat. z. Oper. b. 

— 7. 

—, üb. — 16, 365, 479. 

—, F. v. oper. geheilt. — 269. 

—, üb. Leberabszesse u. — 426. 

—, Antistreptokokkenserum b. — 
(2). 

—, Beh. d. — (3). 

Pernau, e. J. mechanother. Beh. i 

— 91*. 

Pest, Bemerk, z. d. —fällen im Ge¬ 
biet d. chin. Ost-Bahn 477*. 

—, Maassreg. z. Verhüt, d. — (4). 
—, d. — in Gaidshoou (25). 
Pbagocytose, üb. d. — (26). 
Phlegmone, d. Orbital— (12). 

—, z. Aet. d. inguinal. Adeno —n 
(27). 

Phosphorescenz, Einfl. d. Organ, a. 
d. — (10). 

Physiologie, path. — 86. 

Pityriasis, F. v. —rosea 52, (27). 

—, F. v. —rubra 518, (31). 

Pleura, F. v. Endotheliom d. Me- 
diast. u. d. — 1*, 8, 13*. 

—, 56 F. v. Eröffn, d. —raumes d. 

Messerstichverletz, 374. 

Pneumonie, üb. Pyocyaneus — 351. 
Pneumothorax, d. — 138. 

—, — u. Empyeraa cut. (4). 
Poliomyelitis, F. v. — 209. 

Polyurie, 2 F. v. — (26). 

Processus vermiformis, Demonstr. 

2 Präpar. v. — 395. 

Prostata, Frühdiagn. u. chir. Beh. 

d. —karzinoms 160. 

—, Beh. d. —hypertr. n. Bottini 
308, 337*, 347*. 

Protokolle d. Deutsch, ärztl. Vereins 
z. St. Ptsbg. 16, 128, 172, 194, 
426, 448. 

—, d. Vereins St. Ptsbg. Aerzte 
61, 85, 119, 140, 171, 182, 394, 
405, 415, 465. 488, 529. 

— d. XVI. Aerztetages d. Gesellsch. 
livl. Aerzte zu Dorpat 183, 195, 
206, 218, 229, 241, 306, 316. 


Digitized by ^ooQie 



VIII 


Protokolle, d. XVII. Aerztetages d. 
Gesellsch. livl. Aerzte zu Arens¬ 
burg 332, 362, 407, 451, 498,640. 

—, d. Gesellsch. prakt. Aerzte z. 
Riga 26, 52, 73, 92, 110, 219, 
267, 297, 829, 839, 340, 360, 
372, 383, 395, 400, 416, 437, 
450, 466, 618, 530. 

—, d. med. Gesellsch. z. Dorpat 8, 
34, 44, 103, 149, 161, 479, 489, 
499, 531. 

—■, d. Gesellsch. prakt. Aerzte zu 
Libau 208, 231, 632. 

—, d. II. Aerztetages d. estländ. 
ftrztl. Gesellsch. zu Reval 270, 
283, 318, 330, 340, 352, 358, 
363, 374. 

—, d. St. Ptsbg. Ophtkalmol. Gesell¬ 
schaft (12). 

Prurigo, F. v. —ferox 35. 

Pruritus, — als Syrapt. d. M. Ba- 
sedowii 73. 

Pseudomelia paraesthetica, — als 
Syrapt. e. Hirnaffekt. (10). 

Psoas, z. Aetiol. d. —abszesse 279*. 

Psoriasis, üb. — (19). 

—, Beh. d. — m. heiss. Luft (26). 

Psychiatrie, Lehrb. d. — 7. 

—, neue Erfahr, üb. — 197. 

—, Methylenblau i. d. — (10). 

Ptomain, Lähmung, b. —vergift. 
(14). 

Ptosis, z. —operat. (12), (22). 

Ptosi8 viscerum, ttb. — 352. 

Pubiotomie, Beitr. z. —frage 405, 
485*, 496*. 

Puerperalfieber, Puerperium, s. Sep¬ 
sis, Wochenbett. 

Pyämie, z, Kas. d. otogeo. — (6). 

Pyelitis, F. v. —calc. 350. 

Pyocyaneus, üb. —pneum. 351. 

Pyramidon, — b.Typh. abd. 339. 




Radium, Kankr. d. Lid. geheilt d. — 
(81). 

Rektum, art. Blutvers. d. —s (1). 
Rheumatismus, z. Kas. d. Tripper — 

(31). 

Regiment, d. —s — Okolotok (27). 
Roentgenapparate, Gebr. d. gr. — 
ra. Handmotor (24). 

—, Hilfsvorricht. f. d. — 330. ■ 
Roentgenstrahlen, Kompend. d. — 
ther. 7. 

Rueckenmark, F. geheilt. Erkr. d. 
-s (3). 


S. 


Salpingoskopie, d. — (27). 

Saluti aegrorum, 16. 

Salvia, — offic. b. Schweiss. (11). 


Sanatorium, V. Ber. ttb. d. Tätig. 

d. —8 zu Pitkäjärvi 505*. 
Sanitätsstationen, Zweckra. d. milit. 

— (4). 

Sanitätswesen, z. Reorgan. d. —s 

a. d. Lande 283, 383. 

Sarkom, F. v. — d. Orbita 209. 

—, F. v. — d. Larynx 438. 

—, F. v. — d. Oberschenkels (3). 
—, F. v. Lympho— geh. d. Ich¬ 
thyol (lt). 

—, F. v. — d. äuss. Genital. (18). 
—, F. v. Fibro—a vulvae (21). 
—, F. v. Melano— d. Bindehaut 
(22). 

—, F. v. — d. Nebennieren (24). 

—, F. v. — d. Hals. (30). 

Schaedel, gegenwärt. Stand d. — 
lehre 363. 

— 3 —fraktur. (11). 

Scharlach, Diät b. —nephritis 34. 

—, Nagelveränder. n. — 60. 

—, Masern, — etc. 139. 

—, ther. Wert d. Serums b. — (3). 
—, —epideraie in Cherson (11). 

—, z. Serumbeh. d. — (24). 
Scheitelbein, üb. hint. —Stellung 
(21). 

Schlammbäder, Verwert d. Moor- u. 

— 135*, 147* 426. 

—, üb. — u. Radioaktivität 363, 
443*, 451. 

—. Erfahr, ttb. d. Wirk. d. — 493*, 
498. 

—, d. —beh. d. Wirbelsäule (10). 

—, d. —beh. d. weibl. Genitalaffekt. 
(18). 

Schreibkrampf, Prophyl. u. Ther. d. 
—s (4). 

Schulstatistik, üb. Schttlerunters. u. 

— 316. 

Schulterblatt, Amput. intersc. thor. 

b. bös. Geschw. d. —8 (6). 
Schwangerschaft, s. Gravidität. 
Schweiss, Salvia b. —en (11). 

Sehen, d. — in Zerstreuungskreisen 

(22). 

Sehnenscheiden, 2 F. v. —entzünd. 
352. 


Seitenkettentheorie, Hanpts. d. Ehr¬ 
lich. — 317. 

Sepsis, Beitr. z. Fr. d. puerp. — 241. 
Septum ventricul., F. v. Defekt im 
— 449. 


Serumtherapie, — d. Erysipel. 59*, 

(3). 

—, z. Heil — 161. 

—, Nachwirk. d. Diphth. — 353. 

—, — d. Appendicitis (2). 

—, — d. Ozaena ( 2 ), (13). 

—, — d. Scharlachs (3), ^24). 
Sinusthrombose, d. Differentialdiagn. 

b. otit. — 619, 530. 

Skiaskopie, — (3). 

Sklerodermie, F. v. — 531. 
Skrotum, F. v. Gangraen d. — 
362*. 

Spermatorrhöe, z. phys. mech. Ther. 
d. — 348*. 


Spermatozoon, d. — d. Sänger (21). 
Spiritismus, — u. Geisteskr. (9). . 


Spiritusöfeu, Beheiz, d. terap. Hosp. 
ra. — (26). 

Spirochäten, e. —befund b. schw. 
Anaemie u. karz. Lymph. 194*, 

530. 

—, — b. Syphil. (21). 

Spondylitis, ttb. —typhosa (6). 
Sprachstörung, üb. —en 28. 

—, seit. — 405. 

Sprengkugeln, Gebr. d. — b. d. Ja¬ 
pan. (26). 

Sputum, d. ehern. Analyse d. —$ 
416. 

Strahlen, üb. d. — v. Blondlot u. 
Charp. (10). 

—, Gedankenlesen u. N— (10). 
Struma, — ovarii (17). 

Studienreise, fünfte ärztl. — 463*. 
Sympatikus, s. Nervus — 
Symphyseotomie, üb. — 107*, 112. 
—, z. Gesch. d. —- (82). 

Syphilis, F. v. — haemorrh. 26. 

—, F. v. prim. — d. Zunge 208. 

—, F. v. — 209. 

—, F. v. — cerebri 352. 

—, F. v. bös. — (4). 

—, Diabetes insip. n. — (7). 

—, z. Fr. d. —spirochaeten (21). 

—, aussergeschl., —infekt. (26). 

—, F. v. Distrophien b. hered. — 
(30). 

—, F. v. — gonit. (31). 

—, Bed. d. Harnanalys. auf Hg. b. 
—beh. (31). 

—, hyster. Arthralgien b. — (31). 
Syringomyelie , Erkr. d. Knoch. u. 
Gelenke b. — (25). 


X. 


Tabes dorsalis, Diagn. u. Beh. d. — 
139. 

Tannigen, — b. Diarrh.d. Kind. (11). 
Tarsitis, F. v. — luet. 632. 
Tenotomie, — u. Muskeldebn. ( 12 ). 
Teratoma, —ovarii (17). 

Tetanie, 4 F. v. — (19). 

—, — auf hyster. Basis (27). 
Tetanus, F. v. — hydrophob. 633. 
Theocin, — als Diuretikum (11). 
Therapie, Leist, d. — i. J. 1908, 
350. 

—, Leist, d. — i. J. 1904, 640. 

—, Taschenb. d. — 618. 

Thyreoidea, Geschw. d. acces. (6). 
Tonsillen, Knorpelgewebe i. d. — 
( 11 ). 

Toxine, Einfuhr, v. —n i. d. Liq. 
cerebrospin. (18). 

Trachea, F. v. Fremdkörper in d. 

- (20). 

Trachom, Beh. d. —s m. Cupr. aeet. 

OO. 

—, F. v. — u. Oedem d. Lider (22). 
—, d. Augensanitätsstation f. —be- 
handl. (26), (26), (27). 


Digitized by ^ooQie 




IX 


Trachom, ambulat. mech. Beh. d. —s i 

(26) . j 

Traenenapparate, d. — d. Kaninch. ! 
(12). 

Trinkwasser, Versorg, d. Milit. m. I 

- (4)., 

Tube, Demonstr. e. gravid. — 9. 

—, prim. — nkrebs (8). 

—, s. a. Extrauteringravidität. 
Tuberkulin, Wert d. —s f. d. chir. 
Diagn. 139, 

—, mod. Meth. d. —anwend. 179*, 
465. 

—, üb. b. Rind. — 465. 

Tuberkulose, Herz - Lebervergröss. 

Frühsympt. d. — 5*. 

—, d. konstit. Faktor i. d. —frage 
39*. 

—, spez. Beh. d. — 110. 

—, F. v. — d. Unterlippe 140. 

— F. v. — d. Niere 140, 208. 1 

—, üb. Blasen— 149. 

—, Ber. üb. d. Tätigk. d. Gesellsch. 
z. Bek. d. — in d. Ostseeprovinzen 
184, 342. 

—, Ehe, — u. Schwangersch. 229. 
—, üb. — d. Auges 317. 

—, d. Verbreitungswege d. — im 
mensch. Körper 394. 

—, F. v. beiders. Iris-- 437. 

—, üb. d. — d. Coecnm (5). 

—, Operat. b. — d. gross. Gelenke (7). ! 
—, Blutzirkulat. u. Knochen—• (7). 

Mischinfekt, b. Chirurg. — (7). . 
—, üb. — d. Genitalorg. (8). 1 

—, — d. Herzmusk. (11). 

—, F. v. — d. Bindehaut (22). 

—, Bekämpf, d. — i. d. Armee 

(27) . | 

—, s. a. Lungen— 

Tumor, Demonstr. e. doppelseit. Ova¬ 
rtal—s 342. 

—, d. malign. —en im Kindesalter ! 
404. 

—, F. v. —en der Brüste 499. 

—, z. Kas. bös; —en (2), (6). 

—, d. —en d. Sehnerv. (12), (32). 
Typhus,. Fickers —diagnost. 447. 

—, s. a. Widalsche Reaktion. 

Typhus abdominalis, Pyramidon b. 

- 339. 

—, Komplikat. d. — (13). 

—, Operat. d. perf. Peritonitis b. — 
(14). 

—, üb. — (20). 

—, z. Epidem. d. — im Lager (26), 
(27). 

—, d. — im Militär v. 1887—1902 
(26). 

—, d. Erdgraben in d. Epidem. d. 

- (27). 

Typhus recurrens, z. Ther. d. — (25). 


TT. 


Ulcus, Demonstr, versch. F. v. — 
140, 172. 

—, F. v. perigenit. — (31). 

Ulcus raolle, z. Kas. extrageuit. — 

( 2 ). 

Ulcus rodeus, F. v. — 128. 

Ulcus rot. venticuli, F. v. — 8. 

—, z. Kas. d. Perfor. d. — 415. 

Unfall, —schädig, d. Augen (12). 

Ureteren, z. Chir. d. — 448. 

Urethra, F. v. doppelt.— (31). 

Urethritis, F. v. Gonokok. — (30). 

—, F. v. — (31). 

—. s. a. Gonorrhoe. 

Urogenitaltberapie, hydrostat. Meth. 
d. - (7). 

Urologie, Lehrb. d. — 16. 

Handb. d. — 394. 

Urticaria, F. v. —perstans (7). 

Utorus, oper. Beh. d. Fibromyome 
d. — 157*, 167* 394. 

—, Urs. u. Beh. d. —prolapse 161. 

—, Demonstr. e. rayom. — 207. 

—, Enucl. d. —fibrome (1). 

—, üb. Inversion d. — (3), (13). 

—, z. Totalexstirp. d. — (Porro) 

( 8 ). 

—, Beh. inf. puerp. Proz. i. d. — 
höhle (8). 

—, abdom. Totalexstirpat. d. karzi- 
nomat. — (14), (18). 

—, üb. Perforat. d. —wand b. Son¬ 
dier. (14). 

—, s. a. Cervix, Myom. 


TT. 

Vagina, —le u. abdom. Operat. 8. 

—, Steinbild, in d. - (21). 

Variola, F. v. — 209. 

—, üb. d. Erreger d. —, Variolois 
etc. (14), (20). 

Ventilation, — d. Wohnränme (3). 

Verbandplätze, d. — im Türken- 
, kriege (24). 

Verbrennung, Tod d. — im Ofen 
51*. 

—, Ursach, d. —ssymtome (6). 

Vergiftung, d. —en 478. 

—, Methylalkohol— 32, 44, 162, 

316. 

—, Lähmung b. Ptomain— (14). 

Verletzung, Augen—en d. ZeitHngs- 
halter (16). 

— z. Kas. d. Penis—en 49* 67*. 

—, 56 Messerstich—en d. Pleura¬ 
raum. 374. 


Verletzung. F. v. Augen— 425. 

—, —en d. japan. Feuerwaffen (2), 
(13). 

—, üb. Schuss—en d. Magens (3), 

OB). 

—, üb. —en d. modern. Mantelge¬ 
schosse ( 11 ). 

—, F. v. Aneurysma n. Schuss— 
(26). 

—, Herabsetz d. Arbeitsfähigk. n. 
Augen—en (31). 

—, z. Kas. d. Schuss—en d. Augen 
(31). 

Verwundete, Transport d. —n im 
Kriege (24), (25), (26), (27). 

Vulva, F. v. Fibrosärkoma—e (21). 


TKT. 


Waschapparat, neu. — (3). 

Wasser, Desinfekt, d. Trink—s (25). 

Widalsche Reaktion, üb. d. — (26), 
(27). 

—, s. a. Typhus. 

Wiesbaden, Briefe a. — 94. 

Winterkleidung, d. — d. Gesund, u. 
Krank. (25). 

Winterkuren, — i. Hochgebirge 
43*. 

Wirbelsäule, d. Schlammbeh. d. — 

( 10 ). 

Wismut. Anwend. d. —s b. Magen¬ 
darmstörung 99*. 

Wochenbett, z. llyg. d. Schwangersch. 
n. d. —8 206. 

Wolfsrachen, F. v. — 394. 


X 

Xeroderma pigment., üb. — 209. 
—, Augenveränder. b. — 317. 


ZT: 


Zaehne, Beh. d. — in d. Armee (26). 
(27). 

Zahnheilkunde, Kursus d. — 448. 
Zehen, Deformat. d. — (3). 
Zeitungshalter, Augenverletz. d. — 
16. 

Zunge, luet. prirn. Affekt, d. —208. 
— 2 F. v. —nkrebs 252. 
Zwangsvorstellungen, z. Kas. d. -r- 
( 20 ). 


Digitized by 


Google 



X 


Na men-Register. 


Abbe, E. t 20. 
Abraraytschew, P. f 
500. 

Abrikossow (30). 
Achert 256*. 

Adel heim 359*, 369*. 
Adolphi, G. (21). 
Adolph!, H. 477*. 
Afonski, N. f 161. 
Agababow (22). 

Alberti, J. t 76. 

Alfven 447. 

Altenberger, G. + 88. 
Amenitzki (26). 
Ananow, S. t 36. 
Andrshejewski (24). 
Auossow (30). 

Aparin, J. t 417. 
Arapow (ö). 

Arbusow (6). 
Archangelsk!, A. f 20. 1 
Arneth 529. 

Arnstein (13). 

Arronet 363, 443*, 

451. 

Arschawski (lH. 
Arshenewski (20). 

Asch 60. 

Aslezki (3). 
Astwazaturow (25), 
(27). 

Anbei, J. van t 36. 
Aufrecht 44t>. 

Awdejew (24). 


Baginsky 447. 
Baimakow (11). 
Bakaleinik (2). 
Balaschow (17). 
Ballbausen, v. 541. 
Bartenew (19). 

Barth (6). 

Barth u. Tauber (26). 
Bary 86. 

Bastian, A. f 76* 
Bechterew (9), (10). 
Beck 161. 

Behr 363, 406. 

Beldau 383. 

Benezet, A. t 633. 
Berdjajew (3). 

Beresin, A. f 76. 
Beresnegowski (6). 
Berg, A. 117*, 125*, 
3*3. 

Berg, F. 438. 

Berg, H. 52. 
Bergengrün 53. 

Berger (31). 

Bergmann 258, 259, 
329, 340, 360, 438.; 
Bertels 73. 

Bertenson, B t 245. 
Bertenson, L. (4), 541. 
Bidder, A. t 260. 
Biedert 447. 


Biedrichson (31). 
Binswanger u. Siemer- 
ling 7. 

Blagowescbtschenski 

12 . 

Blanche-de-la-Roche 

(25). 

B16court u. Nijhoff 26. 
Blessig 16, 85. 
Bluinberg (l). 
Boekenkeimer n.Frohse 

27»'. 

Bogoijubow (6), (29). 
Buikuw (31). 
Boltenslern 478. 
Borchard (2o). 

Borei 541. 

Boruhaupt, T. f 1°*, 
141. 

Borowikow (27). 
Borowski (25). 

Busse 413*, 416, 417. 
Brackebusch 479. 
Braudstedt, F. f 440. 
Braunstem (12), (3i)- 
Brehm 27, 93, 258, 

239, 307, 330. 
Brecnsohu 139, 208. 
Bresler 3 ö 3. 
Broschuiowski (4), (27). 
Biuttan, P. t 500. 
Buch öL*. 

Buchholz 73. 
Bueuguer, 0. v. f 342. 
Buettoer 307. 
Buettuer. C. f 162. 
Bulatow, P. f 453. 
Buller u. Casey Wood 
32, 44. 

Bunge 542. 

Bunin, H. f 88, 233. 
Buuting, G. f 620. 
Burckhardt, E. t 440. 
Burdon-Sanderson, J. 
t 543. 

Burshalow (2). 

Burzew (22). 

Casper 16. 

Charitonow (3), (26). 
Chlebnikow, J. f 28. 
Chlopin 542. 
Chmelewski (10). 
Chodin. A. f 96. 
Cholodkowski (1), (3.2). 
Christian! 209. 

Cohn 448. 

Colmers 120. 

Cook u. Briggs 139. 
Cukor 325*. 

Czermak 328. 

Danielbeck, A. f 321. 
Danilawski, A. (3), (4). 
Danilewski, W. (11). 
Daragan, D. + 490. 
Dawydow (26). 


Dedjorin, 1. (31). iFraenkel (24). 

Dfidjnrin, W. (31). iFrankenstein, E. i* 151. 
Dedow (9), jFrautzen, A. f 103, 

Dehio 16l, 195, 317,; 104. 

363, 407, 489. Frey 110. 

Demjanow. S. | 221. Friedberg 209. 


D'Tjushinski (l). 
Determaun 1 >9. 
Didrichson (26). 
Dieterichs (5). 

Diraaot (32). 
Djabclikow (2). 
Dobbert 167*, 

394. 

Dobrowolski (25). 
Dubryniu, P. f 480. 
Dogadkin (3). 
Dolmatow (4).. 
Dombrowsky 16, 

171. 

Dornblütb 139. 
Dwueglasow, N. t 65. 
Dynowski, K. f 66. 


Frisch n. Zuckerkandl 
i 394. 

Frohnstein, M. f 365. 
iFrolow, P. (31). 
IFrolow, P ■}• 120. 
Frolow, W. (27). 

167*, Fuerbringer 350. 
IFvanienheim 160. 


M. t 


Ebstein und Schwalbe 
*05. 

Eckhardt, C. f 161. 
Ekstein 241. 

Eliasberg, J. 73, 257, 
372, 395. 

Eliasberg, M. 26, 110. 
Eliasberg, S. f 453. 
Elsner, M. f 309. 


Gab riulo witsch, 

I 2.'4. 

iGalsjazki (3). 

61, Ganshiuski (26). 
iGarmaschew (26). 

Gau pp 61. 

Geisehthor, D. f 233. 
Geliuka (27) 

Geuter (l 1). 
Georgijewski (1). 


Hahn (24). 

Halbey, H. f 198. 
Halicki, A. f 467. 
Haller 353. 

Halpern. C. f 490. 
Hampeln 372, 406. 
Harms 364. 

Harmsen, W. f 298. 
Hasenfeld f 8b. 
Heermann 72. 

Hellat 394. 

Henschen 628. 
Hermann (2) 
lleryng 437. 

Henking 489, 629, (6). 
Heydaann 209. 

Higler, N. t 
Hilger, A. r 198. 
Hirsch 352, 374. 
Hirschberg 221, 316. 
Hjelt 542. 

Hjort. J. f 104. 
Hoerschehnann 465. 
Hoerschelman (Rappin) 
363. 


German» 87, 141, 42ö,;Hohlbeck (6). 


448, 450. 

Giuiillo (7). 

Giagolew, D. f 397. 
Glinski, G. t 186. 
Glintschikow (26). 
Gnadeberg, A. f 299, 
.. 21 . 


Emersou 133. 
Eugelhardt 241. 
Engelmanu 2 b, 
337* 347, 518. 
Erikson (10). 
Ermolinski (25). 
Eulenbnrg HO. 
Euren 109. 


Fagerlnnd 404. 

Falco, A. f 54. 
Fedorow, A. (26). 
i*edorow, I. (11). 
Fedorow, S. (5). 
Fedorow, W. (18). 
Feer 6u. 

Feldmauu (8). 

Feldt 179*, 465. 
Felser (12). 
Fenuraenow (14). 
Ferchinin, J. | 221. 
Fick 415. 

— u. Ucke 426. 
s. a. Wiehert u. — 
Filontschikow (25), 
(26). 

Filosofow (20). 
Fischer, E. 241. 
Fischer, F. 241. 


iGoldberg 209. 
Goldscheider 7. 

308, Goljachowski f 500. 
Golowin (32 t. 
jGolubinzew (24), (27). 
iGolynez (4). 
^rabowski, A. f 221. 
Graeter u. Hoesslel29. 
iGratscboff 139. 
•Graubner 34, 479,499, 
i 532. 


Greiffenhagen 362, 365. 
Greiz (26). 

Grigorjew, W. f 286.. 
Grigoruwitsch (21). 
Gromow, W. f 210. 
Gromyko (4). 

Grot 49*, 67*, 308. 
Grnbert, E. t 333. 
Grusdew (17). 
Gubarew, A. (21), (29), 
(32). 

Gubarew, P. f 321. 
Guenther, R. f 66. 
Guenzburg, (31), (32). 
Gurfinkei (31). 
Gurwitsch (4). 
Guschkina (3). 
Gutowski, I. f 113. 
Gultmann 103. 


Fischer, F. f 287. 

Flemming, W. f 321. iGuye f 36. 
Florowski, S. t 173. I 
Fomin 541. IHaab 328. 

Fortunatow, A. f 2lO.]Haase, A. f 120. 


Holtmann 150, 499. 
iHolmgren 383, 447! 
Holst, R. v. 243. 
Hobt, W. v. 197. 
Holsti 404. 

Horn, K. t 385, 396. 
Hosch, F. f 532. 
lluebner, F. f 440. 

Idelsohn 23*, 241. 
lgnatjew, 1. f 333. 
lljin (25). 

Ischreyt 209, 317,632. 
lwanissew (24). 
Iwanow (24). 

Jacoby, 0. f 343. 
|jakobson, L. f 28. 
Jasnizki (4), (25). 
Jastrowitz 161. 

Jebzina (30). 

Jegorow (25). 
Jerofpjew, T. f 120. 
Jewdokimow (31). 
Jewetzky 306. 
Jewplow, J. t 20. 
Jewssejew (3). 
Johansen, A. f 261. 
Jordan 59*. 

Jossifow (2). 

Josten (12). 
Juchkamson, J. f 397. 
Jurgenson 541. 
Jnergensohn, B. f 20. 
Juerjew, P. f 245, 520. 

Kablukow (30). 
Kadazki (24). 
Kadygrobow (ö). 
Kakuschkin (32). 
Kalinowski (26). 


Digitized by c^ooQie 




XI 


Kaljewitsch, K. f 333, 
520. 

KamPDski 541. 
Kämmerer t 274'. 
Kannegiesser (8). 
Rarejew, G. f 520. 
Karpow (31). 
Kartsch-Kartschewski 
(*«). 

Kasas (32). 
Kascbkadanow (11). 
Kasjanow, J. t 186. 
Kassa tkln t 408. 

Kassil (22). 

Katterfeld, A. f 619. 
Katz (12), (22). 
Katzaurow (31). 
Kaufmann (21). 

Keleli 641. 

Keilmann 107*, 112, 

195, 207, 466. 
Kenarski (20). 

Kenpsep 631. 

Kernig 172. 

Kessler 197, 219, 421*, 
469*. 473*. . 
Xsyserlingk 341, 364.1 
Kieserttekj 34. 
Kijanizin (3), (2«). ! 

Kiknth 229. 

Killian 86. 

Kirilow (3). 

Kirkorow, S. t 429. 
Kisch JOH. 

Kissel (20). 
Kistjakswaki -(27). 

Klau 35, 45, 303*, 

313 *. 

Klemm, 0. 340, 439. 
— Mühlen, und An¬ 
spach 433. 

Klemm, P. 339, 340, 
350, 383, 395, 438, 
466 680. 

Kletschetow (4). 
Kujashikowski, E. f 
3« 9. 

Knochenstiern 318. 
Kochanuw, P. + 162. 
Koelliker, A. v. f 458. 
Kcevesi n. Roth-Schulz 
171. 

Kohlschütter, E. f376. 
Kolewitzki (21 •. 
Kolossow (5). 

Kolpakow (3). i 

Komocki. F. f 375. 
Kondratjew, A. (12). 
Kondratjew, E. (8). 
Koppe 316, 363. 
Koppel 8. 

Kopranski f 408. 
Korczynski, E. f 453. 
Kornilow, A. f 198. 
Koslowski, B. (6). 
Koslowski, M. (22). 
Kosmin, A. (26). 
Kosmin, L. + 365. 
Kostenitsch (4), f 541. 
Kostin, S. t 408. 
Kiaimhals 339. 
Krassjuk, N. f 46. 


Krebel, K. f 245. 
Krehl 85. 

Kretschmann, J. f 366. 
Kretschunesko f 520. 
Kriwski (21). 

Kritzki (26). 

Kroeger 291*, 297. 
Kroeger, S. f 162 
Kruedener 437, 450. 
Krushilin (25). 

Kuegler 4o7*. 

Kuettner 406, 4S5*, 

49b*. 

Kunkel, A. f 356. 
Kupffer 283. 

Kuschew (11), (14). 
Kusick 342. 

Kusuetzki (1). 
Kosnezow, D. f 161. 

Labsin (25). 

Labuz, W. f 309. 
Laehr, H. f 366. 
Lahmann, H. + 210. 
Landschewski, N. 110. 
Lapschin (11). 

Laquer 43*, 99*. 

Lasarew (12). 

Lasizki (24). 

Lawrow (4), (14). 
Lebedew, J. (27). 

I Lebedew, S. f 162. 
Leersum, rM 641. 
i Lenhartz 182. 

Lenz, B. f 453. 

Lesser 60. 

Lctnbe 189. 

Lenthehi, t. f 490, 
600 . | 

Lewaschow (13). 
Lewicki, G. + 299. 
Lewin (27). j 

Lewschin (11). 

Lezeuius 86, 191*, 

204*. 

Lifschitz (4). 

Lilienthal, E. t 118. 
Lind heim 16. 

Lingen 61. 

Lingg, H. y. f 233. 
Ljasso (2). 

Ljobomudrow (4), (26). 
Lönnqvist 215*, 227*. 
Loktew (12). 

Ludwig, G. f46. 

Lnkin, T. t 299. 
Lunatscharski, P. f 28. 
Lunin 449. 

Lurja, J. f 429. 

Lurje (22). 

Lwow, J. f (17). 

Lwow, M. t 88. 

Maklakow (12). 
Malkow, W. f 386. 
Maloutis (26). 
Mandelstamm (22). 
Mankowski (19). 
MansQrow (4). 

Marcel, L. f 467. 
Maschln. J. f 417. 
Masin, J. f 343. 


Masiog, jnn. 197. .. 
Masing, sen. 128, 405, 
515*. 

Maslennikow (12), (22). 
Maslowski (2). 
Massmann, F. + 397. 
Matawkin, A. j 286. 
Matschichin, G. f 120. 
Matwejew, A. f 142. 
Matzner 265*, 280*, 
294*. 

Maximow (18). 
Maximowitsch (26). 
Maydell 352. 

Mayer, G. 161. 

Mayer, G. f 246. 
Mediokrizki, N. tl98. 
Medwedew (27). 
Meinshausen, R. t 480. 
Meissner, G. f 113. 
Mentschinski (13). 

Mey 286, ;-,06. 

Meyer, E. f 221. 
Meyer, J. 8, 9, 103, 
206, 207. 

Meyer, K. 405. 
Michailow, N. (1). 
Michailow, P. (19). 
Migai (4). 

Mikulicz Radecki, v. + 
233. 

Milejew, T. + 286. 
Milewski (25). 

Mintz (1). 

Mironow (8). 

Miropolski (7). 
Mitrofanuw (32). 
Mjikertsclyanza (18), 
( 21 ). 

Mnnse (25). 

Moritz, E. 282. 

Moritz, O. 79*, 194*, 
394, 630. 

Mracek 110. 

Muehlen, A. v. z. 73, 
438, 439, 530. 
Muehlen, F. v. z. 74. 
Muehlen, G. v. z. 342. 
Muejister, H. f 408. 
Murray, W. S. f 95. 
Mursin (4), (26), (27). 

Nadeiu, A. f 286. 
Nagel 629. 

Nagorski 541. 
Narzissow t 365. 
Nedrigailow (26). 
Nedselski (6). 

Neese (22). (32). 
Nenadovics 135*, 147*, 
426, (18). 

Neuburger und Pagel 
73, 149. 

Neumayer, 11. 642. 
Newjadomski (14), 
(aO). 

Niedzielski, S. f 261. 
Niewenbuis 641. 
Nikiforow, H. t 408. 
Nikiforow, M. (30), 
NiKitin (10). 

Nikonow (18). 


Nothnagel, H. f 274. Protopopow, C. f 333. 
Nottbeck 318. . Protopopow, I. (25). 

Nnmmermann, S. +198. Prshewalski (7). 

Prüssian 94. 

Obesjanow 841. P rnssak < K - t IM. 

Obniski, K. f 520. 9rzeszko - t 129 - 

Obraszow (20). Puschkin» (13). 

Oefele 102,217*, 415*. 

Ohlsdmanger, M. t Rabeck> L . f 48I . 

Okintscbitz (.8), (22). ( * 9) ' 

Okmjanski (26). J}“ 1 ? T , 

OmeUanowaki, L. t IO.!®""*; 

Ramström 393. 

Raphael 128*. 
Rappoport (10). 
Raptschewski (26). 
Rasdolski (25). 
Rnsumowski (7). 

Raue 363, 625*, 537* 
640. 

Reclus, P. 641. 
Resnikow (S). 

Reusner 389*. 
Rieinschneider 34. 
Rippe (3). 

Ritter v. Basch, S. f 
186. 

Rodari 161. 
jRoehrich, B. f 173. 
;Roethig 16. 

Rosanow (30). 
jRoschtschinin, T. + 28. 
Rose.nberg, S. f 397. 


Omeltschenko (13), 

eil). 

Oppel (6). 

Orlow, A. f 129. 

Orlow, N. (24). 

Orlow, W. (14). 

Orlowski (1). 

Orthmann 448. 

Ossipowski (3). 

Olschapowski (12). 

Otto 1*, 8, 13*. 

Pachntnow (26). 

Paldrock 35, 308. 

Paltsehikowski, J. 

420. 

Papisow (7). 

Paucker, K. f 376. 

Pawlow (27). 

Perman 7. 

Peters 194. 

Petersen 16, 128, 140,i Rotmann (7), (20), (30). 


172, 173. 

Petersenn, A. t 20. 
Petrbn 488. 

Petrow, N. (7). 

Petrow, W. (20). 
Petrnlis (6). 

Pezold 505*. 

Pick 350. 

Pikok, R. f »O«. 

Pi neos .-*93. 

Piotrowski, 0. f 142. 
Piramidow, N. f 142. 
Plotnikow, A. f 417. 
Podobanski (25). 
Podobjedow, B. f 520. 
Pohl, H. f 10. 
Pokrowski (4). 

Pol (27). 

Poletika, M. f 64. 
Poljankow, S. f 321. 
Poljesski- Schtschipillo, 
N. t 408. 

Pollatschek. 360, 540. 
Pultawzew (30). 

Popow, D. (20). 

Popow, W. (22). 
Pospelow, A. (29). 
Pospelow, P. (27). 
Potemkin f 467. 
Prissmann 209, 231, 
463. 

Prochorow (27). 
Prosorowski (29). 
Prosorski 

Protodiakonow, A. f 
299. 


Rott, W. f 245, 
Rubinow (3), (13). 
Rudski, A. (2). 

Rulle, J. f 233. 
Rumjanzow, W. f309. 
Rumschewitsch (22), 
(32). 

Rudin (31). 

Rudoitzki (31). 

Ruth 207. 

Ryndowski, D. f 440. 


Sabludowski (4). 
Sadtkoff 51*. 

Sakejew, W. t 386, 
Salzberg (11). 
Saraurawkin (25), (27). 
Sanderson, J. f 481. 
Sass 363, 493*, 498. 
(Sassaparel (4). 

Sa 'arykin, T. f 173. 
Sawisza, K,. f 46. 
Sawoiski (Ä), (26), 

(27). 

Schabert 340, S51, 
396, 433*. 

Schanz 529. 

Schaper, A. f 875. 
Scbaper, H. f 408 - 
Schatalow, N. f US. 
Schatzfaier, A. t 388. 
Schech, P. f 286. 
Schendrikowski, I. (4), 
(25). 

Schendrikowski, W. (4). 


Digitized by ^ooQie 



XII 


Scher (3). ! Setschenow, J. 467. Ssnjötinow, A. f 299. Trampnau, J. f 385. Wassiljew, G. f 299. 

Schestakow (27). Shdanow, T. f 309. Starkow (i). Triarski, A. + 286. Wassiljew, W. t 28. 

Schidlowski (26). Shukowski (19). Steffen 404. 1'roiZki, N. f 46. Wassiljewski, P. f 321. 

Schiele u. Ucke 61. Siebenmann 479. Stein, K. f 356. Truhart 3, 237*, 251*, Wedenski (1). 

Schill, W. f 36. Siebert 533. Steinberg, 0. f 186- 307. Wegerier. A. v. f 233. 

Schimanowski (22). Siebold (11). Stembart, V. t 233. Tschaussow (26), (27;. Weifenbach 129. 

Schmähmann 208. Simin (3), (18). Stern (11). TsChemolossow (12). Weissmann 405. 

Schmid, H. f 95. Simnitzki (11). Sternberg 541. Tscherbakow (11). Werekundow (4). 

Schmidt, A. 7, 401*. Simonson 362*. Stershemenski (25). Tscbererascbanski, Werncke 317. 

Schmidt, H. 7. Sipnewski, W. f 3(i. Strasbewsky, M. f 417. Alex, f 429. Werner, G. f 260. 

Schmidt, K (14). 1 Sisemski (2), (13). Stratiewski (8). Tscheremschanski, Ap. Wernicke, K. f 245. 

Schmidt, M. 184. I Sizinski (8). Stratilatow, N. f 95. t 46. Werschinio (7). 

Schmitz 119, 394. i Skrobanski (18). Straurae 209. Tscherinow, M. f 151. Westphalen 172. 

Schnirer 518. | Slantschewsky, N. f Stravinski (27). Tschernow (19). Wiehert u. Fick 140. 

Schnirer und Vierordt! 375. Strelkow (z6), (27). Tschish (9). Widstr&nd 382. 

329. Slawski (3), (13). Ströhmberg 44, 69* Tschistjakow (12). Winckel 85. 

Schoenborn 383. [ Smirnicki, B. + 343. 162, 316, 363, 489. Tschudnowski (10). Winogradow, A. f 104. 

Schoenfeldt, L. 92. j Smirnow, J. f 20. Styrikowitsch, A.+440. Tscbnlkow, W. f 162. Winter 161. 

Schoenfeldt, M. 531. [Smirnow, S. t 274. Sylvester, A. + 10. Tuerk 60. Wistinghausen 374. 

Sehor (30). Smith, K. + 186. iTuffier (1). Witte, W. f 104. 

Schtschetkin (8). | Snegirew (17), (18). Taljanzew (29). Turtschaninow (27). Wladimiroff 466, 488. 

Schnlek, W. f 95. Sobotta 110. Tappeiner 149. Twarjanowitsch (3). Woinow, L. f 397 - 

Schultz, P. f 299. [ Soltmann, 139. Tarassow (27). Woizechowski (27). 

Schulz, N. t 453. Sonnenblick nnd Lo- Tarenezki, A. f 467. [Ucke 62. 427. Wojatschek (25), (26>, 

Schulz, W. (27). < m; gaschkin (25). Tarsaidse, G. t 64. s. a. Fick u. — (27). 

Schumkow (27). • Soskin, H. t 210. Tatarinow, B. f 533.) Schiele u. — Wolkowitscb (7). 

Scbumow-Ssimanowski, Sowinski (31). ,Tauber (24). lülesko - Stroganowa Wollerner, A. f 54. 

K. f 321. Sponholz, E. t !0. Tereschenkow (6). | (17). Wood, s. Baller u. — 

Schwalbe 26. Springer, M. f 129. Tereschtschenko (4). |üngern-Sternberg 87. Worobjew, V. f 541. 

Schwartz 219. ■- Ssachanski (6). Terrepson 8, 149, anjUnterberger 5*, 39*, Woronow (4). 

Schwartze u. Gruüert Ssamocbotzki (5). 348*, 379*, 435, j ( 2 ") Woskrosseuski (5). 

436. ISsawinow, S. t 54. Thilo 308. jürasow, G. t 76. Wreden (25). (26). 

Schwarz, E. 466. Sserapin (6). Thomson 332. iUspenski (7). Wszebor, J. f 65. 

Schwarz, 0. 270. i Ssereshnikow (24). j Thomson, H. (8), (17),jU tr °b> n (8). Wunkow (ll). 

Schweigger, K. f 366. Ssidorow (20). (21). 

Scriba, J. t 10. . j Ssinjuschin (7). ! Thomson, R. t 95. [Vierhuff 279*. 

Sebauer, M. + 375. Sslawutinski, N. f 480.: Ticboinirow, J. f 343., Vietinghoff-Scheel 9 \*. Zarniko 529. 

Seldowitsch (2), (13). Sslonira, M. f 366. -i Tichomirow, W. (3).|^°S e l ö ‘2. Zazkin (12), (24). 

Selenew (2), (30). Ssoczolowski, T. 430. | (11). Vogeler, A. + 36. Zeitlin (4), (26). 

Selenkowski (4). Ssokalskaja, M. + 490. Tichow (6). iVolkmann, A. f 142. Ziegler, E. 628. 

Senator und Kammer Ssokolowski (19). Tinker 139, Voss 220, 618. Ziegler, E. + 490. 

393. Ssolowjew, T. (7). Tolmatschew (12). Zimmermann (26). 

Sender 61.- Ssnbbotin (3), (13). Tomaschewsky 203*. Waindrach, C. f 245. ;Zoege v. Mauteuffel 

Sengbosch 330. Ssnchow (4). Topalow (4). Walter, F. t l 73 - • 63 - 

Serrano, J. + 46. Ssodsilowski, N. + 46. Totescha (3), (13). Wassiljew, E (3). iZondek 448. 



Digitized by kjOOQie 



f 


I 


jKr V. •- 

m i 


XXX. JAHRGANG. 


ST. PETERSBURGER 


Neue Folge XXII. Jahrg. 


MEDIGINISC1I TOOUnSBUR 


unter der Redaktion von 


Prof. Dr. Karl Dehio. 

Jurjew (Dorpat). 


Or. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Dr. Johannes Krannhals. 

Riga. 


Die „St. Petersburger MedicinischeWochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend.—Der AbonnementepreU ist in Bos«lanA8 Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl.Postzustellung;in den anderen 
L&ndern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Derlnsertionspreii 
lürdie Bmal gespaltene Zeilen inPetitist 16Kop.oder35Pfen.—Den 
Autoren werden 25 SeparatabzQgeihrer Originalartikel zugesandt. 

-Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


JtT Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate “VS 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von E. L, Bicker 
in St. Petersburg, Newsky Prospekt Nt 14, zu richten. - - Manus- 
cripte sowie alleaut die Redaktion bezüglichen Mitteilungenbit- 
tet man an den stellvertretenden ge sc hä ft s führ enden Redak¬ 
teur Dr.E- Blessig in St. Petersb., Wassili Ostrow, 1 Linie .Ns 28 
zu richten. Sprechstunden täglich von 4—6 Uhr. 


M 1 


St. Petersburg, den 8. (21.) Januar. 


1905 . 


Inhalt: Dr. med. Richard Otto: Ueber einen Fall von Endotheliom des Medastinnm und der Pleura mit Ueber- 
greifen auf die Leber. — Dr. S. Unterberger: Heiz-Lebervergrösserungen, ein Frülisympiom der Schwiudsucht. — 
Referate: E. 8. Perraan: Ueber die Indikationen znr Operation bei Appendicitis nebst Bericht über operierte Fälle ira 
Krankonhanse Sabbatsberg. — Bücheranxeigen and Besprechnngen: Prof. A. Goldscheider: Anleitung zur Uebungs- 
bebandlnng der Ataxie. — H. Schmidt: Kompendium der Röntgen-Therapie. — Adolf Schmidt: Die Fnnktionsprüfung 
des Darmes mittelst der Probekost. — O. Binswanger und E. Siemerling: Lehrbuch der Psychiatrie. — Auszag 
aus den Protokollen der medizinischen Gesellschaft zu Dorpat. — Vertu isch tes. — Mortalitäts-Bulletin 
St. Petersburgs. — Anzeigen. 


Ueber einen Fall von Endotheliom des Mediastinums 
und der Pleura mit Uebergreifen auf die Leber. 

(Vortrag, gehalten am 26. Mai 1904 in der med. Gesellschaft 
zn Dorpat.) 

Von 

Dr. med. Richard Otto, Dorpat. 

M. H. Die Differentialdiagnose zwischen dem seltenen 
Pleuratnmor und der chron. Pleuritis gehört in Anbe¬ 
tracht der oft übereinstimmenden Symptomenbilder zu den 
recht schwierigen Aufgaben des Arztes. Es ist daher 
verständlich, wenn man bei Endotheliom der Pleura 
eher znr Deutung chronischer Pleuritis neigt und da¬ 
mit die richtige Diagnose verfehlt. Noch unklarer ge¬ 
stalten sich die Dinge, wsnn der Tumor sich auch auf 
die Lungen erstreckt nnd der chronische Husten, die 
Abmagerung nnd die Kachexie in den Vordergrund tre¬ 
ten. Dann wird man leicht zur Annahme tuberkulöser 
Grundlage gedrängt und der negative Ansfall bei Un¬ 
tersuchung des Sputnms auf Tuberkelbazillen wird ei¬ 
nen schwerwiegenden Gegengrnnd gegen die anscheinend 
wichtige Deutung des Krankheitsprozesses nicht abge¬ 
ben können. 

Aber es ist bei Endotheliom der Pleura nicht allein 
zur Annahme von Pleuritis und Tuberkulose gekommen, 
wir finden in der Literatur Fälle, in denen man ebenso 
sehr an ein Empyem, einen Haematothorax, ein Emphy¬ 
sem und anderes glaubte, bevor man im weiteren Ver¬ 
lauf oder erst am Schlüsse der Krankheit auf die rich¬ 
tige Fährte kam. Um diesen lrrtümern möglichst zu 
entgehen, hat nun A. Fraenkel 1 ) anf folgende 4 
Hauptsymptome aufmerksam gemacht. 

1) Auf den Nachweis von Geschwulstpartikeichen in 
der Panktionsflüssigkeit. Gemeint sind die verfetteten 


*) A. Fraenkel. Ueber primären Eodothelkrebs (Lymph- 
angitis piolifera der Pleura). Verh. des Kongresses für in¬ 
nere Medizin 1892, pag. 375. 


Krebszellen Q u i ncke ’s 2 ), die meist in ganzen Zell ver¬ 
bänden zu sehen sind. 

2) Anf die stark haeraorrhag. Beschaffenheit des Ex¬ 
sudats im Gegensatz zu den meist helleren Flüssigkeiten 
bei Tuberkulose. 

3) Auf den Fettgehalt des gelegentlich chylösen 
Exsudats, das freilich auch bei Tuberkulose vorkommt, 
und 

4) Auf die ziemlich hochgradige Verengerung des 
Brustkorbes, wie sie nach mehrfacher Entleerung des 
Exsudats auffallend schnell hinten nnd seitlich zustande 
kommt. 

Diese 4 Erkennungszeichen F rae n k e 1 s sind, ob¬ 
gleich sie zur Frühdiagnose nicht ausreichen, immerhin 
wertvoll geuug, um, wenn auch allmählich, zur Erkennt¬ 
nis der malignen Neubildung zn führen. 

Solange nun die Kasuistik dieser, wie wir sehen wer¬ 
den, höchst eigenartigen Neoplasmen sich noch in be¬ 
scheidenen Zahlen bewegt und unsere Kenntnis über 
dieses Kapitel namentlich in klinischer Hinsicht noch 
mancher Ergänzung bedarf, wird jede Mitteilung dieser 
Art von Wert sein; nach irgend einer Seite, ob nach 
der abweichenden, ob übereinstimmenden, wird sie unser 
Wissen vermehren nnd fördern. In diesem Sinne glaube 
ich Ihnen, m. H., folgenden, von mir beobachteten Fall 
nicht vorenthalten zu können. 

Frau J. v. S.. eine über 62-jährige, anf ihrem Landgut le¬ 
bende Dame, stammt aus einer nicht erblich belasteten Fa¬ 
milie. Eine ganze Reihe ihrer Vorfahren hat ein hohes Alter 
erreicht. Aus der Zahl ihrer Geschwister sind zwei Brüder 
um das 50. Lebensjahr an Apoplexie verstorben. Bis vor 2 
Jahren hat die leistungsfähige, tätige Dame sich voller 
Gesundheit erfreut. Sie hat 3 Kinder geboren, die gesund 
und am Leben sind, hat normale Geburten und Wochenbetten 
durchgemacht, insbesondere nie an Sexualkrankheiten ge¬ 
litten. Erst im 61. Lebensjahre wird sie von einem, ihr bis¬ 
her völlig fremden, krankhaften Unbehagen ergriffen. Es be¬ 
steht Neigung zu Herzklopfen und leichter Ermüdung, ein 
Zustand, der im Aufaug 1901 beginnt und nicht mehr weichen 
will. 


*) R. Quincke: Ueber die geformten Bestandteile von 
Transsudaten. D. Arch. f. klin. Med. Bd. XXX. p. 580. 


rr i r 
< 


Digitized by kjOOQie 




2 


Dies veranlasst Pat., Prof D e b i o in Dorpat zn konsnl- 
tieren. 

Von einer Begründung dieser allgemeinen Klagen war trotz 
genauester Untersuchung zunächst nicht die Rede, es sei denn, 
dass die bereits manifesten arteriosklerotischen Veränderungen 
von ursächlicher Bedeutung gewesen wären, gegen welche 
der innere Jodgebrauch verordnet wurde. Im übrigen sollten 
weitere, etwa monatliche Untersuchungen zur Klarheit 
führen. 

Trotzdem nun aber die Pat. vom 29. Januar 1901 bis in 
den Mul 1902, in einem Zeitraum von weit über einem Jahre 
volle 13 mal untersucht und kontrolliert worden war, fehlte 
es noch immer an einer befriedigenden Diagnose. 

Die von Herrn Prof. D e h i o während dieser Zeit ins 
Journal eingetragenen kurzen Notizen, die mir in liebens¬ 
würdigster Weise von ihm überlassen wurden, sind folgende: 

29. Januar 1901. Massiges Herzklopfen, Arteriosklerose. 
Varikositäten beider Ober- und Unterschenkel. Jodol Ein¬ 
zelgabe 0,2. 

Febr. Herzklopfen weniger, doch häufig Kopfschmerzen bei 
Neignng zur Obstipation. Statt Jodol-Aloe mit Rheum. 

13. März. Störende Empfindungen in den Extremitäten 
(Blutstockungen), vorsichtige Massage. 

April. Angebliche Besserung, weil Herzklopfen weniger 
fühlbar, Abmagerung jedoch augenfällig. 

Juni. Jodol und Bäder von 26° R. 2 mal iu der Woche. 

Sept. Pat. ist relativ besser, sieht frischer ans, hat Spazier¬ 
gänge von 8 Werst machen können. 

Dez. Pat. will sich bis zum Novemb. recht wohl, ja «jugend¬ 
lich frisch» gefühlt haben. Herzbeschwerden seien weniger 
gewesen. Schlaf, Appetit und Verdauung seien wieder mehr 
zu ihrem Recht gekommen. 

15. Jan. 1902. Verschlimmerung. Viel Kopfschmerzen im 
Scheitel und Nacken; auch Herzklopfen, nam. Abends im 
Bett. Der Puls, wie auch früher, nicht hart, regelmässig 84 
im Stehen. Herzspitzenstoss im 6. Interkostalraum, ein Finger¬ 
breit über die Mamillarlinie hinaus. Arteriosklerose auf 
demselben Punkt. Keine Cyanose, kein Oedem. Wiederum 
Jodolgebrauch. 

23. Jan. Relatives Wohlsein, doch Schmerzen in den Ex¬ 
tremitäten, in welchen beim Husten «Stiche» empfunden 
werden. 

2. Febr. Die Schmerzen in den erweiterten Venen der Ex¬ 
tremitäten sind geschwunden; statt dessen, Stuhlträgheit und 
schmerzhafte Empfindungen in der Herzgegend. Jeden zwei¬ 
ten Tag Lavements. 

14. Febr. Nach wie vor Obstipation, gegen welche 
Massage des Leibes empfohlen wird. 

13. März. Massage uud Bewegung im Freien haben die Ver¬ 
dauung wieder geregelt. Auch sieht Pat. etwas frischer aus. 

1. Mai. Die Kranke ist wie ansgetauscht. Sie ist schwach 
und elend, vor allem aber noch magerer geworden. Sie ist 
plötzlich schwer deprimiert und klagt jetzt über Schmerzen im 
Kreuz, dem rechten Oberschenkel und der oberen Bauchge¬ 
gend. Herzarteriosklerose wie früher. 

Wie wir in Kürze rekapitulieren, so handelt es sich 
um anfänglich vage, allgem. Symptome, die nichts weni¬ 
ger als zur Zusammenfassung eines konkreten Krank¬ 
heitsbildes geeignet waren. Die Klagen der Patientin über 
Obstipation, Kopfschmerz, Herzklopfen und leichte Ermü¬ 
dung konnten, beisonst negativem Untersuchungsbefundeder 
einzelnen Organe, allenfalls auf allgem. Arteriosklerose 
zurückgeführt werden; au eine etwa schon damals im 
Keime schlummernde, ernste Erkrankung war natür¬ 
licherweise nicht zu denken. Auffallend musste frei¬ 
lich die Tatsache der augenfälligen Abmagerung be¬ 
rühren, wie sie im April 1901 nach 3-monatlichen 
Bestehen der krankhaften Symptome notiert wird. 
Solche Befürchtungen mussten aber im Sommer angesichts 
des erfreulichen Umschwunges im Verhalten der wieder 
beweglichen, leistungsfähigen und gleichsam «verjüngten* 
Patientin an Boden verlieren. Der Jodgebrauch und 
die Bäder schienen also ihren fraglos günstigen Einfluss 
auf das gesamte Blutgefässsystem und damit auch auf 
die Herzbeschwerden, die Kopfschmerzen, den Schlaf und 
die Verdauung ausgeübt zu haben. 

Bedauerlicherweise waren diese Hoffnungen auf dau¬ 
ernde Besserung nur trügerischer Natur. Im Novem¬ 
ber beginnen wieder dieselben Klagen und schon im 
Januar 1902 ist eine Steigerung sämtlicher Beschwer¬ 
den zu bemerken, ohne dass deshalb die arterioskleroti¬ 
schen Veränderungen eine Zunahme erlitten hätten. 


Dennoch geht es im weiteren Verlaufe dreier Monate 
unaufhaltsam mit den Kräften der abmagernden Patien¬ 
tin abwärts, so dass es sich um den 1. Mai um einen 
nahezu völligen Zusammenbruch aller körperlichen und 
seelischen Kräfte handelt. 

Zur Gruppe der subj. Symptome ist mittlerweile ein 
bedeutungsvolleres Lokalsyraptom gekommen. Die Pat. 
empfindet im Bereiche des rechten Rippenrandes einen 
ständigen dumpfen Schmerz, der in den Schenkel und 
zum Leibe hin ausstrahlt und beim Husten besonders 
quälend wird. 

Diese augenfällige Verschlimmerung, welche' trotz 
sicherer Anhaltspunkte über das Wesen der hier vorlie¬ 
genden Erkrankung auf ein tieferes Grundleiden schliessen 
liess, veranlasste nun Herrn Prof. Dehio vom unzu¬ 
länglichen Modus der Einzelkonsultationen abzusehn und 
der jedenfalls schwer Kranken von jetzt ab eine ständige 
Beobachtung und Behandlung hier am Orte dringend za 
empfehlen. Die Pat. wandte sich an mich, so dass ich 
Anfang Mai 1902 folgenden Befund erheben konnte: 

Pat. ist mittelgross, grazil, von schlaffer Muskulatur und 
reduziertem Fettpolster. Ihr Gewicht beträgt 53,5 Kilo. Haut 
und Schleimhäute blass, der Gesiebtsausdruck matt und lei¬ 
dend, Temp. nicht erhöht. Sowohl Kehlkopf, wie Rachenraum 
nicht frei von d6n Erscheinungen leichten Katarrhes. Zunge 
mä8sig belegt. Pbarynxschleimhaut an den Seitensträngen 
gerötet, geschwollen, gereizt. Bei Berührnng derselben tefiek- 
torischer Husten. Brustkorb von schmalem Bau. Pectus cari- 
natum. Sichtliche Abmagerung. Rippen deutlich sichtbar- 
Vertiefung der beiderseitigen Infra- und Snpraclavic.-Grnben. 
Atmung ein wenig erschwert, weniger tief, 20 in der Minute. 
In- und Expirationsphase annähernd gleich. Resp.-typus coeto- 
abdominal. Nirgends Rasselgeräusche. 

Die Perkussion ergiebt über beiden Lungenspitzen einen 
sonoren Schall, ebenso über dem Sternum, wie über der 
gesamten vorderen und seitlichen Thoraxfläche; ebenso hin¬ 
ten, oben bis über den unteren Skapularwinkel hinaus. Von 
da ab wird derselbe volle Schall nam. rechts etwas kürzer 
und weniger laut; dem entsprechend im oberen Luugenab- 
8chnitt deutliches, im Bereiche der unteren Lungenlappen 
weniger ausgeprägtes Vesikuläratmen. Abschwächung des 
Stimmfremitus nicht zu bemerken. Die respirator. Verschieb¬ 
lichkeit der Lungengrenzen hinten unten weniger deutlich 
als seitlich uud vorn. Luugenemphysem nicht vorhanden. 
Spitzenstoss nach unten und seitlich verrückt im 6. Inter¬ 
kostalraum einen Fingerbreit über die Mamillarlinie hiuaus. 
Heizaktion regelmässig, etwas frequent, leicht alterierbar um 
105—120. Töne rein, jedoch klingend. Verstärkung des 2. 
Aortentons nicht nachweisbar. Temporalarterien geschlängelt. 
Pulsation nicht in die Augen fallend. Keine Cyanose, nirgends 
Oedem. Leib Dicht antgetrieben, weicli, auf Druck nicht 
schmerzhaft. Leber reicht bis an den Rippenbogen. Druck¬ 
schmerzhaftigkeit nicht ausgesprochen, ebensowenig Messen 
sich am Brustkörbe Schmelzpunkte entdecken. Milz nicht 
vergiösseit, Blasenfunktiou nicht gestört. Eiue Untersuchung 
der Sexualorgaue unterbleibt, da Pat. nie über dieselben zn 
klagen hatte. Ueber die bereits früher erwähnten Varicosi- 
täten ist nichts Weiteres zu bemerken. 

Die anderen Tags unternommene Prüfung von Sputara 
und Harn ergiebt in Bezug auf T. B. beziehungsweise 
Eiweiss ond Zucker einen negativen Befund. 

Ueber das Resultat meiner ersten Untersuchung be¬ 
fragt, war ich in der Lage, mich unter vorsichtiger Zu¬ 
rückhaltung äussern zu müssen. Das Eine schien jedoch 
klar, dass der subjektive Hinweis auf die abhängigen 
Teile der rechten Lunge und die ins Kreuz, die Schenkel und 
die obere Bauchgegend ausstrahlenden Schmerzen zn- 
gleich mit dem Befunde einer tatsächlichen, wenn auch 
geringfügigen Abschwächung der Atmung und des Per¬ 
kussionsschalles die einzige Fährte zur allendlichen 
Klärung der sich hier anbahnenden Erkrankung zu er¬ 
öffnen schien. 

Doch folgen wir meinen weiteren Notizen: 

6. Mai 1902. Gegen den bestehenden Reizhusten wirkt Co¬ 
dein, ebensosehr aber anch in verstärkter Gabe abends ge¬ 
gen Schlaflosigkeit. 

10. Mai schon bei kurzen Gängen aus einem ins andere 
Zimmer Herzklopfen, woher von Spaziergängen Abstand ge¬ 
nommen wird. Appetitlosigkeit. Viel Selbstbeobachtung und 
düstre Stimmung. Gegen den Gürtelschraerz rechts Chloro- 


Digitized by kjOOQie 



3 


fonnöleinreibangen. Im Sitzen and Liegen relative Schmerz¬ 
losigkeit- 

15. Mai. Husten fast völlig geschwunden, (regen Müdigkeit 
nnd Erschlaffung Arsenik in auf- und absteigender Dosis. 

An der Gürtelstelle weniger Schmerz, statt dessen ein 
dort empfundenes Fremd- oder Leergefühl, das durch Bewe¬ 
gung zum Schmerz wird. 

18. Mai, Beweglichkeit relativ besser, von jetzt ab wieder 
tägliche Gänge ins Freie. 

20. Mai. An den abhängigen Partien der rechten Lunge 
ist die Atmnng weniger deutlich und der Perkussionsschall 
entsprechend matter. 

23. Die Probepunktion ergiebt eine volle Spritze rötlicher 
Flüssigkeit. Daher sofortige Punktion im 8. Intercostal¬ 
raume nahe au der hinteren rechten Axillarlinie. Entleerung 
von 2400 Cc. roter Flüssigkeit. Spec. Gew. leider nicht ge¬ 
messen. Wachsender Hustenreiz mit kleinen Morphiuingaben 
bekämpft. Die Expectoration albumiueuse bleibt aus. Erleich¬ 
terung nicht sofort fühlbar, obgleich der Perkussionsschall 
wieder so hell wie links. 

24. Mai. Schlat besser. Atmung freier. Das Gehen weniger 
gehemmt. Die Stimmung gehoben. 

27. Mai. Nachtschlaf wieder schlechter durch Neurose, 
Herzklopfen, auch Atembeschwerden Ursache: Wiederbe¬ 
ginnende Ansammlung des Exsudats. 

29. Mai. Zweite Punktion nahe der ersten Stelle. Circa 
1800 Cc. roter Exsudatflüssigkeit. Spec. Gew. 1018. Unter 
dem Mikroskop neben viel roten Blutkörperchen auch Grup- 
en kleinerer und grösserer dichtgedrängt bei einanderstehen- 
er hydropischer Zellen. 

1. Juni 1902. Nach zweitägigem relativen Wohlergehen 
wieder Neurose nnd Schmerzen. Abends Morphium inj. von 
0,015. Danach schwerer tieter, noch am nächsten Morgen ge¬ 
radezu komatöser Schlat, aus welchem Pat. erst gegen 12 
Uhr erwacht. 

2. Juni. ß. H. ist die Dämpfung rasch wieder zurückge¬ 
kehrt. Sie reicht jetzt bis zum untereu Seapularwinkel hin¬ 
auf, im Gegensatz zu links, wo trotz etwas kürzerem Schalle 
als normal jede der versuchten Probepunktionen fehlschlägt. 

Vom 3.-6. Juni schaffte 0,5 Trional abends über den Tag 
gegeben besseren Schlaf. 

4. Juni. Temperatur 36,1. Puls 96. ßesp. 18. 

7. Juni. Temp. 36,4. P. 120. Reep. 26. Bei wiederbestehen¬ 
der Dämpfung 3. Punktion von wiederum 1800 Cc. röt¬ 
lichen Exsudats. Spec. Gew. 1013. Danach sofortige Erleich¬ 
terung, auch Abnahme des vorher bestehenden Hustenreizes. 
Temp. 36,2. 

8., 9. und 10. Juni relatives Wohlergehen. Eine erneute 
Wägung ergiebt 49,8 Kilo gegen 53,5 vor 4 Wochen. 

Was wir im Verlauf der Zeit vom 1. Mai bis zum 
10. Juni erreicht hatten, war im Grunde genommen = 0. 
Eine dauernde Besserung lag nicht vor. Höchstens war 
eine vorübergehende Erleichterung im Allgemeiuzustande 
durch Entlastung der rechten Lunge dann und wann 
herbeigeführt worden; die Punktionen hatten aber nicht 
weniger als einen heilenden Erfolg. Schon in verhält¬ 
nismässig kurzer Zeit erneuerte sich das in Eigenschaft 
und Menge gleichartige Exsudat. Auch der Versuch zur 
Kräftigung des Körpers durch mehrwöchentlichen Arse¬ 
nikgebrauch konnte als gescheitert betrachtet werden. 
Im Laufe von 4 Wochen hatte es sich nicht nnr nicht 
um Zunahme des Körpergewichts, sondern vielmehr um 
Abnahme desselben um 3,0 Kilo gehandelt. 

Konnte nun von einer Rückbildung des vorliegenden 
Prozesses nicht gut die Rede sein, so lag doch ein ent¬ 
schiedener Fortschritt in der Erkenntnis einer hier vor¬ 
liegenden Affektion des Brustfelles vor. 

Welcher Art dieser Vorgang war, ob eine schleichende 
Form tuberkulöser Pleuritis, ob ein maligner Pleuratu¬ 
mor, war aber schon deshalb schwer zu entscheiden, 
weil das haemorrhagische Exsudat weder für die eine, 
noch die andere der Annahmen direkt zu verwerten 
war, die charakteristischen Geschwulstpartikelchen 
aber fehlten. Auf eine einfache Pleuritis konnte nicht 
geschlossen werden; aber auch gegen eine tuberkulöse 
musste mancherlei sprechen. So der an das Brustfell 
gebundene, protrahierte Krankheitsverlauf, ohne dass 
es bisher weder zu einem Uebergange auf die Lunge 
noch zu den geringsten Fiebererscheinungen gekommen 
wäre. Dazu kam, dass unter diesen Umständen der 
Husten eine gewiss nicht so gefügige Rolle^gespielt hätte. 


Statt dessen sehen wir ihn, wo er als anfängliche Reiz¬ 
erscheinung von seiten der erkrankenden Plenra ent¬ 
steht, auf geeignete Medikation wieder schwinden, wäh¬ 
rend er dort, wo er den Höhepunkt des aufs neue an¬ 
gestiegenen Exsudats begleitet, ebenso prompt nach der 
Punktion wieder zurückgeht. Diese Merkmale scheinen 
daher geeignet, den nur losen reflektorischen Zusammen¬ 
hang mit der am Brustfell sich herausbildenden Grund¬ 
krankheit zu beweisen. 

Dagegen musste der Verdacht auf eine Neubildung 
näherrücken, als die Pat. durch Monate dauernd nnd 
stetig abnahm und seit 5 Wochen über eine ganz be¬ 
stimmte schmerzhafte Körpergegend klagte, deren Aus¬ 
gangspunkt allem Anschein nach der rechtseitigen 
Pleura diaphragmatica entsprach. Stand dieser abma¬ 
gernde kranke Organismus aber in direkter Abhängig¬ 
keit von einem occulten, bösartigen Tumor, so kognte 
bei der Aussichtslosigkeit auf Heilung das angeblich 
durchseine Geschwulsttoxine wirksame bakteriotherapeu- 
tische Verfahren Adamkiewicz’s nicht unversuoht 
bleiben. So entschloss ich mich das Cancroin, über des¬ 
sen Wert oder Unwert man vor einem Jahre noch strit¬ 
tig sein konnte, in Anlass der für dasselbe event. klassi¬ 
schen Indikation hier io Anwendung zu bringen. 

Im Ganzen wurden der Kranken vom 10. bis zum 29. 
Juni 19 subc. Injektionen von je 1 Cc. beigebracht. Die 
beabsichtigte Wirkung — Rückgang des Exsudats, Ab¬ 
nahme der Dämpfung, Zunahme des Körpergewichts — 
trat jedoch nicht ein, wohl aber ein an die neue Be¬ 
handlungsmethode suggestiv geknüpfter psychischer Um¬ 
schwung, der seinerseit nicht verfehlte, anscheinend 
auch auf die Körperflächensphäre belebend zu wirken. 
Nichts destoweniger konnte die Zunahme der Beweg¬ 
lichkeit und die Besserung von Appetit und Schlaf bei 
der raangeloden Heilwirkung des angewandten Mittels 
nur vorübergehender Natur sein. Waren unter die¬ 
sen relativ günstigen Umständen auch das Herzklopfen 
und die Atraungsbeschwerden, trotz des wiederanstei¬ 
genden Exsudats, weniger lästig empfunden worden, so 
änderte sich das Verhalten der Kranken mit einem 
Schlage, als gegen Ende Juni das erste positive sicht¬ 
bare Zeichen einer in der Tat bösartigen Neubildung 
in die Erscheinung trat. Es fand sich nämlich im linken 

2. Interkostalraum nahe dem Sternalrande ein etwa 
kirschgrosser, rundlich weisser, auf Fingerdruck schmerz¬ 
loser Tumor, über welchem die Haut gut verschiebbar 
war. Dabei sass dieses Gebilde mit breiter Basis und un¬ 
beweglich ihrem offenbar tiefer im Mediastinum gelege¬ 
nen Mutterbodeu auf, so dass man es mit nichts ande¬ 
rem, als mit unter die Haut gewucherter Tumormasse 
zu tun haben konnte. Fast gleichzeitig wurde nun auch 
LHU eine circa handbreite Dämpfungszone gefunden, 
die sich nach vorn von der Axillarlinie allmählich ver¬ 
lor und die weitere Verallgemeinerung des malignen 
Prozesses auch nach der linken Thoraxhälfte zum Aus¬ 
druck brachte. 

Damit scheinen folg. Sohlüsse berechtigt: 

1. Die Versuche der gesamten Erkrankung kann 
nicht etwa in einer exsudat. chron. Pleuritis, sondern in 
einem malignen Tumor mit sekundärem blutigem Exsu¬ 
dat gesucht werden. 

2. Dieser Tumor beschränkt sich nicht allein auf die 
Pleura diaphragmatica bezw. die Pleura der rechten und 
neuerdings auch der linken: Thoraxhälfte, sondern ist 
auch im Mediastinum zur Entwickelung gekommen. 

3. Aller Wahrscheinlichkeit naoh hat dieser Pleura¬ 
tumor den Charakter diffuser Verbreitung, da erst in 
jüngster Zeit auch die linke Plenra Symptome der Er¬ 
krankung zeigte. 

4. Der offenbar krebsige Tumor ist trotz Cancroin so¬ 
wohl partiell, als in toto gewachsen. 


Digitized by c^ooQie 



4 


5. Anch die aus dem Mediastinum unter die Haut 
gewucherte Geschwulstmasse bestätigt die Diagnose: ma¬ 
ligner Tnmor. 

Kehren wir zu den Notizen unsrer Krankengeschichte 
zurück: 

3. Jnli 1902. Pat. wird jetzt auf dem Lande unter allge¬ 
meine hygienische Bedingungen gestellt. 

13. Juli. Obgleich eine direkte Wägung fehlt, ist die ab¬ 
gelagerte Kranke noch reduzierter. 

Appetit und Schlaf schlecht- Atmungs-, nam. aber Herz¬ 
beschwerden qnälend. Rechts reicht die Dämpfung zwei Fin¬ 
gerbreit unterhalb der Spina scapulae hinauf, linkB ist sie un¬ 
verändert in handbreiter Zone. 

Die nur rechtseitig ausgeführte 4. Punktion fördert 
circa 1200 Cc. roter Flüssigkeit zu Tage, von 1020 spec. 
Gewicht. 

Anfang Ang. Ueberführung der Kranken zur Stadt. 

Am 4. und 7. Aug. zwei linkseitige Punktionen. 

25. Ang. Punktion auf beiden Seiten, Dabei zeigte sich 
die ReprodnktionBkraft für die Exsudate vermindert. Die 
Flüssigkeit betrug insgesamt nur 2400 cc. 

Am 10. Sept. beiderseits nur 1200 cc. Von jetzt ab deut¬ 
liches Versagen aller Kräfte- 

18. Sept. Knöchelschwellung. 

19. Sept. Harnquantum in 24 Stunden nnr noch 120,0. Dabei 
ist der Harn saturirt, enthält Eiweiss, Granularcylinder, 
weisse und rote Blutkörperchen. 

22. Sept. Vermehrung des Harns nach Digitalis sehr ge¬ 
ringfügig. 

23. Sept. Gegen die hartnäckige Obstruktion hohe Kly- 
stiere und Cascara sagrada. Allgemeine Schwäche nimmt zu. 
Pnls 100, leicht komprimierbar. Allg. Cyanose, nam. der Ge¬ 
sichtshaut. Oedeme an Füssen nnd Händen. Leib aufgetrie¬ 
ben, kein Ascites. 

24. Sept. Pat. hat auch ohne Trionalgabe geschlafen, ist 
am Morgen noch relativ gut. äussert sogar Appetit. Bald 
nachdem sie etwas genossen —Somnolenz, npäter Koma, aus 
welchem sie nicht wieder erwacht. Abends 8'/» Uhr Exitus. 

Tags darauf um 4 Uhr nachmittags Obduction. 
Sie wird von Dr. Ru bin stein, Assistent am path. 
Institut ausgeführt. Anwesend Prof. Dell io und Dr. 
Graubner. Sie ergiebt Folgendes: Stark abgemagerte 
Leiche. Abdomen aufgetrieben. Links neben dem Sternum 
zwischen 2. und 3. Rippe ein halbkuglicher Tnmor von 
etwa Wallnussgrösse, über welchem die Haut verschieb¬ 
lich ist. Ein Basalschnitt durch diesen Tumor ergiebt 
ein centralerweichtes, nach der Peripherie hin allmäh¬ 
lich fester werdendes Gewebe, ans dem sich Krebsmilch 
in Massen ausdrncken lässt. Bei Abtrennung des Brust¬ 
beins erkennt man den Zusammenhang dieses Tumors 
mit ausgedehnten Tumormassen. Diese erstrecken sich 
als eine etwa i /2 Ct. dicke Platte im Mediastinum an- 
ticum abwärts und gehen in die gleichfalls verdickten 
hinteren Abschnitte des Perikards Uber. Schon hier 
setzt sich der Tumor von rechts hin als breite Platte 
fort, welche das ganze rechte Diaphragma einniramt. 
Dieses letztere ist bis auf 2 und mehr Ct. verdickt. An 
seiner abdominalen Seite findet sich eine nicht ausge¬ 
dehnte Adhaesion mit der Kuppe der Leber. 

ln beiden Pleuraräumen nicht sehr erhebliche Men¬ 
gen blutigen Exsudats. 

Die Lungen sind beiderseits mit der hinteren Pleura- 
fläche verklebt; beide zeigen in den abhängigen Teilen 
Oedem, aber weder pneumonische, noch sonstige Ver¬ 
änderungen. Die gröberen Bronchien sind frei. 

Auf der Pleura diaphragm. dextra sind einzelne 
kleine und grosse, isolierte und konfluirende bis wall¬ 
nussgrosse Tumoren bemerkbar. Die linke Pleura dia- 
phragmatica trägt einen rundlichen, circa 7—8 Ct. im 
Durchmesser haltenden, aus* einzelnen kleinen, rundlichen 
Tumoren zusammengesetzten Knoten von 2 1 /*—3 Ct. 
Höhe, ausserdem mehrere kleine Knoten. An vielen 
Stellen ist das Diaphragma sinistr. schwartig verdickt. 
Pleura costal. beiderseits mit disseminierten Knötchen 
von Linsen- bis Haselnussgrösse besetzt, die besonders 
in den unteren Partien dichter gedrängt stehen und teil¬ 
weise konfluiren. 


Die PI. pulm. zeigt nnr ein einziges, linseogrosses, 
flaches Knötchen, das nicht tief in die Lungensubstanz 
eindringt. 

Das Perikard weist nnr an der Stelle, wo es mit der 
Pleura zusammenstösst, schwartige Verdickung auf. Im 
Herzbeutel geringe Mengen einer gelblichklaren Flüssig¬ 
keit. Seine Innenfläche überall spiegelnd und ohne Kno¬ 
ten. Das Herz ist leider einer Untersuchung nicht un¬ 
terzogen worden. 

Die Berichtigung der Abdominalorgane, besonders der 
Leber, des Magens, der Milz, ferner des Pankreas, des 
Retroperitonealbindegewebes, seitlich bis in die Gegend 
beider Nieren, der rad. mesenterica and des Netzes, er¬ 
giebt nichts Abnormes, weder Verdickungen noch Tu¬ 
moren. 

Die mikrosk. Untersuchungen sowie die 
dieser Arbeit beigefügte Abbildung wurden in bereit¬ 
willigst — liebenswürdiger Weise vom Kollegen Dr. 
Emil Graubner ausgeführt, dem ich an dieser Stelle 
meinen allerwärmsten Dank für seine vielfache tätige 
Mithiilfe ausspreche. Praeparate wurden angefertigt aus 
der Tumormasse, die die Teilungsstelie der Trachea vou 
vorne bedeckt, von der PI. pulm. dextra und sinistra, 
und zwar rechts von einer Stelle, wo die Leber mit 
dem Diaphragma verklebt war. 

In allen diesen Schnitten handelt es sich um Wuche¬ 
rung und Umformung von Endothelien neugebildeter 
Lyraphspalten, welche in massiges, neugebildetes Binde¬ 
gewebe gelagert sind. Die Endothelzellen haben rund¬ 
liche Gestalt and kleiden die Lymphränme in eiu- bis 
mehrschichtiger Lage aus. Meist erfüllen sie anch die 
Lymphränme ganz. An vereinzelten Stellen sind sie 
von polygonaler Gestalt and erheblich grösser als die 
runden Zellen. Die Komplexe der Rundzellen endothe¬ 
lialen Ursprungs füllen an einigen Stellen kolossal er¬ 
weiterte Lymphräume aus; an andern Stellen findet 
man Bilder, die mehr grossalveolären Garcinomformen 
ähnlich sehn. Das Bindegewebe zeigt im Allgemeinen 
viele protoplasmareiche Zellen, ist aber dabei zellarm. 
Die Intercellolarsubstanz ist reichlich vertreten. Häu¬ 
figer sieht man Fleckeu hyaliner Degeneration, seltener 
myxoraatöse Veränderungen. An mehreren Stellen liegen 
im Bindegewebe reichliche, Psammomkörnern ähnliche 
Bildungen. Vielfach sieht man das Bindegewebe von 
neugebildeten Blutcapillaren durchzogen, meist ist aber 
der Blntgefässreichtum nicht gross. Nirgends be¬ 
merkt man kleinzellige Infiltration, anch 
nicht in der Umgebung der Blutgefässe. An der Pleura 
pulmonalis sieht man, wie das Lungeogewebe sich ge¬ 
gen das andringende Tumorgewebe des kleinen flachen 
Knötchens völlig passiv verhält. An der Pleura diaphrag- 
matica dextra findet sich der Leberadhaesion entsprechend, 
ein grosser Tumorknoten, dessen Massen das Dia¬ 
phragma durchsetzen nnd ln das adhaerente Leberge¬ 
webe in geschlossenen Zellverbänden auf kurze Stre¬ 
cken eindringen. Cf. Abbildung von Dr. E. Graubner. 

Wir unterscheiden hier 

a) Tumormassen, der Pleura diapragm. zugekehrt. 

b) Lockeres Fettgewebe. 

c) Reste des muskulären Teils des Diaphragma. 

d) Tumormassen zwischen Muskulatur und peritonaea- 
lem Ueberzug des Diaphragma. 

e) Adhaesion zwischen Diaphragma und Leber. 

f) Leber, in welche Tumormassen einge¬ 
brochen sind. 

Auf der linken Seite sieht man ebenfalls im Bereich 
des grössten Tnmorknotens Wucherungen am Dia¬ 
phragma, welche die Muskulatur jedoch nicht erreichen. 

Pathol.-anat. Diagnose: Lymphendothelioma 
mediastini et pleurae. 

(Schloss folgt.) 


Digitized by GjOOQle 




Digitized by ^.ooQie 




























ß 


Herz-Lebervergrösserungen, ein FrUhsymptom der 
Schwindsucht. 

Von 

Dr. S. U n t e r b e r g e r. 

Die grosse Anzahl von Herzleiden haben in der letz¬ 
ten Zeit vielfach die Aufmerksamkeit der Aerzte auf 
sich gelenkt, wobei die Röntgenstrahlen zur Sicherstel¬ 
lung der Diagnose neues Licht in diese Frage geworfen 
haben. In der Schwindsuchtsfrage hat diese Untersuchung 
des Herzens aber noch nicht die nötige Aufmerksam¬ 
keit gefunden, wie wir das noch neulich konstatieren 
mussten, wo auf der Tuberkulose-Konferenz im Mai- 
Monat in Kopenhagen von Turban ein Schema zur 
vergleichenden Statistik der Lungentuberkulose aufge¬ 
stellt wurde, in welchem nur vom Pulse Notiz genommen, die 
Vergrösserung des rechten Ventrikels aber gar nicht be¬ 
rücksichtigt worden ist. Und doch giebt dieses Organ bei 
richtiger Würdigung der zahlreichen Symptome seines 
pathologischen Zustandes viele Anzeichen für die Diagnose, 
Prognose und Therapie der Herzkrankheiten. * 

Im Allgemeinen ist die Diagnose der Herzkrankheiten 
eine leichte. Erschwert wird sie aber in manchen Fäl¬ 
len durch die Latenz der Symptome. Diese kann 
nach Stiller eine zweifache sein: eine objektive, 
wenn die physikalischen Zeichen dunkel sind, wo aber 
bei einiger Uebung, Erfahrung und feiner Beob¬ 
achtung viel erreicht werden kann, oder eine 
subjektive, was viel häufiger vorkommt, wenn 
nämlich die Kranken über ganz andere Symptome 
wie plötzlich erscheinender Hydrops bei einem schein¬ 
bar gesunden Menschen oder Embolien der Coronararte- 
rien etc., klagten. 

Die Diagnose der Herzkrankheiten ist von zweifa¬ 
chem Gesichtspunkte aus festzustellen. Vor allem 
muss die anatomische Qualität, die vorlie¬ 
gende Ilerzverändernng durch die physikalische 
Untersuchung ermittelt werden, dann aber muss auch 
das Mass der physiologischen Kraft des 
kranken Herzens festgestellt werden, was für den 
Kranken und den zu bestimmenden Heilplan wohl wich¬ 
tiger zu sein scheint, als die Bestimmung dieses oder 
jenes Klappenfehlers. 

Die Widerstandskraft des Herzmuskels ist bedingt 
durch verschiedenartige degenerative Prozesse im Herz¬ 
muskel, die bisher noch von keiner genau differenzierten 
Natur sind. Die Engländer bezeichnen solche Zu¬ 
stände des Herzmuskels mit weakened heart, die 
Deutschen mit Herzinsuffizienz. 

Die physiologische Kraft des Herzmuskels werden wir 
ermitteln können nur ans Zeichen, welche wir als 
Korapensations8töru ngen bezeichnen. Diese Zei¬ 
chen sind im Allgemeinen keine anderen, als die der 
venösen Blutstauung. Sind Dyspnoe, Cyanose und Schwel¬ 
lungen vorhanden, so ist die Diagnose nicht schwer. Um 
Kranken zu nützeu, müssen wir auf die ersten Erschei¬ 
nungen der Herzschwäche eine Auge haben. Herz¬ 
klopfen, Kurzatmigkeit kommen auch bei gut kom¬ 
pensierten Herzfehlern vor, wir müssen aber anfpassen, 
ob der Lufthunger auch im Verhältnis steht zur geleiste¬ 
ten Muskelarbeit. Mau muss sehr aufpassen auf alle 
diese Symptome. 

In der Diagnostik der Herzkrankheiten ist 
die Perkussion oft viel wichtiger ais die 
Auskultation 1 ). 

Die Perkussion des Herzens ist in manchen 
Fällen viel schwieriger, als es zu sein scheint. Die 
schwache Perkussion ist diejenige, die am ehe- 

‘) Beim Chloroformieren müsste stets der 
Perkussion ein Vorzng gegeben werden vor 
der Ansknltation. 


sten zum Ziel führt. Bei starker Perkussion wird 
man nie eine die Vergrösserung des rechten Ventrikels 
verratende Sternaldämpfnng herausperkuttieren können. 
Die Fingerperkussion scheint nun verlässlicher zu sein, 
als die mittels Plessimeters. Ebenso scheint mir zweck¬ 
mässiger zu sein, von der Lunge her konzentriert in 
allen Radien gegen das Herz hin zu perkuttieren, als 
umgekehrt. Die Perkussion ist prinzipiell im Stehen zu¬ 
lässig. Ich pflege nach Sacharjin bei der Untersu¬ 
chung der Brustorgane die Herzgrösse zu bestimmen, 
indem ich zuerst den Spitzenstoss feststelle; weicht er 
im 5. Interkostalraume von der Mamraillarlinie nach 
aussen ab, so muss eine Vergrösserung des linken Ven¬ 
trikels vorliegen. Um die Grenze des rechten Ventrikels 
festzustellen, wird in der Mittellinie am Sternum per- 
kuttiert und sobald Dämpfung konstatiert wird, muss eine 
Vergrösserung des rechten Ventrikels vorausgesetzt wer¬ 
den. Nachdem auf diese Weise die Dämpfungsgrenze 
mit dem Dermatographen fixiert ist, wird von der Lunge 
her radienförmig zum rechten Sternalrande perkuttiert 
und gleichfalls mit dem Dermatographen die Dämpfungs¬ 
grenzen bezeichnet. 

Eine abnorme Sternaldämpfung kann bei kurzen stark 
gewölbten Brustkörben Vorkommen, wobei die oberen 
Rippen steil vom Sternum aus aufsteigen, die In¬ 
terkostalräume eng sind und der epigastrische Rippen- 
bogenwinkel sehr weit ist. An einem solchen Brustkörbe 
nun steht die Brustwarze ungewöhnlich hoch, so dass, 
wenn wir vom Schneidepunkte der 6. Rippe mit der 
Mammillarlinie eine Horizontale nach dem Brustbeine 
ziehen, diese das Sternum nicht wie unter normalen 
Verhältnissen am unteren Ende oder selbst noch tiefer 
schneiden wird, sondern viel weiter oben im Bereiche 
seines unteren Drittels. Dieses abgeschnittene Stück des 
Sternums nun zeigt konstant, eine Dämpfung, sie reprä¬ 
sentiert die Fortsetzung der normalen Leberdämpfung 
(Stiller). 

Ungefähr ‘/a des Herzens befindet sich rechts, 2 / 8 links 
von der Mittellinie des Körpers und des Sternums. Von 
der hauptsächlich dem rechten Ventrikel angehörenden 
vorderen Fläche des Herzens bleibt von den Lungen 
unbedeckt, wandständig ein kleiner, bei Erwachsenen etwa 
Handtellergrosser Bezirk des rechten Ventrikels — ab- 
absolute Dämpfung. Die gesamte vordere Fläche 
des Herzens, unbedeckter nnd bedeckter Teil, ergiebt 
die grössere Herzdämpfung — relative Herz¬ 
dämpfung. 

Absolute und relative Herzdämpfung sind nicht in 
gleich exakter Weise durch die Perkussion bestimmbar. 
Durch das Röntgen verfahren wird nur die relative, 
nicht die absolute Dämpfung ermittelt. Durch das 
Röntgen verfahren - Orthodiaskopie — ist jetzt 
erwiesen, dass wir die Grenzen der relativen Dämpfung 
für praktische Zwecke recht genau bestimmen können, 
dank der Tastperkussion, Phonendoskopie und den Fric- 
tionsmethoden. Somit fallen die Einwände, welche früher 
von gewissen Autoren gegen die Feststellung der relativen 
Herzdämpfung erhoben worden, weg. Will man nur eine 
Methode anwenden, dann erscheint die relative 
als die bessere, weil sie den Forderungen, die 
Grenzen des ganzen Herzens wiederzugeben, doch recht 
nahe kommt und es mehren sich jetzt die Autoren, die 
diese Ansicht vertreten. 

Interessant sind die von Moritz, Schüle u. A. 
publizierten orthodiagraphischen Herzsilhonetten und die 
Masse, die sie bei Gesunden (Soldaten wurden meist 
untersucht) gefunden. Nach Prof. Schüle 2 ) waren die 
Werte für die Durchmesser des Herzens folgende: 

2 ) Schüle: Münch, med. W. Nr. 25. 1904. die Tabellen 
und die Zeichnung mit der Herz-Silhonette stammen aus 
diesem Aufsatz. 


Digitized by VjOOQie 



6 



00 

’S 

Js 

eg 

i<=> 

im Maximum. 

ä 

s 

e 

'S 

ä 

b 

1. Abstand der äusseren Herz¬ 
grenze von der linken Mam- 
millarlinie. 

2 Ctm 

3 Ctm. 

o 

o 

i 

2. Höhe der Böntgenfignr .... 

9,6 

12 

6 

3. Grösste Gesaramtbreite: a und b. . 

12 

15 

10 

4. Abstand der rechten Herzgrenze 
vor der Medianlinie: a. 

3,8 

5 

2 

5. Maximal-Distanz der linken Herz- 
grenze in der Medianlinie: b. . . 

8,2 

10 

8 

6. Längsdnrchmesser (nach Moritz): c 

14 

— 

— 


Hierza bemerkt Prof. Schule, dass die extremen 
Zahlen: 5 Ctm. nach rechts, 15 Ctm. Gesamtbreite, nur 
ganz selten beobachtet wurde. 

Folgende Tabelle giebt eine sehr weitgehende Ueber- 
einstimmung mehrerer Autoren: 



Moritz 

Karfunkel 

e 

>- 

a> 

b£ 

<D 

"C 

o 

> 

Schüle. 

Abstand der rechten Herz¬ 
grenze von der Median- 

Cm. 

Cm. 

Cm. 

Cm. 

linie. 

4,4-4,6 

2,5-4,5 

4 

3,8 

Abstand der linken Herz¬ 
grenze . 

7,9-8,8 

etwa 

9 

9 

8,2 

Längsdurchmesser .... 

11,5—15 

— 


12-14 



Herzsilhonette nach Moritz-Sc hiile. 

a = Distanz nach rechts, 
b = Distanz nach links, 
c = Querdurchmesser, 
ß = ßönfgenbild. 

P = Perkussionsfigur. 

—i > = Perkossionsrichtnng. 

. = Lebervergrösserung. 


Haben wir bei Lungenleidenden eine Vergrösserung 
des rechten Ventrikels perkutorisch nachgewiesen, so 
müssen wir dieselbe entstanden denken durch den Wi¬ 
derstand, den das rechte Herz zu erleiden hatte in dem 
Lungengewebe; zu diesen sind die zerstreuten peribron- 
chitischen Drüsenaffektionen und zentrale Herde zu rechnen, 
zu einer Zeit, wo perkutorische und auskultatorische Er¬ 
scheinungen auf den Lungen sehr gering siud, das Kör¬ 
gewicht aber fällt und subfebrile Temperaturen auftre- 
ten. Ist das Herz an und für sich schwach, wie es bei 
hereditär belasteten Schwindsüchtigen wohl stets der 
Fall ist, weil bei ihnen das Lymph- und Gefässsy- 
stem in erster Linie geringe vitale Energie aufweist, so 
wird es durch verschiedene Krankheitsstoffe im zirku¬ 
lierenden Blute, namentlich durch das tuberkulöse Virus 
noch mehr alteriert, verbleibt im dilatierten Zustande 
und das Resultat desselben seheu wir in den Folgen des 
schwachen Aufsaugens der Blutmenge aus 
der Leber. Die S t a u u ngs 1 e b er ist nun eines der 
ersten Erscheinungen der eintretenden Herzschwäche, 
kann daher nicht allein in den frühesten Stadien der 
Kompensationsstörung als deren Verkündiger verwertet 
werden, sondern stellt auch eine wirklich objektive 
Skala vor, wie Stiller richtig bemerkt, an deren 
Graduierung wir das Mass der Herzinsuffizienz zur 
Zeit ihrer Entwickelung deutlich ablesen können. 

«Warum aber die Leber ein so empfindlicher Indika¬ 
tor ist, ist physiologisoh ganz einleuchtend. Die Leber 
ist nämlich das einzige Organ, dessen Blutzuflüsse zum 
grössten Teile nicht vom Aortensystem ausgehen, son¬ 
dern erst das Capillarnetz der Bauchorgane durchströrat 
haben, bevor sie, in einem venösen Hauptkaual vereinigt, 
zur Leber gelangen, um daselbst zum zweitenmal ein 
Capillarsystem zu durchfliessen. In den Lebergefässen 
kann daher die Treibkraft des Herzens als aufgebraucht 
nicht mehr zur Geltung kommen, in denselben ist des¬ 
wegen durch Ausfall der vis a tergo die Strömungsge¬ 
schwindigkeit eine so geringe, dass schon das geringste 
Hindernis eine Stauung erzeugt, welche das gefässreiche 
Gewebe der Drüse wie einen Schwamm aufquellen macht, 
eine Erscheinung, die am Tierexperimente schlagend 
uachgewiesen wurde. Diese ungünstigen Zirkulationsver¬ 
hältnisse, welche übrigens gewiss im Interesse der Drü¬ 
sentätigkeit so beschaffen sind, werden nur in geringem 
Masse durch die Inspirationsbewegungen des Brustkor¬ 
bes compensiert, wobei der negative intrathoracische 
Druck das Blut der Lebervenen aspiriert; doch übt 
dieser zirkulatorische Factor seinen Einfluss keines¬ 
wegs bloss auf die Lebervenen, sondern auch auf das 
gesamte Venenblut aus, welches in den cavis dem rechten 
Ventrikel zuströmt. Ausschliesslich den venösen Strom 
der Leber befördern bloss die respiratorischen Bewe¬ 
gungen des Zwerchfelles in grob mechanischer Weise, 
was gewiss nur als eine sehr bescheidene Korrektion 
der trägen Leberzirkulation gelten kann (Stiller). 

Um die Vergrösserung der Leber festzustellen, genügt 
es in stehender Lage die Perkussion vorzunehmen 
und zwar perkutiert man von unten nach oben in der 
Richtung der Maminillarlinie bis zum Rippenrande; wäh¬ 
rend der Perkussion hat der Patient stets eine un¬ 
angenehme Empfindung, sobald man die Stauungs¬ 
leber trifft. Zur Feststellung der linken Lebergrenze 
perkutiert man unterhalb des linken Rippenbogens von 
der Axillarlinie her und notiert den Beginn der 
Dämpfung. Bei linksseitiger Vergrösserung findet man 
die Dämpfung ausserhalb der linken Parasternallinie. 
Diese Untersuchungsmethode bei Lebervergrösserung ist 
entschieden vorzuziehen der üblichen in der Mittellinie, 
wo die normale untere Grenze in der Mitte zwischen 
dem Nabel und dem Ansatz des proc. xiphoideus lie¬ 
gen muss. 


Digitized by kjOOQie 







7 


Die Herz -Leber v er grösser ung, wie ich sie 
in zahlreichen Fällen im Frühstadinm bereits kon¬ 
statieren konnte — ausführliche Krankengeschichten 
werden veröffentlicht werden — kann unter Umständen 
ein wertvolles Symptom vorstellen und verdient gewiss 
der Nachprüfung empfohlen zu sein, um so mehr, weil 
sie auch prognostisch wichtig ist, was besonders 
für die Aufnahme in Sanatorien von Wert sein kann. 
Auch in therapeutischer Beziehung sind diese Symptome 
zu verwerten, wir werden bei eintretender Herzschwäche 
nicht gleich Herzmittel verordnen, sondern zuerst die 
Arbeit des Herzens zu erleichtern suchen durch Mas¬ 
sage der Leber, um sie von der Blutfülle zu entlasten. 

Bei der grossen Schwierigkeit, die die frühzeitige 
Diagnose auf Lungenschwindsucht oft bietet, scheint mir, 
muss jedes neue Symptom, um so mehr ein klinisches, 
willkommen sein. 

November 1904. 


Referate. 

E. S. Perman: Ueber die Indikationen zur Operation 
bei Appendicitis nebst Bericht über operierte Fälle 
im Krankenhause Sabbatsberg (Stockholm). Hygiea ■ 
1904 Aug. 

Während der fünf Jahre 1. Juni 1899—31. Mai 1904 sind , 
im Krankenhanse Sabbatsberg 268 Fälle wegen Appendicitis I 
operiert worden mit 38 Todesfällen — 22,16 pCt. Mortalität 
(nnr 27 von diesen Fällen sind während den ersten 48 Stun¬ 
den operiert worden, weil dieselben gewöhnlich spät ins 
Krankenhaus gekommen sind); 97 mit einem Todesfälle (spä¬ 
tem Chloroformtod) sind im freien Intervalle operiert worden. 
Von den im akuten Anfalle operierten Fällen betrafen 105 
begrenzte eitrige Peritonitis mit 12 Todesfällen, 47 diffuse j 
(freie) Peritonitis mit 26 Todesfällen und 19 akute Appeudi- 
citis ohne verbreitete Peritonitis mit keinem Todesfälle. 

Verfasser ist ein Anhänger der Frühoperation and ist der 
Meinung, dass die Operation, richtig ausgefübrt, in jedem 
Stadium der Krankheit mit sehr geringer Gefahr verbunden 
ist. Geht es unglücklich, so hat nicht die Operation die 
Schuld daran, sondern der Umstand, dass dieselbe zu spät 
gekommen ist. Er giebt desswegen den Rat, dass der prak¬ 
tische Arzt, wenn er zu einem Falle gerufen wird, in dem er 
die Diagnose Appendicitis stellen kann oder für wahrschein¬ 
lich hält, sofort einen Chirurgen rufe oder den Kranken in 
eine chirurgische Rrankenhausabteilung sende, wenn er am 
Anfänge des zweiten Tages nach dem Beginne der Krankheit 
nicht überzeugt ist, dass der Anfall sich in Rückgang befin¬ 
det. — Jedem Patienten, der eiueu deutlichen, wenn auch 
leichten Anfall von Appendicitis gehabt bat, soll man die 
Intervalloperation vorschlagen. 

Buch. 


Böcheranzeigen und Besprechungen. 

Prof. A. Goldscheider (Berlin): Anleitung zur 
Uebungsbehandlung der Ataxie. 59 S. mit 115 
Abbildungen. II. erweiterte Auflage. (Leipzig 1904, 
Verl. v. G. Thieme. Preis geb. 4 M.). 

Die bereits von Prof. v. Leyden in seiner «Koropensa- 
tionstherapie» der Ataxie angedeutete Idee einer U e b o n g s- 
behandlung der Tabiker, welche von dem Schweizer 
Arzte Dr. Frenkel in verdienstvoller Weise zuerst systema¬ 
tisch und konsequent durchgeführt wurde, hat in der letzten 
Zeit immer mehr Anerkennung nnd Verbreitung gefunden. 
Es konnte diese Frenkel'sehe Methode aber noch nicht 
Gemeingut der Arzte werden, solange es au einer geeigneten 
Anleitung fehlte. Verf., der sich seit 1891 mit dieser Be¬ 
handlungsmethode beschäftigt, hat sich nnn der dankens¬ 


werten Aufgabe unterzogen, eine detaillierte, leicht verständ¬ 
liche Anleitung zur Uebungsbehandlnng der Ataxie in Wort 
nnd Bild zu geben, was ihm auch vollkommen gelnngen ist, 
so dass jeder Mediziner, welcher sich in die Prinzipien dieser 
Behandlungsmethode hineingedacht hat, an der Hand dieses 
Buches ohne Schwierigkeit «sie ansüben kann. Es ist die 
Kenntnis der Uebungsbehandlung für den Arzt aber auch 
in weiterem Sinne von Nutzen, da sie nicht auf die Ataxie 
der Tabiker beschränkt ist, sondern ebenso für andere For¬ 
mell der Ataxie (z. B. Polyneuritis) und auch bei Chorea, 
Paralysis agitaus, im Stadium der Restitution bei Hemiple¬ 
gien, Paraplegien und peripherischen Lähmungen zu verwer¬ 
ten ist. Druck, Abbildungen uud die äussere Ausstattung 
verdienen volles Lob. 

Bernhoff. 

H. Schmidt: Kompendium der Röntgen-Therapie. 

(Berlin 1904. Verlag von Hirschwaid). 

Das Büchlein enthält zwei Abschnitte: einen physikalisch- 
technischen und einen therapeutischen. Der erste derselben 
enthält die Beschreibung der verschiedenen Apparate, Modi¬ 
fikationen und Abbildungen. Für die Behandlung mit Rönt¬ 
genstrahlen kommen zwei Gruppen von Krankheiten in Be¬ 
tracht: erstens Erkrankungen, bei welcheu die Epilation ein 
wichtiger Faktor für die Heilung ist (Favus, Sycosis) nnd 
zweitens die epithelialen Neubil-lungen gutartigen uud bös¬ 
artigen Charakters (Warzen, Cuncroide, Carcinome). Eine 
baktericide Wirkung der Röutgenstrahlen haben die meisten 
Autoren nicht nachweisen können. Um eine baktericide Wir¬ 
kung zu erzielen, müsste eine derartige Röntgenlichtdosis 
appliziert werden, wie man sie in praxi gar nicht anwenden 
kann, wenn man schwere Schädigungen der Haut ver¬ 
meiden will. Bei der Einwirkung der Röntgenstrahlen auf 
die Haut unterscheidet man diei Grade. Zuerst tritt Haar¬ 
ausfall ein, bei grösserer Dosis Rötung, schliesslich Blasen¬ 
bildung, die schwerste Veränderung stellt das «Röntgen- 
ulcus» dar. Das Carcinom soll nur daun mit Röutgenstrahlen 
behandelt werden, wenn dasselbe inoperabel und oberflächlich 
gelegen ist. Psoriasisfälle heilen öfters unter scüwacher 
Bestrahlung. 

hingen. 

Adolf Schmidt: Die Funktionsprüfung des Darmes 
mittelst der Probekost. 63 Seiten. (Wiesbaden, F. F. 
Bergmann, 1904. Preis M. 2 40). 

Empfehlung der von A. Schmidt eingeführten Probekost 
zwecks genauer Diagnosenstellung bei Erkrankungen der 
Verdauuugsorgane. Refereut möchte sich aus eigner, wenn 
auch bisher noch geringer Erfahrung dieser Empfehlung an- 
schlies8en, besonders da die «Probekost» wohl auch in der 
Praxis leicht ausgeführt werden könnte. Vor zn grossen Er¬ 
wartungen muss freilich gewarnt weiden: die «topische» 
Darmdiagnostik, erst recht die Erkennung eventueller Pan- 
kreaserkranknng, steht noch auf recht schwachem Fundament. 
Beachtenswert ist die Schmidt ’sche «Paukreasprube» mit 
Fleischwürfeln, wobei das Erhaltensein der Kerne für ein 
Ausfallen der Pankreasfunktion spricht. 

Eingehend wird die Gährungsprobe und die Strassbn r- 
g e r - S c h m i d t ’sche intestinale Gährungsdyspepsie be¬ 
sprochen. 

Den Zusammenhang zwischen Anämie und Darmletden 
stellt Schmidt strikt in Abrede. Das dürfte doch wohl noch 
strittig sein. 

0- M|o ritz. 

0. Binswanger und E. Sieinerling: Lehrbuch 
der Psychiatrie. 341 Seiten. (Verlag von Gustav 
Fischer in Jena. 1904. Preis 5 Mark). 

Das Buch ist von 6 klinischen Lehrern verfasst. Sie haben 
den Stoff unter sich folgendennassen verteilt: 0. Bins- 
w a n g e r — allgemeine Psychiatrie; A. Westphal — 
Manie, Melancholie, periodische Gesichtsstörungen, Neurasthe¬ 
nie; E. Siemerling — Paranoia, Delirien, Amentia, Gra- 
viditäts- und Puerperalpsychosen; A. C r a m e r — toxische 
hysterische, epileptische Psychosen; A. Ho che — gei¬ 
stige Schwächezustände; R. Wollenberg — Psycho¬ 
sen auf organischer Grundlage. Das Buch ist in erster Linie 
für den Praktikanten in der psychiatrischen Klinik berechnet, 
es soll dem ungeübten Beobachter ein Führer durch die 
Ueberfülle der Einzelwahrnehmungeu beim klinischen Unter¬ 
richte sein, diesen letzteren ergänzen, keineswegs aber ersetzen. 
Auch als Repetitorinm für den praktischen Arzt wird das 
Buch von Nutzen sein. 

M i c h e 1 s e n. 


Digitized by ^ooQie 


Auszug aus den Protokollen 
der medizinischen Gesellschaft zu Dorpat. 


Sitzung am 28. April 1904. 

1. Dr. T r n h a r t referiert Bber einen Abort, bei welchem 
die Patientin am Tage vorher schon den Abgang einer 
Frucht beobachtet zu haben angab; derselbe Fall soll schon 
vor 8 Jahren stattgefundeu haben uud ist damals die erste 
Frucht von der Hebamme, die 2. vom Arzt entfernt worden. 

In der sich daran knüpfenden Diskussion, an welcher sich 
die Herren Dr. Meyer, Graubner und Tr u hart be¬ 
teiligen, wird konstatiert, dass es sich wohl um eine Täu¬ 
schung von Seiten der Kranken handelt, die vermeintliche 
erste Fracht wahrscheinlich ein aus der Vulva oder dem Cer¬ 
vix stammendes Blutcoagulura war, welches eventuell einen 
partiellen Eutfärbuugsprozess durchgemacht hatte. 

Dr. Terrepson berichtet über den Sektionsbefund eines 
an ilagenblutung zu Grunde gegangenen jnngeu Mannes, 
der Ulcus rotundum ergab, welches während des Lebens 
keinerlei Symptome gemacht hatte. Dr. Graubuer weist 
darauf hin, dass bestehende und vernarbte Magengeschwüre, 
die keine Symptome Intra vitam verursachten, von patholog. 
Anatomen relativ häufig gefunden werden. 

3- Dr. Meyer macht einige Bemerkungen über vaginale 
undabdominaleOperatlonsmethodeninder Gynä¬ 
kologie. Czerny, B i 11 r o t h, Schröder, S c h a u t a u. a. 
führten die vag. Exstirpation des Uterus ans; aus diesen Anfän¬ 
gen entwickelte sich die Technik des vaginalen Operierens in 
solchem Umfang, dass heute diese Methode bei den verschie¬ 
densten Erkrankungen in ausgedehntem Masse zur Anwen¬ 
dung kommt. Die Vorzüge dieses Verfahrens vor der Laparo¬ 
tomie be-tehen zunächst in der geringeren Infektionsgefahr, 
weil nur die den untersten Abschuitt der Bauchhöhle beklei¬ 
denden Partien des Peritoneums mit Fingern und Instrumen¬ 
ten in Berührung kommen und erforderlichen Falles eine 
ideale Drainage nach unten möglich ist; aus denselben Grün¬ 
den ist der Eingriff an und für sich für den Organismus der 
Patientin ein leichterer, endlich wird die Gefahr einer lästi¬ 
gen Bauchbernie vermieden. Auch Vortragender folgte dieser 
Richtung der operat. Gyuackologie, ist aber allmählich zu dem 
Standpunkt gekommen, in zweifelhaften Fällen die Laparo¬ 
tomie zu bevorzugen. Veranlassung dazu ist unter anderem 
die Beobachtang eines Falles mit unglücklichem Ansgang. 
Bei einer 42 jährigen Patientin wurden doppelseitige Tubar- 
säcke, wegen Jahre hindurch bestehender Beschwerden, durch 
die vaginale Radikaloperation entfernt. Die Operation war 
namentlich rechts ungewöhnlich schwierig der starren Schwar¬ 
ten wegen, in welchen die Tubarsäcke lagen. Am zweiten 
Tage traten peritonitische Erscheinungen auf, welche am 4. 
Tage zum Exitus führten. Die Sektion ergab als Ursache 
dieses Verlaufs eine Verletzung des chron. entzündeten in die 
Schwarten eingebetteten proc. vermiformis, derselbe war beim 
Lösen der rechten Tube eiugerissen worden, ohne dass dioses 
Vorfall bei der Operation bemerkt werden konnte. Wäre diese 
Operation per laparotomiam aasgeführt worden, so hätte dieses 
Ereignis mutmasslich sich vermeiden lassen. Da in den letzten 
Jahren ii^ einer nicht anbeträchtlichen Zahl von Laparoto¬ 
mien dank der sorgfältigen Banchuaht, die alle Schichten der 
Baachwand gesondert exakt zur Vereinigung bringt, keine 
Hernien weiter znr Beobachtung kamen bis auf Fälle, in wel¬ 
chen die Bauchhöhle nach oben drainiert worden und da über¬ 
haupt die Prognose der Laparotomien eine immer bessere 
eworden, hat Vortragender letzthin in allen zweifelhaften 
ällen die Laparotomie bevorzugt, namentlich auch bei Myo- 
molomien, bei welchen die Erhaltung der portio vag. durch 
die Laparotomie nicht zu unterschätzen ist, uni ist der An¬ 
sicht, dass dieser Standpunkt sich allmählich immer mehr An¬ 
hänger erwerben wird. 

(Autoreferat). 

Graubner stimmt Meyer bei, weist auf die Sicherheit 
hin, mit welcher heutzutage Bauchhernienbildung vermieden 
werden kann und betont die Wichtigkeit der exakten Naht 
der einzelnen Schichten spec. der Fascien. Das Gesagte be¬ 
zieht sich auf Bauabschnitte unterhalb des Nabels, während 
solche über demselben, wo die M. recti weiter auseinander- 
steheu und die Fascie schwächer entwickelt ist, eher za Her- 
uienbiidung in der Narbe. Veranlassung geben können. Er 
macht darauf aufmerksam, dass in neuester Zeit Rotte r — 
Berlin auf denselben Standpunkt gekommen ist und der La¬ 
parotomie mit exakter Schichtnaht der Bauch wunde das 
Wort redet. 


Meyer verwendet zur Naht jetzt Zwirn, welcher ein Jalir 
und länger in der Narbe verweilt. 

Sitzung am 12. Mai 1904. 

3. Dr. K o p p e 1 spricht über «das Ergebnis einer 
Ohren-, Nasen- und Ra chenuntersn chang bei 
900 Schulkinder n». (Zum Referat nicht geeignet, soll in 
extenso veröffentlicht werden). 

Diskussion:: 

Otto hat im hiesigen Mädchengymuasiura dieselbe Unter¬ 
suchung an 340 Schülerinnen vorgenommen und betont die 
Schwierigkeit unter ungünstigen Verhältnissen gleichzeitige 
Resultate zu erzielen. Obgleich er die prozentischen Berech¬ 
nungen noch nicht ausgeführt hat, so glaubt er doch beob¬ 
achtet zu haben, dass mit den Jahren, also in den höheren 
Klassen die Schäden häufiger werden. Schwer zu rubrizieren 
sind die vorübergehenden leichten Mittelohrkatarrhe mit Tu¬ 
ben Verschluss. Es sind dies paseagäre Zustände, die sich 
schnell ändern und eveut. zu fehlerhaften Schlussfolgerungen 
tühren können. Er erinnert an die Resultate W'alb’s, der 
bis 10 pCr. (unter 340 Kindern) Hördefekte fand, meist in 
Folge von Rachentonsille, also ungefähr analog Kufem&nn. 
König in Könitz fand 3 /s aller Kinder in jeder Beziehung 
gesund. Von den 3 /s waren 9 pOt. rait Hördefekten in Folge 
von Ohreiterung behaftet, an 17 pCt. verzeichnet er «Rachen¬ 
tonsille», in 14 pOt. Gamnenmandelvergiösseruu?, io 60 pCt. 
katarrhalische Zustände der Tube. Da Vortragender in 4 
verschiedenen Lokalitäten untersucht hat, so dürften die Re¬ 
sultate nicht absolut gleichwertige sein. 

Koppel erlaubt sich aus seinem Material kein Urteil da¬ 
rüber, ob bei Kindern höherer Altersstufen häufiger Defekte des 
Gehörorgans Vorkommen, erinnert jedoch daran, dass einige 
Autoren das Gegenteil behaupten. Die Fehlerquelle, welche 
durch die ah verschiedenem Ort ausgeführte Untersuchung ent¬ 
stehen konnte, hat er versucht nach Möglichkeit zu eliminieren : 
zunächst durch eine sehr eingehende Untersuchung (nicht 
mehr als 4 Kinder in einer Staude!) dann dadurch, dass die¬ 
selbe nur im Winter, beim Wegfall des leidigen Strassen- 
lärms vorgenommen wurde. Berücksichtigt wurde ferner die 
Tageszeit — wie weit der Unterricht die Horprüf.ing beein¬ 
flusst u. s. w. Von den 1800 Ohreu, die er prüfte, hörten 778 
die Uhr auf 6 Meter, d. h. 40 pCt., also ungefähr */*, ebenso 
wie es König fand. Er bestätigt das häufige Vorkommen 
von vorübergehenden Tubenkatarrhen und macht auf den 
nicht seltenen Befund von leichter Rosafärbung des Trom¬ 
melfelles bei guter Hörschärfe aufmerksam, der wohl durch 
die Wirkung der kalten Luft resp. des Windes zustande 
kommt. 

Tru hart, der Jahre hindurch am Landesgymnasiara zu 
Fellin die Untersnchang gemacht bat — immer in demselben 
Saal — fand, dass in den oberen Klassen nicht häufiger Hör¬ 
defekte verkommen als ln den unteren. Ferner konstatierte 
er durch eine Untersuchung von 100 Kindern ans den ver¬ 
schiedensten Schulen (Land , Kirchen- und Stadtschalen), dass 
in den Schulen der ärmeren Bevöikerungsklassen die Gehör¬ 
schärfe im allgemeinen schlechter war als in den Schuleu 
der besser situierten Stände. 

Koppel hat nur Kinder der ärmeren Klassen untersuchen 
könneu. In Bezug auf das Geschlecht ergeben seine Zahlen 
ungefähr gleiche Verhältnisse. Nach Ansicht einiger Autoren 
finden sich bei Mädchen häufiger Ansammlungen von Ohr¬ 
wachs, angeblich weil diese häufiger Manipulationen zum 
Zweck der Reinigung vornehmen, dabei aber den Cerumeu 
heteindrücken und durch lokalen Reiz die Ohrschmalzdrüsen 
za stärkerer Absonderung anregen. 

Sitznng am 26. Mai 1904. 

3. Dr. Terrepson demonstriert einen Fall von Li¬ 
chen roher planus, ma<ht auf die typischen Efflores- 
zenzen und die Lokalisation aufmerksam uud bespricht kurz 
die Differentialdiagnose gegenüber Lichen acuminatus, Lichen 
syphiliticus, Lichen scrophuiosornm und chronicus, sowie die 
Therapie der Erkrankung. 

4. Dr. Otto hält seinen angekündigten Vortrag: F.in 
Fall von Endothelkrebs der Pleura and des 
Mediastinums. (Ist in der heutigen Nr. der St. Petersbur¬ 
ger medizinisclien Wochenschrift abgedrnckt). 

Diskussion: 

Tr «hart erinnert an die Kontroverse, welche bezüglich 
der Aetiologie der krebsartigen Erkrankungen besteht: auf 
der einen Seite die Auhänger der Lehre Vom parasitären 
Ursprung, aut der anderen — vor allen Ribbert — die- 


Digitized by vjOOQI 


jeiligen, welche als verarsacbendes Moment versprengte 
Keime, die zo wachem beginnen, annehmen. Bibbert ist 
eneigt auch den Endothelkrebs zu den derartig entstehenden 
umoren zu zählen. 

O t to ist auf die Aetiologie nicht näher eingegangen, da 
zur Zeit jedenfalls nichts Sicheres darüber feststeht. Er 
macht darauf aufmerksam, dass die primäre Entstehung des 
Endotbelkrebses im Mediastinum mit sekundärer Weiterver¬ 
breitung aut die Plenra der weit seltenere Fall ist, ebenso 
ist die Darchwucherung unter der Haut ein sehr seltenes 
Vorkommnis. Der Endothelkrebs charakterisiert sich dadurch, 
dass das Endothel der Sattspalten eines grösseren Bezirks 
gleichzeitig in Wucherung gerät—er stellt also einen diffusen 
Prozess vor. Es spricht dies eigentlich mehr weniger gegen 
die Ansicht R i b b e r t b und stellt den Unterschied gegen¬ 
über den Epithel krebsen dar. welche circnmscrlpt von einem 
bestimmten Zentrum entstehen, am von hier aus in die be¬ 
nachbarten Gewebe hineinzuwuchern. 

Tr u hart: Zur Zeit stehen die pathologischen Anatomen 
meist auf Seiten R i b b e r t s , während viele Bakteriologen 
(S c h ü 1 le r, Sj ö b r i n g, Glimmer) und Kliniker (Ley¬ 
den) parasitären Ursprung annehmen. 

Otto: Klinisch und auf dem Sektionstisch sehen wir das 
Bild des Krebses immer schon entstanden, fertig aasgebildet. 
Es muss aber eine primäre Kraft vorhanden sein, die die 
Anregung zum Wuchertinzsprozess abgiebt, sei er nun im 
Beginn circumscript wie beim Epithelkrebs, oder von vorn 
herein mehr diffus, wie beim Endothelkrebs. Für diese primäre 
Kraft könnte nun sehr wohl eine parasitäre Grundlage an¬ 
genommen werden. 

Meyer erinnert sich eines Falles aus seiner Praxis, ln 
welchem das plenritische Exsudat nicht haemorrhagisch war, 
sondern serös. Es handelte sich nm ein bösartiges Ovarial- 
cystom mH Metastasen in der Pleura. 

Otto macht in Bezog auf die Eigenschaften des Exsu¬ 
dates darauf aufmerksam, dass der haemorrbagische Charak¬ 
ter nicht immer ausgesprochen in manchen Fällen fast rein 
serös mit nur vereinzelten roten Blutkörperchen ist. Meist 
findet man es bei der eisten Pnuktiou überhaupt heller, wäh¬ 
rend die Rotfärbung bei jeder folgenden zunimmt Es wird 
dies auf die plötzliche Entlastung des Pleuraraumes und den 
dadurch entstehenden negativen Druck znröckgeführt. 

Graubner: Eine primäre Entwicklung auf grösserer Fläche 
wird auch bei Epithclkrebseu beobachtet, er selbst hat bei ei¬ 
nem Falle von Carcinora der Cervixschleimhaut die Neubil¬ 
dung sich weit auf das cavum nteri und auf die Vagina vor¬ 
schiebend gefunden, ohne dass sie tiefer in die benachbarten 
Gewebe eindrang. Neuerdings liefen Borst die charakte¬ 
ristische Abbildung eines solchen Falles, wo die Schleimhaut 
der Vagina wie durch eine Pflugschar durch die Neubildung 
abgehoben erscheint. 

Otto: Bei den Endothelkrebsender Plenra handelt es sich 
uni ein eigentümliches symmetrisches Ergriffensein grosser 
Flächen sei. einbar gleichzeitig, nicht—wie in den von G r a o b - 
ner angeführten Fällen — nm ein Fortkriechen von einem 
Zentrum aus. Man muss liier gleichzeitiges Einsetzen der 
Wucherung in grösserem Bezirk anuehmen- 
Es folgte die Demonstration mikroskopischer Präparate. 

8. Dr. Meyer demonstriert die linke gravide Tube einer 
Frau, welche am 29. April der Laparotomie unterworfen wor¬ 
den. Es bandelt sich um eine 23-jährige Patientin, die vor 
2V* Jahren ihre erste Geburt durchgemacht and vermutlich 
vor 2 Jahren einen Abort gehabt hat. Seit letzterem sind 
dysmenorrboische Beschwerden vorhanden gewesen. Die 
letzte Menstruation vor 11 Wochen; seit 6 Wochen ziemlich 
konstante mässige Blutung. Bei der Untersuchung fand sich 
rechts neben dem kaum vergrösserten Uterus eine schlaffe 
glattwandige Resistenz, die sich hinten bis in den Donglas 
hinzog. Bei der Operation fand sich am rechten Ovarinm ein 
Hydrops follicnli; am Ostium abdominale der linken Tube, 
welche in den Douglas verzogen mit dem rechten Ovariuin 
eng zusammenhing, lag ein grosses derbes Blutgerinnsel; etwa 
2 Cent, vom Isthmus weist die Tube eine bimförmige finger¬ 
gliedgrosse Auftreibung auf, deren Inhalt erst nach vollkom¬ 
mener Härtung einer Unteisucbmig unterworfen werden soll 
und welche bei der ersten Untersuchung für das normale 
Ovarium gehalten worden war. Interessant ist der Fall durch 
den Mangel der subjektiven Beschwerden, wie sie sonst mit 
dem Vorgang des tubaren Abortes verbunden zu sein pflegen, 
so dass hier ein sehr allmählich erfolgter Blutaustritt aus der 
Tube angenommen werden muss. 

(Autoreferat). 


Vermischtes. 

— Der Gehülfe des Ministers der Volksanfklärnng, wirkl. 
Staatsrat Dr. med. Lukjanow, ist zum Geheim rat 
befördert worden. 

— Wie der «R. Wr.» erfährt, hat der Obermedizinalin¬ 
spektor der Flotte, Dr. W. K u d r i n, das Präsiden ten- 
aiut im Konnte der medizinischen Hauptnntersiützongskasse, 
welches er seit dem Tode Prof. Manasseins bekleidete, 
niedergelegt. 

— Unser Landsmann, Professor Dr. Ludwig Stieda in 
Königsberg (früher Professor der Anatomie in Dorpat), ist 
von der hiesigen Akademie der Wissenschaf¬ 
ten zum korrespondierenden Mitglied« ge¬ 
wählt worden. 

— Am 12. Januar c. feiert die Moskauer Universi- 
t ä t den 150. Jahrestag ihres Bestehens. 

— Dem älteren Ordinator der St. Petersburger Augenheil¬ 
anstalt Dr. Th. Ger manu ist als Augenarzt der Austalteu 
der Kaiserlichen Philanthropischen Gesellschaft zu Neujahr 
der St. W T ladimir-Orden IV. Klasse verliehen 
worden. 

— Die W’ilnasche medizinische Gesellschaft 
begeht ln diesem Jahre das 100-jährige Jubiläum 
ihres B e s r, e li e n s. Sie ist die Zweitälteste medizinische 
Gesellschaft Russlands, denn vor ihr existierte nur die Phy- 
siko-medizini8che uesellschaft zu Moskau, die im Jahre 1804 
gegründet war. Die Wilnasche med. Gesellschaft zählte im 
letzten Jahre 121 wirkliche Mitglieder, 61 Ehrenmitglieder 
und 93 korrespondierende Mitglieder. 

— Vor Kurzem feierte der ordentliche Professor der Ana¬ 
tomie an der Odessaer Universität, Staatsrat Dr. Nikolai 
Ba t n j e w, sein 25-j äh r i g e 8 DI e n s tj u bil ä n m. Der 
Jubilar bekleidet seit der Eröffnung der medizinischen Fa¬ 
kultät auch das Amt eines Sekretärs derselben. 

— Ihr 25 - j ä h r i g e s Professoren- Jubiläum be¬ 
gingen am 24. Dezember a.pr. die Proff. Dr. Küster, Di¬ 
rektor der chirurgischen Klinik in Marburg, und I)r. U. 
Kröniein, Direktor der chirurgischen Klinik in Zürich. 

— Der medizinische Verein bei der Odessaer Universität 
hat, Odessaer Blättern zufolge, den ehemaligen Moskauer Pro¬ 
fessor der Hygiene, gegenwärtig in Zürich lebenden Dr. 
Erismann, welcher bekanntlich vor ca. 9 Jahren aof 
administrative Anordnung Moskau verlassen musste, für seine 
Verdienste um die Vervollkommnung hygienischer Kenntnisse 
in Russland zum £ b r e n m i t g 1 i e d e g e w r ä h 1 1 . — Wie 
verlautet, hat der Vorstand der Gesellschaft russischer Aerzte 
zum Andenken an N. J. Pirogow beschlossen, durch Ver¬ 
mittelung der Moskauer Universität darum zu petitionieren, 
dass es Prof. Erimunn gestattet werde, nach Russland 
zu riickzn kehren. 

— Wie dem «R. Wr.» mitgeteilt wird, haben der Oberarzt 
der Marlen-Gemeinschaft des Roten Kreuzes in Kiew, Privat- 
dozent Dr. Nejelow, und ebeuso der Konsultant des 
Krankenhauses dieser Gemeinschaft Dr. K a t s c h k o w s k i 
ihre Stellungen bei der Gemeinschaft aufge¬ 
geben. Die Veranlassung dazu ist eine durch die Vize- 
präsidentin der Gemeinschaft Frau Rutkowski ihnen zu¬ 
gefügte Beleidigung gewesen. 

— Um da9 Audenken des am die Milderung des Loses der 
Gefängnisinsassen in Russland hochverdienten Philanthropen 
und Arztes Dr. P. Haas zu ehren, liat die Moskauer Stadt* 
duma beschlossen, auf einem der städtischen Güter bei Mos¬ 
kau ein Asyl für passlose, aus den Gefängnis- 
kranke nhänsern entlassene Individuen auf 
seinen Namen zu errichten. 

— Unter den 152 neugewählten Stadtverordneten 
in Moskau befinden sich 5 Aerzte; ausserdem finden wir 
in dem Veizeichnis der Stadtverordneten noch 2 medizinische 
Professoren: Dr. W. Roth und Dr. J. S p I s h a i n y. 

— Der «Estl. Gouv-Ztg.» zufolge, ist der ans Estland ge¬ 
bürtige Dr. Jakob Pani v. Sauisou-Himmelstjerna 
mit seinen Kindern aus dem russisch eu Unter ta- 
nenverbande 'entlassen. — Dr. v.Samson, welcher 
seine medizinische Ausbildung und die Doktorwürde an der 
Dorpater Universität erhallen hat, war einige Zeit Assistent 
an der chirurgischen Universitätsklinik in Berlin und ist ge¬ 
genwärtig, so viel uns bekannt, Arzt des Fürsten Pl es s 
und des Johanniter-Krankenhauses iu der Stadt Pless 
(Schlesien). 

— Der Wolmarsche Stadtarzt, Kollegienrat D r. Georg 
A p p i n g, ist auf sein Gesuch verabschiedet worden. 

— Dem Chef des St. Petersburger städtischen Impfinstituts, 
Privatdozenten der mil.-medizinischen Akademie Dr. W ol¬ 
de m a r H u b e r t, ist auf der im vergangenen Sommer statt- 
gebabteu internationalen hygienischen Ausstellung in Paris 
der g rosse Preis (grand prix) zuerkannt worden für sein 
wissenschaftliches Werk, in welchem er auf experimentellem 


Digitized by 


10 


Wege die Frage zu lösen sucht, wie die bei der Pocken¬ 
impfung vorkomtnenden Erkrankungen zu beseitigen sind. 
Zu diesem Zweck hat H. in dem Impfinstitut mehr als 1800 
Versuche an verschiedenen Tieren angestellt. Vor 5 Jahren 
erhielt I)r. Hubert den ersten Londoner Preis im 
Betrage von 10,000 Rbl. und eine goldene Medaille 
för seine Arbeit: «Die Pocken und die Pockenimpfung bei 
Verschiedenen Völkern». 

— Verstorben: 1) Am 31. Dezember a. pr. zu Hö¬ 
rn e r s h o f (Livland) der dortige Kirchspielsarzt D r. Ernst 
S p o n h o 1 z im 73. Lebensjahre. Der Hingeschiedene stammte 
aus Kurland und halte seine medizinische Ausbildung an 
der Dorpater Universität erhalten, an welcher er von 1831—56 
studierte. Nach Erlangung der Venia practicandi i. J. 1861 
war Sp. succe8sive Landarzt in Linden (Kurland), Arzt in 
Friedrichstadt, Kirchspielsarzt in Kokenhasen und seit 1886 
Arzt bei Römershof. Viele Jahre fungierte er anch als Arzt 
der Riga-Dünaburger Eisenbahn. 2) In Moskau das frü¬ 
here Mitglied der Medizinalverwaltung der Stadt Moskau, 
wirkl. Staatsrat D r. Heinrich J o h. Pohl, im Alter von 
59 Jahren an Gehiruapoplexie. Der Hingeschiedene, welcher 
25 Jahre die ärzi liehe Praxis ausgeübt hat, ist anch mehrfach 
literarisch hervorgetreten; noch vor Kurzem veröffentlichte 
er in der «Allg. raed. Zentralzeitung» eineu längeren Artikel 
aber die Bedeutung der gerichtlich-medizinischen Expertise 
bei Arsenvergiftmig. Ein gutes Andenken hiuterlässt Dr. 
Pohl Insbesondere bei der armen Bevölkerung durch seine 
Wohltätigkeit 3) In Noworosslsk der ältere Arzt des 
Lehrgeschwaders der Sch warzmerflotte, Dr. Nikolai Land- 
schewski Im 45. Lebensjahre nach mehr als 20-jähriger 
Tätigkeit. Er hat sich mit Morphium vergiftet. 4) ln S k w i ra 
(Gouv. Kiew) der dortige Kreisarzt Dr. Leonid Omelja- 
nowski im Alter von 55 Jahren. Die Venia practicandi 
hatte der Verstorbene i. J. 1876 erlangt. 5) Am 3. Januar 
n. St. zu Tokio der Professor der Medizin au der dortigen 
Universität Dr. J ul. S c r i b a (aus Darmstadt) im nahezu voll¬ 
endeten 57. Lebensjahre. 6) In B e r 1 i n der Hofzahnarzt Dr. 
AlonzoSylvester, der sich in einem Anfall von Schwermut 
mit einem Revolver eiuen tötlichen Schuss in die Schläfe 
beibrachte. Der Verstorbene, welcher vor mehr als 30 Jahren 
nach Berlin kam, erwarb sich iu kurzer Zeit einen ausserge- 
wöhnlicben Rttf als praktischer Vertreter der amerikanischen 
Zahnheilkcnde uud Zahntcchuik und zählte die kaiserliche 
Familie sowie viele deutsche Fürsten zu seinem Patientenkreise. 

— Prof. Dr. Ha n 8 v. Re y her in Dresden, der bereits 
vor einem Monat bei seiner eisten Einberufung vom akti¬ 
ven Militärdienst befreit wurde, hat jetzt wieder die Einbe¬ 
rufungs-Order erhalten. Seine zweite Einberufung ist auf 
Grund der Erklärung des Stabes erfolgt, dass die Stellung, 
welche er als Arzt bei der russischen Gesandtschaft in Dres¬ 
den bekleidet, nicht zu der Kategorie der Stellungen gehört, 
die vom Dienst befreieu. 

— Die Einberufnngsorder haben neuerdings die rigaschen 
Aerzte Dr. E. v. Hirschheydt, Dr. dar fe 1 s und Dr. 
L e e p i n g erhalten; der Letztgenannte ist jedoch wegen 
Kraukeit vom Dienst befreit worden. 

— Die Livländische Abteilung des Boten 
Kreuzes, welches auf der Eisenbahnstation Echo ein 
grosses Hospital unterhält, hat gegenwärtig eine Filiale 
ihres Feldlazaretts in Mukden unter der Leitung 
des Oberarztes Dr. v. Oettingeu eingerichtet und aut der 
allgemeinen Sortierstatiou eine Deckersche Operationsbaracke 
anfges teilt. 

— Wie aus dem im «Reg.-Anz» veröffentlichten Ver¬ 
zeichnis aller vom Roten Kreuz im Fernen 
Osten unterhaltenen Lazarette zu ersehen ist, 
standen dort zuin 15. Dezember 1904 im ganzeu 150 Laza¬ 
rette mit zusammen 25,360 Betten zur Verfügung. 

— Von den Aerzteu des psychiat rischen Kran¬ 
kenhauses (im Kreise Podolsk) der Moskauer Gouverne¬ 
ments-Landschaft sind bereits acht zum aktivenDienst 
einberufen worden, so dass der grossen Anstalt mit 
mehr als 600 Betten-die Gefahr droht, bald ohue Aerzte 
zu sein. 

— Die ausserordentlichen Professoren deV Odeasaer Univer¬ 
sität Dr. K o r 8 c h und Dr. Mankowski sind zn ordent¬ 
lichen Professoren ernannt worden, ersterer für 
gerichtliche Medizin, letzterer für Histologie. 

— Der ausserordentliche Professor der Anatomie an der 
Tomsker Universität, Staatsrat Dr. Popowski, ist auf 
sein Gesuch verabschiedet worden. 

— Der V. Kongress russischer Chirurgen, 
welcher in den letzten Dezembertagen in Moskau tagte, 
hatte, wie man voraussetzen konnte, diesmal eine geringere 
Zahl vou Teilnehmern (etwa 100) als in früheren Jahren. Zum 
Präsidenten wurde der Professor der mil.-med. Akademie Dr. 
Subbotiu und zum Vizepräsidenten der Landschaftsarzt 
aus Jelissawetgrad Dr. J uzewitsch gewählt. Der nächste 
Kongress findet im Dezember d. J. wieder in Moskau statt. 


— 16 Lodzer Aerzte, die znm Dienst in der aktiven 
Armee einberufen waren, hatten seinerzeit in Lodz die amt¬ 
liche Bescheinigung erhalten, dass sie zum Dienst anf derfi 
Kriegsschauplatz uutauglich sind. Wie dem «Kurjer War- 
szawski» aus Lodz gemeldet wird, hat nun eine mit der 
Prüfung dieser Angelegenheit beauftragte Spezialkoinmission, 
die unter dem Vorsitz des Gouverneurs von Petrokow aus 
einem Delegierten des Medizinaldeparlernents, dem Gouver- 
nementsmedizinalinspektor n. a. bestand, entschieden, dass 
neun dieser Aerzte zum Dienst auf dem Kriegsschauplatz 
tauglich sind; drei Aerzte sind zum Zweck der Feststellung 
ihrer Qualifikation für den Felddienst einem Warschauer 
Hospital überwiesen worden, während vier Aerzte als dienst¬ 
untauglich von der Einberufung befreit wurden. 

— Das Honorar der Aerzte. ln dem Bestreben der 
Aerzte, eine einheitliche Regelung der Liquidationen herbei- 
zuführen, sind nach einem Beschluss des Geschäftsausschnsses 
der «Berliner ärztlichen Siandesvereine» folgende Bestimmun¬ 
gen getroffen worden: Es sollen fortan ärztliche Liquidatio¬ 
nen in der Regel unmittelbar nach Abschluss der Behand¬ 
lung, spätestens nach einem Vierteljahr abgesandt, Atteste 
und Gutachten an Private nur gegen sofortige Honorierung 
ausgestellt werden. Nachtkonsnltationen unbekannter Perso¬ 
nen oder Nachtbesache bei solohen unterliegen in der Regel 
der sofortigen Honorierung. 

— Epidemiologisches. Die Choleraerkran¬ 
kungen inßnssland haben sich verringert. In der Woche 
vom 20 —26. Dezember erkrankten 23 Personeu und versterben 
27 (gegen 61 resp, 120 Personeu in der Vorwoche). Die sibi¬ 
rische Pest wies in der Woche vom 22.—28. Dezember im 
Gouv. W j a t k a 46 Neuerkrankungen auf. Die Pest- 
epideraie im Uralgebiet ist dein Erlöschen nahe. 
Vom 21—27. Dezember erkrankten dort an der Pest 8 und 
verstarben 15 Personeu. Vom Beginn der Epidemie bis zum 
24. Dezember sind im Ganzen 340 Personen der Pest 
erlegen. 

Bf. 

— Die Gesamtzahl der Kranken in den Civil- 
hospitälern St. Petersburgs betrug am 18. Dez. 
d. J. 9448 (47 wen. als io d. Vorw.), darunter 450 Typhus — 
(11 mehr).882 Syphilis—(76 wen.), 311 Scharlach — (6 wen.), 
110 Diphtherie — (7 mehr), 51 Masern — (1 mehr) and 14 
Pockenkranke — (4 wen. als in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 


Für die Woche vom 12. bis znm 18. Dezember 1904. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht and Alter: 





u 


h 

Im Ganzen: ,® 

o 

S 

ja 

ei 

ja 

ei 

ja 

et 

M. W. 

CO 

Sa. . 

<N 

fH 

I 

lO 

1 

O 
•—! 

1 

>o 

1—* 

1 


© 


vH 

CD 


485 409 

895 247 96 

138 22 

12 


^ b b h h 

ja jo i a ja ja ja 

«3 cd ca ei öS es 

i-s >s r-3 >n •-> *-s 


ja ja a 

eB ® 2 

>■» s 3 

-T3 M 

a ® 
a 


I I i I l i T ° 

CO<—Ir-If-H.-«,—I.— 

•—< (M «5 •# Ift » N OO 


2) uach den Todesursachen: 

— Typh. exanth.O, Typh. ahd. 25,Febris recurrens 0,Typhös 
ohne Bestimmungder Form 1, Pocken 3. Masern 9,Scharlach 22, 
Diphtherie 17, Croup 0, Keuchhusten 5. Croupöse Langen¬ 
entzünd üng 22, Erysipelas 3, Grippe 16, Katarrhalische Lun¬ 
genentzündung 115, RnhrO, Epidemische Meningitis 0, Akuter 
Gelenkrheumatismus 0, Parotitis epidemica 0, Rotzkrankheit0, 
Anthrax 0, Hydrophobie 0, Puerperalfieber 2, Pyäroie and 
Septicaemie 11, Tuberkulose der Lungen 107, Tuberkulose an¬ 
derer Organe 24, Alkobolismns und Delirium tremens 5, Le¬ 
bensschwäche und Atropbia infantnm 82, Marasmus senilis 31, 
Krankheiten des Verdauungskanals 136, Totgeborene 44. 


Näohste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag, d. 25. Jan. 1905. 

Tagesordnung: Schmitz: Präsidialvortrag. — Jahres¬ 
berichte der Sekretäre etc. — Wahlen.— 
— Nochmalige Beratung betr. Unter¬ 
stützung durch den Krieg geschädigter 
Aerzte. 

♦- NäohsteSitzung des De titschen ärztlichen 
Vereins: Montag, den 17. Jan. 1905. 


Digitized by kjOOQie 



ANNONCEN JEDER ART werden io der BuotiHandlung von K. L. RICKER in 
St. Petersburg, Nevsky-Pr. 14, sowie in allen in-and ausländ. Annoncen-Comptoiren angenommen 


Thioeol 

„Roehe“ 

beites Guajacol- 
präpArat, wasser- 
löelleh, geruchlos. 



Sirofin 

„Roehe“ 


wohlriechender, 
angenehm 
schmeckender 
Syrnp, Idealste 
Form der Kreo¬ 
sot-Therapie. 


Sulfosot • 
syrup 
„Roohtf'‘ 

entgiftetes 
Kreosot ln Syruw 
form, eignet sieh 
speaiell für A n a es 
wmi Kas s e n prasls. 


Profylm, Roche 


ein unbegrenzt haltbares, vollkommen ungif¬ 
tiges Phosphoreiweiss mit 2,6°j 0 Phosphor. 

wurde mit bestem Erfolg: geprüft an der CMr. 
A7*-/»/« r im— Klinik in Bern, Direktor Prof. Br. Th. 
Jh g’UtlJgl Tg Kocher, und an der I. Med. Universitäts- 
_ U klinik in Berlin, Director Geh. Medizi- 


jmm wurde mit bestem Erfolg geprüft an der CMr. 

Klinik in Bern, Direktor Prof. Dr. Th. 
JgT’lJggJggTg Kocher, und an der I • Med. Universitäts- 
U klinik in Berlin, Director Geh. Medizi¬ 

nalrath Prof. Dr. von Leyden. 

Seine therapeutische und tonische Wirkung wurde erkannt bei 

BhacMtis , Scrophulose , Carlen, Neuronen, Hysterie, Anä¬ 
mie, Cacheade und Basedowscher Krankheit. 

Im Allgemeinen ist Protyin iür den mensch lichen Organismus ebepso 
werthvoll wie die Superphosphate ttir die Pflanzen. 


Ausser Protylin stellen wir zur Zeit noch 

Eisenprotylin (Eisengehalt 2,3 pCt. und 
Bromprotylin (Bromgehalt 4 pCt. organisch gebunden) dar. 

Von Protylin u. Eisenprotylin ersuchen wir nicht einzelne Pulver, sondern 
stets nur die Originalpackungen von 25,50,100 oder 250 gr. zu verordnen. 

Muster und Literatur stehen den Herren Aerzten zur Verfügung. 

Alleinige Fabrikanten: 

F. Hoffmann-LaRoche & Co., Fabrik chem.-pharm, producte 

Basel (Schweiz) Grenzach (Baden). 

(17) 10-4. 


Jtiro! 

, Roehe“ 


bester, geruch¬ 
loser Jodo- 
fonnersata. 


rfsferol 

„Roehe“ 


wasserlösliches 
llg.-Präparat, 
fällt nicht 
EiwelsB, reist 
nicht, greift 
Instrumente 
nicht an. 


Thigeno/ 

„Roehe“ 


synthetisches 
öchwefelpräparat 
mit 10“/. org. 
gebnnd. Schwefel. 
Geruchloser 
Ichthyolersata. 


Dr. Emmerich’s Heilanstalt 

für Nerven-, Morphium-, Alkohol- etc. Kranke 
Otgründtt 1890 B.-Baden Gtgründtl 1890 

Mildeste Form der Morphium-Entziehung ohne Zwang und Qualen 


Prospekte kostenlos (Geisteskranke ausgeschlossen.) 

Bes. u. dirig. Arzt Br. Arthur Meyer. 2 Aerzte- 


Sanatorium Villa Primavera. 

Gardone Riviera, Italien. 
Prospekte des Sanitätsrats Dr.Koeniger, 


Digitized by 


Google 














f 


12 



Wenn Sie Fortgehen, 

lassen Sie unbesorgt Alles 
auf dem Schreibtische liegen! 

Momentaner Verschluss 

des Tisches und aller Seitenschubladen mittelst Rolljalousie. Tintenkleckse oder Flecken lassen sich leicht 
entfernen (amerikanische Polierung). Preise von 70 Rbl. an. Lager von zusammensetzbaren Bücher¬ 
schränken, Registratoren, Karten-Registrierschränken etc. Kataloge kostenlos (bei Bezugnahme auf diese 
Annonce). Kopierpressen und -Tische. Bequeme Sitzauflagen (schonen die Kleider). Prospekte kostenlos. 

JaniS RepsoD. Abteilung fllr schwedisch amerikanische moderne Kontor- und Bibliothek-Einrichtungen, 

St. Petersburg , Bolsch. Kor\)uschennaja 13. — Telephon 5376. 


lg4- (Salicylsäurebomylester). Wirkt als Busserliches Mittel be- 
Oull ij sonders günstig bei allen nach Erkältung auftretenden 
rheumatischen und neuralgischen Schmerzen, bei Gelenkrheumatismns, 
Muskelrheumatlsmus und Ischias. Von einer Mischung aus gleichen 
Teilen Salit und Olivenöl in der Regel täglich 2 mal '/* bis 1 Kaffee¬ 
löffel voll in die Haut der erkrankten Körperteile einzureiben. — Salit 
ist ausserordentlich billig. 

Bei septischen Erkrankungen (Septikämie, 
Puerperalprozessen — auch prophylaktisch 
bei Geburten —,~Endokarditis, Milzbrand etc.) als Lösung zur intrave¬ 
nösen und rektalen Anwendung, als „Unguentum Credd“ zum Einreiben- 
— Zur Wundbehandlung in Form von Tabletten etc. 

Silberpräparat für |l w% Billiges Lokal- 

Augen- und Ge¬ 
schlechtskrankheiten , besonders 



Itrol. 


Gonorrhöe. 


Aeoin. Anftsthetiknm 

von intensiverer und längerer Wir¬ 
kung als Kokain. 


Proben und Literatur durch 

Chemische Fabrik von Heyden, Radebenl-Dresden, 

oder deren Vertreter: (19) 11—1. 

R. Crottet, W. 0Sredny Prosp., 8, > Petersburg. 


|d^iniSte(& inf abh|( eil i 

|P ZIMMERIC? 01 

FRANKFURT a,M 


DYMAL 


(17) 3—2. 


Geruchloses, ungiftiges, reizloses und sekretbeschränkeudes Trocken- 
Anti8ept!cum, bewährt bei Wunden, Verbrennungen, Hyperidrosis, 
Intertrigo und anderen Hautkrankheiten, den übrigen Jodoform- 
Ersatzmitteln wegen seiner Billigkeit vorzuziehen. 

LYGrOSIN-CHININ 

Uugtftiges, reizloses Antiseptlcum, bewährtes Mittel bei Furunkeln, 
Phlegmonen, Ekzemen, profusen Eiterungen etc. 

LY&OSINNATRIUM 

Bewährtes Mittel gegen Uterusgonorrhöe, gepi ti ft uud empfohlen von 
Dr. Parädy, I Assistent an der Klinik ftr Haut- und Geschlechts¬ 
krankheiten der Universität Klaasenburg. 


Muster und Literatur stehen den Herren Aerzten kostenlos zur Vertilgung. 


03 

r«*i 

ra 

T 

ja ® ._1 1 

* o » • IW 

a b a a £ Hj 

s fct? I s 1 

03 

CO 

jT*s”a K 
|e I 



• so ^ k** fl RH 
to" ® £5 oj © DH 
a 09 ® ® — m -B u 

E g m 

03 

>• 

■s ° ® a ® n 

® 91 -B N 73 IR 

05 M 

a mwm ko Iß» 

eo 

CO 

z 

!*?4* 1 

03 

ca 

o 

2 

!*i 1 

13 


js « 

03 

03 

CO 

> 

S CO 4AJ 1 

1“3E | 

er SS il 

u 

-g 


® Qm 

5 aal ■ 

co S 1 

C3 


o ■ 



a. u p 


Im Deutschen Alexander-Hospital wird 
Nachweis ertbeilt über zur Zeit dienst¬ 
freie Pfleger and Pflegerinnen für die 
private Krankenpflege (gegen Zahlung 
von SO flnp.l. 

Adressen von Krankenpflegerinnen: 
Frau L. A. Bogoslawskaja, Erteleft 
Pereulok J4 16, Qu. 6. 

Frau HasenfuBS, Maa. noxis'ieex. «.14 

SB. 15. 

Elise Blau, JIuroBCKas 58 , kr. 15 . 
Oxara OBhTjioBa.CeprieBCK., g. 17 , kb. 19 . 
Marie Winkler, yr.Cojauosa uep.M Uan- 
Tajelsoaesol j m. m. 4, kb. 11. 
Alexandra Kasarinow, HiRoxaeBcnas 
yji. i. 61 . rb. 32 . 

Frau Minna Rieser, geb. Franke. Cts- 
pufl IleTeprodicKift upoen. j. JA 16- 
kb. 28, y HoBo-KajTHHKHBa MocTa. 


JIobb. neHR. Cn6., 14 ÜBBapa 1905 r. Herausgeber Dr. Rudolf W auach. Ruchdruckerei v. A. Wieneoke. Katharinenhofei Pr.JG 15. 


Digitized by 


Google 


j 



n 


Lin / 


Hi ii X 305 


xxx. jAHRöAUtt. ST PETERSBURGER * me Mge M - ^ 

HEIMISCHE WOOIENSCHWI 

unter der Redaktion von 

Prof. Or. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Jurjew (Dorpat). Riga. 

Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger MedicinischeWochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend.—Der Abormementapreis ist in Bauland 8 Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postzustellung;in den anderen 
Lindern 90 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. DerZnfertloniprel> 
fürdie 3inal gespaltene Zeilen jpPetitist l6Kdp.oder35Pfen.—Den 
Autoren werden 2o Separatabzügeihrer Origthalartikelzugesandt. 
- Referat* werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen f renori rt. 


WC Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von g. L Bieber 
in St. Petersburg, Newsky-Prospekt .Na 14, zu richten. — Kanus- 
crlpta sowie alleaul die Redaktion bezüglichen Mitteilungenbit- 
tet man an den stellvertretenden geschäftsführendenRedak- 
teur Dr. S- Biestig in St. Petersb., Wassili Ostrow, 1 Linie M 28 
zu richten. Sprechstunden täglich von 4—6 Uhr. 


M 2 


St. Peters borg, den 15. (28.) Januar. 


1905 . 


Inhalt: Dr. med. RicbardOtto: Ueber einen Fall von Endotheliom des Uedastinum und der Plenra mit Ueber- 
«retfen auf die Leber. — Büch/eranzeigen und;Beapreohungen: Salnti aegrorum, Aufgabe and Bedeutung der 
Krankenpflege tm modernen Staat. Von A.v. Lindhaim. — Casper: Lehrbach der Urologie. — Pani Röthig: Handbuch 
der embrpologiaclion Technik. — Protokolle des deotschen ärztl. Vereins zu Sf. Petersburg. — Vermischtes. 
— Mortalitäts-Hnlletin St. Petersburgs. — Anzeigen. > 


Uctor einen Fall von Endotbeliom des Mediastinums 
und der Pleura mit Uebergreifen auf die Leber. 

(Vortrag, gehalten am 26. Mai 1904 in der med. Gesellschaft 
zu Dorpat.) 

Von • 

Dr-i mfcd. Richard Otto, Dorpat. 

/ : , . . : 

/ ; (Schluss). : 

, Gestatten Sie mir nun, m. H., einen Streifzug ins 
Gebiet der Literatur, so ist E. Wagner*) unstreitig 
der Erste, der über den Endothelkrebs als eine eigen¬ 
artige maligne 1 Neubildung der serösen Häute berich¬ 
tet, dessen Entstebungsweise er anf die Wucherung der 
Lymph&ef&ssendofbeiien zurückführt. Daboi betont er 
ausdrücklich die Aekolichkeit mit dem Epithelkrebs. 

Später bat R. Schultz 4 ) die von Wagner be¬ 
schriebenen 2 Fälle aufs neue analysiert und gefun¬ 
den, dass diese vielfach alveolären Geschwtfste, bei 
denen die erweiterten Lymphräurae der PI ehren, der 
Lunge nnd der Bronchien mit epithelähnlichen Zellen 
angefullt waren, in der Tat an eine in vieler Hinsicht 
bösartige Neubildung erinnern. In einem dieser Fälle 
war es zn Metastasen in andere Organe, vorzugsweise 
aber in die Leber gekommen. 

Da Schnitz im mikrosk. Bilde morphologisch nichts 
anderes als Krebs vor sich sah, so hat auch er keinen 
Anlass finden können von der W a g n e r’schen Bezeichnung 
des Epdotlmlkrebses abzugehen, um-so mehr als dieser 
Tumor dieselbe Kachexie, wie der Epithelkrebs, -herbei* 
führt. Sphultz hebt ferner hervor, dass in den vorge- 

a ) E. Wagner: Handb. der allg. Pathologie 6. und 7. 
Auflage. 1874 n. 76. ' . * * 

4 ) Erwähnt beiF. N ee 1 so n: Untersuchung liber den «Bn- 
döth*lkrebs»v (liyraphaegltilfc cardnonmtode’s). D. Archiv f. 
klin. Medizin. XXXI. Bd. p. 375. 


schrittenen Fällen die rein alveolären Formen überwie¬ 
gen, während in den jugendlichen — hier gebe ich 
seine, klassische Darstellung wieder — der Krebs sich 
in mehr netzartig geordneten, unter einander comma- 
nizierenden, sich bald erweiternden, bald verengernden 
Rftumdn flödet, die an das normale Lympbgefässnetz 
erinnern Und mit diesem identisch sind. 

War in den W a g o e r ’schen Fällen die Pleura der 
einseitige Sitz des Neoplasmas gewesen, so verfügte 
Sch ul tz bereits über einen solchen des Peritoneums, 
wo der Endothelkrebs auch auf die Pleura übergegan- 
gen war., 

1 1 

Seit jener Zeit ist eine Reihe von Publikationen 
verfasst, in deneri die primäre Entstehung dos Tumors 
entweder in der Pleura oder dem Peritonoum gefunden 
wurde."Dabei war es öfters zu wechselseitiger Metasta¬ 
sierung gekommen. Aeusserst selten aber Hessen sich 
Fälle von Endothelkrebs der Plenren entdecken, wo 
trotz der Nähe der Lunge dieselbe verschoat blieb. 

Gegenüber den Abweichungen und der Individualität 
jedes einzelnen Falles war man sich aber durchweg 
über die Entstehung dieser Tumoren klar. Ursaohe war 
stets die Wucherung der Lymphräurae und Saflspalten, 
so dass der mikrosk. gleichartige Charakter ein für alle¬ 
mal festgestellt zu sein scheint. 

Ein anderes Verhalten zeigt das makroskopische 
Ausseheu. Hier begegnen wir oft den mannigfaltigsten 
Bildern, die in ihren Extremen entweder, wie in unserm 
Falle bis haselnussgrosse, ziemlich gleichmässig ver¬ 
streute Geschwulstknoten anf infiltriertem Gewebe znr 
Aosch&vuug bringen oder das Bild jener völlig diffusen 
nnd gleichartig schwartigen Verdickung der Pleura zei¬ 
gen, die, wie im Frae n kel’schen Falle, einer 
sog. oallöson Pleuritis bis zur Verwechselung ähnlich 
siebt; oder aber es zeigen sich unregelmässige, weit¬ 
maschige Netze mit gelbweissen, flacherhabenen Strängen 
und Knoten oder graugelbe nur submiliare Knötchen, 


Digitized by L^OOQle 




u 


x , 

i 

/■ 


wie bei Wiehern 6 ), oder endlich, wie bei Schultz, 
selbst condylomarfige Excrescenzen. 

Im allg. siud das auch die in der Peritonealhöhle 
wiederkehrenden Typen. Niehls destoweniger bilden sich 
für den einzelnen Fall, je nach Lokalisation und Dauer 
des an PJeura, Peritoneom, Darmserosa oder Netz spie¬ 
lenden Prozesses, je nach dem Einfluss sekundärer Schrum¬ 
pfung oder Verwachsung, vor allem je nach Kombina¬ 
tion der verschiedenen Typen, ganz eigenartige Bil¬ 
der heraus. 

M. H. Der gesamte Ihnen von mir oben geschilderte 
Krankheitsverlauf liegt zwischen Ende Jan. 1901 und 
Sept. 1902. Es sind das annähernd 1*/« Jahr oder rund 
20 Monate. Trotz dieser verhältnismässig langen Zeit 
ist es nicht unwahrscheinlich, dass die anfänglichen, 
durch nichts charaklerisierten Müdigkeitssymptome zu¬ 
sammen mit dem eigenartigen Unbehagen und dem häu¬ 
figen Herzklopfen schon mit den ersten Keimen der 
sich später mehr und mehr disseminierendeu Neubildung 
verknüpft waren, Keime, die wohl kaum anderswo als 
im lockeren Zellgewebe des Mediastinums ihren Anfang 
genommen haben können. 

Eine einheitliche Symptomatologie ist, wenn u'.r- 
haupt durchführbar, für die erste Zeit der beginnend^ 
Erkrankung nicht möglich. 

Erst im Verlaufe von Wochen und Monaten macht 
sich der versteckt hervor wachsende Tumor durch‘.die 
ersten lebhaften, stechenden und olt ausstrablenden 
Schmerzen bemerkbar. Trotz alledem wird ihre ernste 
Bedeutung regelmässig verkannt. Ist es die Brusthöhle, 
mit welcher wir es hier ausschliesslich zu tun haben, 
so bildet sich auf der einen, oft auch der andern Hälfte 
derselben eine Dämpfung mit Abschwächung des vesi- 
colären Atmens und des Pectoralfremitus heraus. Die 
Probepunktion ergiebt jetzt entweder ein gelbliches 
oder blutiges Exsudat. 

Der im Uebrigen afebrile Krankheitsverlauf hat bisher 
noch immer nichts Charakteristisches lür einen Pleura¬ 
tumor gehabt. Eher schon bestand der Verdacht einer 
schleichenden, vielleicht tuberkulösen Pleuritis. Mehrfache 
Punktionen haben unterdessen jedesmal eine grössere 
Menge eines nicht haemorrhag. Exsudats von 'schwan¬ 
kendem spez. Gewicht ergeben. 

Vom mikrosk. Befunde dieser Flüssigkeit hängt ge¬ 
legentlich schon die Entscheidung ab. In unserem Falle 
fanden sich neben massenhaften Blutkörperchen immer 
wieder Gruppen runder, hydrepischer Zellen verschie¬ 
dener Grösse. Verbände auffallend grosser, nam. poly¬ 
morpher und fettig degenerierter Zellen, wie sie 
Quincke lür den Epithelkreb6 in Anspruch, nitnmt, 
F raenkel aber auch beim «Endothelkrrbs* beob¬ 
achten konnte, fanden wir nicht. 

Da selbst die bösartigsten Endotbelirfne der Pleura 
keine Neigung zur Ulceralion zeigen, so mussten nach der 
Meinung Fraenk eis jeDe verfetteten Krebszellen, die 
er in manlbeerartigen Verbänden vorfand, aus den 
Lymphbahnen oder aber von der Oberfläche der infil¬ 
trierten Pleura stammen. - 

Die Voraussetzung, dass die Punktionsflösßigkeit schon 
als Funktion, nam. aber auch durch ihre räumliche Nähe vom 
nmspülten Neoplasma Aufschlüsse über, dasselbe abgeben 
müsse, liegt nahe genug; das Schwierige ist und bleibt 
nur die Deutung und Unterscheidung der in ihr ent¬ 
haltenen morpbotischeU Bestandteile. Qnincke ver¬ 
langt hier das scharfe Auseinanderbalten jener Zellver- 
bände, zu denen sich die polymorphen fettig degene¬ 
rierten Krebszellen zusammenballen, von den bei der 


*) H. Wi c h e r fi! (Jeher prhnäl , e i 'Endotheliöhi« de* Pleuro- 
periionealhöhle. Hamburg 1908. , . < 72 > 


Entzündung der Pleura abgestossenen Oberflficheuendo- 
thelien mit ihrem geringeren und isolierterem Vorkommen 
ond ihren kleineren Kernen. 

Dass diese Aufgabe immerhin zu den schwierigen 
zählt, geht ans dem Umstande hervor, dass beide Zell¬ 
arten gleichartig körnig fettig und hydropisch degene¬ 
riert sein können. 

Unter den 4 Hanpterkranknngszeichen F raenkel’s 
wird dieser für Tumor charakteristische Befund in der 
Punklionsflüssigkeit an erster Stelle genannt ond in 
der Tat bildet der Nachweis jener Zell verbände bezie¬ 
hungsweise Geschwulstpartikelchen das vor allen andern 
massgebende Symptom. Dass die weiteren Fraenkel’- 
schen Zeichen das chylöse, nam. auch das hae- 
raorrhäg. Exsudat, wie sie durchaus nicht aus- 
schliessiich dem «Endothelkrebs», sondern noch hantiger 
vielleicht der Tuberkulose zukommen, für diesen Fall 
gegenstandslos, werden müssen, liegt .anf der Hand. Der¬ 
artige Zeichen sind eben nnr von bedingtem Wort. 

Anders verhält sich die Sache, wenn das die Diagnose 
geradezu deklarierende I. Symptom, wie in unserem 
Falle, fehlt. Wenn dann trolz Husten und Abmagerung 
lange Zeit hindurch sich weder ein verräterischer 
Spitzenkatarrh noch Tuberkelbazillen entdeoken lassen, 
so werden wir nicht allein durch den Habitus des mehr 
und mehr kachektischen Kranken und das gelegentliche 
Zustandekommen von Organ- und Drüsenmetastaaen, 
sondern oft anoh schön früher durch unvorhergesehene, 
sich aus jedem Einzelfalle ergebende Geftiblspuukte nnd 
Schlüsse zur Diagnose eines malignen Tumors gelangen 
können. Dabei moss übrigens bemerkt weiden, dass die 
Neigung der Clavicular- und Axillardiüsen zur Erkran¬ 
kung wedef ein frühes, noch in dl» Augen fallendes 
Symptom ist und nin solcher Befand Regelt Ende 
der Krankheit nur den bedingten Wert einer die Diag¬ 
nose bestätigenden Bedeutung haben kann, wehrend es 
andererseits Fälle giebt, wo der Marasmus schon früher 
die Szene beschliesst. 

Ist das Mediastinum schon früh beteiligt, so kann 
der Tumor durch einen Imercostalraum hindurchzu¬ 
wuchern beginnen. Er schiebt dann die Haut vor sich 
her und erscheint als knollige mit der Zeit sich ver- 
grösserDde Masse zur Seite des Brustbeins. Ob es un¬ 
ter diesen Umständen zur offenen Exulceration kommt, 
ist nicht bekannt. 

Fälle von Pleuraendotheliom, in denen das Mediasti¬ 
num beteiligt war, sind übrigens sehr selten. Dies recht¬ 
fertigt vielleicht die kuize Erwähnung eines mir vor 
Jahren begegneten Falles mit Tnmor im linksejttgen 3. 
lntercostalraum. Gleichzeitig bestand schon seit einiger 
Zeit' eine Stimmbandlähmnng, über, deren Natur die 
äusserst erschwerte läryngosk. Untersuchung keinen si¬ 
cheren Aufschluss gab. Aller Wahrscheinlichkeit War 
hier, wie in einem U nverri cht’schen 6 ) Falle eine, 
KompressionsJähmung des linken Nerv, recurrens zu¬ 
stande' gekommen. Die Perkussion nnd Auskultation 
machte das gleichzeitige Bestehen eines Pieuratumors 
in solchem'Grade Wahrscheinlich. Leider gestattete die 
hochbetagte Patientin keinerlei Eingriff ond die Umge¬ 
bung aüch später die Sektion nicht. Ob es sich um ir¬ 
gendwelche sicht- und fühlbare LymphUrÜsenmetastaaen 
handelte, Vermag Ich nicht mehr zu sagen. /. 

Das IV. Haupterkrankungszeichen, die Verengerung 
des Thorax, findet sich in der Literatur kaum erwähnt. 
Nor Fraenkel und neuerdings Bon hei m ’’) legen 
diesem Symptom eine Bedeutung bei. 


*) Un verricht: Zeitschr. f. klin. Medizin Bd. IV. 1892. 
pajr. 79. , . / 

’) üeber spg. Pleura,endoUieliou»«.Münch, mpd, W.f»L Jahr¬ 
gang 1904, p. 741. < r;r| / 


Digitized by 


Google 



Krsterer beobachtet nach mehrfachen Punktiooen nod 
dadorch veranlasster Schrumpfung der Pleura eine 
Verengerung des Thorax, während Bonheim dieseo 
Vorgang selbst an einer ganzen Thoraxseite zu Stande 
kommen sah. Beide betonen die ausserordentliche 
Schnelligkeit, mii welcher, dies geschieht, so dass 
Bon he im in die Lage geraten konnte, die Entstehung 
einer Skoliose der Brustwirbelsäule sozusagen unter 
deu Augeu verfolgen zu könuau. Unter seinen 3 Fällen 
von Pleuraendotheliom war dies Symptom 2raal ver¬ 
treten. 

Im Anschluss an dieses IV., gelegentlich wertvolle 
Symptom Fraenkel’s, möchten wir hier noch an das 
Vorkommen von Impfmetastasen im Sticbkanal nach 
Punktionen erinnern. Nach Quincke sind sie der 
Ausdruck für die im Exsudate suspendierten, mitunter 
noch proliferationsfäliigen Krebselemente. Eine derartige, 
wenn auch nicht gerade allzuhäuftge Beobachtung wäre 
dazu angetan, die Diagnose in ausschlaggebender Weise 
zu sichern. 

Dass dieses Symptom selbst zum einzigen Hilfsmittel 
werden konQte, geht aus einem U n v e r r i ch t’schen 
Falle hervor, der unter dem Bilde einer einfachen, 
linkseitigen Pleuritis verlief und nach 3-raaliger 
Punktion auf dem besten Wege zur Heilung war. 
Das blutige Exsudat und der fieberlose Verlauf 
rechtfertigten noch nicht die Annahme eines Tumors. 
Trotzdem fanden sich bei der nach 2 Monaten ins Spi¬ 
tal zuröckgekehrten Patientin an don Punktionsstellen 
harte, hügelige Erhebungen, welche Knoten entsprachen, 
die post mortem in sämtlichen Pleurablättern und in 
der linken Lunge zu beobachten waren. 

Wir unterscheiden hiernach einschliesslich der Impf¬ 
metastasen 3 vom Exsudat und 2 von der Punktion 
abhängige Hauptsymptome. Natürlich hängt die Diagnose 
nicht allein von der Zahl, sondern vom Werte dieser 
Symptome ab. Gelegentlich könoea sie aber alle fehlen. 

Dies lehrt uns der immerhin recht seltene Fall von 
de Mattos 8 ), in welchem bei nicht absoluter Dämpfung 
der rechten Thoraxhälfte das Vesikularatmen wie von 
fprne zu hören war. Da die Lungenränder sich nur 
wenig verschieblich zeigten und jede Probepunktion re¬ 
sultatlos verlief, wurde Pleuraverdickung als Rest ei¬ 
ner früheren Entzündung diagnostiziert. 

Die Obduktion zeigte vollständige Verwachsungen der 
durch Tumormasse verdickten, teilweise knolligen Pleura, 
nam. rechts, aber auch links, so dass das Herausschülen 
der Langen überaus schwierig war. Von der ganzen 
Pleurahöhle war links ein kleiner, unr 80 cc fassender, 
mit blutigem .Exsudat erfüllter Raum übrig, der zn 
Lebzeiten des 7Kranken nicht entdeckt worden war. 
Dass hier bei völligem Mangel irgend welcher pathogno- 
moni8oher Symptome eine Fehldiagnose gestellt worden 
war, ist nur zu natürlich. 

Wie schon erwähnt, handelt es sich in den weitaus 
meisten Fällen von Pleuraendotheliom am die Mitaffek¬ 
tion der Longe. Der ausschliesslich oder nahe zu auf die 
Pleuren beschränkten Erkrankung begegnen wir in 19 
Fällen nur4 Mal. Das sind Ffaenkel und de Mot¬ 
tos mit je einem und Bon he im mit zwei Fällen. 
Wir selbst beobachteten, abgesehen von den Tumor- 
mässen im Mediastinum, die pl. diaphragm. und Cctetalis 
als Sitz der Erkrankung. Die Pleura pulmonalis dagegen 
zeigte, mit Ausnahme eines einzigen flachen Knötchens 
der rechten Seite, welches nicht tief in die Longensub- 
stanz eindrang, sich völlig intakt, so dass man nichts 


•) Telxeira de M attos: Z4t Kasuistik des primären 
Pleuraendothelioms und über die Diagnose des Pleurakrehses. 
Leiden 1894. • • • 


anderes annehmen konnte, als dass hier eine Kontakt* 
metastase zu Stande gekommen war. 

Bei der Rückschan auf die klinischen und patholo- 
gisch-anatom. Erscheinungen lässt sich der Ort der pri¬ 
mären Entstehung und der Weg der weiteren Ausbrei¬ 
tung des Tumors mit einiger Wahrscheinlichkeit bestim¬ 
men. Es spielen hier die von vornherein zn beobach¬ 
tenden quälenden Herzbeschwerden bei verhältnismässig 
früher, aber“ schon augenfälliger Abmagerung eine 
Rolle. Es liegt daher die Annahme nahe, dass die 
krankhaften Fluxatianen des in steter Unrohe erhalte* 
nen Herzens von symptomatischer Bedeutung für den 
Beginn des in nächster Nähe entstehenden und sich 
nach abwärts verbreitenden Mediastinaltumors waren. 

In der Tat finden wir anch die hintere Wand des 
Perikards am Tomor beteiligt. 

Diese Tatsachen werden in bester Weise gegenseitig 
ergänzt und lassen sich noch weiter verfolgen, wenn 
man die späteren, gegen den rechten Rippenrand hin 
lokalisierten Schmerzen mit dem Wege in Zusammen¬ 
hang bringt, den der Tumor voraussichtlich inzwischen 
genommen. Derselbe ist nach rechts ins Diaphragma 
gewuchert. Mit der weiteren Ausbreitung des Prozesses 
über die Pleura, mit Ausnahme der Palmonalpleura, 
kommt es schliesslich zur Entwickelung der Exsudation. 
Im rechteu Abschnitt des Diaphragma ist es aber zu 
einem bemerkenswerten Vorgänge gekommen. Es hat 
hier ein Ueborgreifen des Tnmors durch das Zwerchfell 
in die Leber stattgefuuden, nachdem sich vorher zwi¬ 
schen beiden eine Adliaesion herausgebildet hatte. 

Wagner und Schultz haben vom Endothelkrebs 
gesprochen, doch ist dieser Auffassung von Neelson 
und später von Fraenkel entgegengetreten worden. 
Sie. vertreten die Ansicht, dass es sich bei der diffusen 
Ausbreitung dieses Prozesses in den serösen Häuten nra 
nichts anderes, als um einen entzündlichen, vielleicht 
durch Infektion vermittelten Vorgang handle, wobei die 
Kndothelien der Lymphröume und Saftspalten in Wu¬ 
cherung geraten. Dadurch werde das Gewebe derart 
histologisch verändert, dass der Charakter des Carci- 
noms nachgeahmt werde (Neelson), während die Me¬ 
tastasen gerade für eine Entzündung der Pleura 
sprächen. 

Wir können unter Hinweis auf den von uns beschrie¬ 
benen Fall uns weder für die Auffassung eines entzünd¬ 
lichen noch carcinoinatösen Prozesses erklären, möchten 
uns vielmehr denjenigen Antoren anscliliessen, die hier 
vom nichts praejudizierenden Endotheilom reden, 
das trotz seiner eigenartig diffusen Ausbreitung in den 
serösen Häuten die Eigenschaft eines malignen Tumors 
verrät. 

Dorpat, 30. Oktober 1904. 


II. l! ! 


Büoheranzeigen und Besprechungen. 

S.aluti aegrorum, Aufgabe und Bedeutung der 
Krankenpflege im modernen Staat. Eine sozial- 
li statistische Untersuchung von A. v. Lind heim. 
Leipzig und Wien. Fr. Deuticke 1905. (gr. 8°, 332 S.). 

Yerf. hat in 4 Kapiteln ein reichhaltiges Material zusam- 
j mengsfasst und zum Teil eingehend bearbeitet. Kap. 1. giebt 
| einen Ueberblick über den Umfang der Krankenförsorge und 
; Krankenpflege in Oesterreich and Deutschland; ein etwas 
: flii.' ’iger Vergleich mit England, Italien, Rumänien schliesst 
1 sich daran. Kap. 2, das gründlichste and umfassendste des 
I ganzeu Buchs, berichtet über 8terbljchkeiis- nmi Erkran- 


Digitized by 



kanfcsveiliältnisse iu der Krankenpflege. Kap. 3 beweist die 
Gefahrlosigkeit der Kurorte und Lungenheilstätten in Bezog 
auf.die Infektion der Bevölkerung (Oesterreich, Deutschland, 
Riviera, Schweiz). Kap. 4 bespricht die Reform der Kranken¬ 
pflege in den Knlturstaaten. nnd enthält eine Reihe von Re¬ 
form Vorschlägen, die vorzugsweise österreichischen Verhält¬ 
nissen augepasst sind. 

Am Schluss fasst der Autor seine Gesamt-Ergebnisse zit ■ 
einem Resnm£ zusammen, aus welchem wir als das unseres i 
Erachtens Wichtigste folgende Sätze hei vorheben: 

«Der ärztliche Bernf ist. dank der Fortschritte der Wissen¬ 
schaften und der Prophylaxe in Bezug auf Infektion (bes. 
Tuberkulose) günstiger gestellt als fast alle übrigen Lebens¬ 
berufe. Doch wird der Aerztestand ... in erster Linie von 
Erkrankungen des Herzens und der Nerven betroffen» 

Die eigentlichen Krankenpflege • Personen beider Ge- I 
schlechter sind in Morbidität nnd Mortalität zwar weniger 1 
günstig gestellt als die Aerzte. doch sind sie in Bezug auf 
die Infektion (nam. Tuberkulose) nicht grösserer Gefahr aus- 
gesetzt, als die gesamte Bevölkerung der gleichen Alters- 
Periode. Die ungünstigen Ausnahmen, welche bei den konfes- | 
sionelien Genossenschaften, namentlich bei den barmherzigen > 
Schwestern römisch-katholischen Bekenntnisses statt finden, 
sind aut Gründe zurückznführen, die nicht auf der Anstek- 
kung am Krankenbette beruhen. 

Eine Ansteckung der Pflegepersonal» im Lungenheilstätten 
war in allen Fällen ausgeschlossen. 

Die umfassende Untersuchung über den Einfluss Lungeu- 
kranker in offnen Kurorten Oesterreichs, Deutschlands, der ; 
Schweiz nnd der Riviera ergab, dass derselbe nicht nur kein 1 
ungünstiger war, sondern dass infolge der verschärften 
Prophylaxe nnd besserer sanitärer Einrichtungen die einhei¬ 
mische Bevölkerung weniger an Tuberkulose zu leiden hatte, 1 
als vor der Gitindung der betr. Kurorte nnd Sanatorien an 
diesem Orte. 

Der Verf. erklärt die gesamte Kraokenftirsoige für eine I 
Angelegenheit des Staates; Bau nnd Einrichtung von Hospi- | 
tälern und Heilstätten. Ausbildung von Krankenpflege Perso¬ 
nen, Beaufsichtigung aller von Gemeinden und Privaten ge¬ 
leiteten humanitären Anstalten sollen Staats-Verpflichtung 
sein. Das wird in einer Reihe mehr detaillierter Reform-Vor- , 
Schläge ausgeftihrt. 

Für nns in Russland sind namentlich die sorgfältigen 
statistischen Erhebungen des 2. nnd 3. Kapitels von Wert. 

M—tz. 

Caspe r: Lehrbuch der Urologie. (Urban u. Schwarzenberg'. ! 

ln dem Vorwort betont C., dass der Begriff der «Urologie» 
weiter gefasst werden muss, als e* gewöhnlich geschieht. Es 
begegnen sich auf diesem Gebiet die Wirkungsfelder des In- I 
ternisten, des Dermatologen nnd Ghirurgen; die Urologie ist I 
eigentlich ein «Greuzgebiet» par excellence. Die Behandlung, i 
die Verf. von dieser. Gesichtspunkten ans dem Gegenstände 
angedeihen lässt, ist ln möglichst knapper Form eine n ög- ’ 
liehst erschöpfende. Das Buch ist richtig für den Lernenden 
geschrieben; es will gar nicht die divergierenden Anschauun¬ 
gen über strittige Fragen zum Ausdruck bringen, sondern 
das wiedergeben, was nach des Verf. massgeblichen Meinung 
unbestrittener Besitz der Wissenschaft geworden ist. 

Das Werk sei angelegentlichst empfohlen. 

Wiehert. 

Paal R ö t h i g: Handbach der embryulogisciien Tech¬ 
nik. Mit 34 Abbildungen im Text. (Wiesbaden. Ver¬ 
lag von J. F. Bergmann. Mk. 10,60). . .. 

Wenn man embryologische Ai beiten anszuffihten hat, so 
ist man darauf angewiesen, die Technik des betreffenden ; 
Laboratoriums zu acceptieren, in welchem man-gerade aibei- 1 
tet, und sich durch Literaturstudien über die von den Auto¬ 
ren jeweilig angewandten Methoden zu orientieren. Zwar ent- , 
halten jetzt schon einzelne Werke über histologische nnd 
mikroskopische Technik auch einzelne Angaben über embryo- 
logische Untersuchungsmethodeu, wie sich diese ja im allge¬ 
meinen an die histologischeu Methoden anschliessen (so ist 
z. H an die hier bereits besprochene Encyklopädie der mi¬ 
kroskopischen Technik zu erinnern), doch ist es als eine dan¬ 
kenswerte Aufgabe zu bezeichnen, der sich der Verf. unter¬ 
zogen hat, in einem Werk alle wichtigsten Angaben gesam- i 
nielt zu haben. 

Wir Anden hier Fixiernngs- nnd Tinktionsverfahren. sowie i 
Einbettungsmethoden und wichtige Apparate; dann werden ; 
die einzelnen Tierklassen der Reihe nach besprochen, endlich 
die verschiedenen Gewebe. abgehandelt; zuletzt finden aocli 
die experimentelle Entwicklungsgeschichte nnd die Rekon- 
8trnktion8verfabren ihre Behandlung. 

U c k e. 


Protokolle 

des deutsohea ärstl. Vereins au St. Petersburg. 

1320. Sitzung am 3. Mai 1604. 

1. Blessig: Ueber Verletzungen des Auges 
durch federnde Zeitungshalter. 

Es handelt sich um eine hier am Ort häutige, geradezu 
typische Verletzungsform. ln der St. Petersburger Angenheil- 
anstalt wurden vom Januar 1902 bis heute, also in etwas 
mehr als 2 Jahren, 10 solche Fälle stationär behandelt 
(1902:7 Fälle, 1903:2 Fälle, im lanfenden Jahr bisher 1 Fall). 
Die Verletzungen waten alle in Restaurants erfolgt, die Ver¬ 
letzten teils Zeitnngsleser, teils Kellner, die mit dem Heraus- 
nehmen voa Zeitungen ans den Haltern und mit dem Ein¬ 
legen solcWfer in die Halter beschäftigt waren, also meist 
jüngere Männer, seltner Knaben. Die Verletzung betraf 
gleich häufig das rechte w ! e das linke Auge (je 5 mal). Der 
Mechanismus dieser zn Verletzungen führenden Zeitungshalter 
ist folgender (Demonstration): längs des Holzstabes läuft in 
einer Rinne ein federnder Draht, dessen freies Ende durch 
einen drehbaren Ring festgebslten wird. Das Drahtende wird 
frei, sobald ein im Ringe befindlicher Ausschnitt entsprechend 
eingestellt wird. Dabei schnellt der Draht mit grosser Kraft 
hervor nnd, bei zufälliger Drehung des Ringes, gegen das 
Auge des Lesers oder des sonstwie mit dem ZeilongsUaltbr 
Beschäftigten. Die Wucht des Anpralles ist natürlich tim 
so grösser, je näher die Zeitung vor dem Auge gehalten wild. 
In einem Falle wnrde die Brille des Lesers zertrümmert and 
das Auge durch das zersplitternde Brillenglas verletzt. 

Die so verursachten Verletzungen waren durchweg sehr 
schwer. Stets bandelte es sich um penetrierende Wuuden, resp. 
Rupturen der Hornhaut und Corneaskleralgrenze. Wie aus 
eiuer vorgelegten schematischen Zeichnung ersichtlich, ver¬ 
liefen die Risse meist horizontal im unteren und mitlleien 
Drittel der Hornhaut, waren also als direkte Rupturen anzu¬ 
sehen. Nur in einem Falle lag eine bogenförmige, dem Horn¬ 
hautrande parallel laufende, mithin indirekte Raptur vor. 
Fast immer war die Iris vorgetällen oder in die Wunde ein¬ 
geklemmt (7 mal), einmal lag fast die ganze ausgerissene 
Iiis vor der Wunde (fast vollständige IridoJialyse, trauma¬ 
tische Aniridie), ln der Mehrzahl der Fälle war auch die 
Linse verletzt (Cataracta traumatica 6 mal). Ebenso waren 
gleichzeitig mehr oder weniger ansgedehnte intraocnlare 
Blutungen vorhanden (Hypbaema, Haemophthalmos). Diese 
führten durch Hinterlassung intensiver Glaskörpertrübungeu 
hauptsächlich zu dauernder Schädigung des Sehvermögens. 
Von den 10 so verletzten Augen behielten nur 2 eine brauch¬ 
bare Sehschärfe (V = 0,5)! In den übrigen 8 Fällen blieb das 

verletzte Auge blind (V =^ Lichteinpfindung ohne Projek¬ 
tion und Fixation). In 1 Fall musste wegen Cyclitis die 
Enncleation des Auges in Vorschlag gebracht werden, auf die 
der Verletzte aber nicht einging. 

Zweck dieser Mitteilung ist aut die Gefahr hinzuweisen, die 
dem lesenden Publikum und der Bedienung in den Restaurants 
seitens solcher federnder Zeitungshalter droht. Vortr. hat 
dieselbe Mitteilung kürzlich auch in der Sr. Petersb. Ophth. 
Gesellschaft gemacht und diese beabsichtigt gehörigen Orts 
darauf hinzuwirken, dass die Zeitungshalter vom besprochenen 
Typus ausser Gebrauch gesetzt werden. 

(Antoreferat). 

2. Peter*en stellt einen Pat. mit Lupus der Unter¬ 
lippe vor, welcher vor Beginn der Behandlung dem Veiein 
schon vorgestellt worden war, uui die Beeinflussung dieses 
Leidens durch das Radium zu demonstrieren. Im ganzen 
wurden 9 Sitzungen abgehalten. Der Erfolg muss als guter 
bezeichnet weiden; der giösste Teil der Knötchen ist ge¬ 
schwunden. Die lange Dauer der Radiumbehaudlung ist die 
Veranlassung, dass jetzt zur Behandlung nach Finsen 
übergegangen werden soll, um die vollständige Heilung zu 
beschleunigen 

3. Dombrowski spricht über Appendicitis- 

Vortr. bespiicbt die Fortschritte in der AppendicitistYage 

der letzten Zeit, um die sich, wie bei vielen anderen Krank¬ 
heiten der Banchorgane. die Chirurgen besonders verdient 
gemacht haben. 

Wir wissen, dass die Appendicitis eine chronische Krankheit 
ist, die häufig unbemeikt für. den Träger derselben un^ seine 
Umgebung verläuft. Das gilt nicht nur für die leichten Fälle, 
die nach destruktiven Prozessen auf der .Schleimhaut Stenosen 
und Stricturen aufweisen, sondern auch für die schweren 
Fälle mit Erkrankung der Serosa, die wir an Abknickungeu 
und Verwachsungen des Wurmfortsatzes mit seiner Umge¬ 
bung erkennen. Durch diese Folgen der entzündlichen Pro¬ 
zesse am Wurmfortsatz entstehen Störungen in seiner Passage 
und Blutzirkulation, die ihn weniger widerstandsfähig ge¬ 
gen neue Entzündungsprozesse machen und dann können 
geringe Gelegeuheitsnisacheu, wie toi (schreitende Katarrhe 


Digitized by CjOOQie 





17 


vom Coecnm aus, leichte Traumen. Infektionskrankheiten, die 
den geschädigten Wurmfortsatz als locus minoris resistentiae 
heimsuchen, sehr verbängnissvoll für das erkrankte Organ 
werden und es rasch zur Perforation und Gangrän bringen. 
Den Anfang der Erkrankung kennen wir nicht und somit 
sind wir auch nicht berechtigt, wie bisher, von der Anzahl 
der Anfälle zu sprechen, sondern müssen den beschriebenen 
Vorgang als Exacerbation eines schon bestehenden Prozesses 
auffassen. 

Die Gefahr für den Kranken begiunt bekanntlich mit dem 
Gebergreifen der Entzündung anf das Peritoneum, das anf 
dem Wege der Lytnphbahnen oder durch Continnitätsinfektion 
vom perforierten oder gangränösen Wurmfortsatz ans ent¬ 
stehen kann. Die Perforation ging nach der früheren An¬ 
schauung in der Weise vor sich, dass sich vorher von den 
benachbarten Darmschlingen oder dem Netz ans ein Entziin- 
dungswall bildet, der den erkrankten Wurmfortsatz von der 
Bauchhöhle abschliesst, so dass sein infektiöser Inhalt sich in 
eiuen abgeschlossenen Kaum ergiesst. Durch Befunde bei den 
FrühopSrationen überzeugen wir nns aber, dass am ersten 
oder zweiten Tage der aknlen Erkrankung der perforierte 
oder gangränöse Wurmfortsatz frei in der Bauchhöhle zwi¬ 
schen Darmschlingen liegen kann, ohne irgendwelche Ver¬ 
wachsungen — eiu Bild, das die ersten Male den Operateur 
überraschen muss- ln der Bauchhöhle befindet sich daun ein 
mehr oder weniger reichliches seröses, sero fibrinöses oder 
auch eitriges Exsudat. Das seröse Exsndat, das als Produkt 
der durch Toxine hervorgerufenen Peritonitis betrachtet und 
auch Frühexsudat genannt wird, ist von einzelnen Autoren 
steril befunden worden, andere haben darin Bakterien gefun¬ 
den. Len nander macht darauf aufmerksam, dass die 
Bakterien sich besonders auf den Serosaflächen niederlassen, 
was er durch mikroskopische Untersuchung von abgeschabten 
Gewebsfetzen bewiesen hat, und daher ein negatives Unter¬ 
such ongsresultat des Exsudats nicht beweisend sei. In jedem 
Fall wird die Beschaffenheit des Exsudats von deru jeweiligen 
Zustande des Wurmfortsatzes abhängen, — ein eiterbaltiger 
oder gangränöser Wurmfortsatz kann auch nachträglich das 
Exsudat infizieren. 

Wie oft der Wurmfortsatz in die freie Bauchhöhle perfo¬ 
riert, wissen wir nicht; doch scheint es ein häufiges Vor¬ 
kommnis zu sein — ein Umstand, der uns den ganzen 
Ernst der Situation vor Angeu führt. 

Zum Glück für unsere Kranken versucht das Peritoneum 
in vielen Fällen noch nachträglich sich gegen die Infektion 
zu schützen, indem an dem Orte des stärksten Reizes, in der 
Umgebung des infizierenden Wurmfortsatzes durch stärkere 
Fibriuausscheidung eine Abkapselung gegen die freie Bauch¬ 
höhle zu Stande kommt. Das seröse Exsudat wird dann re¬ 
sorbiert, das eitrige kann auch teilweise aufgesangt werden 
und der Rest wird durch Peristaltik des Darmes iu die seit¬ 
lichen nnd abhängigen Teile der Bauchhöhle gebracht und 
dort durch Adhäsionsbildung für’s erste unschädlich gemacht. 
t>o entsteht ein Teil der multiplen Abszesse, die eine recht 
typische Lokalisation haben und ohne chirurgischen Eingriff 
nicht zur Heilung kommen können. 

Hat nun der Organismus die erste Infektion des Perito¬ 
neums überwunden, so droht ihm doch noch weiter die Ge¬ 
fahr nach Bildung des um den Wurmfortsatz sich lokalisier¬ 
ten Abszesses durch Wachsen desselben und durch Berstuug, — 
was zur seknudären Peritonitis führen kann. 

Allen diesen Eventualitäten stehen wir ziemlich ohnmäch¬ 
tig gegenüber und haben nicht einmal die Möglichkeit sie 
vor&usznsagen oder wenn sie eingetreten sind, zu erkennen. 
Die Symptome, die immer wieder angeführt werden zur Er¬ 
kenntnis der schweren Fülle der Appendicitis sind alle ver¬ 
wertbar. wenn sie da sind; doch fehlen sie häufig gerade bei 
den ungünstig verlaufenden Fällen. Die Car sch man n’sche 
Lenkocytenzäblnng, auf die man eine Zeitlang viel gehofft 
hat, hat sich nicht tür die difiuse Peritonitis bewährt. Das 
M o 8 z k o w 1 c z’sche* Frühsymptom für die schweren Fälle 
von Perityphlitis — der Nachweis von freier Flüssigkeit in 
der Bauchhöhle —muss wohl noch Nachprüfungen unterworfen 
werden. Zur Zeit können wir nnr sagen, dass wir kein ein¬ 
ziges Merkmal haben, das nns mit Sicherheit die Schwere 
des Falles charakterisiert. Diese Unsicherheit in der Beur¬ 
teilung einer Krankheit, wo wir jeden Augenblick eine böse 
Wendung mit den deletärsten Folgen zu erwarten haben, 
drängt nns selbstverständlich zur radikalen Therapie. 

Die Behandlung der Appendicitis, speziell die chirurgische, 
hat bekanntlich vielfache Schwankungen erfahren. 

. Während man in Amerika schon lange zur Ueberzeugnng 
gekommen war, dass ein frühzeitiger chirurgischer Eingriff 
bei der Appendicitis Indiziert ist und auch in Frankreich auf 
den Mahnruf des Internen Dieulafoy sich ein grosser 
Teil der Chirurgen zu Frühoperateuren bekannten, machte 
sich in Deutschland seit dem Chirurgenkongress von 1899 ' 
eine grosse Zurückhaltung unter den Chirurgen bemerkbar, ' 
doch schon 1901 war infolge der schlechten Erfahrungen , 


bei dem exspektativen Verfahren eine Reaktion eingetreten nnd 
von da an sieht man mit jedem Jahr die Zahl der Chfrnrgen 
wachsen, die den Zeitpnnkt der ersten 2X24 Stnnden nach 
der akuten Erkrankung für den günstigsten zum operativen 
Eingriff halten, weil die Operation zn dieser Zeit leicht, aus¬ 
führbar und nicht gefährlicher ist. als im Intervall. Nur tro, 
intermediären Stadinm, wo es sich um den circumscripten 
Abszess handelt, wollen noch viele Chirurgen sich nicht zur 
Operation entschliessen aus Furcht vor Infektion der freien 
Bauchhöhle. 

Doch auch dagegen haben sieb Stimmen erhoben, die die 
Unberechtigung dieser Furcht beweisen wollen, da das Peri¬ 
toneum im entzündeten Znstande widerstandsfähiger sei, 
entweder infolge von Gewöhnung an die Infektionskeirae 
oder, wie Riedel meint, durch die herabgesetzte Resnvptions- 
fähigkeit. Den praktischen Beweis hierfür haben Riedel. 
Relrn und Sprengel geliefert, nachdem «re prinzipiell 
durch die freie Bauchhöhle an den Eiterherd herangingen 
und keine schlimmen Folgen davon gesehn haben. Jedenfalls 
wird jeder Chirurg, der Fälle erlebt bat, die beim Zuwarten 
scheinbar gut verliefen und dann durch plötzliche Verschlim¬ 
merung nnd trotz sofortiger Operation an diffaser Peritonitis 
zn Grunde gingen, zngestehn müssen, dass mehr Mut. dazu 
gehört, seine Patienten ihrem Schicksal zu überlassen, als si« 
so rasch als möglich aus der gefährlichen Situation zn be¬ 
freien. , 

Bei uns wird mit wenigen Ausnahmen unter den Chirurgen 
noch immer ein konservativer Standpunkt bei der Behand¬ 
lung der Appendicitis beobachtet. 

Das Verfahren, das 1). in den letzten Jahren geübt hat, 
i«t fo’gendes: .leder Appendicitiskranker, ausgenommen die 
leichten Fälle, die keinen Grnnd znr Besorgnis geben, wird, 
einerlei in welchem Stadinm der Erkrankung oder zn welcher 
Tages* oder Nachtzeit er eintrifft, gleich, spätestens einige 
j Stunden nach der Aufnahme ins Hospital operiert. Diese 
Massregel ist bei einer Krankheit, in der das Schicksal des 
Patienten in Stnnden entschieden sein kann, durchaus indi¬ 
ziert. Die Operation beginnt mit Bildung eines Hautlappens, 
dessen Spitze der Oberschenkelhant unterhalb der Snina ant. 
snp. an der äusseren Hälfte der ^orderfläche des Oberschen¬ 
kels entnommen wird nnd dessen Basis einen Qnerfingerbreit 
über das Lig. Poupavtii reicht. Dieser Hautlappen hat den 
Zweck in den ersten Tagen nach der Operation die Verkle¬ 
bung der Tampons mit den Hauträndern und die dadurch 
hervorgerufene Sekret Verhaltung zu vermeiden, was leicht 
eintrifft, wenn der Hautschnitr mit der Muskelwunde zusam¬ 
menfällt. Die Muskulatur wird dicht üb*>r den Lig. Poupartii 
in möglichst geringer Ausdehnung durchtrennt, um der Her-; 
nieubildung vorzubeugen. Der Zugang zur Bauchhöhle ge¬ 
lingt später durch Erweiterung der Muskelwunde vermittelst 
Wnndbaken gut. Das Peritoneum wird an der tiefsten Stelle, 
an der Uniscblagsfalte von der vorderen Banchwand zur 
hinteren durchschnitten. In deD meisten Fällen entleert sich 
dabei schon Eiter, der vorsichtig durch Tupfer entfernt., 
wird. Darauf wird nach Abtamponieren der Bauchhöhle der 
Wurmfortsatz aufgesucht und abgetragen, was niemals zu 
unterlassen ist, wenn man nicht riskieren will, Eiterherde 
zurückzulasscu. Das kleine Berken nnd die rechte Lurabalge- 
gend, die häufig Eiterdepöts darstellen, werden untersucht; 
bei multiplen Abszessen werden die begrenzenden Adhäsionen 
gelöst. Spülungen bei diffuser Peritonitis werden nicht vor¬ 
genommen. Drainage durch Tamponade und Lagerung des 
Patienten für die ersten Tage auf die rechte Seite. Zum 
Schluss der Operation erhält jeder Kranke noch in der Nar¬ 
kose eiue subkutane Kochsalzinfusion von mindestens 1000 
Gramm, weil bei den Appendicitiskrauken nicht früh genug 
das gegen die Toxinämie bewährte Mittel angewandt, werden 
kann, und eine Resorption der infundierten Flüssigkeit eher 
zu erwarten ist, wenn die Blutzirknlation noch nicht, gestört 
ist. Irn weiteren Verlauf werden noch häufige Eingiessungen 
von Kochsalzlösungen ins Rektum gemacht. 

ln dieser Weise wurden vom Januar 1903 bis Mai 1904 
51 akute Fälle von Appendicitis und Peritonitis an 26 Kin¬ 
dern und 25 Erwachsenen operiert. Das Material beweist 
durch die Häufigkeit der Verbreitung des entzündlichen Pro¬ 
zesses auf das Peritoneum (in 51 Fällen 21 mal), dass den 
Kranken zu spät chirurgische Hülfe zu Teil wurde. So 
kamen nur 2 Patienten am zweiten Tage der Erkrankung 
zur Operation, in dem einen Fall handelte es sich am ein 
Rezidiv nach mehrfachen Erkrankungen, das sich als Appen¬ 
dizitis simpl. mit serösem Exsudat erwies und im zweiten 
Fall um eine eitrige, jauchige Peritonitis mit einem in der 
Bauchhöhle frei liegenden gangränösen Wurmfortsatz. Beide 
Fälle wurden 30 Stunden nach der Erkrankung operiert und 
genasen. 12 Fälle wurden am dritten Tage der Erkrankung 
operiert, die übrigen waren von 4 Tagen bis zu 2 Wochen 
krank, bevor sie in’s Hospital kamen. 

Nach den Krankheitserscheinnngen verteilen sich die Fälle, 
wie folgt; Appendicitis simpl. 5 Fälle mit 5 Heilungen, 




Digitized by kjOOQie 



Empyema proc. verm.: I Fall mit 1 Heiland, Appendicitis 
perforativa oder gangränosa: 24 Falle mit 23 Heilnngen ond 

I Todesfall darch Scharlach, der 3 Tage nach der Operation 
ausbracb, fibrinös-eitrige Peritonitis oder multiple Abszesse: 

II Fälle mit 5 Heilungen und 6 Todesfällen und diffuse eit¬ 
rige Peritonitis: 10 Fälle mit 5 Heilungen und 5 Todesfällen. 

Iro genannten Zeitraum wurden noch 14 Kranke im Inter¬ 
vall operiert und alle genasen. 

(Autor eferat). 

Diskussion: 

Fick: Anf ein auch von D. schon erwähntes Moment, 
nämlich das Auftreten eines Rerösen Exsudates im Beginne 
des Anfalles, möchte ich etwas näher eingehen. Ich selbst 
habe verhältnissraässig selten Gelegenheit gehabt, so früh zn 
operieren, erinnere mich aber einiger Fälle von FrHhonerationen 
ans den 90 Jahren, in welchen eine trübe seröse Flüssigkeit 
in grösserer Menge get'nnden wurde. Den Nachweis eines 
solchen Exsudates zur Diagnose resp. zur Bestimmung des 
Zeitpunktes zum operativen Eingriffe verwerten zu wollen, 
dürfte seine Schwierigkeiten haben. Mir sind mehrere Fäll« 
erinnerlich, in welchen eine Flankendämpfung konstatiert, 
werden konnte, bei der Operation sich aber keine Flüssigkeit 
nachweisen liess. Die Dämpfung kann durch Füllung des 
Darmes bedingt sein nnd da eine Umlagerung des Pat in 
so schwerem Zustande doch meist wird vermieden werden 
müssen, wird sich auch nicht, feststelien lassen, ob man es 
mit beweglicher Flüssigkeit oder mit überfülltem Darm zu 
ton hat. Ich für meine Person halte diesen Nachweis 
nicht für so wichtig, drängen doch alle Erfahrnngen darauf 
hin, früh zn operieren. DeRsgleichen möchte ich den Wert 
der Sammelstalistiken nicht zu hoch anschlagen Operateure 
welche nicht früh operieren, werden wohl immer den besseren 
Mortalitätsprozentsatz haben — die besten Resultate diejeni¬ 
gen, welche im Intervall operieren. Die hohe Mortalitätsziffcr 
bei Frühoperntionen spricht meiner Meinnng nach durchaus 
nicht gegen die Operation, denn in solchen Statistiken wnr 
den eben alle Appendicitisfälle mitgereehnet. — Was die 
Schnittfnhrnng anbetrifft, so glaube ich wohl, dass die von D. 
geübte ihr Fälle mit Rxsndatbildung günstige Bedingungen 
schafft; für die anderen Fälle namentlich die Intervallope¬ 
ratinnen, dürften sich jedoch höher angelegte Schnitte mehr 
eignen. 

Tiling: Ich habe im Verlauf meiner chirnrgischen Tä¬ 
tigkeitverschiedene. Phasen der Appendicitisbehandlune dure.h- 
gemacht. Vor Jahren bestand eine Zeiflang eine grosse Nei¬ 
gung möglichst operativ vorzugehen, da« beruhigte sich all¬ 
mählich, jetzt scheint mir eine zweite wellenartige Bewegung 
im Anznge zn sein. Ich nehme noch immer den Standpunkt 
ein, möglichst im Intervall zn opeHeren und hin der Mei¬ 
nung, dass nicht jede Appendicitis oppri°rt zn werden braucht. 
Die Appendicitiden können eben sehr verschiedenartig s«in, 
ebenso wie z. B. die Osteomyelitiden, welche wir doch auch 
nicht alle ohne weiteres operativ anereifen. Eine jede Appen- 
dicitis. welche sich diagnostizieren lässt, auch gleich opprieren 
zu wollen, scheint mir, wenn ich mich so ansdiibken darf, 
eine Uebertieihung zu sein. So manche Appendicitis stellt 
nur ein kleines Leiden dar; nach ist noch ahznwartpn, wplclie 
pathologischen Befunde uns die operierten leichten Fälle 
bringen werden. Und dann die Statistik! Eine chirurgische 
Statistik allein will noch nicht viel sagen; ausschlaggebend 
kann doch nnr die Statistik des Chirurgen und des Thera¬ 
peuten sein. Tn diesem Sinne halte ich die Schweizer Statis¬ 
tik (Sahli) für die bewpisendste, denn dieselbe ist vom Land¬ 
arzte zusammeugestellt, welcher alle Fälle zn behandeln hat. 
Hält man sich, wie ich es getan habe, an die Rotter’sche 
Statistik, so kann man zuweilen Ueberraschungen erleben. 
So operierte ich z. B. einen jungen Mann, welcher sich ei¬ 
gentlich ganz wohl fühlte, mehr auf Wunsch der Angehöri¬ 
gen und dieser Pat. ging mir septisch zu Grunde. Einzelne 
Fälle dürfen aber nicht beweisend sein, denn fast bei allen 
Krankheitsfällen ist unsere Diagnosenatellnng noch recht 
mangelhaft. Berücksichtigt man ferner, dass selbst die Probe¬ 
laparotomie noch immer eine gewisse Mortalität aufweist, so 
wird man auch die Operation einer einfachen Appendicitis 
nicht alB ganz unschuldigen Eingriff hinstellen können. Noch 
auf ein anderes Moment möchte ich zn sprechen kommen: 
Wie häufig recidiviert eine Appendicitis? Das können wir für 
den einzelnen Fall nie genau wissen. 

Anfänglich glaubte man, dass fast alle Appendicitiden reci- 
divieren- Wenn wir jetzt hören, dass nnr 16—20—27 pCi. 
recidivieren, so kann man nur sagen, dass das sehr wenig 
ist. Es ist also nur der 5. Teil überhaupt der Gefahr eines 
Rückfalles ansgesetzt. Ans allen diesen Gründen kann ich 
den mehr konservativen Standpunkt nicht aufgeben. Operiert 
man im Intervall, so ist man häufig überrascht, wie er¬ 
schreckend gesund der Appendix anssielit. Zu bedenken ist 
auch, dass eine Involution des Appendix ein physiologischer 


Vorgang besonders Im höheren Alter Ist. Es ist daher anch 
noch die Frage, ob etwaige b«l der Operation gefundene 
Obliteratfonen Folgen der Involution oder der Entzündung 
sind. Die Appendicitis der Kinder soll ja, wie allgemein be¬ 
hauptet wird, böser sein, möglich, dass es damit zusammen- 
hängt, dass der Appendix der Kinder anders geformt ist als 
derjenige der Erwachsenen. 

Kernig: Toh habe im Lanfe meiner langjährigen Tätig¬ 
keit eine grosse Anzahl Appendicitiden verlaufen sehen nnd 
kann mich nur ganz den Ausführungen TI 1 i n e ’s anschMes- 
sen. Tn den 80 Jahren ging auch bei uns im Obnc.hnw-Hos- 
nitsl die absolute Indikation zum onerat.fven Vorgehen Rtark 
in die Höh«. Tetzt sind wir von dieser Indikatlonsstellnng 
sehr zurflekgekomraen. Ich persönlich habe eine solche Indi- 
| kationsstellnng immer als eine Art TTebertreibnne angesehen. 

I Die Chirnrgen kannten damals eben die «benignen* Formen 
der Appendicitis noch garnicht; sie wnssten nicht, dass solche 
Formen auch znrückeehen können, allerdings nnr unter 
sehr strengen Bedingungen, unter welchen absolnte Ruhe 
eine der wesentlichsten ist. Wenn, wie in. d«ra einen von D. 
referierten Falle in der gröbsten Weise dagegen verstossen 
wird, kann man sich anch nicht wundern, dass ein« Operation 
l unausbleiblich wird. Hat man aber solche Formen der Anpen- 
| dicitis oder Perityphlitis vielfach beobachtet, and anstandslos 
! heilen s-hen. so kann man auch dem Grundsätze, jede Peri- 
■ typhlitis sofort operieren zn wollen, nicht heistimmen Es 
I kommt, glanb« ich, schliesslich doch nur auf einen Wortstreit 
! herans, was wir Frühoperation nennen. Von O. wurden fast 
Ausschliesslich schwere Fälle angeführt; in Reichen wird anch 
jeder Therapent für einen operativen Eingriff sein. Die leich¬ 
ten Fälle mit früher Tnmorhildung gehen auch ohne Opera¬ 
tion znrück. Rostowzew. der seine Erfahrungen im 
Ohnchow-Frauen-Hospital gemacht hat. führt in einem Werk 
übe.r Perityphlitis sehr charakteristisch an, dass derartige 
Fälle ans der therapeutischen in die chirurgische Abteilung 
übereeführt, daselbst, anch ohne Operation gnt verliefen. 
Die Bezeichnung Frühoperatfon darf nicht so anfgefasst wer¬ 
den, dass jede Peritvphlitis überhaupt operiert werden muss. 
Bei einiger Erfahrung kann man nach 1—2 Tagen wohl 
kaum im Zweifel sein, ob man es mit einem schweren oder 
leich'en Fall zu tun hat. Bei uns hat sich dnre.h langjährige 
Erfahrung folgendes Regime gebildet. Geht trotz absoluter 
Hohe, Applikation von Eis und Darreichung massiger Gaben 
Opinm (0.015 4 mal täglich, eventuell mehr) in den ersten 
4-5 Tagen der Prozpss nicht znrück, oder tritt nach Besse¬ 
rung in den ersten Tagen Temperst,urerhöhong anfs neue 
anf, so wird operativ eingegriffen. Wir sind also anch für 
einen operativen Eingriff, halten aber den Ansdrnck Früh¬ 
operation nicht für identisch mit Operation einer jeden Peri¬ 
typhlitis überhaupt. Wie vMe Fälle giebf es, welche über¬ 
haupt nicht rezidivipren und wie viele, in welchen, selbst 
nac.lt vielen Anfällen, der Prozess doch endlich zum Still¬ 
stände kommt, leb glaube daher, dass wir richtiger Vorgehen, 
wenn wir jeden einzelnen Fall für sich beurteilen and indi¬ 
vidualisierend Vorgehen. 

Fremraert: Tch möchte nnr einen Anssprnch von L a n z 
anfnhr«n. welcher anch für die Operation Im 1. Anfalle Ist 
und sich dahin änssert, dass wenn es sich nm sein eigenes 
Kind handeln würde, er es doch lieber operiert als therapeu¬ 
tisch behandelt wissen wolle, denn bei letzterer Rehandlnngs- 
weise werde doch immer etwa* zn rückgelassen, was schliess¬ 
lich zu einem tötlichen Ansgang führen könne. Rezidive sind 
öfter sehr spät, nach 10—15, ja selbst nach 25 Jahren, beob¬ 
achtet worden. 

Dombrowski: Lanz hat sehr viel anf dem Gebiete 
dpr Appendic1tisb«handlnng gearbeitet nnd ist daher sein 
Standpunkt wohl zu berücksichtigen. 

Einem Appendix kann man es oft, auch bei der Operation 
von aussen nicht ansehen. dass er krank ist. Man hat Rieh 
sogar zn Aussprüchen fortreissen lassen, wie z. B.. dgss der 
keuache'Appendix den Chirnrgen angrinse. Nicht einmal der 
aufgesrhnittene Appendix kann ans oft. den Reweis liefern, 
ob er krank ist oder nicht, sondern nnr die mikroskopische 
Untersuchung. Ein grosses Verdienst Lanz’s ist es, uns das 
gezeigt zn haben. Wenn Tiling aqsfnhrte, dass Rezidive 
selten sind, so ist dagegen bervorznheben, dass viele Pat. 
garnicht zu wissen brauchen und in der Tat anch oft nicht 
wissen, dass schon Anfälle voransgegangen sind. Wenn wir 
also die Häufigkeit der Reci-iive nur nach dem Kranken- 
examen bestimmen wollten, dürfte das eine falsche Berechnung 
ergeben. Solche nicht diagnostizierte Anfälle können aber 
Residuen hinterlassen, welche einen schweren Anfall unaus¬ 
bleiblich machen. Tiling hat ferner liervorgehoben, dass 
der Wurmfortsatz physiologischer Weise obllteriere und die 
Gefahr der Appendicitis mit dem Alter abnehme. Diese An¬ 
sicht wird in letzter Zeit sehr angezweifelt. Lanz, Faber 
u. A. haben den Beweis geliefert, dass die Obliteration des“ 
Appendix kein Involutionsvorgang ist, sondern auf entzünd' 


Digitized by Google 




liehen Veränderungen beruht. Diese Untersuchungen sind \ 
um so wertvoller, als sie am lebenden und nicht an totem : 
Material gemacht sind, an welchen die aktiven Veränderungen { 
schon verteil wunden seiu können. Nehmen wir aber an, dass ; 
die Veränderungen am Appendix kein physiologischer, sondern i 
ein pathologischer Vorgang sind, so geht aus dem von T i 1 i n g 
Angeführten hervor, wie häutig eigentlich die Erkianki.ng 
vorkommt — über die Hälfte aller Menschen hat einmal 
irgend etwas am Appendix gehabt. Die 2 pCt. Mortalität, welche 
Riedel aufzuweisen hat, verdankt er uur dem Umstaude, 
dass er von Hause aus konsequent geblieben ist und alle Fälle 
operiert bat; nur leichte Fälle köunen es doch nicht alle ge¬ 
wesen sein? Mit der Operation im Intervall kann die Frühope¬ 
ration nicht verglichen werden. Weun die Frühoperation 
häutiger ausgetührt werden wird, ist auzunehraen, dass, in¬ 
folge der Zunahme an leichten Fallen, welche dann auch 
operiert werdeu würden, die Mortalität nicht schlechter sein 
wud als bei der Operation im Intervall und dass mau daun 
logischer Weise sich an die Frnhoperat-ion halten wird. 
Einige Autoren stehen übrigeus auf dem Siaudpunkt, 
dass sie prinzipiell im Intervall uacb dem ersten Anfall ope- 
rativ Vorgehen. 

Fick: Die Indikationsstellung zur Operation, wie sie von 
Kernig augeiührt worden, war früher auch im Alexander- 
Hospital üblich; uns siud daher auch solche Falle bekannt. 
Niemals können wir wissen, welcher Fall gut und welcher 
böse verlauten wird.- Wir haben naher den konservativen 
öiandpuukt verlassen und nehmen denjenigen ein, nach wel¬ 
chem jede Appeudicitis, welche in den ersten 48 Ötuuden nicht 
deutliche Begrenzung zeigt und fieberfrei wird, operativ za 
behandeln ist. 

Dombrowski: Den konservativen Standpunkt hat 
Sprengel geändert nnd ist jetzt eiu einiger Jb rhtioperateur- 
Wie er, so sind auch noch viele namhafte Chirurgen von 
ihrer näherer Ansicht -bekehr!; das spricht wohl die deutlich¬ 
ste Sprache dafür, dass die Fälle von Appendicins den Chi¬ 
rurgen nicht vorenihalien weiden sollten. 

Kernig: Mich kann dieser Vorwurf nicht treffen, denn 
kh bin wohl immer der letzte, welcher einen Chirurgen 
nicht fiübzeitig zu Katlie zieht. Die von mir geschilderten 
Erfahrungen haben zum Teil die Chirurgen selbst ge¬ 
macht. 

Westphalen: Operationen im Intervall sind auch nicht 
immer ungefährlich. Noch neulich hörte ich von einem im 
luleivall operierten Pat., welcher zu imiude ging- Die Opera¬ 
tion im lutervall befreit ausserdem nicht immer den Fat. 
ton seinem Leiden; der Appendix wird wohl reseziert, es kun- 
neu aber vom lesuereiiaen öiampf weitere Anfälle ausgelöst 
Werden. Zuweilen sind es auch nach der Opeiauou sren bil¬ 
dende Adhaesioneu, welche BeaCliweiüeu verursacaeu. ln die¬ 
ser Beziehung sind aucu die Fruboperulioueu meut eiuwauds- 
frei, ich brn der Meinung, dass wir uns von der Intensität 
und Schwere der Appeudicitis bei unserem therapeutischen 
Eingrillen leiten lassen müssen und nicht die Wirkungslosig¬ 
keit der luueieu Therapie zu sehr betoneu dürfen, in vielen 
Fallen wird auch uer Therapeut gute Erlolge erzielen kön¬ 
nen, denn wir können «loch den Appendix uur als einen Teil 
des Daimes anseheu, mithin auch die Appendiciüs nur als 
eine Theilersclieiuuug eines Darmieidens, weich letztere wol 
bei richtiger Behandlung auch die Appeudicitis zu beemflusseu 
im blande sein üürite. 

Tiling: ln Details einzugehen, würde zu weit führen. Im 
allgemeinen halte ich nach 2—3 Au tauen den Zeitpunkt für 
die Operation gekommen. Prinzipiell nur nach ueiu ersten 
Anfall zu operieren, hat keine iiaisou. Die ötatistik Weint 
meiner Meinung nach auch uer objektivste Maassstab für aie 
IbdikauoubSieliuug. Das ganze -von D. ausgelüiiile Kalkül 
stützt sich ja aucu aut die Statistik nnd die pathologische 
Auatomie; letztere sagt uns aber vor der Opeiauou gar 
nichts. Auch die von D- ungerührte Anschauung, dass die 
Oblueraiiou das Produkt einer Eutzündnug sei, spricht eher 
für, als gegeu meine Ansicht- Denn wenn die Eutzünduug 
eine Obuteraiion bewirken kann, so mhbsen wir um so weni¬ 
ger rasch bei der Baud seiu und diesem Vorgang durch die 
Operation Vorbeugen wollen. 

Dombrowski: Die entzündlichen Prozesse führen eben 
nicht zu einer vollständigen, sondern nur zu einer partiellen 
Obliteraiiou, welche giosbe Deiahreu involvieren kann- Nach 
der schwere des F alles allein sich richten zu wollen, ist auch 
nicht ganz eiuwandsirei, denn wir wibsen, dass Fälle mit 
schwelen pathologischen Veränderungen anfänglich oft uur 
genüge Bescbwerueu verursachen und umgekehrt. 

Kernig: Auf besondere Sorgfalt bei therapeutischer Be¬ 
handlung mochte ich nochmals hiuweiseu. Absolute Ruhe, 
selbst wochenlang (3-4 Wonnen), Eis; untauglich Opium in 
massigen Dosen. Flüssige Diät, absolut keiue Abführmittel, 
absolut keine Klysmen, denn uer Stuhl erfolgt stets von 


selbst auch ohne solche Mittel, wenn auch erat nach einer 
Woche and selbst nncli 2 Wochen ohne Unbequemlichkeit für 
den Pat. 

Nach meinen Erfahrungen kann ich nicht zugeben, dass 
die Appendicitis nicht in das Uebiet aoeh der Therapeuten 
gehört. 

Dombrowski: Ich habe bei uns im Hospital die Ein¬ 
richtung getroffen, dass alle derartigen Fälle sofort in die 
chirurgische Abteilung gelegt weiden und bin der Meinung, 
dass dem Chirurgen in dieser Beziehung auch vertraut wer¬ 
den mnss. 

Kernig: Gewiss! doch müsste die Beurteilung der ein¬ 
zelnen Fälle eine gemeinsame sein. 

Direktor: K e r n i g. 

Sekretär: Dob bei t. 


Vermischtes. 


— Der Konsultant tfir Chirurgie beim St. Petersburger 
Milltärhospital nnd ältere Aizt der 18. Flottenequipage, 
Ehrenleibchirurg wirk). Staatsrat Dr. M n i i n o w, ist zum 
Leibchirurgen des Hofes S. Kaiserlichen Ma¬ 
jestät ernannt worden, unter Belassnng in den von ihm 
bekleideten Aemtern. 

— Die Berliner medizinische Gesellschaft 
bat in ihrer diesjährigen Generalversammlung am 5./18. Ja¬ 
nuar zu ihrem ersten Vorsitzenden Prof. Dr. v. 
B e r g m a n n mit 243 von 250 Stimmen gewählt. Der übrige 
Vorstand wurde durch Akklammation wiedergewählt. Die 
Gesellschaft zählt zarzeit 1431 Mitglieder. 

— Der Professor der Geburtsliiilfe und Gynäkologie an der 
miUtär-medlziniBchen Akademie nnd Direktor der geburts- 
htilflich-gynäkologisehen Klinik der Akademie, wirkl. Siaats- 
rat Dr. G. Rein, iBt nach Ausdienung von 30 Jahren im 
Unterrichtsressort a uf wei tere 5 Jahre, d. i. bis zum 
2. Januar 1910, in diesen Stellungen belassen 
worden. 

— Der Professor der Syphilidologie und Dermatologie an 
der Moskauer Universität, wiikl. staatsrat Dr. A. Pospe- 
low, welcher ebenfalls 30 Jahre ausgedient hat, ist von der 
medizinischen Fakultät auf weitere 5 Jahre gewählt 
worden. 

— Am 30. November a. pr. beging der frühere Leiter des 
jüdischen Ki ankenhauses in Luzk (Wolhynien) Dr. Ludwig 
Jahr das 50-jährige Jubiläum seiner ärztli¬ 
chen Tätigkeit. Das Kuratorium des genannten Kran¬ 
kenhauses hat beschlossen, das Porträt des Jnbllars im 
KraDkenhause aufzuhängen. 

(R. Wr.). 

— Auf den vakanten Lehrstuhl f ü r D i a g n o s ti k 
mit propädeutischer Klinik an der Kiewer 
Universität ist der bisherige Professor der Therapie an 
der Odessaer Universität Dr. P. J an owski gewählt wor¬ 
den. Er wird im F'rühjahre diesem Rufe Folge leisten- 

— Der bekannte Breslauer Chirurg Prof. Dr. v. Miku¬ 
licz hat sich in Wien einer Operation (kompliziertes Bruch¬ 
leiden) unterzogen, die von Prol. v. E iselsberg ansge¬ 
führt wurde und, soweit es sich bis jetzt urteilen lässt, 
auch gelungen sein dürfte. 

— Zwei woh 1 ganz einzig dastehende Jubi¬ 
läen, nämlich seinen 100. Geburtstag und das 50-jäh- 
rige Jubiläum als Ehrendoktor einer medizi¬ 
nischen Fakultät, kann in diesem Jahre der am 17. 
März 1605 geborene Gesangschiiftsteller und Gesanglehrer 
Manuel Garcia in London feiern, weicher sich 1855 durch 
die Entdeckung des Kehlkopfspiegels einen 
Platz in der Geschichte der medizinischen Wissenschaft si¬ 
cherte ODd datür von der Königsberger Universität znra 
Doctor medicinae honoris canBa ernannt wurde. • 

— DadieResidenz-Medizinalverwaltnng von 
M o 8 k a n dem Ressort der nenkreierten Moskauer Stadt« 
hauptmannschaft angogliedert wurde, so hat daB Moskaner 
Gouvernement eine selbständige Medizinalver¬ 
walt nng erhalten, an deren Spitze als Gouvernements* 
Medizinalinspektor Dr. Peter Sarin gestellt ist. 


Digitized by 



— Dem Lelbmedikus des Allerhöchsten Hofes und Arzt 
bei S. Kais. Hoheit dem Grossffirsten Michael Niko- 
1 a j e w i t s c h, wirkl. Staatsrat Dr. S a u d e r, ist das K o m- 
turkrenz I. Klasse des Badischen Ordens vom 
Zähringer Löwen verliehen worden. 

— Zum Oberarzt des Charkowschen Militär¬ 
hospitals ist der bisherige ältere Arzt des Kremen- 
tscbugschen örtlichen Lazaretts, Staatsrat Dr. Uljanow¬ 
sk i, ernannt worden. 

— Verstorben: 1) Am 6./19. Dezember fern von der 
Heimat, in Manawa in Wisconsin (Vereinigte Staaten), unser 
Landsmann Dr. Bruno Jürgensohn an Herzparalyse im 
Alter von 50 Jahren. Ans Livland gebürtig, bezog der nun¬ 
mehr Hingeschiedeue 1877 die heimatliche Universität Dor¬ 
pat, an welcher er bis 1883 Medizin studierte und der Kor¬ 
poration «Livonia» augehörte. Ein herbes Geschick trennte 
ihn vom Ueimatlande, als er im Jahre 1884 genötigt war, 
nach New-York auszuwandern, wo er sich zunächst in der 
Privatklinik des Dr. F a b r i c i u s als Assistenzarzt beschäf¬ 
tigte und dauu an der medizinischen Schule in Chicago 
weiter ausbildete. Nach Erlangung des wissenschaftlichen 
Grades daselbst begann er seine ärztliche Tätigkeit iu Pitts- 
ville (Wisconsin), vermählte sich init einer Kanadierin und 
liess sich dann dauernd iu Manawa uieder, wo er als belieb¬ 
ter und von den Kranken wie von den Kollegen hochge¬ 
schätzter Arzt und Meusch 15 Jahre gewirkt hat. 2) ln der 
Kolonie Friedenfeld (i. Gouv. Jekaterinoslaw) Dr. Alexan¬ 
der Petersenn im 37. Lebensjahre. Der Verstorbene 
stammte ebenfalls aus Livland und hatte seine medizinische 
Ausbildung ebenfalls in Dorpat erhalten, wo er von 1888 -93 
Btudierie! Nach Erlangung der Venia pruclicaudi war P. 
Arzt in Riga, dann in Suuferopol und zuletzt in einer Ko¬ 
lonie des Gouvernements Jekateriuoslaw. 3) in Irkutsk der 
Bezirksarzt von Sotschi (Schwarzmeergebiet) Dr. J o h. 
Smirnow, welcher mit einer Sanitätsabteilung dort einge- 
troffen war. Der Verstorbene, welcher seit 1872 die ärztliche 
Tätigkeit ausgeübt hat, ist 55 Jahre alt geworden. 4) ltn 
Kirchdorfe Petrowskoje (Gouv. Moskau) die Aerztin Ale¬ 
xandra Archangelsk!, im 63. Lebensjahre an der 
Lungenentzündung. Die Verstorbene hat fast 23 Jahre im 
Dienst der Moskauer Landschatt gestauden. 5) Der ältere 
Arzt des i- Wiadikawkasscheu luf.-Regiments Dr. Josttpb 
Jewplow im 48. Lebeusjahie nach mehr als 20-jähriger 
praktischer Tätigkeit. 6) Am 1./14. Januar in Jeua der be- 
rünmte Förderer der insr.rumentellen Optik, Prof. Dr. ined. 
et phU. Ernst Abbe, im Alter von 64 Jahreu. Ab be 
konstruierte eine Reihe optischer Instrumente, unter denen 
das Refraktometer, das neuerdings iu der medizinischen 
Chemie vielfach verwandt wird, hervorzuhebeu ist. Durch 
seiue langjährige Tätigkeit als Teilhaber und geistiger Leiter 
der Zeiss’scheu Werksiätte (in Jena) wurde die Konstruk¬ 
tion des Mikroskops zu einer Irüher nicht gekaunten Vollen 1 
duug gebracht und die Zeiss’sche Werkstätte, die nach 
dem Tode ihres Begründers von Prof. Abbe in die «Karl- 
Zeiss-Stiftuug» umgewaudelt wuide, zu einer Welt- 
firma erhoben. Abbes Name wird daher in der Geschichte 
der Medizin nicht minder fortleben, wie er in der Geschichte 
der exakten Wissenschaften einen Ehrenplatz eiunimmt. 

— Für Auszeichnung in den Kämpfen gegen 
dieJapaner sind nachstehende Orden Aller¬ 
gnädigst verliehen worden: Der St. Wladimir- 
Orden lii. Klasse mit Schwertern — dem d. z. 
Korpschirurgen des 3. Sibirischen Armeekorps, ält. Uldinator 
des St. Petersb. Nikolai Miütärhospitals, Staatsrat Dr. V i k- 
tor Hübbenet lind der St. Wladimir-Orden-IV. 
Klasse mit Schwertern — dem ält. Arzt des 5. ost- 
sibitischen Schützenregimeuts, Dr. Th. Troizki. 

— ln Reval hatten sich in deu letzten Tageo des Dezem¬ 
bers die zur estländischen ärztlichen Reserve gehörendeu 
Dr. A. Haller aus Reval, Dr A. N o r rn a n n aus Dago und 
ür.Ackermanu aus Haggers in Anlass ihrer Einberufung 
der Kreiswebrpilichtbehörde vorzustelleu, von welcher der 
Erstgenannte von der Wehrpflicht befreit wurde, die beiden 
ahderen aber der Reserve der mandschurischen Armee zur 
Verfügung gestellt wurdeu. 

— Wie der zum aktiven Dieust einberufeue Wesen- 
bergsche Kreisarzt Dr. Sehr öppe, dem «Weseub. Anz.» 
zutolge, brieflicu milgeteilt hat, ist er wohlbehalten in Ir¬ 
kutsk eiugetioffen, wo kein Mangel au Aerzten herrscheu 
soll nnd daher noch keine Disposuioueu über seine Abkom¬ 
mandierung auf deu Kriegsschauplatz getroffen sind. Gegen¬ 
wärtig soileu in Irkutsk mehr als 5u0 Aerzte versam¬ 
melt sein. 

- — Ans dem Privatbriefe eines Mili tärarz tes 
Im F er b en 0 8 ten reproduziert: die Zeitung «Naechi Dni» 


nachstehende interessante Mitteilungen: Die Anzahl der 
Medikamente, welche in Kriegszelten in Ho¬ 
spitälern znr Verwendung gelangen dürfen, ist auf 99 
festgesetzt. Es fehlt an deu notwendigsten Mitteln, so z. B. 
an Opiumtropfen, Salbe gegen Geschwüre, Krätzsalbe und 
Ingredienzen, um sie herzustellen, an Kreosot, an Mitteln 
zur Pillenbereitung n. s. f. Jetzt ist man znm Schluss ge¬ 
kommen, dass es der Medikamente noch zu viele seien, und 
hat ihre Anzahl um einige Dutzend verringert. Im Laufe des 
Sommers mangelte es au Rizinusöl — man war mit seiner 
Zubereitung nicht fertig geworden... Wir besitzen eine soge¬ 
nannte Zemralfeldapoiheke, aus welcher die Hospitalapotheken 
nach Massgabe ihres Verbrauches versorgt werden. Im Laufe 
des Sommers aber konnten sämtliche Hospitäler in Charbio 
kein Rizinusöl aufweisen, obgleich sie inständigst baten, sie 
mit diesem für jedes Hospital unumgänglichen Mittel zu ver¬ 
sorgen. Hatte ein Hospital um 1 Pud davon gebeten, so wurde 
ihm ein Pfund zugestellt. Woher das kommt? Einfach aut 
folgende Weise: Die Feldapotheke telegraphierte an die Fabrik 
für militär-medizinische Zubereitungen in Petersburg um 
Uebersendaug von 2000 Pfuud Rizinusöl und erhielt nach ge¬ 
raumer Zeit die telegraphische Anfrage, wodurch dieses Ver¬ 
langen hervorgerufen werde. Die Präge erscheint ziemlich son¬ 
derbar, doch blieb nichts übrig, als von hier aus einen um¬ 
ständlichen Bericht abgeheu za lassea. Ueber dem Schrift¬ 
wechsel vergingen 3—4 Monate, bis endlich statt der 2000 Pfund 
100 Pfand eintrafen, nachdem der Sommer zum Teil schon 
verstrichen war. Am Notwendigsten mangelt es, wätareinFandere 
Sachen iu Mengeu vertreten sind, die ihren Verbraaeh um 
das zehnfache übersteigen. Während z. B. viel zu wenig 
Marlybinden vorn an deu siud, siud Gypsbinden in unzähliger 
Menge da uud liegen in allen Ecken umher.... 

— Wir machen darauf aufmerksam, d*#s die Waisen 
von Aerzten, welche auf dem Kriegsschauplatz verstorben 
sind, in dem zum Andenken an Dr. Schilling gestifteten 
Asyl in Oserki (bei Petersbarg) Aufnahme Anden können. 

— Epidemiologisches. Cholera: Vom 3.—10. Ja¬ 
nuar siud im Russischen Reiche nur 6 Choleraerkrap- 
k ungen konstatiert worden, und zwar 5 Fälle iu Zarizyn 
und 1 Fall im Gouv. Eriwan. Die Pest im Uralgebiet 
kann als erloschen angesehen werden, da seit dem 26. 
Dezember a. pr. in der Bukejewschen Horde nnd seit dem 
3. Januar d. J. auch im Gurjewschen Kreise keine Erkran¬ 
kung mehr vorgekommen ist. 

Bf. 

— Dia Gesamtzahl der Kranken in den Civil“ 
Hospitälern 'St. Petersburgs betrug am 25- Des. 
d. J. 8884(564 wen. als in d. Vorw.), darunter 4?8 Typhus — 
(28 mehl).802 Syphilis—(80 wen.), 280 Scharlach — (äl wen.), 
82 Diphtherie— (28 wen.), 43 Masern — (8 wen.) nnd 22 
Pockenkranke — i8mehr als in der Vorw.). 

Am 1. Jan. d. J. betrug die Zahl der Kranken 9306 (422 mehr 
als in der Vorwoche.), darunter 542 Typhus — (64 mehr), 830 
Syphilis —(28 mehr), 270 Scharlach — (10 wen.), 100 Diph¬ 
therie — (18 mehr), 45 Masern — (2 mehr) nnd 19 Pockenkranke 
(3 wen. als in der Vorw.) 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 


Für die Woche vom 19. bis znm 25. Dezember 1904* 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 


M. W- Sa. 


a a 
© © 


4 

>-5 


h h », >. 

Xi yd yd J= 

sö «] ca al 

•t) 


(Ü « lO 


i 


U 

JO 

« 

*-s 


k. 

yd 

ca 


2 2 8SSS 


I j- I l 

SO -H 

h ca 


yd yd 

ca ca 
*-s 

O' 
r» 


s ^ 8' ^ 

r-4 fl r-< 

«5 a* U5 (D N 


2 £ 

© 5 

s S 

’XS -M 
O 2 
° d 

ss ß 


483 410 895 222*90 149 15 12 23 57 66 72 77 51 44 14 2 


2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 1, Typh. abd. 17, Febris recurrens l,Typhns 
ohne Bestimmung der Form 0, Pocken 2, Masern 15. Scharlach,35, 
Diphtherie 23, Croup 0. Keuchhusten 11. Cronpöse" Lungen¬ 
entzündung 35, Erysipelas 5, Grippe 18, Katarrhalische Lun¬ 
genentzündung 117, Ruhr 1. Ejifdeitiische Meningitis Ö.. Akuter 
Gelenkrheumatismus 0, Parotitis epidemica 0,' Rotzkrankheit0, 


Digitized by 


Google 




Anthrax 0, Hydrophobie 0, Puerperalfieber 1, Pyäroie und 
Septlcaemie 10, Tuberkulose der Lungen 86, Tuberkulose an* 


septicaemie Tuoerkuiose der Lungen öö, Tuberkulose an* 
derer Organe 17, Alkoholismos und Delirium tremens 7, Le- 
bensschwäcbeund Atrophia infantum 71, Marasmus senilis 31, 
Krankheiten des Verdauungskanals 107, Totgeborene 37. 


Für die Woche vom 26. Dez. 1904 bis 1. Januar 1905. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


. „ fluj.i.j.thfcijhi.fci. , 

Im Ganzen: j ,2 1 ^ ^ ^ ^ S 

(OC«USOi6QQQQQOQ'0^ 

H. W. 8a. , 7 | H I I H iff M 

o r- —• cd «-< «o—« >— 

—■ —«oaeo^inooh-oot— 

516 431 947 231 121 142 17 8 27 69 66 78 69 51 43 16 9 


?! ! 


2) nach den Todesursachen. 

Typh. exauth. 1, Typh. abd. 24, Febris recurrens 1, Tjpbns 
ohne Bestimmung der Form 0, Pocken 3, Masern 12,Scharlach 21, 
Diphtherie 10, Croup 0, Keuchhusten 12. Croupöse Lungen¬ 
entzündung 34, Erysipelas 5, Grippe 21, Katarrhalische Lun¬ 
genentzündung 153, Ruhr 1, Epidemische Meningitis 0, Acuter 


Gelenkrheumatismus 0, Parotitis epidemica 0,Rotzkrankheit 0, 
Anthrax 1, Hydrophobie 0, Puerperalfieber 2, Pyfimie und 
Septicaemie 10, Tuberculose der Lungen 105, Tuberculose an¬ 
derer Organe 16, AlkoholismuB und Delirium tremens 18. Le¬ 
bensschwäche und Atrophia infantum 61. Marasmus senilis 40, 
Krankheiten der Verdauungsorgane 121, Totgeborene 53. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag, d. 25. Jan. 1905. 

Tagesordnung: Schmitz: Präsidial vor trag. — Jahres¬ 
berichte der Sekretäre etc. — Wahlen.— 
— Nochmalige Beratung betr. Unter¬ 
stützung durch deu Krieg geschädigter 
Aerzte. 

Nächste Sitzung des Deutsohenärztliohen 
Vereins: Montag, den 31 Jan. 1905. 


»ANNONCEN JEDER ART werden in der Buchhandlung von K. L. KICKER in 
St. Petersburg, Nevsky-Pr. 14, sowie in allen in^ und ausländ. Annoncen-Comptoiren angenommen. 


Jhiooo! 

„Roohe“ 

bestes Guajseol- 
prtparat, wasser¬ 
löslich, geruchlos, 
ungiftig. 
Vorztigl. Anti¬ 
tube reu I. nndAntt- 
Dlarrholenm. 


PastiHi 

ThioooH 

„Roohe“ 


verlässlichste, 
bequemste and 
billigste Verab¬ 
reich unrafo rin 
dea Ttaloools. 


Sulfosot- 
syrup 
„ Roohe“ 


entgiftete* 
Kreosot ln Sywr- 
ferm, eignet alch 
opesieli für Armen* 
ud Ksaa c wpr tris. 


JhigenolJRcch 


ff 



Synifiefiscfies &cfiüoefelprä~ 
parat mit 10°\o organ. ge~ 
ßundensm Scßwefet. 

Braune, dicksyrupüse, geschmacklose, im Gcftrauch geruchlose un¬ 
giftige Flüssigkeit. Leicht resorbierbar, wirkt nicht reizend, sonderu 
milde, juckreiz- und schmerzlindernd, lässt sich leicht mit Wasser ab- 
wascheo und fleckt nicht die Wäsche. 

Als Schwefelpräparat und als vorzüglicher Ersatz für Ich¬ 
thyol angezeigt bei: 

Ekzem, rein oder 20°/o Salbe (soforiige Abnahme des Juckens, des Näs- 
sens und der Infiltration); Pruritus und Urticaria (sofortige jnekstil- 
lende Wirkung); parasitäre Darmatosen wie: Scaldes (Einreibung mit 
grüner Seife, nach 1 Stuude Bad, vollständige Einreibung mit Thigenolum 
purum, abend» 2. Tbigenoleinreibung. In 2 Tagen Heilung); Favus etc.: 
Akne ; gynäkologischen Atfektionen wie: Endo-, Para- und Perime¬ 
tritis ,, Beckenexsudate, als 10— 20°/o Thigenolvagiualtampons oder 
Snppositorien 4 0,30; Rheumatismus (Einreibungen mit Thigenol, Chloro¬ 
form ac. 10,0, Spir. champhor 40,0); Erysipel (pnr oder 10°/o Salbe); 
Fissura ani, Haemorrhoiden etc. 

Alleinige Fabrikanten: 

F. Hoffmann-LaRoche & Cie., FaM Clem-ilmi. MültB 

Basel (Schweiz) X Grenz ach (Baden). 

(13) 11-4. 


Sirolin 

„ Roohe“ 


wohlriechender, 
angenehm 
■ehmeokender 
Sjrup, idealste 
Form der Kreo¬ 
sot-Therapie. 


Jtiro! 

,Rooho f ‘ 


loser Jodo- 
foemersats. 



Roohe“ 


haltbares Phosphor 
elwelss. Wirksani* , i 
als die bisherigen 
organischen' 
und snorganiscbi-i. 
Phosphor- u. Phot 
phorsäure präparat • 


Digitized by 


Google 
















22 


Bester Jodoformersatz. 

Im Gebrauch geruchlos, 
keimfrei, ungiftig selbst 
bei innerlicher Darrei¬ 
chung grosser Dosen 
als Darmantiseptikum. 
Schmerz- und blutstillend, nicht reizend, kein Ekzem erzeugend. Kräfti-. 
ges Desodorans, eminent austrocknend und epithelbildend. Spezifikum 
bei ulcua cruris, Intertrigo, nässenden Ekzemen, Verbrennungen. Spar¬ 
samer Verbrauch, daher billig in der Anwendung. 



Bruns’sche Xeroform-Paste. 

Creosotal „Heyden“ ist 

nicht nur bewährtestes 
Antiphthisikum, sondern 
auch Spezifikum , bei 
nicht tuberkulösen In¬ 
fektionskrankheiten der 
Luftwege. Rapide Heilnug von Pneumonie fauch Broncho-, Masern-, 
Influenza-, Diphtherie-Pneumonie) durch grosse Dosen Creosotal: 10 bis 
15 g pro die in 4 Portionen, bei Kindern Tagesdosis 1 bis (> g. 

Proben und Literatur durch 

Chemische Fabrik v. Heyden, Radebeul-Dresden 

oder deren Vertreter: (21») 11—2. 

R. Crottet, W. O., Sredny Prosp. 8, St. Petersburg. 



i 


i 


P P R T I I Q Q I M Extract. Thymi 

^ ** I VJ O O l -Ijj saccharat. Taeschner. 
ges. gesch. Einfuhr von der rnss. Behörde gestattet. 
Unschädliches, sicher wirkendes Mittel gegen: 

Keuchhusten, Kehlkopf- und Bronchialkatarrh. 

Literatur in hervorrag. Blattern Deutschlands u. Oestei reieh-Ungai ns. 

Aerztliche Gutachten: 

Prof. Dr. Ernst Fiseher (Strassburgj: 

Die Wirkung des „l’ertussin“ war eine überraschende; wenngleich icli 
uicht gerade sagen kann, dass der Keuchhusten sich in einigen Tagen in einen 
einfachen Katarrh verwandelte, so wurden die Anfälle so milde, der Schleim so 
locker, dass das Ei schreckende des Keuchhustens, das Blau werden und die dro¬ 
hende Erstickung, vollständig wegfielen. 

Dr. Model, kgl. Bezirksarzt a. D. (Weissenburg): 

Nach dem Gebrauch des Portussin war es mir beim Erwachen plötzlich, 
als athntete ich die freie herrliche Luft aut einem Alpeu-Giptel. Diese Leicht- 
athmigkeii fiel mir besonders auf, der ich infolge langjähriger Bronrhialkatai rlie 
an merklichem Emphysem leide. 

Dr. Alfred Müller (Nenhavscnj: 

Mein Urtheil geht dahin, dass das Portussin ein Mittel ist, das in kiii- 
zester Zeit den mit Hecht so gefürchteten Keuchhusten in einen ungefährlicher 
und fast unmerkbaren Hionchialkatarrh überzuführen vermag. Ich kenne zcr 
Zeit kein auderes Mittel, welches sich des gleichen Vorzuges rühmen dürfte. 
Dr. Erich R. von Matzner (hirkfcld, Steiervi.): 

Die drei mit Pertussin behandelten Bronchitiden, davon zwei bei Kindern, 
zählten zu den schwersten Können und jedesmal erwies sich Ihr'Präparat als von 
ausgezeichneter Wirkung; der starke Hustenreiz nahm in wenigen Stunden bereits 
ab und die Secretion begann sich bald zu verringern, die Temperatur fiel ab. 

Verkauf nur durch die Apotheken, sowie durch folgende Engrns-Depots: 

H. Bierstilmpfei, Apotheker, Warschau, Marszalkowska 1H6. Ad. Marcln 
czik, Apotheker, Kiew. Pani Seebode, Apotheker, Riga. Kalk8tr. 26. 
B. Sehnskolsky, Petersburg, Carl Perrein, Moskau. 

Helgestellt in der Konimaiidanten-Apotheke E. Taeschner, Berlin C. II», 
Seydelstrasse 16. . (I) 26—21.' 


BERLINER DOCENTENVEREIH 
FÜR /ERZTLICHE FERIENKURSE- 

Der nächste Cyklas des Berliner DocentenVereins für ärztliche Ferienkuise 
beginnt am 16. Februar (1. März) und dauert bis zum 15. März (28. März) 1005. 

Das Lektioti8verzeichnis versendet unentgeltlich und Auskunft erteilt Herr 
Melzer (Berlin), Ziegelstrasse 10/11 (Langenbeck-Hans). 

(27) 2 — 1. Prof. Dr. J. Hirschberg, Geh- Med.-Hat, Vorsitzender. 



Sanatorium Villa Primavars. 

Gardone Riviera, Italien. 

Prospekte des Sanitätsrats Dr.Koeniger. 


(KURANSTALT HAINSTEINl 

&■ NAHE DER WARTBURG ^ 

dasganzejahrceöffnet! 

LEITEN DER ARITDR.HESS. 

A 


lin Deutschen Alexander Hospital wird 
Nachweis ertheiit über zur Zeit dienst¬ 
freie Pfleger nnd Pflegerinnen für die 
private Krankenpflege (gegen Zahlung 
von 50 Cop.). 


Adressen von Krankenpflegerinnen; 

Fran L. A. Bogosl&wakaja, Ertelefl 
Pereulok JA 16, Qn. 6. 

Bliae Blau. JIuroBcuaa 58, kb. 15- 

Olarle Winkler, yr.Üojinoi* aep. m II al- 
TejelnoneBoft jm. i. 4. kb. 11. 
Alexandra Kasarinow, HuoaaeRcicaj 

yji. x. 61, kb. 32. 


Dieser JVs liegt ein Prospect über «Ueber Tropacocain. E. Merck* bei. 


-JLo8b. neae. Cn6., 18 flBBapa 1905r. HerausgeberDr. Rudolf Wanach. Bnobdrnckerei v.A. Wienecke,KaUiarlnenhoferPr.Jt 16 


Digitized by kjOOQie 










GENERAL i?r nt.. 

UNIV. UH MiCn 

MAR 80 »90*S 


XXX. JAHMäNö. 



Folge XXII. 


I1DIGIIISG1E I0CIEN8CIRIFI 


unter der Redaktion von 


Prof. Or. Karl Dehio. 

Jurjew (Dorpat). 


Or. Johannes Krannhals. 

Riga. 


Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger MedicinischeWochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend.—Der AbonnementipreU ist in Bunlanl 8Rbl.für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl.Postzustellung;in den aniertn 
Lindern 90 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. DerIn§ertionmroii 
für die äinal gespaltene Zeilen in Petit ist 16 Kop. oder 35 Pfen.—Den 
Autoren werden 25 SeparatabzQgeihrer Originalartikel zugesandt. 

-Referate werdet! nach dem Satze voh 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von S. L. Bicker 
in St. Petersburg, Newsky-Prospekt .Ni 14. zu richten. — Äanus- 
cripte sowie alleaul die Redaktion bezüglichen Mitteilungen bit¬ 
tet man an den stellvertretenden geschäftsföhrenden Redak¬ 
teur Dr.fi. Bleesig in St. Petersb., Wassili Ostrow, 1 Linie .Ni 28 
zu richten. Sprechstunden täglich von 4—6 Uhr. 


M 3 


St. Petersburg, den 22. Januar (4. Februar). 


1905. 


Inhalt: Dr. med. H. Jdelsohn: (Jeher schmerzende Ftisfce. — Bliclieranzeigen und Besprechengen: Prof. Dr. 
J. Schwalbe: Jahrbuch der praktischen Medizin. — J. de B16conrt und G. Nljhoff: FHnflingsgebnrten. — Mitteilun¬ 
gen aas der Gesellschaft praktischer Aerzte zu Riga. — Vermischtes. — Mortalitäts-Bulletin SL Peters¬ 
burgs. — Anzeigen. 


Ueber schmerzende Fösse. 

(Vortrag, gehalten auf dem XVI. livländischen Aerztetage 
im August 1904.) 

Von 

Dr. med.iL Idelsöhn — Riga. 

Meine Herren! 

Wenn ich mir erlaube, hier vor Ihnen ein Thema zu 
behandeln, welches eine Reihe ganz differenter Krank¬ 
heitszustände onter dem Gesichtspunkte des Schmer¬ 
zes zu vereinigen sucht, so verfolgeich damit in erster 
Linie ein rein praktisches Ziel. Die Klagen über Schmer¬ 
zen in den Füssen sind so häufig und erscheinen oft 
so wenig motiviert, dass man nicht selten in Verlegen¬ 
heit gerät,, wie man den Zustand beurteilen, besonders 
aber* wie man dem Kranken helfen soll. Die grosse An¬ 
zahl von Patienten, weiche mit der Diagnose «Rheuma¬ 
tismus der Füsse» alljährlich nach Kemmern kommen 
und wep;en Mangels an strikten Indikationen die dorti¬ 
gen Heillaktoren ohne Erfolg auf sich wirken lassen, 
scheint mir gerade für die Unsicherheit auf diagnosti¬ 
schem Gebiet beredtes Zengnis abznlegen. Nicht gering 
ist auch (Jie Anzahl derjenigen Kranken, die bei der 
Natur ihres Leidens sich -die umständliche find kost¬ 
spielige Badereise hätten sparen können, da ein tieferes 
Eingehn aqf die Ursache der Schmerzen andere Indika¬ 
tionen ergeben hätte. Freilich kommt ein grosser Teil 
der Kranken auf Grund von selbst gestellten Diagnosen 
hin: die Beobachtungen, dass die Schmerzen Ihren Sitz 
wechseln und in Abhängigkeit von. Witterongseinflüssen 
stehen -- weiden als ausschlaggebende Momente für 
die Diagnose Rheumatismus verwertet; kritischer ver¬ 
anlagte Patienten legen noch dem Arzt die Frage zur 
Entscheidung vor, ob es sich um «Mnskel- oder Ner- 
venrlieumatismus» handle, während sie über die Thera¬ 
pie und den Verlanf angeblich hinreichend orientiert 
siBd. Dieses zuversichtliche Pilgern naoh deo Heilquellen 
Kemmerns hat mir nun in den letzten vier Jahren Ge¬ 


legenheit gegeben,, eine relativ grosse Anzahl von 
Kranken untersuchen zu können, deren Hauptbeschwer¬ 
den in Schmerzen der Füsse bestanden. Ueber diese 
meine' Erfahrungen werde ich in Kürze zu berichten 
mir erlauben. Ich muss vorausschicken, dass aus dem 
Kreise meiner Betrachtungen eine ganze Reihe von; 
Krankheitszustftri eliminiert worden ist, bei denen 
zwar die Schmei in den Füssen die Hauptbeschwerde 
bildeten, die jek -iPz. B. wegen ihres sinnfälligen Zu¬ 
sammenhangs ,£ßt lokalen Knochen- oder Gelenkaffek-* 
tionen keine diagnostischen Schwierigkeiten dar boten.; 
Ebenso sehe ich von jenen Fällen ab, wo die Schmerzen 
in den Beinen das initiale Symptom einer Wirbelcaries, 
eines Rnokenmarktumors, einer Tabes oder Myelitis,, 
eines Beckentnmors waren., Diese Zustände sind im , 
allgemeinen bei ihrer Selteabeit praktisch nicht so; 
wichtig — es ist immerhin empfehlenswert an die, 
Eventualität in unklaren Fällen zu denken; sehr -wich-! 
tig ist die häufige. Einieituug der Tabes durch Schmer- : 
zeo in den Füssen;.die überstandene luetische Infektion - 
und das Westphateche oder. Argyll-Robertsonsche Zf-i-, 
chen werden in solchen Fällen wohl immer Dachzu-r 
weisen sein und dazu dienen, die DiagnQse zu fördern. • 

Meine Betrachtongen beziehen sich vorzugsweise auf 
solche Zustände, die bei oberflächlicher Betrach¬ 
tung keine augenfällige Veränderungen an den unteren 
Extremitäten darboten und bei denen die Ursache der 
Schmerzen erst gesucht werden musste; ich benutzte die 
Bezeichnung «Beino» und «Füsse» promiscue, weil bei 
den in Frage koramemien Zuständen meist, die ganze 
Extremität oder grössere Abschnitte derselben mehr oder 
weniger in Mitleidenschaft gezogen werden, unabhängig 
von dem Sitz des Leidens. 

Die unteren Extremitäten nehmen schon unter physio¬ 
logischen Bedingungen eine gewisse Sonderstellung ein, 
die sie zn bestimmten Erkrankungen praedestiuiert er¬ 
scheinen lässt. Die unteren Extremitäten repraesentieren 
ernon integrirenden Bestandteil der Körpermasse;' sie ! 
werden daher bei allgemeinen, mit Schmerzen einher« 


Digitized by 










.V 


Ü 


gehenden Erkrankungen in grosserem Masse ais an¬ 
dere, kleinere Körperprovinzen von den Schmerzen be¬ 
troffen werden und in hervorragendem ('«rade an dem 
Krankheitsprozess teilnebmen; die unteren Extremitä¬ 
ten gehören zu denjenigen Organen, welche mit die 
schwersten Arbeitsleistungen verrichten müssen 'und 
hierbei den klimatischen and Berufsschädlichkeiten am 
stärksten ausgesetzt sind; sie stehen dabei unter den 
ungünstigsten zirkulatorischen Bedingungen wegen ihrer 
weiten Entfernung vom Zentrum des Kreislaufs und 
des Einflusses der Schwerkraft, welche die venösen 
Stauungen begünstigt; sie werden durch die Not der 
sozialen Verhältnisse und nicht selten durch die Macht 
der Mode unter besonders missliche Bediugungen ge¬ 
stellt; endlich sind die engen funktionellen Beziehungen 
der Beine zum Becken geeignet, eine Reihe von Erkran¬ 
kungen in jenen auszulösen. Diese Gründe geben den 
Schmerzen der unteren Extremitäten eine gewisse Son¬ 
derstellung in der Pathologie, was eine derartige summa¬ 
rische Darstellung rechtfertigen dürfte; aus den ange¬ 
führten Erwägungen ergrabt sich, dass die 1 Schmerzen in 
den Füssen auf allgemeinen und lokalen Ursachen be- 
rnheti können. Ich werde mir erlauben von diesen Ge¬ 
sichtspunkten aus die Frage zu behandeln, will aber 
aus praktischen Gründen die Krankheitszustände nach 
deren Häufigkeit gruppieren, um später bei der Diffe¬ 
rentialdiagnose das Moment der allgemeinen oder loka¬ 
len Ursachen gesondert zu betonen. 

Gehe ich nun auf mein Material ein, so verfüge ich 
Uber 188 Fälle, bei denen ausschliesslich oder vorzugs¬ 
weise die Schmerzen in den Füssen den Anlass zur 
Konsultation gegeben hatten. Die häufigste Erkrankung 
war die Ischias: sie machte 28 pCt. aller registrierten 
Fälle aus; es handelte sich in den 53 Fällen um 32 
Männer und 21 Frauen, die Erkrankung war stets ein¬ 
seitig, 21 mal rechts, 32 mal links, und betraf Perso¬ 
nen im Alter vou 18 bis 76 Jahren. Eine doppelseitige 
Ischias habe ich nie, auch bei Diabetes nicht, gesehn. 
Die Diagnose der Ischias macht wohl keine Schwierig-/ 
keiten: ich erinnere nur an die meist akute Entstehung 
und den chronischen Verlauf, an die typische Lokalisa¬ 
tion der Schmerzen, die Druckpunkte, das Lasäguesche 
Phänomen — (Schmerz beim Strecken des im Hüftge- 
leuk flektierten Beines und Nachlassen des Schmerzes 
beim Flektieren im Kniegelenk) die Exacerbation der • 
Schmerzen in der Nacht, die schmerzhafte Rückwirkung 
des Niesens und Hustens, die Unabhängigkeit von 
Ruhe und Bewegung bei Ausbruch der Schmerzattaquen, 
die Skoliose, die Funktionsstörung und das nicht seltene 
Fehlen des Achillesphänomens. Bei jeder Ischias, die 
sich der Therapie längere Zeit unzugänglich erweist, 
ist an eine Komplikation zu denken. Ich habe einmal 
einen Psoasabszess übersebn, 2 mal waren Abdominal¬ 
tumoren sub finem vitae zu diagnostizieren, mehrmals 
waren Lageanoraalien des Uterus mit der Ischias in 
Zusammenhang zu bringen: die Reposition hob den 
Schmerz auf. In einem Falle bestand neben dqr Ischias 
eine parenchymatöse chronische Nephritis. 

Der Ischias am nächsten steht an Häufigkeit die 
Arteriosklerose der Fussarterien, deren klinisches Bild 
— «das intermittierende Hinken» von mir an dieser 
Stelle vor 2 Jahren geschildert worden ist. Bekanntlich 
handelt es sich um intermittierend auftretende Paraes- 
thesien oder Schmerzen in einem, seltener in beiden 
Beiuen; beim Stehenbleibeu pflegen die Sensationen sehr 
schnell zu schwinden, um beim Gehen alsbald wieder 
aufzutreten. In der Ruhe fehlen sie meist, wenigstens 
in den ersten Perioden des Leidens. Die Diagnose wird 
durch das Fehlen oder eine merkliche Abschwächung 
der Fusspulse im befallenen Fuss sichergestellt (A. 
tibialis postica — unterhalb des Malleolus internus und 


A. dorsaiis pedis — auf dem Dorsum, etwa an der 
Uebergangsstolle des Unterschenkels in den JTnssl. 

Diese Arteriosklerose beansprucht deswegen eine be¬ 
sondere Berücksichtigung, weil sie häufig ganz isoliert 
auftritt, ohne dass sich an den übrigen Arterien Zei¬ 
chen von Arteriosklerose fänden; sie kommt auch in; 
relativ frübeu Altersperioden vor (24 J.!) und gerade 
die jugendlichen Patienten pflegen am meisten unter 
diesen Beschwerden zu leiden. Die Arteriosklerose der 
Füsse ist daher praktisch ebenso wichtig als sie theore¬ 
tisch interessant ist. Ihr chronischer Verlauf, die Nei¬ 
gung zu Verschlimmerung und der drohende Ausgang 
in Gangrän erheischen eiue rechtzeitige Diaguosonstel- 
lung und vorsichtige Behandlung. Das Leiden ist viel 
häufiger — bei uns zu Lande wenigstens — als man 
es nach den bisherigen Veröffentlichungen erwarten 
sollte. Ich habe in den letzten 2 Jahren zu den bereits 
beschriebenen 14 Fällen noch 34 neue hinzufügen köu- , 
nen. Eine der wichtigsten Fragen, nach der Aetiologie 
des Leidens, ist noch nngelö3t. Den von Erb betonten 
direkt schädlichen Einfluss des Tabakmissbrauches habe 
ich auch auf Grund dieser letzten .Beobachtungsreihe 
nicht hoch anschlagen können; ich habe das Leiden bei 
3 Frauen und bei mehreren Nichtrauchern beobachtet; 
als ein wesentlicher Faktor erscheint dagegen der Ein¬ 
fluss der kalten Luft, das Stehen unter freiem Himmel * 
bei Winterkälte, die Lues, der Alkoholismus, der Dia¬ 
betes und der Plattfuss, auf dessen aetiologische Be¬ 
deutung in der Entwickelung der Fussarterieusklerose 
ich bereits vor 2 Jahren hingewiesen habe und dem 
nunmehr in seiner letzten Poblikation auch Erb*) 
eine gewisse Bedeutung einräumt. Eine Differenz in der 
Höhe der Radialtspulswellen findet sich nicht selten 
bei diesen Kranken und zwar entspricht der Seite des 
kranken Fusses ein schwächerer Radialpnls. Unter mei¬ 
nen Kranken fand sich das Leiden in 17 pCt.; bei 3 
Frauen und 31 Männern 14 Mal rechts, 12 Mal links 
und 8 Mal doppelseitig. Das Durchschnittsalter der Pa¬ 
tienten betrug 64 Jahre. Die Praeponderanz der jüdi¬ 
schen Rasse konnte auch jetzt wieder konstatiert 
werden. 

Dass diese, auch von anderen Autoren betonte Tat¬ 
sache nicht auf die zufällige Auslese de8 Krankeuma- ; 
terials zurückzuführeu ist, habe ich au anderer Stelle 
zu begründen gesucht; ich möchte nur hier an die von 
Metschnikoff ausgesprochene Hypothese anknüpfen, 
nach welcher chronische Obstipation doroh die Anhäu¬ 
fung und Resorption toxischer Stoffe die Entwickelung 
der «physiologischen* Altersarteriosklerose begünstigt: 
sollte nicht etwa die chronische Obstipation, welche" 
eine häufige Erscheinung bei der jüdischen Rasse dar¬ 
stellt, auch eine von jenen zahlreichen Ursachen 
sein, die sie zur Arteriosklerose besonders dis¬ 
poniert? 

Auf die recht interessanten Einzelheiten meiner Fälle . 
von intermittierendem Hinken will ich hier nicht näher 
eingeben; es sei nur erwähnt, dass iu einem Fallen der 
einen älteren Herrn betraf, folgende Kombination aetio- > 
logischer Momente vorlag: Raßse, Alkoholismus, Nikotia- 
missbrauch, Diabetes, Varicen und deutliche Abflachung 
des kranken Fusses; dabei war der Zustand keiu schwe¬ 
rer; in einem anderen Fall (Frau) bestand neben allge¬ 
mein gichtischen Beschwerden Plattfuss und. Fehlen der, 
Fusspulse, ohne dass die Kranke über Schmeißen in den . 
Füssen zu klagen gehabt hätte. Andererseits habe ich 
mehrfach Kranke gesehen, welche ganz typische sub¬ 
jektive Beschwerden äusserten, die mit Sicherheit .auf 
das Fehlen der Fasspulse hin wiesen and. bei denen die. 


*) Erb; Ueber Dysbasta omrinsclerotica (intermittierendes 
Hinken) Münch- Med. Woch. 1*04, Nr. 21- 




Digitized by 


Google 


16 


objektive Untersuchung einen völlig normalen Befund 
ergab. Vielleicht handelte es sich in diesen Fällen nm 
das Vorstadiuin oder die nervöse (auf Vasomotoren¬ 
krampf beruhende? Oppenheim) Form des intermit¬ 
tierenden Hinkens. 

ln einer verhältnismässig grossen Reihe von Fällen 
(12 pCt.) glaubte ich den Plattfuss allein als scbmerz- 
auslösendes Moment auschuldigen zu müssen. Vorwiegend 
waren beide Fllsse in gleicher Weise beteiligt. Unter 
24 Kranken waren 14 Männer und 10 Frauen. Die 
Beschwerden sind recht charakteristisch: leichte Ermüd¬ 
barkeit, Schmerzen in der Fusssoble, besonders nach 
deren innerem Rande zu, ausstrahlende Schmerzen in 
die Innenseite des Unterschenkels, in das Knie, zuwei¬ 
len auch in die Hüfte und Irophische Störungen. Die 
Kranken machen oft die charakteristische Angabe, dass 
ihnen das Stehen schwerer fällt als das Gehen, was 
wohl darauf zurückzuführen ist, dass die intermittie¬ 
rende Belastung der Fusssoble dieselbe beim Geben 
weniger irritiert als der continuierliche Druck beim 
Stehen. 

Bezeichnend ist auch die Beobachtnng, dass das 
Geben in Pantoffeln mehr mit Schmerzen verbanden ist, 
als das Gehen iu Stiefeln: letztere tragen den gauzen 
Fuss, indem sie ihn umschliessen und mildern die Druck¬ 
wirkung auf den nervus plantaris, indem sie durch 
den Absatz die Mitte des Fusses in der Schwebe hal¬ 
ten. Dem oft gehörten Einwand, dass der Plattfuss nicht 
die Ursache der «rheumatischen» Schmerzen sein könne, 
weil diese erst einige Zeit beständen, während der 
Plattfuss aageboren sei oder schon viele Jahre existierte, 
begegnete ich mit der Ueberlegung, dass die physiologi¬ 
sche Zunahme des Körpergewichts das Verhältnis zwi¬ 
schen Belastung und Fusswölbung ungünstig beeinflusse 
und die letztere noch mehr verstreiche. Die Kranken 
standen meist im vierten Decennium, wo der Embon- 
point sich auszubilden pflegt, andererseits kann man 
sich ganz gut vorstellen, dass in dieser Altersperiode, 
auf der Höhe der Arbeitsleistung, die Toleranz des Fusses 
gegenüber den Schädlichkeiten des Lebens an ihre Grenze 
angelangt ist. 

Einmal ergab sich ein Hohlfuss als Ursache für den 
Schmerz, einmal schien die fehlerhafte Art aufzutreten, 
Schmerzen in den Fersen hervorzurufen, da das ganze 
Gewicht auf diese projiziert wurde, während die Zehen 
kaum den Fussbod*n berührten. Eine Korrektur durch 
geeignete Einlagen in die Stiefel schaffte bald Abhülfe. 
Dass ungeeignetes Scbuhwerk mannigfache Schmerzen 
bedingen kann, braucht nicht weiter erörtert zu 
werden. 

Die Gicht und die Adipositas sind häufig die einzig 
nachweisbaren Ursachen von Fussscbmerzeu. Erstere 
ruft häufig Schmerzen in der Ferse oder dem Gebiet 
der Achillessehne hervor oder äussert sich in Schmerzen 
der vorderen Plantarhälfte. Die akuten schmerzhaften 
Gicbtanfölle in der I. Zehe oder der Ferse sind bekannt, 
sodass ich auf sie hier nicht eingehe, viel häufiger sind 
die oben beschriebenen, permanenten Schmerzen, die 
nur mit Rücksicht auf den Allgemeinzostand, das Vor¬ 
handensein von Tophi und später zu erörternde Kri¬ 
terien als gichtische aufgefasst werden können. Auf dem 
Boden der Stoffwechselstörung dürfte sich gelegentlich 
eine Neuritis entwickeln, die Schmerzen macht. Aehn- 
liehe Verhältnisse liegen wohl auch bei den Schmerzen 
der Fettleibigen vor; es kommt noch die erhöhte Inan¬ 
spruchnahme der Tragfähigkeit der Beine bei dem hohen 
Körpergewicht hinzu, sowie die ungünstigen Zirkula- 
tionsverhältnisse. 

Recht häufig klagen Frauen im klimakterischen Alter 
über Schmerzen in deu FnssBn, was unter anderem auch 


in deu Zirkulationsbedingungen der Beckenorgane be¬ 
gründet sein mag. 

Auf Störung der Zirkulation in den Beinen oder den 
benachbarten Kreislaufgebieten des Beckens bernhen die 
nicht seltenen Schmerzen bei Varicen, Phlebolithen, Ve¬ 
nenthrombosen, Haemorrhoiden und den durch Stauungs¬ 
oedeme hervorgerufenen Fussschinerzen; in letzterem 
Falle werden die Hautnerven durch den Druck des 
Oedems irritiert. In einigen Fällen waren unbestimmte 
Schmerzen und eine geringfügige Abmagerung der be¬ 
treffenden Muskeln die ersten Anzeichen einer zentral- 
wärts gelegenen arthritischen Affektion, die an sich zu¬ 
nächst keine Symptome gemacht hatte. 

Im jugendlichen und Kindesalter habe ich 14 Mal 
Schmerzen in den Beinen beobachtet, die durch Chlorose 
oder Anaemie bedingt waren und auf roborierende Diät, 
Eisentherapie etc. sohwauden; bei dem allgemeinen Blut¬ 
mangel kommen eben die peripherisch gelegenen Kör¬ 
perteile in der Ernährung am ehesten zu kurz uod rea¬ 
gieren durch Schmerzen; dieselben sind wohl neuriti- 
seber Natur und analog den Rückenraarksveränderungen 
bei Anaemie auf die insuffiziente Blu(Versorgung zu- 
rnckzuführen. 

Eine ausgesprochene Neuritis an den Nerven der un¬ 
teren Extremität habe ich nur 7 Mal beobachtet. Es 
handelte sich um 2 einseitige Peroneuslähmungen mit 
Schmerzen im Anschlags an die Geburt, um eine doppel¬ 
seitige Neuritis des Peroneus bei einer älteren Frau und 
eine einseitige Neuritis bei einer fettleibigen 50-jährigen 
Fran; eine Peroneus-Nenritis betraf einen Mann von 
41 Jahren. 2 Mal war eine Neuritis im Gebiet eines 
n. cutaueus femoris lateralis (Bernhard-Roth’sche 
Paraesthesie-Meralgia paraesthetica) Anlass zur Konsul¬ 
tation. Die letztere Neuritis ist übrigens als nebensäch¬ 
licher Befund bei Personen, die sich gut zu beobachten 
pflegen, nicht ungewöhnlich. 

Der Alcoholismus chronicus und der Diabetes ergaben 
sich in einigen Fällen als aetiologisches Moment für 
Schmerzen in den Füssen. 

Bei Berücksichtigung der bisher erwähnten Momente 
bleiben noch etwa 15 pCt. der Fälle übrig, die ich in 
das Gebiet der neurasthenischen und hysterischen, sowie 
4 pCt. — in die Kategorie der unbestimmten Schmerzen 
rangieren möchte. 

Die neurasthenischen Schmerzen zeichnen sich vor 
allem durch das Fehlen aller obenerwähnten Momente aus, 
die eine andere Deutung des Schmerzes zuliessen. Sie 
sind meist doppelseitig, unbestimmt in der Lokalisation 
und nach der Art ihres Auftretens, häufig uehmen sie 
bei Bewegung ab und werden erst in der Ruhe empfuu- 
den; es finden sich meist auch andere Zeichen der Neu¬ 
rasthenie-Ermüdbarkeit, cerebrale Beschwerden, Reiz¬ 
barkeit, vasomotorische Symptome etc. Die hysterischen 
Schmerzen verraten sich ebenfalls durch die atypische 
Lokalisation, die Abhängigkeit von seelischen Zuständen, 
das Schwinden derselben bei Ablenkung der Aufmerk¬ 
samkeit, die unmotivierte, oft sehr bedeutende Beein¬ 
trächtigung der Gehfähigkeit, der unaufklärliche Wechsel 
zwischen Perioden völligen Fehlens und «furchtbarer 
Heftigkeit» der Schmerzen; oft genügt schon der hyste¬ 
rische Aligeineinzustand zur Feststellung der Schmerzen; 
nicht selten finden sich halbseitige Hypaesthesieen oder 
Anaesthesieen und andere Zeichen der Hysterie; die 
Nervenstämrae in den befalleneu Gebieten sind druck¬ 
empfindlich, doch findet man solches auch in entlegenen 
Körperteilen; andererseits gelingt es durch Ablenkung 
der Aufmerksamkeit eiue bis dahin schmerzhafte Stelle 
intensiv zu drücken, ohne Schmerzen auszulösen und ei¬ 
nen bis dahin schmerzfreien Punkt durch Suggestion in 
einen schmerzenden zu verwandeln, 


Digitized by ^ooQie 



:2ß 


Die «unbestimmten Schmerzen» nehmen bei sorgfäl¬ 
tiger Berücksichtigung der oben erwähnten aetiologi- 
schen Faktoren nur 4 pC-t. in Anspruch. Es handelte 
sich fast ausehliesslich um weibliche Kranke, bei denen 
eine typische Schmerzform nicht nachgewiesen werden 
konnte. 

Meine Herren, Sie werden gewiss die «rheumatischen» 
Schmerzen in dieser Schilderung vermisst haben; nun 
wollte ich gerade durch diesen Vortrag den Versuch be¬ 
kunden, die rheumatischen Schmerzen in den Füssen als 
eine äusserst seltene, wohl meist zu «demaskierende* 
Erkrankung aus der Pathologie zu streichen. Jedenfalls 
sollte man mit der Bezeichnung rheumatischer Schmer¬ 
zen in den Fällen, wo eine palpable Erkrankung des 
Muskel- und Gelenkapparates nicht vorliegt, viel zu¬ 
rückhaltender sein als es bisher geschehen ist. Man hat 
eigentlich nur das Recht von «Muskelrheumatismus» zu 
reden, wo deutliche Muskelschwielen oder eine Myo¬ 
sitis mit vorausznsetzender pathologisch-anatomischer 
Grundlage vorliegen. Diese Fälle sind aber äusserst sel¬ 
ten, wenigstens in der ans chronischen Kranken be¬ 
stehenden baineologischen Klientel. Ich habe keine sol¬ 
chen gesehn (an den Armen beobachtete ich 2 mal Mus¬ 
kelschwielen als Ausgangspunkt diffuser Schmerzen). Es 
ist daher im Interesse einer exakteren Diagnostik und 
rationelleren Therapie in jedem Kall von unbestimmten 
Schmerzen in den Füssen — zunächst auf die Annahme 
von «Rheumatismus* zu verzichten und an die erwähn¬ 
ten Eventualitäten zu denkeu. 

Gestatten Sie, meine Herren, dass ich noch in Kürze 
pie massgebenden Gesichtspunkte für die Differential - 
diagnose hervorhebe: 

Ischias: 

Meist einseitig. Meist aknter Beginn. Druckpunkte. Häu¬ 
tiges Fehlen des Aohillesreflexes. Schmerzen exacerbieien 
nachts, Bewegung; ohne wesentlichen Einfluss, in chronischen 
Fällen sogar die Schmerzen lindernd, Skoliose, Lasöguesehea 
Phänomen- 

Sklerose der Fnssarterieu. 

Häutig: einseitig Fehlen der Fnsspulse. Typische Schmerzen, 
beim liehen auftretend, in der Ruhe schwindend. 

P 1 a 11 f n s s. 

Abflachung des Fussgewölbes. Hftnti? doppelseitig. Stehen 
schmerzhafter als Geben. Gehen in Stiefeln bequemer. Loka¬ 
lisation des Schmerzes im Knie oder der Innenseite des 
Unterschenkels. Vasomotorische Begleiterscheinungen. Kom¬ 
bination mit Arteriosklerose zu prüfen'. 

G i e h t, A d i p o s i t a 8. 

Meist doppelseitig. Allgemeinzustand! Gichtknoten am Dor- 
sum pedis und ao den Fingern. Die Schmerzen sind in der 
Ruhe am grössten und nehmen bei Bewegung ab. 

H y s t e ri e. 

Meist doppelseitig. In der Rnhe—Zunehmen der Schmerzen. 
Hysterische Serisibilitätsstörungen. Analoge Schmerzen in 
der gleichseitigen Hand. Hysterischer Allgemeinzustand. Ein¬ 
fluss psychischer Faktoren auf die Entstehung der Schmer¬ 
zen. 

Neurasthenie. 

Meist doppelseitig. Beweguug und Ablenkung bessert die 
Schmerzen. Allgemeinznstand! Soustiger negativer Befund. 

Anaetnie. 

Meist doppelseitig. Allgemeinzustand! Bei längerem Gehen 
treteu Schmerzeu auf, in der Ruhe fehlen sie. 

Meine Herren! Ich bin weit davon entfernt andeuten 
zu wollen, dass ich mit dieser Schilderung die Zustände, 
welche zu Schmerzen in den Füssen führen, erschöpft 
habe. Ich hatte nur die Absicht, mein verhältnis¬ 
mässig grosses Material Ihnen zu skizzieren, um auf 
diese Weise die häufigsten Ursachen zur Sprache zu 
bringen und ich werde meiu Ziel erreicht haben, wenn 
ich in dieser praktisch so wichtigen Frage die Orien¬ 
tierung erleichtert haben sollte. 

Noch einige Worte zur Therapie. Ueber die Behand¬ 
lung der Ischias brauche ich zu den zahllosen Vorschlä¬ 
gen medikamentöser und lokaler Behandlung nichts hin¬ 
zuzufügen; ich habe fast stets Jodkali verordnet — der 
Nutzen der Schwefelbäder ist entschieden sehr gross 


und wäre in hartnäckigen Fällen eine Badekur in Kem- 
mern immer indiziert. Weniger Erfolg habe ich bei den 
anderen Kranken gehabt. Bei der Sklerose der Fussar- 
terien bewährte sich mehrmals eine Badekur in Ilapsal, 
die mit k unstgerechter Massage kombiniert wurde: 
für den häuslichen Gebrauch sind Jodpraeparate und 
galvanische Fussbäder bei Schonung der Füsse vor 
Kälte und Ueberanstrengung zu empfehlen. Der Platt- 
fuss erheischt die Korrektur durch den Stiefel oder chi¬ 
rurgische Behandlung. 

Die übrigen Zustände weichen oft einer auf den 
Allgemeinzustand gerichteten Behandlung. 


BUcheranzeigen und Besprechungen. 

Prof. Dr. J. Schwalbe: Jahrbuch der praktischen 
Medizin. Jahrgang 1901. (Verlag von Enke. Stuttgart 
1904. Preis 10 Mark). 

In diesem Jahre recht frühzeitig erschienen, liegt nit-n der 
Besprechung der XXVI. Jahrgang des Jahrbuches vor. Die 
grossen Vorzüge dieses Buches sind ja schon oft in unserer 
Wochenschrift gelegentlich der Besprechung früherer Jahr¬ 
gänge herausgestrieben worden, dasselbe besitzt bereits einen 
enormen Auliängerkreis unter den Aerzten, trotzdem sei hier 
nochmals auf den eminenten Wert desselben gerade für deu 
in seinem Berufe stehenden Praktiker aufmerksam gemacht. 
In erster Uuie das praktische Interesse im Auge habend, 
hat es Schwalbe verstandeu, unter der Mitarbeiterschaft 
vieler hervorragender Gelehrten in deu nach den einzelnen 
Spezialitäten abgefamten Kapiteln zusammenhängende Sam¬ 
melreferate über die neuesten Errungenschaften der For¬ 
schung in dem letzten Jahre zn bringen. Dabei ist nur das¬ 
jenige aufgenoinmen worden, was für den Praktiker unmit¬ 
telbar wissenswert sein könnte, der gauze theoretische Teil 
der Forschung ist als unnützer Ballast bei Seite gelassen 
worden. 

Der Inhalt des Jahrbuches entspricht vollkommen demje¬ 
nigen, was es nach Absicht des Verfassers sein soll, und 
zwar ein kritischer Jahresbericht für die Fortbildung der 
praktischen Aerzte. 

Der seit ein paar Jahren herabgesetzte Preis innss im Ver¬ 
hältnis zum Gebotenen für äusserst gering erachtet werden. 

Heckei - . 

J. de BleeouVt und G. N i j h o f f: Fünflingsgeburten. 
(Groningen. Verlag von Wolters 1904). 

Die in niederländischer und deutscher Sprache verfasste 
Arbeit enthält die Beschreibung eines Falles von Fünflings¬ 
geburt und schliesst daran ähnliche i n der Literatur be¬ 
schriebene Fälle an. Pat. der oben genannten Verff* war 34 
Jahr alt, hatte einmal normal geboren. Nach 6-monatlicher 
Menopause wurden Fünflinge geboren (l-tes Kind Mädchen: 
2-tes Mädchen; 3. Knabe; 4. Mädchen; 5. Mädchen). Die Aus- 
stossung der einzelnen Kinder folgte rasch auf einander. Das 
Gesamtgewicht derselben betrng 3150 Gramm, alle Kinder 
lebten, doch nur eine Stunde Die Placenta wog 783'/s Gramm, 
zeigte an der foetalen Seite eiue Einteilung in fünf geson¬ 
derte Räume. Nr. 1, 2 und 5 waren eineiige Drillinge, Nr. 4 
und 3 zweieiige Zwillinge. Die Matter genas. Mehrere vor¬ 
zügliche Abbildungen machen dem Leser die Verhältnisse 
klar. Die Verff. führen 27 Fälle aus der Literatur uud Chro¬ 
niken an. Der erste aufgezeichnete Fall wurde 1648 in Paris 
verzeichnet. L i n g e n. 


Mitteilungen 

aus der Gesellschaft praktischer Aerzte 
zu Riga. 

S i tz u n g v. 21. J an u a r 1904°). 

1. Dr. M. E li a sb e r g demonstriert vor der Tagesordnung 
einenFall von amaurotischer, familiärerldio- 
tie, und stellt für die nächste Sitzung eine genauere Be¬ 
sprechung dieser Kraukheit in Aussicht. 

2. D r. Engel mann demonstriert einen Fall von 
Lues haeinorrhagica. 

Die Patientin ist 26 Jahre alt, verheiratet, hat eiumal ge- 
i boren, das Kind ist im 2. Lebensjahre gestorbeu. Ihre Er- 
i krankung begann vor 3 Jahren angeblich nach einer Ver- 
I letznng am Rücken. Es bildeten sich schmerzende Geschwüre, 


*) Dei- Redaktion zugegangen am 5. Januar 1905. (D. Red ). 


Digitized by 


Google 


37 


die nnter Jodoformbehandlnng hellten, während neue anf- 
traten. 

Jetzt finden sich am Röcken beiderseits neben der Wirbel- 
sänle und vorn ein Abdomen zahlreiche rundliche Narben, in 
denen stellenweise Gefässe sichtbar sind. Die Haut des Ab¬ 
domens and des Rückens erscheint durch Gefässzeichnung 
stark marmoriert. An einigen Stellen in der Umgebung der 
Narben sieht man an circnmscripten Stellen stark dilatierte 
Gefässe. in deren Umgebung es zu ca. 10-K opekenstück- 
grossen Ekchyraosön gekommen ist. An 2 Stellen 
Hilden sich in der Heilung begriffene buchtige Ulcera.'die 
stets empfindlich sind. Diese Ulcera sind aus den erwähnten 
Ekchymosen nnter zunehmender Schwarzfärbung der Haut 
entstanden. 

Sonstige luetische Symptome ausser leichter allgemeiner 
Drnsenschwellnug fehlen. Augenbefund normal. Der Ernäh¬ 
rungszustand war bei der Aufnahme der Patientin stark re¬ 
duziert, es bestand Anämie, und es fanden sich zahlreiche 
Ulcera. Erst unter antiluetischer Behandlung gelang es die 
Ulcera in ausgedehnterem Masse zur Heilung zu bringen. 
Pat. erholte sich, nahm an Gericht zu. und in der letzten 
Zeit ist es wohl noch zu schmerzhaften Ekchymosen. aber 
nicht mehr zur Ulceration gekommen, während in der ersten 
Zeit das Entstehen der Ulcera aus den Ekchymosen deutlich 
verfolgt werden konnte. Dieser Verlauf spricht wohl für die 
Annahme einer Inetischen Affektion. Die Untersuchung anf 
Tuberkel- und Leprabazillen ergab ein negatives Resnltat. 

(Autoreferat). 

3. D r. 0. B re hm (als Gast) hält seinen angekündigten 
Vortrag über: «Die komplizierten Kontusionen 
des B a u c li e 8». 

Es wird auf Grund von 34 Fällen aus der 1. chirurgischen 
Abteilung des Rig. Stadtkrankenhanses die Frage der kompli¬ 
zierten Banchkontusionen speziell hinsichtlich der Diagnostik 
behandelt. Obwohl man, gestützt auf eine Reihe wertvoller 
Symptome, die Diagnose dev subkutanen Organverletzung im 
Bauche in einer nicht kleinen Anzahl der Fälle sicherstellen 
kann, bleibt stets eine Reibe von dubiösen Krankheitsbildern 
übrig, bei denen die Diagnosenstellung und somit die Indi¬ 
kationsstellung zur Laparotomie dem subjektiven Ermessen 
anheimgestellt werden muss. Da speziell bei den komplizier¬ 
ten Kontnslonen die Gefahr der Peritonitis eine enorm grosse 
ist, so muss möglichst früh operiert werden, die Indikations¬ 
stellung darf daher nicht, zu sehr eingeengt werden, besonders 
wo es sich um Verletzungen des Magendarmkanals handelt. 
Bei Nierenrupturen dagegen ist in dem meisten Fällen die 
exspektative Behandlung vorznziehen. Die Heilungsresultate 
sind am Rig. Krankenhause im allgemeinen wenig befriedi¬ 
gend, namentlich bei den Rupturen des Magendarmtraktns, 
was sich aus der Tatsache erklärt, dass die Fälle in der 
grössten Mehrzahl zu spät kamen; im Durchschnitt kamen sie 
nach mehr als 24 Stundeu und hatten alle bereits Peritonitis. 
Von 34 Fällen wnrdeu 14 geheilt, 20 starben, doch stellt sich 
das Verhältnis tür die einzelnen Organe sehr verschieden. 


Von 


2 Magenrupturen wurde 0 geheilt 2 starben 

2 Leberrupturen » 1 » 1 » 

4 Milzrupturen » 2 » 2 » 

9 Nierenrupturen » U » 0 » 

15 Darmruptnren » 1 » 14 » 

2 Blaseuruptaren » 1 » 1 » 


Aus den Tatsachen, dass einerseits die Diagnose der Organ¬ 
verletzung bei Banchkontusionen sehr schwierig ist, dass 
andererseits die Fälle erfahrnngsgemäss sehr spät in die 
Hände des Chirurgen kommen, folgt das uneingeschränkte 
Resultat für den praktischen Arzt, jede Bauchkontusion ohne 
Ausnahmen so schnell als möglich chirurgischer Behandlung 
zu überweisen. 


(Autoreferat). 

D r. Bosse bemerkt zu der Forderung D r. Brehms: 
den Kranken vor dem Transport in’s Hospital kein 
Opium zu reichen, ob nicht die Darreichung von Morphium, 
das ja den Darm nicht beeinflusst, als schmerzstillendes Mit¬ 
tel indiziert sei? 


Dr. Brehra : Ein vorsichtiger Transport werde im Gan¬ 
zen auch ohne Morphium gut vertragen. Letzteres habe den 
grossen Nachteil, dass es, gerade durch Beseitigung der 
Schmerzen)ptindlichkeit die Kraukheit verschleiere und so eine 
schnelle Diagnose störe. 

Dr. Schubert wendet sieb gegen die vom Vortragenden 
betonte Unterscheidung zwischen dem klassischen Bilde des 
Frühstadiums der Bauenkontusion und der späteren Peritoni¬ 
tis und vertritt die Annahme, dass es sich im Frühstadium 
schon um Peritonitis handle. ,Die für dieses Stadium als 
charakteristisch geltende brettharte Spannung der Bauch¬ 
decken käme auch bei sonstiger lokaler Peritonitis vor. Auch 
nnsere medizinische Vorstellung vom Vorgänge bei der durch 
die Kontusion gesetzten Darm Verletzung nötige nns, einen 
frühen Beginn der Peritonitis anzunehmen. 


Dr. Brehm: Gegen die Annahme Dr. Schaberts 
spricht das schnelle Schwinden der stürmischen initialen 
Symptome, die ja sonst bei vorhandener Peritonitis zuneh¬ 
men müssten. 

Das Frühstadinm sei als eine Art Latenzzeit aufzufassen, 
in der möglicher Weise die Perforationseröftnung dnreh 
Schleirapfröofe verschlossen würden. Erst nach Ansstossung 
derselben käme es zu Peritonitis. 

Wie der Choc zustande käme, sei schwer zu erklären. 
Auch die Autoren seien sich darüber nicht klar Um Reizung 
des Peritoneums könne es sich kaum handeln, da bei perito¬ 
nealer Reizung ans anderen Ursachen die Banchdeckenspan- 
nung häufig fehle. 

Dr- Schabert: Eine sichere makroskopische Diagnose 
im Frühstadinm werde wohl nur in sehr ausgesprochenen 
Fällen möglich sein. Selbst die Ohduction gehe oft nur wenig 
Aufschlüsse. Es handle sich häufig nnr um leichte Injektion 
der Serosa. Entscheidend sei daher nur eine bakterielle 
Untersuchung. 

Dr. Mandelstamm II. berichtet über einen Fall aus 
seiner Praxis vor 8 Jahren, der seiner Ansicht, nach heweist, 
dass die Diagnose einer stattgefnndenen Bauchkontusion 
nicht immer leicht zu stellen sei. Er wurde zu einem 8-jäli- 
rigen Knaben gerufen, der über leichte Leibschmerzen k'agte. 
Seit etwa 24 oder 30 Stunden kein Stuhl. Leib weich, nicht 
schmerzhaft, keinerlei besonders empfindliche Stellen. Anf 
spezielles Befragen gab Pat. an, beim Springen auf ein Bal¬ 
kenende mit dem Abdomen aufgesprungen zu sein, doch sei 
der Schmerz nicht besonders heftig gewesen. In Anbetracht 
der Stuhlverhaltnng und dev Abwesenheit irgendwie beun¬ 
ruhigender Symptome verordnete Ref. Ricinusöl und Pries- 
iiitz’eche Umschläge und bat die Eltern ihn sofort zu benach¬ 
richtigen, falls irgendwelche Veränderungen im Zustande des 
Pat. eintreten sollten. Er wurde jedoch erst atn nächsten 
Morgen wieder liingehaten — nach ca. 18 Stunden — und 
war Pat. unterdessen bereits von mehreren Kollegen unter¬ 
sucht. worden, die verschiedene Diagnosen gestellt hatten: 
Meningitis, Volvulus- Als Ref. den Pat. wiedersah. war 
derselbe nicht wiederzuerkennen: absolute Bewusstlosigkeit, 
ad maxiraum weite Pupillen, Erbrechen bliitiger Masseu, aus¬ 
gesprochene Peritonitis. Ex consilio mit einem schnell herbei¬ 
geholten Kollegen wurde beschlossen, den Kranken behufs 
Operation in’s Krankenhaus zn schicken, doch gingen die 
Eltern darauf nicht ein, und der Pat. starb einige Stunden 
später. Ref. vermutete erst nachträglich, dass im betr. Falle 
eine Magen — oder Darmruptur Vorgelegen hatte. Die Tat¬ 
sache. dass von verschiedenen Kollegen verschiedene Diagno¬ 
sen gestellt worden waren, während niemand an eine Bauch- 
kontusiou gedacht, hatte (mit event. Darm- oder Magenruptur) 
spricht nach Ansicht des Ref. dafür, dass der Fall nicht leicht 
zu deuten war. Jedenfalls fehlten hier die klassischen Symptom, 
von denen der Herr Vortragende gesprochen hat. 

D r. v. Bergmann: Im Frühstadinm fehle meist jeder 
die Annahme einer Darmpeiforation beweisende Befund. Da 
sei das durch die Anamnese eruirte aetiolog. Moment: die 
auf das Abdomen cirkuniskript einwirkende Gewalt, die ein¬ 
zige Stütze für die Diagnose Dieses Moment, sowie die bald 
eintretende bretthalte Spannung des eingezogenen Leibes, 
sei für die Notwendigkeit eines Eingriffes bestimmend. Es 
werde gewiss Vorkommen, dass auch unnütz laparotoraiert 
würde. Andererseits sei ein Abwarten für den Kranken zu 
gefahrvoll. 

Dr. Mandelstara in: Herrn Dr. v. Bergmann 
möchte ich erwidern, dass in. E. Gespanntheit der Baucli- 
deckeu und Schmerzhaftigkeit anf eine beginnende oder be¬ 
reits eingetretene Peritonitis hindeuten. Dann sei die Diagnose 
einer stattgeliabten Kontusion vielleicht leichter. Im vorlie¬ 
genden Falle fehlten aber, als ich den Kranken zuerst sah, 
jeue Symptome: der Leib war ganz weich, nicht schmerzhaft. 

(Autoreferat). 

Dr. Brehra: In eiuem Falle von BauchkontusionTtraten 
erst am 6. Tage Schmerzen mit allgemeiner Verschlimmerung 
auf. Bei der Operation fand sich ein Kotabszess, der unter 
Bildung mehrerer Kotiistelu heilte. Einer zur Beseitigung 
derselben später vorgenommenen zweiten Operation erlag 
Patient. Bei der Operation fand sich im Abszess ein Kot- 
balleo, der durch eine gleichfalls nachweisbare Perforations- 
Öffnung hineingedrungen war. 

Dr. Voss richtet an Vortragenden die Frage, ob der in 
seiner Statistik aufgeführte einzige Heilungsfall bei kompli¬ 
zierter Kontusion in einem frühen oder späten Stadium zur 
Operation gekommen sei? 

Dr. Brehm: Besagter Fall sei der am frühesten von 
allen operierte, und zwar 4 Stunden* nach der Verletzuug. 

d. Z. Sekretär: S- K r ö g e r jnn. 


Digitized by i^ooQie 



28 


Vermischtes. 


— Unserem berühmten Landsmann, dam ordentlichen Uni- 
versitätsprnfessor nnd Generalarzt h la suite des Sanitäts- 
koriis, Wirkl, Geheimen Medizinalrat Dr. E. v. Be r ermann 
in Berlin, ist der K ö n i g 1. Preussische Kronen¬ 
orden I. Klasse verliehen worden. 

— Der Ober-Milifär-Medizlnslinspektor, Präsident des mili¬ 
tär-medizinischen Komitees und beständiges Mitglied des Me¬ 
dizinalrats, Geheimrat Dr. S per a n sk i, ist z u m Leih- 
medikngdes Hofes Sr. Kaiserlichen Majestät 
ernannt worden, mit Belassung in seineu gegenwärtigen 
Aemtern. 

— Der Obermedizinaliuspektor des Ministeriums des Innern. 
Geheimrat Dr. R. v. A n r e p, ist auf 28 Tage in’s Aus¬ 
land heurlanbt. 

— Wie wir hären, ist der bekannte Chirurg Dr. X. Dora- 
browgki, älterer Arzt am Kinder-Hospital des Prinzen 
von Oldenburg, an Dr. Fomins Stelle zum Oberarzt 
des hiesigen Börsenhospitals gewählt worden. 

— Wie verlautet, tritt der Leihakkonchenr Prof. Dr. Ott 
von der Stellung als Direktor des weiblichen medizinischen 
Instituts zurück. 

— Der Chef des Medizinalwesens des abgeteilten Korps der 
Grenzwache, Geheimrat Dr. S r 1» a p i r o w, ist znm Medi- 
zinalinspektor dieses Korps nnd sein Gehülfe, 
Staatnrat Dr. G n r j e w. zum G e h ii 1 f e n desMedizinal- 
inspektors des Korps der Grenzwache nmbe- 
n a n n t worden. 

— Vor Kurzem beglne der ältere Arzt des städtischen 
JauRa-Krankenlianses in Moskau, Dr. Elias 8 c h 1 o s s b e r?, 
das 30-jäbrlge Jubiläum seiner Tätigkeit an 
diesem Hospital. (R Wr.). 

— Von der medizinischen Gesellschaft bei der Odessaer 
Universität, sind die Professoren E. Adamjnk, K. Arn¬ 
stein, J. M e t* ch n i k o w , F. 0 w « j a n i k o w, I. P. 
Pawlow, Th. Eris mann nnd Dr. Ronxzn Ehren¬ 
mitgliedern gewählt worden. 

— Dem Oberarzt der St. Petersburger Gefäncnishospitäler, 
wirkl. Staafsrat Dr. W i 1 b. Strn h m . ist der St. Stanis¬ 
laus-Orden I. Klasse verliehen worden. 

— Für Auszeichnung in den Kämpfen gegen 
die Japaner sind der Korpsarzt des 3. sibirischen Armee¬ 
korps D r. R ja bin in. sowie der Festungsnrzt von Port- 
Arthur, Divisionsarzt der I. ostsibirischen Schützen-Division 
Dr. Subbotin, zu wirklichen Staats täten be¬ 
fördert worden. 

— Befördert zu wirklichen Staatsräten sind 
die Petersburger Aerzte: Dr. J ii 1 i n s S e r c k , Ehrenmit¬ 
glied des Kaiserl. Patriotischen * Frauenvereins, D r. v. 
P u t e r e n . Oberarzt des St. Petersbnreer Findelhauses, Dr. 
Robert Bnrsian, Kurator des hiesigen Kinderasyls zum 
Andenken an den Cäsarewitsch Georg Alexandro- 
witsch und Dr. Wjashlinski, Oberarzt des Nikolai- 
Kinderhospitals. 

— Verstorben: 1) Am 16 Januar in St. Peters¬ 
burg der Leibmedikns des Allerhöchsten Hofes, Geheimrat 
Dr. Theodor R o s e h t s c li i n i n , im 64. Lebensjahre. 
Nach Absolvierung des Gymnasialkursus war der Hingeschie¬ 
dene anfangs Lehrer in einem Privatpensionat, studierte dann 
Philologie in Moskau, siedelte aber bald nach Petersburg 
über, um sich dem Studium der Medizin an der mediko- 
ehirurgischen Akademie zu widmen. Nach Erlangung des 
ArztgTades begann er seine ärztliche Tätigkeit i. J 1866 als 
Landschaftsaizt, im Ppterlmfer Kreise. Im Jahre 1883 wurde 
er zum Ehren-Leibmedikus ernannt und als Bezirksarzt bei 
der St. Petersburger Palais-Verwaltung angestellt, welche 
Stellung er bis zu seinem Lebensende inne hatte. R. gehörte 
seit einer Reihe von Jahren dem militär-medizinischen 
gelehrten Komitee als beratendes Mitglied an und ist viel¬ 
fach auch literäriech hervnrgetreten. 2) Jn Stawyopol 
(Gouv. Samara) am 28. Dezember a. pr. der dortige Land¬ 
schaftsarzt Job. Chlebnikow im Alter von 52 Jahren an 
Tuberkulose. Seine medizinische AnRbildnng hatte er an der 
militär-medizinischen Akademie erhalten. Nach Absolviernng 
seiner Studien i. J. 1877 nahm Ch. als Militärarzt an dem 
russisch-türkischen Kriege teil, nach dessen Beendigung er. 
Lsndsrhaftsarzt wurde, anfangs im Gouv. Pensa, dann in 
Stnwropoi. wo er Rieh bald eine grosse Klientel erwarb. 3) Der 
Divisionsarzt der 51. fnf.-Pivisinn Dr. W. Wassiljew im 
62; Lebensjahre nach 38-jähriger ärztlicher Tätigkeit. 4) In 
K i e w der freiprakt.iziei;ende Arzt Plato Lunatschar- 
sk i im Alter von 40 Jahren. Die Praxis hat der Verstorbene 
seit 1889 ausgeübt. 5) In Berlin am 17. Januar der Do¬ 
zent der Ohrenheilkunde Prof. Dr. Louis Jakobson, 
52 Jahre alt. Der Verstorbene stammte aus einem angesehe¬ 
nen Königsberger Gelehrtengeschlecht, dessen Sprossen sich 


besonders in der Medizin hervorgetan haben. Sein Grogsvater 
stand als Arzt nnd Chirurg in Ansehen, sein Vater war 
Professor der inneren Medizin in Berlin nnd «ein Onkel Prof, der 
Augenheilkunde an der Königsberger Universität. Er splhat 
wandte sich der Ohrenheilkunde zu nnd war 14 Jahre A«*l- 
stent an dev nniversitätsohrenklinik in Berlin, bi« er i. J. 1888 
eine eigene Poliklinik für Ohrenkrankheit*n eröffnote. Seine 
Erfahrungen hat er in seinem «Lehrhuch der Ohrenheilkunde» 
niedergelegt, welches bereits 3 Auflagen erlebt hat nnd in 
mehrere fremde Sprachen übersetzt Ist. 

— Zum Nachfolger des Professor« Jerofejew anf dem 
Lehrstuhl der Augenheilkunde ander Universi¬ 
tät 'Tomsk ist der Privatdozent der militär-medizinischen 
Akademie Dr. S. Lnbanow gewählt worden. (R. Wr.). 

— Die Gesellschaft -der Aerzte Ostsibiriens 
(in Irkutsk) hat den früheren Medizinalinspektor des Gouver¬ 
nements Irkutsk Dr. N. Makowecki znm Ehrenmit¬ 
glied e gewählt. 

— Der anch in weiteren Kreisen bekannte Marinearzt. Dr. 
Alexander v. Bunge, der sieb in Port Arthnr während 
der Belagernng der Festung befand, hat wie die Erknndi- 
gnngen seiner Verwandten an zuständigem Orte ergeben ha¬ 
ben, die Leiden der Belagerung glücklich überstanden. 

— Unter den 15.000 Verwundeten in den Hospitälern 
von Port Arthur, befindet sich auch der verwundete Militär¬ 
arzt Dr. J. K r z i w e z. 

— Wie Prof. Botkin vom Kriegsschauplatz der Grosa- 
fürstin Jelissaweta Feodorowna meldete, ist am 28. 
Dezember der Student der Tomsker Universität Paul P ro¬ 
de n t o w, welcher als Sanitär der 5. fliegenden Kolonne sich 
bei einer Kosakennatronille befand, bei einem japanischen 
Ueberfall unweit Hondonng von fünfKugeln durch¬ 
bohrt als Held gefallen. 

— Die harmherzige Schwester L. J a k o w e n k o, welche in 
Ljaojang bei Ausübung ihres Berufes im Lazarett der Oharko- 
wer'Landschaft an beiden Beinen verwundet wnrde, ist. 
nachdem ihr da« rechte Bein in Charbin amputiert worden, anf 
der Reise nach Frankreich begriffen, am 18. Januar hier ein¬ 
getroffen. 

— Ans Lodz, welche« bereits eine erhebliche Zahl von 
Aerzten für den Sanitätsdienst im Fernen Osten hat abgehen 
müssen, sind, wie die örtlichen Blätter melden, abermals 7 
Aerzte einberufen worden. Dieselben gehören der Reserve der 
älteren Jahrgänge an; einige von ihnen haben sogar 
die Reservezeit bereits überschritten, werden aber, da sie es 
versäumt haben, «ich au« der Reserve ansachreiben za lassen, 
anf Grund der letzten Erklärung des Hanptstabes in dieser 
Angelegenheit, noch zu der verfügbaren Reserve gerechnet 
und müssen daher der Einberufung Folge leigten. 

— Das Exekutivkomitee des Russ. «Roten 
Kreuzes* hat bekanntlich zur Deckung der laufenden 
Ausgaben Wertpapiere für die Summe von 400,000 Rbl. 
verkaufen müssen — wie die hiesige Zeitnng «Russ» betont, 
ein beredtes Zeugnis für das Mistranen, das die Gesellschaft 
durch Einstellen der Beiträge dem «Roten Krenz» entgegen¬ 
zubringen fort fährt. Das gen. Blatt schreibt die Schuld da¬ 
ran der mangelhaften Organisation des «Roten Kreuzes» zu, 
welches unter Ausschluss der Oeffentlichkeit und mit Missach¬ 
tung der öffentlichen Meinung tätig sei. 

— Der 22. deutsche Kongress für innere Me¬ 
dizin findet vom 12. —15. April 1905 zn Wiesbaden statt 
unter dem Vorsitze des Herrn Geheimrat Erb (Heidelberg). 
Als Verbandlungsthema des ersten Sitzungstages ist be¬ 
stimmt: Heber Vererbung. — 1. Referat: Ueber den der¬ 
zeitigen Stand der Vererbungslehre In der Biologie: Herr 
H. E. Ziegler (Jena), 2. Referat: Ueber die Bedeutung der. 
Vererbung und der Disposition in der Pathologie mit beson¬ 
derer Berücksichtigung der Tuberkulose: Herr Martins 
(Rostock). Vorträge haben angemeldet: Herr A. Hoffmann 
(Düsseldorf): Ueber Behandlung der Leukämie mit Röntgen¬ 
strahlen; Herr Paul K r a n s e ( Breslau): Ueber Rönteen- 
strahlenbehandlnng der Leukämie and Psendoleukämie: Herr 
Schütz (Wiesbaden): Untersuchungen über die Schleim¬ 
sekretion des Darmes; Herr M. Matth es (Jena): Ueber An- 
tolyse: Herr Oie mm (Darmstadt): Ueber die Bedeutung der 
Heftpflasterstfitzverbäude für die Behandlung der Bauchor¬ 
gane. Mit dem Kongresse ist die übliche Ausstellung 
von Instrumenten, Apparaten nnd Präpara¬ 
ten, soweit sie für die innere Medizin von 
Interesse sind, verbunden. 

Anmeldungen von Vorträgen und für die Ausstellung sind 
zu richten an den ständigen Sekretär des Kongresses, Ge¬ 
heimrat Dr. Emil Pfeiffer, Wiesbaden, Parkstrasse 13. 

— Epidemiologisches. Die Pest im Uralgebiet 
ist als erloschen zu betrachten. Es sind daher die zur Be¬ 
grenzung der Seuche angeordueten Massregeln aufgehoben 
und ist nur noch die ärztlich sanitäre Aufsicht beibehalten 
worden. 

Bf, 


Digitized by kjOOQie 


— Me Gesamtzahl der Kranken in den (Jlvil- 
hospitälern St. Petersburgs betrug am 8. Jan. 
d. J. 9572(266 mehr als in d. Vorw.), darunter 611 Typhus — 
(b9 mehr).879 Syphilis-(49 wen.), 283 Scharlach — (13mehr), 
109 Diphtherie — (9 mehr), 40 Masern — (5 wen.) and 19 
Pockenkrauke — (Omehr als in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 


Für die Woche vom 1. bis zum 8. Januar 1904. 
Zahl der Sterbefälle: 


1) nach (Jeschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 

P 

o 

a 

p 

o 

a 

u 

M 

ca 

<-> 

h 

J3 

SS 

h 

ja 

«s 

>-> 

h 

ja 

« 

>-5 

u 

da 

o* 

r-S 

ja 

CB 

•“S 

a. 

ja 

ca 

h 

ja 

es 

h 

ja 

ca 

i* 

ja 

cO 

h 

ja 

© 

S 

M. W. 

Sa. 

<© 

i 

<N 

| 

1 

o 

H 

1 

iß 

f—1 

1 

| 

s 

1 

O 

1 

s 

1 

8 

1 

| 

f 

•p 

a 

ja 



© 


vH 

CD 

rH 

CO 

21- 

31- 

H 

iD 

rH 

CD 

rH 

rH 

QO 


573 467 1040 260 128 184 23 14 20 81 100 94 64 81 47 15 1 


2) nach den Todesursachen i 

— Typh. exanth.O, Typli. abd.29,Febris recurrens0,TyphüS 
ohne Bestimmung der Forui 1, Pocken 2, Masern 10, Scharlach 19, 
Diphtherie 21, Group 0, Keuchhusten 2. Croupöse Lungen¬ 
entzündung 39, Erysipelas 5, Grippe 22, Katarrhalische Lun¬ 
genentzündung 172, Ruhr 1, Epidemische Meningitis 0, Akuter 
Gelenkrheumatismus 0, Parotitis epidemica 1, RotzkrankheitO, 
Anthrax 0, Hydrophobie 0, Puerperalfieber 3, Pyämie und 
, Septicaemie 14,Tuberkulose der. Lungen 113, Tuberknlc.se an* 
I derer Organe 20, Alkoholismus und Delirium tremens 15, I.e- 
bensschwäche und Atrophia infantnni 82. Marasmus senilis 45, 
1 Krankheiten des Verdannngskanals 131, Totgeborene 47. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag, d. 25. Jan. 1905. 

Tagesordnung: Schmitz: Präsidial vor trag. — Jahres¬ 
berichte der Sekretäre etc. — Wahlen — 
— Nochmalige Beratung betr. Unter¬ 
stützung durch den Krieg geschädigter 
Aerzte. 

Näch8teSitzung des Deutschen ärztlich en 
Vereins: Montag, den 14. Febr. 1905. 



ANNONCEN JEDER ART werden in der Buchhandlung von K. L. RICKER in 
St. Petersburg, Nevsky-Pr. 14, sowie in allen in-and ausländ. Annoncen-Comptoiren angenommen. 


Sirolin „Poche 


'.Boche* 


ff 


beites Goajaeol- 
ur&parat, waaaer- 
lOilteh, geruchlos, 
ungiftig. 
Vonflgl. Aatl- 
tabereul. uhdAntt* 
Diarrboletnn. 


PasfiHi 

ThioooU 

Boohe‘ 


ff 

verlässlichste, 
bequemste und 
billigst« Vetab- 
relehungsform 
des Tuoeols, 


Sulfosof -1 
syrup 
„Boche“ 


»tat 


entgiftet 
Kreosot ln Byrn e* 
ferm, eignet steh 



die idealste t&orm der 
<Xreosol~ ßezw. Snajaeol- 
cTfierapie. 

Wohlriechender, angenehm schmeckender Syrup. 

Bewirkt nach tausendfältigen Erfahrungen an Kliniken und in der Pri¬ 
vatpraxis bei Lungentuberkulose Besserung des Appetits, Hebung der 
Einährang, Zunahme des Körpergewichts, Abnahme der Nachtschweisse, 
des Hustens, des Auswurfes und der katarrhalischen Erscheinnngen. 
Weitere Indikationen: Influenza, Bronchitis, Keuchhusten. Chirurg. Tu¬ 
berkulose, allgemeine Schwächezustände, Skropbnlose. 

Nach den Erfahrungen an der kgl. med. Universitätsklinik zn Halle a. S. 
(Direktor Prof. v. M e r l n g) „erfüllt das Sirolin alle Bedingungen eines 
angenehm schmeckenden, tonischen Arzneimittels“. (Ueber die Kranken- 
hausbehandlung der Lungentuberkulose, von Dr. Hugo Winternitz, 
I. Assist, der Klinik. Deutsche Aerzte-Ztg., 1. Jan. 1902. 

Man verordnet: Sirolin Lagenam origin. Erwachsenen 3—6 Theelöffel, 
Kindern 2—3 Theelöffel täglich vor oder unmittelbar nach dem Essen, rein 

oder in Wasser. 

Vor Nachahmung wird gewarnt. Sirolin ist nur echt, wenn 
jede Flasche mit unserer Firma versehen ist. 

Alleinige Fabrikanten! 

F. Hoffmann-LaRoehe & Co., FaM dtt-plm. PmflUCte 

Basel (Schweiz) *K Orenzach (Baden). 

(127) 11-4. 


Profylin 

„Boche 


tt 


haltbares Phosphor* 
ciwelss. Wirksamer 
als die bisherigen 
organischen 
und anorganischer. 
Phosphor- u. l’hos- 
phorslureprtparate. 


jfrirol 

„ Boehe“ 


bester, geruch¬ 
loser Jodo- 
formsrsats. 


Thigenot 

„Boche“ 


synthetisches 
Schwefelprüpftoit 
mit 10*/ r org. 
trubnnd. Schwefel 
Geruchloser 
lohthyolersat» 


Digitized by 







Ausgezeichneter Ersatz für BromalkaUen — besotu 
der* wertvoll in der Frauen - und Kinderpraxis. — 
Ilromipin kann unbedenklich in grösseren Dosen 
gegeben werden. 

______ (12) 13-6. 


Ein mildes, relativ ungiftiges, in Wasser leicht 
löst ich es Morphinderivat von hervorragender 
schmerz- und hustenstillender Wirkung. Ist in 
allen l'lillen als Ersatzmittel für Morphium und 
Co dein mit Nutzen zu verwenden. 


Der beste Ersatz für * Todalkalien. Anerkanntes 
Mittel bei Lues, Bronchitis, Arteriosklerose, Skro- 
p hu! ose, Tuberkulosis indpiens, so nie in allen an¬ 
deren Füllen, in denen Jodpräparate indiziert sind 


® Originalprodukte „Heyden“ ® 

von uns in die Medizin eingeführt: 

Salicylsäure, salicylsaures Natrium, salicylsaures Wismut, Salol, 
Creosotal, Duotal, Xeroform, Orphol, Solveol, ltro), Coflargol, 

Acoin etc. I 

Neu: Salocreol und Salii, f„ u L* himaliich« e u n J^eu“t 

gischer Erkrankungen. Salit ausserordentlich billig; Salocreol noch von 
spezieller Wirkung bei Erysipelas faciei, Lymphadenitiden und skrofu¬ 
lösen Drüsenanschwellungen. 

Vp|| ( PaIaJaI leicht assimilierbares Eiweisspräparat zur sub- 
wälQUäl, k u t a n e n, ganz besonders aber auch zur r e k t a- 
len Ernährung und zur Darreichung per o s als Kraftnährmittel. 

Wir fabrizieren in bester Qualität Acetylsalicylsäure, 

, in Substanz und als leicht zerfallende Tabletten, Guajacol, cryst. und 

liquid.. Benzonaphtol, Phenacetin, Lactophenln, Hexamethylentetramin, 
Diacetyimorphinum hydrochlor. etc. 

Literatur durch 

Chemische Fabrik von Heyden, Eadehenl-Bresden, 

oder deren Vertreter: (21) 10—2. 

R. Crottet,W. 0., Sredny Prcsp., 8,8t. Petersburg. 


Sanatorium Villa Primaten. 

Gardone Riviera, Italien. 

Prospekte des Sauitätsrats Dr.Koenig«r. 


Verlag von August Hirschwald in Berlin 


Soeben erschien: 

Lehrbuch 

der 

speeiellen Chirurgie 

für Aerzte und Studlrende 

von Geh. Med.-Rath Prof. Dr. F. König. 
Achte Auflage. 

111. Band, er. 8. Mit 158 Holzschnitten 
1905.- 17 M. 

Preis des vollständigen Werkes 49 M. 


xxxxxxxxxxxxx 


ANSTALT FÜR WARME BAEDER 



(4) 17-14. 


Eigenthum der Französischen Regierung. 

BADE-SAISON. 

In der Anstalt VICHY, der besteingerjchteten in ganz Europa, sind 
vorhanden Bäder und Douchen zur Heilung von Magen-, Leber-, Harn¬ 
blasen-, Harnsalz-, Podagra und andere Krankheiten. 

Täglich vom 15. Mai bis zum 30. September Theater und Concerte im 
Casino. Musik im Park. Lesecabinetts. Gastzimmer für Damen, Spiel-, Sprech¬ 
säle und Billards. Alle Eisenbahnlinien sind mit VICHY verbunden. Frank¬ 
reich, Departement Allier. 


X 

X CO 

X .s 

X £ 

X . <£ 

X u • 
X £» fe 
X -2 £ 
X 09 cd 
XE S 


- -s | . JS 

CO gss- J i 

s £.** • s 


•°gä 

-o — *-< 

2 

® S 


SE- 

enknrse 
| 1905. 

t Herr 


X M CO w g g W 

SS GO ^ ,® £ 5 « t* 

X M X 

Um w a W 

§ ® | § £ o | “ 5 

X-g g g ggf J 5 • X 

X 2 s X 

x ä fe e ° x 

* e« ® lisli! $ 

zm *- m -5 s 

x ~ I i • x 

8 I fpHi 

X ► « M X 

XXXXXXXXXXXXX 


£ Sgög 

< »- hr ® •**' « 

g . c £ » f 

5 ® ® i.. -o • 

| Sl« 2 S 

E *gg * ° 

. ÜZ a C L, ra +£ 

X BfJ O f 
* 3 ü fl 

s iusr 3 i 

e§H 3 I 
“1 fl 5 £ 

JiS. 

4 " ” ca .Ä 
2 • & 
fi 


Ä 08B< uees Cn6., 24 flBBapa 19P5r. Herausgeber Dr. Budolf Wanach. Bnchdntckerei v. A.Wienecke, KatbftrinenhoferPr.Jiilß. 


Digitized by 


Google 













GENERAL l’fWi'AfiY, 

UN1V. OF MiCil. 


XXX. JAflkdAlto. 



MAR 80 1905 
Nene tfolge XXH. Jahfg. 



unter der Redaktion von 


Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Jurjew (Dorpat). Riga. 

Or. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger MedicinischeWochenschrift“ erscheint jeden 

Sonnabend.—Der Aboiaamantepreia ist in Bassland8 Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl* für das halbe Jahr incl.Postzustellung;in den andsrsn 
Lindern 30 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. DerXnsartionmeis 
für die 3inalgespaltene Zeilen inPetitist !6Kop.oder35Pfen.—Den 
Autoren werden 25 Separatabzügeihrer Originalartikel zugesandt. 
-^Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


Vf* Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate 'Wi 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von Z. L. Bieter 
in St. Petersburg, Newsky-Prospekt .Ns 14, zu richten. — Xanus- 
cyipte sowie glleauf die Redaktion bezüglichen Mitteilungenbit- 
tet man an den stellvertretenden geschäftsführendenRedak- 
teurDr.Z. Blessig in St. Petersb., Wassili Ostrow, 1 Linie JVs 28 
zu richten. Sprechstunden täglich von 4—6 Uhr. . 


M 4 


St. Petersburg, den 29. Januar (13. Februar). 


1905. 


Inhalt: Dr. Vax Bach: Das Globusgefühl. — Referate: Znr Frage der Metbylalkoholvergiftung. — Anszng aus 
den Protokollen der medizinischen Gesellschaft za Dorpat. — Vermischtes. — Mortalitäts-Bulletin 
St. Petersburgs. — Anzeigen. 


Dieser J>6 Hegt N 2 1 der c Revue der Russischen Medizinischen Zeitschriften» bei. 


Das Qiobusgefühl. 

(Vorläufige Mitteilung.) 
Von 

Dr. Max Buch. 


Der segenannte »Globus hystericus» wird fast 
in sömmtlicben Lehrbüchern als Krampfsensatiou am 
Oesophagus definiert. Globus und Oesophagismus wären 
somit identisch. Wenn man jedoch reine Fälle von 
Globus und Oesophagismus mit einander vergleicht, so 
zeigen sich grosse Unterschiede. 

Beim Oesophaguskrampf finden sich immer Schlingbe¬ 
schwerden, ja diese gehören durchaus zum Weseu die¬ 
ses Krampfes. Beim echten Globusgefühl ist das Schlucket) 
nicht im geringsten behindert. 

Der Oesophaguskrampf geht mit einem unangenehmen 
Gefühl der Einschnürung, oft heftigem Schmerz einher; 
nie hat der Kranke das Gefühl eines Fremdkörpers. Das 
GlobnsgCf&hl ist nie schmerzhaft, es erweckt beim Kran¬ 
ken in der Regel ungemein deutlich die 'Vorstellung 
eines Fremdkörpers. 

Der Oesophaguskrampf betrifft immer eine fixe Stelle 
des Oesaphagus. Der Ort des Krampfes kanu auch bei 
derselben Person iu verschiedenen Anfällen wechseln, 
Im selben Anfall aber verharrt er immer an derselben 
Stolle, meist hinter dem Sternum. Der Globus bewegt 
sich iu der Retrosteroalgegend aufwärts und setzt sich 
mit Vorliebe am Halse fest, nur ganz ausnahmsweise 
in der oberen Retrosternalgegend. 

Wenn der Globus zum Halse gelangt, bewiikt er 
sehr häufig ein unangenehmes Erstickungsgefühl, was 
beim Oesaphagismus nie zur Beobachtung kommt. 

Eia antiperistaltischer Krampf kommt nur vor und 
während des Erbrechens vor, er ist nie von Freradkör- 
pergefnhl begleitet. Der Globus ist fast nie von Er¬ 
brechen begleitet. 

' Physiologische Kontraktionen der Hohlorgane geben 
Überhaupt keine Empflnduug, Krarapfkontraktioqeü höch¬ 


stens Schmerz, nie ein FremdkörpergefUhl. Für die Glo¬ 
busempfindung, als Krampfsensation betrachtet, giebt es 
somit kein Analogon iu der ganzen Pathologie. 

Das Globnsgefühl entspricht auch örtlioh nicht dem 
Oesophagus, denn es entsteht in der Regel oder wenig¬ 
stens sehr häufig im Hypogastrium und steigt von hier 
durch das Epigastrium in Brust und Hals empor. Es 
giebt kein Organ, das dieser Lokalisation, entspräche 
uud eine Krampfsensation geben könnte. 

Es Ist somit klar, dass .der Globus keine Krampfsen¬ 
sation sein kann, sondern eine rein sensible Erschei- 
nnng ist. 

Der eiuzige Nerv, welcher dieser Lokalisation ent¬ 
spricht, ist der Sympathicus, denn er erhebt sich aus 
dem kleinen Becken längs der ganzen Wirbelsäule bis 
zum Kopf, und zwar kann es sich nur um eine inner¬ 
halb dieses Nerven vor sich gehende irradiierte Erschei¬ 
nung handeln. 

Der Sympathicus zeichnet sich vor anderen sensiblen 
Nerven durch einen besonderen Reichtum an Irradiatio¬ 
nen ans. wobei der Weg vom gereizten Teil dos Sym- 
patbions zum EndpunktT der Irradiation von den Kran¬ 
ken oft deutlich empfunden wird. Das Gefühl der Fort- 
bewegnng ist daher für den Sympathicus ganz. beson¬ 
ders charakteristisch *). 

Durch Fingerdruck auf einen hyperalgischen Teil des 
Sympathicus kann man sehr häufig ausser lokalem 
Schmerz Irradiationen hervorrufen, welche sehr gewöhn¬ 
lich den am selben Patienten beobachteten spontanen 
Schmerzen gleich sind. 

Die Analyse der 20 von mir aufgezeichneten Fälle 
von Globus ergab n. a. folgende Resultate. In sftramt- 
lichen 20 Fällen von Globus bestand bedeutende Hyper- 
algesie des Lenden- und llalssympathicus, häufig mit 
spontanen Neuralgien dieser Nervenprovinzen. ln etwa 
der Hälfte dieser Fälle konnte der Globus durch Druck 


’) Vergl. V. B. Die Ausstrahlungen oder Mltempfiadungert 
und Reflexe im Gebiet der Sympathicus. Diese Wochen sehr« 
1901. Nr. 12. 


Digitized by 












3 $ 


auf den Lendensympathicus, seltener auf den Halssym- 
pathicus, künstlich hervorgeruten werden. 

Das Globusgefühl ist seinem Wesen nach eine inner¬ 
halb des Sympathicus, wahrscheinlich der Grenzstränge, 
vielleicht mit Einschluss der praevertebralen Geliechte, 
sich abspielende Mitempfindung, die so zustande kommt, 
dass ein den byperalgischen Sympathicus, meist den 
Lendensympathicus, treffender Reiz sich auf die eben¬ 
falls hyperalgischen Ganglien des Grenzstranges aus¬ 
breitet und zwar in der Art, dass von der Reizstelle 
aufwärts sukzessive in einem GanglUn uach dem ande¬ 
ren die vorher latente Empfindung über die Bewusst¬ 
seinsschwelle hinaufgescbnellt wird. 

Diese Milempfindung ist von drückender Beschaffen¬ 
heit und mauche Patienten fühlen sio auch als nicht 
schmerzhaften Druck. Dieses Druckgefiihl ruft aber ge¬ 
wöhnlich durch den unbewussten Vergleich, den die 
Psyche mit Vorgängen an der Peripherie des Körpers 
anstelit, bei den Kranken sehr lebhaft die Vorstellung 
eines Fremdkörpers hervor, welcher den Druck bedingt. 
Verschiedene Beobachtungen machen es sehr wahr¬ 
scheinlich,. dass gewöhnlich Erregungen symmetrischer 
Stellen beider Grenzstränge zu einer breiten Sensation 
zusammenschmelzen. Wenn dies nicht geschieht, kommt 
die seltene Erscheinung eines doppelten Globus zu¬ 
stande, der zu beiden Seiten der Mittellinie emporsteigt, 
wie ich in einem Falle beobachtete. Auch einen ein¬ 
seitigen Globus habe ich einmal beobachtet, wo also 
die Sensation nur in dem einen Grenzstrang irradiierte. 

Die Zeit, in welcher der künstlich hervorgerufene 
Globus aus dem Unterleibe bis zum Halse emporsteigt, 
beträgt höchstens einige Sekunden, denn sofort nach Aus¬ 
übung des Druckes auf den Lendensympathicus geben 
die Kranken an, «das Stück» sei ihnen in den Hals ge¬ 
stiegen, und aus dem Umstande, dass sie stets aussageu, 
der küusthch hervorgerufene Globus sei dein spontanen 
in allen Stücken gleich, ist der Schluss zu ziehen, dass 
dieser sich auch in Bezug auf die Zeit ebenso verhält. 

In manchen Lehrbüchern (z. B. Eichhorst) findet man 
noch heute die Angabe, der Globus sei «last pathogno- 
monisch» für Hysterie — eine grundfalsche Lehre, die un¬ 
zählbare Male die Diagnose Hysterie veranlasst hat, wo 
keine vorlag. Der Globus ist einfach ein Symptom eiuer 
Uber den ganzen Grenzstraug ausgebreiteten Hyperal- 
gesie des Sympathicus und kann daher Überall da an¬ 
getroffen werden, wo diese Bedingung zutrifft. Unter 
meinen 20 Fälleu von Globus fand sich kein einziger 
von Hysterie. 

Die meisten meiner Fälle betrafen Chlorose, sowohl 
die erste Pubertätschlorose als auch die chlorotischea 
Zustände, welche man nicht selten bei Endometritis oder 
in der ersten Hallte der Schwangerschaft, besonders bei 
jungen Frauen, antrifft. In allen* Fällen dieser Art, über 
deren wichtiges Schicksal ich habe Nachricht erhalten 
können, wurde die Diagnose ex juvanlibus unterstützt, 
denn sie genasen alle in kurzer Zeit durch Eisen oder 
Arsen vollständig. 

In mehreren Fällen spielen Gemütsbewegungen, Schreck, 
Grain, Aerger. eine grosse Rolle, so bei zwei Frauen 
im Beginn des Klimakteriums. 

Sechs meiner Fälle betreffen Männer, davon zwei 
mit gewöhnlicher Neurasthenie durch Ueberanstrengung, 
zwei mit Neurasthenie durch gekränkten Ehrgeiz, Miss¬ 
erfolge und dergl., einen mit krankhafter, grundloser 
Syphilidophobie, wo also ebenfalls eine Gemütsbewegung, 
furcht als Ursache zu beschuldigen ist. 


Referat«. 

i 

Zur Frage der M e t h y 1 a I k o h o 1 v e r g i f l u n g. 
Poisoning by Woedalcohol, -Oases of Death and 
Blindness froin Columbian Spirits and Other Me- 
thylated Preparations, Frank Hüller, M. IX 
’ Montreal, and CaseyA. Wood, M. D. Chicago* 
The Journal of the American Medical Association, Oeto- 
ber 1, 8, 15, 22, and 2h. 1904. 

Dag aktuelle Interesse, welches die Methylalkoholvergiftung 
nicht allein in der Toxikologie, speziellen Pathologie und 
Therapie, sowie in der Ophthalmologie,, sondern auch in der 
öffentlichen Gesundheitspflege erheischt, macht für lins in 
Russland ein genaueres Referat Uber die obige Arbeit, welche 
auf einer Durchsicht der amerikanischen Literatur seitens des 
Prof Bn Der und aut einer privaten Enquete des Prof. 
Wood bernht, geradezu notwendig; denn bisher ist der das 
Leben nnd das Sehvermögen bedrohende Methylalkohol bei 
uns noch nicht in die Liste der Gifte anfgenommen worden, 
wahrend die Industrie der Herstellung desselben, nament^ 
lieh in der sehr gefährliche« Ferm des desodorisierten Prä¬ 
parates, sich auch bei ans bereits zu entwickeln begonnen 
nnd auch schon zn Masseuvergiftungen geführt hat, wie 
meine Mitteilung ln Nr.Nr. 39 und 40, Jahrg. 1904 dieser Wo¬ 
chenschrift beweist. 

Die amerikanische Arbeit enthält eine Uebersicht der gan¬ 
zen oplithalruologi8chen Literatur über die in Amerika bisher 
zu ärztlicher Kenntnis gelangten Fälle von Mexhylalkotiol- 
vergiftnng. Wie ans diesem Mteraturvirzeiahuis «-sichtlich 
ist, wurde der erste Vergiftungsfall schon im .Jahre 1877 beo¬ 
bachtet nnd im Juni desselben Jahres Von V i g e Vfn L'Annee 
Medicale veröffentlicht. Bis zum Jahre 1899 siüd die Nach¬ 
richten über Verglftnngsfälle verhältnismässig spärlich. Unter 
den bisher veröffentlichten und den neuerdings durch die 
Wood’scbe Enquete gesammelten Fällen finden sich vom 
Jahre 1877—1, 1888-1, 1889- 3, 1890—1, 1894-4, 1897-3 
und 1898—10, also im ganzen 23 Fälle. Seit 1899 hänfen sie 
sich aber dermassen, dass, abgesehen von den gerüchtweise 
berichteten, mit Einschluss jener 23 Fällen in der Wood’- 
schen Arbeit, 235 Fälle mehr oder minder genau geschildert 
werden konnten. Dieses rapide Anwachsen der Zahl der 
Vergiftungen schreiben die Verfasser des Artikels dem Um¬ 
stande zu, dass in den letzten 5 Jahren der Handel mit deso¬ 
dorisiertem Methylalkohol in Amerika in Schwang gekommen 
ist, mit einem Präparate, das frei ist von den Ekel eriegen* 
genden Eigenschaften des angereinigten Methylalkohols und 
nicht leicht vom Aethylalkohol zu unterscheiden ist. Aber 
dass uicbt nnr der desodorisierte Methylalkohol, sondern anch 
der widerlich liechende und schmeckende ungereinigte Me¬ 
thylalkohol mitunter getrunken wird, geht sowohl ans den 
Methylalkoholvergiftuugen aus früherer Zeit, als auch teus 
dem bei Wood sab D. 69 angeführten Fall aus Mussachn- 
sets sowie aus anderen Fällen hervor, bei deren Sektion fast 
in allen Organen starker Methylalkoholgeruch gefunden 
wurde. Dass in uuseien Dorpat er Fällen bei der Sektion 
kein Methylalkoholgeruch bemerkt wurde, beweist die Verur¬ 
sachung dieser Vergiftungen durch geruchlosen Methyl¬ 
alkohol. j 4 ,; 

In der Arbeit von B u 1 1 e r und \V o o d sind djp verwer¬ 
teten Fälle in 4 Gruppen geteilt, welche mit den. Buchsta¬ 
ben A, B, C, D bezeichnet sind; A. Veröffentlichte Fälle von 
Erblindung, oder Erblindung mit nachfolgendem Tode, be¬ 
dingt durch Trinken oder Inhalation von Methylalkohol 
(54 Fälle). R. Bisher nicht veröffentlichte B'älle von Erblin¬ 
dung oder Erblindung mit naclifolgeudem Tode durch Trin¬ 
ken von methylnlkoholhaltigeu Flüssigkeiten<90 Fälle). 0. Bis¬ 
her nicht veröffentlichte Fälle von Erblindung dnreh Me¬ 
thylalkohol, der durch die Lungen oder durch die Haut oder 
durch beide resorbiert worden war (9 Fälle). D. Bisher nicht 
veröffentlichte Todesfälle nach Metbylalkoliolvergiftnng ohne 
Erwähnung vorhergegangener Erblindung (82 Fälle). 

Zu der ersten Gruppe wäre Zn bemerken, dass man befm Durch“ 
sehen derselben Hinweise auf weitere 61 Verglffungsfälle findet-» 
Vergiftungsfälle sind fast Hi jedem der Vereinigten Staaten 
vorgekommen, also in Nordamerika in sehr grosser Ausdehnung 
verzeichnet worden. Besonders erschütternd sind die Massen^ 
Vergiftungen aus neuester Zeit, von welchen man durch diese 
Arbeit Kenntnis erhält. Es sind das genau ebensolche Vor- 
komnisse wie die Dorpater MassenVergiftung. Unter B. 73 
bis 81 und B. 88 lesen wir: Am 31. August-1901 versammelte 
sich im Gebiete des Turtle Gebirges in Nord, Dakota eine un¬ 
bekannte Zahl von Indianern zu einer Kneiperei, und da Me 
nicht imstande waren, gewöhnliche alkoholische Getränk« 
zn erlangen, so besorgten sie sich eine hinreichende Menge 
von Flaschen mit «Fioridawasser» und, . wie berichtet wird, 
von «Zitronenextrakt», wovon sie reichlich trauken. Neun 
Indianer starben grösstenteils am Freitag, den 2. September 




Digitized by 


Google 


morgen.it and von einem Ueberlebeuden iit es bekannt, dass 
er erblindete, Nach dem Gelage worden in dem Indianerlager 
leere Floridawasserflaschep gefunden. Alle, welche sich am 
Üennss jenes Spiritus beteiligt hatten, erkrankten mit Bren¬ 
nen iin Magen- nud Darmkanal, Kopfschmerz, langsamem 
Pulse (bis zo 43 Schlägen in der Miaute). Die Fingernägel 
and -die Lippen waren blau. Sie starbt»* im Koma. Die Unter¬ 
suchung ergab. dass die Flüssigkeiten (Floridawasser nnd 
Zitronenextrakt) hauptsächlich aus Methylalkohol bestanden. 
- ln dem Artikel wird ausserdem auf ein Vorkommnis in der 
10. Avenoe der Stadt New-York vom Oktober 1904 hinge- 
wiesen, wo 25 Personen nach dem Trinken von Whisky star¬ 
ben, welcher Holzalkohol enthielt und in einer fiestanraiioo 
des Rndolf Fritsche gekauft worden war. Diese New-Yorher 
Fälle sind in der Arbeit nicht mit gezählt. Hervorgehoben zu 
werden verdienen die Vergiftiingsfälle durch Aufnahme des 
Giftes dmch die l.ungen nnd die Haut. 

Ausser 9 Fällen der Groppe C. gehölen hierher aus der 
Gruppe A die Fälle 11. 19 und 25 und der Fall" 66 der 
Gruppe B. 

})rei solcher Vergiftunsfftlle mit mehr oder minder schwe¬ 
ren Amblyopien sind 1899 nnd 1901 im Ophthalmie Record 
Chicago veröffentlicht worden, und zwar 2 von D r. ß. S. 
Pa 111.1 o, Chicago 1899 nnd einer von Dr. G E. de Schwei¬ 
nitz im Jpni 1901. Die bisher nicht veröffentlichten Fälle beob¬ 
achteten folgende Aerzte: Dr. W. T. Salmon in Oklahama 
City in 2 Fällen im Oktober 1899 au einem Manne, welcher 
Zeuge uud Kleider mit methylaikoholhaltigen Flüssigkeiten 
reinigte und färbte, und iin Dezember 1903 an einem 6 monat¬ 
lichen Kinde, neben dessen Wiege eine Methylalkohollampe 
gebrannt batte; Dr. Norton L. Wilson ln Elizabeth 
(New-Jersey) an einem Manne, welcher sich mit der Zuberei¬ 
tung von methylaikoholhaltigen Lackgemischen beschäftigte; 
Dr. W. Me L. A vre* in Cincinnati (Ohiu'i 1901, Dr. E. 
Driver in Norfolk(Waschington) 1891, Dr. J. A.Lippin- 
c o 11 in Pittsburg 1902, Dr. Nelson L. North in Brook¬ 
lyn (New-York) 1900—1901 an 5 Malern, welche beim An¬ 
streichen von Bierfässern, Abtritten, Scbnlräumen etc. mit 
einer Lösuug von Schellack in Methylalkohol arbeiteten; 
Dr. Daniel Con b$y in Bad Axe (Michigan) 1903 an einer 
Frau, welche Methylalkohol zur Heizung ihrer Badewanne 
und zur Reinigung ihrer Kopf- nnd Gesicbtshant benutzt 
batte; Dr Harald Gifford in Omaha (Nebraska) 1902 an 
einer Patientin, welche durch das Bi ennen einer Meihylal- 
kolioliampe mit grossem, flachem Dochte wälirend des Win¬ 
ters ihr kleines Schlafzimmer geheizt Latte, und dieselbe 
Lampe zum Erwärmen von Wasser in ihrem Zimmer ver¬ 
wandt hatte. Diese Beobachtungen geben der Gefährlichkeit 
des Methylalkohol eine recht grelle Beleuchtung und wider¬ 
legen die Behauptungen einzelner betreffs der Ungefährlich¬ 
keit dieses Stoffes, welche in der kritisierten Schrift nicht 
unerwähnt bleiben. 

Mit grosser Bestimmtheit und Klarheit wird durch den 
Wood’schen Artikel die Giftigkeit des Methylalkohols nnd 
seine grosse Gefahr für einen Staat bewiesen, in welchem 
sich die Iudustrie der! Herstellung des geruchlosen 
Methylalkohols entwickelt hat, Selbstverständlich bestreben 
sich die Industriellen für ihr Produkt ein möglichst grosses 
Absatzgebiet zu erlangen, was ihnen um so eher gelingt, je 
weniger im Publikum die Schädlichkeit des Stoffes bekannt 
im. Auch bei uos sind es nur Wenige, welche die Giftigkeit 
des Stofles kennen, ja selbst unter den Aerzten und Phar¬ 
mazeuten ist diese Kenntnis noch nicht so verbreitet, wie es 
die Wichtigkeit des Stoffes fordert. Während der eine oder 
der andere Pharmazeut oder Arzt durch eigene, vielleicht 
schon vor langer Zeit gemachte, bittere Erfahrung weiss, 
wie gefährlich der Stoff ist, und obgleich er auch schon zum 
Selbstmorde, wie in dein Wood’schen Falle D 57, verwandt 
worden ist, so gilt er in den Augen der meisten als un¬ 
schädlich, weil er weder in das Verzeichnis der Gifte aufge- 
nrwnien, noch in der Apothekertaxe mit einem warnenden 
Kreuze versehen ist. ln Amerika gelingt es den Agenten der 
Destillaturen des geruchlosen Methylalkohols, denselben an 
die - Drogisten, die Inhaber von chemischen Laboratorien, 
Parfümeure, Lack-, Farben- und Hutfsbrlkauten und endlich 
an die Verfertiger verschiedeutlicher Getränke les za wer¬ 
den. Der Erfolg der Agenten bei ihrem Bestrebeu, einen 
grossen Umsatz von Methylalkohol zu erzielen, wird durch 
den verhältnismässig billigen Preis desselben begünstigt. In 
Amerika kostet ein Stoef besteuerten Aethylalkobols 1 Rbl. 
09,3 Kop. (1 Gallone =2 Dollars 60 Cents) und ein Stoof ge¬ 
ruchlosen Methylalkohols 26,3 Kop. (1 Gallone = 50 Cents); 
bei uns in Russland kostet ein Stoof 95° Spiritus l Rbl. 
90 Kop., ein Stoof geruchlosen Methylalkohols 1 Rb). Bei 
der grossen Verlockung, den Aethylalkohol durch den billi¬ 
geren Methylalkohol zu ersetzen, ist es in Amerika zn fol¬ 
genden Resultaten gekommen*. Der .Staatschemiker von New- 
‘.lersey fand im .Iaht e 1908, -dass von 8 Probe» Paregoricnm 4, 
and von U Proben Ingwer (Ginger) gleichfalls 4 Methylal¬ 


kohol enthielten. Scoville berichtet, dass er unter 6 käuf¬ 
lichen Einreibungen in 2en Methylalkohol fand; dasselbe gilt 
von verschiedenen von ihm untersuchten Schnäpsen. Dr. 
Alleu Greenwood in Boston bemerkte ganz neuerdings, 
dass 2 seiner Patienten mit Tinkturen versorgt worden wa¬ 
ren, deren Menstrnum Methylalkohol bildete. Als der Dro¬ 
gist zur Rechenschaft gezogen wurde, erklärte er, dass 
viele Tinkturen neuerdings mit Spiritus von dieser Sorte 
angefertigt werden. Der offizielle Chemiker von New-York 
fand im Jahre 1902. dass Jainaika-Ingwer und Stinkspiritus 
in 40 von 213 Drogenhandlnngen New-Yorks mit Methylal¬ 
kohol zubereitet worden waren. Dr. War reu,. der Sanitäts- 
arzt des Staates Pennsylvanien, fand bei Untersuchnngen von 
1000 Proben billigen Whisky’s, welche bis zum Februar 1904 
vorgenommeu worden waren, in 95 pCt. der Proben wechselnde 
Mengen b>8 zu 75 pCt, Methylalkohol. Im Jahre 1902 berichtet 
E. L. Patch iu Stoneham (Massachusets) der pharmazeuti¬ 
schen Gesellschaft, dass er in 40 von 225 Proben von 
Kampferspiritus Holzalkohol gefnnden habe. 

In Minnesota worden Proben von Zitronenextrakt aus 
allen Teilen dieses Staates beschlagnahmt nud als ge¬ 
fälscht bezeichnet. Auch Fälle von Fälschune von Vauillen-, 
Ananas- and Erdbeetenextrakt mit Methylalkohol sind nach¬ 
gewiesen worden. 

Kommen bei uns zu Lande in dieser Beziehung die offiziell 
zum Verkauf gestatteten spirituösen Getränke nicht in Be¬ 
tracht, so dürfen wir bei uns den geheimen Getränkehandel 
und den Spiritusschmuggel nicht vergessen, der leicht üele- 
enheit zur Fälschung mit Methylalkohol und zu grossem 
nglück geben könnte. Ganz dieselbe Aufmerksamkeit, wie 
io Amerika, verdienen bei uns die Drogenhaudlnngen, die 
chemischen Laboratorien und die Parfümerien, ja selbst 
die Apotheken. Kamen doch in Dorpat die Vergiftungen 
durch ein aus Apotheken verabfolgtes Hausmittel, den Kunt- 
zens-Balsain, zustande. 

Verbot des Handels mit spirituösen Getränken steigert die 
Gelegenheit zu Vergiftung, wie es iu Dakota, und auch bei 
uns der Falt war. Auch die verschiedenen Gewerbe der Ma¬ 
ler, Lackierer, Hutmacher etc. können bei nns den Konsum 
dieses giftigen Stoffes steigern. Ausser den Tabellen der beob¬ 
achteten Fälle enthält die B u 11 e r - W o o d’sche Arbeit 
folgende Kapitel: Üebersicht der publizierten Fälle, die im 
Handel vorkommenden Formen von Methylalkohol, die Giftig¬ 
keit des Methylalkohols, die Pathologie der Methyl&lkoholam- 
blyopie, Symptome der Methylalkoholvergiftung, das Sehver¬ 
mögen bei der Methylalkoholamanrose, Fälle eines geringe¬ 
ren Grades von Intoxikation, Differentialdiagnose, Mischin- 
fektiop, die Vorbeugung der Methylalkoholvergiftung, die 
Behandlung der Methylalkoholvergiftung und die Schlussfol¬ 
gerungen. l)a die letzteren ein kurzes Referat der vorher¬ 
gehenden Kapitel bilden, so seien sie hiev wörtlich wiederge¬ 
geben, wobei ich es mir erlauben möchte zu jeder einzelnen 
derselben, wo ich es für erforderlich halte, meine Bemer¬ 
kungen zu machen. 

1) «Methyl- oder Holzalkohol in irgend einer seiner For- 
«nien, wie auch alle ans demselben hergestellten Präparate, 
«sind ein gefährliches Gift, welches sowohl das Leben, als 
«auch das Sehvermögen bedroht». 

2) «In seiner desodorisierten Form ist er uns am besten 
«bekannt als Columbiaspirilus, gereinigter Holzalkohol, Köl- 
«ner Spiritus, Colonialspiritus, Musterbolzspiritus, Unions- 
<spiritus, Adlerspiritus, giüner Holzspiritus uud als ver- 
«schiedentliche andere Flüssigkeiten». 

■3) «Er wird als Fälschung und Ersatz des Korualkoliols 
«bei billigem Whisky nnd anderen Getränken gebraucht, ab- 
«gesehen von Jamaica-ginger, Zitronenextrakt und vielen an- 
«deren Essenzen und wohlriechenden Flüssigkeiten». 

4) «Methylalkohol findet eine weit verbreitete Verwendung 
«bei der Zubereitung von Geheim- and Patentmitteln: Zauber- 
«stranch (witcli haxel), häuslichen Eimeibungen, wie etwa 
«Bayrum, Kölner Wasser. Floridawasser and anderen 
«Parfüms». 

5) «Bis jetzt sind mindestens 153 Fälle von Sehstörung 
«nnd 122 Todesfälle durch dieses Gift erzeugt woiden, im 
«ganzen 275 Fälle von Verlust des Lebens und des Sehver- 
«mögens. Diese Summe wäre wahrscheinlich auf 400 vergrös- 
«sert worden, falls eiue genauere Enquete augestellt worden 
wäre». 

6) «Die Schädigung des Sehorgans bestellt hauptsächlich in 
«eiuer destruktiven Entzündung der Sehnervenfaseru oder 
«der Retinaleleinente (oder beider) mit nachfolgender Atro- 
«pliie derselben». 

7) «Die Symptome der Vergiftung sind mehr oder weniger 
«schweie gastrointestinale Störungen, kompliziert mit I^eib- 
«schmeiz, allgemeiner Schwäche, Ucbelkeit, Erbrechen, 
«Schwindel, Kopfschmerz, erweiterten Pupillen und Sehstörun- 
«gen. Falls keine Genesung eiutritt, werden Schwächung der 
«Herztätigkeit, stöhnendes Atmen, kalte Schweigst*, Delirium, 
«Bewusstlosigkeit, Koma und Tod beobachtet». 


Digitized by 



Diege'Aufzählanir der Symptom» ergänzt meine Symptomato¬ 
logie nra da» Auftreten von Delirien, über welche bei den 
hiesigen Kranken keine Nachrichten Vorlagen. Die Papillen 
sind oft ad maximnm und dauernd, aber keineswegs immer 
bedeutend erweitert. Zwei wesentliche Symptomengroppen ver¬ 
misst man in der Aufzählung: die Symptome des Lungen¬ 
oedems, die bei tödlichen Fällen wohl kann« fehlen dürften, 
und auf welches in den Krankengeschichten genügende Hin¬ 
weise vorhanden sind. Bei den meisten ist erschwertes Atmen 
notiert, bei einigen das Hervortreten von blutigem Schaum 
z. B. B 5, D 1,25, bei mehieren Cyanose, im Falle B 79 wird 
das Lnngenoedem direkt als Todesursache angesehen, bei 
D 72 wird die Lähmung der Atmung als Todesursache er¬ 
wähnt. Ich erblicke hierin eine Bestätigung meiner Ansicht, 
dass das Lungenödem ein wesentliches Symptom der Methyl- 
alkoholvergiftnng ist. Eine zweite Symptomenreihc, aof die 
bei diesen Vergiftungen zu achten ist, nnd auf welche sich 
auch Hinweise in den Krankengeschichten finden, z. B. A 26, 
B 75. 76, 88, D 72, sind die Blasen Symptome. Anf die Not¬ 
wendigkeit der Untersuchung des Harns auf die Anwesenheit 
von Ameisensäure sei auch hier hingewiesen. 

Die Angaben über die Sektionen, welche den Verfassern 
zu Gebote standen, sind leider wenig zahlreich und sehr 
dürftig- Der Lungenbefund ist überall ungenügend beschrie¬ 
ben. Bei einem auffallend grossen Teile der Sektionen war 
Metbylalkoholgernch wahrgenommen worden, was auf Ver¬ 
giftung mit ungereinigtem Methylalkohol hinweist. 

8) «Die Sehstörnng ist beideiseitig und kann binnen weni- 
«ger Stunden nach Aufnahme des Giftes eintreten, oder aof 
«einige Tage hinausgeschoben sein. Sie ist gewöhnlich voll- 
«ständig mit nachfolgender zeitweiliger Besserung nnd all- 
«endlichem Verfall in dauernde Blindheit». 

9) «Die Gesichtsfelder sind eingeengt nnd zeigen ahsolute 
«zentrale Skotome. Das Ophthalmoskop zeigt zunächst eine 
«kongestionierte Sehnervenpapille mit nachfolgender graner 
«oder wei88er Atrophie und kontrahierten Gefässen». 

10) «Eine Fehldiagnose ist kaum möglich; die Methylalko' 
«holvergiftnng bietet ein Krankheitsbild, das keiner anderen 
«Intoxikation gleicht. Akute Verdauungsstörungen mit nach- 
«folgender Störung des Sehvermögens müssen stets Verdacht 
«aaf Methylalkoholvergiftung erwecken». 

Hier wäre hinznznfügen: namentlich dann, wenn im akuten 
Stadium zugleich Oppressionsgefühle in der Brnst und At- 
mnngsbeschwerden vorhanden sind. 

11) «Die Vorbeognng der Vergiftung durch diese heim- 
«tückische Droge kann nar durch Verbot des Verkaufs des 
«desodorisierten Methylalkohols in allen seinen Formen 
«durchgefnhrt werden. Die Zahl der Todesfälle kann indessen 
«durch Eintragung aller Methylalkobolpräparate in die Gift- 
«liste, und durch die gerichtliche Verfolgung aller Personen, 
«welche Nahrungsmittel und Getränke mit demselben ver- 
«fäl8chen, eingeschränkt werden. Die Etiqiiettierung dersei- 
«ben mit der Bemerkung .diese Flüssigkeit ist imstande, 
«beim innerlichen Gebrauch Blindheit zu erzeugen", kann 
«gewiss einen abschreckenden Einfluss haben». 

Erst recht, falls gesagt wird: Blindheit und Tod. 

12) «Die Methylalkoholvergiftung stellt das Beispiel eines 
«Giftes dar, gegen welches Idiosynkrasie beobachtet wird. 
«Wie gegen manche andern Gifte sind manche Personen in ho- 
«hem Grade immun gegen den Methylalkohol, sotfeit die dan- 
«erndeSchädigung des Organismus in Betracht kommt. Wenn 
«10 Personen, sageu wir, 4 Unzen Coluinbiaspiritns binnen 3 
«Stunden austrinken, so werden alle wohl Verdatjnngsstörun- 
«gen haben, 4 werden sterben und 2 von den letzteren wer- 
«den vor dem Tode erblinden. 6, von denen 2 dauernd erblin- 
«den würden, könnten vielleicht, mit dem Leben davon kom- 
«raen. Bei noch grösseren Dosen wird die Proportion der 
«Todes- und Erblindnngsfälle grösser sein». 

13) «Vergiftung durch Einatmung der Dämpfe des Methyl- 
«aikohols tritt gewöhnlich ein, wenn die Exhalationen mit der 
«wieder eingeatmeten Luft vermischt sind, wie beim Lackie* 
«ren des Inneren von Bierfässern, in kleinen Bäumen u. s. w. 
«Es ist gleichfalls höchst wahrscheinlich, dass wiederholte 
«oder sogar eine einmalige Einreibung mit Methylalkohol 
«durch Absorbtion des Spiritus von der Haut , Vergiftnngs- 
«symptome hervorruteu können». 

14) «Eine chronische (oder partielle) Vergiftung mit Metbyl- 
«alkohol (in Gestalt von Schuäpschen des methylalkoholhal 
«Ligen Jamaica-ginger, Bayrum, ans Colmnbiaspiritus herge- 
«stellten Punsches etc.) ist die heimtückischste und wahr- 
«scheinlich eine nicht ungewöhnliche Form der Vergiftung. 
«Ihre Symptome sind nicht so ausgesprochen oder so loicht 
«zu erkennen, wie die der akuten Form, aber die Augen, der 
«Verdanungsapparat und das Nervensystem leiden unzwei- 
«felbaft». 

15) «Die Benutzung des Aethylalkohols oder Kornspiritus 
«in den Künsten, sowie in den Gewerben: beim Anstreichen, 
«als Brennfliissigkeit, zur Steifung der Hüte, zum Lackieren 
«von Messing etc. ist ohne Gefahr für L ft ben und Sehver- 


«mög«B. Durch die Hinzüfflgung' eines kleinen ProM&tuUeft 
«von Naphthalin z. B. würde die Flüssigkeit ungenießbar sein. 
«Eine Kombination mit 10 pCt von Holzalkohol könnte 4er- 
«eelben Aufgabe entsprechen. Solch’ eine Mixtur ist der 
«grossbritannische «methylated spirit», durch welchen nicht 
«ein einziger Fall von akuter Vergiftung oder Methylalko- 
«holamauro8e beobachtet worden ist, trotz der ansgedehnten 
«kommerziellen Verwendung von Methylalkobolpräparaten 
«auf den Britischen Inseln». 

ln Anbetracht der Tatsache, dass ungereinigter Methylal¬ 
kohol nicht selten getrunken worden ist, im Hinblick ferner 
auf die Vergiftungen durch kleine Mengen, welche nach In¬ 
halationen der Dämpfe beobachtet worden sind, und endlich 
bei Beachtung des Falles A. 2 der Bnller and Wood 
sehen Arbeit, in welchem der Genoss von einem Gemisch ans 
90 pCt. Alkohol uud 10 pCt. Methylalkohol den Tod znr Folre 
hatte, kann eine Kombination mit 10 pCt. Methylalkohol wohl 
kaum als nngefährlich empfohlen werden. Ja man darf nach 
den amerikanischen Erfahrungen auch sogar gegen die bei 
uns geübte Denaturieruug des Spiritus mit 1 put.. 2,5 pCt. 
und gar 5 pCt. Holzspiritus Bedenken hegen. 

16) «Die Behandlung der Methylalkoholvergiftung besteht 

«hauptsächlich in der Entfernung des Giftes ans dem Magen 
«und dem Darm mit Hülfe der Magenpumpe nnd durch Mast- 
«darminjektionen, Stimulanzen, namentlich Aethylalkohoj; 
«Strychnin und Kaffee, Erwärmoug des Körpers und der 
«Extremitäten». ' 

Der Empfehlung des Aethylalkohols als Stimulans kann ich 
nicht, beipflichten, obgleich unter dem Kapitel Behandlung 
der Methylalkoholvergiftung angegeben wird, dass in 5 Fäl¬ 
len, welche im Fort Terry beobachtet worden sind, der Ae- 
thylalkohol gute Dieuste geleistet habe. 

17) «Die Behandlung der Amaurose ist unbefriedigend. In 
«den fiüben Stadien Pilocarpin und Jodkalium, später 
«Strychnin subkutan und per os». 

Dr. 0. S t r ö h ra b e r g. 


Auszug aus den Protokollen 
der medizinischen Gesellschaft zu Dorpat. 

Sitzung am 8. September 1904. 

Dr. Giaubner demonstriert eine Patientin, über die er 
schon fi über der Gesellschaft berichtet hatte. Es bandelte 
sich um einen Fall, bei dem er im April 1899 wegen E k- 
topia vesicae nrinariae die beiden Uretberen in die 
flexura sigmoidea einplantiert hatte. Zu Anfang bestand 
nachts Abträitfeln des Harns ans dem After, später konnte 
Patientin den Harn auch nachts halten and leichtere Arbeit 
verrichten. Eh trat tags 3—4 mal Entleerung von fast kla¬ 
rem Urin ein, auch 1 mal gebundener Stuhl. Jetzt wird seit 
dem Februar 1904 nachts wieder Urin ine Bett entleert. Mit¬ 
unter wacht Patientin vom Aussickern des Urins auf nnd 
entleert dann den Urin ins Geschirr. Ausserdem hat sich in 
der Höhe des Nabels (die Ektopie reichte wie erinnerlich bi? 
zum Nabel) in den letzten Tagen ein fingerförmiger Vorfall ge¬ 
bildet., der die Haut durchbrechend, jetzt allmählich nekrotisch 
zerfällt uud von dem Gr. glaubt, dass es sich nm eine Her¬ 
nie mit Netzvoriall handelt. 

Es folgt die Demonstration der Patientin. Granbner 
beabsichtigt diesen Vorfall operativ zn beseitigen und wird 
gebeten, auch nach eifolgler Operation die Pat. wieder vor¬ 
zustellen. 

Dr. W. K i e s e r i tz k y hält seinen angekündigten Vor¬ 
trag: «Die Diät bei Scharlachnephritis». (Er¬ 
scheint in der St. Petersb. Med. Wochenschrift). 

Diskussion: 

T r u h a r t weist in theoretischer Beziehung darauf hin, 
dass in neuerer Zeit von dem Italiener Devato, besonders 
aber von den Franzosen Klippel, Le Fas u. a. die Wir¬ 
kung der Bakterien und Toxine auf die Blntgefässe experi¬ 
mentell studiert worden ist und festgestellt wurde, dass die 
Toxine bei Infektionskrankheiten auf das Endothel der Blut¬ 
gefässe wirken, was znr Frage der Arteriosklerose wichtig 
sei. Tr u hart ist der Ansicht, dass zn Anfang des Schar¬ 
lachs die Flüssigkeitsmengeu in ihrer Einwirkung auf das 
Heiz keine so grosse Bolle spielen, hauptsächlich wohl erst 
bei schon bestehender Nephritis, wo das Herz infolge der 
Widerstände im Blntgefässsystem ohnehin engagiert ist, za 
berücksichtigen shid. Ihm erscheint es nicht an wesentlich, 
dass in der ersten Periode des Scharlachs eine grössere Flna- 
sigkeltsraengen dem Patienten zugeführt werde Im Uebrigen 
ist er mit dem N o o r d e n ’schen Vorschlag der gemischten 
Diät bei Nephritis einverstanden. 

Dr. I. Riemschneider -Bingen macht der Gesellschaft 
über eine einfache Methode znr Entfernung von 
Fremdkörpern aus der Nase Mitteilung. Es komme 


Digitized by 


Google 


wohl ein jeder praktische Arzt dazwischen in die I.#age, 
Fremdkörper ans der Hase zu entfernen und wisse, dass das 
mtaNEtnr gar hiebt leicht sei, besonders wenn von den An- 
1 geMfrigen schon alles mögliche zur Entfernung des Fremd¬ 
körpers unternommen wurde und es sich nm unruhige Kinder 
basale-' Ihm ist dad Entfernen einer Erbse ans der Nase 
zweimal durch folgende einfache Manipulation leicht und 
schnell gelungen: er di fickte mit einem von einev Kornzange 
gehaltenen Wattebansch das Gaumensegel gegen die hintere 
Bachenwand and verschloss dadurch den Nasenrachenraum, 
darauf trieb er vermittelst eines mit einer entsprechenden 
Olive versehenen Gummiballons (wie er zu der P o 11 i t ze r’- 
seben Luftdouche gebraucht wird) in die freie Nasenhälfte 
Luft ein und beidemal sprang der Fremdkörper leicht heraus. 

Pf aff hält dieses Verfahren für nicht ganz ungefährlich 
und glaubt, dass durch den Luftdruck, der zur Entfernung 
etwa einer in der Nasenhöhle eingeklemmten geqnollenen 
Erbse doch wohl grösser sein müsse, als bei der Pollitzer’- 
sehen Luftdouche, leicht die Trommelfelle verletzt werden 
könnten, zum mindesten aber der hinter dem Fremdkörper 
stagnierende Schleim in die Paukenhöhle getrieben werden 
könnte. 

Riemschneider hält diese Gefahr für ausgeschlossen, 
da in seinen Fällen der Luftdruck, den er anwandte, den der 
Pollitzer geben Luftdouche nicht überstieg. 

Stellvertretender Sekretär: Dr. K. P f a f f. 

Sitzung am 22. September 1904. 

Dr. Paldrock stellt einen Fall von Prurigo ferox 
vor. Der Patient, seit dem 2. Lebensjahr daran leidend, ist 
vielfach auf Ekzem. Scabies, Lues behandelt worden. P. be 
spricht kurz die Differenzialdiagnose gegenüber der Urticaria 
chronica, macht auf die Pigmentation und lederartige Ver¬ 
dickung der Haut, besonders an den Unterschenkeln, das 
Freibleiben der Gelenkbengeflächen, sowie die Leistendrüsen- 
acbwellung aufmerksam und betont die Seltenheit des Vor¬ 
kommens derartiger Fälle. 

Dr. Klan hält seinen angekündigten Vortrag: Heber 
Akromegalie mit Krankenvorstellung. (Erscheint in ex¬ 
tenso in der St. Petersburg. Medizin. Wochenschrift). 

Diskussion: 

Dehio fragt, wie oft Sektionen mit Berücksichtigung der 
Hypophysis ausgeführt worden sind. 

Klau kann darüber keine genaue Auskunft geben, doch 
hebt er hervor, dass auch Fälle zur Sektion gekommen sind, 
in denen — wenigstens makroskopisch — die Hypophysis 
normal gefunden wurde, ebenso wie auch Fälle von starker 
Hypertrophie der Drüse ohne Zeicheu von Akromegalie ge¬ 
funden sind. 

Pf aff glaubt, dass die Abnahme der rohen Muskelkraft 
in diesem Fall — da sie nicht beträchtlich genug ist, nicht 
zur Diagnose verwertbar sein dürfte. Der Umstand, dass 
Patient 4 Jahre lang nicht gearbeitet hat, kann die relativ 
geringe Herabsetzung der Muskelkraft erklären. 

KI au : Ausser der entschieden vorhandenen Herab¬ 
setzung der rohen Muskelkraft, sprechen die Arbeitsunfähig¬ 
keit, die leichte Ermüdbarkeit — bei Fehlen anderer nenra- 
stbeniscbei Symptome der leichte Schweissansbruch durchaus 
für die Erkrankung. Typisch ist ferner das Eintreten des 
abuormeu Wachstums erst im 17. Lebensjahr sowie die 
Inmotenz resp. das Fehlen der Libido sexualis. 

rfaft ennneit daran, dass Pierre Marie als Ursache 
eine verminderte Tätigkeit der Hypophysis aunimmt, während 
andere eine Hyperfunktion annehmen. Wichtig ist die Frage in 
Bezug anf die Therapie: in ersterem Falle wären Organ- 
praeparate indiziert, in letzterem nicht. 

Klan: Die Funktion ist jedenfalls vermindert; wo eine 
Hypertrophie konstatiert wurde, ist es immer nur eine schein¬ 
bare, nicht das specifiscbe Drüsengewebe, sondern das Stütz¬ 
gewebe betreffende, resp. eine patbologisch-neoplastische. 
Theoretisch wäre daher immer die Verabfolgung von Hypo¬ 
physisextrakt am Platze, wie es ja auch io der Tat Mendel¬ 
sohn gelang, dadurch eine Besserung zu erzielen. 

T r u h a r t macht zunächst darauf aufmerksam, dass im 
Dubliner anatomischen Museum ein Skelett mit typischen 
Zeichen des pathologischen Riesenwuchses vom Jahre 1705 
steht. Er betont ferner, dass es neben Proliferationsgeschwül- 
sten der Hypophysis vorzugsweise atrophische Zustände der 
Drüse waren, die zor Beobachtung kamen, auch bei schein¬ 
barer Hypertrophie des Organes. In Bezug auf das Erlöschen 
der sexneuen Funktionen muss eine spezifische Störung an¬ 
genommen werden, nicht etwa nur eine solche, welche auf i 
die allgemeine Herabsetzung der Kräfte zu beziehen wäre. I 
Er erinnert daran, dass bei Krankheiten, die zu hochgradi- j 
ger allgemeiner Entkräftung führen, wie die Phthise, der 
Geschlechtstrieb oft unverändert, ja sogar stark gesteigert 
sein kann. Was die Magenst orangen an betrifft, so sind sie 
nicht allein durch die Verengerung der knöchernen Fora- 
ming nud deren Folgen erklärbar, sondern meist durch di¬ 


rekten Druck auf das Chiasma und die benachbarten Angen¬ 
nerven. In der Hälfte der Fälle sind Angenstörungen zur 
Beobachtung gekommen, im wesentlichen Drnckerscheinun- 
gen (auf das Chiasma. von seiten des N. opticus, N. ocnlo- 
motorins etc.), ferner leichter Exophthalmus 'infolge Zu¬ 
nahme des orbitalen Fettgewebes, scheinbarer Enophthalmus 
durch Zunahme der Dimensionen der Lider, des knöchernen 
Snnraorbitalbogens etc. Beobachtet worden ist Pnpillener- 
weiternng, ebenfalls durch Drncklähmung des N. oculomoto- 
rius, in vereinzelten Fällen hingegen bilaterale Myosis (wohl 
znrtickzuführen auf Störungen Im Kerngebiet des Oculomo- 
torius am Boden des III. Ventrikels, Druck auf das Infundi- 
bulnra. Verdickung des Ependyms, welche wiederum zn Ref- 
zune der Kernregion führt). Ebenso muss wohl die Glyco- 
snrie (alimentär) auf Reizung durch Ependvmerkrankung des 
IV. Ventrikels bezogen werden. Fast typisch ist in ausge¬ 
sprochenen Fällen die bitemporale Hemianopsie, hervorgerafen 
durch den Druck der vergrösserten Hypophysis auf das 
Chiasma. Doch kommen auch einseitige Störungen des Ge¬ 
sichtsfeldes vor, znfolge des Druckes auf den einen oder 
anderen Opticnsstamm. Die Akromegalie kann in seltenen 
Fällen auch einseitig auftreten, dann ist auch einseitige 
Vergrösserung des Bulbi in toto beobachtet. Ferner sind zur 
Beobachtung gekommen rein centrale Störungen: im Orien¬ 
tierungsvermögen (Erkrankung des Vorderhirns), anamnes- 
tiache Aphasie, motorische Alexie, centrale Gesich ts fei dato- 
rungen. Endlich peripher auch Snpraorbital- und Gesichts- 
nenralgien infolge des Druckes auf den Trigeminus n. s. w. 

Klan: Es giebt noch ältere Fälle als der von Trnhart 
angeführte. Sternberg nennt ein Bildniss ans dem Jahre 
1553, welches fraglos einen Akromegalen darstelit. In Bezug 
anf das Erlöschen der Sexnalfnnktion. hat anch er auf die 
Spezifität der Fnuktionsstörnng Inngewieseii, ebenso hervor¬ 
gehoben, dass es sich immer um eine Unterfunktion der 
Drüse handelt, gleichviel ob makroskopisch eine scheinbare 
Hypertrophie oder Atrophie besteht. Was die zentralen 
Störungen anbetrifft, hat K. wegen der Menge des Stoffes 
nicht weiter drauf eingehen können. Hirnsymptome sind 
nicht notwendig, fehlen häufig völlig. In Bezug auf den 
Ursprung der Paraesthesien sind die Ansichten geteilt. 

Sekretär: Dr. Th. Lacks ohewitz. 


Vermischtes. 

— Znm Direktor und Oberarzt des hiesigen 
klinischen Elisabeth- Kinderhospilals ist der 
ältere Arzt des Kinderhospitals des Prinzen von Oldenburg, 
Konsultant für innere Krankheiten bei den Anstalten der 
Kaiserin Maria and Arzt der St. Petersburger Schale des 
St. Katbarinenordens, wirkl. Staatsrat Dr. R u s s o w, er¬ 
nannt worden. 

-- Der Oberarzt des St. Petersb. Börsen-ßarackenhospltals 
znm Gedächtnis Kaiser Alexander II., Spezialist der Pokrow- 
schen Gemeinschaft barmherziger Schwestern und Arzt des 
Berginstitnts, Staatsrat Dr. Fomin, ist auf eigenes Ersu¬ 
chen der erstgenannten Stellung enthoben wor¬ 
den. Zn seinem Nachfolger am Börseuhospital ist. wie wir 
bereits in der vorigen Nr. mitteilten, Dr. Dombrowski 
gewählt worden, 

— An der Universität Kasan ist der Prof, ord. der 
speziellen Pathologie und Therapie Dr. S a s e z k i — auf 
den Lehrstuhl der therapeutischen Hospital¬ 
klinik und der Prof. ord. der med. Diagnostik Dr. Ka¬ 
sern -Be k — auf den Lehrstuhl der therapeuti¬ 
schen Fakultätsklinik übergeführt worden. 

— Die medizinische Fakultät der Odessaer Universität, hat 
den Privatdozenten Dr. F. B u k o j e m s k i zum Professor 
der Geburtshülfe und Gynäkologie gewählt. 

— ln Charkow beging zu Ende des vorigen Jahres der 
dortige Stadtarzt Dr. F. Pisnjatschewski, das 25- 
jährige Jubiläum seiner ärztlichen Tä¬ 
tigkeit. 

— In der wiedererstandenen Gesellschaft der 
Aerztein Kielce wurden in den Vorstand gewählt: 
Dr. Tschaplizki — zom Präses, Dr. Ljaskowski — 
znm Vizepräses, Dr. J e d 1 i z k i — zum Sekretär und Dr. 
Schenk — zum Bibliothekar. 

(Gazeta lekarsga — K. Wr.J. 

— Ordensverleihungen: Der St. Annen- Or¬ 
den II. Klasse — dem Direktor des St. Andreas-Kiuder- 
asylß i. St. Petersb., Dr. Heinr. Taube; dem ält. Arzt 
des St. Pet. Nikolai-Kinderhospitals, Dr. V i c t o r .F e 1 d t 
und dem jüng. Ordinator des klinischen Elisabeth-Kinder- 
hospilals, Dr. Moses Abelmann. 

Der St. Sta-uislaus-Orden II. Klasse — dem äl¬ 
teren Arzt der Kais. Gesellschaft zur Erziehung adliger 
Fräulein, Dr. Fe rd. W e y e r t. 


Digitized by 




— Ausländische Orden: Der Oberarzt des Preobra- 
shenski-Krankenhanses in Moskau. Dr. Bashenow. ist von 
der französischen Regiernng mit dem Orden der Ehren¬ 
legion und der Korpsarzl des 2. sibirischen Armeekorps, 
Geheiinrat Dr. U d i n s k i, ist von der chinesischen Regiernng 
mit dem Orden des doppelten Drachen II. Klasse 
dekoriert worden. 

— Unserem Landsmann, dem früheren Dorpater, gegen¬ 
wärtig Königsberger Professor der Anatomie, Geh. Medizi¬ 
nalrat Dr. Ludwig- S t i e d a, ist der preussische 
Kronenorden III. Klasse verliehen worden. 

— Verabschiedet: Der ältere Arzt des Wetlugaschen 
Reservebataillons Dr. I d e 1 s o n, auf eigenes Ersuchen, nnd 
der ältere Arzt des Serabalakschen Reservebataillons Dr. 
Rennard, krankheitshalber — beide unter Beförderung 
zum Staatsrat. 

— Zum K i r c h s p i e 1 sa r z t inCamhv (Livland) ist, 
an Stelle des verstorbenen Dr. M anrach, der in Ober- 
pnlilen freipraktizierende Dr. E. K r n p p gewählt worden. 

— Der bekannte Physiologe Prof. Dr. v. Kries in Frei- 
bnrg. der durch eine wertvolle Schrift über die Causali- 
t ä t die j n r is ti 8 ch e Literatur bereichert hat, ist von 
der Marburger juristischen Fakultät zum Ehren¬ 
doktor ernannt worden. 

(A. m. Z.-Ztg.) 

— Verstorben: 1) Am 20. Dezember in Tiflis der dor¬ 
tige Arzt Dr. Stephan Ananow im Alter von 60 Jahren. 
Der Hingeschiedene, welcher seit. 1867 als Atzt tätig gewe¬ 
sen ist, leitete längere Zeit das örtliche Hebammeninstitut 
nnd war in den letzten Jahren auch Präsident der Kauka¬ 
sischen medizinischen Gesellschaft. — 2) In YVirballen der 
langjährige Warschauer Arzt. Dr. W 1 a d i s 1 a w S i p n e w - 
ski im 68. Lebensjahre nach fast 45 jäluiger ärztlicher Tä¬ 
tigkeit. — 3) In Pereslawl-Saleski (Gonv. Wladimir) der dor¬ 
tige Kreisarzt Dr. Wo) de mar Schill im 46. Leben sjah re. 
Die ärztliche Praxis hat der Verstorbene seit 1868 ansgedbt, 
anfangs als Stadfarzt. dann als Kreisarzt in der obengenann¬ 
ten Stadt. 4) Ara 10. Januar im Kirchdorfe Ramenskoje 
(Gonv. Moskau) der dortige Fabrikarzt Dr- Alexander 
V ogeler im Alter von 60 Jahren. V. begann seine ärztli¬ 
che Tätigkeit bereits vor 37 Jahren nnd fungierte auch als 
Arzt in der chirnrgischen Heilanstalt mit beständigen Betten 
der Aerzte Postnikow und Ssnmarokow in Moskau. 
5) In Amsterdam der bekannte Professor der Ohrenheilkunde 
Dr. Ghye. 6) In Lüttich der ehemalige Professor der Phar¬ 
makologie und geiichtlichen Medizin, Dr J. van Anbei. 

— Zum Nachfolger von Prof. Dr. Friedrich Moritz 
auf dem Lehrstuhl der Therapie nnd als Diiektor der medi¬ 
zinischen Klinik an der Universität Greifswald ist der Profes¬ 
sor für innere Medizin au der Akademie für praktische Medi¬ 
zin in Köln, Dr. Oskar Minkowski, berufen worden. Prof. 
Minkowski stammt aus Alexoten bei Kowno und machte 
seine Studien in Königsberg, wo er nach Erlangung des 
Doktorgrades Assistent von Prof. N a n n y n war, dem er bei 
dessen Uebersiedelung an die Strassburger Universität, folgte, 
um dort als Privaidozent und Assistent, zu fungieren. 

— Zum erstenDirektordes InatitutPasteur 
wurde, an Stelle des verstorbenen Prof. D'uclaux, der bis¬ 
herige zweite Direktor dieses Instituts Dr. Chamberland 
gewählt. 

— Dr. Theodor Czernay. der etwa ejn Jahr vor dem 
Ausbruch des Krieges von Mitan in den Fernen Osten als 
Marinearzt ging und zuletzt auf dem Kanonenbote «Bobr» 
diente, hat, wie die «Lib. Ztg.» aus der Liste der Ueberleben- 
den in Port Arthur entnimmt, die furchtbaren Strapa¬ 
zen der Belagerung glücklich überstanden. 

— Dr. Mich. Lew i tan ist vor Kurzem zur Wieder¬ 
herstellung seiner Gesundheit vom Kriegsschauplatz nach 
Riga znrückgekehrt. Er hat sich au der Schlacht bei Liao- 
jang beteiligt, wurde dort durch einen Schrapnell¬ 
spli t f e r verwundet nnd ist mit dem Stanislans- 
Orden II. Klasse belohnt worden. 

— Aus der Embachstadt hat. sich am 24. Januar Dr. 
Theodor Lackschewitz auf den Kriegsschanplaiz be¬ 
geben. wo er a 1 s A r z t i n d e r Prof. v. Z o e g e s c h e n 
Kolonne fangieren wird. 

— Ana Reval ist Dr. Ludwig Baron Maydell und 
aus Riga Dr. Daniel L e \v i n o w i t s c h zum a k t i v e n 
Dienst e i n b e r u f e n worden. 

— Das Komitee des Evangelischen Feldlazaretts hat nach 
der «St. P. Z.» den einstimmigen Beschluss gefasst, die Nor¬ 
malzahl der Helten im Lazarett von 100 auf 150 zu er¬ 
höhen. Mit diesem Beschluss kam das Komitee den wieder¬ 
holt geäusserten Wünschen des Oberarztes l)r. 0. v. S c h i e- 
m a d n entgegen, der auch bei dieser Vermehrung der Bet- 
tenzahl keines weiteren Zuwachses an Personal zu bedürfen 
versichert, um so mehr, als die vorhandenen Arbeitskräfte 
ebcufalls diese Erhöhung der Betietizahl und damit vermehrte 
Aufgaben and Pflichten dringend herbei6ehnteu. 


— Für das Evangelische Feldlazarett, welches 
den Ruf geoieaat, das beateingerichtete hu Fernen Osten 
zu sein, sind bisher an Spenden 286,000 Rbl. ein gegangen, 
von denen bereits 150,000 Rbl., verausgabt werden 
sind. 

— Universitätsjnbiläen. Am 12. Januar vollen¬ 
deten sich 150 Jahre seit der Gründung der Ves- 
kaner Universität und am 15. Januar 100 Jahre 
seit dem Bestehen der Charkower Univer¬ 
sität. Beide Jubiläen sind in Anbetracht der Zeitereignisse 
ohne offizielle Feiern vorübergegangen. Nicht ansgeblieben 
sind die traditionellen Jahresberichte, denen 
wir die nachstehenden statistischen Daten fiirdas 
verflossene Jahr 1904 entnehmen. Die Moskauer 
Universität zählte zum 1. Januar 1905 5489 Studie¬ 
rende (darunter 1349 Mediziner), 140 freie Zuhörer und 181 
Apothekergehülfen. Den Knrsns absolvierten 806, vor Been- 
I dignng ihrer Stadien verlassen die Universität. 327. Der 
j Lehrkörper bestand aus 72 ordentlichen Professoren 
j (davon in der medizinischen Fakultät 25), 17 aosseverdent- 
I liehen Professoren (in der med. Fak. 9), Privatdozenten in 
| allen Fakultäten zusammen 224, Prosekroren 5, Lektoren 3, 

I Astronomen l.insgesammt aus 322 Personen. — Die 
I Charkower Universität zählte am 1. Jannar 1904 
1 insgesammt 1486 Studierende und 122 freie Zuhörer. 

' Neuaufgenommen wurden 644 Htndenten nnd 61 freie Zuhöret*. 

I Das Lehrpersonal bestand ans 144 Personen. 

— Die Gesellschaft russischer Aerzte in 
Moskau hielt in der vorigen Woche ihre J a h r e 8 ver¬ 
sa in m 1 u n g unter dem Vorsitz von Dr. J. Ssarytschew 
ab. Nach dem Rechenschaftsbericht für das verflossene Jahr 
betrug die Zahl der M i t g 1 i e d e r 87. Die Einnahmen 
beliefen sich auf 9852 Rbl., die Ausgaben anf 9182 Rbl. —* Der 
Verein verfügt über ein Kapital von ca. 40,000 Rbl. Vom Fe¬ 
bruar an gedpnkt die Gesellschaft ein eigenes Journal 
unter dem Titel «Medizinskoje Obosrenije» heraus- 
zugeben. Der bisherige Präsident wurde fflr’s nächste Jahr 
wiedergewählt. 

— Die Konzession zur Herausgabe eines neuen alle 2 Mo¬ 
nate erscheinenden pharm a*z entischen Fachblattes 
ist dem Privatdozenten der Moskauer Universität Dr. med. 
.Schrscherbatschew und dem Mag. pharm- Altbau- 
sen erteilt worden. ~ . 

— Dr. Unna’8 Kurse über all» Gebiete der 
Dermatologie finden zu Hamburg, Osterstrasse 129, im 
Frühjahr und Herbst je 3 Wochen hindurch statt. Die Kurse 
werden abgehalten in dem npuerbauten Dermatologienm, wel¬ 
ches mit einem grossen, mit epidiaskopischem Projektions¬ 
apparat (Zeiss) versehenen Hörsaal ansgestattet ist. Ausser- 
i dem sind spezielle Arbeits- and Höiränrae vorhanden für 
j Histologie, Bakteriologie, Photographie und Finsentherapie; 
die KUrse berühren alle wichtigen Gebiete der Dermatologie 
unter spezieller Berücksichtigung der Histopathologie und 
der sich auf ihr aufbaueuden Diagnose und Therapie. . 

Es finden folgende Vorlesungen statt: 

Barg am: Normale Histologie der Haut, mit epidiaskopf- 
sclien Projektionen. (2 St.) 

Delbanco: Histopathologie der Haut, mit epidiaskopi- 
schen Projektionen. (3 St) 

Dretiw: Photographie; Mikroprojektion. (4 St.) 

Krause: Bakteriologie. (2 St.) 

Histologische Technik mit Uebnngen. (8 St.) 

Leistikow: Spezielle Pathologie und Therapie der 
Hautkrankheiten. (2 St.) 

L e v i: Dermatotherapeutische Präparate. (2 St.) 

Pappen heim: Theorie der Färbung. (2 St.) 

U n n a: Allgemeine Pathologie und Therapie der Haut¬ 
krankheiten. Mit epidiaskopischen Projektionen. (2 St.) 

Poliklinische Demonstrationen. (3 St.) 

W u I ff: Urologie. (2 St.) 

Das Honorar für den Gesamtknrsos beträgt 120 M., für 
einzelne Kurse 20 M.; Plätze für histologisches Arbeiten 
sieben ausserhalb der Zeit des Kurses zur Verfügung. Ge¬ 
bühr pro Monat 30 M. Wohnungen werden nachgewiesen 
durch den Institntspräparator Krüger, Osterstrasse 129. 

Der nächste Kursus findet vom 27. März bis 15. April 1905 
statt. Spezielle Auskunft erteilt Dr. Dreuw, Altona, Schul¬ 
terblatt 143. 

— Zar Einrichtung eines Instituts für wis¬ 
senschaftliche Krebsforschung an der Hei¬ 
delberger Universität haben der Herausgeber der 
deutschen Revue, Dr. Richard F1 e i 8 c h e r 150,000 Mark, 
der Düsseldorfer Landrat E b b i n g h a u s 150,000 Mk. nud 
die Baronin Rothschild 100,000 Mk. zur Verfügung ge¬ 
stellt. Die badische Regierung hat ein passendes Gelände für 
das Institut hergegeben und die Mittel zur Erhaltuup der 
Anstalt zugesichert. 

— Unfallversicherung. Seit dein 1. Oktober 1904 
sind au der Universität G ö 1 1 j i\ g e n die Studenten der 



Digitized by 


Google 


Medizin and Zahnheilknnde, der NiltnrwisspnBchnften mit 
Einschluss der Pharmazie und Landwirtschaft, sowie die 
Hörer und Hörerinnen von Vorlesungen der ernannten Fä¬ 
cher gegen Unfälle versichert, die ihnen zustossen in 
den Lehrgebäuden und auf dem Gebiete der Universität 
während der-Vorlesungen, Uebnngen n. s. w. in den Univer- 
sitätsnnstalten, auf dem Hin- und Rückwege, sowie bei Aus¬ 
flügen ausserhalb der Hochschule, insofern diese Ausflüge oder 
Reisen unter der Leitung und in Gegenwart eines Mitgliedes 
des Lehrkörpers der Universität unternommen werden. Die 
Versicherung ist abgeschlossen für den Fall dauernder In¬ 
validität auf 20,000 ÄL, für vorübergehende Arbeitsunfähig, 
keit vom 57. Tage an auf 4 M. den Tag. Die Versichernngs 
prämie beträgt 1 M. im Semester für jeden Versicherten. 

— Epidemiologisches. An Milzbrand sind im 
Wjatka sehen Gouvernement vom 12.—18. Januar 11 
Neuerkrankuugen konstatiert. — Laut amtlicher Meldung ist 
in der Woche vom 11.—17» Januar c. im ganzen Russischen 
Reiche nur e i n C h u 1 e r a f a 11, und zwar in der Stadt 
Nachitschewan (Gouv. Ei iwan) vorgekommen. Da jedoch 
das W i e d e r a u f t r e t e n der C h o 1 e r a i in F r U h I i n g 
zn erwarten ist, so hat der Minister des Innern durch etu 
Zirkulär an die Verwaltung des Ober-Medizinalinspektors 
und die Gouverneure vorgeschrieben, energische Massregeln 
zur Verhütung und Bekämpfung der Seuche rechtzeitig zu 
ergreifen. 

i Bf 

— Die Gesamtzahl der Kranken in den Civil- 
Hospitälern St. Petersburgs betrug am 15. Jau 
d. J.. $709(137 mehr als in d. Vorw.), darunter 623 Typhns — 
(12 mehr). 921 Syphilis — (42 mehr), 282 Scharlach— (1 wen.), 
80 Diphtherie (29 wen.), 45 Masern — (5 mehr) und 14 
Pockenkranke — (5 wen. als‘in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletiü St. Petersburg*. 

Für die Woche vom 9. bis zum 15. Januar 1906. 

Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 
es — i-' ^ 

Im Ganzen: 

.._ 5 *“S »“5 »“5 g 


M. W. Sa. 


* 2 ,ß 2 2 S S 

I I I I I I I 

o ' CD •—I CD •—t 



u 

ce 

u. 

ja 

tD 

a 


•“5 

s 

c 

ca 

o 

i— 

1 


T3 

a 

a 

M 

a 

61 

r-H 

00 

D 


I 702 467 1169 292118178 16 20 67 132 102 101 80 98 55 18 0 
2) nach den Todesursachen: 

— Typli. exautli.2, Typk.jtbd.37 t Febrjs recurrens 1,Typhus 
ohne Bestimniuugder Form0, Pocken 2, Masern 10. Scharlach 15, 
Diphtherie 23, Cronp 0, Keuchhusten 4 Croupöse I.ungen- 
I entziindung 56, Erysipelas 5, Grippe 11, Katarrhalische Lun- 
1 genentzündnng 164, Ruhr 3, Epidemische Meningitis 0. Akuter 
, Gelenkrheumatismus 0, Parotitis epidemica 1, Kotzkrankheit 0, 
Anthrax 0, Hydrophobie 0, Puerperalfieber 2, Prämie und 
! Septicaemie 17, Tuberkulose der Lungen 118. Tnbei kiilr ee an- 
i derer Organe 22, Alkoholismus und Delhium Iren ens 7. I e- 
I bensSchwächeund Atrophia infamon- 72. Maiasmus senilis JO. 
Krankheiten des Verdanungskanals 136, Totgeborene 35. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag, d. 8. Pebr. 1905. 

| Tagesordnung: Dobbert: Ueber operative Myom¬ 
therapie. 

i ♦- Nächste Sitzung des Deutsohen ärztlichen 
! Vereins: Montag, den 14. Pebr. 1805. 


»ANNONCEN JEDER ART werden in der Buchhandlung von K. L. RICEER in 

St. Petersburg, Nevsky-Pr. 14,sowie in allen in-and aasländ. Annoucen-Comptoiren angenommen. 


PERTUSSIN 


Extract. Thymi 
saccharat. Taeschner. 


ges. gesch. Einfuhr von der rnss. Behörde gestattet. 

Unschädliches, sicher wirkendes Mittel gegen: 

Keuchhusten, Kehlkopf- und Bronehialkatarrh. 

Literatnr in hervorrag. Blättern Deutschlands u. Oesterreich-Ungarns. 

Aerztliche Gutachten: 

Prof. I)r. Ernst Fischer (Strassburg): 

-Die Wirkung des „Pertussin- war eine überraschende; wenngleich ich 
nicht gerade sagen kann, dass der Keuchhusten sich in einigen Tagen in einen 
einfachen Katarrh verwandelte, so wurden diu Anfälle so milde, der Schleim so 
■locker, dass das Erschreckende des Keuchhustens, das Blau werden und die dro¬ 
hende Erstickung, vollständig wegflelen. 

Dr. Model, kgl. Bezirksarzt a. D. (Wetssenburg): 

Nach dem Gebrauch des Pertussin war es mir beim Erwachen plötzlich, 
als atbiuete ich die freie herrliche Luft aut einem Alpen-Giptel. Diese Leicht- 
athinigkeit fiel mir besonders auf, der ich infolgo langjähriger Bronchialkutarrhe 
an merklichem Emphysem leide. 

Dr. Alfred Müller (Neuhausen): 

Mein Urtheil geht dahin, dass das Pertussin ein Miltel ist, das in ktii- 
zester Zeit den mit Recht so gefürchteten Keuchhusten in einen ungefährlicher 
und fast unmerkbaren Bronehialkatarrh überzuführen vermag. Ich kenne zui 
Zeit kein anderes Mittel, welches sich des gleichen Vorzuges rühmen dürfte. 

Dr. Erich U. von Matzner (Birkfcld, Steierm.): 

Die drei mit Pertussin behandelten Bronchitiden, davon zwei bei Kindern, 
zählten zu den schwersten Formen und jedesmal erwies sich Ihr Präparat als von 
ausgezeichneter Wirkung; der starke Hustenreiz nahm in wenigen.Stunden bereit! 
ab und die Secretion begann sich bald zu verringern, die Temperatur fiel ab. 

Verkauf nur durch die Apotheken, sowie duich folgende Engros-Pepöts: 

H. Hierstümpfel, Apotheker, Marschau, Marszalkowska 136. Ad. Marciu- 
czik, Apotheker, Kiew. Pani Seebode, Apotheker, Riga, Kolkstr. 26. 
B» Schaskolsky, Petersburg, Carl Ferrein, Moskau. 

Hergestellt in der Kommandanten Apotheke E. Taeschner, Berlin C. 19, 
Seydelstrasse 16. • (l) 26—22. 



Sanatorium Villa Primavara. 

Gardone Riviera, Italien. 

Prospekte des Sanitätsrats Dr.Koeniger* 


lm Deutschen Alexander-Hospital wn ü 
Nachweis ertheilt über zur Zeit dienst¬ 
freie Pfleger und Pflegerinnen für die 
private Krankenpflege (gegen Zahlung 
von 50 Cop.). 

Adressen von Krankenpflegerinnen: 

Frau Minna Bieser, geb. Franke. CTa- 
pul IleTepro$cKift npoen. i. J4 16. 
kb. 28, y HoBO-KajtiBKMBa mocte. 
Alexandra Kasarinow, HiRoaaeBcnaa 
y*. i. 61, kb. 3S. 


Digitized by LjOOQle 


















NATÜRLICHE 

MINERALWASSER 


VICHY 


IMe Quellen gehö¬ 
ren der Französl- 


ren der Französi¬ 
schen Regierung. 

Man hüte sich vor Nachahmungen and bezeichne genau die Quelle. 


VICHY CELESTINS 

VIC HY BRANDE GRÜlS 

VICHY HOPITAL 


Nieren-, Harnblasen-, Magen- 
Krankheiten. 


Leber- nnd Gallenblasen- 
Krankheiten. 

Ll , 

, . .Krankheiten der Verdauung«- 
Organe, des Magens nnd der 
0 Därme. (2) 18—15. 


Adressen yod Krankenpflegerinnen: 

Sophie lfafthal. Bar octp. Tyworwiep- 

7. u. 5« 

Ludmilla Kawalkewita, Europa aaa- 
ckU man, x fi9, u. 23. 

Frau Ofilsen.U .0..171 jaie.BaaaM If, 

Qo. ia 

Lydia Du van, Bac Ocrp., 1 jbb.. x. 20 
KB. 17. 

Fraa Adelheid von Teraen, Rat ha* 
rinenkaaal 81, Q. 20. 

Fraa Oatharine Kohelaon, rarapaa- 
cuui yaaita i. 90, xa. 17. 

Fraa Turaan, Caaccaaa 21, am. 6. 

XXXXXXXXXXXXX 




Duotal -Heyden“, ein 

vollständig geruch- und 
geschmackloses Guaja- 
kol - Präparat, enthält 

________ I Ober 90 7° gebundenes, 

im Kftrper sich abspal- 

tcndes. also wirksames Guajakol. Ohne jegliche Gift- und Aetzwirkung; 
wird selbst von den empfindlichsten Patienten gern genommen und gut 
vertragen. Vorzügliches Mittel gegen Lnngen-Tnberknlose und chronische 
Katarrhe der Atamngsorgane. DarnantiHeptiknm bei Typhus und Enteritis. 

Dootal-Tabletten „Heyden- zu 0,3 und 0,5 g. 

Verbindung der wirksamen 
Bestandteile des Kreosots 
mit Salicvlsäure. Zur äus- 
se r 1 i c h e n Behandlung 
von Muskel- und Gelenk- 
Rheamatismus, Arthritis de- 
Formans. Ery sipelas, Lymphadenitiden und skrofulösen Drüsenanschwel¬ 
lungen. Lokale Einreibungen oder Einpinselungen von 3 bis 15 g ein- 
oder mehrmals täglich, bis zu 30 g pro die. 

Proben und Literatnr durch 

Chemische Fabrik von Heyden, Radebenl-Dresden, 

oder deren Vertreter: (22) 10—2. 

R. Crottet, W. 0., Sredny Prosp., 8, St. Petersburg. 


X 

X tri 

X .s 

X £ 

X L ® 

I -ü -f 

X S «5 
K S £ 



Hd 

© •» © 


.§3.5 ja 

3 

iT® => * 

m ®J! • 

«“OM »> 

_ 3 

||I i 

4 

*2 « m 
m Cd .3 

S © s. .© 


K « *8 ^ uS s 8 £ M 

es CO ^ «2 £ J 

n 09 . o ^ - « X 

X 'S fe I“ 2 | s X 

5 J “! - II t .t 8 

x S 1 ! IflS o ! i 

x a fe .1 ln -ex 

i S3 2 1 lf| I f i 

x 5 II 1 Jä !| 

XXXXXXXXXXXXX 


S o S 

®-2 . ^ 3 

E *g§ ► ö 

X 3 © Ä J * 

* SW a 

* n ? * s 


“ g Q S li 

I <4 


Aobb. neas. Cn6., 29 JiBBapa 1906r. herausgeber Dr. Rudolf W anach. Puchdtuckerei v.A. Wienecke. Katkarinonhofer Pr.JilA 


Digitized by kjOOQie 











GH^n'.L i^'ArtY, 

r J: l ; . -• r J». . • -n.. 


XXX. JAM6ANÖ. 


PAU £'ß 1<!?S 

ST. PETERSBURGER Nene Folge XXÜ. Jatfg. 


HEDIGINISC1E WOCEENSCEEIFT 

unter der Redaktion von 

Prof. Or. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Jurjew (Dorpat). Riff«. 

Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger Medicinische Wochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend.— Der Abonnementspreii ist in Russland 8 Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postzustellung;in den anderen 
Lindern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. DerXnsertienspreis 
iQrdie3tnal gespaltene Zeilen inPetitist 16Kop.oder35Pfen.—Den 
Autoren werden 25 Separatabzügeihrer öriginalartikelzugesandt. 

-Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


Ji 5 


St. Peter8bnrg, den ö. (18.) Febiaar. 


IV* Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von X. L. Bicker 
in St. Petersburg, Newsky-Prospekt 14, zu richten. — Xanue- 
cripte sowie alleauf die Redaktion bezüglichen Mitteilungenbit- 
tet man an den stellvertretenden geschä ftsführenden Redak¬ 
teur Dr. 2- Bleesig in St. Petersb. Wassili Ostrow, 1 Linie Ns 28 
zu richten. Sprechstunden täglich von 4—6 Uhr. 

1905. 


Inhalt: Dr. 8. Umerberger: Der konstitutionelle Faktor In der Schwindaachtsfrage. — Dr. B. Laqner: Ueber 
Winterknren im Hochgebirge. — Nachtrag znm Beferat: Boiler nnd Casey Wood. Methylalkoholvergiftungen. —Auszug 
aus den Protokollen der medizinischen Gesellschaft zu Dorpat. — Vermischtes. —Mortalitftts-Bnlletin 
8t Petersburgs. — Anzeigen. 


Der konstitutionelle Faktor in der Schwfntfsuchtsfrage. 

Von 

Dr. S. U n t e r b e r g e r. 

Die Tuberkulose im Frühstadium gehört zu 
den am leichtesten zu heilenden Infektions- 
krankheiten. Dieser Ausspruch Grancher’s im 
Juli 1901 auf der Tuberkulose-Konferenz in London 
yeranlasste v. Leyden zur Aeusserung «Se 1 ig sind, 
die da glauben*. Und doch hat Grancher bis zu 
einem gewissen Grade nicht ganz Uorecht. 

Der oesterreichische Militärarzt Franz hat an Sol¬ 
daten von zwei Regimentern Tuberkulin-Injektionen ge¬ 
macht mit kleinen Dosen von' l—3 mgm., welche Dose 
nur im Wiederholungsfälle auf 5 mgm. gesteigert wurde. 
Trotzdem und trotz der Tatsache, dass es sich um die 
gesunden Individuen der Bevölkerung handelte, fand er 
bei dem einen Regiment im ersten Dienstjahre 61 pCt. 
Tuberkulosefälle uud im zweiten Dienstjahre 68 pCt. 
Franz meinte, dass er bei Anwendung der ursprüng¬ 
lich von Koch empfohlenen Prüfungsdosis in der Höhe 
von l cgm. Tuberkulin annähernd die Naegeli’sche 
Leichenstatistik erzielt hätte. 

Auf Grund der diagnostischen Bedeutung der Koch*- 
schen Bazillen und unter Zuhilfenahme aller bekannten 
Erkennungsmittel hat Naegeli in Zürich unter Prof. 
Ribbert’s Leitung keine Leiche von Menschen, die 
im Alter ven mehr als 30 Jahren gestorben waren, ohne 
Zeichen einer staitgefundenen Infektion mit Tuberkulose¬ 
virus gefunden. Diese Resultate sind von pathologischen 
Anatomen in anderen Städten verifiziert worden. 

Bei Tieren finden wir ja ähnliche Beobachtungen. In¬ 
teressant in dieser Beziehung ist der. Fall, den Prof. 
Nocard beschreibt. Ein Stier erhält auf einer Aus¬ 
stellung für Schönheit der Formen bei kräftigem, gutem 
Ernährungszustände den ersten Preis und beim Schlach¬ 
ten findet man bei ihm eine tuberkulöse Drüse! 

Bei einer solchen Verbreitung .von ausgeheilten, lo¬ 
kalen Tuberkuloseprozessen in den Lungen (Naegeli 


bezeichnet sie als 1 a t e a t inaktiv* Tuberkulose), 
die da ausheilten, ohne im Hospital speziell behandelt 
worden zn sein, geschweige denn in Sanatorien Unter¬ 
kunft gefunden zu haben — da muss man Grancher Recht 
geben, wenn er die Tuberkulose zu den am leichtesten zu 
heilenden Infektionskrankheiten zählte. Wenn nun aber in 
den meisten Fällen die lokalen Prozesse in den Lun¬ 
gen gut heilen and die Arbeitsfähigkeit der Menschen 
nicht sonderlich stören, so lässt sieb das nicht behaupten 
von den vielen tuberkulösen Lungenprozessen, die wir 
gewöhnlich nntor dem Bilde der Lungenschwindsucht 
(letale Tuberkulose nach Naegeli) zur Behand¬ 
lung erhalten. Grancher hat bei seiner Aeusserung 
gewiss nicht diese Form der Lungentuberkulose im 
Auge gehabt, als er den vorerwähnten Ausspruch tat. 

Ein Unterschied zwischen diesen beiden Formen, der 
latent inaktiven (abgeheilte Affektion) und der 1 e- 
talen Tuberkulose ist evident. Wie lässt er sich 
erklären? 

Nachdem nach Cornet die von Kranken ausgehu- 
steten Tuberkulosebazillen in getrocknetem Zostande über¬ 
all durch Einatmen derselben Schwindsucht erzeugen und 
dieser Weg als der einzige zur Verbreitung und Ent¬ 
stehung der Schwindsucht Anerkennung gefunden, trat 
einige Jahre später Flügge auf mit der Behauptung, 
dps8 die Corn et’sche Theorie wenig haltbar sei, die 
meisten Bazillen seien tot, die Tuberkulose verbreite 
sich vorherrschend beim Sprechen mit tuberkulösen 
Kranken vermittelst der Bazillen enthalteuden Tröpfchen 
(Tröpfchen-Theorie). Nachdem hierauf die beiden 
ausgezeichneten Forscher sich gegenseitig überzeu¬ 
gend widerlegt hatten in einer, wie Voll and sich 
ausdrückte, in wahrem Sinne des Wortes luftreinigenden 
Controversn, trat wiederum ein hervorragender Forscher 
auf, nämlich Be bring, und erklärte, weder die Inhalations* 
noch die Tröpfchenlheorie sind die wahren Ursachen der 
Verbreitung der Tuberkulose resp. Schwindsucht, sondern 
die Milch der tuberkulösen Kühe ist die eigentl iche 
Quelle der Verbreitung und Entstehung der Tuber¬ 
kulose. 


Digitized by Google 



Bei so widersprechenden Anschauungen der ersten 
Forscher in diesen Fragen, wird der praktische Arzt 
ganz stutzig gemacht und weiss nicht, woran er schliess¬ 
lich glauben soll, wie er bei der Bekämpfung der 
Schwindsucht vorzugehen hat. 

Gegen die IramunmilCh von Behring, durch welche 
die Tuberkulose am sichersten bekämpft werden sollte, 
haben sich wohl die meisten gelehrten and praktischen 
Tuberkuloseforscher ausgesprochen. Gegen die Tröpfchen- 
theorie ist ausser C o r n e t nnd Behring in letzter 
Zeit Prof. Saug mann aufgetreten. Von 174 gesunden 
Aerzten, die durchschnittlich. 3 Jahre im Sanatorium 
arbeiteten und deren Schicksal 'noch durchschnittlich 
3 1 /* Jahre weiterverfolgt wurde, ist keiner an Tuberkulose 
gestorben, 5 sind an anderweitigen Krankheiten gestor¬ 
ben, 167 sind gesund geblieben, 2 sind tuberkulös er¬ 
krankt (latente Form), jetzt aber wieder gesund. 

Gestützt auf zahlreiche Tierexperimente, die aber 
meist unter unnatürlichen Verhältnissen bazillenhaltigen 
Staub einatmen mussten und Tuberkeln in den Lungen 
der Meerschweinchen und Kaninchen erzeugten, fand 
diese aörogene Theorie die meisten Anhänger. Menschen¬ 
experimente waren tot geschwiegen. Zu diesen muss ich 
vor allem die Beobachtungen von Haupt, Michaelis 
u. a. aus den seinerzeit renomierten Badeorten für 
-Schwindsüchtige, Soden, Ems.-Reh bürg u. a. an- 
.führen; Milliarden von Tuberkeibazillen wurden durch 
Sputum anf den Promenaden, and in den Wohnungen 
dieser Kurorte verstreut und trotzdem erholten sich die 
meisten Kranken und wurden auch gesund; unter den 
Einwohnern aber wurden nur in Ausnahmefallen Schwind¬ 
süchtige konstatiert und nur da, wo die Schwindsucht in der 
Familie bereits -vorkam. Dabei war von einer Desinfektion 
keiueRede. 'Eine ähnliche Sprache sprechen die Statistiken 
bei Erkrankungen der Eheleute an Tuberkulose« nachdem der 
eine. Teil gestorben. B r e h m e r-fand in 159.Ehen, Haupt 
in 20G. Ehen 12 pCt., .Cornet bei 594 Ehen in 23 pCt. 
der Fälle beide Ehegatten tuberkulös; Jacob uod 
Pann witz in 8 pCt., Meissen in 5 pCt. der Ehen. 

Trotz der" klaren und überzeugenden hinwände gegen 
die einseitigen Anschauungen der orthodoxen-Bak¬ 
teriologen von Seiten V i r c h o w ’s, H u e : p p e ’s, Gott- 
Steins, Marti us’, Reibmayers, Nauss' u. a., 
dass Erreger, Reize,' auslösende Momente 
überhaupt im Stande sind nur vorhandeue Krankheits- 
anlagen ansztiiüsen, blieben die Führer und Leiter in 
der Tuberkulosefrage auf allen Konferenzen bei ihrer 
Meinung und fuhren fort.die Exposition an Stelle 
der Disposition zu • stellen. Die Begriffe von Ent¬ 
stehung der Krankheiten blieben andauernd ganz un¬ 
berücksichtigt. 

Die .rationelle Auffassung über Pathogenese der 
Krankheiten speziell der Schwindsucht, ist neuerdings 
■endlich zum entscheidenden Kampfe heräusgefordert 
•und zwar durch die Naegeli’schen Untersuchungen. . 

:. ;Auf Grund der Resultate an dem Material von -500 
Sektionen des .Züricher pathologischen; Instituts .behaup¬ 
tet Naegeli:'«J.eder Erwachsene ist tuber- 
. kn-litte». Dieses Resultat, weit entfernt davon uns 'zu 
..erschrecken, birgt vielmehr Trost und Hoffnung in sich, 
denn da erfahrungsgetuäss nicht mehr als ein */ 7 bis 
. der Menschen der schrecklichen Krankheit znm Opfer 
fällt, so ergiebt: sich daraus, dass weitaus die Mehrzahl 
: imstande ist v den Kampf mit der Tuberkulose siegreich 
ffnrchzuführen -und die Sturmflut der, Bazillen durch die 
^natürlichen Schutzwehren des u Organismus einzudammen 
und zur Ruhe zu bringen. Es eröffnet sich dadurch auch 
-eine rationelle-Therapie, die Hoffnung auf Erfolg bat, 
indem: unsere''ResuHate-zeigen, wie ausserordentlich oft 
der Körper vermöge -seiner natüfHeben Schutzeinrieh- 
tubgen:die eingedrungenen Tuberkeibazillen vernichten 
kann. 


In schlagender Weise erhellt ferner aus dem Ver¬ 
hältnis der letalen zu der lateuten Tuberkulose 
die ungleich grössere Wichtigkeit der Dis¬ 
position des Körpers, als die der Infek¬ 
tionsmöglichkeit. «Da eben nach den Resultaten 
der Statistik mit dem 18. Jahre so gut wie alle Men¬ 
schen bereits mit Tuberkulose infiziert sind, so ist für 
den letalen Ausgang des Leidens nicht die Infektion, 
sondern in weit höherem Grude die Disposi¬ 
tion entscheidend. 

«Wenn die Infektionsmöglichkeit, sagt Schlüter 1 ), 
eine so grosse ist, dass nur ein minimaler Bruchteil der 
erwachsenen Menschen ihr entgehen könnte und wenn 
dann die stattgehabte Infektion bei den einzelnen In¬ 
dividuen so auffallend verschiedene Folgen hat, dass 
z. B. nur ein Brachteil aller Infizierten klinisch als 
tuberkulös erkrankt angesehen werden kann, 
während ein auderer Teil rapide der Infektion erliegt 
und ein noch-weit grösserer Bruchteil im ärztlich-klini¬ 
schen Sinne gesun.d* bleibt, so schliesse ich mit Nae¬ 
geli, dass die Widerstandsfähigkeit der In¬ 
dividuen gegen die Infektion doch ganz erheb¬ 
liche Unterschiede aufweist. 

Von Seiten der Bakteriologen sind nun gegen diese 
Schlussfolgerungen vor allem folgende Einwäude erho¬ 
ben worden. 

Es wurden Einwände erhoben in der Behauptung der 
Existenz einer verschieden grossen Stärke der In¬ 
fektion. Nicht die Anlage, sondern eine verschieden 
starke Quantität der Erreger konnte sehr wohl die 
auffallenden Unterschiede in den Erfolgen der Infektion 
erklären. 

Die ; Meuge der anwesenden Bazillen, sagt hierauf 
Naegeli, kann nicht ausschlaggebender Faktor sein, 
da viele bazillenreiche Herde ebenfalls nicht selten die 
ausgesprochenste Tendenz zur Heilnog zeigen, während 
umgekehrt z. B. die grosszellige Lymphdrüsentuber- 
kulose bei spärlichen Bakterien uod stärker Aushei¬ 
lungsneigung sich Über viele Jahre hioziehen kann. Der 
Begriff einer Disposition kann nicht umgangen werden 
nnd diese Disposition ist die Hauptsache in 
der ganzen Frage. 

Ferner könnte angeführt werden, dass die Unter¬ 
schiede im Ei folg der Infektion einem Virnlenzun- 
t er schiede der Erreger zur Last zu legen seien, 
während N aegel i sie durch die Existenz verschiede¬ 
ner Grade der individuellen Disposition 
zu erklären versucht. 

K o s s e 1, Weber, H e u s s veröffentlichten neuerdings 
wichtige Resultate über Versuche zur Klärung der Ver¬ 
hältnisse des Erregers der Perlsucht zu denen der 
menschlichen Tuberkulose. Die Autoren züchteten 41 
Stämme von 40 Personen und entnahmen die Tuberkei¬ 
bazillen aus den verschiedenen Organteilen des Men¬ 
scheu. Nach dem mehr oder minder grossen Effekt des 
Experiments im Tierkörper (Rind) werden die Irapfre- 
soltate, beziehungsweise die dazu jeweils gebrauchten 
Stämme nach drei Gruppen geordnet. Gruppe.I: gar 
keiu oder nur minimales Impfresultat, kein Fortschrei¬ 
ten über die nächsten Lyinphdrüsen. Gruppe II: Erheb¬ 
lichere Drusenherde an verschiedenen Stellen. Gruppe III: 
4 Stämme erzeugten, im Tierversuch allgemeine disse- 
minierte Tuberkulose, intraveuöse Injektion damit tötete 
die Tiere akut. 

Cornet will nun diesen Versuchen nicht die Bedeu¬ 
tung .zumessen, die Naegeli ihnen zuschreibt, der 
sie durch die Existenz verschiedener Grade der indivi¬ 
duellen Disposition erklärt. Was die verschiedene Viru- 

0 Schititer:Die Anlage zur Tuberkulose 1905. 
Folgende Quellenangaben sind entlehnt diesem hochinteres¬ 
santen Werke, welches jedem, der sich mit der Tuberkulose 
beschäftigt, aufs wärmste zu empfehlenIst. 


Digitized by kjOOQie 



41 


lenz der Tuberkelbazillea betrifft, so nimmt C o r n e t 
jetzt Stellung in. dieser hochwichtigen Frage. Er wirft 
die Frage auf, ob wir berechtigt sind, solche 
Veränderungen, wie Schlenker, Naegeli, Burk¬ 
hardt sie fanden, einer derzeitigen oder 
früheren Tuberkulose zuzuschreiben, die 
auch zur Verbreitung, zur tödlichen Lungen¬ 
schwindsucht hätte führen können und, sich 
stützend auf die cbenangeführten akuten Untersu¬ 
chungen, verneint er sie. Denn wer bürgt dafür, 
meint Cornet, «in wie vielen Fällen davon es sich 
lediglich um die Residuen eines im Ganzen harmlosen 
Prozesses, verursacht durch wenig pathogeneTu- 
berkel bazillem, gehandelt hat, die bei gewissen 
Tierarten und beim Menschen überhaupt nur eine sehr 
beschränkte Entwickelungsfähigkeit haben, oder gar nur 
als spezifisch giftige Fremdkörper, aber nicht als 
eigentliche Infektionskeime wirken*. 

Cornet behauptet also jetzt: Es giebt Tuber¬ 
kelbazillen, die im Menschen uicht als ei¬ 
gentliche Infektionskeime wirken! 

Das ist ein höchst überraschender und sehr interes¬ 
santer Ausspruch! Er ist um so bemerkenswerter, weil 
er nicht von einem Dispositionsfanatiker 
stammt, sondern im Gegenteil von einem Bazillen- 
fanatiker. Der hervorragende Forscher und bedeu¬ 
tende Führer auf dem Gebiete der Tuberkulose, Cor¬ 
net, der in seinem grossen Werke noch so fanatisch 
sich aussprach für die Inhalationstheorie als einzige 
Ursache der Entstehung und Verbreitung der Tuber¬ 
kulose, und sich in seinem Ideengange hinreissen liess 
zu der Aeusserung, dass sogar ein Bazillus imstande 
sein könnte, Schwindsucht zu erzeugen, behauptet jetzt: 
die Tuberkelbazillen sind nicht stets Infektions¬ 
keime! 

Wenn alle Fehlerquellen in den Arbeiten der citir- 
ten drei Forscher auszuschliessen sind, darf nach 
Schlüter mit Recht auf eine verschiedene Viru¬ 
lenz der Tuberkelbazillen geschlossen werden, aber dass 
dabei nicht lediglich die verschiedene Virulenz der 
Tuberkelbazillenstämme es ist, wie Cornet den 
Schluss zieht, welche den so eminent verschiedenen Ver¬ 
lauf der menschlichen Tuberkulose, von den minimalen 
latenten Herden Naegeli’s bis zu den schweren rasch 
tödlichen Fällen, erklärt, sondern dass die Differenzen 
in der individuellen Disposition der Versuchstiere eine 
Hauptrolle spielen, steht ausser Frage. Die Versuche 
zeigen aber auch deutlich, wie der auslösende 
Faktor, die Infektion, eine variable Grösse 
Jarstellt. 

Es ist hier am Platz ein paar Aeusserungen anzufüh¬ 
ren, die vor langer Zeit gemacht, aber nicht die nötige 
Würdigung gefunden haben. Prof. R i b be r i,schreibt im 
Jahre lüOu: «Nun lässt man freilich wohl die Disposition 
im allgemeinen gelten, aber bei der Tuberkulose speziell 
will man nicht viel davon wissen und möchte die Ver¬ 
schiedenheit des Verlaufes auf die wechselnde Virulenz 
der Bazillen allem beziehen. Das halte ich für einseitig. 
Weshalb soll inan denn nur den einen Faktor in Be¬ 
tracht ziehen? Ist denn der Organismus eine konstante 
Grösse und können nur die Bakterien sich verändern?... 
Was wissen wir denn über die wechselnde Virulenz der 
Tuberkelbazillen im Menschen? Sehr wenig. Aber neh¬ 
men wir einmal an. es kämen wirkliche durchgreifende 
Virulenzunterschiede vor und es würden bei Menschen 
mit leichter Tuberkulose stets abgeschwächte, bei schwer 
erkrankten immer vollvirulente gefunden, wurde. das 
auch nur das Geringste dafür beweisen, dass nun beide 
Kranke auch , von Anfang an mit Bazillen ' eiitsprechen- 
der Virulenz infiziert worden seien? Durchaus nicht. Die 
Bazillen könnten im ersten Falle sehr wohl durch deu I 
nicht voll empfänglichen Körper abgeschwächt worden 


äein. Denn wir-wissen .ja, dass die Qualitätsänderongen 
des Nährbodens auch im; Reagenzglas geeignet sind, die 
Virulenz herabzusetzen oder gar aufzuheben». 

In ähnlicher Weise spricht sich auch Uueppe' aus:- 
«Die Bedingungen, unter denen die Bakterien leben, ent-, 
scheiden darüber, ob dieselben veränderlich oder unver¬ 
änderlich sind. Die Arten der Farben, _ Gährungen und 
Krankheiten erregenden Bakterien sind damit tatsächlich 
nicht alsArtenim naturhistorischen Sinne, 
sondern als Ernährungsmodifikationen er¬ 
mittelt. In Wirklichkeit passt sich der Bazillus den 
Bedingungen au und bleibt glpich, so lange diese gleich. 
bleibeu, ändert sich aber, wenn diese sich ändern». • 

Alles Angeführte berechtigt uns zum Schluss, dass 
die l nd i vi d u e 11 e A n 1 age, ebenso wie di» Erre-- 
ger, eine variable, keine konstante Grösse sind 
und je nach den wechselnden Verhältnissen 
dieser beideu Grössen entsteht in Folg» der Infektiou 
eine ira klinischen Sinne eigentliche tuberkulöse Er¬ 
krankung leie ht r schwer oder gar nicht. 

Eine jetzt unbestrittene Tatsache ist das Vorhan¬ 
densein einer individuellen Disposition zur 
Tuberkulose und dieselbe kann acquiriert oder, 
ererbt sein. Sehr oft wird eine Disposition zur Schwind¬ 
sucht acquiriert durch AI ko ho 1 i s m u s.-Im . grossen 
und ganzen sind es aber antisanitäre Verhältnisse, die 
am meisten daran Schuld tragen, denn wir sehen, wie 
die tuberkulösen Lungenkranken sich sofort zu erholen 
anfangen, sobald sie nur in gute sanitäre Verhältnisse 
kommen, auch ohne medikamentöse Behandlung. 

Hereditär Disponierte geben die meisten 
Fälle von Phthise, diese Schlüsse sind neuerdings auch 
aus den sorgfältigen und wertvollen Arbeiten Riffel’« 
gemacht worden. Schl tt te r hat aus ihnen Ahnenta¬ 
feln zusammengesetzt, wo die gesamte Erbmasse des 
Eiuzeiindividuums ganz und voll zum Ausdruck kommt; 
Es ist das ein Verdienst des Historikers Prof. Lorenz, 
dass wir einen neuen Weg, die Verwendung der 
Ahnentafel, betreten haben, um in der Frage der 
Erblichkeit pathologischer Anlagen weiterzu- 
koinnieu. Denn nur um pathologische Anlagen, 
Anamalien, Schwächen der Konstitution kann es sich bei 
der echten Vererbung handeln; die Krankheit 
selbst ist eiu Vorgang und als solche r nie¬ 
mals erblich. In den Ahnentafeln steckt die 
ganze Erbmasse des als Ausgangspunkt 
gewählten Individuums, die weiblichen Ahnen- 
sind vollständig darin enthalten. 

Die Stammbäume dagegen verzeichnen nur solche 
Mitglieder, -die denselben Familiennamen führen, und 
scheiden mithin diejenigen weiblichen Mitglieder aus, 
welche durch Heirat einer anderen Familie und mithin 
einem anderen Stammbaume angereiht worden sind. Der 
Stammbaum geht also herab von einem Stammvater 
zu Kind und Kindeskindern; die Ahnentafel be- 
ginut mit einem Individuum oder mehreren Geschwistern 
und steigt, die väterliche wie mütterliche Seite gleich- 
massig berücksichtigend, herauf zu den 2 Eltern, 4 
Grosseltern, 8 Urgrosseltern u. s. w, 

Es ist somit die Ahnentafel, weil »fe 'die von den 
männlichen, wie von den weiblichen Ahnen kommenden 
Vererbungsmöglichkeiten zugleich 'Veranschaulicht, zur 
Krblichkeitsforschung von der grössten Bedeutung. 

Auf Grund von bakteriologischen Un tersu¬ 
ch n nge ii j ü,n gste r Zeit und auf Grund der Er¬ 
fahr u u ge n ’ des praktischen Lebens können 
wir unsere .^rüge «wie d i e 1 a t e n te,p und letalen 
Fälle zu erklären sind» nicht »ändere beantworten 
als’auf folgende tyüisb: • ' ' . 

I) Die latente uud letale Tuberkulose 
sind nicht; w e s e n 11 i c h, s o n d e r n n u r g r a d u e 11 
verschieden. , . •.; 


Digitized by VjOOQie 



43 


2) Erreger wie Individuelle Anlage sind 
variable, keine konstanten Grössen nad 
je nach dem weehselndenVerhiltaisse die¬ 
ser beiden Grössen eotstebt in Folge der 
Infektion eine im klinischen Sinne eigent- i 
liebe tuberkulöse Erkrankung leicht, 
schwer oder gar nicht. 

3) Die ausgehusteten Bazillen sind wahr¬ 
scheinlich in der aberwiegenden Mehrzahl 
der Fälle schon dem Sapr o ph y te n : Z u - 
stände 2 ) sehr nahe I o f ektionskei me und 
rufen bei kräftigen Menschen meist 
latente inactive Tuberkulose hervor. 

4 ) Zum Zustandekommen der Schwind¬ 
sucht spielt die hereditäre Anlage die 
Hauptrolle. 

Die Direktive für unser Handeln im erfolgreichen 
Kampfe mit der Schwindsucht ist klar vorgezeichnet: 
wir müssen vor allem den konstitu¬ 
tionellen Faktor im Organismus kräf¬ 
tigen und stählen, um vorzubeugen einer zu 
acquirierenden Anlage oder die hereditäre Anlage zu be¬ 
kämpfen. 

Die Jagd nach Bazillen kommt in z w e i t e r 
Linie. Man muss sie vernichten, wo man ihrer hab¬ 
haft wird, aber nicht vergessen, dass die ausgehusteten 
Bazillen nicht so viel Schaden bringen, wie die Bakte¬ 
riologen es sich gedacht. Im gesunden Organismus kom¬ 
men die Tuberkelbazillen nicht auf. Wer in einer tu¬ 
berkulösen Familie o u r sein Augenmerk richten wird 
auf die Vernichtaug der Bazillen, wird oft erleben müs¬ 
sen, wie einer und der aodere in der Familie an Tu- i 
berkulose zu Grunde geht. 

Was geschieht nun zur Kräftigung 
des Körpers? Im Allgemeinen sehr wenig. W o - 
rin aber besteht unser Handeln? Meist 
im Streben, das Sputum zu vernichten und in der An¬ 
wendung fälschlicher Weise als spezifisch angepriesener 
Heilmittel. 

Als Grund des gegenwärtigen Handelns wird stets 
angeführt, dass in Deutschland die Tuberkulose-Sterb¬ 
lichkeit abgenommeo hat, dank den Massregeln, die man 
zur Vernichtung des Sputums Schwindsüchtiger unter¬ 
nommen. In Preussen ist nach v. Leyden (1904) 
seit dem Jahre 1890 bis zum Jahre 1902 die Tuber¬ 
kulose-Mortalität gesunken von 28 auf 19. Nach 
A s c h e r ist nun diese Morlalitätsziffer stetig gesun¬ 
ken schon vor 1890 und zwar dank den Verbesserun¬ 
gen der Sanitätsverhältnisse, wie es derselbe Grund 
gewesen in London, wo dieselbe in 50 Jahren gesunken 
ist von 46 auf 16 pro Tauseud. Dieses gläozende Re¬ 
sultat in London muss man nur der Verbesserung der 
sanitären Verhältnisse zuschreiben, weil von Sputum- 
Vernichtung zu der Zeit ja gar keine Rede war. Aus¬ 
serdem müssen wir nicht vergessen, dass die Veröffent¬ 
lichung der Verhaltungsraassregeln in Betreff der Besei¬ 
tigung und Desinfektion des Sputums, erst Ende 
1890 erfolgte, also unmöglich sofort überall befolgt 
werden konnte. 

Die strikte Erfüllung dieser Vorschriften in Deutsch¬ 
land wird ja auch bis jetzt nicht überall streng eiuge- 
halten. Bis in die jüngste Zeit, schreibt W e i c k e r, 
klagen die Inspektoren der Fabriken, dass immer noch 
nebenbei gespuckt wird. Es wird also in Deutschland 

a ) Anm. In jüngster Zeit hat Schrön, Piof. In Neapel, 
Tuberkulose und Schwindsucht für zwei verschiedene 
Prozesse erklärt, welche durch zwei verschiedene Mikroben 
hervorgernfen werden. Wahrend der plithisiogene Mikrobe 
Sc li r ö n ’• die grossen Zerstörungen in den Langen erzeugt, 
ruft Koch’s Mikrobe meist lokale Prozesse hervor mit 
ausgesprochener Tendenz zur Heilung, (v. Schrön. Der 
neue Mikrobe der Lnngenphthise und der Unterschied zwi¬ 
schen Tuberkulose und Schwindsucht. München 1904). 


meist «weiter gespuckt nach Koeh, wie vor 
Koch!». Bei diesem Stande der Dinge erscheint es 
etwas sonderbar, dass der hervorragende Tuberkulose- 
Forscher B. Frankel noch in diesem Jahre schreibt: 
«Alle Massnahmen, die jetzt znr Tuberkulosebekämpfung 
geschehen, gehen von der Annahme der aörogenen Ver¬ 
breitung der Tuberkolose aus. Schon daraus, dass z. B. 
bei uns io Preussen sich eine schnelle und stetige Ab¬ 
nahme der Todesfälle an Tuberkulose gerade in den 
letzten Jahren konstatieren lässt, ist zu ersehen, dass 
wir io der Tuberkulosebekämpfung auf dem richtigen 
Wege sind*. 

Es ist ja nicht zu leugnen, dass häufige Invasionen 
sehr zahlreiche Herde latenten Charakters erzeugen 
können, die ihrerseits verschiedenen Tuberkelbazilleu- 
stämmeo angehören und, wenn noch lebensfähige Bazil¬ 
len in denselben sich finden sollten, dieselben imstande 
sind bei acquirierter Disposition in hoch r 
virulente sich umzuwandelu und zur Phthisis zu führen. 
Deshalb muss mau bemüht sein die B&zilleu, wo man 
ihrer habhaft wird, selbsverständlich zu veruichten, aber 
wo sie finden, da sie io alle Winde verstreut sind?! 
Bei der Ubiquität der Tuberkelbazillen ist es also 
kein so grosses Vergehen, wenn inan den einen oder 
anderen Kranken uicht veranlasst sein Sputum zu ver¬ 
nichten; es erzeugt in der Regel nur einen abgekapsel¬ 
ten tuberkulösen Herd. Eine grosse Unterlas¬ 
sungssünde ist es aber von uns, wenn wir nicht 
den anderen Faktor bei Entstehung der Krankheit streng 
ins Auge fassen — die A n i a g e. Der menschliche 
Organismus muss gestärkt werden, um dem überall 
lauernden Feiride mit Erfolg Trotz zu bieteD. Der kon¬ 
stitutionelle Faktor bei der Schwindsucbts- 
frage ist der bei weitem wichtigere Teil! 

Die Mittel zur Stärkung des Organismus haben die 
Sanatorien für Schwindsüchtige in allen Details ausge¬ 
arbeitet und diese bestehen iu dem hygienisch- 
diätetischen Regime. Deutschland ist das Land der 
Sanatorien und in diesem Jahre (1904) besitzt es schon 69 
Volkssanatorien und25 Privatheilanstalten — insgesamt 
94 Heilanstalten. Die Zahl der Betten in den Heilstät- 
teu betrug Ende dieses Jahres 7500, es konnten also, 
einen viermaligen Wechsel der Kranken im Lanfe des 
Jahres vorausgesetzt, in Summa nicht weniger als 30000 
Kranke pro Jahr einer heilsamen ärztlichen Behandlung 
in den Heilstätten unterzogen werden. Die Kosten für 
den Bau dieser Heilstätten belaufen sich anf mehr 
als 30 Millionen Mark. 

30000, noch dazu ausgesuchte Fälle, die jährlich in 
Sanatorien untergebracht werden, ist eine stattliche 
Zahl, aber im Vergleich zur Zahl der Tuberkulösen in 
ganz Deutschland imponiert sie wenig. In Deutschland 
sterben täglich 300 an Tuberkulose, also jährlich etwa 
120000; in Europa Uber eine Million. Bei Berücksich¬ 
tigung der durchschnittlichen Krankheitsdaner von 5—6 
Jahren, ist nach Weicker auzunehmeo, dass in Eu¬ 
ropa mehr als 5 Millionen an Tuberkulose gleichzeitig 
erkrankt sind, im Deutschen Reiche also 600000. Diese 
Werte sind gewiss eher za niedrig als zu hoch ge¬ 
griffen. 

Die Volkssanatorien 8 ) verlassen als klinisch geheilt 
kaum 5 pCt.; Arbeitsfähjgkeit erlangen nach 2 Jahren 
40 pCt., nach vier Jahren siükt die Zahl auf 28 pCt. 
Von den 72 pCt., welche Sanatorien besuchen — dss 


J ) Arnn. Es weiden die Patienten auch in Deutschland 
noch immer zn spät in Sanatorien untergebracht und der 
dreimonatige Aufenthalt ist zu gering, um Heilung zu er¬ 
zielen. In Privat-Sanatorien dauert der erfolgreiche Aufent¬ 
halt jahrelang, der Prozentsatz von Heilungen steigt im 
Durchschnitt auf 20 pCt., muss aber noch höher steigen, 
wenn nnr die Patienten gleichfalls bedeutend früher die 
Sanatorien aufsuchen würden. 


'N. ' 



Digitized by 


Google^. _ 


48 


sind jetzt in Deutschland im Jaht* 30000 — haben 
also 21600 nach vier Jahren keine Arbeitsfähigkeit er¬ 
langt, sind gestorben oder in Siechen- oder Invaliden- 
häusern. 

Es fragt sich nun, lassen sich nicht bei der enormen 
Ziffer der Tuberkulösen billigere Ergänzungs- oder Er¬ 
satzmittel für die teuren Sanatorien schaffen, die einer 
noch grossen Anzahl von Kranken zugute kommen 
können. 

Es werden schon viele Stimmen laut, die gegen den 
Bau der grossen und kostspieligen Sanatorien sich ans¬ 
sprechen. An der Spitze steht England, das inehr für 
die Bekämpfung mittels hygienischer Einrichtungen tun will, 
Frankreich plaidirt fürDispensaires autituber- 
culeux. Da die Ansteckungsgefahr durch Schwindsüch¬ 
tige in Sanatorien—wo sie ja zur Reinlichkeit er¬ 
zogenwerden— gleich Null ist, so werden sich Haus- 
Sanatorien nach meinem Muster überall billig einrich¬ 
ten lassen. Alle diese Einrichtungen gehen nun auf das 
hygienisch-diätetische R eg i ra e, hinaus, wie es 
die grossen Sanatorien so vorzüglich ausgearbeitet und 
in praxi brillant durchgeführt haben. Wir müssen nie 
vergessen, dass es nicht allein genügt, den Tuberkulösen 
bessere Wohnung, die Mittel zur besseren Ernährung 
zu schaffen, weil dann für Wohlhabende die Heilstätten über¬ 
flüssig erscheinen müssten. Das systematisch Heil¬ 
stätte n i'egi me ist es, was eine so grosse Verände¬ 
rung bei Heilstätten-Insassen hervorruft. Allerlei Vor¬ 
träge über Hygiene, Projektionsbilder, alle populären 
Schriften erreichen nicht, was Gewöhnung erzielt, 
wie sie der monatelang dauernde «Drill* in den Heil¬ 
stätten schafft. Die Dauererfolge allein der Heilstätten¬ 
behandlung zuzuschreiben, das ist nicht möglich, es wir¬ 
ken hiebei andere Faktoren mit, welche in dem Erkrank¬ 
ten selbst zu suchen sind, die Sanatorien aber geben 
ein mächtiges Mittel, die Tuberkulose rascher, leichter 
und sicherer zu bekämpfen. 

Ein Hauptfaktor bei dem bygienisch-diäteti- 
sc hen Regime ist die von W i n t e r ni t z in Sanato¬ 
rien eingel'öhrte systematisch angewandte Hydrotherapie. 
Die systematisch ausgeführten einfachen Abreibungen 
mit Wasser — darunter braucht man fälschlicherweise 
nicht nur kaltes Wasser zu verstehen — lassen sich 
überall durchfuhren, und welchen wohltuenden, stärken¬ 
den Einfluss auf den gesamten Orgauismus üben sie 
nicht aus? Es ist ganz unverständlich, wie schwer sich 
das im gewöhnlichen Leben einbürgert. Die Abrei¬ 
bungen beeinflussen die Innervation und Cirkulation 
im ganzen Organismus, befördern und erleichtern die 
Expektoration, vermehren die Lenkocytose, heben die 
Alkalescenz des Blutes, mit einem Worte — sie wirken 
aufHebung des gesamtenStoffwechsels ein. 
Und trotz dieser wichtigen Erfolge — wie wenig werden 
dieselben von den Aerzten gewürdigt. Wohl sieht man 
die Schwindsüchtigen in Spucknäpfe spucken , sie 
erhalten alle möglichen specifischen Medikamente, auf 
die Ernährung wird Sorgfalt verwendet, dabei aber 
sieht man häufig den Kranken Wochen- ja monatelang 
ungebadet, nicht gereinigt, den Körper bedekt von 
Schweiss und Talg. Der Kranke ist wie neubelebt, so¬ 
bald man ihn mit warmem Brantwein reinigt, und wie 
kräftigend wirkt das fortgesetzte tägliche Abreiben des 
ganzen Körpers! Wer sich einmal die Mühe genom¬ 
men, diese Massregel auzuwenden, wird nicht begreifen, 
warum er nicht schon früher so gehandelt hat 4 ). 

/) Anm. Winternitz will oft Kranke gesehen haben, 
deren Lebensverhältuisse er nicht zn bessern imstande war. 
die unter den allerungünstigsteo, primitivsten Verhältnissen 
lebten und nur unter der Einwirkung von hydro-therapeuti- 
schen und thermischen Reizntigen in der Ernährung sehr 
gebessert wurden. 


Das einfachste und sicherste Mittel zn einem erfolg¬ 
reichen Kampfe mit der Schwindsacht ist das überall 
mögliche Einfuhren des hygienisch-diätetischen 
Regimes. Wie in den chirurgischen Abteilungen jetzt 
niemand etwas einzuwenden hat gegen das aseptische 
resp. antiseptische Heilverfahren, so müsste in allen 
Abteilungen für chronische Brustleidende 
das hygienisch-diätetische Regime das Bür¬ 
gerrecht erhalten. Ohne Erfüllung dieser Forde¬ 
rung kann an eine rationelle Bekämpfung der Schwind¬ 
sucht nicht gedacht werden. 

November 1904. 


Ueber Winterkuren im Hochgebirge. 

Von 

Dr. B. Laquer in Wiesbaden. 

Die ärztlichen Anschauungen über die Heilanzejgen des 
winterlichen Höhenklimas sind nicht älter als 30 Jahre: bis 
vor wenigen Jahren waren Phthiseotherapie nnd Hochgebirge 
einander deckende Begriffe; in der Darstellung, welche 
H c li u c h a r d t in den Jahrbüchern der Erfurter Akademie 
1898 gelegentlich des Todes von H. B r e li m e r - Görbersdorff 
veröffentlichte, kommt dies zum Ausdruck. — Dass auch 
Nervenleideude den Winter anstatt im Süden, anstatt am 
Mittelmeer mit grösserem nnd vor allem rascher eintre¬ 
tenden Nutzen in den Eis- uud Schneeregionen verbringen 
können, ist erst neuerdings als Folge verschiedener Umstände 
in den Vordergrund getreten. — Einmal sind ja die klimati¬ 
schen Enttäuschungen der Kranken an der Riviera in den 
oft feuchten regnerischen Wintermonaten in weiteren Kreisen 
bekannt genug geworden; der Kriegsraioister Roon erzählt 
z. B. in seinen klassischen Briefen, wie er Italien von Nor¬ 
den dnrehzogen, Sonne und blauen Himmel gesucht, uud 
beide erst in — Palermo gefunden. Manche langengesunde, 
aber in bezug auf ihr Nervensystem reizbare Personen, wel¬ 
che lungenkranken Angehörigen den Winter über in Davos 
Gesellschaft, leisteten, heimsten dabei eine andauernde Kräfti¬ 
gung, eine sehr erhebliche Widerstandsfähigkeit ihrer Ner- 
venanlage ein. — Zn diesen praktischen Erfahrungen kamen 
noch die wissenschaftlichen KorRchuugeii über die Einwir¬ 
kungen des Höhenklimas auf den Blut- und Stoffwechsel; 
Rie knüpfen au ältere Beobachtungen von Vianlt, Pa ui 
Bert an und kommen in den vielfachen Arbeiten der 
M o s s o’scheu, Z u n t z’schen und M i e s c h e r’schon Schule 
zum Ausdruck; sie lenkten unsere Augen auf das Hochge¬ 
birge als Heilfaktor. — Eine zusammenfassende Schilderung 
der Winterkuren iin Hochgebirge schrieb vor drei Jahren 
W. Erb in Volkmanus klinischen Vorträgen Nr. 271. Aach 
das Hochgebirgsklima ist ein relatives, von den Breitengra¬ 
den abhängiges: Norwegens Höhenklima beginnt bei 500 m,; 
die Höhe von 1200 bis 1900 in., welche in den Alpen unser 
mitteleuropäisches Hochgebirgsklima erzeugt, wirkt im Hima- 
laya und in den Cordilleren im Styl von Vorarlberg oder der 
Vogesen. — Als Höhenkurorte für therapeutische Ziele der 
Aerzte u n 8 e r e s Kontinents kommen in Betracht: Davos 
mit Umgebungen, Arosa, der Engadin, insbesondere St. Mo¬ 
ritz und Samuden, Grindelwald, Adelboden, Chamounix, Les 
Avants und Caux am Genfer-See, In Tirol Gossensass, in der 
Steiermark der Semmering; ausserdem einige hochgelegene 
Orte des Harzes, des Schwarzwaldes, Thüringens, des Tau¬ 
nus- — Drei Erfordernisse sind ausser der Höhe notwendig: 
Sonne, Windschutz, Gelegenheit zum Wintersport. 

Ein Punkt wiederum, ein praktisch-ärztlicher, bedarf vor 
allem der Erörterung, nämlich der unserer Akklimatisation 
ans Hochgebirgen beim Aufstieg vom Tietiand. 

Der verstorbene Kliniker Fräntzel fragte mit Vorliebe 
die Staatsexaminanden: Wie schicken Sie einen Kranken 
nach Davos? Die richtige Autwort lautete: Mit Uebernachten 
in Basel, Landquart und Klosters; daran schlossen sich 
weitere Erörtern »gen über Akkliinatisationsbeschwerden, ihre 
Ursachen und die Mittel zur Behebung und Linderung der¬ 
selben. Wer nicht nur zarte Frauen, sondern auch scheinbar 
kräftige Männer heftig an den genannten Beschwerden lei¬ 
dend beobachtet hat. wird vor allem den Rat beherzigen, 
Nervenkranke in Etappen ius Hochgebirge zu senden; die 
Kranken sind, ohne Angst hervorzurufen, auf diese Be¬ 
schwerden aufmerksam zu uiacheu und nicht nur vor einem 
zu raschen Anstieg, sondern auch, und in erster Linie, vor 
einem Zuviel in bezug auf körperliche Motion in jeder Hin¬ 
sicht zu- warnen; ganz besonders in den ersten Tagen. Dies 
gilt für Sommer und Winter gleich; für letzteren noch mehr, 
well der Reiz zu sportlichen Leistungen und Uebertreibungen 


Digitized by v^ooQie 



44 


Im Winter noch stärker ist als im Sommer. Die Labilität 
Nervöser gegenüber klimatischen Veränderungen ist ja be¬ 
kannt; das beste Mittel ist ruhiges Verhalten in körperlicher 
nnd geistiger Hinsicht nnd Zuspruch dnrch den betreffenden 
Hoch^ebirgsarzt. der ja schon durch Mitteilung über Daner 
und Wesen der Akklimatisation beruhigend wirkt. Ist die Pe¬ 
riode der Gewöhnung an das Klima vorüber, und sie dauert 
oft '/*—1 Woche, so empfiehlt sich eine gauz allmähliche 
Steigerung der Leistungen in be/ng auf den Gennas der 
eigenartig wirkenden Luft im Freien, vor allem aber ein 
langsames, Uebermüdung oder Erschöpfung durchans mei¬ 
dendes Betreiben des Sports; der letztere stellt ja in der Tat 
ein dosirbares medikomeclianisches Institut dar, mit dem Un¬ 
terschied, dass es sich im Freien befindet, dass es sehr gern 
besucht wird, dass es nicht eintönig nnd nicht im Kähmen 
einer Verordnnng wirkt; der Wintersport bei Nerveuleideuden 
muss streng dosiert wetden, mit Schlittschuhlaufen, vormit¬ 
tags von 11—12, fängt man an: er ist ja auch ausserordent¬ 
lich variirbar: Engländer und Norweger (Schneeschuhlanfen, 
Eisspiele, Schlittensport) siud unsere Lehrmeister; der Sport 
setzt, vernünftig angewendet, dem egozentrischen, indolent¬ 
passiven. zur Selbstbeobachtung und Resignation neigenden 
Wesen gewisser Nervenkranken soviel Lustgefühl, soviel 
Lebensfreude, soviel Uebung und Anregung der Haut, der 
Muskeln, der Sinn*», des Willens entgegen, dass die guten 
Erfolge in Form stärkeren Appetits, vorzüglicher und stabi¬ 
ler Stimmung, guten nnd erfrischenden Schlafes in Wechsel¬ 
wirkung mit dem Gefühle gesteigerter und wideigewonnener 
Leistungsfähigkeit nicht ansbleiben: allerdings treten solche 
Resultate für die Daner erst nach Wochen, ja nach Monaten 
auf, darum ist auch Nervenkranken, welche nicht einen 
halben oder den ganzen Winter im Hochgebirge zuznbringen 
vermögen, der Aufenthalt daselbst entschieden zu widerraten; 
Sechswochenkuren gihtesin Eis und Schnee nicht. Ueberanstren- 
gungen nnd ihre bekannten Folgen kommeu. auch wenn die 
obigen Warnungen beherzigt werden, hei besonderer Reiz¬ 
barkeit vor; doch sind sie seltener als nach den für Nerven¬ 
leidende, besonders für Erschöpfte, so gefährlichen Hoch¬ 
touren des Sommers; denn schon die kürzere Daner des 
Tages nnd damit die zeitlich eingeschränkte Möglichkeit 
sportlicher Uebungen ist ein wirksames Korrektiv: dazu 
kommt., dass ohne Sonnenschein oder bei Schneefall der Auf¬ 
enthalt im Freien ungemütlich bezw. unmöglich wird. Kel¬ 
lers Ausführnngen lTherap. Mou.-Hefte 1901. Nr. 10/11) 
über Bergsteigeknren für Nervenkranke, auch im Sommer, 
bedürfen in dieser Hinsicht mancherlei Einschränkungen, die 
hier zn geben zu weit führen würde. 

Welche Kranke und welche Nervenkranke im Winter ins 
Hochgebirge gehören und welche nicht, darüber noch einige 
Worte: Vor allem nur funktionell Kranke, Neurastheniker 
eher und lieber als Hysteriker, von beiden in erster Linie 
jugendliche nnd beginnende Formen, Kinder und junge Leute, 
die sogenannten Prophylaktiker, die unter dein Einfluss ihrer 
Familie, ihres nervösen Milliens alle Chancen haben, selbst 
einmal später und schwer zu erkranken. Manches junge Mäd¬ 
chen, mancher Gymnasiast oder Student, der so geartet, 
sollte anstatt in die Pension am Geufersee oder auf die 
Universität lieber ohne Bücher, ohne «Stunden», ohne Vor¬ 
lesungen den Winter in St. Moritz oder in Grindelwald oder 
in und bei Davos zubringen! Dass der Sport das wirksamste 
Antidot der Triuksilten unserer studierenden Jugend dar¬ 
stellt, das hat ein geistvoller, deutscher Arzt, R. Hes.sen, 
im Januarheft der preussischen Jahrbücher 1901 meisterhaft 
dargestellt, mau vergleiche einmal Haltung und Aussehen 
junger gebildeter Engländer mit unseren Akademikern. 

Sexualneurasthenikern, auch jungen, früh korpulenten, 
gichtischen Nervenleidenden mit Neigung zu Hämorrhoiden 
u. s. w. ist das Hochgebirge zu empfehlen, ebenso den soge¬ 
nannten asthenischen, zu Katarrhen der Schleimhäute, auch 
denen des Verdauungstraktes neigenden Konstitutionen: für 
jugendliche Kranke existiert in St. Moritz das kleine, aber 
familiär zugeschnittene Heim des Dr. H ö s s 1 i, der gerade 
Krankengeschichten der letztgenannten Art in seiner jüngsten 
Veröffentlichung auftiilirt. Ebenso sind an Morb. Basedowii 
leidende Kranke, wenn auch nach meiner Erfahrung nicht 
solche der schwersten Form, z. B. nicht solche mit schweren 
Herzsymptomen, wie dies auch A. Hoffman n, Eich- 
hörst, Ewald bezeugen, im Hochgebirge gesund geworden. 
Külz sandte, wie Hössli erzählt, Diabetiker im Winter 
nach St. Moritz. Audi leicht Verstimmte, Formes frustes von 
Psychopathien, wie Grnbelsuclit, Cyclotliymien, vor allem 
aber chlorotische und anämische, in ihrem Blutbestand durch 
lange Rekonvaleszenz oder durch tropische und Malariaer¬ 
krank nn gen dezimierte Kranke (Binswanger) gehören 
ins Hochgebirge: die durch den Aufstieg gesetzte Regenera¬ 
tion der roten Blutkörperchen nnd des Hämoglobins ist ja 
eine allseitig anerkannte Tatsache; sie bildet eine 'wichtige 
Komponente der Heilwirkungen, die zum grossen Teil das 
Hochgebirge auf Gesunde und Kranke ausübt. 


Kontraindiziert sind: alle organische Herz- and Nierenlei* 
den, schwere Neuralgien, organische Nervenleiden, Gravidi¬ 
tät, Arteriosklerose. 

Von persönlichen die Fachgeuossen interessierenden Ein¬ 
drücken wäre noch der Besuch des höchstgelegenen soge¬ 
nannten Bündner Spitals in Samaden zu beachten, es wird 
von dem Chirnrgen Dr. Bernhard geleitet. Der Umstand,- 
dass Lupuskranke im Hochgebirge selten sind, worauf auch 
Prof. Judassohn -Bern aufmerksam machte, ist wohl die 
Folge der natürlichen Lichttherapie, welche die Bündner 
stundenlang und wider ihren Willen erfahren. 

Fassen wir noch einmal unsere Betrachtungen zusammen: 

Ein erfahrener Arzt wird seiue Kranken, besonders die 
Neuropatiien, abgesehen von den rein klinisch-diagnostischen 
Betrachtungen, bald in zwei Konstitutiousgruppen zu schei¬ 
den gelernt haben: in solche, deren Organismus noch Fonds 
und Reserveu hat. um Leistungen zu vollbringen nnd um 
eine energische Reaktion gegenüber starken Reizert einzu¬ 
leiten, etwa der früheren sogenannten athenischen Konstitu¬ 
tion entsprechend, und in sogenannte asthenische Natnreu, 
die der Schonung und der reizlosen Ruhe in erster Linie 
bedürfen; als erster hat dies F. A. Hoff mann in seinen 
Vorlesungen über «allgemeine Therapie», die leider schon 
wieder vergessen sind, ausgesprochen. 

Den Konstitutionen entsprechen therapeutische Indikatio¬ 
nen: Sport. Hydrotherapie, Hochgebirge, Seeluft auf der ei¬ 
nen Seite, warmes Klima, warme Bäder, mittlere Höhe auf 
der anderen Seite; dazwischen gibt, es Uebergänge; der prak¬ 
tische Blick, die ärztlich-theiapeutiscbe Intuition entscheiden. 


Nachtrag zum Referat: Buller und Casey Woqd, Methyl¬ 
alkoholvergiftungen. (cfr. Nr. 4, pg. 32 und ff.) 

Neuerdings ist von Dr. Wood noch ein Artikel Uber 
Methylalkoholvergiftung veröffentlicht worden (New-York 
Medical Journal and Philadelphia Medical Journal vol. 
LXXXI Nr. 1 vom 7. Januar 1905). Aus diesem Arti¬ 
kel geht hervor, dass Dr. Warren, der Sanitätsarzt 
von Pensilvanien, seine Behauptung über die grosse Ver¬ 
breitung der Fälschungen mit Methylalkohol einschränkt, 
und ferner, dass bei der Massen Vergiftung in New-York 
nicht 2f>, sondern nur 17 Personen ums Leben kamen. 

Dr. C. S t r ö h m b e r g. 


Auszug aus den Protokollen 
der medizinischen Gesellschaft zu Dorpat. 

Sitzung am 15. Oktober 1904. 

Dr. C h. Ströhmberg hält seinen angekündigteu Vor¬ 
trag: «Die Abnahme der Gonorrhoe bei den 
Dorpater Prostituierten seitdem Jahre 1898v. 
(Zur Veröffentlichung bestimmt, erscheint in der St. Peters¬ 
burg. Medizin. Wochenschrift). 

Diskussion: 

Dell io: Als Vortragender vor einigen Jahren über die 
Abnahme der Syphilis unter den Prostituierten referierte, 
konnte er auch darüber berichten, dass die Zahl der Infek¬ 
tionen unter dem hier stationierten Militär stark gesunken 
war. Wie ist es nun mit der Gonorrhoe? Sind im Militär 
jetzt ebenfalls weniger gonorrhoische Infektionen konstatierbar 
als in früheren Jahren ? 

Ströhmberg kann in Boirett' des hiesigen Militärs keine 
Auskunft geben und nur Schlüsse aus dem Zugang von 
Patienten in’s Stadthospitul ziehen. Er glaubt die Erfahrung 
gemacht zu haben, dass die Mehrzahl der frischen Infektio¬ 
nen in anderen Urten erfolgt ist. St. weist auf die Schwie¬ 
rigkeit einer derartigen Enquete hin. 

Terrepson glaubt über eiuen grösseren Teil des männ¬ 
lichen, der Infektion ansgesetzten Materials orientiert zu sein: 
auch ihm kommen frische Infektionen selten zu Gesicht und 
seine Haupttätigkeit beschränkt sich auf Behandlung chro¬ 
nischer Gonorrhoen und Adnexerkrankungeu. In wie weit 
die jetzt häufiger angewandten Prophylactica (Viro etc.) zur 
Verminderung der frischen Infektionen beitragen, ist schwer 
konstatierbar. T. ist mit Ströhmberg darin einverstanden, 
dass schon das mikroskopische Bild einen Hinweis auf das 
Fehlen resp. Vorhandensein von Gonokokken giebt; doch 
ist ihm nicht aufgefallen, dass in den mit zahlreichen 
intensiv kern-gefärbten Lenkocyten durchsetzten Praeparaten 
häufiger Gouoko.kkeu vermisst werden. Er erinnert daran. 


Digitized by VjOOQie 


45 


dass beim Manne oft klinische Symptome ebenso wie Gono¬ 
kokken bei cbroniscber Gonoirhoe fehlen, letztere jedoch 
wieder auftreten, wenn niati nach Kasper eine Reizung 
der Urethralscbleimhaut voruimmt. 

Ströhmberg hat in Praepa» ateu. in denen zahlreiche auf¬ 
fallend schön gefärbte Leukozyten vorhanden sind, trotz ge¬ 
rade hier sehr sorgfältig vorgenommener Untersuchung fast 
nie Gonokokken gefunden. 

Was die Prophylaktica anbetrifft, so hat er die Prostituier¬ 
ten verpflichtet, Argentum resp. Protargollösntig vorrätig zu 
halten, um sie event. den Kunden anbieien zu können. 

Paldrock: Schon zum Schlüsse der ersten Woche lie¬ 
gen die Gonokokken nicht mehr intracellulär, bei chronische) 
Gonorrhoe ist ihre Lagerung wohl immer eine extracelht- 
läre. Die einzig sicheren Resultate ergiebt die Kulturmethode, 
für deren Anwendung deshalb P. ein tritt. 

Meyer; Schon dem Kliniker, dessen Patientinnen ihm 
volles Vertiauen entgegenttagen, bietet die Diagnose der 
chronischen Gonorrhoe grosse Schwierigkeiten, um wieviel 
schwieriger ist die Stellung des Polizeiarztes, der es mit 
Kranken zu tue hat, die immer bestlebt sein weiden, ihre 
Krankiieit nach Möglichkeit, zu veiheimlichen. Ersterer hält 
seine Patientinnen dazu an, vor der Untersuchung nicht zu 
urinieren, um geeignetes Sekret zur Untersuchung zu ei hal¬ 
ten. Die Prostituierten werdeu doch sicher geiade kurz vor¬ 
her ihre Blase entleeren, ebtMiso etwaiges Scheidtnsekret 
durch Spülung zu entfernen itsp. zur Unieisuchung unge¬ 
eignet. zu machen suchen, ln Betreff der Tinctionsfähigkeit 
glaubt M., dass ältere Leukocyten, die bcIiou läDgere Zeit im 
Schleim gelegen haben, Bich schlechter färben; schwer ver¬ 
ständlich sei es, warum man in den sich gut fäibeuden fri¬ 
schen Leukocyten keine resp. seltener Kokken linden sollte. 
Den Prozentsatz der Kranken — 16—35 pCt. — flndet M. zu 
gering und fiagt ferner S t r ö li m b er g, ob er die Adnexa 
auf Erkrankungen chronisch entzündlicher Natur unter¬ 
sucht hat. 

Ströhmberg: Was die Statistik anbetriflt, so bezieht 
sie sich auf die iu jedem Semester untersuchten Prostituier¬ 
ten; 16—35 pCt. derselben geben also positiven Kokkenbetund. 
Etwas anderes ist es, wenn die Frage gestellt wird, wieviel 
Prozent der Prostituierten Überhaupt an Gonorrhoe gelitten 
haben und leiden. Das dtiiften etwa 85 pCt. sein. Pelveope- 
ritonitiden nnd Aduexerkrankungen siud häutig bei jungen 
Prostituierten, bei alten seltener. 

Gerade bei ganz frischem Eiter färben sich die Kerne der 
Leukocyten intensiv, das Protoplasma nicht. Wo sich letzte¬ 
res färbt, ist die* Keinfäi bung eine weniger intensive und 
hier finden sich häufiger Gonokokken. 

Häufig kann man die Beobachtung machen, dass bei 
scheinbar unverdächtigen Patientinnen eine Reihe von Un¬ 
tersuchungen negativ auBfällt, dann plötzlich bekommt man 
ein positives Resultat. Vielleicht handelt eB sich in diesen 
Fällen um iuselförmige Eikiankungen der Schleimhaut. Ent¬ 
nimmt man das Unteisuchungsmaterial den nicht erkrankten 
Stellen, so kommt man zu negativem, tiiftt mau zufällig auf 
eine erkrankte Partie, so zu positivem Befunde. Derartige 
Patientinnen sind aber dem individualisierend vorgeheuden 
Arzt schou bekannt, er witd dieselben Läufiger uud sorg¬ 
fältiger untersuchen und sie dadurch unschädlich zu machen 
suchen. Stets muss man die Anamnese und Krankengeschichte 
berücksichtigen, wissen, wann die Infektion staitgefundeu. 
wann manifeste Krankheitssymptome und positiver Kokkeu- 
befnnd voibanden waren etc. — Die stationäie Behandlung 
der Prostituierten besteht in Spülungen mit Kali hyperman- 
ganlösungen und Tamponade der Cervix und der Uretbia 
mit Protargol- resp. Ichthyoltampons. Zur Entnahme des 
Untetsuchungsmaierials wendet S t r. nicht den auch vom 
Kollegen Boettcher emptohlenen Platinspatel an, da der¬ 
selbe doch leicht Schleimhautverletzungeu hervorruft, sondern 
sterile Glasstäbchen mH abgerundeten Enden reBp. sterile 
Wattepinsel. Dass die Gonokokken nur bei ganz frischeu 
Fällen intracellulär gelageit siud, stimmt nicht ganz: auch 
bei chionischer Gonorrhoe findet man nicht selten intracel* 
luläie Lagerung. 

Der Kulturnachweis der Gonokokken ist noch schwierig, 
doch dürfte in dem vom Kollegen Paldroek gefundenen 
Ascitesflüs&igkeitagar ein Nährboden gegeben seiii, der ihn 
erleichtert. 

Ter r epso n: Sehr schwierig ist oft die Diagnose der 
chronischen Gonoirhoe des Weibes, speziell die der Ceivix. 
Zuweilen gelingt es dann, kurz vor resp. nach den Menses 
Kokken zu findeu, also zu einer Zeit verstärkten Affluxes zu 
der Schleimhaut des Urogenitalapparates, oder man erhält 
durch lcbthyoltauipons, die man einige Zeit im Scheidenge¬ 
wölbe lässt, Cervixsekret mit positivem Befund. T. macht fer¬ 
ner darauf aufmei ksam, dass Infektionen leichter bei einem 
kurz vor resp- nach der Menstruation ausgelährten Coitus zu¬ 
stande • kommen, was wohl auch mit dem oben erwähnten 
Umstande Zusammenhänge. 


Ströhmberg hat die Beobachtung gemacht, dass in 
manchen Fällen zunächst andere Kokken nberwiegen, wäh¬ 
rend dev Behandlung schwinden diese und nun weiden die 
Gonokokken viel leichter und reichlicher gefunden. 

Dehio: Als Kollege Boe 1 1cher überseiue Untersuchun¬ 
gen berichtete, kam er zu dem Schluss, dass Gonokokken 
vorzugsweise bei solchen Prostituierten getuuden weiden, 
die ihr Handwerk noch nicht allzulange betreiben, bei alten 
seltener. Ist dem so. so müsste man anuebiuen, dass die al¬ 
ten weniger für die Infektion empfänglich seien als die jun¬ 
gen, also gewissei massen eine relative Immunität erwerben. 

Ströhmberg bestätigt diese Beobachtung Böttcher’s, 
der damals daiaus folgerte, es müsse nicht nur der Gehalt 
der Praeparate au Gonokokken, souderu auch der an Leu¬ 
kocyten m Betracht gezogen weiden und dafür plaidierte, dass 
Prostituierte, vou welchen glaubwürdige Männer infiziert 
werden, auch ohne positiven Kokkenbefund zwangsweise zur 
Behandlung interniert werden müssten. 

Letzteies gebt nuu nicht an: um einen Menschen zwangs¬ 
weise zu internieren, muss man den Beweis des Rechtes, 
in diesem Fall den positiven Gonokokkenbefund haben. 

Paldrock wendet sich gegen den vou Dehio gebrauch¬ 
ten Ausdruck «Immunität», dieselbe ist nicht körperlich wie 
bei den andeien Infektionskrankheiten, Reinfektionen und 
Neuinfektionen können stets auftreten. 

Dehio hat dabei auch nur au eine relative lokale Im¬ 
munität gedacht. 

Terrepson: Das Schleimhautepithel bei alten Prosti¬ 
tuierten ist verändert, es ist weuiger leicht empfänglich für 
die Infektion durch Gonokokken. Auch bei Männern macht 
man die Eifahrung, dass eine zweite Gonorrhoe meist leich¬ 
ter verläuft als die erste. 

S t r ö h m b e r g bittet zuui Schluss die Kollegen ihn da¬ 
durch im Kampf gegeu die Gouorthoe zu unterstützen, dass 
sie über jeden Fall vou frischer Infektion mit Gouuoirhoe 
und Lues, womöglich mit der Angabe, woher sie stammt, ihm 
berichten. 

Meldungen werden portofrei voo der Post besorgt, wenn 
sie mit dem nötigen Vermerk «CBiatHie o sapaszTejibH. öoatH.» 
versehen siud. 

Dr. Klau giebt ein eingehendes Referat über die 
Beriberik rankbeit. 

Sekretär: Dr. med. Tb. Lackschewitz. 


Vermischtes. 


— Das beständige Mitglied des militär-medizinischen ge¬ 
lehrten Komitees und beratende Mitglied des Medizinalrats 
des Ministeriums des Innern, Gebeiinrai Prof. emer. Trapp, 
Ist krankheitshalber verabschiedet worden, unter gleich¬ 
zeitiger Bef örder nugznmwirkliclienGehei m rat. 

— Der Piofessor der Gebiirtshitife und Gynaekologie an 
der militär-medizinlsclieu Akademie, wirkl. Staatsrat Dr. Le¬ 
be d e w, ist in der Würde eines ordentlichen Pro¬ 
fessors emer. bestätigt worden. 

— Dem Chef des Sanirätswesens der I. Mandschurischen 
Armee, Senator, Generalleutnant T r e p o w, ist für Aus¬ 
zeichnung in den Kämpfen gegen die Japaner 
ein goldener Säbel mit der Aufschrift «Für 
Tapferkeit» verliehen worden. 

— Der Aizt für Auftiägo V. Klasse bei der Mililär-Medi- 
ziualverwaliung des Kaukasischen'Militärbezirks, wirklicher 
Staatsrat Dr. Böttcher, ist auf eigenes Ersuchen mit Uui- 
foim und Pension v er ab 8 c h ied e t worden. 

— Die Moskauer Duma hat beschlossen, «ihrem unvergess¬ 
lichen Mitbürgei», dem Arzt uud Wohltäter Dr. Haas, ein 
Denkmal zu errichten und ein Asyl für chro¬ 
nische Kranke auf seinen Namen in dem Vororte Aw- 
doüno zu erbauen. 

— Die bei dem Kiewer Stadtliospital be¬ 

stehende Gesellschaft der Aerzte hat zu ihrem 
Präsidenten — den Piofessor der inneren Medizin Dn 
Conrad Wagner und zum Sekretär — Dr. N. 
S w e n s o n gewählt. (R- Wr.). 

— Der ausserordentliche Professor der Moskauer Univer¬ 
sität, Staatsrat Dr. Korssakow, ist zum ordentlichen 
Professor auf dem Lehrstuhl der Gebnrtshülfe, Frauen- und 
Kinderkrankheiten ernannt worden. 

— Zum Dozenten der Anatomie ander höhe¬ 
ren Kunstschule bei der Akademie der Künste 
ist der Professor der noimalen Anatomie an der militär-me¬ 
dizinischen Akademie, Staatsrat Dr.Scüawlowski, ernannt 
worden, unter lielassung in seiner bisherigen Stellung. 

•*— Die pren8sische Akademie der Wissen¬ 
schaften hat die Helmholtz-Medaille dem hervor¬ 
ragenden Nervenanatomeu Prof. RamönyCajal in Ma¬ 
drid anerkannt. (A. m. Z.-Ztg.). 


Digitized by ^ooQie 




4 « 


— t)ie Wiener Akademie der Wissenschaften 
hat aus dem ihr znr Verfügung stehenden Treitl’schen 
Fonds Subventionen bewilligt: dem Prof. Dr. F i n g e r 
(Wien) für seine Untersuchungen, betreffend die Uebertrag- 
barkeit der Syphilis auf Affen und dem Privatdozenten Dr. 

R. Krau 8 (Wien) für Beine Untersuchungen über die Im¬ 
munität gegen Syphilis — je 2000 Kronen (= 800 Rbl.). 

— Der Direktor des pathologisch-anatomischen Instituts 
an der Breslauer Universität, Prof. ord. Dr. Emil Pon- 

f i c k, hat einen Ruf als Nachfolger des verst. Prof. Koe ster , 
nach Bonn erhalten, denselben aber abgelehnt. I 

— Verliehen: Der St. W 1 a d i in i r - 0 r d e n IV. 

K1 a 8 s e mit der Schleife: dem ehemaligen Divisionsarzt 
der 32. Inf.-Div., Staatsrat Dr. Alexander Günther — 
für 35 -jährigen tadelloseu Dienst im Klassen- I 
ränge; ferner dem Beamten für bes. Aufträge 6. Klasse der , 
Ober-Militär-Medizinalverwaltung, Staatsrat Dr. Nikolai Ker- I 
stens und dem Oberarzt des Äbastuinauscheu Militärhospi- 1 
tals und der Abastuinanschen Mineralquellen, wirk!. Staats- j 
rat Dr. Elias Gopadse - für 25 - j ä h r i g e u t a d e 1 - 
losen Dienst im KUssenrange. 1 

— Verstorben: 1) Ain 9. Januar in St. Petersburg der 
frühere ältere Ordinator des Wladiwostokschen Marinehospi¬ 
tals, Dr. Apollo TscheremschanHki, an T.ibes und 
ihren Folgen im 44. Lebensjahre. Der Hingeschiedene hatte 
seine medizinische Ausbildung au der militär-medizinischen , 
Akademie erhalten, an welcher er i. J. 1886 den Arztgrad 
und 1891 die Doktorwürde erlangte. Seine ärztliche Tätigkeit 
begann er als Schiffsarzt und wurde dann dem Kronstädter- ! 
und dem Kalinkin-Marinehospital zukominandiert, wo er sich , 
vorzugsweise mit Chirurgie beschäftigte. Zu Anfang der 90-er 
Jahre siedelte er nach Wladiwostok über und fungierte als 
älterer Ordinator am dortigen Marinehospital, bis das zuneh¬ 
mende leiden vor ca. 2 Jahren ihn zwang, seine ärztliche 
Tätigkeit anfzngeben und nach Petersburg zurückzukehren. T. 
genoss einen ausgezeichneten Ruf als Operateur im ganzen 
Küstengebiet und erfreute sich grosser Popularität unter den 
Kollegen wie auch in weiteren Kreisen. Dafür spricht auch seiue 
Wahl zum Präsidenten der süd-ussurischeu Gesellschaft der 
Aerzte, welche ln Wladiwostok ihren Sitz hat, ebenso die Wahl 
zum Vorsitzenden der Gesellschaft für Erforschung des Ainurge* 
biets und zum Stadtverordneten von Wladiwostok. 2) Im 
Kirchdorf Bolschowo (Gouv. Moskau) am 10. Januar der dor 
tige Fabrikarzt Dr. Nikolai Krassjnk im Alter von 
47 Jahren, nach mehr als 20-jährlger ärztlicher Täiigkeit. 

3) In Warschau der dortige praktische Arzt Dr. Kourad 
S a w i s z a im 55. Lebensjahre. Der Verstorbene hat dort 
über 32 Jahre die ärztliche Praxis ausgeübt. 4) In Moskau 
am 10. Jauuar der Hospitalarzt Dr. Nikolai Ssudsi- 
lowski im Alter von 50 Jahre. Die Venia practicandi hatte 
er i. J- 1880 erlaugt. 5) Ara 29. Dezember a. pr. im Fernen 
Osten der Landschaftsarzt aus Mgliu (Goov. Tschernigow) 
Dr. Nikolai T r o i z k i im 41. Lebensjahre. Er ist als Arzt 
einer Moskauer fliegenden Kolonne auf dem Kriegsschau¬ 
plätze, wo er während eine Gefechtesaufeiner der vordersten 
Steilungen tätig war, gefallen. Der Verstorbene hiuterlässt 
seine Frau mit einem Kinde ohne jegliche Existenzinittel. , ! 
6) In Lissabon der Prof, der Anatomie Dr. J o s 6 S e r r a n o , 
im 54. Lebensjahre. 7) In Venedig der deutsche Arzt Dr. 
Gustav Ludwig, welcher lange Jahre als Leiter des ! 
Ambulatoriums am Deutschen Hospital in London zu den 
gesuchtesten deutscheu Aerzten Londons gehörte, aus Ge- , 
sundlieitsrücksicliteu aber den ärztlichen Beruf aufgeben j 
musste nud in Venedig lebte, wo er als Kunstforscher und j 
Antiquitätensammler sich einen Namen gemacht hat. 

— Der aussei ordentliche Professor an der leipziger Uni 
versität Dr. Franz Hof mann ist zum Professorder 
Physiologie an der Universität Innsbruck 
ernannt worden. 

— Ara Sonntag- d. 30. Januar c. wurde hier das vom 
St. Petersburger Samariterverein errichtete 
temporäre Lazarett, für Verwundete eingeweiht. 
Das am Grafskij Pereulok Jä 5 belegene Lazarett verfügt 
zunächst über 20 Betten, sämintlich von Privatpersonen unter- I 
haitene Freiheiten, doch kann ihre Zahl vergrössert werden. | 
Die Einweihungsfeier hatte in den freundlichen, hellen Räu¬ 
men, die mit ihrer neuen schmucken Einrichtung einen höchst 
sympathischen Eindruck machen, eine ansehnliche Festver- 
sainmlnng vereinigt. Diese bestand aus Mitgliedern und 
Freunden des Samaritei Vereins, aus Gliedern des Vorstandes 
und der Lazaiettkonimission, zahlreichen Vertretein unsrer 
Aerztekreise and den zum Dienst an den Verwundeten be- I 
l eiten Samaritei innen. Nach der kirchlichen Weihe ergriff ; 
der Vizepräses des Vereins Baiou Braun das Wort, um ; 
in längerer Ansprache die Gäste zn begiüsseu und allen Denen, 
die sich nm die Einrichtung des Lazaretts verdient ge macht,, im | 
Namen des Vereins za danken. Nachdem er das Lazarett für 
eröffnet erklärt und dem leitenden Arzt Dr. Boustedt i 
übergeben, schloss Reduer mit einem warmen Wort an die 
Saroarlterinnen. Danach besichtigte die Festversaminlung die j 


hiermit ihrem humanen nnd patriotischen Zweck Übergebenen 
Räume: Krankenzimmer zu 4-8 Betten, Empfangsrau ito, Ver- 
handzimmer, Speise- und Wohnzimmer etc. Man schied mit 
den besten Wünschen für dieses jüngste Unternehmen des 
St. Petersburger Samaritervereins. B. 

— Die letzten mehrtägigen Kämpfe am Hunho mit de« 
vielen Tanseuden von Verwundeten haben die Aerzte auf 
dem Ki iegsciiauplatze und im Rücken desselben wieder in 
angestrengte Täiigkeit versetzt, wie das auch aus einer von 
Prof. Dr. 7 . o e g e am 29. Januar in Gnndschulin anf- 
gegebeuen nnd an die «Nordl. Ztg.» angelangten Depesche her¬ 
vorgeht, welche mit den Worten schliesst: «Es giebt viel 
Arbeit; meine Adresse ist Gundschnlin». 

— Auf dem Kriegsschauplätze ist der jüngere Arzt des 
Brjanskischen Inf.-Regimeuts Dr. Theodosins Ussenk o 
kontusioniert worden. 

— Der 0 »1 e s s a e r Universität ist seitens des Mi¬ 
nisteriums der Volksaufklärung die Mitteilung zugegangen, 
dass Studenten des V. Kursus der medizinischen Fa¬ 
kultät bei einer allgemeinen Mobilmachung obligatorisch zum 
Dienst in den Feldhospitälern als steil v. 
Aerzte I. Klasse eiuberufen werden Im Notfälle werden 
auch Studenten des IV. Kursus einberufen; 

— Ueber die Zahl der Verwundeten und 
Kranken im Fernen Osten ist vom Chef des S&ni- 
tätswesens der Mandschurei-Armeen dem «Russki Invalid» 
aus Sachetuu ein vom 29. Januar datiertes Telegramm zuge- 
gangeu, welchem wir entnehmen, dass seit dem Beginn der 
Kampagne bis zum 1. Januar 1905 am dem Rayon der akti¬ 
ven Armeen nach Norden, d. i. nach Oharbin, Tschita, Srie- 
tensk, Chabarowsk, Nikolsk and Wladiwostok evakuiert wor¬ 
den sind: 1710 verwundete und 2308 kranke Offiziere; 53,890 
verwundete und 72.531 kranke Untermilitärs im ganzen 
130.439 Verwundete und Kranke. In demselben Zeitraum star¬ 
ben in den Heilanstalten: 45 verwundete nnd 62 kranke Of¬ 
fiziere. 1232 verwundete und 2668 kranke Untermititärs —im 
ganzen 4007 Militärs. Zar Kategorie der zum Dienst Untaug¬ 
lichen sind übergeführt: 6474 verwundete und 11-248 kranke 
Untermilitärs, im ganzen 17.722 Personen. Evakuiert worden 
iu das Innere des Reiches, d. b. nach Irkutsk und weiter nach 
Russland: 559 verwundete und 670 kranke Offiziere; 4121 ver¬ 
wundete nud 4079 kranke Untermilitärs, im gauzeti 9429 Mi- 
iitärpersouen. Zum 1. Januar 1905 befanden sich in den Heil¬ 
anstalten der aktiven Armeen: 152 verwundete and 634 kranke 
Offiziere; 4953 verwuudete und 15815 kranke Untermilitärs, 
im ganzen 21.554 Patienten. In die Front znrfickgekehrt siiia 
somit: aas der Zahl der verwundeten Offiziere — 954; aus der 
Zahl der verwundeten Untermilitärs — 37,110 nnd ans der 
Zahl der kranken Untermilitärs — 38.721, im ganzen 77,727 
Krieger. 

— Zwecks Vorbereitung eines Kadre« von Epi¬ 
demiologen ist dem Ober-Medizinalinspektor anheimge- 
geben, Aerzte au das Kaiserliche Institut für Experimental- 
medizin zur Absolvierung «zweiwöchentllcher kurzer epide¬ 
miologischer Kurse» ahzukommundieren, wobei sie für die 
Dauer des Kursus eine Unterstützung von 3 Rbl. täglich 
erhalten. 

Dieses znr Kenntnis der Aerzte bringend, die sich an den 
autiepidemischen Massnahmen in diesem Jahre Zn beteiligen 
wünschen, hält es die Verwaltung des Ober-Medizinalinspek- 
toi 8 für ihre Pflicht, darauf hinzuweisen, dass von der Aller¬ 
höchst niedet gesetzten Kommission ausser denjenigen Aerzten, 
die bereits eine spezielle bakteriologische Vorbereitung ge¬ 
noss eu und bei den früheren Abkotnmaudiei ungen Erfahrun¬ 
gen gesammelt haben, hauptsächlich nur Bolclie Aerzte zu 
Abkommandierungen werden benutzt werden, die die vorerwähn¬ 
ten Kurse beim Kaiserlichen Institut für Experimentalmedizin 
absolviert haben. Reflektanten, die die Kurse zu absolvieren wün¬ 
schen und die bereit sind, nötigenfalls an der Bekämpfung der 
epidemischen Krankheiten teilzunehmen, werden ersucht sich 
in der Verwaltung des Ober-Medizinalinspektors (Teatralnaja 
Nr. 3) zu melden. 

— Wie der Direktor des hiesigen lustituts für Experimen- 
talmedizin meldet, ist von dem genannten Institut ein bedeu¬ 
tendes Quantum spezifisches agglutinierendes Cholera- 
sertim fertiggestellt worden. Der Preis für ein V* Gramm 
trockenen Präparates (für 10 X genügend) beträgt 50 Kopeken. 
Regiernngs- und Komintinalinsiituiionen kann das genannt« 
Präparat kostenfrei verabfolgt werden. 

— Der 26. Kongress deutscher Balneologen 
findet vom 9.—13. März n. St. in Berlin nnter dein Vorsita 
von Prof. Dr. Liebreich statt. Vorträge sind bereits in 
grosser Zahl augenieldet. 

— Verschärfung der Ausl Ander prumotiuns n 
an der Berliner Universität. Der Dekan der medi¬ 
zinischen Fakultät der Universität Berlin Prof. Dr. Orth 
hat soeben eine Erklärung erlassen, deren Inhalt die Pro- 
motionsbedingnngen für Medizin saldierende Ausländer we¬ 
sentlich erschwert: Danach haben Ausländer, d. h.-Niehlau¬ 
gehörige des Deutschen Reiches, di« sich zur Promotion *u 


Digitized by 


Google_ 


47 


melden beabsichtigen, falls sie nicht die ärztliche Staats- 
prfifnng für das Deutsche Reich bestanden haben, sich darü¬ 
ber auszuweisen, 1) dass ihnen eine V orbildung zuteil 
geworden ist, welche iu dem Staate, dessen Angehörige sie 
sind, für die Erwerbung des medizinischen Doktorgraues und 
die Ablegung der ärztlichen Prüfung erfordert wird; fehlt es 
in dieser Beziehung in ihrem Heimatstaate an bestimmten 
Festsetzungen, so haben sie durch vorgelegte Reifezeugnisse 
(nötigenfalls unter Beifügung inländischer Ergänzungszeug¬ 
nisse) mindestens eine V'orbildnug nachzuweisen, welche den 
Anforderungen tiir das Zeugnis der Reife an deutschen Real¬ 
gymnasien entsprich ; 2) dass sie nach Erlangung dieser 
Vorbildung soviel Geniester, wie in Deutschland für die Zu- 
lasauug zur ärztlichen Prüfung \orgeschrieben sind, an einer 
gnt eingeiichteten medizinischen Fakultät ein geordueies 
medizinisches 'tudium, ähnlich wie es in Deutschland üblich 
ist, geführt und mindestens ein Semester in der Berliner me¬ 
dizinischen Fakultät stadiert haben. — Was die Fakultät 
unter einem geordneten medizinischen Studium versieht, 
ist aus dem Stadien plan zu ersehen, welchen sie aufgestellt 
hat und der jedem Studierenden der Medizin bei der Immatri¬ 
kulation übergeben wird. Dieser Siudienplan enthält zwar 
nur Ratschläge und ist nicht obligatorisch, aber wesentliche | 
Abweichungen von ihm nehmen dem Studium die Eigenschaft j 
eines «geordneten», insbesondere wenn sie diejenigen Studien- ! 
fächer betreffen, für welche die Angehörigen des Deutschen I 
Reiches bei der Meldung zu den Staatsprüfungen Siudien- 
nachweise zu liefern haben. 

— Wie die «Wratsch. Gaseta» berichtet, hat die arme¬ 

nisch -g r e g o r i a u i a c h e S y n o d e zu Etschmiadsin 
(Kaukasus) in einer Ziikulär-Vorschrift die lieistlicneu äuge 
wiesen, bei E h e s c h 1 iess ti n ge n vom Br ani paar 
die Vorlegung eines ärztlichen Zeugnisses 
über den Gesundheitszustand zu ver lauge». 
Ohne ein solches Zeugniss ist die Eheschlie&sung z t ver¬ 
weigern. | 

— Heitzmanus anatom. Atlas. Wir machen unsere ! 
Iieser auf die neue (IX.) Auflage des im Verlage von I 
W i 1 h. B r a u in ü 11 e r (Wien und Leipzig) erscheinenden i 
Heitzmannschen Atlas der descriptiven Auutomie des 
Menschen aufmerksam, welche von Prot. Z u c k e r k a n d 1 
(Wien) vollständig umeearbeiiet ist. Bis jetzt liegen uns be¬ 
reits der I. Baud (Knochen, Gelenke, Bänder, Muskeln) und 
dieerste Hälfte des II. Bandes (Eingeweide) fertig 
vor. Die zweite Hälfte (Gefäss- und Nervensystem, 
Sinnesorgane und Haut) d e s II. B n n d e s befindet sich unter 
der Presse und wild in allernächst* r Zeit geliefeii werden. 
Wir behalten uns eine ausführlichere Besprechung des ttell 
liehen Werkes nach Abschluss desselben vor. 

Bf. 

— Die Ueiamtzahl der Kranken in den Civil- i 
hospitälern St. Petersburgs betrug am 22. Jan. 1 
d. J. 9912(303 mehr als in d. Vorw), darunter 699 Typhns — 


(76 mehr). 958 Syphilis — (37 mehr), 272 Scharlach — (10 wen.), 
103 Diphtherie — (23 mehr), 46 Masern — (1 mehr) und 12 
Pockenkranke — i2 wen. als in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 


Für die Woche vom 16. bis zum 22. Januar 1906. 
Zahl der Storbefälle: 


1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 

p 

o 

s 

p 

o 

a 

"es 

’s 

Jp 

cs 

*-s 

u 

ja 

ob 

'S 

ja 

OB 

'S 

ja 

cd 

’s 

ja 

CB 

'S 

'S 

«-i 

"5 

*“5 

.3 

ed 

>-> 

ja 

cd 

hl 

ja 

<x> 

£ 

p 

AI. W. Sa. 

CO 

1 

<N 

H 

1 

US 

1 

O 

| 

US 

fH 

1 

R 

l 

s 

1 

© 

■e* 

2 

l 

s 

1 

O 

f 

ns 

P 

je 

eo 

£> 


o 

1^ 


CO 

r—1 

CO 

r-H 

r-H 

O) 

r-H 

ro 


r-H 

»o 

r-H 

CO 

f—* 

t'- 

00 


495 444 939 

228 127 163 20 

8 

29 

56 

71 

64 

63 

54 

34 

15 1 


2) nach dt*u Todesursachen: 

— l'j ph. exautb.O. Typh. abd.28, Febris recurrens 0,T) phtis 
ohne Bestiinmungdei FonnO,Pocken 2. Masern 14.Scharlach 17, 
Diphtherie 23, Croup 0, Keuchhusten 7, Croupöse Lungen¬ 
entzündung 43, Erjsipelas 8, Grippe 18. Katarrhalische Lun¬ 
genentzündung 173, Ruhr 1, Epidemische Meningitis 0, Akuter 
Gelenkrheumatismus 0, Parotitis epidt mim 0, Rotzkrank heit 0, 
Anthrax 0, Hydrophobie 0, Puerperalfieber 1, Pyämie und 
Septicaeraie 17,Tuberkulose der Lungen 99, Tnbeiknlose an¬ 
derer Organe 28, Alkoholismus und Deliiium tremens 8, Le- 
bensschwäche und Atrophia infantum 71. Marasmus senilis 39, 
Krankheiten des Verdanungskanals 104, Totgeboiene 39. 


♦- Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag, d. 8. Febr. 1906. 

Tagesordnung: Dobber t: Ueber operative Myom¬ 
therapie. 

NäohsteSitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag, den 14. Febr. 1906. 



-ANNONCEN JEDER ART werden iu der Buchhandlung von R. L. RICKER in 
St. Petersburg, Nevsky-Pr. 14.sowie in alienin-und ausländ. Annoncen-Coraptoirenangenommen. 


Creosotal u. Duotal „ Heyden“ 

sind anerkannt zuverlässige Medikamente gegen Lungen-Tuberkolose, 
Pneumonie, Bronchitis und Skrofnlose. Frei von den zerrüttenden Ne¬ 
benwirkungen, der Giftigkeit, dem üblen Geruch und Geschmack des 
Kreosots und Guajakols. Niemals Reizung des Magens oder Darmes. 
Kein Durchfall, kein Uebelsein, kein Erbrechen. Selbst in grossen liosen 
äusserst zuträglich. In hohem Grade appetitanregend. Schnelle Besserung 
des Allgemeinbefindens, Hebung des Ernährungs- und Kräftezustands, 
Verminderung von Husten und Auswurf. Phthisis ersten Stadiums schon 
in einigen Monaten heilbar. 

1 1 Leicht assimilierbares Eiweisspräparat zur snb- 

V'ulULlilii kutanen, ganz besonders auch zur rektalen Er¬ 
nährung und zur Darreichung per os als Kraftnährmittel. Calodal-Nähr- 
klysmen sind billig, leicht zuzubereiten, gut resorbierbar und setzen der 
Fäulnis im Darm einen grösseren Widerstand entgegen als andere 

Nährklysmen. 

Proben and Literatur durch 

Chemische Fabrik von Heyden, Radebeul-Dresden, 

oder deren Vertreter: (1511 10—2. 

R. Crottet, W. 0., Sredny Prosp., fc, St. Petersburg. 


Sanatorium Villa Primavera. 

Gardone Riviera, Italien. 

Prospekte des Sanitätsrats Dr. Koeniger. 


im Deutschen Alexander-Hospital wira 
Nachweis ertbeilt über zur Zeit dienst¬ 
freie Pfleger und Pflegerinnen für die 
private Krankenpflege (gegen Zahlung 
von 60 Cop.). 

Adressen von Krankenpflegerinnen: 

Luitgart Heimberger, Bac. OcTp., 6 
MBH., X 29. KB. 13. 

Frau Marie Kuberu, Qr. ßtallbofsu. 

Hans d. Finnischen Kirche 6—8,Q. 19, 
Fran L. A. Bogoslowskaja, Ertelefl 
Pereulok Jö 16, Qu. 6. 

Elise Blau, JIuroBCKan 58, kb. 15. 
Marie Winkler, yr.CojsuoBa nep. h llau- 
. TexelsORCRott yj. x. 4. »>. 11. 

Fran Minna Rieser, geb. Pranke. Cra- 
ptifl IleTeproibcKifi npoen., x- M 16. 
kb. 28, y HoBO-RaxuBKHHa nocTa. 


Digitized by 











48 


Thiocol 

„Roche“ 


bette* Guajacol- 

I ir&pnrat, wasscr- 
Dsllch, geruchlo», 
ungiftig. 
Vortflgl. Antl- 
tubcrcul. undAntl- 
Dlarrholeuin. 



„ Roche“ 

ü 0.5 gr. : -I 
bequemste und ■ 
billigste Form. 


Sirolin 

„Roche“ 


wohlriechender, 
angenehm 
schmeckender 
Pyrup, idealste 
Kurm der Kreo¬ 
sot-Therapie. 


Profy litt „Roehe“ 


unbegrenzt haltbares, vollkommen ungiftiges 
Phosphoreiweiss mit 2,6°l« Phosphor. 

Vorteile: Protylin übertriffi alle übrigen organischen und 


Vorteile! Protylin übertriffi alle übrigen organischen und an* 

-* organischen Phospboi Verbindungen durch seine ausge¬ 
zeichnete Wirkung, seinen Gehalt au leicht resorbier¬ 
barem Phosphor und seine völlige Unschädlichkeit 
für den Daruitrakt. 

iTldikflt iflTlPTV Rachitis, Skrophulose. Caries. Neurosen. Hysterie, Anae- 
muiftRuoticn. mje Cachex|e und Basedowsche Krankheit. 

VftT’OT’fi niinO’* Als Pulver in Doseu von 1—2 Kaffeelöffel täglich 
P1U1UUU . 11 B‘_ oder a ia Tabletten ä 0,25 in Dosen von 3 Mal täg¬ 
lich 5 Tabletten. 

Proff/linum ferraf-um (Eisengehalt 2,3°/o), besonders angezeigl bei Chlorosen 
und Anaemie. 

Profylinvtn broinntnm (Bromgehalt 4°/« organisch gebunden), besonders indi- 
zieit bei Neurosen. 

Wir ersuchen stets Originalpackungen von 25, 50. 100, 250 gr oder Cartons 
ä 100 Tabnlae k 0.25 gr. zu verordnen. 

Alleinige Fabrikanten: 

F. Hoffmann-LaRoche & Co., Fabrik chem.-pharm, producte 

Basel (Schweiz). Grenzach (Baden). 

Muster und TAteratur über alle unsere Proben stehen den HH. Aerzten gratis und 

franko zur Verfügung. 


dtirol 

.Roche“ 


bester, geruchloser Jodoform- 
ersatz. 


tfsterol 

„Roeho“ 

wasserlösliches Hg.-PrSparat, 
fallt nicht Kiweiss. reizt nicht, 
greift Instrumente[nicht au 


Thigenol 

„Roehe“ 

synthetisches SchwefelprAparat 
mit 10°/o organisch gebundenem 
Schwefel. Geruchloser 
Ichthyolersatz. 


Sulfosot- 
syrup 
„ Roehe“ 


sntglftetes 
Kreosot In Syrup- 
form, eignet sich 
■petiell fttr Armen 
ud Kassenpraxis. 


Eigalen 

[Ligitox.solub . 
Clcetta] 

der wirksame Be¬ 
standteil der folia 
digital, purpurea. 
Genau dosierbar, 
wird leicht vertragen 
und wirkt schnell. 
Tn Originalflacons 
A 16 ccm. 


rfrsylin 

„Roehe“ 

ein phosphor- und 
arsenhaltiges Elwelsa 
prbparaL Enthalt Phoa 
phor in vlillig und 
Arsen in nahes« 
entgifteter Form. 



anerkannt vorzügl. Daemostatikuin, beson¬ 
ders bet röhrt bei Uterusblutungen. In Form 
von Substanz» Tabletten , H atte und Gaze. 


ausgezeichnetes Hypnotikum ohne jegliche 
seb öd liehe Nebenwirkung. In Dosen zu 0,25 
bis 0,5 und bis 1 gr. 


Producte aus dem natürlichen dem Wasser entzogenen Salze 


VI 


(3) 17-16. 


Die Quellen gehören der Französischen Regierung. 

PASTILLES VICHY-ETAT 
COMPRIMES VICHY-ETAT nSHSr 



Aobb. neH8. Cn6., G <X>eBpajra 1905r. Herausgeber Dr. Rudolf Wanach. Bnchdrnckerei v.A. Wienecke, Katbarinenhofer Pr. 16. 























XXX. JAHRGANG 


ST. PETERSBURGER 


- v ;' i /,n ' 


Nene Folge XXII. 


KEDICHSTISCEE WOCHEflSMRIFI 


unter der Redaktion von 


Prof. Dr. Karl Dehio. 

•Jurjew (Dorpat). 


Or. Johannes Krannhals. 

Riga. 


Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger Medicinische Wochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend.—Der Abonnementspreil ist in Bauland 8 Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl.Postzustellung;in den anderen 
Ländern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Derlnaertionspreii 
fürdie 3inalgespalteneZeilen inPetitist l6Kop.oder35Pfen.—Den 
Autoren werden 25 Separatabzügeihrer Originalartikel zugesandt. 

-Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


•F* Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate 

bittet man, ausschliesslich an die Buchhandlung von K. L. Bicker 
in St. Petersburg, Newsky-Prospekt Xe 14. zu richten. — Äanus- 
cripte sowie alleautdieRedaktion bezüglichen Mitteilungenbit- 
tet man an den stellvertretenden geschäftsführen denKedak- 
teurDr.E. Bleosig in St.Petersb., Wassili Ostrow, 1 Linie Xe 28 
zu richten. Sprechstunden täglich von 4—6 Uhr. 


JA 6 


St. Petersburg, den 12. (25.) Februar. 


1905 . 


Inhalt: Dr. W. v. Grot: Zar Kasuistik der Penisvetletznngen. — Dr. J. Sadikoff: Tod eines Erwachsenen durch 
Verbrennen im Ofen. — Mitteilnngen aus der Gesellschaft praktischer Aerzte zn Riga. — Vermischtes. — 
Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. — Anzeigen. 


(Ans der I. chirnrg. Abt. den Rigaschen Stadtkrankenhauses. 

Chefarzt Dr. A. v. Bergmann). 

Zur Kasuistik der Penisverletzungen. 

(Vortiag gehalten auf dem XVI. livl. Aerzteiage zn Dorpat 
im Sepi. 1904). 

Von- 

Dr. W. v. G r o t. 

M. H. Zu den Verletzungen einer Körpergegend, 
welche zu sehen und zu beobachten man selten Gelegen¬ 
heit hat, gehören die Verletzungen des Penis und ist es 
daher gerechtfertigt, wenn ihrer Seltenheit wegen über 
die Art derselben, über ihre Behandlung und Folgezu¬ 
stände berichtet wird. Ich erlaube mir, im folgenden 
ihnen kurze Mitteilung zu machen über die Verletzun¬ 
gen des Penis im allgemeinen ünd speziell über die we¬ 
nigen Fälle, welche wir, selbst bei einem so grossen 
Material an verschiedenartigen Verletzungen, wie solche 
im Stadtkrankenhause zu Riga in Behandlung kamen, 
gesehen haben. 

Die Verletzungen am Penis teilt man nun in subku¬ 
tane und offene. Zu den ersteren müssen gezählt wer¬ 
den die Penisfrakturen und die Quetschungen, sowohl 
der Haut allein als auch dieser mit den corpora caver- 
nosa zusammen. 

Von einer Fraktur des Penis im wahren Sinne des 
Wortes kann beim Menschen nicht die Rede sein, es 
müsste sich dann handeln um die äusserst seltenen Fälle 
von pathologischer Knorpel- oder Knochenneubildung im 
septum penis alter Männer, wie sie Lenhoss6k, 
Kaufmann und Duplay beobachteten. 

Man versteht darunter die Zerreissung der Schwell¬ 
körper und der Albuginea während der Erektion. Die 
Albuginea, sonst an 2 mm. dick und sehr resistent, ver¬ 
dünnt sich nach He nie während der Erektion auf 
0,26 mm., wobei sie sehr spröde wird. Demarquay glaubt 
trotzdem, dass eine Zerreissung der Albuginea nur mög¬ 
lich ist, wenn sie pathologisch verändert ist infolge 
überstandeDer Entzündungen. 


Die Rissstelle der Albuginea kann im ganzen Ver¬ 
laufe des Schaftes Vorkommen. Mianowski sah eine 
Fraktur in der Mitte, Parker dicht an der Radix. 
Parker glaubt 2 Arten von Penisfrakturen unterschei¬ 
den zu müssen: eine Torsions- und eine Kuickungsfraktur. 
Erstere soll an jeder Stelle des Penis, letztere nur un¬ 
mittelbar an der Ansatzstelle der Lig. suspensoria penis 
auftreten. Dagegen spricht der Fall Gabscewitsch. 
Hier bog ein alter arteriosklerotischer Mann seinen 
erigierten Penis nach unten, um zu urinieren und zog 
sich eine Fraktur dicht hinter der Glans zu. 

Die subjektiven Symptome einer eingetretenen Fraktur 
bestehen in lokaler Druckempfindlichkeit, Schmerzen 
und hochgradigem Spannungsgefühl. Beim Entstehen der 
Fraktur ist fast stets ein knickendes Geräusch beobachtet 
worden. Die Erektion hört sofort auf, das periphere 
Ende des Penis hängt schlaff herab, durch Austritt von 
Blut unter die Haut schwillt der Peuis kolossal an. 
Die Haut wird oft derart gespannt, dass es zu* Gangrän 
derselben kommen kann. Hervorgehoben wird von fast 
sämmtlichen Autoren die charakteristisch durch die 
Schwellung bedingte S-förmige Krümmung des Penis. 
Da wir in unserem Material keine derartige Verletzung 
des Penis haben, so führe ich, zwecks Einsicht in den 
Verlauf und das Endresultat dieser Verletzungen, kurz 
die iu den letzten 20 Jahren in der Literatur ange¬ 
führten Fälle an. 

Rosenberger beschrieb einen Fall, in weichemein 
26-jähriger völlig gesnnder Mann sich eine Fraktur des 
Penis zuzog, indem er beim Ausiiben des Coitns heftig gegen 
die Symphyse stiess. Die Erektion Hess sofort nach, es trat 
Schwellnng ein, ohne dass Pat. Schmerzen empfand. Erst die 
zunehmende Schwellung, welche steh auf den Unterbauch, 
Scrotum und die Oberschenkel erstreckte, und die eintretende 
Harnretention trieben den Mann znm Atzte, welcher anfangs 
Par. katheterisierte und nachher am 10. Tage, als ein Katheter 
nicht mehr eingeftihrt werden konnte, eine Jnrision am 
Scrotum machte. Der Harn entleerte sich ans der Fistel 
nnd Pat. genass nach einem schweren Krankenlager, 
welches bedingt war durch die Harninfiltration, die zn 
Gangrän der Scrotalhaut nnd eines Teiles der Oberschenkel¬ 
haut geführt batte. Nachgeblieben war eine Harnfistel, welche 
in mehreren Sitzungen fast völlig geschlossen wnrde. 


Digitized by kjOOQie 






Die Erectionsfähigkeit war völlig erhalten geblieben. Kom- 
pliziert war dieser Fall durch die Harnröhienzerreissnng. 
welche zur Harniutiltration geführt hatte. 

2 . Wei8blatt.ini Halbschlnmraer hatte ein Mann seinen 
erigierten Penis mit beiden Händeu nach unten gezogen, und 
dabei ein Knacken verspürt. Es tiat starke Schwellung und 
bläuliche Verfärbung auf. Die Miction blieb normal. Dpi- 
Verlauf war bei exspekiativer Behandlung normal. Beim 
Coitus hat Pat. keine Beschwerden. An der Rissstelle ist eiue 
kleine Verdickung nachgeblieben. 

3. Miklaszewski berichtet, dass ein 40 Jahre alter 
arteriosklerotischer Mann seinen stark erigierten Penis zur 
Seite bog und dabei ein Knacken verspürte. Es trat ein 
starkes Blutextravasat auf, besonders am Praeputium. Der 
Penis hatte S-förmige Krümmung. Die Schmerzen waren 
mässig, die Miction gut. Bei indifferenter Behandlung trat 
völlige restitutio in integrum ein. 

4. Iwanow teilt mit, wie ein Pat. libido coenndi empfand, 
derselben jedoch Dicht nachgehen konnte, weil er es für eine 
Sünde hielt, da am nächsten Tage ein Feiertag war. Er er¬ 
griff daher den erigierten Penis mit beiden Händen, schwenkte 
ihn stark und empfand dabei ein knackendes Geräusch, zu¬ 
gleich trat Schwellung und Schmerz auf. Uutei konservativer 
Behandlung erfolgte völlige Heilung und Funktionsfähigkeit 
im Laufe von 5 Wochen. 

5. (Jabscewitsch. Der Aetiolugie dieses Falles er¬ 
wähnte ich schon früher. Auch hier beim Entstehen der Frak¬ 
tur eiu knackendes Geräusch, dann Schmerz, Schwellung, 
erschwerte Haroabsonderung. Die Schwellung führte zu kon¬ 
servativer Gaugrän der Penishaut. Es wurden Längsiticisioncn 
gemacht und nach AbstossnDg der gangränösen Hantfetzen 
trat bei fieberfi eiern Verlaufe völlige Heilung ein. Die nor¬ 
male Erektionsfähigkeit war erhalten geblieben.' 

6. Men de referiert über 14 Fälle von Penisfraktur, 
welche aus früheren Jahren stammen und teilt einen Fall 
mit, in welchem eia 40-jähriger alter Mann mit dem erigierten 
Penis an eine Stuhllehne stiess und sich eiue Fraktur zuzog. 
Es trat Schwellung uud S-förmige Krümmung des Gliedes 
auf; zugleich völlige Harnreteutiou. Die Haruröhre war quer 
durchrisseu. Zuerst wurde die äussere Urethrotomie gemacht; 
nachher Naht der Harnröhre. Es trat völlige Heilung ein. 

Die Diagnose kann somit gestellt werden unter Be¬ 
achtung der Anamnese, auf Grund des objektiven Be¬ 
fundes: Schwellung, S-föimige Krümmung, lokaler 
Schmerzpunkt. Zuweilen lässt sich der Hiss in der 
Albnginea und den Schwellkörpei n fühlen, manches Mal 
auch Krepitation, bedingt durch die gebildeten Coa- 
gola. Urner konservativer Behandlung: Hochlageruug 
des Gliedes, Kompression und Kälteapplikatiun ist der 
Verlauf der nicht durch event. Harnröhren Verletzungen 
komplizierten Fälle gewöhnlich ein reaktionsloser. Das 
Haematum resorbiert sich und unter stärkerer oder ge 
ringerer Narbenbildung heilt der Riss aus. Diese Nar¬ 
benbildung soll gewöhnlich eine starke Alteration der 
Funktionsfähigkeit bedingen, da wegen Krümmung des 
Gliedes, resp. schlaffen Herabhängens des peripher von 
der Narbe gelegenen Teiles, die Erektion derart behin¬ 
dert ist, dass eine Cohabitation nicht staufinden kann 
(Braiu all n). Wie weit diese Angaben berechtigt sind, 
vermag ich nicht zu entscheiden. Die eben angeführten 
Fälle bestätigen sie nicht. 

Ist die Fraktur kompliziert durch eine Harnröhrenver¬ 
letzung, so muss der event. eintreteuden Urininfiltra¬ 
tion vorgebeugt werden durch Einführen eines Katheters 
oder, falls dieses nicht gelingen will, durch Aufsuchen 
beider Harnröhrenenden und Vereinigung derselben 
durch Naht. König rät, event. selbst bei nicht durch 
Harnröhrenverletzaugen kompl. Fällen blutig vorzugehen 
und nach Eutfernung der Coagula die gerissenen Cor¬ 
pora cavernosa zu nähen. 

Was die Quetschungen der Penishaut allein oder die¬ 
ser zugleich mit den Schwellkörpern betrifft, so kommen 
sie unkompliziert sehr selten vor. Sie entstehen durch 
direkte Gewalteinwirkung, als Schlag, Stuss etc. Ihre 
Behandlung ist eine rein konservative und die Heilung 
stets eine vollkommene, ohne Nachbleiben irgend wel¬ 
cher Kesidua. Gewöhnlich bestehen jedoch die Quet¬ 
schungen in ausgedehnten schweren Verletzungen und 
werden am häufigsten beobachtet bei Leuten die am 
Becken überfuhren sind; dabei wild der Penis gegen 


die Syrfiphyse gequetscht und an der scharfen Kantd 
derselbe zerdrückt. 

Hier müssen auch erwähnt werden diejenigen Ver¬ 
letzungen, bei denen die Gewalteinwirkung keine di- 
r e kte ist 

In Betracht kommen die Einschnürungen des Penis. 
Aus Spielerei oder wegen nächtlichen Bettnässens wird 
von Knaben der Penis mit einer Schnur oder einem 
Bande abgebunden, oder es werden Ringe Ubergezogeu. 
Erwachsene benutzen die verschiedensten Gegenstände 
entweder aus demselben Grunde oder zwecks Verhütung 
von Pulutionen, meistenteils wohl uin Erectionen 
hervorzurufen, zwecks Masturbation. Nach Anlegung 
solcher schnürender Gegenstände um den in schlaffem 
Zustande befindlichen Penis, tritt durch den Reiz und 
die Blutstauung eiue immer mehr zunehmende Schwel¬ 
lung des Gliedes ein. Die Constriction wird immer 
stärker und der schnürende Gegenstand kann, falls er 
schmal ist, völlig in der Schwellung verschwinden. Be¬ 
sonders stark schwillt das periphere Ende an und kaun 
es zu völliger Gangrän kommen. Durch die Oompression 
der Harnröhie tritt Harnstauung anf and diese kann 
gleichfalls zur Gangrän der Harnröhre führen, welche 
perforiert und die Bildung lippenförmiger Harnröhren- 
fisteln bedingt. . 

Einen solchen Fall teilt Gorski mit, wo infolge 
einer Umschnürung des Penis eine Fistel entstand. Die 
Glans ist nur mit einem ganz dünuen Stiel mit dein 
Penisstumpf in Zusammenhang gewesen. Die Urethra 
war quer durchtrennt, schnürende Ringe und Fäden 
können die gespannte Haut durchschneiden und die 
Schuürfurche schliesst sich manches Mal Uber dein 
Fremdkörper, so dass an Steile der Schnürfurche nur 
ein schmaler Narbenstreifen sichtbar ist (Kaufmanu,». 
Als schnürende Mittel benutzte Gegenstände können, wie 
gesagt, die verschiedenartigsten sein. Haare, Fäden, 
Ketten, Ringe, Schraubenmuttern, Flaschenhälse,Schlüssel¬ 
ringe, Rohr einer Feuerspritze, Ring eines Bajonettes 
etc. Wir besitzet! eine Schere, die einem ältereil 
Manne angeblich von Prostituirten im öffeutlichen Hause 
über den Penis gezogen war. Die Schere konnte der 
hochgradigen Schwellung wegen nicht anders entfernt 
werden, als dass sie durchgefeilt wurde. Die Behandlung 
besteht in möslichst schneller Entfernung des schnüren¬ 
den Körpers. Häufig wird der Schlosser resp. Schmied 
zu Hülfe genommen werden müssen. Poncet teilt 
einen Fall mit, in dem kein Schlosser den über den 
Penis gezogenen Ring eines schweren Steinhammers 
zu öffnen vermochte. Er half sich, indem er Längsiuci- 
sionen machte, den Penis eiufettete, comprimierte und 
dann extrahierte. Es erfolgte glatte lleilnng. Im Falle 
Ameisan konnte ein Schlosser nach mühevoller Spal¬ 
tung einer 4'/i kgr. schweren Eisenstange den in dieselbe 
gesteckten Penis von seiner Incarceration befreien. 

Kurz genannt werden müssen hier auch die Ver¬ 
letzungen der Harnröhre, welche gelegentlich durch 
zwecks Masturbation oder aus irgend welchen anderen 
Gründen in die Urethra eingefülirte Gegenstände ver¬ 
ursacht werden. Wir hatten einen Pat. mit einem peri¬ 
urethralen Abscess, welcher incisiert wurde und in dem 
sich ein dicker Grasstengel befand, Pat. gab nachträg¬ 
lich zu mit diesem Gegenstände masturbiert zu haben, 
Verletzungen dieser Art sind, abgesehen von den bei 
schlechtem Katheterismus gemachten falschen Wegen, 
sehr selten. Die Harnröhre selbst ist recht resistent 
und passieren dieselbe oft ungeahnt dicke Gegenstände, 
ohne sie zu verletzen. Ein alter Mann hatte sich bei 
uns einen fingerdicken Federstiel in die Harnröhre ge¬ 
steckt, um sich zu katheterisieren. Der Federstiel befand 
sich zur Hälfte in der Blase und wurde durch die äus-* 
sere Urethrotomie entfernt. Die Harnröhre hatte er 
nicht verletzt. Einem anderen Pot. war währeud dea 


Digitized by A^OOQLe 



Bl 


Schlafes von seiner Frau ein Wachslicht in den Penis 
gesteckt. Dieses hatte die Harnröhre ohne sie zu 
verletzen passiert, war in die Blase gelangt und hatte 
dort Anlass zur Steinbildung gegeben. Einige Jahre 
nachher wurden die Steine aus der Blase mittels Sectio 
alta entfernt und Messen auf ihrem Durchschnitt deut¬ 
lich kleine Wachsstücke erkennen. — Einem dritten, 
einem Regimentsschreiber, war, als er infolge starken 
Alkoholgenusses abgefallen war, von seinen Freunden 
eine Papyrosspitze in den Penis gesteckt worden. Diese 
hatte die Harnröhre nicht verletzt, war schlank in die 
Blase gewandert, von wo aus sie durch den hohen 
Blasenschnilt entfernt wurde. 

(Fortsetzung folgt). 


.Tod eines Erwachsenen durch Verbrennen im Ofen. 

Ein seltener gerichtärztlicher Fall. 

Von 

Dr. J. Sad ikoff, 

Kreisarzt zu Talsen. 

In der mir zugänglichen Literatur habe ich einen solchen 
Fall, wie den zu schildernden, nicht gefunden und glaube ich 
daher zur Veröffentlichung dieses getadez.u verpflichtet zu 
sein, wenngleich auch wenig Aussicht für eine völlige Auf¬ 
klärung vorhanden zu sein scheint. 

Der Tatbestand ist folgender: 

Der 79 Jahre alte Wickel Mrautmanii, welcher im Dorfe 
Angan bei seinem verheirateten Sohne wohnte, wurde am 14. 
August 1904 in der Badstube des Tischlers N.... von letzte¬ 
rem tot im Ofen der Badstnbe liegend gefunden. Str. hatte 
sich um c. 6 Uhr nachm, in die Badstube begeben. Um c. 8 
Uhr fand ihn N., als er selbst baden ging, völlig nackt im 
Ofen liegend, sodass nur die Unterschenkel aus demselben 
hervovragten. Da N. allein war und Str. tot zu sein schien, 
so rief er sofort den lokalen Gemeindeältesten nnd wurde 
dann erst Str. hei ausgezogen. Er lag im Ofen mit dem Ge¬ 
sicht nach nuten mit über der Brust liegenden Armen. Vor 
Strautmann hatte eine Wagd des Tischlers N. gebadet. Dunst 
war in der Badstube niciit vorhanden. Die Badstube war 
unverschlossen nnd konnte überhaupt von iunen nicht ver¬ 
schlossen werden, da die Türen nur einfache Klinken hatten. 
Str. hat sich allein in die Badstnbe begeben nnd ist es nicht 
bemerkt worden, dass noch jemand anders sich dort während 
seines Aufenthalts, wenn auch nnr zeitweilig, befunden hat. 
Es ist nach der Lage der Iladstube, welche c. 30 Schritt vom 
Hause des N. in einer Einsenkung an einem Teiche liegt, 
möglich, dass Jemand aus dem austossenden Walde oder aus 
der sonstigen Nachbarschaft in dieselbe, ohne bemerkt zu 
werden, hineingelangen kann Str. war seines Alters wegen 
nicht mehr arbeitsfähig, das Verhältnis za seinem Sohne und 
dessen Familie ein gutes. Es war ein nüchterner Mensch, 
arm, geistig normal, friedlichen, ruhigen Charakters, lebte 
mit allen seinen Verwandten nnd seiner Umgebung in Flie¬ 
den und Einvernehmen und machte sich, soviel es seine 
Kräfte erlaubten, nützlich. Der Sohn war, wie durch Zeugen 
nachgewiesen, mit seiner Frau zur Zeit des Todes abwesend 
in einem benachbarten Dorfe. Irgend ein Verdacht ist nicht 
voihandelt. Str. hat vor seinem Tode sich uicht anders, als 
gewöhnlich gezeigt und auch nichts Aussergewöhnliches 
petan, z. B. nicht alkoholische Getränke zu sich genommen. 

Ans dem Befunde der wegen meiner Abwesenheit von ei¬ 
nem fieipiaktizierenden Kollegen am 18. August ausgefiibi len 
Sektion hebe ich nach den mir zur Verfügung gestellten Da¬ 
ten nur folgendes hervor: 

Der Verstorbene war mittleren Wuchses, sein Ernährungs¬ 
zustand und Habitus normal. Die Haut auf der ganzen Vor¬ 
derseite des Körpers bis zu den Knien ist geschwärzt und 
geht in Stücken herunter, die Falbe derselben blaurot. An 
den Seilen befinden sich viele Blasen mit flüssigem Inhalt- 
Am Scheitel, am Unteramt, an den Fingern und Knien ist 
die Haut hart und dunkelbraun, auf dem Kopf und Rücken 
angedrungeu und mit Flüssigkeit dnrehtränkt, von blutroter 
Farbe. Augenlider, Ohren und Nase angedrimgen, in den Li¬ 
dern Blutaustritte. In Nase und Wand Aschenteile nnd blu¬ 
tige Flüssigkeit. Andere äussere Verletzungen sind nicht 
vorhanden. Die Kopfhaut ist stellenweise durch die Verbren¬ 
nung an die Knochen angebaeken. Die inneren Teile, z. B. 
Muskeln, Hirn, Butcheiugeweide etc. sind wie gebacken, d. h. 
blass und leicht zerreisslicli oder brüchig. Im Kehlkopf findet 
sich, ausser blutiger Flüssigkeit, Asche. In den Laugen ist 
das Blut dick wie Teer, ln der rechten Herzhälfte und den 
zum Herzen führenden Gefässen befindet sich dunkles, flüssi¬ 
ges Blut. Innere Verletzungen durch Gewalt sind nicht zu 
finden. 


Wie »ich aus diesen Daten ergiebt, ist der Tod durch Kr 
stickung und zwar, nach den Aschenteilen in den Atmuugs- 
wegen zu urteilen, durch Erstickung im Ofen erfolgt, d. h. 
also der verstorbene Str. ist durch Verbrennung im Ofeu 
ums Leben gekommen. Dass er lebend in den Ofen gekommen, 
ergiebt ausser der in den Luftwegen befindlichen Asche auch. 
, das Vorhandensein der mit Flüssigkeit gefüllten Brandblasen, 
j Die Tode8iir8ache*ergiebt also nicht die geringsten Schwie- 
j rigkeiten. Sehr schwierig dagegen ist. bei diesem Falle die 
Sclialdfrage; handelt es sich um Mord, Selbstmord, oder un¬ 
glücklichen Zufall? 

Ehe ich diesen Fragen näher trete, muss ich ein» nähere 
Beschreibung des Ortes, in welchem die Leiche des Str. ge¬ 
funden wurde, voranscbicken. 

Die Badstube des Tischlers N. befindet sich in einem klei¬ 
nen hölzernen Hause und besteht aus einem grösseren vor¬ 
deren Raum zum Auskleiden nnd einem kleinern für ein sog. 
Schwitzbad. Gleich bei der Tür befindet sich ein aus Ziegeln 
gemauerter Ofen von über Tisch-Höhe, auf welchem sich lose 
Steine, welche durch das Heizen heiss gemacht werden sollen, 
befinden. Vor der Oeffnting des Ofens befindet sich eine 7 Zoll 
tiefer gelegene Stufe in der Bretterdiele vor. 28 Zoll im 
Quadrat. Der Boden dieser Vertiefung ist ungedieit und steht 
im gleichen Niveau mit dem der Heizöffnung. Die Heizöff¬ 
nung stellt ein halbkreisförmiges Gewölbe von 46 Zoll Tiefe, 
17 Zoll Breite und 13 Zoll Höhe vor. Sie ist also gerade nur 
so gross, dass ein gewöhnlich gebauter Mensch sich in die¬ 
selbe hineinzwängen kann. Von Sicherheben oder auch nur 
Händeaussirecken in diesem Gewölbe kann keine Rede 
I sein. Zur besseren Uebersiclit füge ich eine Skizze des 
Ofens bei. 



In diesem Gewölbe nun wurde Str. au das Eule desselben 
mit seinem Kopte anstossend, sodass nur noch die Knie 
lierausstandeu, mit dem Gesicht nach unten gefunden. 

Wie ist er dort hineingekommen? 

Das Nächstliegende ist natürlich, dass er von anderen hin- 
eingeschoben worden. Doch nicht nur, dass jeder Hiuweis 
darauf fehlt, so sind auch noch andere Umstände, welche, 
sagen wir, nicht dafür sprechen, vorhanden. Wie die Sektion 
ergeben hat, ist Str. lebend in den Oten gekommen. Um ihn 
aber in diese Höhle (so möchte ich den Heizraum des Ofens 
nennen) zn bringen, wäreu doch mehrere Personen nötig ge¬ 
wesen, oder aber Str. wäre vorher betäubt worden. Gutwil¬ 
lig härte er sich keiuenfalls in den glühenden Ofen schie¬ 
ben lassen. Nun finden sich aber nirgends irgend welche An¬ 
zeichen eines Kampfes, weder am Körper des Str., noch im 
Lokale selbst. 

Ausserdem liegt uicht der geringste Hiuweis, dass ausser 
Str. sich noch jemand in der Badstnbe befunden hat, vor; 
ebenso ist irgeud ein Verdacht, wie gesagt, nicht vorhanden. 
Nehmen wir an, Str. wäre von jemandem vorher durch einen 
Schlag oder durch Würgen betäubt worden und hätte dieser 
ihn in der Annahme, dass er tot sei, niu die Spuren des 
Mordes zn verwischen, in den Ofen geschoben. Hierbei wäre 
es der vor dem Ofen befindlichen St,nfen wegen durchaus 
wahrscheinlich, dass Str. dabei die Rückenlage gehabt hätte. 
Doch wie dem auch sei, die Arme hätten sich in jedem Falle 
in gestreckter Lage befunden und nicht über der Brust, 
Wie schon gesagt, erscheint durch die Enge des Gewölbes 
ein späteres Heraufziehen der Arme unmöglich. Dass Str. 
sich im Ofeu auf das Gesicht gekehrt, scheint auch aus dem¬ 
selben Grunde unwahrscheinlich, ausserdem hätte er sich 
daun anch des einzigen Hilfsmittels, sich durch Aufslemmen 
der Hacken anf den Boden rob dem Ofen herauszazieben, 
begehen. Es muss also angenommen werden, dass Str. in dep 


Digitized by kjOOQie 





Stellung. iu welcher er im Ofen gefunden auch in denselben 
hineine-ekoramen ist und das wäre aber im nicht besinnungs¬ 
losen Zustande des Str. ohne Widerstand und Anwendung 
grösserer Kraft nicht möglich gewesen- Für Kampf und Ge¬ 
walt sind aber keinerlei Zeichen und Hinweise gefunden 
worden. 

Wenn wir die Möglichkeit eines Selbstmordes ins Auge 
fassen, so würde hierbei, da jeder andere tirund dafür fehlt, 
nur Geistesstörung oder temporäre Geistestrübung einen An¬ 
halt geben können. Nun war aber Str. nachweislich geistig 
normal, ruhigen Charakters, zur Zeit des Unfalles, wie auch 
sonst, ffiichtern. Dunst oder dergleichen war in der Hadstube 
nicht vorhanden. Str- hätte in dem Falle selbst in die enge 
glühende Ofenhöhle sich hineinzwängen müssen. Dabei hätte 
er sielt schon gleich am Eingänge derselben verbrannt und 
hätte wohl seinen Plan aafgegeben. In der Glut der Höhle 
hätte er ferner wahrscheinlich bald die Besinnung verloren, 
wäre also wohl kaum mit dem Kopf bis ans Ende der Höhle 
gekommen, wenn wir auch annehmen, dass Str. durch Stem¬ 
men mit den Füssen an die Stufe sich wohl in dem Ofen 
weiter hätte fortschieben können. Die Anne resi>. Hände, 
hätte er ja, wie schon oben ausgeführt, der Enge der Höhle 
wegen dazu nicht gebrauchen können. Doch kann man die 
Möglichkeit, dass Str. durch sich selbst ganz in den Ofen 
gekommen, nicht ganz von der Hand weisen. Ans diesem 
Grunde muss auch die Möglichkeit eines unglücklichen Zu¬ 
falles offen gelassen werden. Str. hätte aus irgend welchen 
Gründen den Kopf bis über die Schultern in den Ofen ge¬ 
steckt und dann war durch die Enge der Höhle ein Heraus¬ 
kommen, da der Gebrauch der Arme ausgeschlossen, nur 
möglich, wenn er sich auf den Kücken brachte und durch 
Anstemmen der Hacken auf die Diele bei gebeugten Knien 
sich hera»8zog. Doch wäre ein solches Umwenden auf die 
Rückenlage in der Enge der Höhle, wenn auch nicht ganz 
unmöglich, bo doch nur sehr langsam möglich gewesen und 
bis dahin wäre wohl schon der Tod durch Erstickung ein¬ 
getreten. Dass er ganz in den Ofen geraten, Hesse sich durch 
ein Hiueinstossen mit den Ftissen, welche die einzigen noch 
frei beweglichen Körperteile wareu. in der Erstickungsnot 
erklären. >Üie vorstehende Stufe bildete unwillkürlich dazu 
den besten Stützpunkt. Doch hat eine solche Annahme eines 
Zufalles zu viel Unwabrscheinlichkeit an sich, denn welch’ 
ein vernünftiger Mensch würde wohl seinen Kopf in ein 
glühendes Ofenloch stecken. 

Nach dem oben Ausgeführten scheint mir eine Entschei¬ 
dung darüber, wodurch der Tod des Str. durch Verbiernten 
im Ofen veranlasst, nach dem bisherigen Befunde überhaupt 
nicht möglich. Dass man es mit einem Mord oder Tot¬ 
schlag zu tun hätte, würde am meist“» allen Erfahrungen 
entsprechen, wenngleich ein solcher Fall doch wohl auch 
sehr ungewöhnlich sein dürfte. 

ln den Lehrbüchern habe ich nur einen eiuigermasseu 
ähnlichen Fall gefunden und zwar in der letzten Auflage des 
H o f f m a n n ’schen Lehrbuches vom Jahre 

In einer Irrenanstalt steckte ein Geisteskranker, nachdem 
er sich 2 oberflächliche Stiche in den Bauch beigebracht hatte, 
seinen Kopf in ein Uten loch und legte ihn aut die glühenden 
Kohlen, so dass bis auf die Knochen dringende Verbrennung 
der einen Kopfseite entstanden war. Der Tod erfolgte erst 
nach 12 Tagen. Hier haben wir es also mit einem Geistes¬ 
kranken zu tun und finden ausserdem noch Wunden am Kör¬ 
per, welche Deuiuugen zulassen und sind nicht so ohne alle 
Hinweise, wie in dem vou mir beschriebenen Falle. 

Ich glaube meinen Fall, obgleich eine Eiklärung für ihn 
bis jetzt nicht gefunden, doch weitern Kreisen nicht vorent- 
halten zu müssen, besonders da die Literatur an dergleichen 
noch so wenig aufweist. Falls sich in späterer Zeit irgend 
eine Erklärung des Falles, w. zu wenig Hoffnung vorhanden, 
finden sollte, so werde ich nicht \erabsüuuien, darüber Mit¬ 
teilung zu machen. 

Mitteilungen 

aus der Gesellschaft praktischer Aerzte 
zu Riga. 

Sitzung vom 4. Februar 1904. 

1. Dr. H. Be rg stellt einen Fall von Pityriasis 
rosen vor, der im Stadium seiner augenblicklichen Ent¬ 
wickelung eine entschiedene Aehnlichkeit mit einem makulö¬ 
sen Syphilid aufweist. Bei Besprechung der Erkrankung 
weist. er auf die gelegentlichen differential-diagnostischen 
Schwierigkeiten hin. 

Dr. H. Berg stellt ferner ein Kind von 1 Jahr 4 Monaten 
mit Le promen vor. Es ist gelungen, aus dem Gewebssatt 
eines Knotens Bazillen zu färben. 

Vor einem Monat sah Ref. das Kind zum erstenmal und 
es wurde die Angabe gemacht, dass die Krankheit seit drei 
Monaten bestände, Pie Mutlev jst vollkommen gesund, der 


Vater des unebel. Kindes angebl. gesund, z. Z. ausser Lan¬ 
des. Das Kind befaud sich seit der Geburt tagsüber in Pflegre 
bei einer Frau. Die Frau A. K. 58 a. n. leidet an Lepra in 
bereits vorgeschrittenen Stadien, sie hat sich leider der Vor¬ 
stellung entzogen. Dr. B. behält sich weitere MittelI ungeo 
vor. falls es ihm gelingt, den Fall weiterhin zu beobachten. 

(Autorefei at.) 

Dr. v. Bergmann: Lepra bei kleinen Kindern gehöre zu 
den grössten Seltenheiten. Die bisher beschriebenen verein¬ 
zelten Fälle seien übrigens in Bezug auf die Diagnose nicht 
ganz einwandsfrei. Vorliegender Fall mit positivem Bazillen- 
befunde repräsentiere daher eine ganz besondere Rarität. Ohne 
dieseu Bazillenbefund würde hier die Richtigkeit der Dia¬ 
gnose auch noch fraglich erscheinen können, da die sehr 
charakteristische Infiltration, auf welcher die Leprakuoten zu 
sitzen pflegen, fehlen. 

Dieser Fall sei fernerhin insofern von wissenschaftlicher 
Bedeutung, als er die bisherige Annahme einer mindestens 
3-jährigen Inkubationszeit der Lepia nmstosse. 

Es wäre von theoretischem Wert, hier eine Untersuchung 
des Nasenschleimes auf Leprab.tzillen vorznnehmen. da die 
Nase gerade vielfach als Eingangspforte für die Infektion 
angesehen werde. 

2. Dr. Vogel (als Gast) hält seinen angekündigten Vor- j 
trag: «Ueber einen Fall von operativ geheil ter i 
H erzitichw linde». 

(Autoreferat.) ( 

Referent weist darauf hin. dass erst seit der ersten glück¬ 
lich gelungenen Herznaht die Chirurgen der operativen Be¬ 
handlung der Herzverletzungeu näherget raten sind. Es kä¬ 
men nur die minder schweren Schuss- und Stichverletzimgen 
in Betracht, da die schweren, namentlich die Herzrupt uren, 
sehr bald nach der Verletzung sterben. Ob Perikard allein, 
oder auch das Herz selbst verleizt ist, lässt sich nicht mit 
Bestimmtheit entscheiden Symptome der Verletzung sind 
Lage der Wunde, Haemopericard, oberflächliche Atmung, 
Angstgefühl, Cyanose, Collaps, auch unwillkürliche Stulileut- 
leernneen. Diese Symptome können zum grössten Teil fehlen, 
während das wichtigste Symptom, der unregelmässige, kleine, 
frequente Puls, immer vorhanden ist. Die Pleura ist fast im¬ 
mer mitverletzt. Die Prognose ist im allgemeinen ungünstig, 
obgleich sie sich mit dem operativen Einschreiten gebessert 
hat. Abgesehen von der Art und Grösse der Verletzungen 
bieten die Verwundungen der Herzspitze die beste Prognose, 
daun der rechte und zuletzt der linke Ventrikel. Verletzun¬ 
gen der Corouargefässe bieten schlechte Chancen, obgleich 
auch hier Heilungen zu verzeichnen sind. Tod kommt durch 
Verblutung oder durch die Herztamponade zustande. Frü¬ 
her, bei der exsnektativeii Behandlung, wurden nach Fi¬ 
scher 10 pCt. Heilung berechnet, seit dem operativen Ver¬ 
fahren 27 pCt. nach .Fun tan. Gegen die Operation Hesse 
sich anfiihreu. dass viele Fälle, die unschuldig wareu, auch 
ohne Operation durchgekoniinen wären, durch die Operation 
aber noch der Gefahr einer Pericarditis ansgesetzt wurden. 
Andererseits Hesse sich niemals mit Sicherheit die Schwere 
der Verletzung nach den augenblicklichen Symptomen beur¬ 
teilen. Ausserdem sind in einigen Fällen vou exspektativ be¬ 
handelten geheilten Herzverletzungeu nach Monaten totale 
Synechien auf dem Sektionstische gefunden worden, so dass 
kein Vorteil vor den operierten, tamponierten bestehe. Zur 
Freilegung des Herzens sind die verschiedensten Methoden 
empfohlen worden. Lappen mit totaler, medialer, oberer und 
unterer Basis und die einfache Rippenresektion. 

Es gilt als Regel in der Diastole zu nähen. Während des 
Durchstiches ist ein kleiner Herzstillstand zu beobachten. 

Die meisleu Autoren benutzen geknöpfte Nähte, während 
Terrier und Reymond die fortlaufende für die beste halten. 
Dieselben vernähen auch Pleura und Pericard, da sie bei der 
Tamponade eine Infektion von aussen fürchten. Mehrere 
Fälle sind auch oliue Tamponade geheilt- Hierzu werden 
sich besonders Schussverletzungen, die ja aseptischer sind, 
eignen. Viele andere Autoren raten zu tamponieren, wenu 
auch nur wenig ausgiebig und für kurze Zeit, da auch die 
tamponierten meistenteils schnell heilten und keine Beschwer¬ 
den hätten. 

Zum Schluss wird die Krankengeschichte eiues einschlägi¬ 
gen Falles, wo die Operation vom Referenten mit Erfolg 
ausgeführt worden ist, referiert. (Dieser Fall ist im Zentral¬ 
blatt für Chirurgie Nr. 22, 1904 veröffentlicht worden. 

(Autorefei at.) 

Dr. v. Berg in min: Vortragender sei für diesen Heiluugs- 
tall — den ersten dieser Art iu Riga — nur zu beglück¬ 
wünschen. 

Was die prinzipielle Frage der Tamponade resp; Vernä- 
bung des Herzbeutels betrifft, so entscheidet sich Redner für 
erstere. 

Auch Zoegc habe iu seinem letzthin veröffentlichten 
falle tamponiert, obgleich eine Schusswunde im ganzen weit 
weniger Gefahr einer Infektion in sich schliesse. als ein 
Messerstich. ' 


Digitized by LjOOQLe 



53 


Eine Statistik ans dem Obuohowhospital habe für die Fälle 
mit Tamponade nur Heilungen, fiir die Vernfihnng nur To¬ 
desfälle zu verzeichnen. 

Auch in den scheinbar günstigsten Fällen würde sich doch 
die Anlegung einer Drainage — sei es auch uur in Form 
eines kleinen Drainrohres — empfehlen. Die Eventualität nach¬ 
träglicher Adhäsionen müssen eben in Anbetracht der sonst 
grösseren Gefahren mit ln den Kanf genommen werdeu, zu¬ 
mal da eine von den Verwachsungen zu befürchtende funk¬ 
tionelle Einbnsse für daß Herz sogar fraglich sei. 

Dr. 0. Breit m: Die Erfolge des exspektativen Verfahrens 
seien dadurch fraglich, dass der sichere Beweis für die Per¬ 
foration des Herzens in diesen Fällen fehle. 

Zwei in der Literatur beschriebene Fälle von erabolischer 
Verschleppung von Kugeln seien allerdings beweisend für 
die Möglichkeit der spontanen Ausheilung einer Herzperfo- 
rution. In einem Falle handelt es sich um Verschleppung in 
eine Subclavia mit Verschluss der Arterie. Die Kugel wurde, 
als wegen lchamie des zugehörigen Armes operativ einge- 
grillen wurde, im unverletzten Arterienrohr getänden 

Im andern Falle war die Kugol in eine Pnlmoualvene ein- 
gcdrungeu, und von dort durch den rechten Ventrikel in die 
Arteria pulmonaiis gelangt. 

3. Dr. P. B e r g e n g r ü n hält seinen augekündigten Vortrag: 
«lieber einen letalen Fall von Empyeiua sinus ethmoidalis». 

E. W.. 28 Jahre alt, Opernsänger, im allgemeinen stets 
gesund gewusen, gab im August 1903 an, seit 5 Jahren an 
Luftmangel in der rechten Nase uud häutig sich wiederho¬ 
lendem Schnupfen zu leiden, hie und da Kopfdrock und 
Schmerz über dem rechten Auge. ln letzterer Zeit 
häutig Indisposition der Singstimme, Kratzen und Räuspern. 
Betuud: chrouische Pharyngitis und Laryngitis massigen 
Guides von trockeuem Charakter. Rechte Nase: starke Ver¬ 
dickung der unteren Muschel, dem Septum der sehr engen 
Nase anliegend; mehr oben beträchtliche Polypenmassen von 
geringen Eitenuengen umgeben. Deviatio sepii convex nach 
rechts. Die Sonde gerät bei leichter Führung durch die Po- 
lypemnassen aut lauhe Knocheukanten. Druckempfindlichkeit 
am rechten inneren Orbitalwinkel und am Boden der Orbita. 
Durchleuchtung ergiebt nirgend Verdunkelung. Dia» 
Empyeina sin. etbmoidal. dextr., und wahrscheinlich auch des 
8iu. frontal.; Rhiuopharyngitis, Pharyngitis, Laryngitis chro¬ 
nica. — Zunächst uur Behandlung der Pharyngitis und La¬ 
ryngitis mit Adstringentien; die in letzter Zeit heisere Stimme 
wurde klar; Pat. absolvierte sein erstes Debüt mit grossem 
Erfolge. Bald darauf Entfernung der Hypertrophien und, 
soweit bei der sehr engen Nase möglich, der Polypen und 
Ausräumung einiger Siebbeinzellen. Gleich darauf Erleich¬ 
terung. Pat. blieb dann fort. 6 Wochen später plötzlich ra¬ 
sende Kopfschmerzen; 5 Tage später sah Vortr. den Pat. mit 
den Anzeichen beginnender Meningitis, starker Schwellung 
der linken regio supraorbitalis. die auf Druck änsserst em¬ 
pfindlich ist, protrnsio bulbi. Trotz geringer Hoffnung auf 
Erhaltung des Lebens Aufmeisselung der 1. Stirnhöhle, um 
nichts unversucht zu lassen., da es sich möglicher Weise aucli 
um ein stürmisch verlaufendes akutes Empyem mit Durch¬ 
bruch iu die Orbita handeln kouute. Das Bild der Thrombose 
d. Sinus cavernosus stand freilich im Vordergründe. Die 
Stirnhöhle war aber frei; Exitus letb. 5 Stunden post oper. 
Sektion: Einige Meningitis an d. Convexitäl der linken 
Grosshiniheinisphäre, an der Basis auf den Schläfenlappen 
beschränkt; Thrombosierung des die sella turcica umgebenden 
Sinusringe8, sowie des sinus alae parvae sin. und der Venae 
oplitbalm. sin Die die Nebenhöhle der Nase überdachenden 
Knocbculamellen an der Schädelbasis sowie die Dura durch¬ 
weg intakt. — Rechte Stirnhöhle: frei von Eiter, 
chronischer Schwellungskatarrh der Mucosa, rechtes 
S j e b be i u 1 a b y r i n t h erfüllt von reiiieitrigem Exsudat, 
Mucosa teils vollkommen zu Grunde gegangen, teils missfar¬ 
ben. gelockert, geschwollen. Rechte Keilbein höhle 
ebenfalls voll Eiter- Siebbein und Keilbeiu links normal. 

Als Wege, auf welchen von der Nase und ihren Neben¬ 
höhlen cerebrale Infektionen 8tattfinden. kommen in Betracht: 
1) eitrige Schmelzung und Perforation der die Nebenhöhlen 
vom Cavum cranii abschliessenden Knoclienlamellen. 2) Durch- 
Wanderung der letzteren von infektiösem Material, 3) Ver¬ 
schleppung derselben durch Lymph- und Blntbahnen. — In 
unserem Falle ist, da die Knochen und die Dura intact wa¬ 
ren, die Infektion wohl durch die Blutbahn erfolgt: durch 
die Veua frontalis und infraorbit. —, welche in die Venae 
ophthalmicae münden, ist direkte Verbindung zwischen den 
Blutadern der Nase und des Sinus cavernosus gegeben. In 
die Vena ophthalmica sup. münden ausserdem die aus dem 
Siebbein kommenden Venae ethmoidal. ant. und post. Die 
Bedingung zu einer solchen Infektion. Abhebung und eitrige 
Zerstörung des Periostes, aus welchem die Venen ihr Blut 
beziehen, war durch die Vereiterung der Siebbeinzeilen- 
8chleirahaut durchaus gegeben. 

Vortr. glaubt, die Frage, ob er sich einen Vorwurf daraus 
machen müsse, den Pat, nicht von vornherein zu einer ein¬ 


greifenderen Operation überredet zu haben, verneinen zu 
dürfen: die subj. Beschwerden waren zu geringfügig, die 
Nasenenge machte ein sicheres intranasales, eingreifenderes 
Operieren unmöglich, es hätte daun von aussen operiert werden 
müssen, und eine doch von vornherein mit Sicherheit ment 
;ins 2 usch Messende Entstellung des Gesichtes hätte die ganze 
Laufbahn des Pat. als Opernsängerin Frage stellen können. 
Vortr. erwähut hierbei eines Falles, in dem eine Pat., der er 
enorme Polypenmassen aus der Nase und einen Teil der vor¬ 
deren -Siebbeinzeilen in mehreren Sitzungen entfernte; die 
Pat., welche alle Eingriffe fieberlos durchmachte, erkrankte 
zum Schluss, als sie abreisen sollte, an Meningitis, und starb 
in kurzer Zeit. -- Die Gefahr, welche stets mit den Opera¬ 
tionen der Nebenhöhlen verbunden sein kann, Hess ibn im 
Falle E. W. zunächst von weiteren Eingriffen abstehen, zu¬ 
mal Pat. sich nach Befreiung der Nasenatmnng sehr wohl fühlte. 

Vortr. kommt zu dem Schluss«, dass 1) eine jede Neben¬ 
höhlenerkrankung nicht als unbedingt harmlose Sache ange¬ 
sehen werden dürfe, 2) bei allen Sektionen entzündlich-intra- 
cranieller Erkrankung stets die Nasennebenhöhlen untersucht 
werden sollen, da sie oft die einzige Krankheitsursache: 
Empyem enthalten. 3) Die Indikationsstellung für eingreifen¬ 
dere Operationen wegen chron. Nebenhöhleneiterung mit ge¬ 
ringen subj. Beschwerden ist eine äusserst schwierige, da 
man vor plötzlichen Katastrophen, nie sicher Rei, anderer¬ 
seits die Eingriffe u. bes. auch die Nachbehandlung oft die 
grössten Anforderungen an die Geduld der Pat. stellen. 

B (Autoreferat). 

d. Z. Sekretär: S. Kröger jun. 


Vermischtes. 

Der Allg. Verein St. Petersburger Aerzte 
wählte ln seiner Jahresversammlung zum Präsidenten 
des Vereins — Dr. E. Blessig, zum Vizepräsident 
ten — Dr. Th. D o b b e r t.. zum geschäftsführen¬ 
de n S e k r e t ä r - Dr. W. Fick, zum wissenschaft¬ 
lich e n S e k r e t ä r — Dr. G. Voss (atellv. Dr. 0. Mo¬ 
ritz), zum Kassierer — Dr. G. Krich und zum Biblio¬ 
thekar — Dr. R. Wnnac h (stellv. Dr. E. Blessig). 

— Zum Direktor und Oberarzt des St. Peters¬ 
burger Marienhospitals für Arme und des 
Alexandrahospifals für Frauen ist der bis¬ 
herige Gehiilfe des Oberarztes des St. Petersburger städti¬ 
schen Obnchowhospitals, Geheimrat Dr. T rojanow, ernannt 
worden, unter Belassnug in den von ihm bekleideten Stellun¬ 
gen eines Mitgliedes des Konseils der Kaiserl. Philanthropi¬ 
schen Gesellschaft und eines beiatenden Mitgliedes des mili¬ 
tär-medizinischen gelehrten Komitees, sowie des Medizinal¬ 
rats des Ministeriums des Innern. 

— Im Dezember vorigen Jahres beging der bekannte frü¬ 
here Landschaftsarzt Dr. I) Shbankow, welcher als Leiter 
der Sanitätsabteilung des Smolensker Landschaftsamtes sich 
um die Landschaftsmedizin verdient gemacht hat. das 25-jäh¬ 
rig e Jubiläum seiner ärztlichen Tätigkeit. 
Einer Feier seines Jubiläums war er ausgewichen. 

— Der bisherige chirurgische Konsultant am Marienhospital 
in Sewastopol, Staatsrat D r. Viktor P 1 o t u i k o w , ist 
zum Oberarzt des H o s p i t a 1 s c h i f f e s, «Kostroma», 
das mit dem dritten Russischen Geschwader nach 'Ostasien 
geht, ernannt worden — Dr. Plotnikow, welcher gegen¬ 
wärtig im 48 Lebensjahre steht, hat seine Schulbildung in 
Riga genossen und seine medizinische Ausbildung aujder 
Dorpater Universität erhalten, an welcher er auch 1884 zum 
Doktor nied. promoviert wurde — Die «Kostroma>v geht Mitte 
Februar von Odessa aus in See und wird die Flagge des Ro¬ 
ten Kreuzes führen, worüber die japanische Regierung durch 
den französischen Gesandten in Tokio verständigt wurde. 
Was die Hospitalschiffe aubelangt, so hat auch die japani¬ 
sche Regierung ganz besonderen Wert auf Bau und Ein¬ 
richtung solcher Schiffe gelegt und schon i. J. 1898 zwei 
solcher Schiffe bauen lassen, von denen jedes einen Kosten¬ 
aufwand von 1,100,000 Mk.(= 500,000 Rbl.) verursachte. Jedes 
dieser Hospitalschiffe enthält 200 Betten und hat einen vor¬ 
her eingeübten Stab von Aerzten, Heilgehiilfen und Ptlege- 
rinueu, welche von der Gesellschaft des Roten Kreuzes unter¬ 
halten werden. Während des Boxeraufstandes haben diese 
beiden Schiffe sich ausserordentlich bewährt, da sie nicht weniger 
als 3059 Patienten der Streitkräfte der verbündeten Nationen, 
also auch Europäer, aufuahmen. 

— Wie ans Odessa gemeldet wird, ist seitens der dortigen 
U niversität die Berufung auf den L e li r s t u h 1 der 
Hygiene au den jetzt in Zürich lebenden, früheren Mos¬ 
kauer Professor Dr. Erismann ergangen. In einem Briefe 
soll nun Prof. E r i s m a n n sein Bedauern ausgesprochen haben, 
dass er durch die Verhältnisse gezwungen diesem Rufe nicht 
Folge zu leisten vermöge, da er seine Familie nicht 
mehr unter die russischen Lebensbedingungen versetzen und 
seine Kinder nicht jetzt noch russisch erziehen könne. 


Digitized by 


Google 



5 4 


— Z am Direktor der kankaslgclien Mineral- 
quellen Ist der bisherige Chef der Irkntsker Montanver- 
waltang, Bergingenieur wlrkl. Staatsrat I w a n o w ernannt 
worden, an Stelle des Berlin genienrs Chwoscbtschinskj, 
der Mitglied des Konseils des Ministers der Reichsdomänen, 
geworden ist. 

— Verstorben: 1) Am 18. .1 a n n « r zu Moskan der Arzt 
eines dortigen Armenasyls Dr. SerginsSsawinow im 24. 
Lebensjahre. Die ärztliche Praxis hat S. seit. 1888 ansgeübt. 
21 In St Petersburg am 21. Januar D r. A b r u h a m 
W oll er n er im Alter von 43. .Iahten. Der Hingeschiedene 
war seit 1889 Atzt in Odessa, wo er sich mit Nervenkrank¬ 
heiten nnd Hydrotherapie beschäftigte. — 3) In Tiflis Dr. 
Georg Ta rsaidse im 48. f.ebensj ah re nach 25-jähriger 
ärztlicher Tätigkeit.. 4) Der ältere Arzt d°r I. Resetve-Artil- 
loriebrigade Dr. Nikolai Higleritn Alter von 50 Jahren. 
Die Venia practicandi hatte er vor 20 Jahren erlangt. 5) ln 
Bavrenth der langjährige Leiter der von ihm gegründe¬ 
ten Privatheilan8talt St. Gilgenberg (bei Bayreuth), Geh. 
Hofrat Dr. August F al c o, im Alter von 74. Jaht en. Er 
war anch viele Jahre Arzt des vor kurzem in seiner Anstalt 
für Nerven- nnd Gemütskranke verstorbenen Fürsten Ale¬ 
xander von Lippe. 

— Lauf Mitteilung d e r E x e k u t i v k o nt tu i s s»o n 
der Hauptverwaltung des Roten Kreuzes ist 
der Katnttierherr A 1 e x a n d r o w s k i infolge seines TTeber- 
tritts in den Dienst des Kriegstessorts als Sanitfitschef der I. 
Armee nicht mehr Hanptbevollmüchtigter des Roten Kreuzes. 
Die Obliegenheiten eines Hauptbevollmächtigten des Roten 
Kreuzes bei der Onerationßarniee sind provisorisch, bis zu nt 
Eintreffen des znm Haupthevollntächtigten ernannten Fürsten 
B. A. W a « s i 1 1 s o lt i k o w , dein Gehiilfen des Bevollmäch¬ 
tigten, A. J. G n I s c h k o w, übertragen worden. 

— Dass es auf dem Kriegsschauplätze nach der stilleren 
Zeit wieder heisse Arbeit in den Hosnitälern giebt. dafür 
soriclit auch das von dem Oberarzt Dr. Schiern an am 
21. Januar in Guntschulin au (gegebene, aher erst, am 31. Ja¬ 
nuar hier eingetvoffeue Telegramm, in welchem er mitteilt, 
dasB im Evangel. Feldlazarett gegenwärtig wieder 200 ver¬ 
wundete Soldaten nnd 22 Offiziere sind. Es kam der Betehl, 
viele aufzunehmen so als eben möglich. 

— Der Rittersrhaftsarzt Dr. Alfred Schneider in 
Trikaten (Livland) ist z u nt aktiven Dienst ah Mili¬ 
tärarzt einbernfen nnd dem Medizinalinspektor iu 
Irkutsk zur Verfügung gestellt worden. 

— Auf dem Kriegsschauplätze ist der Arzt eines Schiitzen- 
regiinents I) r. Nikolai Schestakow, verwundet 
worden. 

— Znm Leiter des neu errichteten Sanitäts- 
hureaus beim Tniaschen Gouvernements-Laud- 
schaftsam te ist der frühere Sanitätsarzt im Jekateiino- 
slawsc.hen Gouvernement Dr. Kondorski berufen worden. 

— Der bekannte Direktor des Instituts für experimentelle 
Therapie in Frankfurt a/Main. Prof. Dr. Paul Ehrlich, 
ist zunt ordentlichen Honorarprofessor in der 
medizinischen Fakultät der Universität zu Göttin gen 
ernannt, worden. Der Sitz seiner amtlichen Tätigkeit wird 
nach wie vor in Frankfurt bleiben, jedoch erhält Prof. Ehr¬ 
lich das Beeilt, ohne bestimmte Verpflichtung Vorlesungen 
an der Universität. Göttingen zu halten. 

— Znm Nachfolger des Professors Zahn auf dem Lehr¬ 
stuhl der pathologischen Anatomie an der 
Universität (hnf ist der Privatdozent der Königsber¬ 
ger Universitär, Prot. Dr. Max Askanazy, berufen 
worden und Int den Ruf angenommen. 

— Auf Anregung des Dr. \V. S p i n d 1 e r, tritt in nächster 
Zeit, im Süden Russlands ein grosses evangelisch-deut¬ 
sches philanthropisches Unternelimen, nämlich 
ein in der Stadt Alexandrowsk (Gouv. Jekateiinosslaw) 
zu gründendes evangelisches Krankenhaus für 
psychische Kranke nnd E p i I e p t. i s c h e, ins Leben. 
Die Statuten sind im Oktober a. pr. bestätigt und es ist der 
Verwaltnngsrat bereits gewählt worden, welcher sich mit 
einem warmen Appell zur Beihülfe insbesondere an die evan¬ 
gelischen Gemeinden des Südens gewandt hat. 

— Vakanz. In P'olgo der zahlreichen Einberufungen von 
Aerzten zum aktiven Militärdienst ist. wie wir schon mehr¬ 
fach zu berichten Gelegenheit gehabt haben, in vielen Ge¬ 
genden des Reiches ein fühlbarer Mangel an ärzt¬ 
licher H ii 1 fe eingetreten. So wird nun auch aus dem 
grösseren Flecken Oberpahlen (Livland) in der «Nordl. Ztg.» 
die Klage geführt, dass dieser Ort mit seiner dichtbevölkerten 
Umgebung seit einiger Zeit ohne Arzt ist. Im September 
vorigen Jahres wurde von dort der freipraktizierende Arzt 
Dr. U t t als Reservearzt zur Armee einbernfen und am 19. 
Januar d. J. musste auch der Kirclispielsarzt 1) r. Hasen- 
jäger sich als Militärarzt auf den Kriegsschauplatz bege¬ 
ben. Eine Petition bei der Medizinalverwaltnng, dass Dr. Ha¬ 
se n j ä g e r als derzeit einziger Arzt für Oberpahlen nnd Um¬ 
hegend in seiner Stellung verbleiben dürfe, war vergeblich. 


Es wird daher die Niederlassung eines Arztes ln diesem Orte 
mit Freuden beevttsst werden. Anfragen sind zu richten an 
E. v. Pistohlkors — Immafer per Oberpahlen. 

— Der vor Kurzem geschlossene estländische Land¬ 
tag hat tiir die Zwecke des Sanitäts wesen« a n f dem 
flachen 'Lande Estlands einen Kredit von 
30,000 Rbl. bewilligt, and beschlossen, den ritterschaftlichen 
Ausschuss zu aotorisleren, diesen Kredit: 

1) bis zum Betrage von 15,000 Rbl. zur Anstellung von 
25—30 Landschaftsärzten mit einem Gehalt von 400—600 Rbl. 
in Anspruch zu nehmen und den anzustellenden Aerzten 
innerhalb bestimmter Bezirke die Verpflichtung der sanitären 
Aufsicht, sowie die Praxis unter dem Landvolk zu feststehen¬ 
den Taxen anfzuerlegen; 

2) bis znm Betrage von 7000 Rbl. zur Anstellung von 50—60 
Landeshebammen mit Gehalten von 75— 50 Rbl. zu ver¬ 
wenden; 

3) his zum Betrage von 8000 Rbl. denjenigen privaten Ver¬ 
bänden znr Anstellung von Aerzten auf dem Lande, deren 
Aerzte die Pflichten eines Landschaftsarztes in einem bestimm¬ 
ten Rayon übernehmen können, als Subventionen anzuweisen 
zum Unterhalt von Krankenstationen, zur Anstellung von 
Feldschern und, wo es erforderlich sein sollte, zur Miete von 
Doktoraten; 

4) ans dem in den ersten Jahren nicht znr Verwendnne 
gelangenden Teile des jährlichen Kredits von 30,000 Rbl. 
Darlehen zum Bau von Doktoraten auf dem flachen Lande 
zu erteilen. 

Endlich wurde beschlossen, zur Ausführung der erforder¬ 
lichen Vorarbeiten bei der Durchfiihrnng vorstehender Be¬ 
schlüsse, zur Bearbeitung der einschlägigen Fragen nnd zur 
fortlaufenden Leitttug des Sanitätswesens eine s t ä n d i g e 
Kommission unter dem Präsidium des Ritterschaftshanpt- 
manns zn konstituieren, bestehend an9 einem Vizepräsidenten. 
4 Kreisgliedern, einem Arzte und einem geschäftsführenden 
Gliede, die vom ritterschaftlichen Ausschuss zu wählen sind, 
wobei es dem rltterschaff liehen Ausschuss überlassen wird, 
erforderlichen Falls ein Gehalt für den Arzt und das ge¬ 
schäftsführende Glied dieser Kommission zn fixieren. Erfor¬ 
derlichen Falls können die Funktionen des geschttftsführen- 
den Gliedes dem Aerzte übertragen werden. 

— Vom 7./20. bis 10. 23, August d. Jahres wird in Lüt¬ 
tich (gleichzeitig mit der Allgemeinen Weltausstellung), un¬ 
ter dem Protektorat der Belgischen Regierung, der VII. I n- 
t er nationale Kongress zur Erörterung der Frage 
über billige Wohnungen abgehalten werden. 

Zur Verhandlung gelangen folgende Gegenstände: 

1. Prüfung der Tätigkeit gemeinnütziger und staatlicher 
Körperschaften zur Beschaffung billiger Wohnungen über¬ 
haupt und insbesondere für die ärmsten Bevölkerungsklassen. 

2. Einfluss verschiedener Steuern auf die Beschaffenheit der 
Wohnungen. 

3. Wirtschaftliche und sanitäre Beaufsichtigung der Woh¬ 
nungen. Privatinitiative zur Sanierung der Wohnungen. 

4. Reglementierung des planmässigen Ausbaus von Woh¬ 
nungen zu sogen. «Arbeiterkolonien», Cottage-Ansledlungen. 

5. Hygienische, ökonomische und soziale Wohnnngsstati- 
stik. Prüfung der angewandten Methoden und der erzielten 
Resultate. 

6. Verschönerung der Arbeiterwohnnngen, ohne besondere 
Kostensteigeru ng. 

7. Anlage vou Gärten durch Arbeiter. Erwerbung von 
Grundstücken durch Arbeiter. Entwickelung und erzielte 
Resultate. Darauf bezügliche Gesetze. 

Alle Staaten werden zur Teilnahme an der Erörterung die¬ 
ser Fragen au (gefordert, wobei ihnen freigestellt ist, für jede 
derselben einen eigenen Berichterstatter zu ernennen. 

Von den Mitgliedern des Kongresses wird ein Beitrag von 
nicht weniger als 10 (zehn) Frank erhoben, die gedruckten 
Berichte des Kongresses können aber nnr Denjenigen zuge- 
stellt werden, welche den erwähnten Betrag bis znm 1. Mai 
n. Si. 1905 entrichtet haben. 

Briefe und Geldbeiträge sind an den Präsidenten des Or¬ 
ganisations-Komitees in Brüssel zu richten: M. Lepreux, 
Piesident du Comite d’organisation du VII. Congres Interna¬ 
tional des Habitatiüns ä bou marche, 48, rue du F 0886 an 
Loups, ä Bruxelles. 

Diejenigen, welche die Statuten und das ausführlichere 
Programm des VII. Kongresses zu erhalten wünschen, wer¬ 
den gebeten, sich schriftlich zn wenden an Dr. L. Berthe n- 
s o n, (Sergiewskaja 28), den Vertreter Russlands im Komitee 
der Internationalen Kongresse zur Erörterung der Fragen 
über billige Wohnungen. 

— Das vou Dr. E. Graetzer, Redakteur des Zentralblat- 
tes für Kinderheilkunde, verfasste »Vademecum für die 
K i n d e r p r a x i 8» ist von dem bekannten New-Yorker Kin¬ 
derarzt Dr. Hermann B. Scheffield ins englische über¬ 
tragen worden. 

— Epidemiologisches. Die Cholera ist wieder im 
Gebiet des Donischen Kosakenheeres aufgetreten, wo von? 



-DigitTZBd 



23- Jan.—4. Febr in der Nähe der Eisenbahnstation Moru- 
so wskaja 7 Personen erkrankt und 3 Personen gestorben 
sind, ln anderen Ortschaften des Reiches sind keine Chole- 
vaerkrankuugen vorgekommen. 

An Milzbrand sind im Gouv. Wjatka vom 20. Jan.—4. 
Febr. weitere 32 Nenerkran knng'ea registriert worden. 

Br. 

— Die Gesamtzahl der Kranken in deu Civil- 
hospitäleru 8 t. Petersburgs betrug am 29. Jan. 
d. J. 10066(154 mehr als in d. Vorw.), darunter 921 Typhus — 
(222 mehr). 945 Syphilis — (13 wen.), 279 Scharlach — (7 mehr), 
97 Diphtherie — (6 wen.), 43 Masern — (3 wen ) und 12 j 
Pockenkranke — tO wen. als in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 


Für die Woche vom 23. bis zum 29. Januar 1906. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 

ca 

o 

0 

O 

— 

-a 

CS 

ja 

35 

u 

ja 

CS 

S-a 

cz 

** 

cs 

u 

es 



u. 

75 

t- 

75 

b. 

ja 

® 

e 






*“3 

►“5 

e-s 

r-s 

>“5 


►"3 

►“s 

•“3 

►"3 

E 


M. 

W. 

Sa. 

CO 

1 

<M 

1 

iß 

1 

O 

f—i 

1 

i« 
r— 1 

1 

8 

1 

s 

1 

© 

1 

S 

s 

1 

g 

1 

O 

T 

T3 

0 

0 

c 

O 




o 


*-H 

CD 

rH 

CO 

r-H 


f-H 













—* 

r-H 

cn 

«5 

■sf 


CO 


00 


567 

397 

964 

212 99 

166 22 

12 

29 

84 

71 

85 

60 

63 48 

11 

o 


2) nach den Todosnrsaclieh i 

— Typh. exanth.O. Typh. abd.39, Kebris recurreub 0/1’j phtia 
ohne Bestimmungder Form 1,Pocken 1, Masern 13,Scharlach 22, 
Diphtherie 20, Croup 0, Keuchhusten 10, Croupöse Lungen¬ 
entzündung 40. Krysipelas 3, Grippe 19, Katarrhalische Lun¬ 
genentzündung 148, Ruhr 3, Epidemische Meningitis 0, Aknter 
Gelenkrheumatismus 0, Parotitis epidemica 0, Kotzkrankheit 0, 
Anthrax 0, Hydrophobie 0, Puerperalfieber 2, Pyämie und 
Septtcaemie 12, Tuberkulose der Lungen 125, 4 ubeiknlose an¬ 
derer Organe 20, Alkoholismus und Delirium tremens 6, I e- 
bensschwäche und Atrophia infantum f.O. Marasmus senilis 32, 
Krankheiten des Verdaunngskanals 104, Totgeborent 41. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag, d. 22. Febr. 1905. 

Tagesordnung: 0. Moritz: Znr Kenntnis der Ei¬ 
weisskörper im nepliritischen Urin. 

NäohsteSitzungdesDeutschen ärztlichen 
Vereins: MoDtag, den 14. Febr. 1605. 


ANNONCEN JEDER ART werden in der Buohhandlung von K. L. RICKER 

St. Petersburg, Nevsky-Pr. 14, sowie in allen in- und ansläod. Annoncen-Comptoiren angenommen. 


Thiceol- 

Pastillen 

„ Roehe“ 

i\ 0.5 gr. |, 
bequemste mul 
billigste Form. 


Sirolin 

„Roehe“ 


wohlriechender 
angenehm 
schmückender 
Sy mp. IdenUo 
Form der Kren 
sot-Therapie. 


Sulfosot 

syrup 

„Roehe“ 


entgirtetci 
Kreosot in Syrup 
form, eignet eich 
■peiteil für Armen 
ud KuiMpruli. 


Thiocol ..Roehe 



bestes Guajaeolderivat der modernen The¬ 
rapie, dessen antituberkulöse Wirkung ex¬ 
perimentell und klinisch festgestellt Ist 

Vorteile: 


Gegenüber allen Kreosot-, bezw. Guajacolpräparaten be¬ 
sitzt Thiocol die Vorteile völliger Löslichkeit in Wasser, 
absoluter Geruchlosigkeit, gänzlicher Reizlosigkeit für 
Schleimhäute, und grosser Resorbierbarkeit. 
Tmlib-Q'Hnnrm» Lun flen- und Kehlkopftuberkulose, namentlich im lnitialsia- 
LllUiüaLlUlK 11. di u m, chronische Bronchitiden. Chirurg. Tuberkulose (der Kno¬ 
chen. Drüsen etc ), chronische Diarrhoen, 
ln Dosen von 2~3gr. prodiein Pulver ä0.5, oder in wässe¬ 
riger Lösung mit einem Syrup als Geschmaekseorrigens. 
Besonders geeignete Anwendnngsweise sind Thiocoltab- 
letten i 0,5. Bei Diarrhoen 3 Mal täglich 0,5, am besten in 
Tabletten. 


Verordnung: 


Alleinige Fabrikanten: 

F. Hoffmann-LaRoche & Co., Fatrik chem.-pharm, producle 

Bauet (Schweiz). Orenzarh (Baden). 

Muster und Literatur Hier ulte unsere Leoben stehtu den HII. Aerzieti gratis und 

franko zur Verfügung. 


JHrol 

Roehe" 


ßß 

bester, geruchloser Jodoform¬ 
ersatz. 


rfsferol 

„Roehe 


ff 


wasserlösliches Hg -Präparat, 
füllt nicht Kiweiss. reizt nicht, 
greift Insirumeiite nicht an. 


Thigenol 

„Roehe“ 

syntlietisches Scliwefelprtipnrat 
mit lO^o organisch gebundenem 
Schwefel. Geruchloser 
Ichthyolersatz. 


Rigolen 

(Rigifox.solub. 
CloeffaJ 

der wirksame Be¬ 
standteil der folia 
digital, pnrpurea. 
Genau dosierbar, 
wird leicht vertragen 
und wirkt schnoTl. 
In 0riginr»ltlnoon8 
ü 15 ccm. 


Protylin 

„Roche“' 


haltbares Phosphor- 
elwciss. Wirksamer 
als die bisherigen 
organischen' 
und anorganisehen 
Phosphor- u. Phos- 
phorsMurepräparate 


rfrsylin 

„Roehe“' 

ein phosphor- und 
jarsenhaltiges Eiweiss- 
prHpar.il. Enthält Plios- 
phor in vBllig und 
Arsen In nahezu 
entgifteter Form. 


Digitized by 














I D C P T I 1 Q Q I N Extract. Thymi 
• r u n I U O v I 1^ saccharat. I aeschner. 

*es. gesch. Einfahr von der russ. Behörde gestattet. 
Unschädliches, sicher wirkendes Mittel gegen: 

Keuchhusten, Kehlkopf- und Bronchialkatarrh. 

Literatur in hervorrag. Blättern Deutschlands u. Oesteireich-Ungarns. 

Aerztliche Gutachten: 

Prof. Dr. Ernst Fischer (Strassburg): 

Die Wirkung des „Pertassin“ war eine überraschende; wenngleich icii 
nicht gerade sagen kann, dass der Keuchhusten sich in einigen Tagen in einen 
einfachen Katarrh verwandelte, so wurden die Anfälle so milde, der Schleim so 
locker, dass das Erschreckende des Keuchhustens, das Blauwerden und die dro¬ 
hende Erstickung, vollständig wegfielen. 

Dr. Model, kgl. Bezirksarzt a. D. (Weissenburg): 

Nach dem Gebrauch des Pertassin war es mir beim Erwachen plötzlich, 
als athroete ich die freie herrliche Luft aut einem Alpen-Giptel. Diese Leiclit- 
athmigkeit fiel mir besonders auf, der ich infolge langjähriger Brouchialkntarrhe 
an merklichem Emphysem leide. 

Dr. Alfred Müller (Neuhausen): 

Mpin Urtheil geht dahin, dass das Pertassin ein Mittel ist, das in kür¬ 
zester Zelt den mit Recht so gefürchteten Keuchhusten in einen ungefährlichen 
und fast unmerkbaren Bronclnalkatarrh überzuführen vermag. Ich kenne zur 
Zeit kein anderes Mittel, welches sich des gleichen Vorzuges rühmen dürfte. 
Dr. Erich R. von Matzner (Birkfcld, Steierm.): 

Die drei mit Pertassin behandelten Bronchitiden, davon zwei bei Kindern, 
zählten zu den schwersten Formen und jedesmal erwies sich Ihr Präparat als von 
ausgezeichneter Wirkung; der starke Hustenreiz nahm in wenigenätunden bereit» 
ab und die Secretion begann sich bald zu verringern, die Temperatur fiel ab. 

Verkauf nur durch die Apotheken, sowie durch folgende Engros-Depöts: 

H. Blerstümpfel, Apotheker, Warschau, Marsznlkowska 136. Ad. Marcin- 
oslk, Apotheker, Kiew. Paul Seebode, Apotheker, Riga, Kalkstr. 26. 
B. Schaskolsky, Petersburg* Carl Ferrein, Moskau. 

Hergestellt in der Kommandaaten-Apotheke E. Taeschner, Berlin C. 10, 
SeTdeletrasse 16. (1) 26—23. 


Q _ 1 « 4 _ (Salicylsäurebornylester). Wirkt als üusserliclies Mittel be- 

Oallt sonders günstig bei allen nach Erkältung auftretenden 
rheumatischen und neuralgischen Schmerzen, bei Gelenkrheumatismus, 
Mnskelrheumatismus und Ischias. Von einer Mischung aus gleichen 
Teilen Salit und Olivenöl in der Regel täglich 2 mal ' * bis l Kaffee¬ 
löffel voll in die Haut der erkrankten Körperteile einzureiben. — Salit 
ist ausserordentlich billig. 

11 Bei septische« Erkrankungen (Septikämie, 

V^Olldl fiUlt Pueiperalprozessen — auch prophylaktisch 
bei Geburten —, Endokarditis, Milzbrand etc.) als Lösung zur intrave¬ 
nösen und rektalen Anwendung, als ^linguentnui Credo- zum Einreiben. 
— Zur Wundbehandlung in Form von Tabletten etc. 

•yj 1 Silberpräparat für A Billiges Lokal- 

XtirOA« Augen- und Ge- Anilsthetikniu 

schlechtskrankheiten , besonders von intensiverer und längerer Wir- 
Gonorrhöe. I; kung als Kokain. 


Collargol 

bei Geburten —, Endokar 


ItrOl. Augen 
schlechtskrankheiten , 
Gonorrhöe. 


besonders 


Proben und Literatur durch 

Chemische Fabrik von Heyden, Radebenl-Dresden, 

oder deren Vertreter: (19) 11—2. 

R. Crottet, W. 0., Sredny Prosp., 8, St. Petersburg. 



Wasserheilanstalt 

Traunstein-Oberbayern 

Sanatorium für NarraMe 

Das ganze Jahr geöffnet. Leiter und 
Besitzer Di. med. G. Wolf. 


Sanatorium Villa Primavera. 

Gardone Riviera, Italien. 

Prospekte des Sauitätsrats Dr.Koeniger. 


Verlag von August Uirscliwald in Berlin- 


Soeben erschien: 

Die Wirkungen 
von Arzneimitteln und Giften 
auf das Auge. 

Handbuch 

für die gesammte ärztliche Praxis 
von Prof. Dr. L. Lewiu 
und Obei Stabsarzt Dr. U. Guillery. 

II. Band. gr. 8 Mit Textfig. 1905. 26 M. 

im Deutschen Alexander-Hospital wird 
Nachweis ertheilt über zur Zeit dienst¬ 
freie Pfleger und Pflegerinnen für die 
private Krankenpflege (gegen Zahlung 
von 50 Cop.). 

Adressen von Krankenpflegerinnen: 
Sophie Nafthal. Bac. ocTp. TyuKOBi. nep. 
7. KB. 5. 

Ludmilla Kawalkewits, Ekat 6 phhhh- 
caifl Kanajn>, a- 69, kb. 23. 

Frau Qülaen.W .0 ,17 Linie, Hans Jfl 16, 
Qu. ia 

xxxxxxxxxxxxx 


X 

X CO 

X .E 

X £ 

X L • 

X 03 ■ 
X g» fe 

X -fl Z 
X 09 «V 
XE E 

W GO CO 

x ü w 

X ’S fe 
X g 
X -§f 3 
X ca co 

X aSs fe 

x sg £ 

5 co 

X s 

x ■§ 

X 


«. - x 

.2 ® . JS 
£2ü - ® X 
® * ® '£ % 

^e*- 8 * 

8.2 2 : S * X 

sät » 5 

x 

l|s ► | X 
sjg & * X 

pp^ 3 a W 
«3 a fi Ä X 

u g 2 J 8 X 

.g? r S Q 

•f. S s X 

n £ p B ** 

— m io ht 

-5 ? X 

2 .1 X 
-18 ► « X 

a <p Ja 'S .* 

— tc <* 

®«p ho a 

iw 9 i x 

.« 's X 

uh iu 5 

•«3 fix 

3-2 _ . 8 w 

2 N = p s 8- S 

D X 

** N X 


B 

N 1t 

T ® S 


XXXXXXXXXXXXX 


Aobb. neHB. Cnf)., 11 C'eßpajifl 1905r. Herausgeber Dr. Rudolf Wanach. Buchdruckerei v.A. Wienecke,KatbarlnenhoferPr.Jf 16* 


Digitized by 


Google 











GLNRiiAL LIHftAHY. 
UMV. OF MICH. 

APR 1 1905 


XXX. JAHBGANtf. ST. PETERSBURGER Nene Folge XXÜ. Jakrg. 

MEDIOINISCHE WOCHENSCHRIFT 

unter der Redaktion von 

Prof. Dr. Karl Oehio. Dr. Johannes Krannhals. 

•Jurjew (Dorpat). Riga. 

Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger MedicinischeWochenschrift“ erscheint jeden 

Sonnabend.— Der Aboanementspreü ist in Bnislan&8 Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. fQr das halbe Jahr incl. Postzustellung;in den anderen 
Lindern 30 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. DerZmertloniprelf 
fürdie Sinai gespaltene Zeilen inPetitist löKop. oder 35Pfen.—Den 
Autoren werden 25 SeparatabzQge ihrer Originalartikelzugesandt. 
-Referate werden na ch dem Satz e von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


W Abonnemente-Aufträge sowie alle Inserate 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von E. L. Sieker 
in St. Petersburg, Newsky-ProspektXs 14, zu richten. ~ Manui- 
cripte sowie alleauf dieRedaktion bezüglichen Mitteilungenbit- 
tet man an den stellvertretenden geschäftsführendenRedak- 
teurDr.E. Bleesig in St. Petersb., Wassili Ostrow, 1 Linie Ni 28 
zu richten. Sprechstunden täglich von 4—6 Uhr. 


JA 7 


St. Petersburg, den 19. Februar (4. Mörz). 


1905. 


Inhalt: Dr. W. v. Grot: Znr Kasuistik der Penisveileiznngen. — Dr. Arthur Jordan: Guter Erfolg durch Anti 
atreptokokkeu8erum bei einem schweren Eryetpelfall. — Referate: E. Feer: Nagelverändernngen nach Scharlach und Masern.— 
Bächeranzeigen und Besprechungen: P. Asch: Ueber den Einfluss der bakteriellen Stoffwechselprodukte auf die 
Niere. — Tärk: Vorlesungen über klinische Hämatologie. Erste Teil: Methoden der klinischen Blutuntersnchung. Elemente 
der normalen nnd pathologischen Histologie des Blutes. — Lesser: Lehrbuch der Haut- und Geschlechtskrankheiten. — 
Ernst Ganpp, A. Ecker’s und R. Wiederheim’s Anatomie des Frosches. — Protokolle des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerste. — Nachrichten von Kollegen ans dem fernen Osten. — Vermischtes. — Mortalitäts- 
Bulletin St. Petersburgs. — Anzeigen. 


(Ans der I. Chirurg. Abt. des Rigaschen Stadtkrankenhauses. 
Chefarzt Dr. A. v. Bergmann). 

Zur Kasuistik der Penisverletzungen. 

(Vorhag gehalten auf dem XVI. livl. Aerzteiage zu Dorpat 
im Sept. 1904). 

Von 

Dr. W. v. Grot. 


(Schluss). 

Wenden wir uns nun zu den offenen Verletzungen des 
Peuis, so sind nach der Art der Entstehung zu nennen: 
Stich-, Schuss-, Riss- und Schnittwunden. 

Die Stich wanden sind äussere t selten und werden 
gleich den Schusswunden fast nur im Kriege gesehen. 
Eine nicht seltene Entstehungsursache ersterer siud 
Beckenbrüche. Ueber die Häufigkeit der Penisschüsse lie¬ 
gen mehrere Beobachtungen vor. Chenü fand im 
Kriromkriege 0,06—0,07 pCt. Penisschüsse; im italieni¬ 
schen Kriege 0,05 pCt. und’B e c k aus dem deutsch-franzö¬ 
sischen Kriege die gleiche Zahl. Meistenteils sind auch 
hier die Wunden kompliziert durch Verletzungen der 
Harnröhre, des Scrotums, Beckens u. s. w. Die Behand¬ 
lung ist die gleiche wie die der Schusswunden überhaupt. 
Häufiger sind die Risswunden. Die Einrisse des Frenu- 
larns sind bei richtiger Behandlung belanglos. Nur bei 
Vernachlässigung können sie zur Verwechslung mit chan- 
krösen Geschwüren Veranlassung geben (v. Bramann); 
schwerwiegender sind die Risswunden, welche den Verlost 
der ganzen Penishaut zur Folge haben. Nach Kaufmann 
entstehen sie gewöhnlich, indem die Kleiderder Patienten 
von Maschinenrädern, Treibriemen oder drgl. gefasst 
werden, die Haut der Genitalien eingeklemmt wird und 
dann abreisst. Die Behandlung besteht in möglichst früh¬ 
zeitiger plastischer Deckung des Defektes. Unter keinen 
Umständen soll eine Heilung . per grfliulationem ange¬ 
strebt werden, da dann von einem weiterhin funktions¬ 
fähigen Gliede vom Hause aus abstrahiert werden muss. 


Die sich bildenden harten Narben können die grössten 
Schmerzen bereiten, Krümmung des Gliedes bewirken 
oder es immer mehr hinter die Symphyse zurückziehen. 
— Wir hatten eiuen derartigen Fall. zu beobachten,. 
Der Pat. war von einer Kreissäge an den Beinkleidern 
erfasst worden und war die Penishaut bis auf das in¬ 
nere Praepntialblatt von der Radix an circulär abgeris¬ 
sen worden; zugleich fehlte am Scrotum ein Stück Hant 
und war eigentlich nur die hintere Scrotalhaut intakt. 
Da der Fall nicht ganz Irisch war (12 Stunden nach 
der Verletzung), Pat. fieberte, nnd am Scrotum einige 
verdächtig anssehende Fetzen sich befanden, so wurde nur 
das nachgebliebene innere Praeputialblatt zurückgesohla- 
gen und fixiert. 

Nach 26 Tagen hatte sich die Narbe gereinigt und 
könnte nnn zur plastischen Deckung geschritten werden. 
Sie wurde in 2 Sitzungen volllührt. Zuerst wurde ein 
Brückenlappen vom Scrotum genommen, der Penis durch¬ 
gesteckt und nachdem die Haut am dorsalen Teil des 
Penis angeheilt war, die beiden Enden des Lappens vom 
Scrotum gelöst und um die hintere Fläche des Penis 
geschlagen. Die Plastik gelang vollkommen, d. h. der 
Penis war nnn mit Hant bedeckt, war jedoch an seiner 
Basis sehr breitbasig geworden; er hatte die Form ei¬ 
ner Pyramide und war wenig beweglich, so dass ich 
kanm glaube, dass Pat. eiu functionsfähiges Glied be¬ 
kommen wird. Jedenfalls hatte er es nicht zur Zeit 
seiner Entlassung. 

Anf die Technik der Plastik genauer eiugehen will 
ich nicht, jedoch nur soviel erwähnen, dass fast sämtli¬ 
che Autoren raten, die zur Deckung nötigen Lappen 
vom Scrotum zu nehmen und nicht vom Bauch oder 
vom Oberschenkel; (Reich, El bogen, F. Colmers, 
Bessel-Hagen, Quattro-Ciochi). 

Zn dieser Gruppe der Penisverletzungen gehören auch 
die Fälle, welche man als LuXatio penis bezeichnet. 
Man versieht darunter bei zirkulärer totaler Abreissung 
des Praeputiums, das Siebzurückziehen und Unter' 


Digitized by VjOOQie 










6s 


schlüpfen des Penis unter die Sqrotal- oder unter die 
Bauchhaut an der Symphyse, ln frischen Fällen kann 
der Versuch der Reposition gemacht werden; in veralteten 
Fällen, wo bereits Verwachsungen eingetreten sind, kann 
der inzwischen geschrumpfte Schlauch der Penishaut 
zur Umhüllung nicht mehr gebraucht werden. Der Penis 
muss aus seiner Inkarzeration blutig befreit werden 
und der Defekt sofort plastisch gedeckt werden. 

Die zum Schluss noch zu besprechende letzte Art 
der Verletzungen sind die Sohnittwunden des Penis. 
Diese kommen durchaus selten zur Beobachtung. Kauf¬ 
mann zitiert 2 Fälle, einen you M a 1 g a i g d e und einen 
von Nattingham beschriebenen, in denen es sich ein¬ 
mal um eine zufällige Verletzung mit einem Taschen¬ 
messer, das andere Mal sich um eine Verletzung der 
Glans mit einem Glasstück handelt. Gewöhnlich werden 
jedoch diese Verletzungen von Weibern an Männern 
verübt. Wir haben 3 solcher Verletzungen gehabt: 

Fall I. 0- K., 28 a. n., Polizeiaufseher, wurde am 17. Aug‘ 
1«01 in der Nacht mit einer Wunde am Penis eingelieteri- 
Er gab au, vor einigen Stunden von einem Frauenzimmer im 
Schlafe verletzt worden zu sein. Der Blutverlust soll 
ein äusserst starker gewesen sein. — Ca. 2 Fingerbreit von 
der Radix befindet sich eine an der Baphe beginnende, von 
hier nach links verlaufende fast zirkuläre Schnittwunde. 
Die Wunde umfasst 2 / 3 des Penis. Der zentrale Stumpf stark 
escbwollen und sngilliert. Beide Schwellkörper sind quer 
urchschnitten. Aus dem zentralen Stampfe blutet es lebhaft 
profus. Die Harnröhre ist intakt. Nach sorgfältiger Blutstil 
fung erfolgt Naht der corpora cavernosa, worauf die Blutung 
steht. Hautuaht and Verband. Der Wundverlanf war normal. 
Nach 6 Tagen Entfernung aller Nähte. Am selben Tage be¬ 
merkt Pat. eine fast normale und am 12. Tage eine völilg 
normale Erection. Pat. nach 13 Tagen geheilt entlassen. 

Fall 2. J. R. 30 a- n., Arbeiter, wmde am 14. Januar 1904 
von seiner Geliebten mit einem Messer am Penis verwundet, 
kommt 3 Stunden post trauma in das Hospital. Dicht an der 
Radix befindet sich auf dem dorsum penis eine zackige Wunde, 
welche das linke corpus cavernosum völlig, das rechte zum 
grössten Teil durchsetzt; die Schnittwunde der corpora ist 
nicht gleichmässig; sie sehen aus als ob sie mit einem stum¬ 
pfen Messer verursacht wären. Die Harnröhre ist intakt. Die 
Wunde blutet äusserst lebhaft. Nach sorgfältiger Blutstillung 
wird zuerst ‘das Septum und dann die Tunica albuginea noch 
vernäht. Die Blutung steht vollkommen. Teilweise Naht der 
Haut und Tamponade in die Wundwinkel, der Pat. fieberte. 
Am nächsten Tage Temperatur normal, von da ab glatter 
Wundverlanf. Nach 14 Tagen mit 2 ganz kleinen Granula¬ 
tionswunden in ambulatorische Behandlung entlassen. Als 
ich Pat- nach ca. 14 Tagen in der Ambulanz wiedersah, wa¬ 
ren die kleinen Wunden verheilt und Pat. gab an, dass die 
Funktionsfähigkeit des Gliedes völlig normal sei. 

Fall 3. 0. R. 37 a. n., Arbeiter, tritt am 16. Juni 1104 in 
das Hospital ein. Er giebt an, dass ihm Anfang April a. c. 
in wachem Zustande von einem Bancrmädchen plötzlich der 
Penis durchschnitten wurde. Ans einem Begleitschreiben des ihn 
bisher auf dein Lande behandelnden Arztes geht hervor, dass 
der Penis fast total um 73 abgeschnitten gewesen ist. Die 
beiden Teile des Penis sind nur durch einen schmalen Haut¬ 
streifen und einem ganz kleinen Teil linken hellen Schwell- 
köipers in Zusammenhang gewesen. Die Wonde ist zngeuäht 
worden, hat aber wegen eingetretener Harnlnfiltration ge¬ 
öffnet werden müssen. 

pat. hat dann ein sehr lange dauerndes schweres Kranken¬ 
lager durchgeinacht. Es hatte sich eine ausgedehnte Harn- 
phlegmone gebildet und wiederholt sind an verschiedenen 
Stellen Inzisionen gemacht worden. Nach Ausheilung aller 
Wonden. war eine Harnröhrenfistel nachgeblieben, zwecks 
Schliessung welcher Pat. das Hospital anfsuebte. Seit der 
Verletzung hat Pat. keine Erektionen gehabt. Bei der Auf¬ 
nahme in die Abteilung wurde folgendes Status erhoben. 
1 Fingerbreit von der Radix entfernt, befindet sich eine fast 
zirkulär verlautende tief eingezogene Narbe. Der periphere 
Teil des Penis ist ödematos und hängt schlaff herab. Die 
Harnröhre dieses Stückes eudet blind an der Narbe. Am zen¬ 
tralen Teil ist seitlich eine kleine Fistel, ans welcher klarer 
Urin entleert witd. Die beiden Schwellkötper hingen nur 
dutch eine schmale Brücke zusammen. 

Bei der am 25. Juni 1901 ansgeführten Operation wurden 
zuerst beide Har»röhrenwu»den aufgemicht, freigemacht und 
angefrischt, daun die Narbe der Schwellkörper exzidiert. 
Nach sorgfältiger Blutstillung, Naht der Schwellkörper, zu¬ 
erst Septufn» daun Tunica albuginea. Die Blutung steht voll¬ 


kommen. Naht der Harnröltre und Hantnaht, sowie Einlegen 
eines Dauerkatheters. Am 4. Tage Gntfernnng der Nähte. 
Wunde reaktionslos. Beim Wechsel des DaueiKatheters quillt 
aber aus der Harnröhre eilt iges Sect et heraus. Die Harm Öhre war 
verschwollen, die Miction äusserst schmerzhaft. Bald darauf 
etablierte sich eine kleine Fistel, ans welcher bei der Miction 
ein Teil des Urins abging, ln einigen Tagen hatte sich die 
Fistel geschlossen, die eitrige Absonderung hörte auf und an» 
19. Juli 1904 wuFde Pat- geheilt entlassen. — Am 21- 
Tage nach der Operation hatte Pat. die erste Erection, wel¬ 
che jedoch nicht ganz vollkommen gewesen # sein soll. — Ob 
die Funktionsfähigkeit eine völlig normale werden wird, lässt 
sich natürlich mit Sicherheit nicht behaupten. Annehmen 
lässt es sich aber durchaus; der Penis hat eine normale Form, 
gerade Richtung und die Narbe des Schwellkörpers ist völlig: 
weich. Seinem Versprechen, sich wieder vorzusteilen, ist Pat. 
bisher nicht nachgekomraen. 

Verzögert wurde hier der Verlauf durch die Urethri¬ 
tis und durch die Harnfistel und trägt dabei sicher 
die Schuld der Dauerkatheter. Güterbuck verlangt 
für die quere Durchtrennung der Harnröhre die Naht 
und hält bei der Nachbehandlung häufigen Katheteris¬ 
mus oder einen Dauerkatheter für selbstverständlich. 
Sowohl dieser als jener üben einen Reiz anf die Schleira- 
hant der frisebgenähten Harnröhre aus und verzögern 
die dann unausbleiblichen Folgezustände den Heilungs¬ 
prozess, ja stellen ihn event. gänzlich in Frage. 

In unserem Falle hatte der Dauerkatheter nur 4 Tage 
gelegen, welche Zeit genügte, um eine heftige Urethritis 
hervorzurufeu, die obgleich sie schnell ausheilte, sicher 
Schuld war an der, wenn auch nur kurze Zeit bestehenden 
Harnftstel. Völlig auf den Kätheterisrans oder den Dauer- 
kalheter zu verzichten, erscheint mir nicht ratsam, doch 
würde ich in vorkommenden Fällen den Katheter nur 
24, höchstens 48 Stunden liegen lassen, um dann Pat. 
spontan urinieren zu lassen. 

Das Resultat unserer Fälle muss als völlig gelungen 
bezeichnet werden. Gleioh den Fällen von Vedrenne 
und Arlaud widerlegt es die Ansicht Boyer’s, Be- 
nard’s, Vidal’s und Nelaton’s, welche bei Dnrch- 
schneidung von */a der corpora cavernosa zur Amputa¬ 
tion rieten, da fast immer eine Gangrän eintrete, ltn 
Falle Vedrenne, wo beide corpora durchschnitten 
waren, trat keine Gangrän, beim Falle Arlaud, wo 
ein corpus und die Urethra durchschnitten waren, völlige 
Fnnktionsl'ähigkeit ein. 

Das Wichtige zur Erlangung eines guten Resultates 
liegt, meiner Meinung nach, bei selbstverständlich pein¬ 
lichster Asepsis, in der exakten Blutstillung und sorg¬ 
fältigen Naht des Septums und der Tnnica albuginea und 
hängt nicht von der Güte des Falles als solchen ab. 
Fall 3 beweist, dass selbst eine fast totale Abtrennung 
des Gliedes, wenngleich dasselbe anch noch nach einge¬ 
tretener Narbenbildung, wo doch sicher regressive Vor¬ 
gänge im Gewebe angenommen werden müssen, operiert 
wird, eine völlige restitutio ’ ad integrum nicht aus- 
schliesst. 

Zum Schlüsse sage ich meinem hochverehrten gewe- 
seuen Chef, Herrn Dr. A. v. Bergmann für die freund¬ 
liche Ueberlassung des Materials zur obigen Mitteilung 
und freundliche Unterstützung meinen besten Dank. 


Literaturangaben: 

1) Ameisen: (Przeglad lekarski 1897, Nr, 16) ref. 
Zentralblatt für Chirurg. 1897. 

2) Arlaud: cit. nach Kaufmann: Deutsche Chi¬ 
rurgie 50a. 

3) Bessel-Hagen: Arch. für klin. Chirurgie. 
Band LXV. 

4) B6raud: cit. nach Kaufmann. 


Digitized by VjOOQie 



5) Bramann: Handbuch dar prakt. Chirurgie von 
v. Bergmann, v. Bruns, v. Mikulicz. Aus¬ 
gabe 1903. 

6) Boy er: cit. nach Kaufmann. 

7) Chenü: cit. nach Kaufmann. 

8) Colmers; Arch. für klin. Chir. Band LXV. 

9) Duplony: (Annales des mal. des org. genito-uri- 
naires 1885) ref. Zentralbl. f. Chir. 1885. 

10) Demarquay: cit. nach Kaufmann. 

11) Elbogen: (Wiener med. Wochenschrift 1903, 
Nr. 12) ref. Zentralblatt f. Chir. 1903. 

12) Gabscewitscb: (Gazeta lekarska 1894 Nr. 44) 
ref. Zentralblatt f. Chir. 1894. 

13) Gorski: (Wiener med. Wochenschr. 18 i6 Nr. 16) 
ref. Zentralb4att f. Chir. 1886. 

14) Gü rerbock: Chirur. Krankheiten der Harn- 
uud männlichen Geschlechtsorgane. Ausgabe 1890. 

15) Iwanow: (Wratsch 1901, Nr. 51) ref. Zentral- 
blatt f. Chir. 1902. 

16) Kaufmann: Deutsche Chirurgie. Band 50a. 

17) Kocher: Encyklop. der gesamten Chirurgie 1901. 

18) König: Lehrbuch der spez. Chir. 1894 p. 745. 

19) Len h ös sek: cit. nach Bramann. 

20) Mianowski: cit. nach Kaufmann. 

21) M i kl asze w sk i: (Kronika lekarska 1896 Nr. 23) 
ref. im Zentralblatt für Chir. 1897. 

22) Mende. (Inang.-Diss. Greifswald 1892) ref. 
Zentralblatt f. Chir. 1893. 

23) Nelaton: cit. nach Kaufmann. 

24) Parker: cit. nach Kaufmann. 

25) Poncet (Lyon): Bull, et mein, de la soc. chir. de 
Paris T. XVII p. 750) ref. Zentralbl. f. Chir. 1892. 

26) Reich: Deutsche Zeitschrift für Chirurgie, Band 

Lxvm. 

2 . 1 ) Rosenberger: Arch. f. kl. Chir., Band XXXII. 

28) Vedrenne: cit. nach Kaufmann. 

29) V i d a I: cit. nach Kaufmann. 

30) Weissblatt: (Medycyna 1896 Nr. 4) ref. 
Zentralblatt f. Chir. 1890. 

31) Quattro-Ciochi: (Riforma med. Nr. 70 u. 71) 
ref. im Zentralblatt f. Chjf.' 1891. 


Guter Erfolg durch Antistreptokokkenserum bei 
einem schweren Erysipelfall. 

Von 

D r. Arthur Jordan, 

Ordiuator am MjasBiiitzkihospital zu Moskau. 

Im vergangenen Sommer hatte ich Gelegenheit bei 
einem hartnäckigen und schweren Fall von Wanderery¬ 
sipel Antistreptokokkenserum anzuwenden, wobei der 
günstige Ausgang, dem Anschein nach, diesem Mittel zu¬ 
geschrieben werden muss. Da das Antistreptokokkense¬ 
rum bei Erysipel noch verhältnissmassig selten injiziert 
worden zu sein scheint und die Ansichten über den 
Wert desselben sehr geteilt sind, hoffe ich, dass meine 
Beobachtung ein Scherflein zur Klärung dieser Frage 
beitragen kann und der Mitteilung wert ist. 

Die Krankengeschichte lautet folgendermassen: 

Am 2. Juni 1904 wurde ich zu Herrn S., einem 38-jährigen 
Mann gebeten, der seiner Angabe gemäss, am 20. Mai an 
hohem Fieber und Uöte des Gesichts, welche an der Nase 
ihren Anfang genommen hafte, erkrankt war. Der behandelnde 
Arzt hatte Erysipel diagnostiziert, aber trotz verschiedener 
Massnahmen hatte die Röte sich weiter ansgebreitet und das 
Fieber sich stets in derselben Höhe, zwischen 38,5 und 41,2, 
gehalten. 


Der Kranke hatte infolge dessen seine Rose besprechen 
lassen, aber als aach hierauf keine Besserung eintraf, sondern 
die Erkrankung auf die Augen überging und das Sehen ge¬ 
fährdete, wurde er ängstlich und beriet Kollegen Seiler. 
Dieser konnte am Auge selbst keine Veränderungen konsta¬ 
tieren und empfahl daher liebenswürdiger Weise, mich zur 
Behandlung des Leidens hinzuzuziehen. 

Status praesens am 2. Juni. 

Der gracil gebaute, abgemagerte Patient zeigt aut dem Ge¬ 
sicht, behaarten Kopf und der oberen Partie des Rückens die 
Erscheinungen von Erysipel. Die rechte Nasenöffnung ist 
wund. Der Rachen ist unbedeutend gerötet. 

Puls 120. Temp. 41,2. Sensorium frei. Herztöne rein. 

Leichte Bronchitis. Verdauung träge. Der Urin enthält Ei- 
weiss, aber keine Cylinder. Die von mir angewandte Behand¬ 
lung bestand in Einreibnng von Kampferöl bei innerem Ge¬ 
brauch von salicyls. Natrium, was aber ohne jeden Erfolg 
blieb. Du8 Erysipel wanderte auf dem Rücken w r eiter herab. 
Auf Wunsch der Angehörigen des Patienten wurde daher 
noch Kollege Tager biuzugeruten, welcher Antlstrepto- 
kokkenserum zu versuchen riet. 

K r a n k h e i 18 v e r I a n f. Am 4. Juni, um 9 Uhr abends» 
injizierte ich dem Kranken, welcher 40,7° bei 120 Pulsen anfwies, 
10 ccm. Aronsohnsches Antistreptokokkensernm in die rechte 
Bauchgegend. Die Nacht vom 4. auf den 5. Juni verlief unverän¬ 
dert. Um 7 Uhr morgens betrug die Temp. 39°. Um 10 Uhr 
morgeus, also 13 Stunden nach der Injektion, sank die Tem¬ 
peratur unter heftigem Sciiweissausbrücli, auf 37,1°. Das Ery¬ 
sipel hatte sich unter der rechten Achselhöhle auf die Brust 
ausgebraitet. Lu Uebrigen war der Zustand der nämliche. 
Um 5 Uhr injizierte ich wiederum 10 ccm. desselben Anti- 
sireptokokkenserums in die linke Bauchgegend. Zwei Stunden 
später trat ein Schüttelfrost ein, worauf die Temp. auf 39 stieg. 
Die Nacht war sehr unruhig. 

Am 6. Juni betrug die Temperatur morgens 40,2; die Röte 
auf dem Gesicht und dem Rücken hatte beträchtlich abgenom- 
meu, aber auf dem Abdomen zeigte sich ein neuer Herd von 
Erysipel. Das Allgemeinbefinden blieb dasselbe und ebenso 
der Eiweissgehalt im Urin. Cylinder fehlten. Da ich mich 
fürchtete, schon wieder eine Seruminjektion zu machen, ordi¬ 
nierte ich äus8erlich Guajacol u. 01. olivarum an, innerlich 
Autipyrin 0,3, wovon der Kranke 3 Pulver erhielt. 

Am 7. Juni betrug die Temperatur morgens 39,8. Puls 108 
Das Allgemeinbefinden war unverändert. Das Erysipel hatte 
sich auf der Brust weiter ausgebreitet, war aber liier nicht 
so intensiv rot, wie bei früheren Neuausbrüchen. Abends 
winde die 3. Injektion von 10 ccm. Antistreptokokkenseruin 
injiziert. 

Am 8.- Juni morgens sank die Temperatur auf 37,9. Das 
Gesicht war blasser geworden. Abends stieg die Temperatur 
aber wieder auf 39,3 und das Gesicht begann wieder zu 
schwelleu und sich zu röten. 

Am 9. Juni war das Auge, in Folge Schwellung der Li¬ 
der, kaum zu sehen; die Temperatur betrug 38,7 am Morgen 
und 39,4 am Abend. 

Am 10. Juni zeigte sich Besserung. Die Röte und Schwel¬ 
lung der Augenlider hatten sich vermindert, die Temperatur 
zeigte 38,4 bei nur 96 Pulsen. Immerhin machte ich noch eine 
4. Injektion von 10 ccm. Antistreptokokkensernm. Bereits 
nach 3 Stundeu sank die Temperatur auf 36,0, um freilich 
abends nochmals auf 39 zu steigen- 

Am 11. Juni war das Erysipel überall geschwunden und 
blieb fort. 

Leider brachte die Rekonvalescenz neue Komplikationen und 
Sorgen. Am 14. Juni trat nach einem heftigen Schüttelfrost 
und darauffolgendem Temperaturanstieg eine akute haemorrha- 
gische Nephritis auf, welche einen langwierigen Verlaut 
nahm und am 17. Juni traten zwar schnell vorübergehende, 
aber, im ersten Moment den Patienten sehr erschreckende, 
Gelenksciiwellungen auf im rechten Knie und fast särorat- 
lichen Phalangealgelenken, welche wenigstens für eiuige Tage 
die Bewegung stark beeinträchtigten. 

Erst im August war Patient wieder völlig hergestellt bis 
auf Spuren von Eiweiss im Urin. 

Ueberblicken wir nochmals den besprochenen Fall, so 
handelte es sich um einen über zwei Wochen anhalten¬ 
den, mit andauernd söhr hohen Temperaturen einher- 
gehenden, schweren Fall von Wandererysipel, der mit 
den verschiedensten Mitteln vergeblich behandelt worden 
war. Erst nach Injektion von im ganzen 40 ccm. poly¬ 
valentem Antistreptokokkeuserum, welches nur langsam 
im Laufe von 7 Tagen eu je 10 ccm. auf einmal ein¬ 
gespritzt worden war, schwand das Erysipel. Nach den 


Digrtized by 



Referat«. 


ersten zwei Injektionen war der Erfolg noch nicht zu 
bemerken, trotzdem die Temperatur zeitweilig rapid 
heruoterging, aber uach der dritten Injektion blasste das 
Erysipel ab und nach der vierten war es wie fortgebla- 
seu. Nach den Empfehlungen der Bakteriologen sollen 
sofort 40—50 ccm. auf einmal eingespritzt werden. Da 
ich mit dem Mittel noch nicht vertraut war, wagte ich 
das nicht, sondern spritzte allmählich ein, wodurch viel¬ 
leicht der langsame Erfolg erklärt wird. Unter den un¬ 
angenehmen Nebenwirkungen der Injektionen sind die 
heftigen Gelenksehwellungen und -schmerzen zu nen¬ 
nen, welche am 7. und 8. Tage nach der ersten Injek¬ 
tion eintraten und den Kranken sehr beunruhigten, 
glücklicherweise aber bald zurückgingeu. Die andere 
Komplikation, das Auftreten der akuten hämorrhagischen 
Nephritis, dürfte wohl aber auf das Erysipel selbst zu- 
rückzuführen sein. 

Wie steht es aber mit der wichtigen Frage, ob wir 
den Rückgang des Erysipels dem Serum oder nur der 
Zeit verdanken? Wenn man im Geiste die vielen Mittel 
an sich vorüberziehen lässt, welche beim Erysipel 
empfohlen worden sind und doch nur in dem einen oder 
andern Fall helfen, wird man zur Skepsis gedrängt in 
Bezug auf unser ärztliches Können beim Erysipel. Es 
ist mir daher nur möglich zu sagen, dass ich in dem 
besprochenen Fall den Eindruck gewann, als ob das 
Serum von günstiger Wirkung war. In der Literatur 
konnte ich nur spärlich Mitteilungen Uber diesen Punkt 
finden. Einige Autoren, wie Harrison 1 ) Gouin 2 ), 
Bond 3 ), Blake 4 ), Jarcho 6 ) haben in je einem, 
resp. zwei Fällen von Erysipel Heilungen durch Anti 
streptokokkenserura gesehen, aber dem steht eiue grös¬ 
sere Beobachtungsreihe von Bendix fi ) gegenüber, der 
über lö mit Antistreptokokkenserum behandelte Fälle 
berichtet und die vernichtenden Worte spricht: «einen 
auffallenden Erfolg konnten wir bii keinem unserer 
Fälle konstatieren». 

Wenn demnach das Antistreptokokkenserum auch nicht 
als sicheres Mittel beim Erysipel gelten kann, dürfte es 
doch in schweren Fällen zu versuchen sein. Ln jedem 
Fall es auzuwenden würde ich nicht raten, deun es ist 
kein harmloses und erst recht kein billiges Mittel. Bei 
dem rapiden Sinken der Temperatur können leicht be¬ 
unruhigende Collapszustäüde eintreten und wenn die 
Erytheme und Gelenkschwellungen als Folgezustände der 
Einspritzung auch ungefährlich sind, lässt sich eine 
schädigende Wirkung anf die Nieren nicht mit Gewiss¬ 
heit ausschliessen. 


*) Harrison, A. W. Antistreptnkokk.-Seruni In Eryslpe- 
las- The Brit. med. Jouin. 7. Jnli 1901. 

s ) Gouin. Erysipele de la face, traite par le sernm anti- 
»treptococcique de Marmortk.* Lyon ined. 1896. 8. 259. 

*) Bond. Two cases of Erysipelas treated with antiostrep- 
tococcic serum. Lancet 1899. S. 1718. 

*) Blake. Erysipel und Antistreptokokkenserum. Lancet 
1904. 27. II. 

5 ) J a r c h o. Ueber die Anwendung vielwertigen Antistrepto¬ 
kokkenserums bei der Behandlung von Erysipel. Detskaja 
Medizina 1903. Nr. I. 

*) B e n d i x. Erfahrungen bei 70 Erysipelfällen. Charitd—An¬ 
nalen- 1899. XXIV. S. 708. 


E. Feer: Nagelverftnderungen nach Scharlach un * 
Masern. (Münchener med. Woch. Nr. 40). 

Verfasser hat während mehrerer Scharlachepidemien in 
Basel folgende typische Nagelveränderongen beobachtet: 4: 
bis 5 Wochen nacli Beginn des Scharlachs zeigt sich an der 
Wurzel der Fingernägel auf der Nageloberfläche eine quer¬ 
verlaufende lineäre Furche, seltener ein schmaler Wall, den 
Verfasser als Scharlachlinie bezeichnet. Dieselbe schiebt stell 
mit dem wachsenden Nagel weiter vor und ist 2 Monate nach 
Beginn des Scharlachs sehr deutlich. In etwa einem halben 
Jahre wandert die Scharlachlinie bis zntn freien Rande des 
Nagels vor. Am deutlichsten ist dieselbe an den Danmennä- 
geln, daher muss sie vor allen hier gesncht werden. Je kräf¬ 
tiger der Nagel, nm so dentlicber die Linie. Boi Kindern un¬ 
ter 10 Jahren und bei schwachem Exanthem kann die Linie 
nur angedentet sein oder ganz fehlen. Auch an der grossen 
Zehe kann die Linie sehr deutlich sein. Ihre Entstehung ver¬ 
dankt die Veränderung einer der Desquamation entsprechen¬ 
den Störung in der epithelialen Keimschicht der Nagelwnrzel- 
Interessant wären Beobacbtnngen bei Scharlach ohne 
I Exanthem. 

Aehnliche Veränderungen hat Verfasser auch bei Masern 
gefunden, nur siud dieselben durchschnittlich viel schwächer 
ausgebildet, besitzen aber den gleichen zeitlichen Ablauf und 
den gleichen aetiologischen Zusammenhang mit der Abschup¬ 
pung! Das Symptom findet sich aber bei Masern ungleich sel¬ 
tener (unter 14 Fällen nur 3 mal). 

W e y e r t. 


BOchennzelgen und Besprechungen. 

P. Ascli: Ueber den Einfluss der bakteriellen Stoff¬ 
wechselprodukte auf die Niere. (Strassbdrg. L. Beust. 
1901. Preis 3 M.). 

Durch Injektion von Bakterientoxinen in die Aorta an der 
Abgangssteile d. Aa. renales hat A. bei Hunden stets Nie- 
renläsioncn hervorgerufen. die teils entzündlicher, teils d«ge- 
nerativer Art wareu- Benutzt wnrdeu Bacillus lactis aero- 
genes. B. coli commune, B. enteritidis Gärtner, Diphthevie- 
toxin, Tuberculin. Ferner noch Literatnrangaben über expe¬ 
rimentelle NieiBeschädigungen durch Strepto- und Staphylo¬ 
kokken, Pneumococcus. Typhusbac., B. pyocyanens, Cholera- 
und Tetauusbazillen. 

M 

Türk: Vorlestiugen über klinische Hämatologie. Erster 
Teil: Methoden der klinischen Blutuntersuchung. 
Elemente der normalen und pathologischen Histo¬ 
logie des Blutes. (Wien nnd Leipzig. Braumüller 1904. 
Preis 8 M ). 

T. hat sein Buch hauptsächlich für «Lernende bestimmt, bei 
denen er gar nichts an Sonderwissen voraussetzt», und dem¬ 
gemäss «eiue ins eiuzelne gehende Darlegung der Technik» 
gebracht, wie sie bisher nicht üblich war. Ob es dieser pe¬ 
dantischen nnd breiten Schilderung der Methodik — nimmt 
doch die Beschreibung des Flei schl-Miescker’schen 
Apparates 30 Seiten, die Blutkörperchenzählung 57 Seiten in 
Anspruch — gelingen wird, den Anfänger vor technischen 
i Fehlern zu schützen, scheint mir sehr zweifelhaft. Grössere 
• eigne Uebuug ist gerade bei Blutuntersnchnng unerlässlich 
, nnd einige Misserfolge sind lehrreicher als weitschweifige Er- 
I läuterungen. Die Besprechung der Forroelemeute des Blotes 
1 geschieht sehr eingehend unter Berücksichtigung der ver¬ 
schiedenen Theorien anderer Autoren bezüglich der Klassifi¬ 
zierung and des Zusammenhanges der weissen Blutkörper¬ 
chen- Erfreulich ist das Frontmachen gegen die unendlich 
■ komplizierten Klassifikationsversuche, wie sie namentlich von 
Pappenheim vorgebracht werden. Bei der grossen Er¬ 
fahrung des Verf. anf bämatologischem Gebiet kann man mit 
Interesse dem zweiten Teil der «Vorlesungen» eutgegen- 
sehen, der uns die «spezielle Hämatologie» bringen soll. Nur 
wäre meiner Ansicht nach eine weniger breite Fassung ent- 
i schiedet) ein Vorzug. 

i 0. M o r i t z. 

I Lesse r: Lehrbuch der Haut- und Geschlechtskrank¬ 
heiten. I. Teil. Hautkrankheiten. XI. Auflage. 
1 (1904. Vogel). 

Unter Beibehaltung der in den früheren Auflagen des be- 
[ kannten und beliebten Lehrbuches getroffenen Anordnung 
des Stoffes bringt die uunmehr vorliegende elfte eine Reihe 
i von Veränderungen, die dem Fortschreiten der Wissenschaft 
j entsprechen. Ausser einer Reihe neuer Textabbildungen sind 


Digitized by L^OOQle 




61 


dem Wsrke auch «och ft farbige Tafeln nach Montagen ans 
der Sammlung der Universitätsklinik für Haut- and Ge¬ 
schlechtskrankheiten in Berlin beigefügt worden, die in ganz 
hervorragender Weise einige Hautleiden versinnbildlichen. 

Es ist. dieses als eine ganz besondere Bereichern ng des 
Werkes anfzntassen; denn nirgendwo anders tritt die Ueber- 
legenheit der farbigen Abbildungen gegenüber der schwar¬ 
zen so in den Vordergrund wie anf dem Gebiete der Haut¬ 
krankheiten. Hoffen wir, dass in der zwölften Auflage die 
Zahl der «bullten Bilder» noeh vermehrt sein, und dadurch 
der Wert des durch Klarheit und Kürze der Darstellung 
rühmlichst bekannten Buches noch gesteigert sein wird. 

Das Buch sei dem Studierenden und praktischen Arzt warm 
eiuptoblen. 

Wiehert. 

Ernst Gaupp: A. Ecker's und R. Wieder- 
heim’s Anatomie des Frosches, auf Gruud eigener 
Untersnchongen neu bearbeitet. (Verl. v. Friedrich 
Vleweg und Sohn. Brannschweig;. 

Mit dem soeben erschienenen Bande hat das von Prot. 
Gaupp vor 10 Jahren begonnene Werk seinen Abschluss 
gefnnden. Das jedem Anatomen nnd biologischen Experimen¬ 
tator wohlbekannte Büchlein Ecker’s ist nach seiner Um¬ 
gestaltung kaum noch wiederzuerkennen, nicht nur, weil es 
zu dem stattlichen Umfange von 3 Bänden angewachsen ist, 
sondern ganz besonders, weil Prof Gaupp, in richtiger 
Beurteilung des Bedürfnisses der heutigen Forscher, ausser 
den rein anatomischen Tatsachen auch die Gebiete der Ent¬ 
wicklungsgeschichte und der Physiologie mit in den Bereich 
seiner Darstellungen hineingezogen hat. Die. überaus klare 
nnd anschauliche Behandlung des Stoffes an der Hand zahl¬ 
reicher, auf das sorgfältigste ausgeführter Abbildungen ma¬ 
kroskopischer und mikroskopischer Präparate, sowie der 
enorme (direkt an das Ende jeder Abteilung verlegte) Lite¬ 
raturnachweis, tragen das übrige dazn bei, die neue Auflage 
des Werkes in noch höherem Masse als einen unentbehr¬ 
lichen Ratgeber für alle diejenigen erscheinen zu lassen, 
bei deren Arbeiten auf dem einen oder dem anderen Gebiete 
der Frosch als Versuchsobjekt zu dieuen hat. 

In der äusseren Ausstattung trägt das Werk den vorneh¬ 
men Stempel seines Verlages. 

A. W. 


Protokolle des Vereins St. Petersburger Aerzte. 


760. Sitzung vom 21. September 1904. 

Vicepräses: Blessig. - stellv. Sekretär: 0. Moritz. 

1. LingemUeber einen operativ behandelten 
Fall von ausgetragenerExtrauteringravidi- 
tätin einem unversehrten Tu barsack. (Erschie¬ 
nen in Nr. 47 des vorigen Jahrganges dieser Wochenschrift). 

Diskussion: 

Dobbert fragt, wie L. sich die Genese der 2 Tumoren 
gedacht habe, — meist lägen in ähnlichen Fällen Placenta 
und Frucht in einem Sack. Man müsse wohl annehnien, 
dass sich die Extrauterinschwai gerschaft in einem dem Ute¬ 
rus sehr nah gelegenen Tnbenteil entwickelt habe, darauf das 
Ei in der Tube geplatzt sei, wobei der Foetus austrat und so 
in einem entfernteren Tubenteil der 2. Tumor gebildet wurde. 
Merkwürdig ist es, dass der Foetns in diesem Fall nicht 
abgestorben sei. 

Li n gen glaubt, dass sich in der Tat ein solcher Vorgang 
am Schluss des 2. oder Anfang des 3. Schwangerschafts¬ 
monats zur kritischen Zeit — abgespielt hat, wofür die da¬ 
mals aafgetretenen Blutungen und das heftige Erbrechen 
sprechen- Das Kind ist wahischeinlicb erst zum Schluss des 
9. Monats abgestorben, mit absoluter Sicherheit ist dieser 
Zeitpunkt jedoch nicht festznstellen. 

2. Schiele uudUcke: UeberMycosis fungoi'des. 
(Erschienen in Nr. 49 des vorigen Jahrganges dieser Wochen¬ 
schrift). 

Diskussion: 

P e t e r s e n: Die Eikrankung ist sehr selten, in 30 Jahren 
der 2. Fall, den P. in Petersburg zu Gesicht bekommt. DaB 
eczemalöse Stadium dauert oft viele Jahre, so dass es zu¬ 
weilen gar nicht znm fungösen Prozess kommt. In diesem Fall 
scheinen die guteu hygienischen Verhältnisse, besonders die Er¬ 


nährung, dieErholungdesPat.begünstigt zu haben- Die Krank* 
heit kann unter Umständen mit Blastomykose verwechselt wer¬ 
den, welche in Russland bisher jedoch noch nicht beschrieben ist- 
Dabei sichert der Nachweis der Hefepilze die Diagnose, 
i P. tragt, ob vielleicht einer der Chirurgen einen Fall von 
, Blastomykose zu Gesicht bekommen habe. 

Differentialdiagnostisch können bei der Mvcosis fnngoides 
noch sarkomatöse Neubildungen in Frage kommen. 

761. S i t z u n g v o m 5. 0 k t o b e r 1904. 

Vicepräses: Blessig. — stellv. Sekretär: 0. Moritz. 

1. Sender demonstriert (vor der Tagesordnung) einen 
Fall von Osteomyelitis staphylomycotica acuta 
fibulae. Resectio totalis diaphyseos. Regeneratio ossis. 
(Radiogramme, Praeparat und Patientendemonstration'). 

(Aus der Chirurg. Abteil, des Prof. Treuberg am Pbg. 
weibl. mediziu. Institut). 

Am 6. April 1904 ist der 15-iährige Fabrikarbeiter W. D. 
in die Klinik aufgenommen worden, weil er sich tags zuvor 
(am 5.) bei seiner Arbeit auf der Fabrik einen Stoss anf die 
i Anssenseite des linken Unterschenkels zugezogen hatte und 
gleich darauf heftige Schmerzen bekam. Früher will er immer 
gesund gewesen sein. 

Kräftig gebauter und gut ernährter Jnnge hat nichts Ab¬ 
normes iu Bezug auf innere Organe aufzuweisen, (im Harn 
kein Eiweiss) ist aber bei hoher Temperatur und raschem 
Puls iu einem sehr schweren allgemeinen Zustande. Die Hant 
ist an verschiedenen Stellen des Körpers zerkratzt (Scabies?). 
Die Aussenseite des liuken Unterschenkels ist stark ange- 
1 schwollen, die Haut ist dort oedematös nnd hellrot gefärbt, 
die 8ubkutauen Venen stark erweitert. Das Oedern greift 
auch auf die mediale Seite des Unterscheukels hinüber. Das 
i leiseste Berühren der linken Fibula ihrer ganzen Länge nach 
ist äusserst schmerzhaft. Drnck und Beklopfen der benach¬ 
barten Tibia ist nicht empfiudlich. Bewegungen im linken 
Talo-crnralgelenk sind beschränkt — im Kniegelenk frei. 

Am 8. April (am 3. Tage der Krankheit) ist Patient vom 
Kollegen H. Dr. Rudolf W a n a c h operiert worden. 

I Schnitt bis anf den Knochen der ganzen Diaphyse der 
Fibula entlang (Schonung des n. peroneus). Das Periost lässt 
sich überall leicht abheben, da der Knochen selbst förmlich 
in dickem Eiter schwimmt, der. mit Blut und Fetttropfen ver- 
J inengt, aus der Wunde heransfliesst. Das Pertost ist von der 
Innenseite mit einem schmutzig-grünlichem Belag bedeckt. 
Ein leichter Meisselscblag auf den unteren und oberen 
Epiphysenknorpel löst den Kuochen, der seiner ganzen 
1 Länge nach auch entfernt wird 1 ). Aseptische Tamponade der 
Wnnde und Trocken verband. 

Beim weiteren Verlauf ist zu erwähnen, dass die Schmerzen 
i in wenigen Tagen vollständig schwanden und dass das All- 
1 gemeinbefinden des Kranken bald ein sehr gutes wurde. 

I Am 18. Juni (nach ca. 2 1 /* Monaten) sah man bei Roentgen- 
i Untersuchung «dunkele Flecke» des sieb wiederherstellenden 
| Knochens. (Leider ist kein Photogramm gemacht worden), 
j Am 28. Juni ist unter Chloroformnarkose nach Thier sch 
i eine Hauttransplantation von der vorderen Fläche des rechten 
Oberschenkels unternommen worden, die. 6um Teil (bis anf 
i 2 / j ) gelang. 

j Am 23. September (nach 5V* Monaten also) ist von mir 
ein Radiogramm angefertigt, das die ganze Fibula als voll¬ 
kommen hergestellt repräsentiert. Sie scheint ohne Markhöhle, 
i uneben und dicker als die der entgegengesetzten Seite zu 
i sein '-’), lässt sich auch leicht palpieren. Patient, wie sie sehen, 
j ist völlig hergestellt und hat nicht die geringsten funktio- 
j nellen Beschwerden aufzuweisen (auch kein pes valgns). 

(Autoreferat). 

2. DombrowskyrUeberCoxavara mit Demonstrat. 
eiuer Patientin. 

Nach einer kurzen historischen Besprechung nnd Beschrei¬ 
bung des Krankheitsbildes der Coxa vara geht D. näher auf 
die Aetiologie des Leidens ein. Während man früher gewohnt 
war, die Ursache für die Schenkeliialsverbiegung durch All¬ 
gemeinleiden oder örtliche pathologische Veränderungen des 
j Knochens (Rachitis, Osteomalacie, Osteomyelitis, Tuberku- 
! lose etc.), die eine Erweichung des Schenkelhalses zur Folge 


') Am durchsägten Präparat sieht man, dass beinahe das 
ganze Knochenmark mit Eiter (Staphylokokken) durchträukt 
war, nur gerade die Mitte der Diaphyse ist weniger affiziert. 
i Scheinbar ist die Infektion also durch Embolie der Aa. nu- 
: tritiae der Metaphysen (wie es Leser annimmt) entstanden. 
a ) Ohne den Fall zu kennen, würde man dem Radiogramm 
nach die Diagnose Osteomyelitis lnetica fibubae stellen kön- 
1 neu, so täuschend ist das Bild. 


Digitized by Google 



€9 


haben, zu erklären, hat man in neuerer Zeit dem Trauma 
»ine grössere Bedeutung für die Entstehung: der Coxa vara 
zugesprochen. 

Seit Boyal Whitman wissen wir, dass die Sehen* 
kelhalsfraktur nicht ausschliessliches Vorkommniss des 
Alters ist, sondern ancli bei jugendlichen Individuen anzn- 
treffen ist. Royal Whitman glaubt allerdings, gestützt 
auf zehn Beobachtungen im Alter von 2*/j—8 Jahren. dass die 
Continuität8trennung im Schenkelhälse nnd zwar als unvoll¬ 
kommene Fraktur, als Infraktion des jugendlichen Schenkel¬ 
halses zustande kommt. Sprengel tritt dieser Anpassung 
insofern entgegen, als er den anatomischen Beweis dafür 
liefert, dass die Schenkelhalstraktur im jugendlichen Alter in 
der Knorpelfuge. an der Vereinigung des Kopfes und Halses 
im Sinne der Epiphysenlösung staufindet. Es kann sich nur 
nm Lockerung der Knorpelfuge oder um vollständige Lösung 
der Epiphyse mit Abbrechen eines Teiles des Schenkelhalses 
handeln. Die Kopfepiphyse sinkt dann an dem Halse nach 
unten und hinten; ihre Verschiebung wird für’s erste durch 
das straffe Periost an dieser Stelle aufgehalten und kann 
später durch die Belastung stärker werden. Im Beginn macht 
sich die traumatische Epiphysenlösung wenig bemerkbar — 
die Patienten können gewöhnlich nach dem Unfall noch ganz 
gut gehn. Erst später, wenn die knöcherne Wiedervereinigung 
des Kopfes an abnormer Stelle des Halses stattgefunden bat, 
stellt sich die Stellungsanomalie und Bewegungsbehinderung 
im Hüftgelenk ein. 

Wir haben es denn, wie Sprengel an seinen Fällen 
nachweist, mit dem typischen Bilde der Coxa vara zu tun 
Diese Aehnlichkeit tritt noch mehr zutage, wenn man siel« 
erinnert, dass Kocher für die Coxa vara statica auch eine 
Verbiegung in der Knorpelfuge und nicht, wie M nller nnd 
Hofmeister, an einer dem Schaft näher gelegenen Stelle 
des Halses annimmt. Der untere Teil des abgelösten Tnmor- 
kopfes stülpt sich bei der Coxa vara traumatica ähnlich wie 
bei der Coxa vara typica Koche r’s pilzförmig über den 
Hals, verlässt dabei die Pfanne nnd kann vollständig dem 
Trochanter wieder genähert werden. Je stärker die Verschie¬ 
bung der Kopfepiphyse gegen den Schenkelhals ist, desto 
grösser ist die Stellungsanomalie und Bewegnngsbeliinderung 
im affizierten Hüftgelenk. Für gewöhnlich findet man bei der 
Coxa vara traumatica das Bein adduziert und nach aussen 
rotiert. Von den Bewegungen sind die Obduktion und Rota¬ 
tion nach innen behindert, die Flexion und Extension dage¬ 
gen in der Regel frei. Das Trauma, das die Lösung der 
Kopfepiphyse zu Stande bringt, kanu ein sehr geringes sein, 
wie es der Fall von Joachimsth al (Sprung eines 5-jäh- 
rigeu Mädchens durch einen Ring) und die 3 Fälle von 
Sprengel, wo man mit grosser Mühe das Trauma heraus¬ 
examinieren musste, beweisen. Im K r e de 1 ’ sehen Fall eines 
4'Vjährigen Kindes war das Trauma überhaupt nicht zu eru¬ 
ieren und doch zeigte das Röntgenbild deutliche Epiphysen¬ 
lösung. Das Alter für die Coxa vara traumatica ist die 
Zeit der Entwickelungsperiode, aber auch das frühere 
Kindesalter, wie wir eben gesehen haben. Nach 
Joachimsthal wird man bei Kindern mit Coxa vara uni 
so eher an eine traumatische Ursache denken müssen, wenn 
die Abknicknng ihren Sitz in der Kopfepiphyse hat und nicht 
eine Abbiegung des gesummten Schenkelhalses — ein gewöhn¬ 
licher Befund der Coxa vara infantum rachitica — vorliegt. 

Zur Kasuistik der Coxa vara traumatica im kindlichen Alter 
teilt D. folgende Krankengeschichte mit: Ein 9-jähriges 
Mädchen aus der Provinz soll nach Angabe der Angehörigen 
stets gehinkt haben und ist das rechte Bein immer kürzer 
als das linke gewesen. Von den behandelnden Aerzten ist 
angeborene Hüftgelenksluxation angenommen und das Kind 
behufs Reposition nach Petersburg geschickt worden. 

Bei der Untersuchung findet man starke Abmagerung des 
rechten Beins, Tiefstand der Analfalte; Trendelen burgs 
Symptom deutlich ansgesprochen. Trochanter major überragt, 
beträchtlich die Ro s e r - N e 1 a t o n’sche Linie, das Bein ist 
adduziert und nach aussen rotiert, Verkürzung der Extremi¬ 
tät bei Messung von der Spina ilei ant. zum Malleol. ext. tun 
b Ctm. Flexion nnd Extension frei, Rotation nach innen behin¬ 
dert, Obduktion des Beins ganz aufgehoben. 

Das Röntgenbild zeigt den Oberschenkelkopf in der Pfanne, 
nur der untere Teil desselben hat die Pfanne verlassen, 
weil die Kopfepiphyse nach unten verbogen nnd dem Trochan¬ 
ter nnnor stark genähert ist. Der Schenkelhaiseini- 
gungswinkel ist dadurch bedeutend verkleinert. An der 
Grenze des Kopfes und Halses sieht man eine helle Zone, die 
der Knorpelfuge entspricht und auf eine siattgehabte Lösung 
hinweist. Der Schenkelhals ei scheint bei der Aussenrotation 
des Beins duroh Projektion verkürzt. 

Der Befund spricht für eine traumatische Coxa vara. Wann 
das Trauma stattgefundeu hat, ist schwer zu sagen; doch ist 
anzunebmen, dass es in den ersten Lebensjahren war, als das 
Kind zu gehen begann. 


Von einem angeborenen Leiden kann keine Bede »ein, du 
die bisher veröffentlichten, vereinzelten Fälle von Coxa vara 
congenita noch andere Missbildungen aufwiesen — was bei 
der Ent8tehuog durch Baummangel in utero als selbstver¬ 
ständlich vorausgesetzt werden muss. Irgendwelche Anzeichen 
von Rachitis sind am Kinde nicht zu bemerken. 

In der Narkose wurde versucht, das Bein in Abduktions- 
steilung zu bringen; doch erwiesen sich die Adduktoren eo- 
weit verkürzt, dass sie subkutan durch trennt werden mussten. 
Zur besseren Correktion wurde noch die Osteotomie snb- 
trochanterica obliqua nach Hoffa vorgenommen. 

Das Resultat ist ein dnrehaus befriedigendes. Nach reak¬ 
tionsloser Wandheilung nnd einige Monate fortgesetzter 
orthopädischer Behandlung ist die Abduktion des Beines recht, 
ausgiebig, ein weiterer Erfolg hierin ist nicht mehr za er¬ 
warten, da der Trochanter major offenbar bei dem Versuch 
das Bein noch mehr zu abduzieren, gegeu die Beckenschaufel 
8tösst. Das Bein ist nur um 2 Ctm. gegen 6 Ctm. vor dem 
operativen Eingriff verkürzt und geht Patientin mit erhöhter 
Sohle fast ohne zu hinken. 

Die Kranke und die Röntgenbilder werden demonstriert. 

(Autoreferat). 

Disknssi on: 

Horn verfügt über eine grosse Anzahl einschlägiger 
Fälle. Der älteste seiner Pat. war 17 a. n., der jüngste etwa 

3 Jahre. Bei allen diesen Kranken ist H. mit der unblutigen 
Behandlungsweise zu sehr guten Resultaten gelangt und 
möchte er davor warnen, diese Par. gleich zu operieren. 
Sein 17-jähr. Pat. kam beispielsweise in einem sehr traurigen 
Zustand zur Behandlung. — er konnte nicht gehen, noch 
ordentlich stehn und die Winkelstellung des Femurhalses be¬ 
trag etwa einen rechten Winkel. 

Dieser Pat. lag nur kurze Zeit in Gips nnd war nach IV» 
Jahren soweit, dass er reiten konnte. Bei den anderen Kin¬ 
dern, die H. behandelt hat, sind die Resultate gleichfalls aus¬ 
gezeichnet gewesen. 

Die Verkürzungen gleichen sich meist aus. so hat H. kürz¬ 
lich einen Fall in Behandlung gehabt, wo die Verkürzmig 

4 cm. betrug. Nach 4 -6 Wochen Extension, nachher Geh¬ 
apparat — betrug die Längendifferenz nur 1 cm. Nur bei 
seinem 17-jährigen Pat. hat H. ernstlich daran gedacht za 
operieren. Man soll stets versuchen mit defr unblutigen Be¬ 
handlung in Chloroformnarkose nnd Gipsverband ausznkom- 
men. 

Dombrowsky; Das orthopädische Verfahren hat trotz 
seiner grossen Versuche auch seine Grenzen und zwar kommt 
es darauf an, ob in der Narkose die Adduktionsstellung aus¬ 
geglichen weiden kann. In dem von D. demonstrierten Fall 
wäre der Ausgleich nur durch eine Muskelzerreissung mög¬ 
lich gewesen — in einem solchen Fall ist das Messer jeden¬ 
falls vorzuziehen. Andererseits ist durch die Operation aach 
eine Verlängerung des Femurs dadurch bezweckt and erreicht 
worden, dass die durchmeisselten Flächen gegen einander 
verschoben wurden. 

Horn betont, dass auch er die Adduktorentrennnng stets 
vornimmt, die sich subkutan leicht ausführen lässt. Ausser¬ 
dem niugs jedoch noch die orthopädische Fixationsbehandlnng 
systematisch — etappenweise -- dnrchgefflhrt werden. Man 
darf nicht vergessen, dass sich viele Kranke mit derartigen 
Leiden ausgezeichnet erholen und später oft ihrem anstren¬ 
genden Bernf nachgehn können — wie eine Nachforschung¬ 
ergeben hat, die kürzlich in einer deutschen Arbeit niederge¬ 
legt ist. Aehnliche Verhältnisse haben wir ja auch bei den 
rachitischen Deformitäten an anderen Knochenteilen — bei 
diesen ist die Operation in der letzten Zeit ja völlig auf ein 
Minimum reduziert, worden, da sich mit dem Wachstum fast 
stets erträgliche Verhältnisse einstellen, wie dieses besonders 
durch die Veit*sehen Untersuchungen gezeigt wurde. 

Dombrowsky: Durch Hofmeister ist gezeigt wor¬ 
den, dass besonders im akuten Stadium durch Ruhe, Exten- 
sion und Verbände ausgezeichnete Resultate erreicht werden, 
so dass die Pat. vollständig ihre Aktionsfähigkeit wieder¬ 
erlangen. 

Was die Rachitis betrifft, so wird bei derselben jetzt mit 
Recht nicht operiert, in dem besprochenen Fall handelte es 
sich jedoch um keine Rachitis, sondern um eine offenbar 
traumatisch entstandene Deformität. 

3. Ucke: Demonstriert ein Aneurysma der art 
mesenterica. 

Meine Herrn. Erlauben Sie mir Ihnen heute ein Präparat 
zu demonstrieren, das einerseits in pathologisch-anatomischer 
Hinsicht eine Seltenheit darstellt, andererseits von mir in 
eine leicht deuionstrable handliche Form gebracht worden ist, 
die es ermöglicht, dasselbe jederzeit einem grösseren Audito¬ 
rium zugänglich zu machen. 


- . Dia :,’e ß .ayijOOgI.C_- 


Zunächst gebe ich Ihnen einige knrze Llinieche Daten, die 
ich dem von Dr. C. Lehmann geführten Krankenbogen 
entnehme; ich sehe dabei vollkommen vom übrigen Befunde 
ab und führe nur das auf das gegebene Präparat Bezügliche 
an. Bei der Untersuchung am 11. Jnli 1903 fühlt man im 
Abdomen links vom Nabel eine etwa htibnereigrosse Resistenz, 
die nicht verschieblich, aber sehr druckempfindlich ist; dicht 
daneben fühlt man ein grosses Gefäss pulsieren. Am 15. Juli 
ist ein Ausstrahlen der Schmerzen in die Milzgegend annotiert, 
am 17. Juli ein heftiger epileptiformer Anfall und am 18. Juli 
eine Wiederholung des Anfalls und in demselben tritt der 
Exitus letalis ein. 

Bei der am 19. Juli ausgeführten Sektion fand sich, mit 
Weglassung alles Nebensächlichen, folgendes: ln der Bauch¬ 
höhle Blut und Coagula. Verrucöse Endocarditis der Vorhofs¬ 
wand der Mitralklappe, ln der Milz Infarkte. Im Mesenterium 
lässt sich ein apfelgrosser Tumor durchfühlen; an der Mesen- 
terialoberfläche desselben gewahrt man kleine, stecknadel¬ 
kopfgrosse Löcher, ans denen Blut hervorquillt. Mit der 
Sonde gelangt man iu einen Sack, der bei der Eröffnung sich 
zur Hälfte mit Blutcoagulis erfüllt erweist uud dessen Wand 
teils glatt, teils fein geriffelt erscheint. Am Gründe des 
Sackes fiudet sich ein (iefäss, welches sich zu seinem Ur¬ 
sprung ans der Aorta abdom. verfolgen lässt und sich als 
art. niesend sup. erweist, (ileich unterhalb des Ansatzes des 
Aneurysmas geht eine kleine Arterie iu das Mesenterium 
weiter. 

Das Ihnen vorliegende Präparat zeigt die eben beschriebe¬ 
nen Verhältnisse in ungefähr uormalen Farben, dank der Be¬ 
handlung nach der Methode von KaiBerli ng. Sie sehen 
die aufgeschnittene Aorta und von ihr abgehend die art. 
mesent. sup., der ein grosser aneurysmatischer Sack anbängt. 

Im Bestreben, interessante pathologisch-anatomische Präpa¬ 
rate handlich uud iür die Demonstration leicht zugänglich zu 
machen, habe ich in den letzten Jahren versucht dieselben in 
Gelatine einzubetten. Zunächst benutzte ich dazu Schalen 
aas Glas, wie sie in bakteriologischen Laboratorien als Doppel- 
schalen stets vorrätig sind, nur bedeckte ich sie mit ent¬ 
sprechend zugeschnitteneu Glasplaiten. Diese Schalen sind 
jedoch nur in einer Grösse im Handel zu haben uud man hat 
nicht die Möglichkeit der Anpassung an die Variationen in 
Grösse und Form der Präparate- Aussei dem bedarf es einer 
nicht geringen Menge Gelatine nm die Schalen zu füllen- Ich 
versuchte daher die Kosten nach Möglichkeit zu verringern, 
indem ich die Gläser von den photographischen Platten, die 
bei ans im Hospital ans der Böutgenkammer stets iu grösse¬ 
rer Zahl in meiue Hände gelangen, zu vei werten, ich be¬ 
stellte von entsprechender Grösse Leisten aus Holz und 
suchte vermittels derselben Kästen zu bilden, die aus einem 
Holzrahmen und zwei Glasplatten bestandtn. Die grösste 
Schwierigkeit besteht im Verkitten, da stets sich kleine 
Undichtigkeiten finden, durch die Luftblasen sich in das 
Präparat durchdrängen. Auch das vorliegende leidet unter 
diesem Uebel. Tiotzdetu lassen sich der Hauptsache nach die 
Veränderungen gut unterscheiden. 

(Antoreferat). 


Nachrichten von Kollegen aus dem fernen Osten. 

Von Prof. Dr. W. Z o e g e v. M a n t e u f f e 1 erhalten wir 
die folgenden Zuschriften: 

An die Redaktion der St. Petersburger medicinischen 
Wochenschrift. 

I. 

In der Nr. 48 der St. Petersburger raed. Wochenschrift 
( 8 . 529—530) sind unter der Rubrik «Nachrichten von Kolle¬ 
gen aus dem fernen Usten» einige E. M. gezeichnete Briefe 
abgedruckt, die so vieles den Tatsachen nicht entsprechendes 
enthalten, dass ich mich veranlasst sehe, Sie um Veröffent¬ 
lichung folgender Zurechtsteliung zu bitten. Die in dem be¬ 
richt berührten Gegensätze zwischen dem Roten Kreuz und 
den Militärhospitälei n sind an sich schou unerfreulich genug 
und es ist daher sehr wenig erwünscht, wenn von einer 
Seite, von der man wohl Objectivität erwarten darf, Berichte 
erscheinen, die geeignet sind diese Gegensätze zu verschärteu. 

Herr E. M. schreibt, dass es in Charbin nur eine kleine 
Zahl von Betten des Roten Kreuzes giebt, 10—12 Prozent der 
Gesamibettenzahl «im ganzen höchstens 2000». — Das ist 
nicht richtig und es wäre für Herrn E. M., der selbst in Chur¬ 
bin lebt, ein leichtes gewesen sich darüber genau zu infor¬ 


mieren. Es wäre ihm gewiss nicht schwer gefallen zu erfah¬ 
ren, dass in Charbin rnnd 7000 Betten (genau 7050) am 1. No¬ 
vember vothandeu waren, d. h. zu der Zeit als der Brief ge¬ 
schrieben wurde (15. Okt.j. Gegenwärtig ist die Zahl bedeu¬ 
tend grösser. . . 

Ferner schreibt Herr M.: «alles was an Lazaretten südlich 
von Charbin ist, kommt wegen Winzigkeit wenig in Be¬ 
tracht». Meint hier Herr M. alle Hospitäler oder nur die 
des Roten Kreuzes? Jedenfalls betrug die Zahl der Betten 
des Roten Kreuzes von Charbin bis zur Front — d. h. die 
Zahl längs der Südstrecke der Bahn mit der Zweigbahn 5210. 
(Audi diese Zahl ist seitdem bedeutend gewachsen). — Allein 
diese Zahl kann man doch jedenfalls nicht als «winzig» be¬ 
zeichnen und ebensowenig sagen, dass sie «wenig in Be¬ 
tracht kommt». Wenn ein Dritteil sämtlicher Verwundeter von der 
Schlacht am .Schache somit in den Hospitälern des Roten 
Kreuzes Platz finden konnte, so kann man doch nicht in so 
wegwerfendem Tone von der freiwilligen Krankenpflege des 
Roten Kreuzes und ihren Leistungen reden. 

Herr E. M. spricht weiter von den Verwundungen und 
sagt «die Japaner benutzen jetzt dickere (?) Kugeln mit 
relativ weichem Kupfermantel uud abgeplatteter Spitze, — 
alles das wird dazu beitragen, die Heilung ungüustig zu ge¬ 
stalten. — Im Frühling starb fast niemand (?!) in den Hospi¬ 
tälern au seiuen Wunden. Im Juli und August betrag aie 
Mortalität annähernd 1—2 pCt. Jetzt wird man sich auf 
andere Ziffern gefasst machen müssen». Das klingt so, als 
wenn die Japaner ganz im allgemeinen jetzt die beschriebe¬ 
nen Projectile benutzten. Dem ist nun nicht so. Ein Projectil 
mit Kupfermantel ist überhaupt nicht gefunden worden. 
Herr M. meint ein älteres Mausergeschoss von 8,2 mm. mit 
Phosphorbronzemantel. Dieses Geschoss wird von einigen 
Reserveregimentern, die der Ostarmee gegenüber standen, 
geführt. Alle übrigen japän. Regimenter bedienen sich nach 
wie vor des kleiukalibi igen Nickelstahlmantelgeschosses. — 
Allerdings werden die Wunden schlimmer, das ist aber auf 
Winter-Kleidung und geringere Reinlichkeit (cf. auch E. M.) 
und ferner darauf zurückznfühien, dass mehr in Tranchäen 
gekämpft wird, wobei Recochetten häufig Vorkommen. 

Die Behauptung, dass im Frühling fast niemaud in den 
Reseivehospitälern starb, bedarf der Zurechtstellung. Die 
Reservehospitäler iu Charbin haben natürlich ihr Material 
erst erhalten, nachdem jene Hospitäler der vorderen Linien, 
«die ihrer Winzigkeit wegen kaum in Betracht kommen» die 
schwersten Verwundeten, die nicht weiter gebracht werden 
konnten, verpflegt halten. Von diesen starb ein Teil. Die üb¬ 
rigen wurdeu soweit hergestellt, dass sie evacuationsfähig 
waren und kamen in diesem Zustande dann nach Charbin. 
Dass das nur so und nicht anders sein kann, liegt doch auf 
der Hand. 

Dann redet Herr E. M. von den Verpflegungskosten in den * 
verschiedenen Hospitälern, behauptet, dass der Kranke ira 
Roten Kreuz mehr kostet als in einem Militärhospital, und 
dass letzteres sich mit der Verpflegung z. B. im Evangelischen 
Hospital nicht messen könne, die gewiss nicht unter 3 Rubel 
täglich betrage. Herr E. M. hätte gewiss besser getan, die¬ 
sen Punkt nicht zu berühren, weil ihm, wie ich vom Ober¬ 
arzt des Evang. Hospitals erfahren habe, die Verpflegungs- 
kosteu des letzteren nicht offiziell bekannt sein können, und 
weil ihm ein Urteil über die Ausgaben einer fremden Anstalt 
nicht zusteht. 

Einen schweren Vorwurf macht Herr E. M. ferner allen 
Hospitälern des Roten Kreuzes; wenigstens glaube ich so die 
Bemerkung verstehen zu müssen — «quoad Reinlichkeit sind 
wir (sc. die Militärhospitäler) ihnen über». Ich habe das üos- 

ital, in dem Herr M. dient, nicht gesehen, habe mir aber die 

esten Militärhospitälei' in Charbin und viele andere angese¬ 
hen. Ich kann nun nicht finden, dass die Hospitäler des 
roten Kreuzes auch den besten Militärhospitälern an Rein¬ 
lichkeit irgend wie nachstehen und was die Vorrichtungen 
zur Bereinigung, zum Waschen etc. anlaugt, so sind sie in 
vielen Hospitälern des Roten Kreuzes mustergültig, — wäh¬ 
lend die Militärhospitäler vielfach gezwungen siud am vor- 
schriftsmässigen Typus und am vorhandenen Material fest- 
zahalten. 

Herr E. M. sagt u. a: «Man spricht, schreibt, druckt nnd 
telegraphiert so viel über das Rote Kreuz; man vergisst daher, 
dass kaum mehr als 10—12 pCt. (siel) aller Kranken und Ver¬ 
wundeten durch die Hände dieses Instituts gehen und es 
darin allerdings im Durchschnitt (im Original gesperrt) 
besser haben als iu den entsprechenden Militärinstitutionen, 
aber mit einem unvergleichlich grösseren Aufwand (?) an 
Menschen (?) uud Geld». Die aus diesen Worten hervorkliu- 
gende Stimmung gegenüber dem Roten Kreuz teilt Herr M. 
mit vielen seiner Kollegen, ich weiss das. Aber ist es denn wirk¬ 
lich so schwer zu verstehen, dass das Rote Kreuz eine 
gesellschaftliche Institution ist, die dieser Gesellschaft öffent¬ 
lich Rechnung abzulegeu hat, — ebenso wie etwa das Lepra- 


Digitized by 



der Verein znr tfckämpfnng der Tuberkulose etc. 
and zwar nicht bloe Rechenschaft abzu legen hat.über den 
Geschäft Hohen Teil, sondern anch Uber die aktive leilnabme 
gelbst einzelner Personen, denen die Gesellschaft das Ver¬ 
trauen der Führung und Pflege geschenkt hat? — Anch die 
Militärärzte haben ihre Instanz, der sie Rechenschaft abznle- 
gen haben, das ist aber nicht die Presse, sondern ihre Vorge¬ 
setzten, - und diesen steht es frei Berichte auch in die Presse 
gelangen zu lassen. Es ist bedauerlich, dass von dieser Seite 
bisher nichts erfolgt ist, ich glaube die Leistungen der Mili¬ 
tärärzte hätten so ihre wohlverdiente öffentliche Anerkennung 

^IMe^roilitärftrztlichen Institutionen werden selbstverständ¬ 
lich in Summa mehr Kranke und Verwundete verpflegt ha¬ 
ben, als das Rote Kreuz. Deswegen aber die Hilfeleistungen 
des Roten Kreuzes zu unterschätzen, ist man um so weniger be¬ 
rechtigt, als vor Beginn des Krieges von amtlicher Seite ein 
Aufruf an die öffentliche Wohltätigkeit erging, nicht nur im 
allgemeinen zu helfen, sondern, wenn ich mich recht besinne, 
etwa '/» säromtlicher Pflegebedürftiger auf ihren Teil zu neh¬ 
men und ungefähr ebensoviel von den Kosten der Verpflegung 
in den Militärhospitälern zu tragen. Dieser Aufgabe, dieser 
Bitte ist die öffentliche Wohltätigkeit fast genau naclige- 
kommen und verdient dafür allen Dank. 

Gerade der jetzige Krieg hat gezeigt, wie der enge 
Rahmender Disciplin und die unbedingte Anheftung sani- 
tätlicher Einheiten an militärische Einheiten — gelegent¬ 
lich im Sanitätsdienst Lücken lässt, die gerade von einer so 
freien Institution, wie sie das Rote Kreuz darstellt, ausgefnllt 
werden können. Das Rote Kreuz kann früher da sein und 
kann später fort gehen, es kann Opfer bringen, die die Militär- 
hospitäler nicht bringen dürfen — weil sie nach dem Knege 
weiter bestehen müssen —während das ltote Kreuz seine In¬ 
stitutionen im wesentlichen für den vor legenden Krieg ge¬ 
schaffen hat und daher auch diesem zum Opfer bringen kann. 

' So hoffe ich denn, dass auch Herr E. M. zu der Eiusicht 
gelungen wird, dass das Rote Kreuz keine Institution ist, 
deren Tätigkeit so minderwertig ist, dass sie kaum in Be¬ 
tracht kommt: ich hoffe, dass er einsieht, warum die heulen 
Institutionen neben einander existieren müssen und warum 
sie einander nicht entbehren können- 

Prof. W. Zoege von Mantenffel. 

(Poststempel Mukden 10. Jan. 1005). 

II. 

Zu meiner Entgegnung auf die «Nachrichten von Kollegen 
aus dem fernen Osteu» von E. M. bitte ich noch folgendes 
Material hinzuzufügen, das ich zu Publikatiouszwecken kaum 
zu erhalten hoffen durfte. Deswegen sandte ich dw. was ich 
.vom Roten Krenz erhielt, ab, ohne die Daten der Militärlios- 
nitäler beizufügen. Inzwischen habe ich die letzteren zum 
Zweck der Publikation erhalten und sehe zu meinem eignen 
Erstaunen, wie kolossal sich Kollege E. AI. geirrt hat. 

Das Rote Kreuz besitzt, um das nocheinmal mit einer 
kleinen Additiouskorrektur zu wiederholen: 

in Charbiu . . ... • ..459 ße, ^ en ' 

Auf der Strecke, bis Kandolisan.4UdU » 

Auf der östlichen u. westlichen Strecke. . 26'0 » 


13750 Betten. 


Die Militärhospitäler in Charbiu: 

15 «cBOAHHe» mit. 6000 4* 300 Offiziersbetten. 

2 sanaceue. 400 + iO » 


ergeben zusammen. 


6720 Betten 


Hierzu kommen auf der Sfidstrecke: 

Mukden für Soldaten .... 6004-60 Offiziersbetien. 

Tjielin » » .... 400 4-20 » 

Hunchulin » » * * * * 25"HK * 

Kuanijensy» » .... 5004-20_»_ 


2190 Beiten. 

macht mit den 6720 » 


Summa 8910 Betten. 

Hierzu kommen dann noch die beweglichen Hospitäler im 
Felde. Die kommen aber für die Ausführungen E. Al .’s nicht in 
Betracht, ebenso wenig wie die fliegenden Kolonnen und 
Institutionen dos Roten Kreuzes, die vielfach auch Betten 
haben. — Alle gegebenen Daten beziehen sich auf den 1. Nov.. 
seitdem hat die Militärverwaltung i" Charbiu und hier in 
Honsholin (2000) noch Platz in Erdhütten geschaffen. Aber 
allerdings hat auch das Rote Kreuz die Zahl seiner Betten 
ganz beträchtlich erhöbt. So hat hier das Evangelische L. sich 


um 70 — dal der Kaiserin Maria anch nm 70 vergr8s*ert 
— in Charbln sind das Libaner und das Deatsche Lazarett 
mit je 200 Betten eingetroffen etc. etc. Die Zählen gelten 
durchaus tör die Zeit, in der E. M. geschrieben hat. 

Prof. W. Zoege von Mantenffel. 

Hunshulin d. 13. Januar 1905. 

Ich füge eine Liste sämtlicher Institute des Roten Krea- 
zes bei. 

(Nur ungern verzichten wir wegeu Raummangels auf den 
Abdruck dieser instruktiven Liste, d. Red.). 


Vermischtes. 


— Der als Augenarzt bekannte Dr. med. Herzog Karl 
Theodor in Bayern beging am 10/23. Februar sein 25-j ä fi¬ 
ng es A r z t iu b i 1 ä u m. — Zuin Studium der Medizin be¬ 
stimmten den Jubilar die tiefgehenden Eindrücke tm deutsch- 
französischen Kriege 1870/1871, den er im sächsischen Haupt¬ 
quartier mitmachte. Der Herzog bildete sich an der Univer¬ 
sität München als Chirurg aus, um iu einem künftigen Kriege 
etwa als Leiter eines Feldlazaretts dem Vater lande-an dienen. 
Wenig bekannt dürfte es sein, dass der Herzog durch einen 
russischen Arzt veranlasst wurde, sich dem Gebiete der Au¬ 
genheilkunde zuzuwenden. Als er nämlich krank in Mentone 
sich aufhielt, lernte er, wie die «Angsb.. Abendztg.* berichtet, 
den russischen Augenarzt Iwanow kennen, der Ihn in die 
Praxis der Augenheilkunde entführte. Seine späteren Lehrer 
waren die Proft. R o t h in u u d (München), Horner (Zürich) 
und A r 1 1 (Wien). Die selbständige augenärztlicbe Tätigkeit 
begann der Herzog 1879 iu Tegernsee. In der Herzoglichen An- 
genheilaustalt in München werden durchschnittlich im Jahre 700 
stationäre und 4000 - 5000 ambulante Kranke ans allen Teilen¬ 
der Welt kostenlos behandelt. Die jährliche Zahl der Ope¬ 
rationen beträgt ungefähr 600—700, darunter 200—250 Star¬ 
operationen. Bis zum Jubiläumstage betrug die Z a h 1 d e r 
Staroperalionen mehr als 4700. 

— Der Konsultant für innere Krankheiten bei den Moskauer 
Erziehungsanstalten der Institutionen der Kaiserin Maria, 
Prof. ord. der Moskauer Universität, wirkl. Staatsrat Dr. 
S ch er wi n s b i, ist auf eigenes Ersuchen dererstge- 
nannten Stellung enthoben worden. 

— Am 31. Januar feierte der Armenarzt in Odessa Dr. 
S. Schor das 30-jährige Jubiläum seiner ärstliohen 
und kominnualen Tätigkeit. Das von den Kollegen znr Ver¬ 
anstaltung eines Soupers zu Ehren Dr. Sc hör s gesammelt* 
Geld wurde aut Wunsch des Jubilars nach St Petersburg ge¬ 
sandt znr Verteilung an die Familien der am 9. Jan. verwand 
deten und gefallenen Arbeiter. (R. Wr.) 

— Als Präsident des hiesigen Mediko-pbl- 
lanthropischen Komitees der Kaiser). Philanthropi¬ 
schen Gesellschaft Ist der Konsultant der Heilanstalt I. K. H. 
der Grossfürstin Maria Alexandrowna, Herzogin von 
Sachsen-Koburg-Gotba, für ambulante Kranke, wirkl Staats- 
rat Dr. Tschernyscbew, nnd als VI zep rä siden t 
dieses Komitees ist dei Gehülfe des Direktors des 
St. Olgahospitals und Konsultant bei den Lehranstalten der 
Institutionen der Kaiserin Maria, wirkl. Staatsrat Dr. Kli- 
menko, bestätigt worden, beide gemäss der Wahl auf drei Jahre, 
unter Belassuug in den von ihnen bisher bekleideten Stel¬ 
lungen. 

— Unser Landsmann Prof. Dr. Han s v. Re yh er ist 
wie das «Rig. Tagebl.* aus Dresden erfährt, — entgegen den 
bisherigen Gerüchten — zum Dienst als Militärarzt auf dem 
Kriegsschauplatz nicht ein berufen worden, da er be¬ 
reits dem Landsturm augehört. 

— Der Privatdoz. Dr. RotgertBaron Budberg — Bö n- 
ningha usen ist von seiner Mission in den Fernen Osten 
wohlbehalten in Jnrjew (Dorpat) wieder eingetroffen nnd wird, 
wie die «Nordl. Ztg.» hört, auf den Kriegsschauplatz nicht 
mehr zurückkehren. 

— Der ältere Geschäftsführer der Militär-Medizlnalverwal- 
tnng des kaukasischen Militärbezirks, Staatsrat Dr. S h i-, 
li n s ki, ist zum A rz t für besondere Aufträge V. 
Klasse der genannten Verwaltung ernannt 
worden. 

— Verstorben: 1) In S f. P e t e r s b u r g der frühere 
Oberarzt der Russisch-Chinesischen Eisenbahn, Staatsrat Dr. 
Michael Poletika, lm 51. Lebensjahre. Die ärztliche 
Tätigkeit hat der Verstorbene seit 1882 ausgeübt, eine Zelt 



- --Eü§itized 





69 


lang auch in St. Petersburg and Kiew. 2) In Berditschew 
der langjährige Arzt der Südwcsibahnen, Dr. Konrad 
Dynowski, im Alter von 68 Jahren, nach 44-jähriger ärzt¬ 
licher Praxis. 3) In Warschau der freipraktizicrende Arzt 
Dr. Joseph Wszebor im 70. Lebensjahre. Der Hinge¬ 
schiedene hatte die Venia practicandi i. J. 1862 erlangt. 
4) In St. Petersburg der ausseretatmässige Arzt des 
hiesigen Findelhauses Dr. Nikolai Dwneglasowim 
55. Lebensjahre. Der Verstorbene, welcher seine praktische 
Tätigkeit i. J. 1874 begonnen hatte, fungierte in früheren 
Jahren auch als Landschaftsarzt im Petersburger Gouverne¬ 
ment. 5) ln Dresden der ehemalige Präsident des sächsi¬ 
schen Landesmedizinalkollegiums, Geh. Medizinalrat Dr. R u - 
dolt Günther, im Alter von 76 Jahren. 

— Der auch von uns seiner Zeit besprochene Prozess 
wegen Misshandlung des Dr. Sabassow durch 
den Generalmajor Kowalew ist neuerdings auf dem 
Appellationswege ans Oberkriegsgericht gelangt und 
vor den Schranken dieser Behörde unter dem Vorsitz des 
Generals Leicht verhandelt worden. Das Oberkriegs¬ 
gericht kassierte das Urteil des Tiüiser Kriegs¬ 
ei ichts wegen Verletzung der Artt. 797 nnd 802 im 24. Bande 
es Militärstatnts und verwies den Prozess zur'noch- 

maligen Verhandlung an ein Gericht mit einem neuen 
Bestände der Richter. 

— Zum Ordinatordes s täd tischen Bassmann- 
schen Krankenhauses in Moskau ist, wie wir der 
«Deutsch. Mosk. Ztg.» entnehmen, der gegenwärtig auf dem 
Kriegsschauplätze als Oberarzt des Evangelischen Lazaretts 
weilende Dr. 0. v. Schiemann ernannt worden. 

— Der Privatdozent der Moskauer Universität und ältere 
OrdiDator des St. Olga-Kinderhospitals in Moskau, Staatsrat 

1) r. K i e s s e 1, ist als A r z t des Moskauer Alexander- 
Instituts bestätigt worden, mit Belassung in den beiden 
anderen von ihm bekleideten Stellungen. 

— Der frühere ältere Arzt des Twerschen Gouvernements- 
Landscbaftshospitals, Dr. Peter Baraty nski, welcher 
in letzter Zeit als freipraktizierender Arzt in St. Petersburg 
tätig ist, hat sich mit Genehmigung der Konferenz der mili¬ 
tär-medizinischen Akademie als Privatdozent riir Chi¬ 
rurgieandergenannten Akademiehabilitiert. 

— Die Konferenz der militär-medizinischen 
Akademie hat für die von ihnen eingereichten Preisarbei¬ 
ten dem Arzt P. Aparin — die goldene Medaille und 
dem Arzt A. Lnnjak — die Prämie des Akademi¬ 
kers Simin zuerkannt. Diese Preisarbeiten haben die ge¬ 
nannten Aerzte noch als Studenten der Akademio ange¬ 
fertigt. 

— 25 A e r z t e i n L i v 1 a n d , die im Laufe der Kriegs¬ 
zeit zum aktiven Dienst, einberuien aber nachher befreit wor¬ 
den waren, haben, wie die «Düna-Ztg.» erfährt, wieder die 
Weisung erhalten, sich noch einmal bei der Gou¬ 
vernements-Ärztekommission behu f s B e s i c h - 
tigungzn stellen. 

— Vakante Lehrstühle. Es sind Konkurse aus¬ 
geschrieben: 1) von dem klinischen InstitutderGross- 
ffirstin Helene Pawlowna—zur Besetzung des 
Lehrstuhls der Hygiene und allg. Bakteriolo- 
1 o g i e und 2) vom weiblichen medizinischen In¬ 
stitut — zur Besetzung des Lebrstnhls der ope¬ 
rativen Chirurgie und topographischen Ana¬ 
tomie. Meldungen zum Konkurse, unter gleichzeitiger Bei¬ 
fügung eines Curriculum vitae nnd der wissenschaftlichen Ar¬ 
beiten der Kandidaten, werden vom klinischen Institut bis 
zum 20. März 1905 und vom weibl. med. Institut bis zum 
7. März entgegengenomraen. 

— Dr. Otto Thilo, der auch unseren Lesern durch seine 
Beiträge in unserer med. Wochenschrift bekannt ist, hat, den 
Rigaer Blättern zufolge, in der vorigen Woche einen Zyk¬ 
lus von Vorträgen über Anatomie nnd Phy¬ 
siologie im Rigaseben Gewerbeverein begonnen, die sich 
einer zahlreichen Zuhörerschaft erfreuen, namentlich soll der 
weibliche Teil unter der Zuhörerschaft ganz bedeutend über¬ 
wiegen. 

— Am 12. Februar haben sich 15 Stndeuten der 
militär-medizinischen Akademie nach Char- 
bin begeben, um dort als Gehülfen der Aerzte in den 
Hospitälern zu fungieren. 

— V. Internationalergeb urtshülflich-gy nä- 
kologischer Kongress. Die Internationale gebürts- 
hülflich-gynäkologische Gesellschaft hat die Stadt 8t. Peters¬ 
burg zum Sitz ihres 5. Kongresses erwählt. Das Organisations- 
Komitee dieses Kongresses besteht unter dem Vorsitz von 
Prof. Dm. von Ott ans den Vertretern der Katheder für 


Geburtshfilfe nnd Gynäkologie aller Hoch schalen des Russi¬ 
schen Reiches und hat bereits seine Tätigkeit eröffnet. Es 
beruft den Kongress für die Zeit vom 11. bis 18. September 
(29. Aug.—5. Sept. alten Stils) 1905. 

Indem das Organisationskomitee hiervon alle Kollegen, die 
sich fiir Gebortshülfe und Gynäkologie interessieren, benach¬ 
richtigt, bittet es sie. an den Arbeiten des Kongresses zum 
Nutzen der Fortentwickelung und Blüte dieser Spezialität 
teilzunehmen. Es Hiebt, sich der Hoffnung hin, dass der 5. 
Gynäkolcrgeu-Kougress in der Residenz Russlands ebenso 
zahlreiche Mitglieder, wie die früheren Kongresse, haben werde, 
und wird sich bemühen alle Massregeln zu treffen, nm den 
ausländischen Gästen die weite Reise und den Anfenthalt in 
Russland möglichst bequem und angenehm zu gestalten. Als 
beste Gewähr für die Sympathie, mit welcher nnser Vaterland 
seine Gäste zu empfangen bereit ist, dient die Tatsache, dass 
Seine Majestät der Kaiser den Kongress unter Sei¬ 
nen A 11 e rh ö c h s te n Schutz genommen hat; seinerseits 
hat das Komitee beschlossen, alle Sprachen ohne jegliche Be¬ 
schränkung bei den Verhandlungen des Kongresses zuzulas¬ 
sen, damit niemand durch die Wahl bestimmter Sprachen 
verhindert würde, an den Arbeiten des Kongresses teilzuneh¬ 
men. Es wird also den Herrn Kongressmitgliedern freigestellt, 
sich bei Vorträgen nnd während der Debatten einer beliebi¬ 
gen Sprache nach eigener Wahl zu bedienen. 

Als Hauptthbmata hat das Komitee folgende Fragen 
bestimmt: 

1) Ueber die forcierte Entbindung (Accouchement forc6); 

2) Ueber die operative Behandlung der Fibromyome des 
Uterus: 

3) Ueber die vaginale Operationsmethode in der Geburts- 
hülte und Gynäkologie; 

4) Kritische Beurteilung der operativen Eingriffe bei Retro- 
deviationen des Uterus; 

5) Ueber das Cborio-epithelioma. 

Aerzte, die an dem Kongress teilzunehmen beabsichtigen, 
werdeu gebeten, das Bureau des Kongresses (St. Petersb. 
Wassili-Ostrow, gegenüber der Universität, 3) davon in 
Kenntnis zu setzen. 

Das Organisations-Komitee besteht aus dem 
Vorsit zendeu:-Prof. Draitrivon Ott; den Komi¬ 
tee Mitgliedern: Prof. F e d o r o w, J. (Warschau), 
Prof. G a v r o n s k i, N (Charkow), Prof. Glibarew, A. 
(Moskau), Prof. G r a m m a i i k a t i, 'J. (Tomsk), Prof. G r q g- 
d e w, V. (Kasan), Prof. Jassinski, P. (Charkow). Prof. 
Jastrebow, N. (Warschau"). Prof. Lebednw. A. (St. Pe¬ 
tersburg), Prof. M i c h i n, P- (Charkow), Prof. M i c ii n o w, S- 
(Jurjew 1 , Piof. Muratow, A. (Kiew), Prof. Fenome- 
n o w, N. (St. Petersburg), Prof. Ratschin ski. N. (St. Pe¬ 
tersburg). Prot Rein, G. (St. Petersburg), Dr. Schmidt, 
A. (8t. Peteisburg), Prof. Snegirew, W. (Moskan), Prof. 
Stroganow, W. (St. Peteisburg), Prof. To Io t sc hi - 
n o w, N. (Charkow), Dr. Wasten, W. (St, Petersburg), 
Dr. W i e d e in a n, C. (8t. Petersburg); dem Schriftfüh¬ 
rer: Dr. P. Sadowski, (8t. Petersburg, Nevski Prospect 
90) und dem Schatzmeister: Prof. A. Sa rusch in 
(St. Petersburg, Wassili-Ostrow, Oniversilätslinie 3). 

— Das militär-medizinische gelehrte Komitee hat sich auf 
eine Anfrage des kaukasischen Militär-Medizinalinspektors be¬ 
züglich der Zweckmässigkeit der Anticholera¬ 
impfungen, ebenso wie bezüglicli der prophylaktischem 
Dysenterie- und Typhusimpfungen, seine Meinung dahin ab¬ 
gegeben, dass es diese Impfungen nicht einpfeh- 
1 e n könne, da der Nutzen von Impfungen mit An - 
ticholeratoxinen zu prophylaktischenZwecken 
in der Wissenschaft bisjetztnicht feststehe. 

— Die Konferenz der Landschaftsärzte des Ödes- 
saer Kreises hat bei der Beratung der gegen die im Früh¬ 
jahr wieder zu erwartende Cholera notwendigen Massnah¬ 
men es für wünschenswert erachtet, die Bekämpfung der Epi¬ 
demie den Landschaftsverwaltungen und den Städten zu über¬ 
lassen und zum Kampfe gegen die Cholera auch Personen 
znznlassen. die ausländische medizinische Fakultäten absolviert 
haben. 

— Wir bringen nachstehend eine Schilderung einer Ver¬ 
gewaltigung v o n drei A e r z t e n in dem jetzt so beleb¬ 
ten Cbarbin (Sibirien), die kaum glaublich erscheinen würde, 
wenn sie nicht in einem Tagesbefehl des Kommandanten der 
Stadt, Generals Nadarow ihre Bestätigung finden würde. Die¬ 
ser Tagesbefehl lautet ln der «Wost. Obosr.» nach einem 
Referat der «Rig. Rundsch.» folgendermasseu: 

In der Nacht vom 11. auf den 12. November v. J. nähmen 
drei Aerzte ausCharbin einen Fuhrm inn an, um zu fahren. 
Dieser wollte jedoch nichtfahren, die Polizei mischte sich hinein, 
ein Hanfe von Fuhrleuten sammelte sich an und die Aerzte 


Digitized by CjOOQie 



wurden iu die Polizei-Bezirksverwaltung abgeführt, d. h. man 
brachte sie blos aut' den Polizeihof, wo eie, ohne dass ein 
Protokoll anfgenommen wurde, eine Tracht Prügel er¬ 
hielten und darauf ira Arrestlokal mit 35 dort schon befind¬ 
lichen Vagabunden eingeschlossen wurdeu. Das Verlangen 
der Aerzte. der Polizeimeister oder ein Polizeioffizier solle 
erscheinen, wurde vom Polizeiwachtineister keiner Beachtung 
gewürdigt. Die Aerzte mnssteu im engen und dunklen Arrest- 
lokal bis 11 Uhr vormittags des 12. Nov. verbleiben und wur¬ 
den darauf entlassen. Bin deputierender Revieraufseher war 
in der Nacht nicht anwesend und pflegte, wie die-Untersu¬ 
ch ong ergab, überhaupt nicht nachts auf seinem Posten zu 
sein. General Nadarow verhängte hierauf folgende Strafen: 
Der Fuhrmann wurde aus Charbiu ausgewiesen, 3 Polizei¬ 
beamte wurden mit 30 Tagen Atrest auf der Hanptwacbe und 
Uebertührung zur Front bestraft, der Polizei Wachtmeister 
wurde entlassen, der Stadtteilspristaw Stabsrittmeister Doliuski 
erhielt 10 Tage Arrest, der Polizeimeister von Charbin Stabs- 
rittmeister v. Ziegler erhielt einen Verweis, der Polizeichef 
auf dem Territorium der ostchinesischeu Bahn Oberstleutnant 
Sarembo eine Bemerkung. Der Chef der genannten Bahn Ge¬ 
neralmajor Chorwat wurde ersucht, die gesetzliche Ordnung 
in der Charbinschen Polizei wiederherzustellen und euergi- 
sehe Massnahmen zu treffen, dass sich dergleichen Vorgänge 
nicht mehr wiederholen. 

— Der verdienstvolle Herausgeber und Redakteur einer 
der ältesten russichen medizinischen Zeitschriften, der «Me- 
dizinskoje Obosrenije»(Medizinische Rundschau). Dr. 
W i 1 h. Sprimon, ist wegen Krankheit von der Redaktion 
derselben znrückgetreten. 31 Jahre hiudurch hat S p- das von 
ihm zn einer Zeit, wo die russische medizinische Literatur 
noch sehr spärlich gesäet war, gegründete Journal allein re¬ 
digiert und unentwegt weilergeführt, obschon der materielle 
ISrtolg ein recht kärglicher war, sodass zuzeiten das Weiter¬ 
erscheinen des Journals sogar in Frage gestellt wurde. Jetzt ist 
die «Medizinskoje Obosrenije» in den Besitz der Gesellschaft 
russischer Aerzte in Moskau übergegangen, welche die Re¬ 
daktion des JouruaU dem Dr. Michael J a k o w 1 e w über¬ 
tragen bat. 

Bf. 

— Die Gesamtzahl der Kranken iu den Civil- 
hospitälern St. Petersburgs betrug am 5. Febr. 
d. J. 10247 (181 mehr als in d. Vorw.), dar unter 1047 Typhus — 
(126 mehr). 967 Syphilis — (22 mehr), 289 Scharlach —(10 mehr), 
110 Diphtherie — (3 mehr), 48 Masern — (5 mehr) und 13 
Pockenkranke — (1 mehr als in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 30. Januar bis zum 5. Febr. 1906. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: °.2'2'9'S'fi'5'2-3-S-S-S ja a 
-••- a § 

“• w. *. T 7 T 7 7 ? ?!!! 7 ? i 1 

ICD"—r—| 

483 406 889 223100 162 15 15 24 68 62 68 54 57 32 8 1 


2) uacb deu Todesursachen: 

— Typh. exanth.4. Typh. abd.34, Febris recurrensO f Typhus 
ohne Be8timmnngder FormO, Pocken 1, Masern 19. Scharlach 18, 
Diphtherie 23, Croap 0. Kenchhasten 5, Croupöse Lungen¬ 
entzündung 27, ErysipelAS 4, Grippe 14, Katarrhalische Lun¬ 
genentzündung 149, Ruhr 2. Epidemische Meningitis 0, Akuter 
Gelenkrheumatismus 0, Parotitis epidemica 1, RoLzkrankheitO, 
Anthrax 0, Hydrophobie 0, Puerperalfieber 1, Prämie nnd 
Septicanmie 13, Tuberkulose der Langen 109, Ta berkalose an¬ 
derer Organe 20, Alkoholismus und Delirium tremens 7, Le- 
beu8schwäche und Atrophia infantum 53, Marasmus senilis 27, 
Krankheiten des Verdannngskanals 110, Totgeborene 36. 


♦- Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag, d. 22. Febr. 1905. 

Tagesordnung: 0. Moritz: Znr Kenntnis der Ei¬ 
weisskörper im nepbritischen Urin. 

Nächste Sitzung des Deutschen Ärztlichen 
Vereins: Montag, den 14. März 1905. 


ANNONCEN JEDER ART werden in der Buohhandlung von K. L. KICKER in 
St. Petersburg, Nevsky-Pr. 14, sowie in allen in-nnd ausländ. Annoncen-Comptoiren angenommen. 


Ein sehr nützliches Produkt aus Caseara-Sagrada 


SPECIFIflU E 

: LEPRIN m 






Medizinische Akademie 
12. Jnli 1892. 

Akademie d. Wissenschaften 
1. April 1893 n. 3. Jnli 1899. 


„CASCARINE 


C ia H 10 0 5 


LEPRINCE 


Erprabt: bei gewöhnlicher Verstopfung, Leberleiden, als antiseptisches Mittel 
Für die Verdauungsorgane; bei Atonie des Verdauungskanals, Verstopfung bei 
Schwangeren and mit der Brust Stillenden, und gegen Gallenstein. 

Gewöhnliche Dosis in Pillen: 2 Pillen nach dem Essen oder zur Nacht vor 
dem Schlafengehen. 

Haupt-Depot: 62, rae de la Tour, Paris. 

Depot in allen Apotheken und Drof/uenhandlungen. 



Digitized by kjOOQie 













67 


Bester Jodoformersatz. 

Im Gebrauch geruchlos, 
keimfrei, ungiftig selbst 
bei innerlicher Darrei- 
chung grosser Dosen 
als Darmantiseptikum. 

Schmerz- und blutstillend, nicht reizend, kein Ekzem erzeugend. Kräfti¬ 
ges Desodorans, eminent austrocknend und epithelbildend. Spezifikum 
bei olcns crnris, Intertrigo, nässenden Ekzemen, Yerbrenunugen. Spar¬ 
samer Verbrauch, daher billig in der Anwendung. 

Bruns’sche Xeroform-Paste. 

» Creosotal ^Heyden- ist 
nicht nur bewährtestes 
Antiplithisiknm, sondern 
auch Spezifikum, bei 

ii ... . nicht tuberkulösen In¬ 

fektionskrankheiten der 

Luftwege. Rapide Heilung von Pneumonie (auch Broncho-, Masern-, 
Influenza-, Diphtherie-Pneumonie) durch grosse Dosen Creosotal: 10 bis 
15 g pro die in 4 Portionen, bei Kindern Tagesdosis 1 bis 6 g. 

Proben nnd Literatur dnrch 

Chemische Fabrik v. Heyden, Radebeul-Dresden 

oder deren Vertreter: (20) 11—3. 

R. Crottet, W. O., Sredny Prosp. 8, St. Petersburg. 





E U C H I N I N 

Entblttertes Chinin, gleiche Heilwirkung wie letzteres bei Fiebern, 
Influenza, Typhus, Keuchhusten, Malaria and Neuralgie. 

V A L I 0 0 L 

Energisches und dabei reizloses Analeptioum, Antihysterioum, Antineu- 
rasthenicum nnd Stomachicum; ferner gutes Mittel gegen Seekrankheit 

VALIDOL-PERLEN 

Enthaltend je 0,2 gr. reines Valldol, empfehlen sich der sioheren Do¬ 
sierung halber, lösen sich sofort im Magen. 

--- (5) 4 _ 3 

Muster nebst Literatur stehen den Herren Aerzlen kostenlos zur Verfügung. 


Medicinischer Verlag von Georg Thieme in Leipzig. 

Soeben erschienen: 

Geschlechtskrankheiten, Lehrbuch. 

Dr. Max Joseph. 4 vermehrte Auflage, 

54 Ahbildg. und 3 färb. Tafeln 7.—. geb. 8.—. 

Gynaekologischer Operationskurs, Leitfaden. 

Dr. G. Orth mann 2. erweiterte Auflage. 

95 färb. Abbildg. geb. M. 4,50. 

Vorträge über praktische Therapie 

herausg. v. Prof. Dr. Schwalbe 

(a. d. Deutschen Medizinischen Wochenschrift). 

iä©ft 1. 

Indikationen und Methodik der Digitalistheraple. Prof. Dr. H. Eichhorst 
in Zfiihl. — Diagnose und Behandlung der Frtihstadien der Tabes, (ieh. Med.-Kat 
Piol Ir. f. Schnitze in Bonn. — Leber die Behandlung des Pancritium. Geh. 
Üfd.-pM I ruf. Dr B. Bi edel in Jena. — Ueber die Behandlung nnd Heilungs- 
aussiclMi der Steiiliiät bei der Frau. Geh. Med.-fiat Prof. Dr. E. Bumm in 
Berlin. — Leber die Behandlung der Netzhautablösung. Geh. Med.-fiat Prof. 
Dr. B. .Sattler in Leipzig. 80 Pfennige. 


^KURANSTALT HAINSTEIN, 

& NAHE DER WARTBURG + 

jda$ganzejakrgeöffnet{ 

f LEITENDERARITDR.HESS. 

it ^ * 


Wasserheilanstalt 

Traunstein- Oberbayern 

Sanatorium ffir Nervp,nkraike 

Das ganze Jahr geölfuet. Lener und 
Besitzer Dr. tned. G. Wolf. 

Sanatorium Villa Primavera. 

Gardone Riviera, Italien. 

Prospekte des Sanitätsrats Dr.Koenigor. 

V -V * VV VJV V V - V V V V V V V -v 

. A A A A*A A A A A A A A A A A A A A A A A y -V 

Im Deutschen Alexander-Hoapitai wird 
Nachweis ertheilt Aber zur Zeit dienst¬ 
freie Pfleger and Pflegerinnen ffir die 
private Krankenpflege (gegen Zablnng 
von 50 Cop.). 

Adressen von Krankenpflegerinnen: 
Frau Tursan, Cnaccnaa 21, kb. 6. 
Alexandra Kasarinow, HnKoaaeBCBes 
yj. i. 61. kb. 32. 

Frau Elvine Juokam, Bac. ocTp., 5uo. 
68, kb. 96. 

J. Krohn, Boabin. UoxbflqecKaa 23, kb. 8, 

XXXXXXXXXXXXX 
X S X 


X .§ 

x £ 

X ® 

X a3 • 
X ® fe 

x -g ■■£ 

X 09 N 
XE E 

V CO CO 


® • u 

I- ® «J 
® 3S ® 

© 


s ® fc « co 
-3 I 
£ ** 


Ix.. 3 
s ~ .2ä s 


CO Ph 


o 53 « ► 

3 8|s g> & 

.5 5 $ 2 

u ® s a g •§ 

* I|I z * 

> sä® p * 

§ ^«2 *2 8f 

(—■ | S«3 +■* 

*3 O ® *- »B « 

I -ii« s i 

e 

X S 0X3 O * 
JJ —. Kr cd ml 

o) ,0 hc 0 

x iH a I 


- 

-S ’S 

«Ss & E« 

s h 2 * • 8 

® N « p Ö g. 


B 2 | 

-Ml 

Sb? 


xxxxxxxxxxxxx 


Digitized by 

















Jhioeol 

„Boehe“ 


bestes Gnajacol- 

{ irtparat, wasser- 
öslleh, geruchlos, 
angiftig. 
Voraügl. Aotl- 
tnbercul. und Antl- 
Disrrholcum. 



.Boche“ 


▼erltssllchste. 

S mste ana 
te Verab- 
mrsform 
des Tbloools. 


Su/fosof 
syrup 
„ Boche“ 


entgiftete« 
Kreosot ln Syrnp- 
form, eignet sich 


ud Ks sssn pf üs. 


Thiffenol„Roch 




Si/n iß& ÜscRq s Scfisoefelprä* 
parat mit 10% organ. ge~ 
Sundenem Scfizoefel. 

Br an ne, dicksyrupöse, geschmacklose, im Gebrauch geruchlose un- 
giftige Flüssigkeit. Leicht resorbierbar, wirkt nicht reizend, sondern 
milde, Juckreiz- und schmerzlindernd, lässt sich leicht mit Wasser ab- 
wascheu und fleckt nicht die Wäsche. 

Als Schwefelpräparat und als vorzüglicher Ersatz für Ich¬ 
thyol angezeigt bei: 

Ekzem, rein oder 20°/o Salbe (sofortige Abnahme des Juckens, des Näs- 
seu8 und der Infiltration); Pruritus und Urticaria (sofortige jnckstil- 
lende Wirkung); parasitäre Oarmatosen wie: Scabies (Einreibung mit 
grüner Seite, nach 1 Stunde Bad, vollständige Einreibung mit Tbigenolum 
purum, abends 2. Thigenoleinreibung. ln 2 Tagen Heilung); Favus etc.: 
Akne ; gynäkologischen Affektionen wie: Endo-, Para- und Perime¬ 
tritis,, Beckenexsudate, als 10—20°/o Thigenolvaginaltampons oder 
Suppositorien ä 0,b0; Rheumatismus (Einreibungen mit Thigenol, Chloro¬ 
form ac. 10,0, Spir. champhor 40,0); Erysipel (pur oder 10°/# Salbe)- 
Fissura ani, Haemorrhoiden etc. 

Alleinige Fabrikanten: 

F. Hoffmann-LaRoche & Cie., FaM Cta-ibaiH. MOite 

Basel (Schweiz) Grenzach (Baden). 

(13) 11-5. 


Sirofin 

„ Roe/io“ 


wohlriechender, 
angenehm 
schmeckender 
Syrup, Idealste 
Form der Kreo¬ 
sot-Therapie. 


Jh'ro/ 

„ Roche?* 

bester, geruch¬ 
loser Jodo- 
formersats. 


Proty/in 

„Boche ", 


haltbares Phosphor 
eiwalss. Wirksame' 
als die bisherigen 
organischen 
and snorgsnischei. 
Phos phor- u. Phos- 
nhormMurepripsrate 



Ausgezeichneter Ersatz für Bromalkalien — beson • 
ders teert voll, in der Frauen- und Kind erpraxis. — 
Bromipin kann unbedenklich in grösseren Posen 
gegeben werden. 

_ (12) 13—7. 


Ein mit des, relativ ungiftiges, in Wasser leicht 
lösliches Morphinderivat von hervorragender 
schmerz- und hustenstillender Wirkung. Ist in 
allen Eli/len als Ersatzmittel für Morphium und 
Co dein mit Butzen zu verwenden. 


Der beste Ersatz für .Todalkalien. Anerkanntes 
Mittel bei Ettes, Bronchitis, Arteriosklerose, Skro- 
phiilose, Tnbcrkulosis incipiens, sowie in allen an¬ 
deren Eli!len . in denen Jodpräparate indiziert sind. 


NATÜRLICHE 

MINERALWASSER 


VICHY 


Die (Juelien gehö¬ 
ren der Französi¬ 
schen Regierung. 


Man hüte sich vor Nachahmungen und bezeichne genau die Quelle. 


VICHYcelestims 

VICHY GRANDE GRIILE 

VICHY HOPITAL 


Nieren-, Harnblasen-, Magen- 
Krankheiten. 


Leber- nnd Gallenblasen- 
Kranklieiten. 

Krankheiten der Verdauungs- 
Organe, des Magens und der 
Därme. (2) 18—16. 


Adressen von Krankenpflegerinnen: 

Luitgart Heimberger, Bac. OcTp.. 6 
JIHH., x. 29. RB. 13. 

Frau Marie Kubern, Gr. Stallhofstr. 
Hane d. Finnischen Kirche 6—8,Q. 19. 

Fran L. A. Bogoslowskaja. Erteleff 
Pereulok M 16, Qn. 6. 

Elise Blau, JlaroBCKan 58, kb. 15. 

Marie Winkler, yr.CojsHoaa nep. a II ax- 
TfljelMOBcaoä yj. r. 4, kb. 11. 

Frao Minna Rieser, geh. Pranke. Cn- 
pbifi neTeproifccKift npoen., x. 16\ 
kb. 28, y HoBo-KanaHRHHa MocTa. 


Aobb. neHs. Cnfi., 18<X>eBpaxH 1905r. Heraasgeber Dr. Rudolf W anacb. Buchdrncfcerei v.A. Wienecke,KatharinenboferPr. J4 16- 


















XXX, JAßfcGAtttf. 


ST. PETERSBURGER 


Nene Folge XXIt. Jahrg. 


GENERAL Li j:MRY. 

UNIV. 01 /,uwri. 

APR 7 !9u: 


MEDICIKISCIE W0CIEBSDER1FT 

unter der Redaktion von 


Prof. Dr. Karl Dehio, 


•Jurjew (Dorpat). 


Or. Johannes Krannhals. 

Riga. 


Or. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger Medicinische Wochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend.—Der AbonnemonUproia ist in Btusland8 Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. för das halbe Jahr incl.Postzustellung; in den anderen 
Ländern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Derlnsertlonspreia 
f Or die 3mal gespaltene Zeilen inPetitist löKop.odet*35Pfen.—»Den 
Autoren werden 25 Separatabzögeihrer Origmalartikelzugesandt. 

-Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


Abonnemente-Aufträge sowie alle Inserate 9m 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von K. L. Licker 
in St. Petersburg, Newsky-Prospekt 14, zu richten. — Manns- 
cripte sowie alleaut die Redaktion bezüglichen Mittei lungenbit- 
tet man an den stellvertretenden geschäftsführendenRedak- 
teurDr.E-Bleseig in St. Petersb., Wassili Ostrow, 1 Linie X° 28 
zu richten. Sprechstunden täglich von 4—6 Uhr._ 


Infolge Erhöhung der Preise für Druckarbeiten sind wir genötigt die Insertionspreise 
vom 1. April 1905 an zu erhöhen und zwar von 16 auf 20 Kop. (von 36 auf 
46 Pf.) pro Zeile der 3 mal gespaltenen Seite zu berechnen. 


M 8 


St. Petersburg, den 26. Februar (11. Mörz). 


1905. 


Inhalt: Dt. C. Ströhmberg: Die Abnahme der Gonorrhoe bei den Dorpster Prostituierten seit dem Jahre 1898. ^ 
BHcheranzelgen und Besprechungen: Sammlung zwangloser Abhandlungen ans dem Gebiete der Nasen-, Olneti-, Mund- 
■nd flalskrankbeiten. Heranafefebeo von Dr. Gustav Heermann. — Neuburger und Pagel: Handbuch der Geschichte 
der Medizin. — Mitteilungen ans der Gesellschaft praktischer Aerzte zu Riga. — Nachrichten von Kollegen 
ans dem fernen Osten. - Vermischtes. — Mortalitäts-Bulletin 8t. Petersburgs. — Anzeigen. 


Die Abnahme der Gonorrhoe bei den Dorpater 
Prostituierten seit dem Jahre 1898. 

(Vortrag, gehalten in der Dorpater medizinischen Gesellschaft 
am 13- Oktober 1904.) 

Von 

Dr. C. Ströhmberg. 

Bevor ich die kleine Zahlenreihe vorlege, welche den 
Schwerpunkt dieser Erörterung bildet, und welche, wie 
mir scheint, als weiterer Beweis für den Nutzen der 
Kontrolle der Prostitution dienen kaan, sofern die letz¬ 
tere entsprechend den Anforderungen der Wissenschaft 
organisiert wird, ist es erforderlich, in aller Kürze die 
Strömungen zu berühren, welche gegenwärtig die An¬ 
schauungen über die Kontrolle beeinflussen. 

Seit der ersten internationalen Brüsseler Konferenz . 
im Jahre 1899, also seit nnnmehr 5 Jahren, ist ein 
allgemeines reges Interesse für den Kampf mit den Ge¬ 
schlechtskrankheiten in West-Eoropa erwacht. Auch in 
Russland besitzen wir ein nenes humanes Regulativ über 
die Organisation der Kontrolle der Prostitution vom 
8. Oktober 1903, welches sein Entstehen dem St. Pe¬ 
tersburger amtlichen Kongresse vom Jahre 1897 ver¬ 
dankt. Man hat es also im grossen und ganzen mit ei¬ 
ner erfreulichen Bewegung auf diesem Gebiete zd tun, 
insofern als man sich nicht mehr scheut, diesem früher 
mit Soheu gemiedenen Thema in grossen öffentlichen 
Versammlungen seine Aufmerksamkeit zuzuwenden. Die 
ärztliche Aufgabe auf diesem Kampfesgebiete besteht 
vor allen Dingen in der Entdeckung und ärztlichen Er- 
forscbnng der Hanptquelle der Geschlechtskrankheiten. 
Nachdem der erste Teil dieser Aufgabe schon lange ge¬ 
löst ist, indem man in der Prostitution die Quelle der 
grossen Verbreitung der Geschlechtskrankheiten erkannt 
hat, erübrigt die Erforschung der psychischen Eigentüin- 


licbkeiten der Prostituierten und der Intensität der Ver¬ 
breitung der Geschlechtskrankheiten unter ihnen. Wenn 
auch in diesem Teile der Frage schon viel geschehen 
ist, so bedarf es doch noch recht ernster Arbeit auf 
demselben, ora die gefundenen wissenschaftlichen Wahr¬ 
heiten zum Allgemeingut von Aerzten und Laien zu 
machen. Immerhin genügt das bisher Geleistete schon zu 
der Erkenntnis, dass eine intensive ärztliche Behand¬ 
lung der Prostituierten anzustreben ist. Allein die Durch¬ 
führung der Behaudlnng hat bisher fast überall noch 
sehr viel zu wünschen Übrig gelassen. Vom ärztlichen 
Standpunkte aus besteht somit der Schwerpunkt der 
Frage in einer Vervollkommnung der Behandlung, ent¬ 
sprechend den psychischen und pathologischen Eigen¬ 
tümlichkeiten der Prostituierten nnd dem Wesen der 
Geschlechtskrankheiten. Von diesem Standpunkte aus ist 
es zu bedauern, dass die Frage der Bekämpfung der 
Geschlechtskrankheiten* so zu sagen, Modesacbe gewor¬ 
den ist, denn es beteiligen sich an den Verhandlungen 
der Prostitutionsfrage gegenwärtig sehr viele Elemente, 
denen das vom ärztlichen Standpunkte Wichtigste, die 
Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, nebensächlich 
erscheint, oder die sich gar feindlich zur ärztlichen 
Aufgabe stellen. Ein Erfolg im Kampfe gegen die Ge¬ 
schlechtskrankheiten ist aber nnr von einer rein ärzt¬ 
lichen Tätigkeit zu erwarten, abgesehen von allen abo- 
litionislischen oder sozialdemokratischen Nebeurücksich- 
ten, welche au und für sich weder mit der Psychologie, 
noch der Pathologie, noch der Therapie im mindesten 
etwas zu tun haben. Die der ärztlichen Tätigkeit hin¬ 
derlichen Elemente zeichnen sich zudem durch ihre lei¬ 
denschaftliche Propaganda aus. Daher trifft man in 
Ihren Polemiken anstatt wissenschaftlicher Deduktion 
und Beweisführung mitunter Beleidigungen gegen 
Andersdenkende und Eutstpllungen der Aeusserungen 
der Gegner. Das hindert bedauerlicher WeUe die all - 


' Digrtized by 


y Google 




Id 


gemeine Anerkennung bereits .festgestellter wissenschaft¬ 
licher Tatsachen. Es liegt ja in der Natur einer Mode- 
sache, dass sie mehr einer gegebenen Geschmacksrich- 1 
tnng, als den wissenschaftlichen, im vorliegenden Falle 
den hygienischen Anforderungen entspricht. Die moder¬ 
nen Verhandlungen über die sexuelle Abstinenz, die 
geschlechtliche Aufklärung der Jugend, die Schäden der 
Kurpfuscherei, die Beteiligung der Krankenkassen an 
dei* Behandlung der Kranken durch Rekonvalescenten- 
heime für Syphilitische, über die Melde- und Verschwie¬ 
genheitspflicht der Aerzte bezüglich der in Betracht kom¬ 
menden Krankheiten, über die Fürsorgeerziehung der 
minderjährigen Prostituierten u. s. w. sind ja ganz 
dankenswert. Wichtiger aber als alle diese an und für 
sich sehr lobenswerten Bestrebungen ist und bleibt im 
Kampfe mit den Geschlechtskrankheiten die Unter¬ 
suchung und Behandlung der Prostituierten. Dieses hei¬ 
kel© Thema wird nur zu gern umgangen. Es muss zu¬ 
gegeben werden, dass die ärztliche Kontrolle, wie sie 
früher geh&ndhabt wurde und auch jetzt noch vielfach 
gehandhabt wird, eine öde • Beschäftigung darstellt, die 
daher nur zu gern mit Schweigen übergangen wird. 
Sie hört aber auf unerspriesslich zu sein, sobald sie 
rein klinisch durchgeführt und das grosse Ziel des 
Nutzens der Allgemeinheit nicht aus den Augen gelas¬ 
sen wird. Es ist immer und immer wieder zu betonen, 
dass bei der Bekämpfung von Krankheiten vor allem 
der ärztliche Standpunkt‘Berücksichtigung verdient, und 
dass die zweckmässige Behandlung als Hauptthema zu 
gelten hat, während alle andere Fragen höchstens als 
unterstützende Momente in Betracht kommen können. 
Und doch hat, trotz der Beteiligung Fournier’s und 
trotz seiner nicht anzuzweifelnden Autorität auf dem 
ärztlichen Gebiete dieser Frage, die von der französi¬ 
schen Regierung am 18. Juli 1903 eingesetzte, aus 70 
Mitgliedern bestehende, ausserparlamentarische Kommis¬ 
sion zum Studium der mit der Sittenpolizei und der 
Ueberwachung der Prostitution etwa verbundenen Miss¬ 
stände in einer Sitzung vom 10. Juni 1904 sich mit 
19 gegen 10 Stimmen für die Abschaffung der Regle¬ 
mentierung der Prostitution .ausgesprochen, weil nicht 
ärztliche, sondern stärker vertretene abolitionistische An • 
Behauungen den Sieg'davontrugen. 

Also nicht Verbesserung des mangelhaften, sondern 
Vernichtung des in Frankreich geübten ungenügenden 
Schutzes gegen die Geschlechtskrankheiten wird verlangt, 
obgleich der heutige Zustand der Dinge auf’s dringendste 
besondere Massregeln erfordert. 

Zum spontanen Verschwinden der Geschlechtskrank¬ 
heiten wären folgende, zur Zeit unerfüllbare, Bedingun¬ 
gen erforderlich: 1) dass die Erkrankten ihre Krank¬ 
heit rechtzeitig erkennen (unmöglich bei sehr vielen 
Syphilitikern und bei den meisten Gonorrhoen der Wei¬ 
ber), 2) dass sie sich alle rechtzeitig in Behandlung be 
geben (zunächst noch ebenso unerreichbar wie die erste 
Bedingung), 3) dass in jedem Falle die erfolgte Heilung, 
oder zum mindesten das Schwinden der Infektiosität 
ärztlich konstatiert werde (auch zur Zeit ein pium 
desiderium), 4) dass die Kranken während ihrer Infek¬ 
tiosität alles beachten, was die Ansteokung anderer 
verhindert (sehr viele verbreiten diese Krankheiten, 
ohne es selbst zu wissen, einige aber auch wissentlich). 

Die Erfüllung der angegebenen Bedingungen und also 
auch das spontane Aufhören der Verbreitung dieser 
Krankheiten, oder auch nur eine Verminderung dersel¬ 
ben ohne besondere Massregeln ist nicht zu erwarten. 
Da es, wie immer wieder hervorzuheben ist, unerschüt¬ 
terlich feststeht, dass die meisten dieser Infektionen von 
der Prostitution ausgehen, einer Bevölkerungsgruppe, 
welche selbst bei ihrem gewerbsmässigen antisozialen 
Verhalten in besonders hohem Grade den geschlecht¬ 
lichen lufektionen ausgesetzt ist, und welche, abgesehen 


von wenigen Ausnahmen, nicht die. mindeete Neigung 
bat, die oben aufgestelllen Bedingungen zu erfüllen, 
lind sich' stationär behandeln zu lassen, so sind zum 
erfolgreiche!) Kampfe “mit den Gesdhlechtskranktietten 
besondere Massregeln; gerade gegqn diese' in so hohem 
Grade gesundheitsgefährlichen Eletneote zur Zeit noch 
unumgänglich notwendig. Es ist eine, von mir schon oft 
betonte, elementare Wahrheit;' dass solche Massregeln 
in einer besonders sorgfältigen ärztlichen Beobachtung 
und Behandlung dieser antisozialen Elemente und für 
den Fall der Weigerung im Zwange zur Beobachtung 
des Erforderlichen, oder kurz, in der ärztlichen Kon¬ 
trolle der Prostitution zu bestehen haben. Diese Forde¬ 
rung fusst, ausser auf den psychologischen Eigentüm¬ 
lichkeiten der Prostituierten, auf dem gerechten Ver¬ 
langen der allgemeinen Prophylaxe und auf dem beson¬ 
deren Charakter der hier in Betracht kommenden Krank¬ 
heiten. Bei der Prophylaxe der Cholera, des Abdominal¬ 
typhus, der Dysenterie wenden wir unser Hauptaugen¬ 
merk auf das Trinkwasser, als das hauptsächlichste Ver- 
breitungsmittel dieser Krankheiten, bei der Pest auf 
Ratten und Mäuse und überhaupt auf die Umgebung der 
Kranken, bei der Malaria auf Moskitos, beim Milzbrand 
und der Lyssa auf die damit infizierten Tiere. Bei Tu¬ 
berkulose, Pneumonie, Influenza und Kenchhusten be¬ 
halten wir die Möglichkeit der Tröpfcheninfektion durch 
die Ausatmungsluft im Auge, bei Scharlach, Maseru und 
Pocken die Stäubcheninfektion. Bei den letzteren sieben 
Krankheiten spielt ausserdem der unmittelbare Kontakt 
eine Hauptrolle bei der Verbreitung. Es tritt hier bei 
den akuten Erkrankungen die Isolierung in ihre Rechte. 
Bei der Tuberkulose lässt sich der unmittelbare Kontakt 
unschwer vermeiden, sobald die Wohnungsverhältnisse 
es gestatten, und die Kranke sowie die Umgebung auf 
die Notwendigkeit der Vermeidung des Kontaktes auf¬ 
merksam gemacht worden sind. In zweiter Linie kom¬ 
men bei allen genannten Krankheiten auch andere Ver- 
breituugswege von ipehr oder minder grosser Bödeutuug 
in Betracht. Bei der Verbreitung der Syphilis und bei 
der Gonorrhoe hat fast nur ein unmittelbarer, und zwar 
ein sehr inniger Kontakt Bedeutung, die Berührung mit 
der Umgebung des Kranken aber spielt hier nur eine 
nebensächliche Rolle. Der innige Kontakt wird von 
den Prostituierten gewerbsmässig zur Bestreitung ihres 
Unterhaltes mit einer möglichst grossen Zahl von Män¬ 
nern bald hier, bald da, heute in dieser Stadt, morgen 
in einer andern gesucht. Da sie den sehr schwer zu be¬ 
herrschenden Geschlechtstrieb der Männer exploitieren, 
so beruht ihr Gewerbe auf einer nimmer sich erschöpfen¬ 
den Nachfrage. Es kann hier daher bei der Unmöglich¬ 
keit, den Kontakt zu verhindern, kein anderes prophy¬ 
laktisches Mittel geben, als die Verminderung der Ge¬ 
fährlichkeit des Kontaktes durch kouseqnente Behand¬ 
lung und durch die Isolierung für die Zeit besonders 
ansteckender Perioden ihrer Krankheiten. Denn die ab¬ 
solute Isolierung, welche bei akuten Infektionskrankhei¬ 
ten unschwer durchgesetzt werden kann, fst bei dem 
chronischen Verlauf ihrer Krankheiten undurchführbar. 

Wie wir soeben gesehen haben, ifet es aber heutzu¬ 
tage leider Modesache die Kontrolle der Prostituierten 
anzugreifen und zu verwerfen, obgleich der Fournier’- 
sche Ausspruch vom «gesunden Menschenver¬ 
stände» in dieser Angelegenheit gleichzeitig zum ge¬ 
flügelten Worte geworden ist. Fournier sagt nämlich 
etwa folgendes: Falls man eine kondylomatös syphiliti¬ 
sche Prostituierte, anstatt sie im Kraokenhause zn inf 
ternieren, frei herumvagieren Hesse, so würde sie, wie 
es der gesunde Menschenverstand lehrt, täglich eine ge¬ 
wisse Anzahl von Infektionen veranlassen können, welche 
dank ihrer Internierung unterbleiben müssen. 

Auch bei uns zu Lande inacht sich diese bedauerliche 
Störung geltend. In Tschernigow äusserte ein ange* 


Digitized by Google 



71 


sebener.Stadtverordneter bei,-Gelegenbeit der Beratung 
der Reorganisation der, Kontrolle im Eifer der Diskus¬ 
sion, er habe ruhig Verurteilungen zur Zwangsarbeit 
mit unterschrieben, er wünsche . aber nicht dasjenige 
Glied des Stadtamtes zu sein, dem es in der Komitee¬ 
sitzung obliegt, die Bezeichnung «Prostituierte» zu ver¬ 
merken und ein. mit dieser Bezeichnung versehenes Do¬ 
kument einer gefallenen Frau einzuhäudigen. In Jalta 
erwiderte die Sanitäts-Kommission, welche sich über 
das neue Regulativ äussern sollte, dass daselbst die 
Prostitution keiue merklichen Dimensionen besitze. 

Es haben also die Beobachtungen, welche einen Er¬ 
folg der Kontrolle beweisen können, gerade in gegen¬ 
wärtiger Zeit eine' grosse Bedeutung. Bevor man einen 
solchen .Beweis beginnt, ist es zweckmässig, sich über 
das .Mass des Erreichbaren klar zu werden. Voraus¬ 
setzung irgendwelchen Erfolges ist natürlich ein streng 
wissenschaftliches ärztliches Vorgehen. Da die Prosti¬ 
tuierten ein ausserordentlich fluktuierendes Element der 
Bevölkerung darstellen und heute in einer, morgen in 
einer anderen Stadt ihr Wesen treiben, so können 
durchschlagende Erfolge auch nur von einer überall 
wohlorganisierten wissenschaftlichen ärztlichen Tätigkeit 
erwartet werden. Leider muss man bekennen, dass zur 
Zeit eine allgemeine wissenschaftliche Organisation der 
ärztlichen Tätigkeit fehlt, und dass die Entwickelung 
einer solchen durch die Propaganda der Abolitionisten 
und Sozialdemokraten verhindert wird. Die Tätigkeit des 
einzelnen nach wissenschaftlichen Prinzipien Arbeitenden, 
lässt sich daher unter Umständen mit der Aufgabe eines 
Arbeiters vergleichen, welcher ‘das Innere eines, in 
einen Sumpf gestellten, durchlöcherten Fasses rein er¬ 
halten st ll. Während er mit dem Ausschüpfen beschäftigt 
ist, dringt aus der Umgebung beständig neues Surapf- 
wasSer iu’s Fass ein. 

In meiner Arbeit über die Prostitution, welche im 
Jahre 189T erschien, habe ich gezeigt, dass vom 1. Ja¬ 
nuar 1897 bis zum 1. Januar 1899 unter den hiesigen 
Prostituierten der Prozentsatz der condylomatös syphili¬ 
tischen (d. b. der im Laufe der letzten 3 Jahre infi¬ 
zierten) von 33 pCt. auf 21,2 pCt. herabgegangen war. 
Seitdem bat er zwischen 22,3 pCt. und 25,8 pf*t. ge¬ 
schwankt. Ich halte daher 21 pCt.—26 pCt. für das 
miniraum, auf welches die Zahl der condylomatös syphi¬ 
litischen Prostituierten unter den gegenwärtigen Verhält¬ 
nissen hier herabgedrückt werden kann, ln diesem Vor¬ 
trage nun möchte ich unter Hißweis auf die vorliegende 
Tabelle die Frage erörtern, ob es mit Hülfe der mikro¬ 
skopischen Gonokokken-Untersuchungeu und der da¬ 
durch bedingten sorgfältigeren Behand¬ 
lung gelingt, die Zähl der gonorrhoisch infizierten 
Prostituierten zu vermindern 

Diese Untersuchungen werden zwar seit dem Jahre 
1890 für die Prosiituiertenambulatorien von Neisser 
empföhlen, aber bisher nur in sehr weuigeu Ambulato¬ 
rien durcligeführt. Hier in Dorpat sind sie nach 2-jäh¬ 
riger Vorarbeit seit dem Jahre 1898 im Gange. Beiläu¬ 
fig möchte ich bemerken, dass, wie alle Massregeln der 
Kontrolle, so auch diese sachlichen Untersuchungen 
ausser passiven auch aktive Gegner besitzen. Ich brauche 
nur Kromayer, Loetlie, Behrend zu neunen, 
welche diese Untersuchungen ganz und gar verwerfen, 
ferner Blaschko, Freudenberg etc., welche sie 
nur bezüglich der klinisch Verdächtigen für zweckmäs¬ 
sig «rächten. Es ist aber eine unanfechtbare Tatsache, 
dass bei sehr vielen Prostituierten trotz des Fehlens 
klinischer Erscheinungen Gonokokken gefunden werden, 
und dass wiederum bei anderen die Zeichen eines Cer- 
vikalkatarrhs oder eine Absonderung aus den Skene’- 
schen Lakonen der Urethra vorhanden sein können, 
ohne dass bei wiederholter Untersnchnng Gonokokken 
gefunden werden. Daher ist die Diagnose der Gonorrhoe 


bei den Prostituierten ohne mikroskopische Untersuchung 
ein Ding der Unmöglichkeit. Neisser verlangt, dass 
die mikroskopische Untersuchung der Sekrete der Pro¬ 
stituierten bei jeder Besichtigung ausgeführt werde. 
Sein Schüler Baermann stellt als Ideal eine tägliche 
Untersuchung hin und verlangt mindestens eine 2 mai 
wöchentliche für jede Prostituierte. Er teilt zugleich 
mit, dass er für die mikroskopische Untersuchung von 
140 Präparaten eine Zeit von 5 Stunden nötig habe, 
d. h. etwa 2‘ 4 Minute pro Präparat. Zu dieser Be¬ 
hauptung wäre zu bemerken, dass eine so kurze und 
vielleicht eine noch kürzere Zeit bei positivem Befunde 
genügen kana, dass sie aber für ein negatives Präparat 
ganz ungenügend ist. Bei einer streng wissenschaftlichen 
Untersuchung dürfte inan von einem Präparate nur dann 
behaupten, dass keine Gonokokken darin vorhanden sind, 
nachdem man jeden Punkt desselben geprüft hat. Zu¬ 
verlässige Resultate kann man nur durch die Untersu¬ 
chung mit Oelimmersion erwarten. Hier wird zu diesen 
Untersuchungen das Leitz’sche System i /n benutzt. 
Ein Deckgläschen von 15 mm. im Quadrat enthält nun 
aber 75 3 =5625 Quadrate von 0,2 mm. oder 200 n., 
oder aber 7165 Gesichtsfelder der Leitz’schen Immer¬ 
sion von l jvi. Da bei Lichteindrücken, welche mit einer 
Geschwindigkeit von •/« bis ‘/‘* Secunde erfolgen, sich 
Interferenzerscheinungen geltend machen, so könneu sol¬ 
che bei der Besichtigung jedes Punktes eines Deckgläs¬ 
chens mit Immersion */«* nur dann vermieden werden, 
falls die Besichtigung des ganzen Gläschens mehr als 
6 2 /a Minuten in Anspruch nähme. Diese Zeit ist aber 
noch lange nicht genügend, um jeden einzelnen Punkt 
des Deckgläschens genau zu prüfen. Icli habe zu einer 
genauen Prüfung sämtlicher Punkte eines Deckgläschens 
Vi Stunde nötig. Hier sind auf 70—80 Besichtigungen 
während eiues Ambulanztages nach meinen Erfahrungen 
durchschnittlich etwa zwei positive Gonokokkeubefunde 
zu erwarten. Ich müsste also, falls ich mir zur Aufgabe 
machen würde, von jeder der Besichtigten jedesmal je 
ein mikroskopisches Präparat des Sekretes der Urethra 
und der Cervix in allen seinen Punkten zu durchmu¬ 
stern, jedesmal 140 bis IGO Präparate untersuchen, um 
2 positive Resultate zu erhalten. Wenn diese letzteren 
in 2 Minuten erlangt werden würden, so hätte ich zur 
Durchmusterung der negativen Präparate 68 bis 78 
Stunden nötig. Glücklicherweise kommt man in der 
Praxis ohne diese unmögliche Forderung aus. Bedient 
man sich der von mir schon seit Jahren empfohlenen 
Methode der Prostituiertenuntersuchungen. so kennt man 
seine Patienten schon mehr oder weniger gut. Weiss 
man z. B. von einer Prostituierten, dass man seit Jah¬ 
ren bei keiner Untersuchung Gonokokken, gefundeu hat, 
so Hat inan das Recht sie für minder gefährlich bezüg¬ 
lich der Gonokokken zu halten. Ausserdem giebt das 
Bild der Präparate schon einen Hinweis darauf, ob in 
denselben Gonokokken zu erwarten seien oder nicht. 
Sind io einem Präparate viele Leukocyten vorhanden, 
deren Kerne sich mit Lö ffl er’scher Methylenblaulö- 
sang gut und deren Protoplasma sich gar nicht färbt, 
so dass die Kontouren der Zellen unsichtbar sind, und 
sind ausserdem im Präparate wenig Mikroorganismen 
zn sehen, so hat man io demselben Gonokokken zu er¬ 
warten, und wird, falls man sie nicht schnell findet, 
länger suchen. Sind in einem Präparate vorwiegend Epithel¬ 
zellen und sehr wenig Leukocyten vorhanden, deren 
Kontuuren bei Methylenblaufärbuug deutlich hervortre¬ 
ten, oder aber sind im Präparate sehr reichliche Mikroor¬ 
ganismen vorhanden, so wird man in demselben aller Wahr¬ 
scheinlichkeit nach vergeblich nach Gonokokken suchen, 
und es würde sich nicht lohnen, auf solch’ ein Präparat 
viel Zeit zu verwenden. Falls man Jahre hindurch bei 
einer Prostituierten niem ils mikroskopisch Gonokokken hat 
pachweisen können, so wird ein Auftreten von Goppr 


Digitized by 


Google 



kokken wohl kaum anders als nach einer neuen Infek¬ 
tion zustande kommen können; und diese dürfte sich 
dann wohl auch in den allermeisten Fällen durch mehr 
oder minder deutliche klinische Symptome verraten. Es 
kommen nun freilich Cervical- und Uteruegonorrhöen 
vor, bei welchen zeitweilig positive mit negativen Go¬ 
nokokkenbefunden abwechseln, was wohl daher rühren 
möge, dass das am orificium externum sich zeigende 
Sekret nicht immer von ein und demselben Punkte der 
Schleimhaut der Uterushöhle und des Cervicalkanales 
herrührt. Bei der von mir empfohlenen individualisie¬ 
renden Behandlungsmethode der Prostituierteu entgehen 
aber solche Patientinnen nicht der Aufmerksamkeit und 
der konsequenten teils ambulatorischen, teils stationären 
Behandlung. 

Die im hiesigen Ambulatorium mit gutem Erfolge 
durchgeführte Handhabung des Mikroskopierens ge¬ 
schieht in folgender Weise. Mikroskopische Präparate 
werden bei uns augefertigt: erstens von jeder neu hin- 
zugekommenen Prostituierteu, ferner bei den minimsten 
klinischen Erscheinungen der Gonorrhoe, sodann bei den 
nach der Erfahrung und Beobachtung Verdächtigen und 
endlich bei jeder ohne Ausnahme 3 mal im Semester. 
Eine derartige Verwendung des Mikroskopierens passt 
in den Ramen unserer ambulatorischen Tätigkeit, 'welche 
2 mal wöchentlich eine Arbeit von je 4—6 Stunden 
beansprucht, wobei jedes mal 70—100 Prostituierte 
ambulatorisch besichtigt und zugleich ambulatorisch be¬ 
handelt werden. Es darf nun freilich nicht in Abrede 
gestellt werden, dass hin uud wieder das Uebersehen 
einer vorhandenen Gonorrhoe bei diesem Modus Vor¬ 
kommen kann und tatsächlich vorgekommen ist. Das 
wird aber immerhin viel seltener der Fall sein, al3 bei 
der Unterlassung der mikroskopischen Untersuchung. 
Eine Prüfung durch den verstorbenen Kollegen Bött¬ 
cher, welche darin bestand, dass in einer kurzen Frist 
unter genügender Assistenz fast gleichzeitig von sämt¬ 
lichen Prostituierten Präparate angefertigt wurden, die 
dann in aller Müsse untersucht wurden, ergab nur bei 
solchen Prostituierten positive Befunde, bei denen be¬ 
reits durch die hipr übliche Untersuchung das Vorhan¬ 
densein von Gonokokken konstatiert worden war. Das 
darf wohl als Beweis dafür gelten, dass die Mitte zwi¬ 
schen der unerfüllbaren Forderungen der täglichen Go¬ 
nokokkenuntersuchung jeder Prostituierten und der voll¬ 
ständigen Vernachlässigung der mikroskopischen Unter¬ 
suchung ein sehr gutes praktisches Resultat ergiebt. Es 
kommt nun darauf an zu konstatieren, ob sich solches 
zahlenmässig demonstrieren lässt. Die Zu- und Abnahme 
der Zahl der unter einer gewissen Menge von Prosti¬ 
tuierten nachgewiesenen Gonorrhoefälle kann durch ^sehr 
verschiedene Ursachen bedingt sein, die alle wohl leaum 
aufgezählt werden können, im wesentlichen wird diese 
Zahl wohl meist durch folgende Umstände beeinflusst 
werden. 

1) Bei dem stark fluktuierenden Charakter dieser Be¬ 
völkerungsgruppe kann der Zustrom Gonorrhoischer 
von auswärts sehr wechseln, je nachdem, von wo sie 
kommen. 

2) Schwankungen in der Zahl der gonorrhoischen 
Klienten der Prostituierten müssen auch die Morbidität 
der letzteren bald vergrössern, bald vermindern. 

3) Je genauer die Untersuchung ist, um so mehr Go¬ 
norrhöen werden entdeckt weiden. 

4) Von einer konsequenten Behandlung wird man 
eine Verminderung erwarten dürfen. 

5) Zufällige Fehlerquellen sind um so zahlreicher, je 
komplizierter die Untersuchungsmethode. 

Alle diese Umstände müssen berücksichtigt werden, 
falls man aus der beigefügten Tabelle Schlüsse ziehen 
will. Seit 1902 werden folgende Massregelo gehaudhabt: 
ausser einer stationären Behandlung von durchschnittlich 


einmonatiger Dauer gesteigerte ambulatorische Be* 
handlang, stetige Mahnung der Patientinnen zur Sauber¬ 
keit and häuslichen Weiterbehandlung mit Medikamen¬ 
ten, welche aus dem Ambulatorium unentgeltlich verab¬ 
folgt werden, Empfehlung der Mittel zur persönlichen 
Prophylaxe. 

Aus der Tabelle ist ersichtlich, dass die binnen eines 
Semesters gonorrhoisch befundenen Prostituierten in den 
Jahren 1898—1900 22 pCt. —28 pCt. der Gesamtzahl 
betrugen, dass im Jahre 1901 diese Zahl auf 32 pCt. 
—36 pCt. anschwoll, um schon im Jahre 1902 auf das 
frühere Mass 24 pCt. —25 pCt. herabzugehen, und uni 
sich dann weiter in der letzten Periode 1903—1904 
bis auf 16 pCt. —19 pCt. zu vermindern. 

Diese Zahlen entsprechen vollkommen dem allgemei¬ 
nen Eindruck, den ich bei den hiesigen Untersuchungen 
empfangen habe, indem hier jetzt viel seltener Gono¬ 
kokken gefunden werden als früher; und ich erblicke 
in ihnen den Beweis dafür, dass die Gonorrhoe unter 
den hiesigen Prostituierten tatsächlich abgenominen hat, 
ohne indes bestimmen za können, bis za weichem Mini¬ 
mum sie unter den obwaltenden Umständen reduziert 
werden könute. Sicherlich aber würde dieses Minimum 
um so kleiner werden, je allgemeiner die hier beobach¬ 
teten Prinzipien der Untersuchung and Behandlung der 
Prostituierten auch anderweit acceptiert werden wür¬ 
den. Die erzielten Resultate dürfen jedenfalls als eia 
weiterer Beweis für den Nutzen der Kontrolle ange¬ 
sehen werden. 


b 

Ü3 

Semester. 

Gesamtzahl der Prosti¬ 
tuierten im .Semester. 

Ul 

| a-S c 

O es O ® 

So g? 

00 

® a ® § 

’VZS'Z 

sc 

« ® ® 4) 

£g0 6* 

ö J" 

P* 00 

*- B 

•5.S 

ll 

ca ® 

SB 
z « 

41 

ca 

® T3 

60 a 

9 <0 

a *a 
u* * 

= § ® 

in 

co e co 

c 

® 

öo 

c 

9 

b. 

3 

m 

55 

i» 

‘•8 

* 

1898 

I 

213 

51 

24 h 

89 

42h 

II 

202 

57 

28h 

78 

39 h 

1899 

1 

207 

46 

22h 

55 

27h 

II 

218 

57 

26h 

86 

40h 

1900 

I 

217 

55 

25h 

73 

31 H 

11 

, 

222 

59 

27 h 

88 

40 H 

1901 

, I 

212 

67 

32 h 

94 

44 h 

11 

200 

72 

36h 

94 

47 h 

1902 

I 

204 

52 

25h 

62 

30*4 

II 

206 

50 

24 h 

61 

30°'o 

1903 

1 

220 

36 

16 h 

51 

23°.. 

11 

212 

33 

16 h 

38 

18% 

1904 

I 

213 

42 

19h 

48 

23 h 


BDcheranzeigen und Besprechungen. 


Sammlung zwangsloser Abhandlungen aus dem Gebiete 
der Nasen-, Ohren-, Mund- und Ilalskrankheilen. 
Herausgegeben von Dr. Gustav Heermann. 
Halle a. S. Verlag von Karl M a r h o 1 d. 1904. 

VII. Band, Heft 0—7. Die otogenen Erkran¬ 
kungen der Hirnhäute. Von Dr. Hölscher. 
Stabsarzt in Ul in. 

Auf Grund einer grösseren Anzahl von eigenen Beobach¬ 
tungen und der reichhaltigen Biteratnr versucht Veit, ein 


Digitized by 


Google 



I 


78 


WM der otogenen Erkrankungen der Hirnhäute zn geben. 
Im vorliegenden Doppelhefte werden nur die Erkrankungen 
an der Aussenfläehe der barten Hirnhaut besprochen. Zn- 
niebat werden vom Verf. die Wege beschrieben, auf welchen 
eine Poc^enhfihleneiterpjig in das Schttdetinnere Vordringen 
kann und darauf die Aetiologie, klinischen Erscheinungen, 
Diagnose und operative Behandlung des Extraduralabszesses 
ausführlich erörtert. Die Darstellung ist duich zahlreiche 
Krankengeschichten illustriert, ist überall klar und leicht 
fasslich und muss Als eine recht eelnngene bezeichnet wer¬ 
den. Jedem, der sich auf dem betreffenden Gebiet näher orien¬ 
tieren will, kaun die Arbeit nur bestens empfohlen werden. 

VII. Band, Heft 8. Die hauptsäcli liehen kind¬ 
lichen Erkrankungen der Nasenhöhlen, der 
KachenhÖ hie und der Ohren. Von I)r. Maximi¬ 
lian B r e 8 g e n in Wiesbaden* 

In der vorliegenden Abhandlung wird die Aetiologie der 
obengenannten Erkrankungen, ihre eminente Bedeutung für 
Schule und Gesundheit und ihre Behandlung ausführlich be 
sprochen- Den praktischen Aerzlen kann die sehr lesenswerte 
Arbeit wanu empfohlen werden. 

A. Sache r. 

Neuburger und Pagel: Handbuch der Geschichte 
der ^Medizin. Lief. II u. XI. (Jena. Fischer). 

Des Oefteren hat Ref. 6chon an dieser Stelle Gelegenheit 
gehabt, auf die Vorzüge dieses hervorragenden und empfeh¬ 
lenswerten Werkes hinzuweisen. Dasselbe geschehe auch die¬ 
ses Mal nach Kenntnisnahme der beiden vorliegenden Liefe¬ 
rungen, von denen die 11. die Geschichte der Heilkunde bei 
den Griechen in der Bearbeitung von Fuchs, und cie XL 
die Geschichie der Chirurgie in meisterhafter Darstellung 
durch H e 1 f e r i c h bringt. 

Es ist zu hoffen, dass in Bälde das ganze Werk vollstän¬ 
dig vorliegen wird, worüber dann s. Z. berichtet wer¬ 
den soll. 

Wiehert. 


Mitteilungen 

aus der Gesellschaft praktischer Aerzte 
zu Riga. 

Sitzung v. 3. März 1904. 

-1. Dr. B n ch h o) z demonstriert vor der Tagesordnung 
ein 3-jähriges Kind mit angeborenerCyanose 
(Blausucht) in Folge einer angeborenen Pultnonalstenose, 
kombinieit mit einem Offenbleiben des Septums. 

Es findet sich eine bläuliche Verfärbung der ganzen Kör¬ 
peroberfläche, und ist dieselbe am stärksten ausgesprochen 
an den Schleimhäuten, den Zehen und den troinraelschlägel- 
förmigen Fingern. 

Der Herzbefund ergiebt das Bild einer Pulmonalslenose: 
die rechte Herzgrenze einen Finger breit nach rechts vom 
rechten Sternalrande, ein lantes systolisches Geräusch im 2. 
linken liitercostalraum, keine Verstärkung des 2. Pulmonal¬ 
tons. Der Augenhintergrund (Dr. v. Heden ström) ist 
dnnkel gefärbt, nnd erscheinen die Gefässe als schwarze 
Streifen, und zwar sowohl die Venen als auch die Arterien, 
nach Hochsin^er ein sicherer Beweis dafür, dass in den 
Arterien primär venöses Blut zirkuliert (Mischungscyanose) 
infolge anormaler intrakardialer Kreislanfkomplikationeo. 

(Autoreferat). 

2. Dr. J. Eliasberg demonstriert vor der Tagesordnung 
einen Lieben rnber planus: 

Patientin S. K., 20 Jahre alt, ist sonst immer gesund ge¬ 
wesen, gut gebaut, von kräftigem Knochenbau. Menses re¬ 
gelmässig. Ein Zusammenhang des Hautleidens mit den Men¬ 
ses ist nicht vorhanden- Das Leiden besteht angeblich seit 
dem 3.-4. Lebensjahre. Zwei Jahre befindet sich Patientin in 
meiner Beobachtung nnd hat das Leiden während dieser Zeit 
keine Fortschritte gemacht. 

Was nun den Krankheitsfall besonders charakteristisch 
und ihn zu einem besonders seltenen macht, ist folgendes: 

1) Die strichförmige Anordunng, genan im Verlanf eines 
Haiitnerven. Befallen ist der linke Arm, ein kleiner Bezirk 
des Oberarms und etwa 3 h des Vordem ms der Länge nach. 
Die Breite beträgt etwa */* Ctin. in der schwächsten Partie, 
am Oberarm; und s /< Ctm. in der breitesten — am Vorder¬ 
arm. Diese Anordnung ist es, die den Fall in die hathegorie 
der 8trichförmigen Hautleiden im Bezirke eines Haiitnerven 
einreihen lässt, die im Jahre 1901 ganz besonders den Vll. 
Kongress der deutschen dermatologischen Gesellschaft, abge¬ 
halten in Breslau, beschäftigt bat. 

2) Das überaus lange Bestehen des Leidens, ohne dass es 
an Umfang zngenommen hätte. 

3) Das Vorkommen von Warzen an den Fingern der linken 
Hand (Zeigefinger nnd Daumen), die von demselben Hautner¬ 


ven versorgt werden. Die Warzen bestehen gleichfalls schon 
sehr lange. Wie lange, konnte Pat. nicht angeben. Was nun 
die Diagnose anbetriflt, so habe ich in diesem Falle, wenn 
auch die ganz typischen Knötchen fehlen, so doch anf Grund 
des hartnäckigen, überaus heftigen Zuckens und der Behr 
charakteristischen cbagrinlederartigen Veränderungen der 
befallenen Haut auf Lichen ruber planus gestellt. 

(Autoreferat). 

3. Dr. v. zur Mühlen demonstriert den angekündigten 
Fall von Aneurysma der Aorta ascendens mit 
Arvosion des Sternums: 

E. K. 44 a. n. Vor 4 Jahren erkrankte Pat. mit Schmerzen 
im r. Arm und im Rücken. Ijn vorigen Sommer bemerkte ich 
zuerst die allmählich sich veigrössernde Vorwölbung auf der 
Brust. Die Schmerzen strahlen jetzt zuweilen auch in beide 
Arme hinaus Beim Arbeiten und Treppensteigen leidet sie 
an Atembesch weiden; Husten besteht nicht, gelegentlich aber 
heftige Kopfschmerzen. Flüssige Sachen kann sie gut 
schlucken, feste machen ihr Schwierigkeiten: sie muss gleich 
nachtrinken. Seit etwa einem Jahre will sie dieses bemerkt 
haben. Schwellungen der Arme haben nicht bestanden. 

Sie ist seit 15 Jahren verheiratet, hat 4 Kinder, das älte¬ 
ste 15 Jahre, das jüngste 6 Jahre. Vor 13 Jahren ein Abort 
im 3. Monat. Als Kind Maseru, soust immer gesund. Der 39- 
jährige Mann lebt und soll gesund sein, nur oft an Glieder¬ 
schmerzen leiden 

Siatus: Genau auf der Mitte des Sternum erbebt sieh eine 
halbkugelige, 6 Ctm. im Durchmesser betragende Vorwölbung 
von weich elastischer Konsistenz. Dieselbe erstreckt sich, 
wurstförmig schräg nach rechts nnd oben verlaufend, in ei¬ 
ner Entfernung von 12 Ctm. fort, von derseihen Breite wie 
der Tumor, nur etwas flacher werdend, und am Ende kitglig 
abtallend. Ueber dem ganzen Tumor, mehr über seiuer seitli¬ 
chen Fortsetzung ist deutliche, mit dem Herzeu isochrone 
Pulsation waht7.uiiehnien, in welche die anliegenden seitlichen 
ßrnstpartien mit hineingezogen werden. Schwirren oder 
Uicrntismus ist mit der aufgelegten Hand nicht zu fühlen. 

Die Peiknssion ergiebt Dämpfung im Bereiche der vorge¬ 
wölbten Partien, hinten jedoch nicht. 

Die Ausknitalion ergiebt leichtes systolisches und diasto¬ 
lisches Sausen. Ungleichmässigkeit des Pulses besteht nicht, 
ebenso ist der Carotispuls beiderseits gleich stark. 

Als Zeichen der Kompression uud Stauung ist leichte Ve¬ 
ne n z e i c h n u n g an der oberen Thoraxpartie zu sehen, 
lokale Oedeme liegen nicht vor. 

Seitens der R e 8 p i r a t i o n 8 o r g a n e liegen keine aus¬ 
gesprochenen Symptome vor, ausser leichter Dyspnoe beim 
Atmen. Lar y n g o s ko pi 8 ch lässt sich weder eine 
Lähmnng des Stimmbaudes, noch auch eine Kompression 
der Trachea nachweisen, die deutlich bis fast zur Bifarkatiou 
übersehen werden kann. 

Mit Wahrscheinlichkeit besteht eine Kompression 
des Oesophagus, worauf das erschwerte Schlucken fester 
Speisen hinweist. Es liegt hier wohl eine Erweiterung des 
auf8teigenden Teiles der Aorta vor, und zwar kann dieselbe 
nicht bis zum Nervus laryngeus reichen, da sonst sicher eine 
Stinimbandlähmiiog zu erwarten wäie. Dass die Erweiterung 
eine ungemein grosse ist, ist nicht nur durch den vorliegen¬ 
den Befund, sondern ancii durch die Röntgenaufnahme er¬ 
wiesen. 

(Autoieferat). 

4. Dr. Bertels hält seineu angekündigten Vortrag: «Ue¬ 
ber Pruritns als Symptom der Basedow’scheu 
Krankheit». 

Vortragender berichtet über eine Patientin mit ausgespro¬ 
chener Based o w'scher Krankheit, bei welcher gleichzeitig 
mit den übrigen Basedowerschcinungen ein sein- lästiger Pru¬ 
ritus auftrat. Derselbe verschwand vollständig als eine rela¬ 
tive Heilung erfolgt war und stellte sich bei einem Rezidiv 
der Basedow'sehen Krankheit abermals ein. Früher hatte 
Patientin nie an Pruritus gelitten. Bei einer zweii.eu Patien¬ 
tin mit zweifelhaftem Basedow (es bestand nur Struma, Ta¬ 
chykardie, Herzklopfen) trat ebenfalls ein Jahr nach ihrer 
Erkrankung Pruritus auf. 

In der Literatnr hat Vortragender das Vorkommen von 
Pruritus bei Basedowscher Krankheit nur in folgenden Fäl¬ 
len erwähnt gefunden: 

Zwei F älle von R e i n b a c h ans der Mikulicz 'sehen 
Klinik in Breslau; in beiden Fällen verschwand der Pruritus, 
als Heilung der Basedowschen Krankheit eintrat. 

Ein Fall von Hirse hl aus der Krafft-Ebiugschen Klinik 
in Wien. 

Ein Fall vou 8. Popow iu Moskau. 

Die Monographien und Lehrbücher erwähnen das Vorkom¬ 
men von Pruritus bei der Basedowschen Krankheit nicht. 
Nur N ei s ser nennt unter denjenigen Zuständen, welche 
zum Pruritus Veranlassung gebeu können, auch den Mor¬ 
bus Basedowii. 

AufGrund namentlich dos ersten selbstbeobachtoten,sowie der 
beiden Re i n bac h’scheu Fälle kommt Voi nagender zu dem Schluss, 


Digitized by VjOOQie 



74 


«Jans Pruritus ein, wenn auch seltene®. Symptom der Base¬ 
dowschen Krankheit ist, «lass es sich also nicht um ein bloss 
anfälliges Zusammentreffen handelt. Diese Ansicht erhalt eine 
weitere Stütze durch die Ansrahe von E wa 1 d, dass auch 
beim Fnt»ernnsr8thvreoidi8mo8 Hautjucken Vorkommen soll. 

Diese letztere Tatsache macht es ferner wahrscheinlich, 
dass anch der bei der L. B. beobachtete Prnrirn« thyreogenen 
Ursprnnsrs ist. d. h., das« infolge des im Blute in vermehrter 
Menge kreisenden, vielleicht anch noch qnatitativ veränderten 
Sekrets der Schilddrüse eine Einwirkung auf die sensiblen 
Nervenendigungen in der Haut startfindet. Der Prnritns Ba¬ 
sedowkranker würde somit hinsichtlich seines toxischen Ur¬ 
sprungs ein vollkommenes Anaiqgott zu den bei Ikterns. Dia¬ 
betes etc. vorkommenden bilden. 

(Antoreferari. 

Dr. M. Sc hö n fei dt zitiert einen Fall ans seiner Praxi«, 
wo eine Ältere Dame mir Korb. Based. zugleich an ansgespro¬ 
chener Neignng za Pruritus leidet. Redner, der Pat- seit 10 
Jahren In Behandlung hat, konnte stet« einen Zusammenhang 
zwischen dem Jucken und einer Zunahme resp Abnahme von 
nervösen Beschwerden konstatieren. Er hält dieses Symptom 
daher für eine Teilerscheinnng der allgemeinen Nenrose, nnd 
glaubt nicht an eine Abhängigkeit desselben von spezifischen, 
dem Basedow eigentümlichen, toxischen Einflüssen. Pat. hat 
in letzter Zeit des Prnritns wegen bei Dr. J. Eliasberg 
in Behandlung gestanden. 

Dr. J. Eliasberg hat den Pat. zuletzt irn vorigen Som¬ 
mer gesehen. Damals bestand da« Jucken nur au den Ohren 
und ain Kopfe, sonst nirgend«. 

Dr Sokolowski fragt Dr. Bertels, ob in seinen Fäl¬ 
len der Prnrifu9 auch an bestimmte Tatkalisationen gebunden 
gewesen. Er, Redner, habe bei Horb. Based. wiederholt gerade 
Ohrenjucken beobachtet. 

Dr. Bertels: ln seinen Fällen sei der Pruritus ein all¬ 
gemeiner gewesen. 

Dr. Sokolowski: Hautjucken als Tcilerscheittung allge¬ 
meiner Xearosen sei nicht selten, und zwar meist über den 
ganzen Körper gleichmässig verteilt. Der von ihm bei Based. 
beobachtete Prnritns scheine sich aber von jenem dadnreh zu 
unterscheiden, das« er sich anf bestimmte Hant«t 2 l!en be- 
«chränke, so besonders anf die Ohren, wie überhaupt die Kopf¬ 
haut. 

Redner hat das Symptom bei Morh. Bas. oft erlebt, und 
hält es für ein häufiges Vorkommnis bei dieser Krankheit. 

Dr. v. Krndener stimmt der von Dr. Schön fei dt 
geäasserten Auffassung bei. Anch der Augenarzt hat hänfig 
Gelege heit über Jnrken nicht nur an den Augeu. sondern 
auch an anderen Stellen klagen zu hören. Meist handle es sPh 
in solchen Fällen um Neurastheniker, die späterhin bei Bes- 
«ernng ihres Allgemeinzustandes aucli das .Tucken verlieren. 
Die Ausführungen des Dr. Bertels haben ihn nicht von der 
Eigenart des Prnritns bei Morh. Basedowii überzeugen können. 

Dr. Schönfeldt bestreitet den von Dr. Sokolowski 
betonten Unterschied zwischen dem universellen Pruritus der 
Neurosen und dem lokalisierten bei Basedow. Auch bei erste- 
rem sei das Jucken häufig streng lokalisiert, so am .Vrotnra, 
am Anus etc Redner werde in Zukunft diesem Svmptome 
bei Based. mehr Aufmerksamkeit zuwenden. Es sei allerdings 
auffallend, dass bei einer so häutigen Krankheit wie Morb. 
Based. ein solches Symptom nicht auch häufiger in den Vor¬ 
dergrund treten sollte. 

Dr. Sokolowski betont nochmals die überraschende 
Häufigkeit dieses Symptoms au« li bei lechteren Fällen von 
Morb. Bas. nnd hält gerade die Eigentümlichkeit dessel¬ 
ben, 8i»-h zu lokalisieren, für ein Charakteristikum dieser 
Krankheit. 

Dr. Kröger II hat unter der nicht geringen Zahl ihm 
bekannter Basedowfälle keinen Pruritus beobachtet, allerdings 
anch nie danach gefahndet. Er stimmt mit Dr. Bertels’ 
Anffassune überein, und bemerkt gegenüber den Einwänden 
der PDr. Schönfeldt und v. K r ii d e n e r. dass in Be¬ 
rücksichtigung der Tatsache, dass der Prnritns vornehmlich 
ein Symptom gewisser, mit toxischen Wirkungen einhergehen- 
der Krankheiten, wie etwa Ikterns nnd Diabetes mellitus sei, 
sein Vorkommen bei Morb. Ba«ed. — einer nach dem heuti¬ 
gen Staude der Wissenschaft doch exquisit ’nxischen Krank¬ 
heit — gar nicht wnndernehmen dürfe. Wie Dr. Bertels 
bereits ansgefnhrt. handle es si h bei allen diesen Erkrankun¬ 
gen’ wahrscheinlich um ene eigenartige Reizung der periphe¬ 
rer. Nerven durch ein nn Blute zirkulierendes toxisches 
Agens. 

Audi das Hautjneken bei der Neurasthenie — welche 
Krankheit in nenester Zeit ja aueli als Symptom**nknmplex 
einer Antointoxikation aufgefasst werde. — müsse in demsel¬ 
ben Sinne gedeutet werden. 

Daher sei es nicht einleuchtend, warn r. der Pruritus bei 
Morb-*'Based- auf die gleichzeitig bestehende allgemeine Neu¬ 
rose. und nicht direkt a .f <iie toxische Wirkung des ^rhiid- 
d>ns^ngiftes bezöge « werden solle- Ist doch selbst die a.Ige- 


meine Neurose bei dieser Krankheit nur als Aasdrnck einer 
spezifischen Giftwirkling aufzufassen. 

Dr. H Berg fragt Dr. Bertels, ob der von ihm beob¬ 
achtete Prnritns nicht möglicherweise auf die Urticaria, die 
in beiden Fällen zur Beobachtung gekommen, za beziehen sei? 

Dr. Bertels verneint die Frage, da in seinen Fällen Ur¬ 
ticaria nnr als Kratzeffekt in Erscheinung trat. 

Dr. Stander macht anf das Autothyreoidin aufmerksam, 
das nach Moebios die Hxsedowerscheinungen schnell zum 
Schwinden bringe. Eine eventuelle Beeinflussung des Pmri- 
tns würde ja die Krage entscheiden können. 

Dr. S c h ö n f el d t äussert sich gegen diesen Vorschlag, 
da dabei suggestiven Einflüssen zu sehr Spielraum gebo¬ 
ten würde. 

Dr. Bertels: Wenn Dr. v. K rüden er da* Zusammen¬ 
treffen von Morbus Baselowii mit Praritas als ein wahr¬ 
scheinlich zufälliges auffasse, so sei demgegenüber za er- 
widern: 

Wenn anch geringere Grade von Hantjatekea sehr häufig 
seien, ko sei doch ein so intensiver Pruritus wie Redaer ihn 
bei seinen beiden Patientinnen beobachtet habe, entschieden 
keine alltägliche Erscheinung, Sein Zusaionaentreffen mit 
Morb. Basedowii müsse daher von vornherein den Verdacht 
erwecken, dass er iu einer näheren Beziehung za jener 
Krankheit stehe. 

Dieser Verdacht gewinne an Wahrscheinlichkeit durch das 
im ersten Fall beobachtete Verschwinden des Praritas mit 
der Bessernng der Basedowsymptorae und ein Wiederanftre- 
ten beim Rezidiv. 

(Aotoreforat). 
d. z. Sekretär: S. K r ö g e r jan. 


Nachrichten von Kollegen aus dem fernen Osten. 

Wir haben mitzuteilen, dass Herr Kollege E. M., zur 
Zeit iu Charbiu, sich eine Entgegnung anf die in der 
vorigen Nummer gebrachten Zuschriften von Prof. 
Zoege v. Manteuffel Vorbehalt, dass eine solche 
aber bei der grossen Entfernung uns nicht baTd za- 
gehen kann. 

(d. Red.) 

Von I)r. F. v. z. Mühlen geht uns nachstehender 
Brief zu: 

«Seit Anfang Oktober befindet sieb unser Hospital, du 
35. Feldlazarett, in Sanlinzse, einem chinesischen Dorfe, du 
15 Weist südlich von Mnkden liegt, vor aas zieht sich in 
10 Werst Entfernung die Front der ersten Armee hin. Wir 
gehören zuin I. Armeekorps, das im Zentrum steht and dessen 
Stab zwischen ntts nnd der Front im Dorfe Dadsispo ein¬ 
quartiert ist, nnd die Regimenter, denen wir zngeteilt sisd. 
siud nie der 11. Brigade der 37. Division, das 147. Samara- 
sclie and das 14S. Kaspische Regiment, die eben die vorder¬ 
sten Positionen einnehmen. Unsere Division hat seit den 
Tagen am Scha he uichl mehr an Schlackten teilgenammen. 
da die Hauptereignisse sich eben auf den Flügelu abspielen. 
Infolge dessen haben wir augenblicklich verhältnissmässig 
wenig Kranke nud Verwundete. — Ueberbaupt ist der Ge¬ 
sundheitszustand der Truppen ein ausgezeichneter. Der be¬ 
ständige Sonnenschein. — geregnet hat es von Anfang Ok¬ 
tober bis jetzt kein einziges Mai —. bringt es mit sich, dass 
die Soldaten viel an frischer Luft sind and in den Erdhütten 
ist es infolge dessen trocken und warm. Seit dem 10. Januar 
ist Schnee gefallen, der allerdings nur bis zu den Knöcheln 
reicht, und die Nächte sind kälter. 15 bis 17°, den Tag über 
ist es sehr schön, da die Sonne bereits bedeuten« 
wärmt. 

Wir haben diese Zeit hauptsächlich dazu benutzt, die Fan- 
sen für unser Hospital, das auf 210 Betten eingerichtet ist 
instand zu seizen. was keine leichte Aufgabe ist, weun man 
eine Vorsteiluug von den chinesischen Häusern hat. 

Die Wände sind aas eiuem Gemisch von Lehm aod Gaolisn 
aa fee führt und mit einem festen Gaoliaudacb bedeckt, eine 
Lage existiert nicht. Meist sind sie nach einem Typus ff«* 
baut. Durch die Haustür gelangt man in einen Vorraani, 
zu dessen beiden Seiteu sich die Aofenthaltsräume befinde 0 , 
die natürlich je nach der Wohlhabenheit des Besitzers grös¬ 
ser «rier kleiner sind. Die beiden seitlichen Wände und dte 
der Tür gegenüberliegende werden von sog. Kau’s umzo¬ 
gen. einer breiten. 3 « Arschin hoben Steinbank, die 3-4 
Röhrenziisre enthält, welche durch einen kleinen in dem Vor- 
| raume betiudlicheu Ofen geheizt werden. Der Schornstein ist 
ausserhalb der Fanse angebracht. Diese Bänke, mit «>°® r 
Strohmatte bedeckt, dieueu den anspruchlosen Chinesen als 
Schlafstellen. Die Köhrenznge siud nnr von einer Ziegel" 


Digitized b v vj 





16 


sehiclit bedeckt, nnd' schon bei schwachem Heizen entwickelt 
dich in denselben eine derartige Glut, dass man das Ge¬ 
fühl bat auf einem Herde gebraten zu werden. Die Wände, 
der Lehmfnssboden und die Kan’s sind gewöhnlich von einer 
dicken Schmntzscbicht bedeckt. Als wir in Saulinzse anka¬ 
men, fanden wir die uns angewiesenen Kausen ausserdem 
noch, bis zum Dach vollgestopft mit. allem möglichen alten, 
stinkenden Flunder, Gaoliau. Tschumisa u. s. w. Aus diesen 
für Kranke und Verwundete Aufenthaltsräume herzustellen, 
die einigermasBen den Anforderungen der modernen Medizin 
und Hygiene entsprechen, erfordert natürlich viel Arbeit und 
Geldaufwand. — 

Im ganzen haben wir jetzt 6 Fansen nnd 2 grosse Zelte 
zur Aufnahme von Verwundeten fertig. Die Fansen wurden 
von aussen nnd nach gründlicher Reinigung auch von innen 
geweisst nnd in jeder Abteilung ein grosser Ofen aufgestelli. 
Wir haben das Glück unter unseren Soldaten ausgezeichnete 
Handwerker zu haben, Töpfer, Tischler u. a., so dass alles 
Nötige von unseren Leuten selbst besorgt wird. Das Setzen 
eines Ofens nimmt 2—3 Tage in Anspruch, Ziegelsteine be¬ 
kommt man hier, Kalk ist in Hukden zu haben. Die YNände 
wurden darauf weis» tapeziert, und die Decken aus hübschen 
Hastmatten gemacht, die an die Dachbalken befestigt sind, 
so dass sie nicht horizontal, sondern gewölbt sind, was den 
Raum höher macht uud mehr Luft giebt. Die Südseite der 
Fansen ist bei den Chinesen von enormen Fenstern eilige 
nommen, die mit festem, dickem Oelpitpiei verklebt sind. Durch 
diese dringt natürlich wenig Licht ein, es herrscht gewöhn¬ 
lich ein Halbdunkel und es zieht stark durch die vielen spalten. 
Wir haben diese grossen Otffnnugen teilweise vermauern 
lassen und Glasscheibeu eingesetzt, durch die beständig die 
Sonne hereinscheint uud der ganze Raum hell nnd freundlich 
aussieht. Das Operationszimmer ist ebenfalls weiss, auch die 
Decke weiss tapeziert, der Fussboden mit Hastmatten belegt 
nud durch einen Ofen wliddeiselbe beständig warm erhalten. 
In demselben befinden sich der Operationstisch, mehrere kleine 
Tische nnd ein Schrank mit Giasttiten, in welchem die In¬ 
strumente aufbewahrt werden. Das Material liegt fertig 
sterilisiert iu Glasgefässen und alle uötigen Flüssigkeiten 
stehen zum Gebrauch bereit. 

Die Betten sind aus Eisen, leicht und bequem, vor unserer 
Abreise aus Petersburg gekauft und stellen auf den Kau’s, 
die gerade die nötige Breite haben, zwischen denselben stehen 
Nachttische. 

Was die Kost der Kranken anbetrifft, so versuchen wir 
natürlich so viel als möglich Abwechslung zu schallen. Le¬ 
bendes Vieh, meist mongolisches, grosse, kräftige Stiere be¬ 
kommt man jederzeit iu Mukden gekauft und wir haben 
immer eiue gewisse Anzahl iu Reserve. Milch in Konserveu ist 
ebenfalls zu haben, ebenso auch Gemüse aller Art und Kartoffeln. 

Butter wird in giösseren Quantitäten durch Gelegenheiten 
aus Charbin bezogen. 

Anfang Januar bekamen wir aus Petersburg eine grosse 
Sendung, aD der sich Frenude, Bekannte und Wohltäter be¬ 
teiligt hatten. Dadurch sind wir in der Lage unsere Kranken 
and Veiwuudeten noch besser za kleiden uud zn nähren, sie 
bekommen versciiiedene Alten wohlschmeckender Grützen, 
Schinken, Käse, (Joropote, Kaffee, Oacau, Bisquits u. s. w. noch 
zn ihren gewöhnlichen Mahlzeiten hinzu. Aucu an Cognac haben 
wir einen grossen Vorrat, der als Excitans nicht hoch genug 
zu schätzen ist. 

Von den grossen Zelten sind 2 aufgestellt, jedes enthält 
30 Betten, in denselben sind je 2 Steinöfen aufgesteilt und ei¬ 
serne Röhren durchziehen die Zelle. Den Eingang bilden 
doppelte Türen mit Filz beschlagen. Ausser dem festen, dich¬ 
ten Segeltuch sind die Wände noch mit Basimatteu und 
dickeni Filz behängt nnd äusseriieh ist ein ungefähr tusshober 
Erdwall am das Zelt aufgeworfen. Das doppelte Dach Ist von 
allen Seiten vernäht, und zwischen deu beiden Segeltnchlageu 
befindet sich eine ca. V* Arschin breite Luftschicht, die zur 
Warmhaiinng des Ranmes wesentlich beiträgt. Die an der 
schmalen Wand eingenähten Fenster lassen genügend Licht 
herein, um den Tag über ohne künstliche Beleuchtung anszu- 
kommen. Wenn die Oefen beständig geheizt werden nnd mehr 
Kranke im Zelt liegen, kann man auch bei kaltem Wetter 
die Temperatur bis auf 12° bringen. 

Die Apotheke, die von einem Provisor verwaltet wird, ist 
ebenfalls in einer Fanse untergebracht. Iu ihr befindet sich 
alles, was zu einer -kompletteu Einrichtung gehört, ein Re 
ceptliscli mit Wage, Medikamente in handlichen Kasten ge¬ 
ordnet, ein Da8iiiiatiou$apparat u. s. w.; auch der Forma- 
lin-Desinfektionsapparat nach Sarewitsch ist dort abgesieJIi, 
und einige Spiritusbienner nach dem System «Stob», die ein 
sehr heiles Licht geben und für Operationen am Abend oder 
in der Nacht sehr zweckmässig sind. 

Getrennt von einander befinden sich die Köche für das Kom¬ 
mando und für die Kranken, in 2 Fansen, von deneu jede vun 
eiuem besonderen Koch besoigt wild. Für die Kranken wird in 
Kupferkasserolleu gekocht, and Herd und Ofen sind so ein¬ 
gerichtet, dass man anch bessere Speisen zubereiien kann. 


Die Oberaufsicht Über die Küche führt eine Schwester. 

Eine abseits liegende Fansa mit 12 Betten ist für an¬ 
steckende Kranke reserviert, doch haben wir schon seit län¬ 
gerer Zeit keine solche mehr gehabt. Die Waschküche be¬ 
findet sich in einer Fansa, nnd die Wäsche wird, nachdem 
sie getrocknet ist, daselbst auch gerollt. 

Verschiedene Vertreter unserer medizinischen Obrigkeit 
und viele Kollegen haben unser Hospital besucht und sich 
über die Einrichtung desselben sehr anerkennend geäussert.» 

Saulinzse den 17. Januar. 


Vermischtes. 


— Der ordentliche Professor der Physiologie an der mili¬ 
tär-medizinischen Akademie und wirkliches Mitglied des In¬ 
stituts für Experimentalmedizin, wirkl. Staatsrat Dr. 1. P. 
Pawlow, ist zum beratenden Mitglied des Me- 
I d i z i n a 1 r a t s e r n a n n t worden, unter Belassnng in den 
von ihm bisher bekleideten Aemteru. 

1 — Am 1. März n. St. begiug der nm die Hydrotherapie 

hochverdiente Professor der Wiener Universität, liofrat Dr. 

! W. Winter ui tz, in voller geistiger und körperlicher 
Frische seiueu 70. Geburtstag. — W. ist seit 40 Jahren 
Dozent für Hydrotherapie nnd Leiter eiuer poliklinischen Ab¬ 
teilung am Allgemeinen Kraukenhause in W T ien. Seiue 
Wasserheilanstalt in Kalten!entgehen hat er 
, ebenfalls vor 40 Jahren gegründet. 

| — Am 2. Marz n. St. feierte der ehemalige Primararzt Dr. 

| Johann W i r t i n g e r iu Wien sein golden ob Dok¬ 
tor j n b i I ft u m. Der Jubilar ist der Begründer der patholo¬ 
gischen Thermometi ie, über welche er i. J. 1865 seine erste 
I grössere Arbeit in der «Wiener med. Wochenschrift» ver- 
j öffentlichte. Trotz der anfänglich kühlen Aufnahme hat dieser 
! wichtige physikalische Behelf neben der Auskultation und der 
Perkussion als dritter im Bunde von Wien aus den Siegeszug 
I durch die Welt augetreten. 

j — Dem berühmten Berliner Kliniker, Prof. Dr. E. v. Ley¬ 
den, ist von der ältesteu deutschen Akademie, der Leo- 
1 poldo-Caroltnischen Akademie der Natur¬ 
forscher in Halle, die Goldene Cothenius-Me- 
d a i 11 e verliehen worden. 

— Die Leitung der Sanitätsabteilung der 
Kosiromascheu Gouvernements-Landschaft 
{ hat Dr. S. F r e n k e 1 übernommen, der bisher Chef des Sa- 
nitatsbureaus der Wologdascheu Landschaft war. 

— Der ältere Ordiuator des St. Petersburger Hofhospitals, 
Staaisiat Dr. W. Ulrich, ist zum Bezirksamt 6. Klasse bei 
der St. Petersburger Palaisverwftltung ernannt worden. 

— Dr. E. Blumenbach (Riga), der nach einer neuen 
Besichtigung einberufen worden war, ist nachträglich vom 
Dienst befreit worden. 

— Dr. Arnold Hildebrand jun., der mit der Rurlän¬ 
dischen fliegenden Kolonne 6 Monate auf dem Kriegsschau¬ 
plätze war und im Dezember a. pr. mit seinen Kollegen von 
| dort zurückkehrte, begiebl sich noch in diesem Monat wieder 
‘ in deu Fernen Osten, da er a 1 s A r z t a ui L i v 1 ä n d i - 
t sehen Feldlazarett angestellt worden ist. Diechi- 
j rurgische Abteilung des Diakonissen h au aes 
i in M i t a u , welche unter seiner Leitung steht, wild, wie 
j von dort gemeldet wird, für die Zeit seiner Abwesenheit vor- 
! au8sichtlicli geschlossen werden. 

— Der Werrosche Arzt Dr. A. Treu ist als Reserve- 
Militärarzt einher ti feil und bereits iu den Fernen 
Osten abaereist, wo er dem Meuiziualinspektur von Charbin 
: zur Disposition gestellt worden ist. 

— Der zum aktiven Dienst einberufene Kevaler Arzt 
Dr. L. Baron Maydell ist nicht, wie urspinngiich 
die Order lautete, auf den Kriegsschauplatz abkouiman- 
dieit, sondern als jüngerer Arzt am Revaler Garnisonslazaiett 
augestellt worden. 

— Der ausseietatmässige Assistent des klinischen Instituts 
der Giossfürsiin Helene Pawlowna, Dr. Kiparski, 
ist zum jüngeren Assistenten des klinischen 
geburtshniflich-gynäkologischen Instituts 
tür Arme eruaunt wordeu, unter Belassuug in seiner bis¬ 
herigen Stelluug. 

-- Aus dem Schwefelbade Baldohn (Kurland) wird 
der «Big. Rnndsch.» geschrieben, dass durch die Einberufung 
des ständigen Badearztes Dr. Kleinberg aut den Kriegs¬ 
schauplatz dieser Badeort nun schou ruouatelang ohne Arzt 
ist. Im Winter, wo nun die Ortsbevölkerung seiner bedarf, 
| lässt sich allenfalls noch Rat schaffen durch Konsultation 
j oder Herbeiholung eines Arztes aus der Nachbarschaft (.immer¬ 
hin auf eiu paar Meilen), im Sommer jedoch, mit Begiun der 
Badesaison kann und darf.dieser Zustand nicht andauern. Es 
muss für eine Stellvertretung gesorgt werden und 
zwar durch einen über balueologische Kenntnisse 


Digitized by VjOOQie 


verfügenden Arzt. t)a der Posteu des Baldohnschen 
Badearztes ein staatlicher ist. so würe es .Sache der 
Gonvernements-Adininistration für seine stellvertretende Be¬ 
setzung zu sorgen. 

— Zurückbern f u -n g des finnlftndischen Laza¬ 
retts. Die Verwaltung des tinnländisclien Vereins zur Pflege 
kranker uud verwundeter Krieger soll, der «Rev. Ztg» zu¬ 
folge. nach St. Petersburg gemeldet haben, dass der genannte 
Verein in Anbetracht seiner ungenügenden Mittel, zum Teil 
aber unch infolge der dem Leotenant Schau inan in seiner 
Eigenschaft als Intendant des tinnländisclien Lazaretts von 
der Gendarmerie auf dem Kriegsschauplätze bereiteten Schwie¬ 
rigkeiten, sich veranlasst sehe, nach Ablauf der kontraktlichen 
Zeit (am 30. Mai) das finnländische Lazarett zurück/.u- 
berufen. 

— Verstorben: 1) Am 18. Februar iu Eriwan der 
dortige Gouvernementsarzt, Staatsrat Dr. G rigor i Urasow, 
im 48. Lebensjahre. Er ist am Abend auf offener Strasse er¬ 
mordet worden, die Täter sind entkommen. Der Hingeschie¬ 
dene, welcher auch Arzt am örtlichen Gymnasium, hat seit 
1882 die ärztliche Praxis ausgeübt. 2) In 0 k u l o w k a (Ei¬ 
senbahnstation an der Nikolaibalm) der Bezirksarzt des St. 
Petersburger Findelhauses für den dortigen Bezirk, I) r. Jo¬ 
hann Radsimowski, im Aller von 57 Jalireu nach fast 
30-jähriger ärztlicher Tätigkeit. 3) In Samarkand am 27. 
Januar der jüngere Ordinator des örtlichen Militärhospitais, 
Dr. Alex ei Beresin, 28 Jahre alt. der mit Gift sich das 
Leben genommen hat. Seine ärztliche Tätigkeit begann ei¬ 
erst vor drei Jahren. Wie dem «R. Wratsch» geschrieben 
wird, war der Verstorbene in der Stadt als tüchtiger, pflicht- 
getreuer Arzt und guter, gefälliger Mensch bekannt; das 
traurige Ende des jungen Kollegen schreibt man den Verfol¬ 
gungen and kleinlichen Chikanen des Oberarztes des Hospi¬ 
tals zu, von dessen Willkühr der Verstorbene nicht das ein¬ 
zige Opfer sein soll. 4) Auf einer Forschungsreise in Trinidad der 
beitthmte Berliner Ethnologe, Prof. Dr. Adolpii Bastian, 
im 79. Lebensjahre. Von Hanse aus Mediziner, zog er i. J. 
1851 als Schiffsarzt zum ei'Bten Mal in die Welt hinaus, und 
zwar nach Australien. Später bereiste er fast alle Länder 
des bekannten Erdkreises und liess sicli dann 1868 in Berlin 
nieder, wo er als Professor der Ethnographie das grosse Mu¬ 
seum für Völkerkunde einrichtete and leitete. 5) In Pots¬ 
dam der Chefarzt des dortigen St. Joseph - Krankenhauses, 
Prof. Dr. JnlinsAlbertt, an Gebirnapopiexie im Alter 
von 56 Jabren. Der Hingeschiedene, ein ans der Schale 
ßardelebens hervorgegangener Operateur, genoss einen 
weit über die Mauern seiner Vaterstadt binansreichenden Ruf 
als Chirurg nnd Frauenarzt. 

— Dr. Michael P o I e t i k a, dessen Tod wir in der vo¬ 
rigen Nr. meldeten, hat iu der letzteu Zeit, wie wir aas der 
von Prof. Zoege v. Mantenffel uns gütigst zngesende- 
ten Liste der Heilanstalten des Roien Kreuzes im Rayon der 
aktiven Armee ersehen, als Oberarzt des II. St. Georgshos- 
pitals auf den Namen der Prinzessin Eugenie Maxim i - 
lianowna von Oldenburg in Neu-Charbin fungiert, 
wo er auch gestorben ist. 

— Wie ans Madrid gemeldet wird, soll auf Anregung der 
dortigen Laryngologischen Gesellschaft dem Erfinder des 
Kehlkopfspiegels Manuel Gavcia zu seinem 100. Ge¬ 
burtstage das Grosskreuz des Alfo ns -Ordens 
verliehen werden. Eine besondere Deputation wird nach 
London gehen, um dem Jubilar die Ordensinsignion und sein 
In Oel gemaltes Bildniss zu überreichen. 

— Der Medizinalrat hat, wie die «Birsh. Wed.» erfahren haben 
wollen, beschlossen, für den Fall, dass ein Mangel an Aerzren 
für die Armee oder znr Bekämpfung von Epidemien eintreten 
sollte, ausländische A e r z t e h e r a ii z u z i e li e n 

— Infolge mehrfacher Anfragen von Aerzten bezüglich der 
Bedingungen, welche für die Abkommandie¬ 
rung der Aerzte zur Bekämpfung der Cholera 
festgesetzt sind, hält die Verwaltung des Obermedi/.i- 
nalinspektors es für ihre Pflicht, nachstehendes mitzuteilen: 
Die zu obenerwähnten Abkommandierungen bereiten Aerzte wer¬ 
den ersucht, ihre diesbezüglichen Gesuche bei der Ver¬ 
waltung des Ober medizinalinspektors efnzu- 
reichen, unter gleichzeitiger Angabe des Ortes und der 
Art ihres Dienstes, ihres Wehrpflichtverhälluisses, des Jahres 
der Absolvierung der Universität und ihrer genauen Adresse. 
Für die R e m u n e r a t i o n der Aerzte bei den Abkomman¬ 
dierungen sind folgende Sätze festgesetzt: An Aasrüs¬ 
tungsgeldern erhalten (nach den gesetzlichen Abzügen) 
die Aerzte im Range eines Staatsrates — 540 Rbl., solche 
Im Stabsoffiziersrange (vom Kollegienassessor bis zum Staats¬ 
rat) nnd die Doktoren der Meiizin ohne Rang — 405 Rbl. 
und solche im Oberoffiziersrnuge (bis zum Kollegienassessor) 
sowie ohne Rang — 270 Rbl. — Die Fahrgelder zu 2'/a 
Kopeken pro Werst nnd Pferd gerechnet, werden für Aerzte 
im Staatsratsrange — für 6 Pfeide, im Stabsoffiziersrange — 
für 3 Pferdo nnd im Oberoffiziersrange nnd ohne Rang — für 2 
Pferde gerechnet. — Die D i Ute n g e 1 d e r betragen für alle 


| Aerzte, ohne Unterschied des Ranges nnd des gelehrten Örä- 
des, — 10 Rbl täglich. — Auf Grund des Allerhöchsten Be¬ 
fehls vom 23 Oktober 1902 wird die in der Abkommen liernng 
verbrachte Zeit sowohl bei der RangbefÖrdernng als auch bei 
der Pensioosbestimmnng In Anrechnung gebracht. 

— Vakanz Für die M a sc h i n o n fa b r i k in Ko¬ 
lo m na (Gouv. Moskau) wird ein unverheirateter 
A rzt gesucht auf die Dauer von mindestens 6 Monaten. 
Geh. 150 Rbl. monatlich, bei freier Wohnnng. Offerten zu 
richten an Dr. A. Kniipffer in Kulonina. 

— Die Verwaltung der Gesellschaft russischer 
Aerzte zum Andenken a n N. J. Pirogow hat vor 
1 Kurzem beschlossen, im Hinblick auf die i. J. 1905 zu er war- 
; lende Zunahme der Choleraerkrank nngen im Reich, einen all¬ 
russischen Aerztekongressfür die Zeit vom 
21.—24. Märze, nach Moskau einznberufen, um 
i einen einheitlichen Plan zur Bekämpfnug der Cholera aaszu- 
arbeiten. Näheres Über den Kongress, das Programm dessel- 
I ben etc. behalten wir uns für die nächste Nummer vor. 

— Oer 22. Kongress für innere Medizin findet 
vom 12 —15. April 1905 zn Wiesbaden statt unter dem Vor¬ 
sitze des Herrn Gelieimrat Erb (Heidelberg) Als Verliand- 
luQg8thema des ersten Sitzungstages ist bestimmt: Uebe r 
Vererbung. 1. Referat: Ueber den derzeitigen Stand der 
Vererbungslehre in der Biologie: Herr H. E. Z i e g le r (Jena), 
2. Referat: Heber die Bedeutung der Vererbung und der Dis¬ 
position iu der Pathologie mit besonderer Berücksichtigung 
der Tuberkulose: Heir Martins (Rostock). Vorträge haben 
angeiueldei: Herr A. H o f f m a n n (Düsseldorf): lieber Be- 
j handlung der Leukämie mit Röutgenstrahleii; Herr Paal 
Krause (Breslau): Heber Könt-gensirahlenbebaudlang der 
Leukämie und Pseudoleukämie; Herr Schütz (Wiesbaden): 
Untersuchungen über die Schleimsekrerion des D.inns«: Herr 

M. Matthes (Jena): Ueber Autolyse; Herr C I e ui m (Darm¬ 
stadt): Ueber die Bedeutung der Heftpflasterstützverbände für 
die Behandlung der Banohorgane; Herr Siegfried Kami* 
ner und Herr Ernst Meyer (Berlin): Experimentelle CJn^ 
teisuchungeu über dje Bedeutung des Applikationsorto« für 
die Reaktionshöhe bei diagnostischen Tuberknliniojektioueii; 
Herr A. Bickel ^Berlin): Experimentelle Untersuchungen 
über den Einflnss von Kochsalzthermeu auf die MageutArt- 
sekretioo; Herr August Laqueur (Berlin): Mitteilungen 
zur Behandlung von Herzkrankheiten mit Wechselstrombft- 
deru; Herr Aufrecht (Magdeburg): Erfolgreiche Anwen¬ 
dung des Tuberkulins bei sonst fast aussichtslos kranken 
Hebernden Phthisikern; Herr Hornberger (Frankfurt a. M.): 
Die Mechanik des Kieixlaufes; Herr R u in p f (Bonu): Ueber 
chemische Befunde im Blute und in den Organen bei Nephri¬ 
tis; Herr L. Gü risch (Parchwitz): Die tonsillare Rudlkal- 
therapie des Gelenkrheumatismus (mit Demonstrationen); Herr 
Rothschild (Soden a. T.): Der angeborene Thorax para* 
lyticus; Herr 0. Hezel (Wiesbaden): I) Beitrag zu den Früh- 
symptomen der Tabes dorsalis; 2) Ueber eine gelungene Ner- 
venpfropfung, ausgefflhrt zur Heilung einer alten stationär 
gebliebenen Lähmung einiger Muskeln aus dem Gebiete des 

N. peronens; Herr Bernh. Fischer!Bonu): Uaber Aru- 
rienerkrankungen nach Adretialininjektionen; Herr Ger¬ 
hardt (Erlangen): Beitrag zur Lehre von der Mechanik der 
Klappenfehler; Herr Lüthje (Tübingen): Beitrag zum expe¬ 
rimentellen Diabetes; Herr Kohnstamiu (Königstein j. T.): 
Die centrifugale Strömung im sensiblen Nerveu; Herr (t o 1 il- 
m a u n (Brennburg-Soproo): Neuere Beiträge zur Eisentbe- 
rapie bei Chlorose und Anämie, Herr F r i e d e 1 P i c k (Prag): 
Ueber Influenz«; Herr Turban (Davos): Demonstration und 
Erläuterung mikroskopischer Präparate: 1) Tuberkelbaziilea: 
Kern* uud Membranbildung; 2) Elastische Fasern: Fettorga- 
nisation und Doppelfärbtiug; 3) Geheilte Caverne; 4) Tuber¬ 
kulose nnd Karzinom. 

Mit dem Kougress ist die übliclte Ausstellung von 
Instrumenten, Apparaten und Präparaten, 
soweit sie für die innere Medizin von Inte¬ 
resse sind, verbunden. 

Anmeldungen von Vorträgen und für die Ansstelnag sind 
zn richten au Gelieimrat Dr. Emil Pfeiffer, Wiesbaden, 
Parkstrasse 13. 

— Epi de m i o 1 o g isch e s. Vom 12.-19. Februar sind 
weder im Dongebiet, noch an anderen Orten des Buss. Rei¬ 
ches Chelei aerkranknngen vorgekommen. 

Bf. 

— Die Gesamtzahl der Kranken in den Civil- 
hoapitälern < t. Petersburgs betrog am 12. Febr. 
d. .1. 10277(30 mchralsiti d Vorvv.), darunter 1149Typhns — 
(102 mehr). 924 Syphilis — (43 wen.), 282 Scharlach — (7 wen.), 
105 Diphtherie — (5 wen ), 62 Masern — (4 mehr) und 17 
Pockenkranke — (4 mehr als in der Vorw.). 


Digitized 


9d by Google 



77 


tfortalit&tS-Bolletin St. Petersburgs. Gelenkrheumatismus O.Parotiti8 epidemica0, RotzkrankheltO, 

Anthrax 0, Hydrophobie 0, Puerperalfieber 2, Pyfimie ond 

Für die Woche vom 5 his vnni 12 F fl hrn«r iqor ^epticaemie 16 Jnberkulose der Langen 95, Tnberkulose an- 

enr aie wocne vom 5. bis zum 1 2 . hebruar 1906. )ierer Organe 22, Alkoholismus and Delirium tremeoB 4, Le- 

; bensschwäche and Atropbia infantum 51, Marasmus senilis 37, 
4&nl der Sterbefälle. Krankheiten des Verdauungskanals 99, Totgeborene 51. 

1) nach Geschlecht und Alter: =—■ ■■ - .. 


Im Ganzen: j i J ^ i ^ J ^ . 

M' W- " I M M I f I I f S | 

607 372 879 180111 145 10 12 45 71 68 60 58 61 41 16 1 
8) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 2, Typh. abd. 52, Febris recHrrens l,Ty phus 
ohne Bestimmungder Form 1, Pocken 6, Masern 16,Scharlach 13, 
Diphtherie 18, Group 0. Keuchhusten 3, Croupöse Lungen* 
entefindnng 29. Erysipela* 5, Grippe 11, Katarrhalische Lun¬ 
genentzündung 142, Hahr 4, Epidemische Meningitis 0, Akuter 


♦" Nächste Sitzung deB Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag, d. 8. März 1805. 

Tagesordnung: Köttner: Beitrag zur Pubotomie- 
frage <mit Krankenvorstellung). 

M a s i n g: Ueber eine seltne Sprach¬ 
störung (Krankengeschichte nnd 
Praeparat.) 

Nächste Sitzung des Dentsohen ärztlichen 
Vereins: Montag,,den 14. März 1805. 


»ANNONCEN JEDER ART werden in der Buchhandlung von E. L. RICKER in 
St. Petersburg, Nevsky-Pr. 14, sowie in allen in-nnd ausländ. Annoncen-Comptoiren angenommen. 


Rationelle Heilung 1 durch Phosphor 

RHOMNOL 2“ 


dessen Hauptbestandteil reine Nucleinsäure ist, von Dr. Leprince hergestellt. 

C 40 , H 54 , Az 14 (T, P 4 . 

Erprobt: bei Phosphaturie, Neurasthenie, Rachitis, Blutarmut und Alterschwäche. 
Gebrauchsanweisung: 4—10 Pillen während der Mahlzeit. 

Dr. Leprince, 62, rue de la Tour, Paris. 

Erhältlieh in allen besseren Apotheken. ^ 33) 12 ~ 1 * 


Das erste Moorbad der Welt 

FRANZENSBAD 

besitzt die stärksten ätablqnellen, leicbtverdaalicbe Eisensäuerlinge, alka¬ 
lische Glanberaalzwässer, Lithionsäuerlinge. 

Natörliche kohlensäurereichste Stahl-, Miueral-, Sooi- und Strombäder, 
heilkräftige Moorbäder, Dampf-, Heissluft-, elektrische Wannen- und 
Lichtbilder, mediko-mechanisches Institut, Inhalatorium. 
Oesterreichs hervorragendstes Herzheilbad. 

Bewährt bei: Blutarmut, Bleichsucht, Rheumatismus, Gicht, Nervenkrank¬ 
heiten, Frauenkrankheiten, Herzkrankheiten. 

Saison Mai bis September. Prospekte gratis. 


Verlag von August Hirschwald in Berlin. 


Soeben erschien: 

Zeitschrift für Krebsforschung. 

Herausgegeben vom Komitee flir Krebs¬ 
forschung zu Berlin, redigiert von 
Prof. Dr. D. v. Hansemann 
und Prof. Dr. George Meyer. 

III. Band. 1. Heft. 

1905. gr. 8. Mit 3 Tafeln n. Textfig. 7 M. 


im Deutschen Alexander-ilospitai wird 
Nachweis ertheilt über zur Zeit dienst¬ 
freie Pfleger und Pflegerinnen für die 
private Krankenpflege (gegen Zahlung 
von 50 Cop.). 


.w».v«feg an-^ 

naaaaaaaaaaa/.a /r/. aa w. ^ ,^a 

SiRitirimn Villa Primaten. 

Garclone Riviera, Italien. 

Prospekte des SanitätsratsDr.Koeniger. 
»M*M*M*^ r *^ r *« r *^'*^'*V*^*^*^*^* 

A A A A A A ✓. A /, A A A A A A A /w. /W. /7 a 


Adressen von Krankenpflegerinnen: 

W asserheilanstalt Tursan * cnacc K aa 21 , m. e. 

v V »»»«* WM w Sophie Nafthal. Bac. ocTp. TyunoBi nep. 

Traunstein-Oberbayern 7. m. 5. 

Ludmilla Kawalkewits, ERaTepuHiH- 

Saaatoriii flr Nenrfinkraike 

On. la 

Das ganze Jahr geöffnet. Leiter and Lydia Duvan, Bac. Oerp., 1 xbh., j. 20 

_T~V„_J n U'.IJ « mm 7 r 1 


Besitzer Dr. med. G. Wolf 


KB. 17. 


Digitized by 


Google 























78 



ii 


Originalprodukte „Heyden“ 

von uns in die Medizin eingeführt: 

Salicylsäure, salicylsaures Natrium, salicylsaures Wismut, Salol, 
Creosotal, Duotal, Xeroform, Orphol, Solveol, Itro), Collargol, 

Acoin etc. 

Neu: Salocreol und Salit, lung rheumatischer und neural¬ 
gischer Erkrankungen. Salit ausserordentlich billig; Salocreol noch von 
spezieller Wirkung bei Ervsipelas faciei. Lymphadenitiden und skrofu¬ 
lösen Drüsenanschwellungen. 

V._, l e * c ht assimilierbares Eiweisspräparat zur sub- 

llüllt VctlQUcll, k u t a n e n, ganz besonders aber auch zur r e k t a- 
len Ernährung und zur Darreichung p e r o s al» Kraftnährmittel. 

Wir fabrizieren in bester Qualität Acetylsalicylsäure, 
in Substanz und als leicht zerfallende Tabletten, Guajacol, cryst. und 
liquid.. Benzonaphtol, Phenacetin, Lactophenin, Hexamethylentetramin, 
Diacetylmorphinum hydrochlor. etc. 

Literatur durch 

Chemische Fabrik von Heyden, ßadebenl-Hresden, 

oder deren Vertreter: (21) 10—3. 

R. Crottet,W. 0., Sredny Prcsp., 8, St. Petersburg. 


Producta aus dem natürlichen dem Wasser entzogenen Salze 


VICHY 


(3) 17-16. 


Die tjnelleii gehöre» der Französischen Regierung. 

2 oder 8 Bonbons uacb 
dem Essen fördern die 
Verdauung, 
zur Selbst'Bereitung 
des alkaliseh moussi- 
renden Wassers. 


PASTILLES VICHY-ETAT 
COMPRIMES VICHY-ETAT 



P CT D T | | Q Q | M Extract. Thymi 
CI it I U O O saccharat. 1 aeschner. 


ges. gesch. Einfuhr von der russ. Behörde gestattet. 

Unschädliches, sicher wirkendes Mittel gegen: 

Keuchhusten, Kehlkopf- und Bronchialkatarrh. 

Literatur in bervoirag. Blättern Deutschlands u. Oesterreich-Ungar ns. 

Aerztliche Gutachten: 

Prof. Ür. Ernst Fischer (Strassburg): 

Die Wirkung des „Pertussin- war eine überraschende; wenugleich icn 
nicht gerade sagen kann, dass der Keuchhusten sich in einigen Tagen in einen 
einfachen Katarrh verwandelte, so wurden die Anfälle so milde, der Schleim so 
locker, dass das Erschreckende des Keuchhustens, das Blau werden und die dro¬ 
hende Erstickung, vollständig wegfielen. 

Dr. Modol, kgl. Beziiksnrzt sr. D. (Wtissenburg): 

Nach dem Gebrauch des Portusslu war es mir beim Erwachen plötzlich, 
als aihihete ich die freie herrliche Luft aut einem Alpen-Oiptel. Diese Leiclit- 
athmigkeit fiel mir besonders auf, der ich infolge langjähriger Bronchialkatarrhe ( 
an merklichem Emphysem leide. 

Dr. Alfred Hüller (Neuhausen): 

Mein Urtheil geht dahin, dass das Pertussin ein Mittel ist, das in ktii- 
zester Zeit den mit Hecht so gefürchteten Keuchhusten in einen nngefäbrlicben 
und fast unmerkbaren ßroncbialkatarrh übeizuführen vermag. Icn kenne zm 
Zeit kein anderes Mittel, welches sich des gleichen Vorzuges rühmen dürfte. 

Dr. Erich R. von Matzoer (Birkfcid , Steierm.): 

Die drei mit Pertussin behandelten Bronchitiden, davon zwei bei Kindern, 
zählten zu den schwersten Formeu und jedesmal erwies sich Ihr Präparat als von 
ausgezeichneter Wirkung; der starke Hustenreiz nahm in wenigen Stunden bereit* 
ab und die Secretion begann sich bald zu verringern, die Temperatur fiel ab. | 
Verkauf nur durch nie Apotheken, sowie durch folgende Engros-Depöts: 

H. Blerstflmpfel, Apotheker, Warschau, Marszalkowska 136. Ad. Marciu- 
czik, Apotheker, Kiew. Paul Seebode, Apotheker, Itiga, Kalkstr. 26. 
B. Schaskolsky, Petersburg, Carl Ferreln, Moskau. 

Hergestellt in der Kouimaudauten-Apollieke E. Taeschuor, Berlin C. 15), 
^eydelsirasse 16. (1) 26—24. 




= NX 


jPujfi 

JCKi 

lg 

Jü 


^ g a g'C* 

*- 6 

■s .X 
— 

E Cj 


O 

</> — 
rt « • 

S 

T3 


jloBB. nenB. Cn6., 25 <Deßpaan lPOfir. Herausgeber Dr. find olf W anach. Buchdrnckerei v.A. Wieneeke, KatbariMohefarBf.4116' 


Digitized by 


Google 














• I • 1 

UMtV. ;»r 

APH 13 1905 


XXX. JAHRGANG. fl V PKTKB SRTTB (tEB X«U«to|. . 

HEDICINISOIE WQCEENSGEEIFT 

unter der Redaktion von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Or. Johannes Krannhals. 

Jurjew (Dorpat). Riga. 


Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger MedicinischeWochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend.—Der Abonnementspreis ist in Bussland 8 Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postzustellung;in den anderen 
Lindern 30 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Insertionspreis 
türdie 3maIgespalteneZeilen inPetitist löKop. oder 35Pfen.—■Den 
Autoren werden 25 Separatabzügeihrer Origmalartikelzugesandt. 

-Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate ‘‘fei 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von X. L. Bicker 
in St. Petersburg, Newsky-Prospekt .N* 14, zu richten. — Xanfcs- 
cripte sowie alleaut die Redaktion bezüglichen Mitteilungenbit- 
tet man an den stellvertretenden geschäftsführenden Redak¬ 
teur Dr.E- Blessig in St.Petersb., Wassili Ostrow, 1 Linie Ns 28 
zu richten. Sprechstunden täglich von 4—6 Uhr. 


Infolge Erhöhung der Preise für Druckarbeiten sind wir genötigt die Insertionspreise 
vom 1. April 1BU5 an zu erhöhen und zwar von 10 auf 20 Kop. (.von 36 auf 
46 Pf.) pro Zeile der 3 mal gespaltenen Seite. 


N 9 


St. Petersburg, den 5. (18.) März. 


1905. 


Inhalt: Dr. Oswald Moritz: Zur Kenntnis der Elweiaakörper im nephritischen Urin- — Referate: J. A. Killian: 
Ueber subjektive Kakosmie. — Bücheranzeigen und Besprechungen: F. v. Wlnckel: Handbuch der Geburtshülfe. — 
Rudolf Krelil: Pathologische Physiologie. — Protokolle des Vereins St. Petersburger Aerzie. — Nachrichten 
von Kollegen aus dem fernen Osten. — Vermischtes. — Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. — Anzeigen. 


(Aus dem Deutschen Alexander-Hospital.) 

Zur Kenntnis der Eiweisskörper im nephritischen Urin. 

(Vortrag, gehalten im Verein St. Petersburger Aerzte am 
22. Februar 1905). 

Von 

Dr. 0 s w a 1 d M o r i t z. 


i. ! 

Es kann Vorkommen, dass der Zusatz des Esbach’- 
schen Reagens eine starke Trübung des Urins bewirkt, 
ohne dass die Ei weisskörper völlig ausgefällt werdeu, 
uud durch diese Methode quantitativ bestimmbar wer¬ 
den. Dabei zeigen andere Reaktionen, dass es sich tat¬ 
sächlich um das Vorkommen echten Eiweisses handelt. 
Die Beobachtung, dass gewisse Krankheitprozesse häufiger 
als andere die erwähnte Reaktion geben, hat mich zu 
folgender Fragestellung geführt: 

. 1) Kommt die betreff. Reaktion nur bei bestimmten 
Krankheitsprozessen vor und ist sie speziell bei der 
akuten oder chronischen Nephritis häufig? 

2) Falls eine Gesetzmässigkeit in dem Vorkommen 
dieser Reaktion zn konstatieren ist, welcher pathologisch- 
änatomische Nierenprozess entspricht ihr? 

3) Durch welche besonderen Eiweisskörper wird die be¬ 
treff. Reaktion bedingt, oder welche Faktoren verhindern 
das Aosfallen des Eiweisses in den betr. Fällen? 

1) Gemeinsam allen Urinen, die mit dem Esbach’- 
schen Reagens in der üblichen Weise versetzt eine Trü¬ 
bung, aber keinen Niederschlag geben, ist meist eine 
dunkele bräunlich grüne Farbe, die vom reiohlicben Uro¬ 
bilingehalt herrührt. Bei einiger Erfahrung kann mau 
aus dem eigenartigen Farbenton der Mischung solcher 
Urine mit dem E s b a c b’schen Reagens im voraus an¬ 


geben, dass ein Niederschlag der Eiweisskörper Ausblei¬ 
ben wird. 

Im folgenden gebe ich einige Dateo über das von mir 
beobachtete Vorkommen der betreff. Reaktion: 

Das Ausbleiben des Nledersehl&ges im E 8 b a o h habe 
ich notiert bei: 

lobärer Pneumonie (meist krupös) . . 42X 


lobulärer Pneumonie.2X 

Typbus abdominalis.12X 


Vereinzelt IX hei: Malaria, Sepsis, Erysipel, Herz¬ 
fehler mit Lungeninfarkt, Morbus Weilii und Purpura 
hämorrhagica. 

Die Reaktion trat bei der krupösen Pneumonie zwi¬ 
schen dem i. und 9. Tage der Erkrankung auf. Der Ei- 
weissgehalt (durch Wägung bestimmt) betrug im Mini¬ 
mum Spuren, im Maximum 0,29 pCt. 

Allen diesen Erkrankungen gemeinsam ist, dass es 
sich um infektiöse Prozesse handelt, die stets fieberhaft 
verlaufen. Das Fieber braucht jedoch nicht hoch zu sein 
— so fand ich z. B. in einem Fall nur 37,3®. 

Kriti8irte die Pneumonie oder besserte sich der Ty¬ 
phus, so war das Eiweiss und mit ihm die betr. Reak¬ 
tion verschwuuden. Eine fieberlose echte Nephritis (der 
| Morbus Brightii sensu strictlori) zeigte nie diese Reak¬ 
tion, wohl aber trat letztere zuweilen auf, wenn der 
Nephritiker infektiös erkrankte: z. B. M. Schrumpf¬ 
niere: Albumen mit Esbach c. 2 pCt., acquirirt ein 
Erysipel; während des Fiebers geben alle Eiweissreak- 
tionen ein positives Resultat, aber im Esbach kein 
Niederschlag (durch Wägung werden quantitativ 2°/«o 
Alb. nachgewiesen). Das Erysipel schwindet, die Tem¬ 
peratur wird normal ußd im Esbach tritt der Nieder¬ 
schlag wieder auf. Umgekehrt kann zuweilen die betr. 
Reaktion eine Zeitlang vorhanden sein uud später ei¬ 
ner echten Nephritis Platz machen, z. B. N. Aneurysma 


Digitized by Google 








Aortae, Bronchopneumonia purulenta, 26/10: Urin: 
Alb. 0; 21/11 Eiw. + Esbach trüb, kein Niederschlag 
1/12 Esbach 8°/o# Alb., obere Flüssigkeitsschicht klar. 
Exitus 9/1 Obdukt. Hochgradige Nephritis parenchy- 
matosa. 

i Es erweist sich.somit, dass die betr. Re¬ 
aktion in den meisten Fällen ein Charak¬ 
teristikum einer febrilen Albuminurie ist, 
und wir aus derselben schliessen können, 
dass Pat. infektiös erkrankt ist. 

2) Handelt es sich nun in diesen Fällen um eine 
Nephritis? Darauf ist folgendes zu sagen: in allen Fäl¬ 
len, bei denen die erwähnte Reaktion vorhanden war, 
Hessen sich Cylinder, hyaline stets, oft epitheliale und 
mit Leukocyten besetzte, daneben freie Epithelien find 
Leukocyten, nachweisen. Wir haben also klinisch die 
Zeichen einer Nephritis. Erholte sich der Pat von sei¬ 
ner Infektionskrankheit, so schwanden mit dem Eiweiss 
auch die Nierenformelemente. Kam der Patient jedoch 
im fieberhaften Stadium zum Exitus, so war folg. Nie- 
renverftnderung vorhanden: Die Nieren waren vergrössert, 
die Kapsel meist leicht löslich, die Rinde meist etwas 
verbreitert, die Zeichnung leicht trüb. Man muss den 
Prozess somit als parenchymatöse Nephritis bezeichnen. 
Zuweilen ergab sich sogar eine hochgradige Nephritis. 

Als Beispiel führe ich einige kurze Sektionsresul¬ 
tate an: 

a) N. Morbus Weilii. — Nieren vergrössert (r. 227, 
1. 332 gramm) Kapsel leicht löslich, Oberfläche glatt, 
Gewebe sehr blutreich, trübe, ikterisch verfärbt. Rinde 
verbreitert, b) B. Poeumonia cruposa. Nieren leicht 
vergrössert, Kapsel leicht löslich, Gewebe graurot, Rinde 
etwas verbreitert auf dem Schnitt gekörnt, c) T. Pneum. 
crup. .Nieren gross, Kapsel etwas adhärent, Oberfläche 
glatt, Gewebe hellgraurot, Rinde leicht verbreitert, d) D. 
.Sepsis., Nieren vergrössert (290 und 235 gramm) Ge¬ 
webe gelblichrot, Rinde stark verbreitert, fettig glänzend, 
Kapsel leicht löslich. 

Mikroskopisch handelte es sich um eine parenchyma¬ 
töse Nephritis, wie es scheint, * anscheinend mehr im 
Bereich der Harnkanälchen, weniger in dem der Glome- 
ruli. Nebenbei war zuweilen beträchtliche Verfettung 
des Epithels zu konstatieren. Man kann wohl mit Si¬ 
cherheit sagen, dass wir es hier mit dem Prozess zu tun 
haben, der bei Senator klinisch als febrile Albumi¬ 
nurie, pathologisch-anatomisch als reine parenchymatöse 
Nephritis (im Gegensatz zu der diffusen akuten Nephri¬ 
tis) abgehandelt wird. 

K o s 81 e r x ) hat eine Anzahl offenbar znm Teil hierher ge¬ 
höriger Fälle sowohl klinisch als post mortem untersucht 
und kommt zu dem Resultat, dass es sich um Nacleoalbiimi- 
narie mit Ausscheidung von Cylindern unter dem Einfluss 
der Infektlouskraukheit handelt und dass anatomisch dabei 
Degenerationsprozesse des Parenchyms vorliegen. 

Pichler und Vogt 2 ) haben bei experimenteller Nucleo- 
albuminurie an Tiereu Fettanhäufung in den Zellen und Al¬ 
teration der Nierenepithelien nachweisen können. 

Wenn nun die Fälle, die diese Eiweissreaktion zeigen» 
in das Gebiet der ja schon lange bekanuten febrilen Al¬ 
buminurie gehören, so muss ich doch betouen, dass ich 
umgekehrt durchaus nicht behaupten kann, dass alle 
febrilen Albuminurien diese Reaktion geben. Festzuhal¬ 
ten ist, dass wir es mit einer parenchymatösen Nephri¬ 
tis zu tun haben, welche jedoch eine unbedingt gute 
Prognose giebt, d. h. mit anderen Worten: wenn der 
Pat. nicht an seiner Infektionskrankheit zu Grunde geht, 
so erholen sich seine Nieren in kürzester Frist. Der 
Wert der Reaktion liegt darin, dass wir aus ihr mit 
Sicherheit eine gute Prognose der Nierenaffektion stellen 


*) K o s s 1 e r: Berlin, kl. Woch. 1895, Nr. 14 und 15. 

*) P i c h 1 e r u. Vogt: Zentralbl. f. inn. Med. 1894, Nr. 17. 


können, was wir aus anderen Reaktionen bisher nicht 
zu tun imstande waren. Denn abgesehn davon, dass 
der Harn alle Zeichen der akuten Nephritis aufweist, 
kann auch die Eiweissmenge eine ganz beträchtliche sein. 
(Durch Wägung 0,2 pCt. Alb. und mehr). 

Für die krupöse Pneumonie haben wir auf der 
Höhe des Fiebers ausserdem in dem Vorhandensein dieser 
Reaktion bei Verminderung der Chloride, oft geradezu 
ein differentialdiagnostisches Merkmal. 

3) Wodurch wird nun die Verhinderung des Eiweiss¬ 
ausfalles bedingt? Handelt es sich um besondere Eiweiss¬ 
körper? Oder haben wir es mit den üblichen, im Urin 
vorkommenden Eiweissstoffen zu tun, die durch beson¬ 
dere Verhältnisse in Suspension gehalten werden? 

In den gebräuchlichen Lehrbüchern findet man keine 
genügende Erklärung. Es findet sich die Angabe, . dass 
die umgebende Temperatur, der Salzgehalt (speziell 
Chloride), bei ungenügender Ausfällung eine Rolle spie¬ 
len können. Um diese Momente auszuschliessen, habe ich 
l) das Esbachröhrchen sowohl in Eis, als bei Zimmer¬ 
temperatur und am heissen Ofen anfgestellt, ohne dass 
eine Aendemng bemerkbar war, 2) dem Urin, falls er 
salzarm war, CINa oder Kalksalze in verschiedenem Ver- 
hältniss zugesetzt, ohne dass eine Fällung erreicht wor¬ 
den wäre. (Der Zusatz von Arnraonsulfat zur besseren 
Fällung ist meiner Ansicht nach nicht zulässig, weil 
eine konzentrierte Lösung dieses Salzes schon an sich 
mit dem Esbach'sehen Reagens einen kristallinischen 
Niederschlag bildet). Andererseits muss betont werden, 
dass stark verdünnter «nephritischer» Urin trotz mini¬ 
malem Salzgehalt stets einen guten Niederschlag mit 
dem Esbach’schen Reagens zu geben pflegt. 

Somit kann man wohl den Einfluss der Temperatur 
und des Salzgehalts des Urins in diesen Fällen nicht für 
entscheidend ansehn. 

Es liegt nun nah, die betr. Variation der Esbach’¬ 
schen Reaktion ohne weiteres auf Rechnung des, wie 
wir wissen, bei febriler Albuminurie meist reichlich vor¬ 
handenen Nucleoalbumins zn setzen (cf. Senator und 
Kossler loc. cit.) In einer Anmerkung seiner Arbeit 
«über die Genese der Eiweisskörpor bei der Albumi¬ 
nurie» (Arch. f. exp. Path. und Pharm. B. 42, S. 465) 
erklärt Prof. Cloetta die betr. Reaktion direkt durch 
den Gehalt au Nucleoalbumin, ohne indessen näher auf 
die Frage einzugehn. 

Herr Prof. Bl u menthal-BerHn sprach sich auf 
eine Anfrage meinerseits dahin aus, dass es sich ver¬ 
mutlich um Nucleoproteide handle. Herr Prof. C1 oe t ta 
bestätigte mir; dass die betr. Esbach’sche Reaktion 
meist im Fieber vorhanden sei*). 

Gemeinsam allen Urinen, die die betr. Reaktion — 
Ausbleiben der Eiweissfällung bei Zusatz des Es¬ 
bach’schen Reagens — zeigten, waren folg. Eigen¬ 
schaften: sie waren in frischem Zustande stets sauer, 
enthielten meist wenig Chloride, stets Urobilin (meist 
sehr reichlich), zuweilen Gallenfarbstoff. Das spez. Gew. 
war 1010 bis 1026. 

Von Eiweisskörpern enthielten sie folgende: 

1) Nucleoalbumin — reichlich. 

Nachgewiesen durch Zusatz von 25 prozeutiger Essig¬ 
säure, wodurch ein Niederschlag erzeugt wurde, der im 
Säureüberschuss zum grössten Teil unlöslich war. Durch 
Kochen mit Säuren keine Reduktionsproben, daher kein 
Mucin. Arnraonsulfat bis zu 22 pCt. zugesetzt, ergab 
eine Trübung, (cf. Matsumoto 4 ). 


3 ) Beiden Herren danke ich hiermit bestens für ihre liebens¬ 
würdige briefliche Auskunft. 

*) Cf. die Arbeiten von Csätary, Deutsch. Archiv f. kliu. 
Med. Bd. 47, S. 159. 

Calvo : Zeitschr- f. klin. Med. 51, S. 502. 

Matsumoto: Deutsch. Arch. f. kliu. Med. 75, 8. 398. 
Oswald: Münch, med. Woch. 1904, Nr. 34. 


Digitized by 


Google 


r 



81 


2) Fibrö- und Englobulin. 

Nach Ausfüllung des Nacleoalbumin ergiebt Ammon- 
sulfat im Verhältnis yon 22—33 pCt. eine Trübung. 

3) Pseudoglobulin. 

Ausfüllung mit Ammonsulfat zwischen 34 und 46 pCt. 

4) Serumalburain. 

Ausfüllung mit Ammonsulfat über 46 pCt. 

Die Ausfällungsgrenzen sind ‘ in meinen Versuchen 
nicht ganz exakt bestimmbar gewesen, da ich nicht die 
reine, isolierte Eiweisssubstanz, sondern den Urin selbst 
untersuchte, wobei die übrigen Harnbestandteiie (z. B. 
Urate) oft störend wirkten. Für meinen Zweck kam 
es aber nicht auf die quantitative Bestimmung der betr. 
Körper an, sondern nur auf den Nachweis, dass die 
obenerwähnten Eiweissstoffe vorhanden waren. Calvo’s 
Ein wände gegen die Methode sind, streng chemisch, ge¬ 
wiss richtig. Auch Oswald’s Methode der klinischen 
Bestimmung der verschiedenen Ei Weissfraktionen beruht 
auf derselben Anwendungsweise und man kann durch 
diese fraktionierte Eiweissfällung jedenfalls feststellen, 
dass bei dem reinen «Morbus Brightii», der nicht durch 
Fieber oder starke Korapensationsstörung kompliziert 
ist, die Trübung des Urins erst bei viel höherem Pro¬ 
zentgehalt an Ammonsulfat eintritt, als bei febriler Al¬ 
buminurie. Als Beispiel gebe ich hier die Tabellen eines 
Falles von reiner chronischer parenchymatöser Ne- 
pnritis und eines Falles von Albuminurie bei Pneu- 
monia crup. 


Tabelle A. 


H. Pnenra. crup. 

| W. Nephr. parench. 

Urin 

Wasser 

~a 

00 

a 

o 

a * 

Nach 20 , 
Stunden. 

das Filtrat 
mit Sulfo- 
salicyl säure 
versetzt. 

a 

’C 

P 

Wasser 

o 

CB 

a 

o 

a ^ 

Nach 20 
Stunden. 

ei . 

gs 

2 ccm. 

7,8 

0,2 

klar 

— 

2 

7,8 

0,2 

klar 

— 

2 » 

7,6 

0,4 

trüb 

trüb 

2 

7,6 

0,4 

> 

— 

2 » 

7,4 

0,6 

» 

» 

2 

7,4 

0,6 

» 

— 

2 » 

7,2 

0,8 

» 

» 

2 

7,2 

0,8 


— 

2 » 

7,0 

1,0 

» 

» 

2 

7,0 

1,0 

» 

— 

2 » 

6,5 

1,5 

» 


2 

6,5 

1,5 

Spur? 

trüb 

2 » 

6,0 

2,0 

» 

» 

2 

6,0 

2,0 

trüb 


2 » 

5,5 

2,5 

» 

» 

2 

5,5 

2,5 


» 

2 » 

5,0 

3,0 

Nieder¬ 

schlag 


2 

4,5 

3,5 

Nieder¬ 

schlag 

Spur 

2 » 

4,5 

3,5 


Spur 

trüb 

2 

4,0 

4,0 


klar 

2 » 

4,0 

4,0 

» 

» 

2 

3,5 

4,5 

» 

» 

2 » 

3,5 

4,5 

» 

klar 

2 

3,0 

5,0 

» 

* 

2 » 

3,0 

5,0 

» 

» 







Ich habe das Ammonsalfat in Substanz zugesetzt, da bei 
der konzentrierten Lösung desselben die Sättigung, je nach 
der Temperatur eine sehr verschiedene ist. Die Röhrchen 
wurden nach 20 Stnnden kontrolliert. Mir kommt es bei obi¬ 
gen Tabellen wesentlich darauf an, zu zeigen, wie bei .dem 
ersten Fall die Trübung bei Zusatz von 4 pCt. krist. Am¬ 
monsulfat eintritt, beim 2. erst bei 20 pCt. Dieses Ergebnis 
wiederholte sich bei allen in dieser Richtung von mir unter¬ 
suchten Fällen von Nephritis resp. febriler Albuminurie. 

Ausser den erwähnten Eiweissstoffen waren in den 
betr. Urinen: 

5) Albumosen stets sehr reichlich enthalten. 


Nach Ausfüllung des Eiweisses wird das klare Filtrat 
durch Sulfo8alicylsäare in der Kälte getrübt and die Trü-, 
bang schwindet beim Erwärmen. 

Ueber die Albamosen beim Fieber cf. K r e h 1 u. M a 11 h e s, 
Schultess, Blumenthal*). Durch die Dialyse habe ich 
nur eineu kleinen Teil dieser Albumosen entfernen können, 
wodurch die E s b a c h 'sehe Reaktion nicht beeinflusst wurde. 

Die Gesamtei weissmenge betrug im Maximum 2,9°/o*. 

Der Eiweissquotient — Serumalbnmin dividiert durch 
Globulin (incl. Nucleoalburain) wurde selten bestimmt, 
da die Filtration des mit Ammonsulfat halbgesättigten 
Urins in diesen Fällen oft sehr schwierig ist. Der Quo¬ 
tient betrug im Maximum 1,89 — war jedoch meist 
unter 1,0. 

Anscheinend lässt sich oft die Hauptmenge des Ei¬ 
weisses durch Essigsäure fällen, da mehrfach nach Fil¬ 
trierung des Essigsäureniederschlags im Filtrat nur eine 
mässige Trübung durch Eiweissreageutien erzielt wer¬ 
den konnte. 

Da aus diesen Untersuchungen hervorging, dass ab¬ 
norm viel mit Essigsäure fällbare Eiweisskörper vor¬ 
handen waren, musste ich untersuchen, ob Nuoleopro-, 
teide an sich die besprochene Reaktion, d. h. Trübung 
mit dem Esbach’schen Reagens (aber keine Fällung), 
geben. Zu dem Zweck untersuchte ich: 

1) Nucleohiston. Gewonnen aus der Thymusdrüse des 
Kalbes durch Auswaschen mit alkalischem Wasser, Fäl¬ 
len mit Essigsäure, mehrfaches Auswaschen und wieder 
Fällen (Salkowsky 6 ) Der gewonnene Ei weisskörper 
gab mit dem Esbach’schen Reagens einen guten Nie¬ 
derschlag. 

2) Nacleoalbumin, in ähnlicher Weise wie oben, aus 
frischen Schweinsnieren gewonnen (cf. Matsumolo 
loc. cit.). Mit Esbach ein Niederschlag. 

3) Den durch Essigsäurezusatz aus den erwähnten 
Urinen gefällten Niederschlag sammelte ich auf dem; 
Filter, löste ihn in alkal. H a O, säuerte an und setzte, 
das Esbach’sche Reagens zu. Jetzt erhielt ich einen 
vollständigen Niederschlag. Dieser Versuch wurde an; 
verschiedenen Urinen mit demselben Resultat wiederholt- 

Dadurch wurde erwiesen, dass das Nuoleoalbumin an 
sich wohl nicht die Ursache der betr. Reaktion ist.: 
Meine Vermutung, dass ich nach Ausfällen des Nucleo r 
albumin eventuell im Filtrat die fällungswidrige Sub¬ 
stanz durch die Esbach’sche Reaktion jetzt würde 
nachweisen können, war irrig. Nach Abfiltration des 
Nucleoalbumins ergab sich in dem Filtrat bei Vorhan¬ 
densein verschiedener Ei Weissreaktionen jetzt gleichfalls, 
durch den Esbach ein geringer Niederschlag. 

Die einzelnen Ei Weissfraktionen untersuchte ich noch 
in folg. Weise: durch Halbsättigung mit Ammonsulfat 
wurde zunächst das Serumalbumin ausgeschieden, wel¬ 
ches, ja mit dem Esbach stets einen guten Nieder¬ 
schlag- giebt. Der anf dem Filter gesammelte Niedert- 
schlag wurde durch Answaschen vom Amraonsulfat be¬ 
freit, in alkalischem Wasser gelöst und nun Essigsäure 
zngesetzt, wodurch ein dicker Niederschlag entstand/ 
Derselbe wurde wieder gelöst, angesäuert und gab jetzt, 
mit dem Esbach nicht nur eine Trübung, sondern 
gleichfalls eine Fällung. : t 

Aus Obigem scheint mir hervorzngehn, dass keiner 
der genannten Eiweissstoffe an sich die Ursache dej: 
betreff. Reaktion ist. Möglich ist es, dass es sich um' 
einen höchst labilen Eiweisskörper handelt, der dnrclr 
die Essigsäure in seinen Eigenschaften sofort verändert 
wird. 

Wahrscheinlicher scheint mir jedoch die Deutung, dass 
die in diesen Fällen stets reichlich vorhandnen Albu-. 
m o s e n hier die Hauptrolle spielen. 

*) 8 c h n 11 e s s .* D. Arch. f. klln. Med. 58. K r e h 1 and 
M a 11 h e 8 : D. Arch. f. klin. Med. 54, S. 501. Blumenthalr 
Pathologie des Harnes. 1904. 

•) Salkowsky: Virch. Archiv Bd. 131, 8. 318- 


Digitized by 


Google 



S2 


Bestärkt wird man in dieser Vermutung durch die 
Beobachtung, dass in dem nach einem Probefrühstück 
gewonnenen salzsäurehaltigen Magensaft, der bekannt¬ 
lich ein Gemisch von (hauptsächlich) Albumosen ist, 
die betr. Reaktion mit dem Esbach’scheu Reagens 
exquisit vorhanden zu sein pflegt. Nur bei Abwesenheit 
von freier HCl schien die Reaktion zu fehlen. 

Die Somatose, gleichfalls ein Albumosengemiscb, zeigt 
mit dem Esbach’schen Reagens auoh eine unvollstän¬ 
dige Fällung, wenn sich auch die oberste Schicht des 
Röhrchens meist zu klären pflegte. 

Dadurch ist nun freilich noch nicht der Albomosen- 
ursprung unsrer Reaktion für die febrile Albuminurie 
bewiesen. Denn einerseits sind oft genug Albumosen im 
Urin vorhanden, wobei sämtliche Eiweissreaktionen feh¬ 
len (cf. K r eh l und M a 11 h es). Andrerseits sind bei der 
echten Nephritis neben dem Eiweiss auch Albumosen 
vorhanden und trotzdem tritt mit dem Esbach eine 
Fällung ein. Es handelt sieb also wohl um spezifi¬ 
sche Älbumoseu. Dass der Urin speziell bei der kru- 
pösen Pneumonie gerinnungshemmende Albumosen neben 
Nucleoalbumin enthält, haben L ochb i h 1 er’’) und Kun 
schon vor 2 Jahren gezeigt. Kürzlich haben N e c k e r und 
Scheuer dieses bestätigt. Letztere Arbeit ist leider 
noch nicht in extenso veröffentlicht. Einen klaren Ein¬ 
blick in die hier in Frage kommenden Verhältnisse wird 
uns wohl erst die moderne Chemie durch genauere 
Kenntnis der Eigenschaften kolloidaler Lösungen, deren 
typische Vertreter die Eiweissstoffe sind, liefern können. 

Meiner Ansicht nach kommt es zu der besprochnen 
Variante der Esbach’schen Reaktion, wenn neben 
e iner reichlichen Menge von spezifi sehen 
Albumosen echte Eiweissstoffe, besonders 
Nucleoalbumin und Fibrinoglobulin im Urin vor¬ 
handen sind. Diese Bedingungeu sind bei der 
febrilen Albuminurie gegeben, wo die Bakterienprodnkte 
das Nierenparenchym schädigen (cf. Cloetta) und ande¬ 
rerseits aus dem Körpereiweiss Albumosen abgespalten 
werden. 

Kommen wir zum Schluss noch kurz auf die prak- 
tisch-kliolsche Frage zurück, die mich zu obigen Uuter- 
spehungen veranlasst«: Was hat es für den Kranken 
zu bedeuten, wenn bei Anstellung der Esbachs che n 
Reaktion sich kein Niederschlag bildet und die gleich- 
massige Trübung bestehn bleibt? — so lautet die 
Antwort: Es handelt sich um eine infektiöse 
(oder ctoxische») Nierenreizung, deren Prog¬ 
nose gut ist unddie keine Tendenz hat, in 
eine «echte Nephritis» öber-zugehen. 

II. 

Seit einigen Jahren wendet man der Differenzierung 
der verschiedenen Eiweissarten im Urin ein erhöhtes 
Interesse zu, besonders seitdem man gefnnden zu haben 
glaubt, dass bestimmte Nephritisformen ihnen spezifische 
Mengenverhältnisse der Eiweissstoffe im Urin erkennen 
lassen. 

Wie wir gesehen haben, ist das Nucleoalbumin, oder 
richtiger das Auftreten von, durch Essigsäure fällbarem 

T ) Lochbihler u. Kan: Centralblatt f. iun. Med. Ib02. 
Nr. 31 und 33. 

N e c k e r und Scheuer: Deutsch, med. Wocli. 1904. 
V. B. 8. 1630 

Aus obigen Arbeiten, die mir erst nach Schluss meiner Un¬ 
tersuchungen zugänglich wurden, geht hervor, dass L e u o b e 1 
1897 das Vorkommen gerinnungswidriger Eiweissstoffe bei 
Pneumonie fand. Lochbl h ler gewann durch Kochsalzsätti- 
gung bei Pneumonie ernp. aus dem Urin Albumosengemische, 
deren einer Teil geriDnungswidrige Eigenschaften hatte. K n u’s 
Ansicht, dass letale Fälle von Pneumonie relativ geringe Men¬ 
gen dieser Eiweissstoffe ausscheiden, scheint mir irrig, voraus¬ 
gesetzt, dass es sich um dieselben Stoffe handelt, welche die 
betreff Esbach reaktion geben; letztere« ist jedenfalls sehr 
wahrscheinlich, 


Eiweiss meist eine Begleiterscheinung der febrilen 
Albuminurie. In minimalen Mengen kommt dasselbe 
jedoch, wie Mörner 8 ) gezeigt hat, in jedem Urin vor. 
Ott hat gleichfalls in jedem normalen Urin eine Fäl¬ 
lung erhalten. Zu demselben Resultat kam Calvo 
nach Dialyse des Urins. Grössere Mengen dieses Stoffes 
sind jedoch fraglos pathognoraonisch für stärkere, akute 
Nierenreizung, resp. akute Nephritis. (Cloetta*). 

Mehr Bedeutung scheint für die Praxis das Verhältnis 
des Serumalburains zu dem Gesamtglobulin zu haben. 
Dieser sogen. Ei weissquotient istvouHoffmaun 
eingeführt und von verschiedenen Forschern nachge¬ 
prüft worden. Csätary kommt zu dem Schluss, dass 
der Ei weissquotient gross bei Schrurapfniere , sein 
Steigen für die Prognose günstig ist und dass er bei 
fieberhaften Prozessen sinkt. Ferner lässt er sich durch 
medikamentöse und diätetische Massnahmen beeinflussen. 
Cloetta hat im wesentlichen diese Resultate bestätigt, 
hervorgehoben, dass, je akuter die Nephritis, desto mehr 
Globulin und Nucleoalbumin ausgeschieden würden und 
vor Allem nachgewiesen, dass die Ausscheidung der 
verschiedenen Eiweisskörper unabhängig von dem Eiweiss 
des Blutserums ist und nur durch die besondere Art 
der Nierenläsion erklärt wird. Die anatomische Läsion 
und die Funktionsstörung sind jedoch nicht kongruente 
Begriffe. Das Nucleoalbumin stammt aus der kranken 
Niere selbst, während Albumin und Globulin aus dem 
Blut «.filtriert» werden. In einwandfreien Versuchen 
hat Cloetta Albumin- und Globulinlösungen durch 
diverse tierische Membranen passieren lassen und je 
nach der filtrierenden Membran verschiedene Eiweiss¬ 
quotienten erzielt. Diese Versuche sind besonders 
wichtig, weil sie die Ansicht widerlegen, dass die 
Blutzusammensetzung die Ei Weissausscheidung wesentlich 
beeinflusst. (Vergl. Calvo 1. cit. S. 516). 

Folgende Tabelle enthält die Resultate einiger von mir ans¬ 
geführter Untersnchangen. Die Eiweissbestimmang geschah 
m der üblichen Weise, d. h. 50 ccm. Urin worden mit H*0 
verdünnt, mit Essigsäure versetzt, im Wasserbade gekocht, 
das Eiweiss filtriert, getrocknet und gewogen. Andere 50 ccm. 
wurden mit 50 ccm. neutraler, heisser konzentrierter Ammon- 
sulfatlösung versetzt, der Niederschlag nach 24 Standen auf 
gewognem Filter aufgefangen, getrocknet, das Ammonsultat 
ausgewaschen bis das Spülwasser keine Trübung mit Baryum- 
hydrat gab, wieder getrocknet und gewogen. Wir erhielten 
so das Globulin (+ Nucleoalbnmin). Subtrahieren wir dieses 
vom Gesamtalbumea, so erhalten wir das Seram&lbnmin. 
Die Untersuchungen sind besonders bei febriler Albuminarie 
mühsam and misslingen oft, da die ansfallenden Urate die 
klare Filtrierung des Globalin sehr erschweren. 

Bei Gelegenheit dieser Arbeit habe ich die E s b a c h 'zahlen 
durch die Wägnng kontroliert and an 20 Fällen mit relativ 
hohem Eiweissgehalt getänden, dass im Durchschnitt meine 
E s b a c h angaben um 1,15®/°° zu niedrig waren, ln 11 von 
diesen 20 Fällen war der Eiweissgelialt über 3°/oo nnd zwar 
zwischen 3,27 nnd 15.4°/oo, im Durchschnitt 6,56®/«*. Betrag 
der Gehalt mehr als 5—6®/o«, so wurde der Urin verdünnt. 
Im Durchschnitt zeigten diese Fälle 1,96 */h zu wenig. Die 
9 Fälle mit Albanien bis zu 2,8°/ 00 ergaben dagegen eiuen 
Fehler von nur — 0,168°/oo für die Esbac h’zahien. Bei 
einem Eiweissgehalt von über 3°/o, hatte ich also durch¬ 
schnittlich eine am 29J87°/o (des Gesamtalbumens) zu nie¬ 
drige Angabe, bei einem Gehalt unter 3%, dagegen einen 
Fehler von nur 9,1%. 

Daraas möchte ich die Folgerung zieheu, dass jeder stark 
eiweisshaltige Urin für die Esbach’sche Reaktion so weit 
verdünnt werden mnss, dass die znr Probe benutzte Flüs¬ 
sigkeit nicht mehr als höchstens 3>« Albanien enthält. Mir 
scheint diese Forderung wichtiger, als die sonst meist ange¬ 
gebene, dass der benutzte Urin nicht mehr als 1008 spez. 
Gew. haben dürfe. 

Meiu Hauptzweck bei diesen Untersuchungen war der, 
mir wenn möglich durch genaue pathologisch-anatomische 

*) Zitirt bei S e n a t o r. Erkrankuugen d. Nieren. Noth¬ 
nagel Bd. 19. 

Ott: Verhandlungen des XII. Congr. f. innere Medizin. 

®) Cloetta Correso. f. Schweizer Aerzte 1903 Nr. 8 und lo¬ 
co cit. Hoffmann Virch. Arcb 89. 

Csätary. Deut. Arcb. f. klin. Med. 47 8. 159. 




83 


Verifizierung der Diagnose, ein Urteil über den diagno¬ 
stischen Wert der Bestimmung des Eiweissquotienten zu 
bilden. 

Anmerkung. In d e n Fällen 1, 2, 5 und 7 habe ieh 
die. durch Punktion der Beine gewonnene Oedemflüssigkeit 
untersucht: das spez. Gew. war 1006,5 bis 1007. Der Eiweiss- 
geiialt betrug 1,25; 2,08; 2,6b; 1.71°/ 00 (Der Eiweissquotient 
1,056, 0.83, 2,4). Dehio (St. Pet. med. Woch. 1900. S. 495) 
will die Nephritiden auf Grund des geringeren Eiweissge- 
halts der üedemfliissigkeit von den Herzfehlern mit venöser 
Stase scheiden. Bei der ersteu Grnppe fand er nur Sparen 
Eiweiss bis l,5°/# 0 , bei letzteren 2— 5°/oo Alb. Wenn auch 
dieser Unterschied im allgemeinen zugegeben werden muss, 
so ist doch eine scharfe Trennung kaum möglich. Vergleiche 
auch Krehl (Palhol. Physiologie 3. Aufl. S. 125): «Oedem- 
flfiSHigkeiten mit einem Eiweissgelialt unter 0,1 pCt. finden 
sich in der Begel nur bei schweren Nierenaffektionen» .... 
«im übrigen sind die Zahlen der nicht entzündlichen Ergüsse 
auch bei der gleichen Krankheitsursache so verschieden, 
dass an eine Klassifikation nach denselben nicht gedacht 
werden kann». 

Sehen wir nan die Zahlen der Tabelle B. näher an. so er- 
giebt sich für die nicht obduzierten Fälle folgendes: Fall 4: 

T a b e 


j offenbar eine typische Schrnmpfuiere (Spec. Gew, 1008, Urin- 

i menge 3000), zeichnet sich durch die über 20 Jahre anhal¬ 
tende reichliche Eiweissansscheidung ans. Der Eiweissquo- 
tient ist 5,22 tfall 6: subakute, parenchymatöse Nephritis, 
bei der das Ansteigen des Eiweissquot. 3,1—5,9—6,93 (resp. 
9,66) für einen Uebergang in Schrumpfniere sprechen könnte. 
Fall 8. Nepb. haem. subacnta mit 0,344pCt. Alb., Quot: 2,18 
und Fall 9 Nephr. paienchym. mit 0,807 pCt. Alb-, Quot. 5,84 
lassen keine Abnormitäten erkennen. Fall 12, 13 and 14 
stellen febrile Albuminurien dar, bei denen die tm vorigen 
Abschnitt besprochene Trübung mit dem Esbach’schen 
Reagens, ohne nachfolgende Fällnng, vorhanden war. Der 
Eiweissgehalt war niedrig 0.142, 0.118 und 0,088 pCt., der Quo¬ 
tient gering: 0,61, 0,073 und 1,2. Dieses Ergebnis entspricht 
völlig den Resultaten, die wir nach den Literaturangaben er¬ 
warten mussten. 

Wichtigere Schlüsse lassen die sezierten Fälle ziehn: 
Fall 1: klinisch als Schvumpfniere diagnostiziert, erweist 
sich als «kleine rote Niere». Die niedrigen Eiweissqnotieoten 
0,67, 1,15, 4,15 scheinen im Widerspruch mit diesem Befund 
zu stehen und müssen wohl durch die hochgradige Inkompen- 
sation (Pat. hatte beständig Oedeme, Hydrotborax und 
Dyspnoe), erklärt werden. Ein ähnliches Resultat giebt 
Fall 10. klinisch eine monatelang ohne Eiweiss verlaufende 

ließ. 


Klinische Diagnose. 

Oedeme. 

0> 

a®’ 

'ZI c 

Spez. Gew. 

a 

oo £ 

S.2 g 
« £ 
s *3 

Serum-Al¬ 

bumin. 

CI 

X> 

o 

3 

Quotient. 

CINa. 

Obduktion. 

1) a. 11. Nephr. ehr. intst. 54 a. n. 

+ 

wenig 

1015 

0,164 

0,066 

0,098 

0,67 

0,2% 

Kleine rote Niere. 

b. » » 

+ 

500 

1015 

0,748 

0,4 

0,348 

1,16 

0,2% 


c. » » 

4- 

wenig 

— 

0,2472 

0,1992 

0,048 

4,15 

— 


2) a. S. 53 a. n. Nephr. ehr. parench. 

+ 

800 

1015 

0,78 

0,636 

0,144 

4,4 

_ 

Diffnse Nephritis Stauung. 

(-+- Amyloid?). 









(Lues). 

b. » » 

+ 

600 

1025 

1,54 

1,164 

0,376 

3,095 

— 


3) S. 27 a. n. N. parench. ehr. 

0 

gering 

1010 

0,362 

0,261 

0,101 

2,57 

0,4% 

Grosse weisse Niere H- Amyloid.) 

4) V. 70 a. n. N. ehr. intst. 

0 

3000 

1008 

0,28 

0,235 

0,045 

5,22 

0,6% 


5) a. B. 67 &. n. N. diffosa ehr. 

+ 

600 

1021 

0,125 

_ 

_ 

— 

_ 

Diffnse Nephritis (arterioscl.) 





bach) 





+ Stauung. 

b. » » 

+ 

700 

1019 

0,266 

0,17 

0,096 

1,77 

— 


6) a. W. 35 a. n. N. subacuta. 

(Spur) 

1100 

1013 

0,418 

0,316 

0,102 

31 

— 


b. » » 

0 

1500 

1012 

0,414 

0,354 

0,06 

5,9 

— 


c. » » Nachts. 

0 

) 

1013 

0,254 

0,222 

0,032 

6.93 





>1500 








d. » » Tags. 

0 

J 

1013 

0,832 

0,754 

0,078 

9,66 

— 


7) a. P. 40 a. n. Nephr. diffusa. 

+ 

990 

1024 

0,327 

0,195 

0,132 

1,47 

0,26% 

Grosse bunte Niere. 

b. » » 

+ 

250 

1013 

0,45 

— 

— 

— 

0,28% 


8) B. 59 a. n.N. par. subacuta baemor. 

+ 

1440 

1011 

0,344 

0,236 

0,108 

2,18 

— 


9) M. 47 a. n. N. par. chron. 

(Spur) 

1100 

1017 

0,807 

0,689 

0,118 

5,84 

— 


10) D. 47 a. n. N. ehr. intst. 

4- 

wenig 

1019 

0,516 

0,289 

0,227 

1,27 

— 

Schrumpfniere. 

11) D. 22 a. n. N. acuta. Sepsis, (feb- 

0 

— 

1017 

0,1658 

0,1184 

0,0474 

2,49 

0,5°/o 

Nephr. parench. aenta. 

rile Albuminurie). 










b) » » 

0 

— 

1020 

0,1622 

0,1062 

0,056 

1,89 

0,56% 


c) » » 

0 

— 


0,1 

0,056 

0,044 

1,5 

0,3% 


12) T. Febrile Album. "(Typhus). 

0 

— 

1010 

0,142 

0,054 

0,088 

0,61 

wenig 


13) B. Febrile Alb. (Pneumonie). 

0 

— 

— 

0.118 

' 

0,008 

0,110 

0,073 

wenig 


14) G. Febr. Alb. (Typhus). 

0 


1014 

0,088 

0.048 

0,04 

U 

! 

wenig 



Digitized by 


Google 



84 


SEKTIONSERGEBNISSE. 


MAKROSKOPISCH. 

MIKROSKOPISCH. 

DIAGNOSE. 

Tab. B. 1. M. 

Nor eine Niere obduziert. 

Rechte Niere klein, Kapsel leicht adbä- 
lent, Gewebe derb, rot. Rinde leicht ver¬ 
schmälert, von (ingleicher Dicke, rötlich. 
130 gramm. 

Sehr starke Bindegewebsentwicklung. Starke Blnt- 
föllang der Kapillaren nnd einige Blutungen in’s Pa¬ 
renchym. Verdickung der Gefässwände. Mässige Pa¬ 
renchymdegeneration. Einige Cylinder. Beginnende amy¬ 
loide Degeneration hie nnd da, besouders in einigen 
Glomernlis. Fleckweise Verfettung. Hyaline Degenera¬ 
tion einiger Glomeruli. 

Nephritis Inter- 
8 1 1 1 i a 1 i s. 

-+• Hyperaemie. 

Leichte parenchyma¬ 
töse Veränderungen. 

2. S. Nieren von normaler Grösse, Kap¬ 
sel leicht löslich, Oberfläche körnig, Rinde 
verschmälert, granrot, Schnittfläche tettig 
glänzend. Einige gelbe, keilförmige In¬ 
farkte. Einzelne narbige Einziehungen. 

Starke Verdickung der Gefässwände nnd reichliche 
Bindegewebsentwicklung Strotzend gefüllte Kapillaren. 
Eiweiss in den Glomernlis. Reichliche Cylinderbildnng.! 
Beträchtliche Epilbelschwellnng nnd Desquamation. 

Kein Amyloid. 

Nephritis i n t e r s ti¬ 
li a 1 i b arteriöse! e- 
r o t ica (Lues) 

4- parenchymatöse. 
Hyperaemie. 

3. S. Nieren sehr gross. Kapsel schwer 
löslich. Gewebe derb, gran-gelblich Rinde 
stark verbreitert. 

Desquamation nnd Verfettung des Epithels. Kern- 
schwund. Reichliche Cylinderbildnng. In den Harn¬ 
kanälchen Eiwei8sdetritns. Fleckweise amyloide Dege¬ 
neration. 

Nephritis paren¬ 
chymatöse, Begin¬ 
nendes Amyloid. 

5. B. Nieren ziemlich normal gross, Ge¬ 
webe sehr derb. Kapsel schwer löslich, 
Oberfläche leicht graualiert. Rinde etwas 
verschmälert. Zeichnung des Gewebes deut¬ 
lich. Farbe granrot. An der Oberfläche 
mehrere erbsengrosse Cysten nnd narbige 
Einziehnngen. Gewicht beider Nieren 290 
gramm. 

In den Glomerulis Eiweiss in geringer Menge. Leichte 
Epitheldesqnamation. In tob. contortis nnd Schleifen 
mässige Abstossungen nnd Nekrose, Eiweiss nnd Cy-, 
linder. Insnläre kleinzellige Infiltration des Intersti- 
tinms. Glomei ulnskapsel z. T. verdickt, einige Glome- 
rnli geschwunden. Im Bereiche der interstitiellen 
Herde mehrfach strophische tub. contorti, sowie leicht 
ektatische Harnkanälchen. 

Bei schwacher Vergrössernn? tritt der streifige and 
insulare Typus der interstitiellen Nephritis hervor. 

Nephritis inter- 
atitialis (insulär — 
au die Gefässe anschlies¬ 
send). 

Mässige parenchym. 

Veräud. 

7. P. Nieren stark vergröasert, Kapsel 
etwas schwer löslich, Oberfläche glatt. Ge¬ 
webe derb, anf dem Schnitt unregelmässig 
gesprenkelt. Rinde sehr breit. 

Das Epithel der Harnkanälchen getrübt nnd de- 
sqnamiert. Kernschwund. Viel Cylinder. Starke Hyperä¬ 
mie. Fleckweise geringe kleinzellige Infiltration. 

Nephritis paren- 
chymatosa. 

10. D. Nieren klein, Kapsel gut löslich. 
Oberfläche fein granuliert: einzelne Cysten 
mit serösem Inhalt. Rinde stark verschmä¬ 
lert. Parenchym anf dem Schnitt dnnkelrot. 

Im Interstitium kleinzellige Infiltration. Glomernlns- 
kapseln z. T. verdickt und Atrophie einiger Glomeruli; 
starke BlatfUllong derselben. 

In den Harnkanälchen Eiweiss, Epilhelschwellung 

Nephritis inter- 
s t i t i a 1 i 8. 

-I- reichliche (akute?) 
parenchym. Veränderun¬ 
gen. 

und Abstossung. Kernschwund und Vakuolen in den J 
Zellen. 

11. D. Nieren stark vergrössert, Kapsel 
gut löslich, Gewebe gelblich-rot, Rinde 
stark verbreitert, fettig glänzend. Gewicht 
290 and 235 gramm. 

Nierenepithelien geschwellt, z. T. desauamiert. Kerne 
schlecht färbbar. Mit Sndanfärbung neckweise reich¬ 
licher Fettelnschlnss in den Zellen, hauptsächlich im 
Gebiet der tubnli contorti. 

Nephritis paren¬ 
chymatosa. 


Schrnmpfniere, mit Oedemen and Herzbypertrophie, die ziem¬ 
lich akut exacerbierte (vielleicht nach C alo m e 1 ?) und dabei 
5,16°/oo Alb., bei einem Qnot. von 1,27 ergab. Es fand sieb 
gleichfalls eine «kl6iDe, rote Niere» mit reichlicher (mikrosko¬ 
pischer) Patencbymalteration. Fall 2 wurde als parenchy¬ 
matöse Nephritis anfgefasst (Amyloid vermutet), Albumen 
0.78—1,54 pCt. Qnot.: 4,4 resp. 3,095. Es bestanden monate¬ 
lang Oedeme, ein hypertrophisches Herz und hochgradige 
Arteriosklerose (Alte Lues). Es fand sich eine diffuse Ne¬ 
phritis, mit Vorwiegen der arterio-sklerotischen Schrumpfang. 
Diesem sehr ähnlich ist Fall 5, klinisch als diffuse Nephritis 
aufgefasst. Gleichfalls Oedeme, Arteriosklerose, Hypertrophia 
cordis. Albumen 0,266 pCt. Quot. 1,77. Fast reine parenchy¬ 
matöse Nephritiden sind F a 11 3 und 7. Bei beiden «grosse 
Nieren». Fall 3 starb an einem interkurrenten Typhus 
abd., bei voller Nierenkompensation. Der Eiweissgehalt 
0,362 pCt., Quot. 2,57. Fall 7 hatte wochenlang starke In- 
kompensationsersckelnungen. Eiweissgehalt 0,327°/# Quot. 1,47. 

Schliesslich Fall 10, war kliuisch eine schwere febrile 
Albuminurie, anatomisch eine parenchymatöse Ne¬ 
phritis. Alb.: 0,1-0,1658% Quot. 1,5—2,49. 

Suchen wir nun unsere Ergebnisse mit den Litera¬ 
turangaben in Einklang zu bringen, so ist das für die 
parenchymatöse Nephritis leicht: Wie zu er¬ 
warten war, ergab sich ein kleiner bis mittel- 
grosser Eiweissquotient, der bei der febrilen 
Albuminurie sogar unter 1 sinken konnte. 

Dagegen zeigten vier obduzierte Fälle von vorwie¬ 
gend interstitieller Nephritis (Fall 1, 2, 5 und 
10) im Vergleich mit den Zahlen von Csätary oder 


C 1 o e 11 a relativ viel zu niedrige Eiweissquotienten 
Die Erklärung liegt wohl fraglos darin, dass die betr. 
Fälle sich alle im Zustand stärkster Kompensations- 
Störung befanden, wodurch der Eiweissqaotient stets 
herabgesetzt wird (cf. auch Cloetta und Csätary 
loc. cit.). Die Zahlen der auf einem grossen Material 
beruhenden, leider anscheinend nur zum kleinsten Teil 
mikroskopisch untersuchten Fälle der mir zugänglichen 
Literatur über diese Frage bleiben natürlich zu Recht 
bestehen und sind wir berechtigt, grosse Eiweiss¬ 
quotienten (etwa 10 oder mehr) für die Diag¬ 
nose der Schrnmpfniere zu verwerten. 

Andererseits zeigen meine Fälle, dass 
eine diesbezügliche Untersuchung den 
diagnostischen Wert einbüsst, sobald 
Kompensationsstörungen auf trete n. Das ist 
nun leider wohl bei der Mehrzahl der Hospitalfälle die 
Regel. 

Mässige amyloide Veränderungen beeinflussen den 
Eiweissquotienten nicht wesentlich, wie Fall 3 zeigt. 

Die praktische Frage der diagnostischen Brauchbar¬ 
keit des Eiweissquotienten, von der ich ausging, ist so¬ 
mit derart zu beantworten, dass die Bestimmung des¬ 
selben für den Praktiker selten eine grössere Bedeutung 
hat. Das darf uns nicht hindern, diese Berechnung g e ‘ 


Digitized by ^ooQie 






legeutlich als diagnostisches Hilfsmoment mit zn Rate 
zu ziehen. Wir sollten dieses jedoch tun, solange noch 
keine Korapensationsstörungen vorliegen. 

Derartige Untersuchungen haben jedenfalls stets ein 
theoretisches Interesse dnrch die Anbahnung einer ge¬ 
naueren Kenntnis der komplizierten Eivreissausschei- 
dnngsprozesse. 


Den Herren Dr. Westphalen und Dr. Uck e danke 
ich bestens für die Sektionsprotokolle. Ein Teil meines 
Materials entstammt dem weiblichen Obucbowhospital 
und danke ich den Herren Dr. K e r n i g und Dr. A1 b a n u s 
für die Ueberlassung desselben, der Feldscherin M. K o- 
walewsky für die tätige Mithilfe bei der Sammlung 
der Fälle. 


Referate. 


J. A. Killian: Ueber subjektive Kakosmie. 

(Münchener med. Woch. Nr. 39). 

Unter subjektiver Kakosmie versteht man sowohl eine funktio¬ 
nelle Störung des Gernchssinnes. die zur Wahrnehmung eines 
Fötors führt, welcher in der umgebenden Luft nicht vorhan¬ 
den ist, als auch eine Gruppe von Fällen, wo der subjektive 
Fötor das hervorstechendste Symptom ist. Der Umfang dieser 
Gruppe ist durch Klarlegung der Aetiologie (Fremdkörper in 
der Nase, Kieferhöhlenempyein, Vomernekrose u. s. w.) bereits 
erheblich eingeschränkt worden. Jede weitere Aufdeckung 
der Ursachen der subjektiven Kakosmie erscheint daher er¬ 
wünscht und Verfasser teilt 2 in dieser Beziehung sehr lehr¬ 
reiche Falle mit, in denen es ihm gelang darch genaue Un¬ 
tersuchung aus den abnorm tiefen Rosenraöller’schen 
Gruben fötide Pfröpfe zu entfernen, wonach die Kakosmie ver- 
schwaud. Anwesenheit dieser fötiden Massen lässt sich durch 
* die Spiegeluntersuchung nicht erkennen. Durch Eingehen mit 
der watteumwickelten Sonde wird die Sachlage klargestellt. 
Diese Pfröpfe entsprechen den bekannten Tonsillenpfröpfen. 
Gewisse auamnestische Symptome, z. B. Auftreten des Fötors 
beim Ausschnauben, können aaf die Möglichkeit eines solchen 
Tatbestandes binlenken. Die Behandlung besteht io sorgfäl¬ 
tiger Entleerung der Tasche durch Auswischen. 

Weyert. 


Bücheranzeigen und Besprechungen. 


F. v. Win ekel: HandbuchderGebnrtshülfe. 

Wiesbaden, 1904. Verlag von J. F. Bergmann. 

Etwas verspätet ist uns die II. Hälfte des 1. Bandes dieses 
Handbuchs zur Besprechung zugegangen. Es ist unterdes¬ 
sen schon so günstig von der Kritik aufgenommen worden, 
dass nur wenig zu dem einstimmig günstigen Urteil über das 
Buch hinzugefügt werden konnte. 

Die II. Hälfte des I. Bandes reiht sich der ersten würdig 
au. Skutsch behandelt zunächst die Untersuchung auf 
Schwangerschaft und die Diagnose derselben, wobei alle 
neuesten Forschungsresultate kritisch verwertet sind. Die 
mehrfache Schwangerschaft und mehrfache Geburt ist von 
Strassmann iu einer Ausführlichkeit besprochen, wie sie 
wohl kaum vor ihm in znsammenfassender Darlegung von 
anderer Seite in einem Handbuch gebracht ist. Die eigenen 
Forschungen S e e 1 h e i m s über das Becken sind so bekaunt, 
dass durch seine berufene Feder dieses Kapitel am besten 
geschrieben worden ist. Die zahlreichen eigenen Abbildun¬ 
gen nützen beim Verständnis gerade dieses Kapitels viel. 
Von den übrigen Abschnitten des Buches seien noch hervor¬ 
gehoben; die Diätetik der normaleu Geburt vou Sarwey , 


der Mechanismus der Geburt von Stumpf and die Behand¬ 
lung der regelmässigen Nachgeburtsperiode von Lindtors. 

Die vorzüglichen und zahlreichen Abbildungen des Buches 
erhöhen nur noch seinen Wert. Es wird ein unentbehrliches 
Nachschlagebuch für Spezialisten und praktische Aerzte wer¬ 
den. Hoffentlich lassen die folgenden Bände nicht lange auf 
sich warten. 

W. Beckmann. 

Ludolf Krehi: Pathologische Physiologie. 

3- Anflage. Leipzig 1904. Verlag v. F. C. W. Vogel. 

Preis 15 Mk. 

Mit einer bewunderungswürdigen Beherrschung des gewal¬ 
tigen Stoffes giebt uns Krehi in kurzen Zügen einen Ueber- 
bltck über die krankhaften Prozesse im menschlichen Orga¬ 
nismus und ihre Deutung. Trotz der grossen Zahl von Theo¬ 
rien, die an uns vorbeizieht, ist der Haupteindruck, den man 
bei der Lektüre dieses hervorragend objektiveu Werkes 
empfängt, der, dass wir noch unendlich wenig wissen. Ueber- 
all springt uns die Inkongruenz der nachweisbaren anatomi¬ 
schen Veränderungen mit der Funktionsstörung iu die Augen. 
Dass nicht zu sehr auf das Detail eingegangeu ist und stets 
nur die wichtigen, bezw. bestfundierten Hypothesen besprochen 
werden, erleichtert die Uebersicht wesentlich. Die beigefügten 
Literaturangaben ermöglichen jedem das Spezialstudinra ein¬ 
zelner Fragen- Der Stoff ist übersichtlich geordnet und die 
Fragestellung präzis, so dass eine reiche Anregung zu wissen¬ 
schaftlicher Arbeit oder doch zn selbstständigem Nachdenken 
auf den verschiedensten Gebieten gegeben wird. 

Ganz besonders gefallen hat mir das Kapitel über den 
Kreislauf, ein Gebiet, auf dem Krehi ja einer unserer her¬ 
vorragendsten Autoritäten ist. 

0. Moritz. 


Protokolle des Vereins St. Petersburger Aerzte. 


762. Sitzung vom 19. Oktober 1904. 

Vizepräses : B1 e s s i g. — stellv. Sekretär: 0. Moritz. 

1. Le z'eniusrZarAetiologie desSchic htstars. 
(Erscheint in dieser Wochenschr.) 

2. ßiessig: Zur Operation des Schichtstars. 

B1 e8 8 i g spricht, im Anschluss an die Demonstration 
einiger Operierter, überdieOperation desSchicht- 
stars. In operativer Hinsicht kann die Cataracta zonularis 
als Prototyp auch für andere seltnere Formen von partiellem 
Liusenetar (Kernstar, einige Rindenstare etc.) gelten. 

1) Optische Iridektomie. In der voraseptischen Zeit 
fast anBBchliesslich geübt, weil sie damals ungefährlicher war, 
als die Extraktion, wird sie gegenwärtig nur noch ausnahms¬ 
weise wegen Schichtstars ausgeführt. Sie Ist allenfalls Indiziert, 
wenn die freie periphere Linsenzone breit and schon bei Er¬ 
weiterung der ( Pnpille durch MydriatikA eine erhebliche Auf¬ 
besserung der* Sehschärfe zu erzieleu ist. Sie bietet den 
Vorteil, dass die Linse, und mithin der Accomodations- 
apparat, dem Auge erhalten bleibt, aber das optische Resul¬ 
tat ist meist ein ungenügendes, die Sehschärfe infolge der 
Brechungsverhältnisse ln den peripheren Partien der brechen¬ 
den Massen meist unbefriedigend. Dazu kommt manchmal 
störende Blendung dnrch das Kolobom. 

2) Beseitigung der partiell getrübten Linge, 
mit Erhaltung einer normalen müden und frei beweglichen 
Pupille, stellt heutzutage das Normalverfabien dar. Sie 
giebt optisch (d. h. inbezag auf Sehschärfe mit corrigierendem 
Glas) die besten Resultate, hat aber den Nachteil, dass das 
Auge aphakiscb gemacht wird uud daher ohne Glas zum 
mindesten nicht besser, in der Regel sogar schlechter sieht 
als vor der Operation. Am günstigsten liegen die Verhältnisse 
in jenen Ausnahmefällen, in denen dnrch die Operation zu¬ 
gleich eine hochgradige Myopie korrigiert wird. 

Vortr. hat 1896 in diesem Verein einen Knaben vorgestellt, 
bei dem die Operation eines Schichtstars dieser doppelten 
Indikation gerecht wurde. (St. Pet. med. W. 1896. pg. 155.). 
Der zur Beseitigung der partiell getrübten Linse, ebenso wie 
auch der klaren Linse bei hochgradiger Myopie, einzuschla¬ 
gende Weg kanD ein dreifacher sein: 

a)Discissiou allein, eveutuell zu wiederholen. 


Digitized by 



nt 


b) Primäre Disc i s s i o n — sekundäre Punktion 
(Extraktion) der total getrübten Linse — eventuell noch 
Discission des Nachstars. (Das Verfahren ist identisch mit dem 
von F n k a 1 a bei Myopie). 

c) Primäre Extraktion — sekundäre Discis- 
sio.n des Nachstars), Verfahren von Sattler u. A. 

Vortr. erörtert das pro und contra dieser verschiedenen 

Methoden: ad a: Bei ungebärdigen und sehr kleinen Kindern 
ist es wünschenswert mit Discissionen allein auszukommen, 
weil die Nachbehandlung einfacher ist als nach Extraktion- Die 
Spontanresorption der discindierten Linse erfordert aber sehr 
viel Zeit. 

ad b: Die nach der Discission sich trübenden und aufquel¬ 
lenden Linsenmassen eutleeren sich bei der Punktion sehr 
leicht nnd vollständig. Die Gefahr der Drucksteigerung 
(Sekundärglankoui) durch stürmische Quellung haftet diesem 
Verfahren allerdings als ein Nachteil an, ist aber nicht zu 
überschätzen, da doch solche operierte Patienten unter stän¬ 
diger Beobachtung sind und im Falle einer plötzlichen Druck- 
steigernng sofort eine Punktion gemacht werden kann. Vortr. 
hat dieses, mit der F ukala'schen Myopie-Operation identi¬ 
sche Verfahren bis vor kurzem ansschliesslich geübt, ln der 
St. Petersburger Augenheilanstalt gilt es als typische 
Schichtstar-Operati on. 

ad c: Sattle r’s primäre Extraktion (mit der Hohllanze) 
hat Vortr. bisher nur in einigen wenigen Fällen ausgeführt, 
nachdem er vor Jahresfrist einige so operierte Augen in der 
Leipziger Klinik gesehen. Die Metiiode bietet den Vorteil, 
dass sie schneller zum Ziele führt, da die Nachstar-Discission 
sehr bald der Extraktion nacbgeschickt werden kann. Die 
Gefahr eines Sekundärglankoras fällt hier fort. Dagegen 
scheint das Verfahren weniger Sicherheit gegen Einklemmung 
und Vorfall der Iris zu bieten- Auf Erhaltung einer runden 
freien Pupille kommt aber sehr viel an! 

Es ist gewiss, und auch die hier demonstrierten Fälle be¬ 
weisen es, dass man die gleichen guten Resultate auf 
jedem der drei angegebenen Wege erreichen kann. Die Vor- 
und Nachteile der verschiedenen Methoden wiegen einander 
mithin auf. 

Was die Indikation znr Operation des Schichtstars 
überhaupt anlangt, so erkennt Vortr. als obere Grenze eine 
Sehschärfe von ca. 0,3—0,4 an. Die ganz zarten Schichtstare, 
die eine nur geringe Herabsetzung der Sehschärfe (etwa bis 
0,5 bei mittlerer Pupillenweite) bedingen, lasse man uuoperiert. 

Als untere Altersgrenze gilt dem Vortr. wie bei der 
Schieioperation so auch hier das Alter von 7—8 Jahren, weil 
erst in diesem Alter eine genauere Sehprufuug und Bestim¬ 
mung der Brille möglich ist, deren das aphakische Auge 
bedarf. 

Stets operiere man beide Augen, um ihnen die Vorteile 
des biuokularen Sehens zu gewähren, aber nicht gleichzeitig, 
sondern eins nach dem andern. Die Operation des Schicht- 
Rtars ist im allgemeinen nicht sehr dankbar, einerseits, weil 
die betr. Augen auch vor der Operation schon einen gewis¬ 
sen Grad von Sehvermögen haben, nicht blind sind, ander¬ 
seits das Sehvermögen auch beim besten Ausgang der Ope¬ 
ration nicht selten infolge praeexistiereuder Amblyopie unbe¬ 
friedigend bleibt. Dies gilt besonders von Schichtstar-Augen 
mit Nystagmus. 

Znr Erläuterung der Operations - Methoden demonstriert 
Vortr. einige Nachbildungen von operierten Schichtstaren 
(Glasaugen aus der Werkstatt der Gebr. Müller in Wies¬ 
baden) 

Die von beiden Vortragenden vorgestellteu Fälle sind 
folgende: 

1) Junger Mann mit unoperiertem typischem Schichtstar 
an beiden Augen. 

2) Mann, wegen Schichtstars an beiden Angen vor 34 Jah¬ 
ren iridektomiert (von weil. Dr. Robert B I e s s i g). 

3) Junge Dame, wegen Schichtstars vor 11 Jahren auswärts 
operiert (Discission und Punktion?;. Vor 3 Jahren Discission 
des Nachstars beiderseits (B1 e s s i g). 

4) Knabe, rechts im April d. J. operiert von Germann 
(Discission allein!), links noch zu operieren, 

5) Junges Mädchen, links operiert nach Sattler (vor 3 
Wochen primäre Extraktion, vor 1 Woche sekundäre Discis¬ 
sion durch Blee 88 ig), rechts noch zu operieren. 

Diskussion: 

Germann — zurAetiologie: 

ln der hiesigen Anstalt des Dr. Alalj ar e w s k y für gei¬ 
stig zurückgebliebene Kinder habe ich vor Jahren einen 
13-jährigen Knaben besncht, welcher beiderseits Schichtstar 


haue nnd an epileptischen, häufig anftretenden Krämpfen 
litt. Der Knabe hatte, dessen erinnere ich mich sicher, rb&chi- 
tiscbe Zähne. Ob der Epilepsie im frühesten Kindesaiter 
rhachitische Krämpfe vorausgegangen sind, vermag ich nicht 
anzugeben. Dr. Lezenius hat bei Durchmusterung: der 
Literatur keine Angabe gefunden, welche Epilepsie und Scliicbt- 
star in Verbindung bringt. Auch ich muss dieses bestätigen, 
es sei denn, dass die französische nnd englische Literatur 
daiüber Angaben enthalten. Erkennt man den Einfluss der 
Krämpfe bei tthachitis an, dann ist nicht einznsehen, warum 
nicht aucli der epileptische Krampf die Bildung von Schicht¬ 
star begünstigen soll. 

Znr Operation: 

Jetzt, wo wir das Cocain besitzen, und die Aseptik sicher 
zu handhaben wissen, ist es ja einerlei, ob zur Erlanguug 
eines guten Sehvermögens zwei oder gar drei operative Ein¬ 
griffe notwendig sind. Im Kindesalter — bis zum 8. Jahre — 
werde ich stets discindieren und die Trübung der Linaen- 
massen möglichst abwarten ehe ich weiter eingreife. Aber 
auch für die älteren Patienten scheint mir in der primä¬ 
ren Extraktion des Schichtstares nebst Nacboperationen 
kein Vorteil zu liegen. Erst discindieren, dann extrahieren 
dürfte, wenn nicht schneller, so doch nicht in längerer Zeit 
zum Ziele führen. Schichtstare zu optischem Zwecke iridekto- 
raiert habe ich zuletzt im Jahre 1888, seit der Zeit habe ich 
Schichtstare immer extrahiert. Nicht ohne Interesse sind 
folgende Zahlen, welche ich den Berichten entnehme, die 
von der St. Petersburger Augenheilanstalt in deren Mittei¬ 
lungen veröffentlicht wordeu sind: 

In den genannten Jahresgruppen wurden bei Schichtstar 



| 

| 

1 

rH 

I 



1 

1 

X 

1 

»O 


So 

88 


oB 



rH 


f-H 

% pH 

vH 

iridektomiert . . 

42 

45 

8 

3 

4 

discindiert . . . 

1 

4 

10 

20 

59 

extrahiert . . . 

2 

10 

14 

21 

34 Augen. 





(Antoreferat). 

Lezenius zweifelt 

darau, dass 

es 

sich 

in dem Ger 


m a n ’ sehen Fall wirklich um echte Epilepsie gehandelt hat, 
könnte es sich nicht vielleicht um Eclampsia infantum ge¬ 
handelt haben? 


Germann: Das lässt sich jetzt nachträglich natürlich nicht 
mit absoluter Sicherheit mehr feststellen, doch ist die Diagnose 
Epilepsie von dem Spezialisten gestellt wordeu. 

Hörschelmann fragt, ob bei Rhachitis Schichtstar auch 
in solchen Fällen beobachtet wurde, bei denen keine Krämpfe 
Vorgelegen hatten. 

Lezenios: Ja, — etwa in 10 Fällen haben sich anam 
uestisch keine Krämpfe nachweisen lassen. Natürlich ist da 
durch noch nicht mit absoluter Sicherheit festgestelit, dass 
tatsächlich keine Krämpfe vorgekorameu sind. 

Serk: Zur Frage der Differentialdiagnose zwischen Epi 
lepsie bei Kiudern und Eclampsia infantum wäre za betoneo, 
dass dieselbe bei genauer Beobachtung dem Kinderarzt keine 
Schwierigkeiten zu macbeu pflegt, so dass mau wohl annehmen 
kann, dass es sich bei den von Germann erwähnten Fällen 
sicher uro Epilepsie gehandelt hat. 


Germann: Seiner Ansicht nach war an der Diagnose 
«Epilepsie» nicht zu zweifeln. 

H ö r 8 c b e 1 m a n n: Da von Lezenius ausdrücklich die 
Krämpfe der llhachitis als Ursache des Schichtstars angeführt 
werden, liegt jawohl auch kein Grund dagegen vor, dass 
auch epileptische Krämpfe zu derselben Erkrankung füh¬ 
ren können. 

Lezenius: Jedenfalls müsste man dann annehmen, 
dass diese Krämpfe schon in einem sehr frühen Lebensalter 
slattgefunden haben- 

Nachtrag. Lezenius teilt auf der Sitzung vom 
2. November 1904 mit. dass er auch in der englischen und 
französischen Literatur keinen Hinweis auf den Zusammen¬ 
hang zwischen Epilepsie und Schichtstar gefunden hat. 


763. Sitzung vom 2 November 1904. 

Präses : Schmitz — stellv. Sekretär: 0. M o r i t z. 

1. Bary. Ueber Schrift und Zeichenproben 
von Geisteskranken. 

Vortragender weist, auf die grosse Be leutnng des Studiums 
der Schrift für die Diagnostik der Geisteskrankheiten hin. Man 
habe sogar aus der Schrift nicht nur pathologische Merkmale, 



vDrgrtfzed 



sondern auch G'haraktereigenttimiichkeiten des gesunden 
Menschen herauszulesen versucht. Die erste Arbeit über die 
Erkeuntniss des Charakters nach der Handschrift stammt 
von Camillo Baldi aus dem XVI. Jahrhundert. Darnach 
haben sich mit der Frage Leibnitz und besonders, auf 
Anregung Goethe’s, I.avater beschftttigt. Der Name 
Graphologie rührt vom französischen Abbe Michon aus 
dem Jahre 1872 her. Trotz der bedeutenden Namen von Wil¬ 
helm v. Preyer und Cesare Lombroso sei jedoch 
zu wenig stiengwissenschaftliches Material gesichtet worden, 
nm einwandfreie Schlüsse zu ziehen. Dagegen habe das 
Studium der Schritten der Geisteskranken eine sehr grosse 
Bedeutung und eine ganze Reihe von Autoren (Erlen- 
meyer, 8chröder, Kowalewski, Hericouit 
und Riebet, Köster,Obraszow) haben nachgewiesen, 
dass man oft ans der Schrift des Kranken die Diagnose stellen 
kann, was von besonderer Wichtigkeit in foro sei. Neuere 
Gesichtspunkte eröffnen sich durch die von Kraepelin 
eingelührte Schriftwage. Zum Schluss demonstrierte Vor¬ 
tragender ca. 80 Handschriften von Geisteskiaukeu. Dabei 
wurde auf das Schreibmaterial (Papirosschachteln, alte Zei- 
tungeu, kleine Kalender, sogar Closett papier), das die Kranken 
gebrauchen, hingewiesen; die Unterschiede in der Schrift bei 
verschiedenen Graden der roaniakaiiseben Erregung gezeigt; 
ebenfalls der Unterschied zwischen angeborenem und erwor¬ 
benem Schwachsinn; dann kamen Schriften von Paranoikern, 
Altersschwachsinn, Melancholie. Von progressiver Paralyse 
worden 30 Handschriften demonstriert, alle boten die cha¬ 
rakteristischen Störungen dar, einige zeigten die deutliche 
Piogression der Krankheit, eine Handschrift — die acate 
Schreibstörung vor einem apoplektiformen Anfall- Dann 
zeigte Vortragender eine ganze Reihe von Plänen, Zeichnun¬ 
gen nnd Gemälden von Geisteskranken. 

(Autoreferat). 

2. German n: Bericht über den internationa¬ 
len Ophthalmologen -Kongress in Luzern. 
(In Nr. 45 u. 46 des vorigen Jahrgangs dieser Wochenschrift 
erschienen.) 


Nachrichten von Kollegen aus dem fernen Osten. 

Einem uns freundlichst zur Verfügung gestellten Brief 
von Dr. W. Baron Ungern - Sternbergentnehmen 
wir nachstehendes: 

Chabarowsk, d. 31. Dezember 1904. 

«Unser Leben im Rücken der Armee ist stiller geworden, 
da keine grossen Scblacbteu stattgefunden. Ab and zu giebt 
es noch etwas Operatives. Im ganzen sind die Kranken 
hier wenig für Knochenoperationen zu haben, ein steifes Glied 
(Finger) befreit ja eher vom Militärdienst, wie ein fehlendes. 
Ich habe so häutig den Rat zur Operation geben müssen, am 
Glieder brauchbar zu machen, hiu aber eben so häufig auf 
eine abweisende Antwoit gestossen. Immerhin ist die Zahl 
der giösseren und kleineren Operationen ganz gross and 
haben wir, Gott sei Dank, bei ans tu der Chirorgie noch keinen 
Todesfall gehabt. Krüppel sind viele geworden. Unser Material 
kamn ich tdireckt von den Positionen, es ist ja wahr, die besonders 
schwer Kranken wurden früher abgeliefert oder starben im 
Zuge, Trepanationen haben wir doch einige gemacht und 
gi Oase Resektionen. Ampntationen haben wir keiue zu machen 
gebraucht, da wir streng für konservative Behandlung stehn; 
was 2 Wochen gewartet, kann anch länger warten und 
manche Hand und mauches Bein, dass früheren Chirurgen 
znm Opfer gefallen wäre, haben wir schouen können. Auch 
• Aneurysinenoperationen haben wir gemacht. 

Vor einem Monat kam der sehnlichst erwartete Lauten¬ 
schläger, aus Petersburg verschrieben, an, er funktioniert 
prächtig und die doch etwas mit Schauer gebrauchten steri¬ 
len Binden aus dem Jahre 1900 müssen au ein Uebersterili- 
sieren glauben vor giösseren Operationen. Unser Operations- 
ziinnier ist mit Oelfarbe gestrichen, Ritzen sind nach Mög¬ 
lichkeit vermacht und Staubfänger entfernt, ein Waschtisch, von 
Kollegen R a u e r erdacht, mit Zu- nnd Abfluss des Wassers 
ohne Beuutznng der Hände, schmückt dasselbe, ein lustrn* 
mentensebrank mit Ginsregalen; — es lässt sich leben. Jetzt 
gebe man uns nur Material und icn glaube es stebt. uns 
nichts im Wege, am eine Operation im besten Sinne des 
Wortes aseptisch zustande zn bringen. Das Personal ist 
allerdings noch nicht völlig einwandfrei, doch mit der Zeit 
wird auch das hofientlich werden. Zn kämpfen haben wir mit 
der Wasser frage; nach wie vor können wir Wannen nur mit 
Maass verschreiben; der Amur so weit, die Wege so schlecht 


und die überarbeiteten Pferde so gering an Zahl und so 
jämmerlich. Im Augenblick neue Pferde hier zu kaufen, we¬ 
nigstens fehlerfreie, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit lind 
für den sebeusslichsteu Klepper ist man gezwungen 200 Rbl. 
zu zahlen. Das Essen unserer Kranken ist reichlich und 
passabel. 

Sehr schade ist, dass man sich bei der Zubereitung streng 
an die «paciuifuiKa» halten muss, der Geschmack der Speisen 
leidet sehr und billiger ist es auch nicht. 

In Bezug auf die Reinlichkeit ist es in unserem Hospital 
ganz leidlich bestellt, die Asplialtdieleu sind seit kurzem mit 
Graphit und ßohuenoel bearbeitet und sehen ganz appetitlich 
aus, nur der untere Teil der Kalkwände ist mit der Zeit 
grau und schwarz geworden, für Oelanstrich haben wir bis¬ 
her vergeblich plaidiert, doch mit der Zeit vielleicht nicht 
ganz vergeblich. Mit Infektionskrankheiten werden wir bis 
jetzt verschont, für diese ist das II. «cboahuB» Lazarett be¬ 
stimmt und hatten z. B. Dr. Johannson aus dem Alexander- 
Hospital und Schmuljan je eine Typhus abdominalis — 
Abteilung von gegen 70 Betten unter sich. Bei uns haben 
Rita er und ich die Chirurgie, Tokapew, F erb erg, 
Mikler, Redlich, Wolft, BarowskyondStrol- 
nowsky die internen Kranken, Mikler ausserdem die 
kleine Chirurgie. 

Jetzt ist also das arme Port-Arthur doch gefallen! mich 
hat es wohl ganz deprimiert, war doch die tapfere Verteidi¬ 
gung einer der wenigen Lichtblicke im Verlaufe dieses Krieges. 
Ich kann mich nicht damit einverstauden erklären, dass die 
Menschen hier noch Lust haben zu Maskenbällen, wenn auch 
zn wohltätigem Zweck. Aufgeregt ist man hiar jetzt gründ¬ 
lich, alle möglichen und unmöglichen Gerüchte kursieren, aus 
vieleu Mücken werden Elephanten gemacht, bald sind die 
Japaner hier bald da gesehn worden und der offizielle Tele¬ 
graph schweigt seit einigen Tagen fast ganz. Wollen wir 
sehn, was sich bewahrheitet von diesen Gerüchten. 

Weihnachten feierten wir ganz gemütlich, wenn auch etwas 
traurig mit einem Baum zn Hanse, Ferberg and Ju¬ 
lia n n 8 o n waren bei uns, ein warmer Arrakpunsch erhöhte 
die Stimmung. Ob dieses das letzte Weihnachten hier in 
fernen Osten für nns gewesen? manchmal ergreift uns wohl 
schon ordentliches Heimweh; nur die schöne sibirische Sonne 
und der herrliche Winter mit 8—15 Grad Frost bei völlige» 
Windstille macht es einem eti§as leichter — rhachitische Kin¬ 
der habe ich hier selten gesehn — ich glaube, das macht der 
Ueberflnss an Sonne. 

Unsere Küche ist eben viel mannigfaltiger geworden, Wild 
giebt es, wenn aucl» für Sibirien recht teuer, im Augenblick 
im Uebeiflns8 und Stör, Sterlet und Kaluga sind schmackhafte 
Fische, nur Mangel ist an frischem Gemüse. 

Etwas iuteressRntes sieht man hier im Winter, das sind die 
bunlkostümierten Golden nnd Arazoneo, letztere die eigent¬ 
lichen Zobeijäger, jeder mit einem Zobelsciiwauz aut der 
Mütze. Ich weiss garnicht wie dieses Naturvolk, das im far¬ 
benlosen Norden lebt, zu so reizendem, farbenprächtigen Mas¬ 
tern und Stickereien kommt. . . . 


Vermischtes. 


— Der Senior der deutschen Lnryngologen, Prof. Dr. 
Adalbert Tobold in Berlin, beging am 13. März o St. 
fern von Berlin sein 50-jähriges Doktorjubiläum 
— Der Jubilar, welcher gegenwärtig im 78. Lebensjahre steht, 
erwarb die Doktorwürde bei der Berliner medizinischen Fa¬ 
kultät auf Grund einer die Resektion des Ellbogengelenkes 
betreffenden Arbeit, welche er seinem Vater, der ebenfalls Arzt 
war, und seinem Lehrer Professor B. v. Langenbeck, 
dessen Assistent er war, gewidmet hatte. 

— Am 22. Februar feierte die St. Petersburger medizinische 
Gesellschaft in ihrer Jahresversammlung das 25-jähri ge 
Jubiläum der ärztlichen Thätigkeit ihres Prä¬ 
sidenten Prof. Dr. Woldemar Stange. Die Feier sollte 
eigentlich bereits im Dezember v. J. statifinden, wurde aber 
damals wegen des Falles von Port-Arthur autgeschoben. — 
Prof. St. ist Konsultant für Hydrotherapie und Heilgymna¬ 
stik am klinischen Institut der Grossfürstin Helene Paw- 
lowna nnd zugleich Dozent für physikalische Heilmethoden 
am weiblichen medizinischen Institnt. 

— Der ältere Arzt des Kinderliospitals des Prinzen Pete r 
von Oldenburg, Staatsrat Dr. Dombrowski, ist als 
Oberarzt des St. Petersburger Börsenhospi¬ 
tals zum Andenken an Kaiser. Alexander II. 
bestätigt worden. 


Digitized by 





88 


— Der Arzt bei der Abteilungfür ambulatorische Kranke 
am Kinderhospital des Prinzen Peter von Oldenburg, 
Staatsiat Dr. Peters, ist zum älteren Arzt dieses 
Hospitals ernannt worden. 

— Zum stellv. Gouvernem ents-Medizinali n - 
spektor von Olouez ist derbisherigeGehülfe, Staatarat 
Dr. Stepauow. ernannt worden. An seine Stelle als Ge¬ 
hülfe des Olouezschen Medizinalinspektors tritt der ansser- 
etaimässige jüngere Medizinalbeamte bei der Verwaltung des 
Obermedizinalinspektors, Dr. S w e n c i c k i. 

— Der Privatdozent der Charkower Universität, Mag. zool. 
B'j e 1 o u s s o w, ist zum stellv. ausserordentlichen 
Professor auf dem Lehrstuhl der Zoologie, 
vergleichenden Anatomie and Physiologie 
ernannt worden. 

— Für Auszeichnung im Kampfe gegen die 
.Japaner ist dem Korpscbirnrgen des 11. sibirischen Ar¬ 
meekorps, Siaatsrat Dr. H. Asare witsch, dem Brigade- 
arzt der transbaikalischen Kosakenbrigade, Dr. A. S o r o a - 
strow, nnd dem Oberarzt des 7. mobilen Feldhospitals, Dr- 
K. Beoiro wgki — der St. Annen-Orden II. Klasse 
mit Schwertern verlieheu worden. 

— Der Leibchirnrg Prof. emer. Dr. Eugen Pa w low 
wird, der «Now. Wremja» zufolge, anf Allerhöchsten Befehl 
auf den Kriegsschauplatz im Fei nen Osten abkommandiert, 
um den gegenwärtigen Stand der Feldchirurgie in den Mili¬ 
tärhospitälern nnd Lazaretten bei den Mandschurischen Ar¬ 
meen und im Böcken derselben kennen zu lerneu. 

— Auf dem Kriegsschauplätze im Fernen Osten ist der 
Oberarzt eines Schützenregiments Dr. Alexander Petlin 
k o n t n 8 i o n i e r t worden, aber in der Front verblieben. 

Dass die seit Mitte Februar andauernden grossen Schlachten 
in der Mandschurei (um Mukden) wieder beispiellos viele 
Opfer gefordert nnd den Aerzten, sowie dom übrigen Sani¬ 
tätspersonal fast übermenschliche Arbeit auferlegt haben, 
geht, auch ans dem amtlichen Bericht des Oberkominaodie- 
renden der aktiven Armeen hervor, nach welchem in der Zeit 
vom 15.—28. Februar an Verwundeten 1379 Offiziere und 
56,722 Uut,ermilitära vom Krfegsschanplatz evakuiert .wor¬ 
den sind. 

— Prof. Dr. Zoege v. Mantenffel meldete am 22. Fe* 
brnar Ihrer Majestät der Kaiserin Maria Feodorowna 
ans Mnkden, dass er mit der Kolonne Ihrer Majestät in 
Tchosantnng tätig gewesen ist nnd sieb mit der Kolonne, 
einstweilen zum rechten Flügel begiebt. Mit seltener Auf¬ 
opferung hat die Kolonne unter dem Feuer gearbeitet und 
die Verwnndeten aus dem Bereich der mörderischen Geschosse 
des Feindes gebracht. Vom Putilowhtigel her worden von 
der Kolonne 500 Verwundete transportiert. 

— Das Evangelische Lazarett, in welchem am 
16. Febr. nnr 90 Verwundete sich befanden, hat eine Fliegende 
Kolonne ausgerüstet, die mit den Kosakenvegimentern in die 
Mongolei abkommandiert worden ist- Die Führung dieser 
Kolonne, die aus 2 Sanitären, 4 Sanitätswagen und dem nö¬ 
tigen Hüifspersonal besteht, hat Dr. K a e g e 1 e r übernommen. 
Dr. Schäfer (Berlin) war auf den Positionen bpi Mnkden 
tätig. 

— Im L i v 1 ä n d i s c li e n Lazarett ist insofern einige 
Veränderung eingetreten, als der bisherige Oberarzt des¬ 
selben Dr. W. 0 e 11 i n g e n in den Dienst des Roten Kreu¬ 
zes in Mukden übergegangen nnd an seine Stelle Dr. Vi er¬ 
hoff getreten ist, während znm Chirurgen des Lazaretts der 
trühere Chirurg der Kurländischen Sanitätskolonne Dr. Ar¬ 
nold Hildebrandt ernannt worden ist. 

— Vom holländischen Feldlazarett wurde eine 
Abteilung mit Dr. L i e v e n , dem Studenten Riesenkampf 
und zwei Srhwestern auf die Positionen zur Errichtung eines ] 
Verbandpunktes gesandt. 

— Eine Anzahl Rigascher Aerzte (gegen 25)* 
welche bereits früher nach einer Besichtigung vom Dienst 
befreit worden waren, wurden am 22. Februar von einer, 
unter dem Präsidium des Livländiscben Gouverneurs stehen¬ 
den Kommission, einer neuen Besichtigung unterzogen. Von 
ihnen wurden 5 als zum Kriegsdienst untauglich befunden, 
wählend die übrigen demnächst behufs einer nochmaligen ' 
Untersuchung einem Kriegshospital übergeben werden sollen. 
Za diesen gehören n. a. die Doktoren H. Baton Krüdener, 
W. von Zur-Mtihlen, P. Fahrbach, R. v. Seng¬ 
busch. F. Buchholz, A. Schubert, 0. Suck, E. 
Johannson, X. v. Erdberg, A. v. Reisner, Th. 
Rolsaenn, H. Knochenstier n, L. Blumenthal, 
N- KI i m o w i t s c h. 


— Verstorben: 1) Am 21. Februar zu Lodz einer der; 
ältesten Aerzte dieser Stadt. Dr. Gustav Altenberger, 
im Alter von 71 Jahren. Der Hingeschiedene, welcher i. J. 
1860 seine ärztliche Laufbahn begann, erfreute sich — wie 
eine örtliche Zeitung ihm nacht ühmt — nicht nur durch seine 
langjährige Praxis in dieser Stadt grosser Popularität, son¬ 
dern auch infolge der gewissenhaften Erfüllung seines Be¬ 
rufs und des liebenswürdigen Wesens im persönlichen und 
geselligen Verkehr, sowie wegen seines biederen Charakters 
bei jedermann der grössten Sympathie und Wertschätzung.: 
Besondere Achtung genoss der Verstorbene aber auch unter 
seinen Berufskollegen ohne Unterschied der Nationalität und 
Koufession, da er stets regen Anteil an den Fortschritten 
der ärztlichen Wissenschaft nnd des Krankenhanswesens 
nahm. 2) Am 25. Februar in Ssumy der Oberarzt des dor- 
tigen Kadettenkorps, Staatsrat Dr. Herakiius Bunin, 
im 49. Lebensjahre. Die ärztliche Tätigkeit hat B. seit 1883 
auBgeübt, 3) In Kowno der Ordinator am Hospitals des Kol¬ 
legiums der Allg. Fürsorge und Arzt am Gymnasium in 
Kowno, Dr. Micluel Lwow, im 44. Lebensjahre Nach 
Absolvieraug des Kursos an der Charkower Universität i. J- 
1888, war L. anfangs Landarzt, siedelte aber bereits i. J. 1900 
nach Kowno über, wo er die obengenannten Stellungen bis 
zu seinem Lebensende bekleidete. Trotz seiner 16-jährigen 
Praxis ist seine Frau ganz mittellos zurückgeblieben. 4) In 
Budapest der Privatdozent für Balneologie Dr. Hasen- 
feld, Badearzt in Franzensbad, im Alter yon 68 Jahren. 

— Zum Badearzt an der städtischen Seebade- 
anstaltiuLiban ist vom Stadtamt Dr. Ö. Waeber 
gewählt worden. Die «Libansche Ztg.» spricht ihre Bedenken 
ans gegen das bei dieser Wahl des Stadtamtes hervortre¬ 
tende Prinzip, ant eine Persönlichkeit mehrere Aemter za 
Überträgen. Dr. Waeber ist nämlich zugleich auch städ¬ 
tischer Armeuarzt, Impfarzt und Feuerwehrarzt. 

— Für den vom 21.-24. März d. J. in Moskau in Aussicht 
genommenen Cholerakongress ist folgendes Programm 
für die Verhandlungen festgestellt: 1) Geschichte und Epi¬ 
demiologie der Cholera. 2) Pathologie, Klinik and Behänd- 
lang der Cholera. 3) Bakteriologie der Cholera. Erkennung: 
der ersten Erkrankungen und Desinfektion. 4) Vorbeugung»* 
massregeln gegen die Ausbreitungen der Cholera. 5) Orga¬ 
nisation und Massregeln znr Bekämpfung der Cholera; lau¬ 
fende Statistik der Choleraerkranknngen in Städten, Dörfern, 
auf Fabriken. Eisenbahuen, Wasserwegeu u. s. w. Der Mit¬ 
gliedsbeitrag beträgt 3 Rbl. Anmeldungen von Vorträgen 
mit Beifügung, der Thesen werden baldmöglichst erbeten 
unter der Adresse: MocKBa, ApGara, JleHesHufi nepeyxoin», 
*. 28, kb. 5. 

— Das Exekutivkomitd der Gesellschaft 
des Roten Kreuzes sacht, wie es der Ltvläudischen 
Verwaltung des Roten Kreuzes milgeteili hat, Aerzte, weiche 
bereit sind, sich in deu Fernen Osten vom Roten Kreuz ab- 
kommandieren zu lassen, unter nachstehenden Bedingungen: 
500 Rbl. für die Ausiüstnng, monatliche Gage 350 Rbl. und 
3 Rbl. täglich Reisegelder. 

— Die Kurländische Verwaltung der rassi¬ 
schen Gesellschat des Roteu'Kreuzes, welche 
zur Entsendung nach dem Fernen Osien die Formierung eines 
Sanitäts-Transports unter Leitung eiues Arztes zur Beförde¬ 
rung der Verwundeten vom Scillae litfelde in die uächsteu 
Lazarette oder Sanitätsztige begonnen hat, fordert die Herren 
Aerzte, welche sich um die bezeiclmete Stellung bewerben 
wollen, auf, ein diesbezügliches Gesuch beim Vorsitzenden der 
Verwaltung, Stallmeister D. D. Sworbejew in Mitau, eiuzu- 
reichen. 

— Gagierung der iin Fernen Osten befind¬ 
lichen städtischen Aerzte. Die St. Petersbur¬ 
ger Stadtverwaltung hat im Hinblick aut die sehr 
bedeutenden Ausgaben, die den Städten dadnreh entstehen, 
dass sie den auf den Kriegsschauplatz abdelegierten städti¬ 
schen Aerzten die Gage nach wie vor attszahleu, bei der 
Verwaltung des Roten Kreuzes angefragt, welche Gage die 
in Rede stellenden Aerzte vom Roten Kreuz heziehen. Sollte 
es sich nun heraussteilen, dass die den Aerzteu vom Roten 
Kreuz gezahlten Gagen zum Unterhalt derselben ansreichen, 
so beabsichtigt die Stadtverwaltung ihrerseits die Gagie¬ 
rung dieser Aerzte einznstellen. 

Nach Schluss der Redaktion erfahren wir gerüchtweise, 
dass Prof. Dr. Zoege v. Mantenffel mit seiner Kolonne 
beim Rückzage in H o s c h i t a i (Eisenbahnstation ca. 20 
Werst nördlich von Makden) in japanische Gefangen¬ 
schaft geraten ist. Ebenso soll Jr. W. v. Oettingen 
mit der von ihm .geleiteten Abteilung des Roten Kienzes 
in Mnkden zurückgeblieben sein, wo, einem Telegramm des 
Generals Trepow aus Telin zufolge, zur Verpflegung der 


_Diniti zect bv Cj OO^Ic_ 



S9 


zahlreichen Sch werver wundaten und Kranken auch das Kreuz- i 
erhöhaugs-Hospital, das Livländische Lazarett und zwei 
fliegende Militärhospitaler, mit dem bisherigen stellvertredenden 
Hauptbevolimäuhiigieu A. J. (i u t s c ii k o w an der Spitze, 
verblieben sind. 

Bf. 

— üle Ueium u<tlii <ler Kranken in den Civil- 
h ■* spitftlern t. Petersburgs betrug am 19. Febr. 
d. J. 10396(119 mehr als in d Vorw.), darunter 1184 Typhus — 
.<35 mehr). 934 Syphilis — (10 mehr), 272 Scharlach — (10 wen.), 
102 Diphiherie — (3 wen.), 55 Masern — (7 wen.) und 20 
Pockenkranke — i3 mehr als in der Vorw.). 


2) nach den Todesursachen: 

— Typk. exanth. 2, Typh. abd.50, Febris recurrensO,Typbus 
ohneBestimmungderForinO, Pocken 3. Masern23.Scharlach 11, 
Diphtherie 19, Croup 0, Keuchhusten 5. Croupöse Lungen¬ 
entzündung 23, Erysipelas 4, Grippe 13, Katarrhalische Lun¬ 
genentzündung 113, Ruhr 3, Epidemische Meningitis 0. Akuter 
Gelenkrheumatismus 0, Parotitis epidemica 0, RotzkrankheitO, 
Anthrax 0, Hydrophobie 0, Puerperalfieber 1, Pväiuie und 
SeDticaemie 3. Tuberkulose der Lungen 104, Tuberkulose an- 


Krankheiten des Verdauungskanals 108, Totgeborene 41. 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Pür die Woche vom 13. bis znm 19. Februar 1906. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 

lm Ganzen’ ° oJ3J3xi-auaj3j3j3J3J3ja e 
im vrauzeu. asiee a»a«cö<öejcöeö!ö®^ 

_~ B « 

M w< Sa * I i i i i i i i i i i T ° ■§ 

O — CO >—I <© — f-lfHf-H,—Ir-» — 

497 402 899 206 93 147 18 18 34 8- 72 68 60 51 45 12 2 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters- 
ourger Aerzte: Dienstag, d. 8. März 1805. 

Tagesordnung: Köttner: Beitrag zur Pnbotomie- 
frage irait Krankenvorstellung). 

M a s i n g : Ueber eine, seltne Sprach¬ 
störung (Krankengeschichte und 
Prae parat) 

NäohsteSitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag, den 14. März 1805. 


ANNONCEN JEDER ART werden in der Buchhandlung von K. L. RICKER in 
St. Petersburg, Nevsky-Pr. 14, sowie in allen in-and aasländ. Annoocen-Coraptoiren angenommen. 


Ein sehr nützliches Produkt aus Caseara-Sagrada 


SPECIFIQUE 


Medizinische Akademie 
12. Juli 1892. 

Akademie d. Wissenschaften 
1. April 1893 u. 3. Juli 1899. 




C 1S H 10 0 5 




Erprobt: bei gewöhnlicher Verstopfung, Leberleiden, als antiseptisches Mittel 
für die Verdaunngsorgane; bei Atonie des Verdauungskanals, Verstopfung bei 
Schwangeren und mit der Brust Stillenden, und gegen Gallenstein. 

Gewöhnliche Dosis in Pillen: 2 Pillen nach dem Essen oder zur Nach! vor 
dem Schlafengehen. 

Haupt-Depot: 62, rne de la Tour. Paris. (32) 12—2. 

Depot in allen Apotheken und Droguenhandlungen. 


ANSTALT FÜR WARME BAEDER 


VICH 


(4) 17-16. 


Eigenthum der Französischen Regierung. 

B ADE-SAISON. 

In der Anstalt VICHY, der besteingerichteten in ganz Europa, sind 
vorhanden Bäder und Douchen zur Heilung von Magen-, Leber-, Harn¬ 
blasen-, Harnsalz-, Podagra und andere Krankheiten. 

Täglich vom 15. Mai bis zum 30. September Theater und Concerte im 
Casino. Musik im Park. Lesecabinetts. Gastzimmer für Damen, Spiel-, Sprech¬ 
säle und Billards. Alle Eisenbahnlinien sind mit VICHY verbunden. Frank¬ 
reich, Departement Allier, 



Digitized by 


Google 
















90 


anerkannt vorzit gl. Haemostatiku m, beson¬ 
der* bewährt bei Uterusblutungen. Tn Tonn 
von Substanz, Tabletten , Watte und Gaze. 



ausgezeichnetes Hypnotiknm ohne Jegliche 
schädliche Hebentvirkung. In Dosen zu 0,25 
bis 0.5 und bis 1 gr. (U) 13—9. 


sehr beliebtes Anästhetikum. Jtcsitzt d. anäs¬ 
thetischen Eigen sch d. Cocains oh ne d. He¬ 
be nteirk Die Lösungen sind sterilisierbar. 



BAD HALL (Oberösterreieh). 

Jodbrombad I. Ranges. 

Aelteste und heilkräftigste Jodquelle in Europa. 

(«egen Frauenkrankheit*«, Exsudate, chronische Entzündungen, Scrophulose, 
Syphilis erworbener oder .ererbter Natur und deren Folgekrankheiten, Gicht, 
Rheumatismus etr. etc. 

Modernste Kurbehelfe. Auskünfte erteilt 
(39)6-2. die Badeverwaltung. 



Duotal „Heyden“, ein 
vollständig geruch- und 
geschmackloses Guaja- 
kol Präparat, enthält 
über 90 °/° gebundenes, 
im Körper sich abspal¬ 
tendes, also wirksames Guajakol. Ohne jegliche Gift und Aetzwirkung; 
wird selbst von den empfindlichsten Patienten gern genommen und gut 
vertragen. Vorzügliches Mittel gegen Lungen-Tuberknlose und chronische 
Katarrhe der Atmungsorgane. Darmantiseptikum bei Typhus und Enteritis. 

Duotul-Tabletten -Heyden“ zu 0,3 und 0,5 g. 

Verbindung der wirksamen 
Bestandteile des Kreosots 
mit Salicylsäure. Zur äus- 
s e r 1 i c h e n Behandlung 
von Muskel- und Gelenk- 
Rheumatismus, Arthritis de- 
formaus. Erysipelas, Lymphadenitiden und skrofulösen Drüsenanschwel¬ 
lungen. Lokale Einreibungen oder Einpinselungen von 3 bis 15 g ein- 
oder mehrmals täglich, bis zu 30 g pro die. 

Proben und Literatur durch 

Chemische Fabrik von Heyden, Radebeul-Dresden, 

oder deren Vertreter: (22) 10—3. 

R. Crottet, W. 0., Sredny Prosp., 8, St. Petersburg. 




Qr.med.iols Kuranstalt 

f. Nervöse u.Erholungsbedürf.j. fl. 

Scei.- Behandl. bei Kongestion. Kopfschmer;. Nejralgien. 


Prachtvolle, sonnige 
Lage, Ausführliche 
illustrierte Prospekte. 


Friedrichroda 

i. Thür. 


Kur- und Seebadeort PERNAU 

Gesunde Lage. Kalte Seebäder. Temperatur des Wassers 15—16° R. Com- 
fortabel eingerichtete Kurbadeanstalt and Kurhaus im Parke am Meere: Beginn 
der Saison ^). Mai, Schluss derselben 20. August. Verabfolgt werden. Schlamm-, 
Moor-, Salz-, electrische-, Sand-, Kohlensäure- und andere Heilbäder, hydrothera¬ 
peutische and orthopädische Behandlung, Luft- and Lichtbäder. Dieselben sind 
wirksam gegen Herz- und Nervenerkrankungen, Rheumatismus, zahlreiche chroni¬ 
sche Krankheiten, Lähmungen, Bleichsucht, Skrofulöse, Rhachitis. Frauenleiden 
und andere Krankheiten mehr. Massage. Desinfizierte Wäsche. Täglich Mnslk. 
Keine Kurtaxe. Weiterausgedebnte Anlagen, viele Promenaden ain Meere- Billiges 
Leben. Dampfer- nnd Eisenbahnverbindung. Nähere Auskünfte, Prospecte und 
Quartiervermittelung gratis durch 

(40) 6 -i. die Badeeommission. 


Wasserheilanstalt 

Traunstein-Oberbayern 

Sanatorium fnr NerraMe 

Das ganze Jahr geöffnet. Leiter und 
Besitzer Di. med. G. Wolf. 


Sanatorium Villa Primavera. 

Gardone Riviera, Italien. 

Prospekte des .Sanitätsrats Di .Koeniger. 


Verlag von Angnst Hirschwald in Berlin. 
Soeben erschien: 

Zeitschrift für Krebsforschni|. 

Herausgegeben vom Komitee für Krebs¬ 
forschung zn Berlin, redigiert von 
Prof. Dr. D. v. Hansemann 
und Prof. Dr. George Meyer. 

III. Band. 1. Heft. 

1905. gr. 8. Mit 3 Tafeln n. Textfig. 7 M. 


im Deutschen Alexander-Hospital wird 
Nachweis ertheilt über zur Zeit dienst¬ 
freie Pfleger und Pflegerinnen für dit 
private Krankenpflege (gegen Zahlaif 
von 50 Cop.), 


Adressen von Krankenpflegerinnen: 

Fran Tnrsan, CnaccK&a 21, kb. 6. 

Sophie Naftbal. Bac. oerp. Tvueobi nep. 
7. kb. 5. 

Ludmilla Kawalkewits, EicaTepiHiB' 

CKifi Kauagi, x- 69, kb. 23. 

Frau Qül«en,V\ .0..17 Linie, Haus J* 1<L 
Qn. IR 

Lydia Duvan, Bac. OcTp., 1 xhh., x- 
kb. 17. 

Alexandra Xasarinow, BiKoxaeBCKM 
yjt. i. 61, kb. 32. 

Fran Elvine Juokam, Bac. ocTp-, 5 xih., 
68, kb. 96. 

J. Krohn, Boatni. üoxi>anecKag 23, kb. 8' 

Frau Oatharine Miohelaon, Parapi«- 
cKaa yiina x. 30, kb. 17. 

Fran Adelheid von Fersen, Katba- 
rlnenkanal 81, Q. 20. 

Blise Blau, JlnroBCKas 58, kb. 15. 

Marie Winkler, yr.Üojaeoea nep.e Hai* 
rejelnoRCioM yj. i. 4. **. 11. 

Fran Minna Rieser, geh. Franke. Cts- 
pufl IleTeprothcKl# npoen., x. I® 1 
kb. 28, y HoBo-KaxBHKiHa mocte. 

Luitgart Heimberger, Bac. Oerp-, & 
xkh., x- 29. kb. 13. 

Fran Marie Kubern, Gr. StalJbofiU. 
Haas d. Finnischen Kirche 6— 8,Q.1r, 

Fran L. A. Bogoslowskaja, Ertelen 
Pereulok M 16, Qu. 6. 


Ao8B.neH8.Cn6., 5 Mapia 1905 r. Herausgeber Dr. Rudolf Wanach. Bucbdruckerei v.A. Wienecke, KatharinenboferPr.MHL 


Digitized by kjOOQie 









r a l. . i i . 
)r- 

^ 39 190*) 


XXX. JAHMANti. 


ST. PETERSBURGER Ne "” tolge J *" re 

KEDIIJINISIJIE f OOHEHSOIRIPT 


unter der Redaktion von 


Prof. Dr. Karl Dehio. 

Jurjew (Dorpat). 


Or. Johannes Krannhals. 

Riga. 


Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger Medicinische Wochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend.—Der Abonnementspreis ist in BuaslandS Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postzustellung; in den anderen 
Lindern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Insertionspreis 
fQrdie Binal gespaltene Zeilen inPetitist 16Kop.oder35Pfen.—Den 
Autoren werden 25 Separatabzügeihrer Originalartikel zugesandt. 

— Referate werden nach dem Satzevon 16 Rd 1. pro Bogen honorirt. 


Abonnemente-Aufträge sowie alle Inserate 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von K. L. Bicker 
in St. Petersburg, Newsky-Prospekt .Ns 14. zu richten. — Hanui- 
criptesowiealleauldieRedaktion bezüglichen Mitteilungenbit- 
tet man an den stellvertretendengeschäftsführendenRedäk- 
teurDr. E-Blessig in St. Petersb., Wassili Ostrow, 1 Linie Ms 28 
zu richten. Sprechstunden täglich von 4—6 Uhr. 


Infolge Erhöhung der Preise Tür Druckarbeiten sind wir genötigt die Insertionspreise 
vom 1. April 10U5 an : zu erhöhen und zwar von 10 auf 20 Kop. (von 35 auf 
46 Pf.) pro Zeile der 3 mal gespaltenen Seite. 


n 10 


St. Petersburg, den 12. (25.) März. 


1905 . 


Inhalt: Dr. med. E. von Yietinghoff Scheel: Ein Jahr mechanoiberapentischer Behandlung in Pevnau. — 
Mitteilungen aus Her (Gesellschaft praktischer Aerzte zu Riga. — Brief aus Wiesbaden. —: Vermischtes- 
— Mortalitäts-Bulletin St. Petersb"igs. — Anzeigen. 


Dieser liegt N2 2 der «Revue der Russischen Medizinischen Zeitschrillen» hei. 


Ein Jahr mechanotherapeutischer Behandlung in 

Pernau. 

(Jahresbericht der im Januar 1904 gegründeten Heilanstalt 
für Mechanotheraple.) 

Von 

Dr. med. E. von V i e t i ng h o f f-S c he e I. 

Besitzer und Leiter der Anstalt. 

Als ich im Spätherbst 1903 nach Pernau kam mit der 
Absicht eine mechanotherapeotische Heilanstalt daselbst 
einzurichten, wurde das Unternehmen a priori als etwas 
gewagt bezeichnet. Es gab im Publikum Stimmen ge¬ 
nug, die nicht sehr ermutigend klangen. Andererseits 
fehlte es auch nicht an zustimmenden Urteilen nnd 
ausschlaggebend für die Verwirklichung der Idee war 
das entgegenkommende Verhalten der Pernauschen Stadt¬ 
verwaltung, die sich bereit erklärte, zu dem Zwecke ein 
geeignetes Lokal in einem Seitenbau der stildt. Badean¬ 
stalt einzurichten. Dieser ans einem Saal und 6 Ne- ! 
benräumen bestehende Neubau wurde im April v. J. 
fertig und, da inzwischen auch die meisten Apparate be- ( 
schafft waren '), konnte im Mai der volle Betrieb der I 
Anstalt beginnen. 

Nach erfolgter Konzession im Januar 1904 war die 
Anstalt provisorisch in zwei kleineren Räumen unterge¬ 
bracht und kaan daher in diesen Tagen auf das erste 
Jahr ihrer Tätigkeit zurückblicken. 

In welcher Weise hat sich nuu die An¬ 
stalt betätigeu können und was hat sie im 
ersten Jahre ihres Bestehens geleistet? — 

') Bezüglich der Einrichtung der Anstalt verweise ich auf 
das betr. Kapitel iu der von Dr. ined. 8. Kroeger verfas¬ 
sten Brochüre «Kur- nnd Seebad Pernan» (1905). Ausserdem 
beabsichtige ich demnächst eiDe kleine Arbeit «Ueber die 
Ausstattung orthopädischer und heilgymnastischer Anstalten» 
zu veröffentlichen. 


i eiuo Krage, dio häufig genug an mich herangetreten ist 
und die, so unwesentlich sie vielleicht erscheinen mag, 
in Anbetracht der Pionierarbeit, die ein Mechanpthera- 
« peut in unserer engeren Heimat zu verrichten hat, 
prinzipiell nicht ganz ohne Interesse ist. 

1. Frequenz der Anstalt. - - Im Jahre 1904 
wurde die Anstalt von 115 Patienten besucht, von 
denen 66 einer längeren ambulatorischen Behandlung 
uuterzogen wurden 2 ). 

Sieht man von den ersten Konsultationen und von den 
Besuchen zu Untersuchungszwecken ab, so sind im Laufe 
, des Jahres an deu 256 Tageu, an deaen die Anstalt ge¬ 
öffnet war, im ganzen 2304 Besuche zu verzeichnen 
gewesen, was einen Jahresdurchschnitt von 9 
Besuchen resp. Patienten täglich ausmacht. 
Auf die einzelnen Monate verteilen sich die Besuche 
sehr verschieden. Zunächst ist die sogen, stille Zeit, die 
Winterlrequenzzu berücksichtigen (1169 Besuche 
in 8—9 Monaten); ihr stehen die 3 Saisonraonate Juni, 
Jnli, Augusi mit nahezu ebensoviel Besuchen gegenüber 
(1135). Der bei weitem frequentierteste Monat war der 
Juli mit 515 Besuchen oder einem Durchschnitt von über 
19 Besuchen täglich. Hierauf folgen der August mit fast 
13 und der Joni mit rund 12 Besuchen täglich. Uater 
den Wintermonaten ist der am besten frequentierte 
der November mit gegen 9 Besuchen täglich gewesen. 
Hierauf folgen der Dezember mit mehr als 8, der Sep¬ 
tember mit 8 und der Mai und Oktober mit durch¬ 
schnittlich 7 Besuchen täglich. Geringer war die Zahl 
der Besuche im Januar und April (etw. über 5 Besuche 
täglich'. Zuletzt kommen der März und der Februar mit 
der niedrigsten Frequenz (kaum 4 Besuche täglich). 

*’) Von diesen worden 16 als geheilt entlassen, in 42 Fällen 
ist eine Besserang erzielt worden nnd 8 Patienten verliessen 
die AnBtalt angebessert. Bei 17 Pat. wird die Behandlung 
fortgesetzt. 


Digitized by kjOOQie 



92 


Aus diesen Zahlen ist eine steigendeFrequenz 
ersichtlich. Während in den eisten 5 Monaten (Januar 
bis Mai) zusammen nur 510 Besuche täglich notiert 
werden konnten, war ihre Zahl in den 4 letzten Mo¬ 
naten des Jahres betiächtlich grösser t659). Die Sommer¬ 
frequenz, die in die Badesaisou fällt, muss natürlich ge¬ 
trennt betrachtet werden und hätte von Ende Mai bis 
Anfang Juli beträchtlich grösser seiu können. 

Ausser der Zunahme der Frequenz ist als eine er¬ 
freuliche Erscheinung anzusrben, dass die Anstalt auf 
dem festen Wege ist, eine wirkliche Heil¬ 
anstalt zu werden, also das, was von Anfang an 
in der Absicht des Begründers gelegen hat. Während 
man ihr besonders in der ersten Zeit nichts mehr als 
die Bedeutung einer Turngelegenheit für Sommergäste 
einräumen wollte, haben das Kraiikenniaterial, das ich 
weiter unten etwas sichten will, uod die Tatsache, dass 
im letzten halben Jahr nur wirklich Kranke und Heil- 
bedürftige sie aufgesucht haben, der Anstalt den rechten 
Weg einer gedeihlichen Entwickelung gewieseu — sie 
soll ausschliesslich Heilzwecken dienen. Die 
im Frühling v. J. auf Ansuchen eingerichteten hygieni¬ 
schen Turnkurse*), an denen 18 Damen in Gruppen 
sich beteiligten, wurden zwar bis zu Ende fortgeführt, 
sind aber aus Gründen, deren Erörterung nicht hierher 
gehört, definitiv aufgegeben worden. In Zukunft ist die 
Benutzung der heilgymnastischen Apparate nur auf 
ärztliche Verordnung und uach erfolgter ärztlicher Un¬ 
tersuchung zulässig. 

2. Das in der Anstalt behandelte Kran¬ 
kenmaterial. 

Als grösste Gruppe sind die in jeder orthopädischen 
Anstalt vorwiegend behandelten Skoliosen und habituellen 
Kyphosen resp. Haltungsanomalieen zu nenuen (27 Fälle). 
Von den 17 Skoliosen waren 3 hochgradige, 6 mitt¬ 
leren Grades und 8 leichtere Formen; 7 Skoliosen Kom¬ 
biniert und 10 einseitig oder total. Von diesen 17 Sko¬ 
liosen wurden ö als geheilt entlassen und 6 gebessert. 
Bei den übrigen hatte die Behandlung zu kurze Zeit 
gedauert oder konnte nicht konsequent durchgeführl 
werden und in einem Fall wurde von einer Behandlung 
ganz abgesehen. 

Die Zahl der übritten behandelten Deformitäten 
ist gering, des Thorax (Hühnerbrust) und der Füsse 
(pes varo equinus und pes planus) je 3. 

Unter den Muskel-, Knochen- und Gelenk¬ 
verletzungen und ihren Folgen (16 Fälle) sind 
vorwiegend Frakturen und nach Frakturen verbliebene 
Ankylosen und Uewegunttshindernisse behaudelt worden. 

Rheumatische Erkrankungen waren 9, unter 
denen ein seltener Fall von chron. Gelenkrheumatismus 
bei einem 14-jährigen Mädchen 4 ) das meiste Interesse 
beanspruchte und mit Erfolg weiter behandelt wird. 
Ferner sind im Buch verzeichnet 8 tuberkulöse 
Gelenkerkrankungen (Coxitis, Spondylitis und 
Gonitis) und 2 gonorrhoische Gonitideu. Auffallend ge¬ 
ring ist die Zahl der mechanotherapeutisch behandelten 
Herz- und Lungeukrankheiten (4) und der 
Digestionsstörungen (3). 

Rhachitis und ihre Folgen, Adipositas, 
Diabetes mellitus, A n a e in i e—zusammen 11 Falle. 
Relativ zahlreich waren die Nervenkrankheiten 
und nervösen Erscheinungen. Ausser den 7 
Fällen von Lähmungen nach Apoplexie und anderen 
Gehirn- und Rückenmarkerkrankungen wurden 13 Neu- 


*) Die Teilnehmer doser Kurse sind nicht gebucht und ihre 
Besuche im Jahresberichte nicht berücksichtigt worden. 

4 ) He n och hat nur 5 Fälle von chronischem Gelenkrheu¬ 
matismus bei Kindern beobachtet. — (_Vgl. «Vorlesungen über 
Kinderkrankheiten». Berlin 1899, pag. 830). Ein Fall, dessen 
Krankengeschichte er kurz mitteilt, hat entschieden Aehn- 
lichkeit mit dem in meiner Anstalt behandelten. 


rasthenische uod Hysterische, 8 Neural¬ 
gien und Alkoholismus behandelt. Schliesslich 
möchte ich noch einen Pat. mit progressiver 
Muskelatrophie (einseitige totale Atrophie der 
beiden M. M. pectorales), der nach 4 wöchentlicher Be- 
haudlung gekräfligt entlassen werden konnte, besonders 
erwähnen. 

Die Zahl der für die Patieuten angefertigten ortho¬ 
pädischen Stützapparate (Beiuschieneu, Geh- 
apparaie, Gipsbetten, Korsels und Geradehalter) betrug 
14. ln allen Fällen handelte es sich um einfachere und 
billigere Vorrichtungen.« 

Das wäre das Wesentliche des Anstaltsberichts. Selbst¬ 
verständlich können sich die bescheidenen Daten nicht 
mit dem J.ihresresultat einer jahrelang bestehenden od er 
in einer Grosstadt errichteten Anstalt dieser Art messen. 
WeJer die Frequenz, noch die Vielseitigkeit des Kran- 
kenmaterials noch die Leistungen sind auch nur an¬ 
nähernd dieselben. Sie entsprechen vielmehr den Ver¬ 
hältnissen eines Badeorts, der erst im Werden begriffen 
ist nnd einer Kleinstadt, die trotz ihrer Fabriken und 
Schulen ein relativ geringes Kraukenmaterial zu liefern 
vermag. Berücksichtigt man ferner, dass die Meehano- 
therapie als Heilmittel bei uns uoch wenig bekannt ist 
und ihr die Grenzen der Betätigung vielfach zu eng 
gezogen werden, so wird man das Resultat des 
ersten Jahres immerhin als befriedigend 
bezeichnen müssen. Jedenfalls kann die Anstalt mit et¬ 
was mehr Zuversicht der Zukunft entgegensehen als 
vor Jahresfrist. 


Mitteilungen 

aus der Gesellschaft praktischer Aerzte 
zu Riga. 

1400. Sitzung v. 17. März 1904. 

1. ()r. L. Schön feldt demonstriert einen Fall von Ser- 
ratuslähmnng post partum. 

Bei der Durchsicht der Literatar findet mau nnr ganz 
vereinzelte Fälle von Serratuslähmung, die in einem ätiolo¬ 
gischen Zusammenhang zur Geburt stehen. Gowers be- 
ricluet über einen Fall, der 4 Tage nach der Geburt ent¬ 
standen war, nnd von ihm als Folge lokaler Moskelanstreo- 
gung aufgefasst wurde. 

Weber und Oppenheim beobachteten je einen Fall. 
Der vom Referenten beobachtete Fall betrifft eine 32-jährige 
Erstgebärende, die wenige Standen nach einer überaas 
schweren, protrahierten Geburt eine Fnnktionsbehinderung Im 
rechten Arm verspürte. Pat. stammt ans gesunder Familie; 
Eltern nnd Geschwister leben. In der Kindheit hat sie Ma¬ 
sern gehabt, sonst ist sie nie krank gewesen; sie ist mittel- 
gross, von kräftigem Knochenbau und gutentwickelter Mus¬ 
kulatur. 

Die Wehen traten am 6. August abends ein und dauerten 
ca. 40 Stunden fast ununterbrochen an, ohne dass ärztliche 
Hilfe in Anspruch genommen wurde. Pat. schildert in durch¬ 
aus glaubwürdiger Weise — die nachträglich zur Geburt 
liinzugezogeneu Kollegen bestätigten ihre Angaben — wie 
sie mit allergrösster Kraftentfaltung stundenlang bald die 
Hanchpres8e anwandte, bald das Beckeo fixierte, indem die 
aasgestreckten Arme krampfhaft den Bettrand umklammerten, 
wobei sie in halbsitzender Stellung den Oberkörper hin- nnd 
herbewegte. Bei der Aufforderung diese Bewegung zu wie¬ 
derholen, kann man sich von der starken Inanspruchnahme 
der Schnlt.ermn8kulatur überzeugen. Die Gebnrt endete am 
3. Tage Abends spontan — eine Indikation zur Anlegung der 
Zange lag nicht vor. Obgleich die Bewegnngsbehindernng 
von der Pat. bereits nach wenigen Stunden bemerkt wurde, 
so sollen Schmerzen uud zwar in der rechten Schalter, im 
Nacken nnd Arm erst am 4. Tage post partmn aufge- 
treien sein. 

Das Wochenbelt verlief uormal. Im November 1903 stellte 
sich Pat. vor. Bis auf den Lokalbefand sind keine nachweis¬ 
baren Veränderungen der Organe zu konstatieren. — In der 
Rohe ist die gieichhobe rechte Scapula der Wirbelsäule ge¬ 
nähert, und zwar der untere Winkel V/t cm. mehr als der 
obere; die rechte fossa supraspinata zeigt eine ganz geringe 
Abflachung, sonst nirgends Contourveränderongen oder Atro- 


Digitized by 


Google 




98 


phien. Bei der Abduktion der Arme bis 90°, rückt die Sea- 
pnla fast an die Wirbelsäule heran und schiebt einen Mus- 
kelwnlst vor. Bei dr Bewegung des horizontal erhobenen 
Armes aus ler Frontal- in die Sagittalebene springt die Sca¬ 
pula flüs:elförmig vor, stellt eich nahezu senkrecht zum 
Kumpf und ermöglicht somit das Abtasten fast ihrer ganzen 
Innenfläche. Die Erhebung des Annes bis zur Vertikalen 
gelingt nur bis c 120°, bei Fixation der Scapula gelingt sie 
mit einiger Anstrengung fast ganz. Die Sensibilität zeigt 
nirgends nachweisbare Veränderungen. Die indirekte farad. 
Eiregb des nerv, thoracic, long. und die direkte der Serra- 
tnszacken ist erloschen, galvanisch lässt sich eine starke 
Heiabsetzung der Reaktion nachweisen — doch ist die träge 
Zuckuug nicht einwandsfrei festzusiellen. Die Funktion der 
Nachbarmuskeln, speziell des in. Cucullaris, ist iu keiner 
Weise gestört, ebenso lässt sich nirgends sonst eine Verän¬ 
derung der elektr. Erregbarkeit nachweisen. Bekanntlich 
spielt das Trauma sowohl Infolge direkter Verletzung des 
Nerven, als auch durch indirekte Einwirkung bei seinem Ver- 
lanf dm eh den musc. scalenus eine wesentliche Bolle in der 
Aetiolocie der Serratuslälimung. Auch die lokale Mnskelan- 
strengung, sei es iu der Berufsarbeit (Seiler, Maler, 
Schmied) oder bei einmaliger starker Inanspruchnahme, 
wird von den meisten Autoren als häufige Ursache einer 
Mouoneuritis des nerv, thoracic, aufgefasst. In diesem Falle 
lässt sich durch das zeitliche Zusammenfallen der Lähmung 
mit der unter grösster Kraftentfaltung einhergeheuden lo¬ 
kalen Muskelanspanuung der ätiologische Zusammenhang 
unschwer erkennen. Der durch die Gravidität und Geburt 
geschwächte Organismus dürfte infolge verminderter Eisatz¬ 
fähigkeit der Gewebe die Entstehung des Kraukheitsprozesses 
gefördert haben. 


(AntoreferatV 

Dr. Ed. Schwarz fragt Vortragenden, wie er sich den 
Mechanismus der Muskelläsion während der Geburt vorstelle? 

Dr. L. Schönfeldt beschreibt, wie 6ich Pat. 2 mal 
24 dt. hindurch iu halbsitzender Stellung fast ununterbrochen 
mit ihren Armen au das Bettgestell angeklammert habe. Da¬ 
durch seien die Schultenmiskeln hochgradig iu Anspruch ge¬ 
nommen worden. 

Dr. Ed. Schwarz: Auch die Mm. supra- und infraspi- 
nati scheiuen rechts abgeflacht, vielleicht auch sogar linker 
seits der Norm gegeniibei etwas reduziert- 

Danach würde es sich nicht um alleinige Serratnslähmung 
handeln; man könnte eher an eine Polyneuritis post partum 
denken. 


Dr. M. Sch ö n fe 1 d t: Trotz der genauesten Untersuchung 
hätten sich linkerseits keinerlei Abweichungen von der Norm 
nachweisen lassen Redner hält die Lähmung des rechten 
Serratns auch für das Produkt eines neuntischen, aber loka¬ 
lisierten Prozesses, und nimmt an. dass die Gravidität eine 
gewisse allgemeine Schwäche des Nervensystems vorbereitet 
habe; die übermässige Inanspruchnahme eines Muskels habe 
dann zu einer entspr. Neuritis mit nachfolgender Lähmung 
geführt. 

Die Erkrankung des gerade beim Partus schwer beteiligten 
Nerven spreche doch entschieden für eiuen ätiologischen Zu¬ 
sammenhang- 

Als Analogie führt Redner die Beobachtung an, dass z. B. 
Alkoholiker nicht selten bei ganz unscheinbaren Gelegen¬ 
heiten wie Zeituuglesen, wobei sie einen Arm auf die Stuhl¬ 
lehne stützen, Drucklähmungen davoutrügen. Auch hier hatte 
der Alkobolismus eine allgemeine Schwäche des Nervensy¬ 
stems vorbereitet, während der au sich unbedeutende Druck 
ant den Nerven nur als GelegeuheitsUrsache einwirkte. 

Dr. V o 8 s bezweifelt die Bedeutung der Ueberanstrengung 
für das Zustandekommen einer Lähmung. Bei Sportsleuten, 
wie Athleten, Radfahrern etc., die sich öfters Ueberanstreu- 
gungen »ussetzen. kämen Lähmungen doch kaum vor. Er 
nimmt daher an, dass gewisse toxische Momente, wie sie 
etwa durch Puerperalfieber gesetzt würden, hier mitgespielt 
haben müssten. 


Dr. L. Schönfeldt erwidert Dr. Sch w a r z, dass sich 
eine Milbeteiligung der Mm. supra- und intraspinatus wohl 
kaum nachweisen lassen könne, da genannte Mm. doch vom 
Cncnllaris verdeckt würden. Eine gewisse Atrophie des letz¬ 
teren sei allerdings vorhanden und auch bereits im Vortrags 
berücksichtigt worden. Das Anftreteu vou Muskellähmuugen 
nach einmaliger Ueberanstrengung werde am besten illu¬ 
striert durch eine Arbeit von Steiuhauseu, die eine Läh- 
mnugBstatistik im preuss. Militär vorführt. 

Es handelt sich dabei unter anderem dm Fälle übermässi¬ 
ger Zerrung des Armes durch den Züge) eines wild gewor¬ 
denen Pferdes, und den Druck des Tornisters etc. 

Der heutige Fall sei entschieden zu akut aufgetreten, um 
etwa auf infektiöser Grundlage entstanden sein zu können. 

Dr. Thilo hat wiederholt bei Sportsleuten Lähmungen 
durch 0eberan8irengungen erlebt. Id den Fällen handelte es 
sich stets um Zerreissung der Muskeln mit nachfolgender 
Funktionsstörung. 


Könnte in dem heutigen Falle nicht das Gleiche Vorge¬ 
legen haben? 

Dr. V o 8 s hat solche Zerreisssungen auch zuweilen beim 

» iel beobachtet. Doch böten solche Fälle ein ganz an- 
lld, als der heute voreeführte. Dort handle es sich 
immer um nachweisbaren Bluterguss, um Schwellungen, nie 
aber um eigentliche Lähmung. 

Nach Heilung des Risses trete wieder die normale Funk¬ 
tion ein, höchstens handle es sich noch um Narbenkontrak¬ 
turen. 

Dr. Thilo: Wenn es sich um dickere Mm. wie Gastro- 
cuemius etc. handelt, so sei wegen unvollständiger Zerreissung 
eine Restitutio ad integrum allerdings das Gewöhnliche. Bei 
dünnen aber sei das anders; da käme es. zu völliger Konti- 
nuitätstrenuung, und daher leicht zu bleibeuder Funktions¬ 
störung. 

Dr. Ed. Schwarz: Dass die Ueberanstrengung für das 
Zustaudekoramen von Lähmungen eine grosse Rolle spielt, 
sei gewiss. So käme cs nicht selten zu isolierten Lähmungen 
der Scaleni; ebenso seien Fälle von alleiniger SerratusLäh- 
mung z. B. bei Mähern beschrieben werden. 

Da aber auch andererseits bei einer Polynenritis die Ueber- 
anstrengung gewisser Muskeln auf die Lokalisation bestim¬ 
mend wirke, and in dem heutigen Fall ein disponierendes 
Moment iu der voransgegangenen Gravidität erblickt werden 
könne, so dürfe die Möglichkeit einer Polynenritis in Hin¬ 
blick auf ihre prognostisch weit günstigeie Bedeutung jeden¬ 
falls nicht ausser Acht gelassen werden. 

Dr. Schönfeldt bemerkt zu der von Dr. Voss beton¬ 
ten Seltenheit der Lähmungen bei Sportsleuten, dass die 
Autoren gerade auf die isolierte Ueberanstrengung eines 
Muskels Gewicht legen. Der Athlet z. ß. wechsele bei seinen 
Kraftleistuugen fast in jedem Augenblick die in Aktion tre¬ 
tenden Muskeln, ähnlich sei es auch bei den anderen Sports¬ 
zweigen- Dadurch werde die Kraftleistung zweckmässig 
verteilt. 

Was die Möglichkeit einer Muskelzerreissuug betrifft, so 
sei die wegen Fehlens jeglicher Schmerzen hier ganz ausge¬ 
schlossen. 

Dr. L. Schönfeldt: Obgleich sich gegen die theoreti¬ 
schen Auseinandersetzungen Dr- Ed Schwarz’ nichts 
eiuwenden lasse, so müsse er dennoch bei seiner Auffassung 
verhairen, denn 1) sei nach den Autoren eine einmalige 
Ueberaustrenguug des Muskels, wie etwa bei Soldaten, Sei¬ 
lern, Streichern, etc. für dessen nachträgliche Lähmung schon 
allein verantwortlich zu machen, 2) fehlen im vorliegenden 
Falle alle Hinweise aut das Bestehen einer Polyueuritis. 
Eher wolle er eiue traumatische Neuritis gelten lassen. Durch 
Aueikennung der Auffassung Dr. Sch w arz’ würde unser» 
ganze Vorstellung vom Wesen der Polyneuritis verschoben 
werden. 

Dr. V o 8 s bemerkt zu deu vom Vortragenden angeführten 
Analogien, dass es sich beim Druck eines Tornisters doch 
um keine einmalige, sondern fortlaufende Schädigung haudle. 
dasB ferner bei Zerrung eines Armes doch eher die mecha¬ 
nische Verletzung eines Nerven mitgespielt haben könne. 

Dr. L. Schönfeldt stützt sich auf die Literatur, die 
die Lähmnng eines nur einmal überangestrengten Mnskels 
anerkenne. 

Dr. Stender: Edingor hat Nervendegenerationen nach 
Ueberanstrengung experimeutell bei Ratten nachgewiesen. 

Andererseits könne das Puerperium, aualog der Diphtherie, 
dem Typhus etc., Lähmungen erzeugen. 

Es wäie wohl denkbar, dass im Schönfeldt’schen Falle 
beide Momente zusammengewirkt hätten. 

2. Dr. 0- Brebm (_al8 Gast) hält seinen nntrekündigten 
Vortrag: «U eher Darmverschluss durch Proces¬ 
sus vermiformis and Meckelsches Divertikel». 

Vortragender stellt 2 Fälle von Darmocclusion vor, von 
denen die eine durch ein entzündetes Divertik. Meckelii, die 
audere durch die entzündete Appendix hervorgerufen war. 
Das Interessante ist iu beiden Fällen die Kombination von 
akuten Entzündungsvorgängen mit dem mechanischen Darm- 
verschlnBS, wodurch Uberaas komplizierte Krankheitsbilder 
resultieren. 

(Der Vortrag ist in der Sf. Petersburg, med. Wochenschr. 
1904, M 24 abgedruckt). 

Dr. Mey fragt Vortragenden bezüglich der Differeutial- 
diagnose zwischen Iuvagination und Occlusion durch Meckel- 
Bches Divertikel. Ob blutig-schleimige Stühle bei allen Formen 
der Invagination fehlen können? Früher galt dieses Symptom 
als diagnostisch sehr wichtig. 

Dr. ßreliin: Blutige Durchfälle können bei allen Formen 
der Invagination vermisst werden, sie kämen andererseits 
wieder beim Divertikel gelegentlich vor. 

Die Diagnose werde nach dem fühlbaren Tumor gestellt. 
Für diese wichtig sei auch das seltene Vorkommen eines 
Divertikels. d. Z. Sekretär: S. Kröger jun. 


Digitized by 


Google 



94 


Brief aus Wiesbaden*). 

Von Wiesbadener Institutionen, welche für medizinische Le¬ 
ser Interesse haben, dürfte wohl an erster Stelle das kürz¬ 
lich hier gegründete «Cftsarewitsch-Hei m», über des¬ 
sen Einweihung- bereits kurz berichtet wurde, Erwähnung 
finden. Es handelt sich dabei um keine staatliche oder städti¬ 
sche Gründung, sondern um eine Stiftung, welche durch 
hiesige angesehene Bürger aus Privatmitteln zustande ge¬ 
kommen ist. Die Anstalt ist vor allem dazu bestimmt, r u s s i- 
gehen Offizieren, die im Kriege verwundet oder erkrankt 
waten und deren Zustand eine Nachbehandlung in Wiesbaden 
wünschenswert erscheinen lässt., alle Vorteile unserer Bäder¬ 
stadt zu gewähren, bei freier Verpflegung und freier ärzt¬ 
licher Behandlung. Zu diesem Zwecke ist in einer der ruhig¬ 
sten GartenstrasBen unserer Stadt eine grosse, allen moder¬ 
nen hygienischen Anforderungen entsprechende Villa als ein 
behagliches und wohnliches Sanatorium für 10 Betten einge¬ 
richtet worden. Professor von Noorden in Frankfurt 
a/M. halte die Freundlichkeit seine Kräfte als konsultierender 
Arzt in den Dienst der guten Sache zu stellen, während dem 
Unterzeichneten die Obliegenheiten des dirigierenden und 
Hausarztes der Anstalt übertragen wurden. Von Dr. Mül¬ 
le r, einem hiesigen schwedischen Spezialisten für Massage 
und Heilgymnastik, ist ein grosser Raum der Anstalt mit 
allen modernen, für diese Disziplin notwendigen Apparaten 
in sehr schöner Weise ausgestattet worden, so dass alle 
Wohltaten dieser gerade für Nachbehandlung von Schuss- 
verletzungen so wichtigen Heilmethoden den Patienten io 
zuverlässigster Art geboten werden können. 

Als ersten dieser Patienten hatten wir die Freude einen 
russischen Reiteroffizier anfnehmeu zu können, der sich wäh¬ 
rend des Krieges mehrfach ausgezeichnet, hatte, besonders am 
14. Juni vorigen Jahres in einem Vorpostengefecht bei Seu- 
j u tsehen, für welches ihm später der Tapferkeitssäbel ver¬ 
liehen wurde. Es war dies der Komet Alfred Meier von 
der 13. Uralsotnie der Trausamurischen Grenzreiter, der 
nach einer längeren Hospitalbehandlung inüharbiu von 
der Kaiserin-Mutter in Petersburg in Audienz empfangen 
und von dieser persönlich unserer Anstalt zur Nachbehand¬ 
lung überwiesen wurde. Die grosse Durchschlagskraft der 
modernen Feuerwaffen hatte sich auch bei ihm gezeigt, indem 
eine japanische Gewehrkugel, die durch seinen rechten Ober¬ 
schenkel oberhalb der Patella gegangen war und den Kno¬ 
chen nur gestreift hatte, (wie wir durch die Röntgen- 
Aufnahme feststellen konnten) dennoch eine lang dauernde 
Gebrauchsunfähigkeit des BeineB und eine hartnäckige Bursi¬ 
tis praepatellaris zur Folge hatte. Die beiden kleinen Wunden 
selbst dagegen waren per primam intentionem geheilt, ob¬ 
wohl der Patient stundenlang unter seinem Pferde gelegen 
und noch viel später den ersten Verbann erhalten hatte. 
Trotz der hartnäckigen ödematöseu Schwellung der Weich¬ 
teile konnten wir ihn aber nach mehrwöchiger ßäder- 
und Massageknr mit tust normaler Gehfähigkeit entlassen. 

Von anderen, in ärztlicher Beziehung wichtigen Begeben¬ 
heiten in unserer Stadt müssen besonders die «ärztlichen 
Fortbildungskurse» erwähnt werden, welche jetzt in 
den Wintermonaten in allen grösseren deutschen Städten 
stattfinden. Sie weiden von einem Zentialkomite in Berlin 
organisiert und sollen durch abwechselnde Vortiäge aus allen 
Gebieten der wissenschaftlichen wie praktischen Medizin den 
Aerzten eine leichte Uebersicht über die neueren Anschauun¬ 
gen und Errungenschaften in den verschiedenen Disziplinen 
unserer jetzt so weit verzweigten Wissenschaft geben. So 
weiden m diesem Winter bei uns von einigen unserer Spe¬ 
zi« lurzte übersichtliche Vorträge gehalten über allgemein 
imeiessierende Kapitel aus der Kinderheilkunde, der Urologie, 
Gynäkologie, Psychiatrie u. s. w. Daneben haben wir von 
Fachleuten gehaltene Vorlesungen über bakteriologische und 
chemische Themata, welche für den praktischen Arzt von 
Interesse siud, und vor allein Demonstrationen in unserem 
städtischen Krankenhansc, weiches über ein recht ansehn¬ 
liches Material verfügt, seitdem unsere Stadt die stattliche 
Zahl von 100,000 Einwohnern mit der Schnelligkeit eines bei¬ 
nahe amerikanischen Wachstums erreicht hat. Dadurch ist 
ans endlich auch die langersehnte Wohltat eines neuen, den 
modernen Anforderungen entsprechenden pathologisch-anato¬ 
mischen Institutes erwachsen, welches unter der Leitung von 
Dr. Hei xheimer steht, eines juDgen, aber in der Wissen¬ 
schaft schon recht bekannten Gelehrten und Schülers des 
leider nur zu früh verstorbenen Prof. Weigert in Frank¬ 
furt a/M. Besonders die jetzt alljährlich stattfindenden pa¬ 
thologisch-anatomischen Demonstrationen sind es, welche, ver¬ 
möge der Wichtigkeit des Gegenstandes für jeden wissen¬ 
schaftlich strebenden Arzt, stets eine ausserordentlich starke 
und aufmerksame Zuhörerschaft finden. Aber auch alle ande¬ 
ren Vorträge unserer jetzt seit 4 Jahren bestellenden «ärzt- 


*) Eingegangen 1. (14.) März c. (d. Red.) 


liehen Fortbildungskurse» erfreuen sich eines zahlreichen 
und dankbaren Auditoriums und zeugen von der Fruchtbar¬ 
keit der Idee, durch derartige, für die Zuhörer natürlich völ¬ 
lig kostenlose Einrichtungen der überhand nehmenden Zer¬ 
splitterung des ärztlichen Wissens durch das heutige Spe¬ 
zialistentum entgegenzuwirken und dem Einzelnen die Mög¬ 
lichkeit des allgemeinen Ueberblickes über das Ganze un¬ 
serer so weit verzweigten Wissenschaft and Kunst za ge¬ 
währen. 

Von besonderem sozialen Interesse dürfte für die russischen 
Kollegen eine ganz andere Zwecke verfolgende ärztliche Or¬ 
ganisation sein, die in unserer Stadt wie in ganz Deutschland 
für die wirtschaftlichen Verhältnisse unseres Standes 
die grösste Bedeutung gewonnen hat. Es ist dieB der jetzt 
ca- 15.000 Aerzte zu seinen Mitgliedern zählende «Leipzi¬ 
ger Verband der Aerzte Deutschlands zur 
Wahrung ihrer wirtschaftlich enlnteresso n*. 
Er verdankt seine Entstehung der ausserordentlichen Initia¬ 
tive des Dr. Hartmann in Leipzig, der vor einigen Jahren 
unter recht geringer Beteiligung diesen Verband ins Leben 
rief, der jetzt, dank der ungewöhnlichen Energie und hin- 
reissendeu Beredsamkeit seines Gründers, die Hälfte sämmt- 
licher deutscher Aerzte in sich vereinigt. Der Verband diente 
zunächst als ein unentbehrliches Kamptor gan gegen die 
überhand nehmende Vergewaltigung der Aerzte seitens der 
Krankenkassen. Zwar suchten schon seit langen Jah¬ 
ren sozial und gerecht denkende Aerzte die bei den Kassen 
herrschende Nepotenwirtschaft, die einigen Protegierten gut 
dotirte Stellen cinbrachte und Hunderttausende von gesetz¬ 
lich versicherten Arbeitern zwang, sich an bestimmte, ihnen 
häufig ganz unsympathische Aerzte zu wenden, abzuschaffen, 
doch blieb das nur ein pitim desiderium, so lange wir Aerzte 
nicht die Macht in Händen batten, um den wohl organisier¬ 
ten und meist auf das Parteiprogramm der Sozialdemokratie 
vereidigten Vorständen der Krankenkassen nicht nur mit 
Worten, sondern auch mit Taleu entgegenzutreten. Die¬ 
ses Machtmittel wurde uns erst mit der Gründung des Leip¬ 
ziger Verbandes gegeben, dessen Schöpfer die alte \Vahrbeit 
des Wortes «Einigkeit macht stark» erkannt und zu gleicher 
Zeit begriffen hatte, dass heutzutage die Einigkeit nur dann 
Wert hat, wenu der Geldbeutel hinter ihr steht. Da nnn, 
abgesehn von besonderen, teilweise sehr beträchtlichen Stif¬ 
tungen, der Verband jetzt über eine jährliche regelmässige 
Beilragssumme von ca. 300,000 M. seitens seiner ständigen 
Mitglieder verfügt, so ist er eiu gewaltiges Machtmittel ge¬ 
worden, um seiner Hauptforderung, der «freien Aerzte- 
wahl», d. Ii. der Freigebung sämmtlicher Krankenkassen in 
Deutschland für sämmtliciie Aerzte Deutschlands, den ge¬ 
hörigen Nachdruck zu verleihen. Namentlich die grossen und 
mächtigen Krankenkassen, die mehrere hunderttausend Mit¬ 
glieder in sich vereinigen, wie z. B. die gemeinsamen Orts- 
krankeukassen in Köln and in Leipzig, weigerten sich 
entschieden, die gewohnte, fast unumschränkte Herrschaft 
über einige, von ihnen ansgewählte Aerzte aufzngeben 
und die gerechten Forderungen der Gesamtheit der deut¬ 
schen Aerzte anzuerkennen. So kam es zu den grossen, 
monatelang dauernden Kämpfen zwischen Aerzten und Kran¬ 
kenkassen — Vorständen, — Kämpfe, die auf beiden Seiten mit 
leidenschaftlicher Erregung geführt wurden uud in der Ta¬ 
gespresse aller Schattierungen ihr Echo fanden. Wenn dabei 
die Aerzte durch rege.li echt organisierte und anderen Arbeiter¬ 
verbänden nachgeahmte S t re i k 8 in vielen Städten Deutsch¬ 
lands der humanen und sozial wichtigen Idee der «freien 
Aerztewahl» für das arbeitende Volk wie für den reichen 
Mann zum Siege verbolfen haben, so war das — abgesehn 
von der sonstigen werktätigen Mitarbeit des «Leipziger Ver¬ 
bandes» aut diesem Gebiete — vor allem der St reike- 
Kasse desselben zu verdanken, d. h. den oben erwähnten 
grossen Geldsummen, die ein Aushalten des Ausstandes in 
den meisten Fällen überhaupt ermöglichten. Man muss sich 
dabei vergegenwärtigen, dass in vielen deutschen Städten 
hunderte von Aerzten bisher ausschliesslich von 
Kassenpraxis existiert haben und dass diese durch Teilnahme 
an den Aerztestreiks, die ihnen ihr Standes und Ehrgefühl 
gebot, brotlos geworden wären, wenn der Fonds des «Leip¬ 
ziger Verbandes» nicht existiert hätte. 

Dieser Organisation haben wir es auch hier in Wies¬ 
baden zu verdanken, dass wir in diesem Jahre die freie 
Aerztewahl ohne ernstlichen Widerstand und ohne Schädi¬ 
gung eiuzelner Existenzen bei uns einführen konnten. Es 
hatte sich bei uns eine sehr rührige Sektiou des Leipziger 
Verbandes gebildet, welche den hiesigen Kassenvorständen, 
nach den Erfahrungen in anderen Städten, einen Kampf 
gegen die berechtigten Forderungen der Aerzte aussichtslos 
erscheinen Hess. Für die Allgemeinheit der hiesigen Kollegen 
bedeutet die diesjährige Errungenschaft einen grossen wirt¬ 
schaftlichen Fortschritt, denn wir haben liier wohl an 30.000 
in Krankenkassen versicherte Menschen, ein Kontingent, 
welches bis zu diesem Jahre für eine verhältnismässig ge¬ 
ringe Anzahl besonders vom Glück begünstigter Aerzte 


Digitized by 




96 


reserviert blieb. Darunter mussten insbesondere die jünge¬ 
ren, wirtschaftlich am schwächsten gestellten Kollegen lei¬ 
den, denn die wohlhabenden Kreise suchen sich natürlich die 
älteren und bekannteren Aerzte aus, so dass für die vielen 
Anfänger, die nicht durch Glück oder Protektion Kassenärzte 
geworden wareu, kaum eine Klientel übrig blieb. Diese ange¬ 
rechten und anti-sozialen Verhältnisse sind nun auch in 
anseier Stadl, hauptsächlich durch die unermüdliche Agita¬ 
tion des Leipziger Verbandes, definitiv beseitigt worden. 

Deber die andere vielseitige Tätigkeit dieses Bunde* zur 
Htbnng der wirtschaftlichen Interessen unseres Standes 
hoffe ich in einem zweiten Briefe berichten zu können. 

A. K. Prüssian (Wiesbaden). 


Vermischtes. 


— Zum älteren Arzt der chirurgischen Ab¬ 
teilung des hiesigen Kiuderhospitals des 
Prinzen Peter von Oldenburg ist, an D r. Dom* 
b r o w s k i' 8 Stelle, wie wir hören, der Ordinator dieses 
Hospitals D r. Ed. H e u k i n g ernannt worden, der gegen¬ 
wärtig noch als Leiter einer fliegenden Sanitätskolonne auf 
dem Kriegsschauplätze weilt. 

— Der Konsultant bei den St. Petertunger Lehranstalten 
-des Ressorts der Kaiserin Maria, wirkl. Staatsrat D r. 
Tscherepnin, ist zum medizinischen Kurator 
des mediko-philanthropischen Komitees er 
nannt worden, nuter Belassnng in seiner bisherigen Stel¬ 
lung. 

— Zum stellv. Gouvernements-Medizinalin- 
«pektor von Saratow ist der bisherige Gehülfe des¬ 
selben, Staatsrat D r. Wigara, ernannt worden. 

— Der Prof, extraord. der Moskauer Universität, Dr. Rein, 
ist als Konsultant für Chirurgie bei den Mos¬ 
kauer Lehranstalten des Ressorts der Kai¬ 
serin Maria angestellt worden. 

— Die ausserordentlichen Professoren der Warschauer Uni¬ 
versität Dr. Ne8namow und Dr. Knsuezow oind za 
ordentliciien Professoren ernannt wurden, erste- 
rer — auf dem Lehrstuhl der Angenheilkunde, letzterer — auf 
dem Lehrstuhl der Chirurgie. * 

— Der Privatdozent uod Prosektorgehillfe der Cbarkower 
Univei silät Dr. P e n 8 k i ist znm ausser ordentlichen 
Professor der operativen. Chirurgie ernannt 
worden. 

— Der bekannte Kliniker Dr. Friedricit Schultze, 
Direktor der medizinischen Klinik in Bonn, beging am 13. 
März n. St. sein 25-jähriges Jubiläum als Pro¬ 
fessor. — Der Jubilar, welcher gegenwärtig im 57. Lebens¬ 
jahre steht, wurde 1871 zuin Doktor medicinae in Heidelberg 
promovieri, habilitierte sich 1876 dort als Privatdozenl und 
wurde 1880 zum Extraordinarius ernannt. 1887 folgte er 
einem Ruf alsProf. ord. der speziellen Pathologie 
und Therapie und Direktor der medizinischen 
Klinik an die Do r pater Universität, von wo er 
aber schon nach einem Jahr nach Bonn berufen wurde. Von 
seinen zahlreichen Arbeiten nennen wir hier nnr sein Lehr¬ 
buch der Nervenkrankheiten. Seit 1891 ist Prof. Schulze 
auch Mitherausgeber der deutschen Zeitschrift für Nerven¬ 
heilkunde. 

— Zu Ehren des Eifinders des Kehlkopfspiegels Manuel 
Garcia fand ans Anlass seiues 100. Geburtstages am 4/17. 
März in London eine Feier statt, auf welcher dem Jubilar 
mehrere Orden and von vielen gelehrten Gesellschaften 
Adressen überreicht wurden. U. a. verlas Prof. F r ä n k e 1 — 
Berlin ein Glückwunsch sch reibendesdeutschen 
Kai 8 er 8, der Garcia die goldene Medaille für 
K u d s t n n d Wissenschaft verliehen hat. 

— Verstorben: 1) In St. Petersburg am 28. Fe¬ 
bruar Dr. Waller Scott Murray im 73. Lebensjahre, 
welcher hier fast 50 Jahre als Arzt tätig gewesen ist. Der 
Hingeschiedene war Schottländer von Geburt, hatte aber seine 
Erziehung and medizinische Ausbildung in St. Petersburg 
erhalten. Nach Absolvierung des Kursus der mediko-chirur- 
gischen Akademie i. J. 1856, bekleidete M. verschiedene ärzt¬ 
liche Stellungen am Udelnajs Krankenhause, am ausserstädti¬ 
schen Hospital und am Gymnasium der philanthropischen Ge¬ 
sellschaft, und erfreute Bich einer ausgebieiteten Privatpraxis. 
Er beschäftigte sich auch viel mit Hygiene und ist der Er¬ 
finder eines in allen Kasernen eingefiihrten Veutilators, der 
ihm den Allerhöchsten Dank eintrug. 2) In Nauheim der 
Saratowsche Gou verneinen ts-Medizinalinspekior, Staatsrat Dr. 
Heinrich Schmid, im Alter vod 48 Jahren. Seine ärzt¬ 
liche Tätigkeit begann der Verstorbene i. J. 1880 in Scha- 
drinsk, war dann Fabrikarzt im Gouv. Perm nnd seit mehr 
als 10 Jahren Medizinalinspektor in Saratow, wo er zugleich 
als Arzt an einem Kinderasyl and dein geistlichen Seminar 
fangierte. 3) Am 24. Aprill in Kiew einer der verdientesten 


rassischen Ophthalmologen, Prof. Dr. Andreas Chodin, 
im 58. Lebensjahre. Seit. 1871 als Arzt tätig, gehörte der Ver¬ 
storbene zn den ältesten Professoren der medizinischen Fa¬ 
kultät der Kiewer Universität, an welcher er gegen 25 Jahre 
die ophthalmologische Klinik geleitet hat. Als Schriftsteller 
in seinem Spezialfach i9t er sehr fruchtbar gewesen, wir er¬ 
innern nur an seine «Bestimmung der Simulation von Blind¬ 
heit und Sehschwäche», welche bereits i. J. 1878 erschien, 
seine «Praktische Ophthalmologie» für Aerzte und Studie¬ 
rende, seine «Ophthalmoskopie», seinen «Knrsns der Augen* 
Operationen». Das grösste Verdienst hat sich der Verstorbene 
jedoch durch die von ihm begründete nnd viele Jahre auch 
von ihm allein redigierte russische Zeitschrift für Ophthal¬ 
mologie («Westnik Oftalmulogii») erworben, welche er erst 
im vorigen Jahre wegen zunehmender Kränklichkeit anderen 
Händen zu übergeben sich genötigt sah. 4) ln Port Arthnr, wie 
erst jetzt bekannt geworden, Anfang November 1904 der 
jüngere Arzt des 5. ostsih. Schützenregiments, Dr. Nikolai 
Stratilaiow, der vor dem Kriege Arzt eines Inf.-Regi- 
ment8 in Lowitsch war, im 34. Lebensjahre nach 10jähriger 
ärztlicher Tätigkeit. 5) In Glasgow der PiofesBor der Medizin 
an Andersons College Medical School daselbst, Dr. R. T li o m- 
8 o n. 6) Am 13. März n. St. der seit 1874 als Professor und 
Direktor der Augenklinik an der dortigen Universität wir¬ 
kende Ministerialrat Dr. W i 1 h. S c h n 1 e k an Apoplexie 
im 62. Lebensjahre. Der Verstorbene, welcher auch Mitglied 
der ungarischen Akademie der Wissenschaften war. erfreute 
sich grosser Beliebtheit nud harte den Ruf eines Meisters 
der Opeiaiionstechnik. 

— Die auch von uns reproduzierten Mitteilungen verschie¬ 
dener rnss. Blätter, dass sowohl Prof. Dr. Zoe ge v. Mao- 
tenffel als auch der frühere Oberarzt des Livländiscben 
Feldlazaretts Dr. Walter v. Oettingen in die Hände 
der Japaner geraten seien, bestätigen sich glücklicherweise 
nicht. Von Prof. v. Z o e g e ist in der Embachstadt ein am 
6. März in Gnndshulin aufgegebenes Telegramm eingetroffen,' 
welches lautet: «Bin gesund. Wir schicken uns au, von hier 
nach Nordosten abzureisen». Dr. W. v. Oettineen bat, 
wie wir in der «Nordl. Ztg.» lesen, schon am 24. Februar ein 
Telegramm abgesandt mit der Nachricht, dass er nebst Ge¬ 
mahlin wohlbehalten in Tieling angekommen ist. 

— Der deutsche Stabsarzt Dr. Schäfer, der auf den Po¬ 
sitionen wälireud der Schluchttage bei Mukden gearbeitet hat, 
ist gesund nnd wohlbehalten aus den furchtbaren Tagen her¬ 
vorgegangen. 

— Das Evangelische Feldlara rett ist, da die Ja¬ 
paner beständig vorrticken, bereits aus Gundschhlin nord¬ 
wärts verlegt worden; wo es aufs neue seinen Standort 
einnehmen wird, ist noch unbekannt. 

— Das Gesuch des Russischen Roten Kreuze« 
um die Genehmigung der Entsendung des Sanitäts¬ 
personals des Roten Kreazes ausPort Artliur 
zu unserer aktiven Armee ist von der japanischen Regierung 
abgeiehnt worden, da sie es nicht tür möglich erachtet, ras¬ 
sischen Untertanen das Passieren der japanischen Operalions¬ 
linie zu gestatten. 

— In Riga sind neuerdings wieder einige Aerzte, die früher 
aus der Reserve zum aktiven Dienst einberufen, wegen Krankheit 
aber vom Dienst befreit worden .waren, zu einer abermaligen Be¬ 
sichtigung herangezogen. Von ihnen werden zur Beobach¬ 
tung gesandt: in das W i 1 u a s & li e Miliiärhospital 

— die Aerzte Moritz Springen r'eldt. und Jakob 
B r a i ti i »; in das Dwinskische Militärhospital — 
die Aerzte 3. S a 1 m a n o w i t s c h, E. Johansohu, W o 1 f- 

a n g v. zur Mühlen, Oskar S u c k, Leo D o 1 i n und 

a u 1 F a h r b a c li; in das RigascheMilitärhospital 

— der Arzt L o s s k i. 

— Die Gesellschaft des deutschen Roten 
Kreuzes hat, wie verlautet, dem russischen Roten Kreuz 
mitgeteilt, dass sie infolge der Kriegsei eignisse in Sndweat- 
afrika sich genötigt sehe, sparsamer mit ihren Mitteln um- 
zngehen.und dass sie daher gezwungen sein würde, ihr Lazarett 
ans Charbin Anfang Juni zurückznziehen, falls das russische 
Rote Kreuz nicht den grössten Teil der Unkosten übernimmt. 

— Da bei vielen Truppenteilen des Odessaer Militärbezirks 
Mangel an Aerzteu ist, so hat die Ober-Militär medi- 
zinalverwaltnng gestattet, Privatärzte jüdischen Glaubens 
anzustellen. 

— Die Sache des Generals Kowalew wegen Misshand¬ 
lung des Dr. Sabnssow soll erst im Mai oder Juni im 
Tiflisschen Militär-Bezirksgericht von neuem zur Ver¬ 
handlung gelangen, und zwar unter dem Vorsitz des 
Präsidenten des St. Petersburger Militär-Bezirksgerichts, Ge¬ 
neralle n teil an ts Baron Osten-Sacken. 

— ln der Wilnascheu Bezirks-Irrenanstalt ist, wie di® 
«Birsh. Wed.» erfahren, ein Konflikt zwischen den 
Aerzten und dem Direktor der Anstalt ansgebroche® 
infolge einer schweren Beleidigung eines der Ordinatoren 
durch den Direktor. Sämtliche Aerzte und Beamten sollen 
beschlossen haben, an deu Minister des Innern ein Telegramm 


Digitized by f^ooQie 



96 


abznsenden, mit der Erklärung, dass sie mit dem Direktor 
nicht weiter zusammendienen können. 

— Der im vorigen Jahre hierselbst verstorbene Arzt Dr. 
Konstantin Nedats bat der militär-medizinischen Aka¬ 
demie ein Kapital von 66,000 Rbl. testamentarisch 
Vermacht, mit der Bestimmung, dass die Zinsen von 
16,000 Rbl. zu einem Stipendium aufdetf Namen des 
Erblassers und die Zinsen von den übrigen 50,000 Rbl. 
zur Förderung der Serumtherapie' verwandt 
werden sollen. 

— Von der Allerhöchst niedergesetzten 
Kommission zar Verhütung und Bekämpfung 
der Pest wird mitgeteilt, dass die Posten der Aerzte znr 
Bekämpfung der Pest n. s. w. für die Kriegsdaner — von 
Studenten der Medizin des 5. Kursus und Zuhörerinneu des 
Weiblichen Medizinischen Instituts; die Feldscherposten von 
Studenten des 4. Kursus und die Posten von Sanitären — von 
Studenten des 3. Kursus besetzt werden können. Anch Aerzte 
mit ausländischen Diplomen werden in den Dienst aufgeuoin- 
men; diese haben ihre Zengnisse über abgelegtes Staatsexa¬ 
men oder zweijährige Praxis der Verwaltung des Ober-Me¬ 
dizinalinspektors vorzulegen Aach die Landschaften und 
Städte dürfen solche Aerzte, nach Uebereinknnft mit dem 
Medizinalinspektor, anstellen 

— ünterstötzungstond für durch den 
Krieg geschädigte Aerzte und deren Fami¬ 
lien. Die vom hiesigen Aerzteverein zur gegenseitigen 
Hilfe unter Hinzuziehung von Delegierten aller ärztlichen 
Gesellschaften unserer Stadt eingesetzte Commission hat, 
wie unsern Lesern z. T. schon bekannt ist — gemäss dem 
Wunsche der meisten ärztlichen Vereine, definitiv beschlossen: 
l) Einen ünterstfltzungsfonds zu diesem Zweck durch .Samm¬ 
lung freiwilliger Beiträge zu gründen. 2) Die Sammlung 
über das ganze Reich auszndehnen. 3) Nur Aerzte an diesem 
Fonds teilhaben zu lassen. 4) Die Organisation der Samm¬ 
lungen and die Verwaltung der Snmmeu hier am Ort einem 
besondern Komiiee bei dem obengenannten Verein, in der 
Provinz aber den Abteilungen dieses Vereins in die Hand za 
geben. Nunmehr ist das Komitee gewählt: Präses M. N. 
NUhegorodzew, Vizepräses A. S.Taober, Sekretär 
W. P. 0 8 si pow, Kassierer A. W. Rutkowski. Sam- 
melbögen und Quittungsbücher sollen demnächst zur Ausgabe 

elangen. Es sei hier anch erwähnt, dass bereits der «Verein 

i. Petersbnrger Aerzte» einen Beitrag von 5C0 Rbl. für 
diesen Zweck bestimmt und der «deutsche ärztliche Verein» 
durch Snb8kription unter seinen 25 Mitgliedern 510 Rbl. 
dafür aufgebracht hat. B. 

— Die diesjährige Versammlung der Ophthalmolo- 
gischen Gesellschaft zu Heidelberg findet am 

3 —5. August n. St. statt. Die alle 10 Jahre zur Verleihung j 
kommende Graefe-Medaille soll in dieser Tagung 
wieder gemäss dem Statut «Demjenigen zaerkannt werden, 
der sich unter den Zeitgenossen — ohne Unterschied der Na¬ 
tionalität — die grössten Verdienste nm die Föiderung der 
Ophthalmologie erworben hat». Vor 10 Jahren wurde die 
Medaille Prof. Tb. Leber (Heidelberg) verliehen, vor 20 
Jahren — H. v. H e 1 m h o 1 1 z. Das Programm der diesjährigen 
Versammlung bietet 3 wissenschaftliche nud 2 Demonstra¬ 
tionssitzungen, sowie die Üblichengeselligen Veranstaltungen. 


— Der V. internationale Kongress für Phy¬ 
siologie findet vom 13.—17. April n. Sr. in Rum statt. Der 
Milgliedsbeitrag beträgt '20 Francs and für die Damen aas den 
Familien der Mitglieder 10 Pres, und i»t direkt an Dr. Gio¬ 
vanni Luccio, Minisiöre de l’Instrnction publique in Ron» 
einzusenden. Anmeldungen von Vorträgen nimmt entgegen 
und Auskünfte über die Organisation des Kongresses erteilt 
der russische l>e'egi*rte für deu Kongress, Akademiker Dr. 
J. Turchaiiow in st. Petersburg (Morskaja, 21). 

— Dem «Rues Inwaiid»zufolge, werden nachstehende Aerzte 

vermisst, die in den Kämpfen bei Mufcden vorn 
20. —24. Februar also entweder getötet, verwundet oder 
in Gefangenschaft geraten sind: Vom 138. Bolchow- 
schen Infanterieregiment — die Aerzte Serg. Nik. Oha- 
newski, Eng E Sbrujew, Valentin Wlad. Ale- 
x a n d r o w und Samuel Ossip. Lewande, sowie vom 
139. Morschansker iufanteriereg. — der Arzt Peter Alex. 
Pis t er man n. Bf. 

— Die Ueaauiizani der Kranken in den Civil- 
hospitäiern St. Petersburgs betrug am 26. Febr. 
d. J. 10076(320 wen. als in d. Vorw.), darunter 1162 Typhus — 
(22 wen.). 897 Syphilis—(37 weu.), 257 Scharlach —(15 wen.), 
105 Diphtherie — (3 mehr), 56 Masern — (1 mehr) und 25 
Pockeukrauke — i5 mehr als in der Voiw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 20. bis zum 26. Februar 1906. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht and Alter: 


Im Ganzen: 

a 

o 

a 

o 

w 

JO 

ce 

u 

JO 

cs 

u 

JO 

cs 

U 

JO 

cs 

u 

Xi 

cS 

u 

JO 

CS 

JO 

cS 

k, 

JO 

cS 

u 

JO 

«s 

»4 

■3 

»4 

JO 

c 

_ ^ 





*-a 

*-a 

*-a 

’-a 


i-a 

►“S 


a 

s 

cS 

M. W. Sa. 

CO 

1 

cq 

•H 

1 

iO 

1 

o 

T—< 

kO 

rH 

I 

I 

s 

1 

S 

| 


s 

1 

o 

t- 

1 

f 

•Ö 

a 

a 

JX 

JO 


o 

1 

r*. 

1 

CO 

1 

•—t 

i 

CO 

1 

55 

1 

fH 

CO 

41- 

1 

i-H 

1 

H 

CO 

i-H 

CO 

u 


487 401 888 188 84 165 22 16 28 79 72 74 64 55 30 10 1 


9) nach deu Todesursachen: 

— Typb. exanth.O, Typh. abd.4J, Febris recurrensö,Typhus 
ohneBestiramuogder FormO,Pocken 1. Masern 12.Scharlach 13, 
Diphtherie 10, Cronp 0, Keuchhusten 3, Croupöse Lungen¬ 
entzündung 34, Erysipelas 5, Grippe 18, Katarrhalische Lun¬ 
genentzündung 112, Ruhr 0, Epidemische Meningitis 0, Akuter 
Gelenkrheumatismus 0, Parotitis epidemica 0, Rotzkrankheit 0, 
Anthrax 0, Hydrophobie 0, Puerperalfieber 1, Pyämie und 
Septicaemie 8 Tuberkulose der Lungen 115, Tuberkulose au 
derer Organe 23, Alkoholismus und Delirium tremens 7, Le¬ 
bensschwäche und Atrophia infantnm 58, Marasmns senilis 28, 
Krankheiten des Verdannngskanals 118, Totgeborene 47. 


♦- Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag, d. 22. März 1905. 
Tagesordnung: Fick: Zur Kasuistik der Hernien. 

♦- NäohsteSitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag, den 14. März 1905. 


Rationelle Heilung durch Phosphor 

(jede Pille ent¬ 
hält 0,05 Gr.). 

dessen Hauptbestandtheil reine Nucleinsäure ist, von Dr. Leprince hergestellt. 

C 40 , H 54 , Az 14 , 0 27 . P 4 . 

Erprobt: bei Phosphaturie, Neurasthenie, Rachitis, Blutarmut und Alterschwäche. 
Gebrauchsanweisung: 4 — 10 Pillen während der Mahlzeit. 

Dr. Leprince. 62, rue de la Tour, Paris. 

Erhältlich in allen besseren Apotheken. 0* 3 ) I2 ~ 2 - 



. T 


Digitized by VjOOQie 














97 



CHINAPHENIN 

Geschmacklose Verbindung von Chinin und Phenetidin, bewährtes 
Mittel bei Keuchhusten, Influenza. Malaria und Neuralgien. 

ARISTOCHIN 

Geschmackloses Amipyi eticum, gegi n Influenza. Typhus, Keuchhusten 

und Malaria. 

SALOCH ININ 

Geschmackloser Chiniukörper, heilend und schmerzstillend bei ver¬ 
schiedenen Neurosen, tadelloses Antipyreticum, speziell auch beim 
Typhus, da reizlos und milde. 

SALOCH1NIN SALICYLIC 

Gegen akuten Gelenkrheumatismus; wegen völliger Geschmacklosig¬ 
keit und Neutralität für Magen und Herz speziell indiziert bei 
schwersten Fällen und bpi Empfindlichen. 


Dr. Schuster 

praktischer Arzt und Inhaber eines 
Kurhauses 
(Indiv. Kungern. Diät.) 

BAD NA UHEIM. 

Wasserheilanstalt 

Traunstein-Öberhayern 

Santonin 1 Mmb 

Das ganze Jahr geöffnet. Leiter und 
Besitzer Dv. med. O. Wolf. 

V. A A^A A A A /. A A A A A A A A A <• A A A A A A A 

Sanatorium Villa Primavera. 

Oardone Riviera, Italien. 

Prospekte des Sanitätsrats Dr.Koenlger. 


Muster nebst Literatur stehen den Herren Aerzten kostenlos zur VerfUffunjj. 


Creosotal uDuotal „ Heyden“ 

sind anerkannt zuverlässige Medikamente gegen Lungen-Tnberknlose, 
Pneumonie, Bronchitis und Skrofnlose. Frei von den zerrüttenden Ne¬ 
benwirkungen, der Giftigkeit, dem üblen Geruch und Geschmack des 
Kreosots und Guajakols. Niemals Reizung des Magens oder Darmes- 
Kein Durchfall, kein Uebelsein, kein Erbrechen. Selbst in grossen Dosen 
äusserst zuträglich. In hohem Grade appetitanregend. Schnelle Besserung 
des Allgemeinbefindens, Hebung des Ernährungs- und Kräftezustands, 
Verminderung von Husten und Auswurf. Phthisis ersten Stadiums schon 
in einigen Monaten heilbar. 

1 J q 1 Leicht assimilierbares Eiweisspräparat zur sub- 
iUvlO 1, kutanen, ganz besonders auch zur rektalen Er¬ 
nährung und zur Darreichung per os als Kraftnährmittel. Calodal-Nähr- 
klysmen sind billig, leicht zuzubereiten, gut resorbierbar und setzen der 
Fäulnis im Darm einen grösseren Widerstand entgegen als andere 

Nährklysmen. 

Proben und Literatur dnrcli 

Chemische Fabrik von Heyden, Radebenl-Dresden, 

oder deren Vertreter: (23) 10—3. 

R. Crottet, W. 0., Sredny Prosp., 8, St. Petersburg. 


Prachtvolle, sonnige 
Lage, Ausführliche 
illustrierte Prospekte. 


f)r.med.£ots Kuranstalt 

f.Nervöse u. Erholungsbedürf.j.FI. tTriprl r frh r nrlal 

| Spet.-Bihandl. bei Kongestion, Kopfschmerz. Neuralgien. ^ j 4 1 U U * 


I KURANSTALT HAINSTEINj 

t NAHE DER WARTBURG + 

| dascanzejahrgeöffnetI 

LEITENDER ARLTDR.HESS. 


Im Deutschen Alexander-Hospital wiro 
Nachweis ertheilt Aber zur Zeit dienst¬ 
freie Pfleger und Pflegerinnen für die 
private Krankenpflege (gegen Zahlung 
von 60 Cop.). 


-gIL 

l-gg i 

I 


Styptol (Knoii) T Anthrasol (Knoii) 


Uterines Haemostaticum. 

Vereinigt 

die blutstillende Wirkung des 
Cotamins und der Phtalsäure. 


Entfärbter Teer. 

Besonders juckstillend und 
keratoplastisch. Anwendung 
wie gewöhnlicher Teer. 


J Literatur and Proben kostenlos! ^ 

KNOLL & C? * LUDWIGSHAFEN am RHEIN. 


*Ö^t 

022 

«5SI 

P C ^ 

® ®ö 

S.coS 

QQ a) cd «o 

tZgiSö 

LU -cd > 

v 1tn _ 
(D "O o 

PSfig-S 

CD iS 

5-5 

Ä co 


cl,*< 

eo 

. 

00 ® 03 
Ä-T3 
h"® a 

s 

® G5 -o 

5 .5 
‘flj® s 

: öo *5 

»- ® 

" a w 

►.’S.® 

•st- 

© cd Ü 

■S«*s 

U -fl 

© .• *» 

^ Im U~ 

-S n ® 

73 

gtc| 

3sfsa 

® be 

®.« ® © 
es -a *5 

a § 
g o ® S 

<&<CU 


Digitized by 


Google 







(42) 3—1. 


- 1 (Böhmen) --. * 

628 Meter, subalpines Klima. Hochwald. Geschlitzte Lage. — Kreuzbrunn. 
Ferdinandsbrunn, die stärksten Glaubersalzwässer Europas (5 er. im Liter). 
Indikationen: Stoffwechselkrankheiten, Erkrankungen des Herzens (Fettherz), 
der Leber, des Darmes, Zirkulationsstörungen etc. — Rudolfsquelle, hervor¬ 
ragend grosser Gehalt an kohlensaurem Kalk und Magnesia — Indikatio¬ 
nen: Gicht, harnsanre Diathese, chronische Katarrhe des Nierenbeckens, 
der Blase etc., Nierenstein, chronische Darmkatarrhe etc. — Ambrosiusbrunn 
stärkster reiner Eisensäuerling (mit 0,177 gr. Eisenbicarbonat im Liter). 
— Indikationen: Anaemie, Chlorose etc. — Waldquelle bei Erkrankungen 
der Respirations-Organe. — Natürliche Kohlensäurebäder in verschiedenen 
Abstufungen. — Moorbäder ans den eigenen Moorlagern (75,000 p. a.) — 
Kaltwasseranstalt. — Dampf- und elektrische Bäder. — Balneologisch-hygienisches 
Institut — Zander-Institut. Zentralmolkereien. 

Frequenz 26.500 Kurgäste. 70.000 Touristen. 


- • « 
§sl 
— - 

i S. . 

© © *7 

- <v X« 

• * *5, 

. „ © 

ta ®. 
3- S © ■ 


' 3 -’S 

5 * B 
: — 3 

' t bei 


T3 .i, B J ® '3 

= r ® ~ Sl a 
= 

£.2 2= t o 

fc. N .2 . = ® 

© - ® ec C 

« ® 2 "T — 3 
=5 = © 7 s 

i§*5« g 

- 5=7: © £ 

— © .3 .© ,T“ © 

C 5 X - - 

3 « ® — ■■ 

-j bo^-a . £ 
= = 5 


NATÜRLICHE 

MINERALWASSER 



ren der Franxösi- 
sehen Regierung. 


Man hüte sich vor Nachahmungen und bezeichne genau die Quelle. 


VICHYcelestins 

VICHYgramdegrilleI 

VICHY HOPITAL J 


Nieren-, Harnblasen-, Magen¬ 
krankheiten. 

Leber- und Gallenblasen- 
Krankheiten. 

Krankheiten der Verdauungs- 
Organe, des Magens und der 
Därme. (2) 18—17 


P KT D T I I Q Q I M Extract. Thymi 
C, n I U O O M N saccharat. Taeschner. 
ges. gesch. Einfuhr von der tubs. Behörde gestattet. 
Unschädliches, sicher wirkendes Mittel gegen: 

Keuchhusten, Kehlkopf- und Bronchialkatarrh. 

Literatur in hervorrag. Blättern Deutschlands u. Oesterreich-Ungarns. 

Aerztliche Gutachten: 

Prof. Dr. Ernst Fischer (Strassburg): 

Die Wirkung des „Pertnssin** war eine überraschende; wenngleich icn 
nicht gerade sagen kann, dass der Keuchhusten sich in einigen Tagen in einen 
einfachen Katarrh verwandelte, so wurden die Anfälle so milde, der Schleim so 
locker, dass das Erschreckende des Keuchhustens, das Blau werden und die dro¬ 
hende Erstickung, vollständig wegfielen. 

Dr. Model, kgl. Bezirksarzt a. D. (Weissenburg): 

Nach dem Gebrauch des Pertnssin war es mir beim Erwachen plötzlich, 
als athmete ich die freie herrliche Luft aut einem Alpen-Giptel. Diese I.eicht- 
athmigkeit fiel mir besonders auf, der ich infolge langjähriger Bronchialkatarrhe 
an merklichem Emphysem leide. 

Dr. Alfred Müller (Neuhausen): 

Mein Urtheil geht dahin, dass das Pertnssin ein Mittel ist, das in kür¬ 
zester Zeit den mit Recht so gefürchteten Keuchhusten in einen ungefährlicher: 
uud fast unmerkbaren Broncbialkatarrh überzuführen vermag. Ich kenne zur 
Zeit kein anderes Mittel, welches sich des gleichen Vorzuges rühmen dürfte- 
Dr. Erich R. von Matzner (Birkfeld , Steierm.): 

Die drei mit Pertnssin behandelten Bronchitiden, davon zwei bei Kindern, 
zählten zu den schwersten Formen und jedesmal erwies sich Ihr Präparat als von 
ausgezeichneter Wirkung; der starke Hustenreiz nahm in wenigen Stunden bereit* 
ab und die Secretion begann-sich bald za verringern, die Temperatur fiel ab. 

Verkauf nur durch die Apotheken, sowie durch folgende Engros-Depöts: 

H. Blerstümpfel, Apotheker, Warschan, Marszalkowska 136. Ad. Marcin- 
czik, Apotheker, Kiew. Pani Seebode, Apotheker, Riga, Kalkstr. 26. 
B. Schaskolsky, Petersbarg, Carl Ferrein, Moskau. 

Hergestell:, in der Kommandanten-Apotheke E. Taeschner, Berlin C. 19, 
|Seydel8tra8se 16. (1) 26—25 


- s S a if 1 -* s © £»"5 

" cS -G ei ^ 
s. — = — = o 5 = T 


O) 

d> 

CO 


— ® © 
V © 

3 X .. 

g ® ’s 

• ■o'« 5 




— t- _ a >. 

” © X SB © 3 

* yr, = ® ® ~ 

— — — u.2 « 

• X a SP®«? 

Ü 3 -= 2 £_ ^ 

's. ■ j © 2 = r 1 

I O £ 33 S B hf 

^irjl 

; = ®r © 


i: w 5£ 

- S CB- 13 -r • 


fl 40 

JT 05 g* Q . 


r 3 - J= « •* ■ fi - 
s.'5 © f ^ ^ 5> 


XXXXXXXXXXKXX 

X -iS» 

X .2 ® . -o 

X ? I X 

S ^3- 8>g S 

C s. > S 

5 « ü r 11” 3 d 2 

g 5 . Sb! g $ 

Xtl 11 II” fl X 

X cg 5 ü -SS 8 8 X 

C= CO Ou, *|g « C 

x CU ■ ^ X 

B S»1 l Sa ‘ß ° V 

w D) > •- bc © M 

^ 09 «_ ^ 10 ¥ TT 

X rs ■— o 's» a « w 

2 c £ 3 « 5 

X 5 -S -2 © s X 

CÖ IO r=J «'S - *1 S TT 

K 

5 J !M 11 I 

x 5 

x © £ Si3 a -8 £ X 

|| ^ i»S « X 

X g X 


s ® H 

*< S 8 

3 C © 
£ 3 ^ 


■5 1 

I 3 5 

^ ^ o 
_ © © 

i! Sa 


xxxxxxxxxxxxx 


Dieser jNV liegt ein Prospekt Uber «OnHcame m cnocoöi ynoTpefi^ieHin KapnaHHbix-b uipH^TOBi» 
Aä« M3CätAosaHia 3ptHin. A P a MeA- <t>- Kyd/in. Ü3AaHie Hs. Hk. Yp^ayfit.» bei. 


Aobb. neH8. Cn6.,ll Mapia 1905 r. Herausgeber Dr. Rudolf Wanach. Bnchdrnckerei v.A.’Wieneoke, KatharinenhoferPr.JülF. 


■Digit rzed 













XXX. JAHRGANG. 


Nene Folge XXH. Jahrg. 


ST. PETERSBURGER 

KEDICINISCEE W0CEEN5CERIFT 


Prof. Dr. Karl Dehio. 

Jurjew (Dorpat). 


n 

unter der Redaktion von 


Or. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Or. Johannes Krannhals. 

Riga. 


Die „St. Petersburger MedicinischeWochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend.—Der Abonnementspreis ist in BusslandB Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postzustellung;in den anderen 
Ländern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Derlnsertionspreia 
fürdie 3malgespalteneZeilen inPetitist 16Kop.oder35Pfen.—Den 
Autoren werden 25 Separatabzügeihrer Originalartikel zugesandt. 

— Referate werden nach demSatzevon 16Rbl. pro Rogen honorirt. 


Abonnemente-Aufträge sowie alle Inserate 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von K. L. Bieter 
in St. Petersburg, Newsky-Prospekt J'fe 14. zu richten. — Äanue- 
cripte sowie alleauf die Redaktion bezüglichen Mitteilungenbit- 
tet man an den stellvertretenden geschäftsführendenRedak- 
teurDr.E- Blessig in St. Petersb., Wassili Ostrow, 1 Linie Ns 28 
zu richten. Sprechstunden täglich von 4—6 Uhr. 


Infolge Erhöhung der Preise für Druckarbeiten sind wir genötigt die Insertionspreise 
vom 1. April 1906 an zu erhöhen und zwar von 10 auf 20 Kop. (von 35 auf 
45 Pf.) pro Zeile der 3 mal gespaltenen Seite. 


N 11 


St. Petersburg, den 19. März (1. April). 


1905 . 


Inhalt: Dr. B. Laqner: Ueber die Anwendung des Wismuts nnd der Bismntose bei Magendarmstörungen. — 
Oefele: Die Ionentheorie in der Koprologie. — Bücheranzeigen und Besprechungen: W. Guttraanu: Elektrizität« 
lehre für Mediziner. — Auszug aus den Protokollen der medizinischen Gesellschaft zu Dorpat. — Dr. med Al¬ 
fred Frantzen f. — Vermisch tes. — Mortalitäts-Bulletin 8t. Petersburgs. — Anzeigen. 


Ueber die An Wendung des Wismutsund der Bismutose 
bei Magendarmstörungen. 

Von 

Dr. B. Laquer - Wiesbaden. 


Unter den Schwermetallen, welche bei der Behandlung 
der Magendarmleiden von Kindern und Erwachsenen 
eine Rolle spielen, nimmt Wismut mit seinen Verbindun¬ 
gen eine zentrale Stellung ein. Die ersten, welche die 
Bedeutnng dieses Metalles erkannten und mit Nutzen 
gerade die grossen Dosen anwandten, waren die fran¬ 
zösischen Kliniker. Neben Odier, Daumerie führte vor 
allem Trousseau ('Clinique m&iicale» T. III p. 96) als 
erster die «Wismutkur» bei Brechdurchfall der Kinder 
und bei rundem Magengeschwür ein; Monneret er¬ 
höhte die Trousse au’sche Dose von U> gr. pro die 
bis auf 20—50 gr., insbesondere bei Dysenterie; Desplat, 
Bayer nnd Thompson wandten es bei den Darm¬ 
geschwüren tuberkulöser Natur an ‘). In den letzten 
15 Jahren gelangte das Wismut auch an deutschen Kli¬ 
niken zu grösserer Anerkennung, insbesondere durch die 
Publikationen von K u s s m a n 1 - F 1 e i n e r; die Wismutkur 
bildete auf dem letzten Kongress für innere Medizin 
wie auch auf früheren den Gegenstand eines ausführ¬ 
lichen Referates. Neuere Berichte über die Wismutver- 
giftungen seitens Gnubher 2 ), Cohn 2 ), Drees- 
m a n n *) M ü b 1 i g 4 ), S o 1 g e r 3 ) legten es nahe, ei¬ 
nerseits die Theorie der Wisinutwirkung eingehender zu 
studieren, andererseits auf Ersatzmittel bedacht zu sein, 
welche die Wismutwirkung beibehielten, ja sie ver¬ 
stärkten, ohne ihre Schädlichkeiten. 

Der therapeutische Effekt des Wismuts bei Ulcus ven- 
triculi beruhte nach den bisherigen Anschauungen auf 

') Die Literatur in historischer Reihenfolge bringt 8 a - 
velieff, Therapeutische Monatshefte 1894. 

*) Therapeutische Monatshefte 1896. 

3 ) Deutsche medizinische Wochenschrift 86, Nr. 22. 

4 ) Müuchener medizinische Wochenschrift 1901, Nr. 6 und 
Nr. 15. 


den physikalischen Eigenschaften des Präparates, seiner 
spezifischen Schwere und Unlöslichkeit in Wasser. Bei 
geeigneter Lagerung des Kranken sollte das in Wasser 
suspendierte Bismntura subnitricum sich auf der tiefsten 
Stelle des Magens, dem Grunde des Ulcus niederschlagen 
und mit dem abgesonderten Schleim eine feste Schutz¬ 
decke gegen die mechanischen und chemischen Reizun¬ 
gen des Magensaftes bilden. 

Physiologische Versuche von Dr., Fuchs mit Wis- 
mntverbindungen, insbesondere mit Bismutose, einem 
Wismuteiweisspräparat, welches 20 pCt. Wismut orga¬ 
nisch gebunden enthält, lehren uns, dass das Wismut¬ 
subnitrat reaktionsfähiger ist, als allgemein angenommen 
wird, und dass die therapeutische Wirkung desselben 
bei der Anwendung gegen Ulcus ventriculi nicht nur 
eine physikalisch-mechanische ist, sondern zugleich auch 
auf einer chemischen Umsetzung beruht. 

Bismutose bei Licht mit etwas destilliertem Wasser 
im Reagensglas geschüttelt, wird an der dem Licht zn- 
gekehrten Seite erst gran und dann schwarz, und nach 
wenigen Stunden hat sich ein metallisch - glänzender 
Spiegel gebildet. Schneller vollzieht sich diese Reaktion, 
wenn mau vorher dem Wasser einige Tropfen Alkali 
zusetzt, etwa wie wenn man einen von Fliesspapier 
aufgesogenen Tropfen Silbernitrat dem Lichte aossetzt. 
Wie nun AgN0 3 sich auf den alkalisch reagierenden 
Gewebsteilen niederschlägt und eindringt, so wird auch 
das Wismutsub.iitrat im Magen auf der Gesell würsfläche 
reduziert, denn alle für diese Reaktion erforderlichen 
Bedingungen sind vorhanden. Das Wismntsubnitrat ist 
nämlich derart reaktionsfähig, dass es grau, d. h. redu¬ 
ziert, wird, wenn es nur mit reinem Albumin, z. B. 
Casein, gemischt, mit Wasser angeschüttelt and dem 
Sonnenlicht ausgesetzt wird. 

Die Verhältnisse liegen aber im Magen für die Re¬ 
aktion noch viel günstiger. Wismutsubnitrat wird von 
Chlornatriaralösung, die etwas freie Salzsäure enthält, 
unter Bildung von einerseits salpetersaurem Natron, 
andererseits einer Doppelverbindung von Wismutchlorid 
und Chlornatrium allmählich gelöst; Chloralkalieu und 


Digitized by 




100 


freie Salzsäure finden sich immer auch nach der Magen- 
ausspülung bei vorhandenem Ulcus im Magen; gerade 
die Hyperacidität ist ja charakteristisch für dieses, und 
jene beiden werden ausserdem fortgesetzt sezerniert. 

Von diesen beiden wird das Wismutsubnitrat all¬ 
mählich gelöst. Zum Teil wird es zwar zunächst auf der 
tiefsten Stelle des Magens sedimentiert. mit dem fort¬ 
schreitenden LösungsVorgang aber wird daun das Wis¬ 
mut durch die Peristaltik des Magens mit allen Teilen 
der Magenwand in Berührung gebracht, sodass es über¬ 
all zur Wirkung gelangt. Die Einzelheiten dieser Vor¬ 
gänge wurden von Fuchs experimentell geprüft und 
auf der Karlsbader Naturf.-Versammlung (1902) demon¬ 
striert. 

Matthes 5 ) und Fischer 6 ) haben an Kaninchen 
nachgewiesen, dass nach dem Eingiessen von Wismut¬ 
subnitrat mittelst Schlundsonde schon nach kurzer Zeit, 
wie auch noch nach 24 Stunden, der Magenwand ganz 
gleichmässig ein zäher, hellgrauer Schleim bezw. ein 
grauer B*lag anhaftet, dem reichliche Mengen Wismut 
beigemengt sind. 

Diese Versuche wiederholte Dr. Fuchs, indem er in 
drei Partien je zwei Kaninchen derart .behandelte, dass 
das erste Kaniuchen jeder Partie je 5 gr. Wismut¬ 
subnitrat in Wasser suspendiert, das zweite der ersten 
Partie 20 gr. Bismutose mit Wasser angerührt, das 
zweite der zweiten Partie 20 gr. colloidales Wismutcxyd 
in Wasser gelöst und das zweite der dritten Partie 
5 gr. phosphorsaurcs Wismut ebenfalls in Wasser ge¬ 
lüst mittelst Schlundsonde per os eingegossen erhielten. 

Ebenso wie Matthes und Fisch er fand Dr. Fuchs, 
dass das Wisii.utsubnitrat auf der gesammtcn Magen¬ 
wand in einem grauen zähen Schleim gleichmässig ver¬ 
teilt wird. 

Mikroskopisch fand D r. Fuchs, dass das Wismut¬ 
subnitrat völlig gelöst in der Magenschleimhaut war; 
einzelne schwarze Punkte erwiesen sich als wohlcharak¬ 
terisierte Wismutoxydulkrystalle; dies lies? erkennen, 
dass schon hier allmählich die Reduktion des Wismut¬ 
salzes beginnt und an alkalischen Stellen wie der pars 
pylorica beschleunigt vonstatten geht. 

Die Bismutose verhält sich ganz ähnlich wie das 
Wismutsubnitrat, nur greift die Verteilung schneller um 
sich. 

Die wasserlöslichen Präparate, das colloidale Wismut- 
oxyd und das phosphorsaure Wismut, wurden ebenfalls 
reichlich im Schleim chemisch nachgewiesen. Die Schleim¬ 
sekretion ist eben nicht, wie Bohlen 1 ) der Ansicht 
ist, durch den mechanischen Reiz der Wismutsubni- 
tratkrystalle bedingt, sondern sie stellt eine spezifische 
Eigenschaft des Wismuts und seiner Präparate dar. 

Bei Anlegung künstlicher Magengeschwüre nach der 
Methode von Matthes und darauffolgender Wis- 
muthnitrat-Eingiessung konnte Dr. Fuchs 24 Stunden 
später im Schleim des Hundemagens, selbst mit der 
Cinchoninnitratjodkaliumlösung Wismut nicht mehr nach- 
weisen, dagegen ergab die makroskopische Untersuchung 
der Magenschleimhaut, dass dieselbe mit schwarzen 
Punkten Ubersät war; ihre chemische Untersuchung er¬ 
gab Wismut, ihre mikroskopische—schwarze Krystallfor¬ 
men. Die mikroskopische Untersuchung des von dem 
Defekt abgekratzten Wismutbelages liess zahlreiche 
schwarze wohlcharakterisierte Wisrautoxydulkristalle er¬ 
kennen. Der Schnitt durch das Granulationsgewebe des 
künstlichen Ulcus gewährte den Anblick einer mit 
Kaliumpermangauatkristallen bestreuten Fläche. Es er- 
giebt sich hieraus die Folgerung, dass in den weitaus 
meisten Fällen die mechanische Schutzdecke auf der 


5 ) Centralblatt für innere Medizin 1893. S. 2. 

B ) Inauguraldissertation, Jena 1894. 

7 ) Dissertation, Jena 1894. 


Wundfläche der Ulcerationen von ausgeschiedenen fein¬ 
verteilten Wismatoxydulkristallen gebildet werden wird, 
und dass diese sowie die in das Granulationsgewebe 
eingedrungeneu Wismutoxydalkristalle die Epitbelbildang 
beschleunigen. 

Die Verhältnisse liegen bezüglich der styptischen and 
protectiven Wirkung des Wismnts auf die entzündete 
und ulcerierte Darmschleimhaut ähnlich wie im Magen, 
nur kommen noch zwei Wirkungen hinzu, eine antifer- 
meutative, reduktionshemmende, die Eiweissfäulnis ver¬ 
mindernde Wirkung, anf welche zuerst Qninke') auf¬ 
merksam machte und eine katalytische Wirkung, d. h. 
die Fähigkeit des Wismutoxyduls, Sauerstoff aufzuneh¬ 
men, zu konzentrieren und dann wieder frei werden 
za lassen (F o c h s). 

Wie fein und langsam das Wismut, in Form der 
obengenannten Eiweissverbindung per os zugeführt, 
resorbiert bezw. in Darm verteilt wird, das kann leicht 
•durch Röntgenstrahlen nachgewiesen werden. 

Die Conclusionen von Dr. Fuchs*) lauteten: 

1) Die Schleimsekretion nach Wismutsubnitrateingüssen 
ist nicht durch die mechanische Reizwirkung der Wis¬ 
mutkristalle bedingt, sondern durch spezifiscbeu Einfluss 
des Wismuts und seiner Präparate. Das Wismut ist 
nach kurzer Zeit in einer hellgrauen Schleimschicht ge¬ 
löst und über die gesammte Magen wand gleichmässig 
verteilt. 

2) Die Heilwirkung des Wismutsubnitrats ist nicht 
lediglich die Folge seiner physikalisch-mechanischeu 
Eigenschaften als Protectivum, sondern beruht ähnlich 
wie die Silberwirknng auf der Reduktiou zu Wismut- 
oxydul, das in das Granulationsgewebe eindringt und io 
spezifischer Weise die Epilhelisieruug anregt; im Darm 
spielen die antifermentativen und katalytischen Wirkno¬ 
gen des Wismnts eine grosse Rolle. 

3) Die Bismutose erscheint ihrer ausgeprägten Reak¬ 
tionsfähigkeit und langsamen Verteilung wegen als ein 
besonders für medizinische Zwecke geeignetes Präparat. 

Diese theoretisch experimentellen Anschauungen schlos¬ 
sen sich harmonisch die am Krankenbett erzielten Erfolge 
an, so aus den Kliniken und Krankenhäusern der Herrei 
Erb-Heidelberg, Boas-Berlin, Witthauer-Halle, Pagenste 
cher-Wiesbaden. Speziell Elsner erweist durch Versuche 
am Lebenden die sänrebindende Kraft der Bismutose, die 
Laquer, der lntroJucteur des Präparates, in dem aller¬ 
ersten Aufsätze dein Eiweissraantel der Bismutose zo* 
schrieb. Es kommen für diese Kraft die verschiedenen 
Formen der vermehrten HCI-Bildang in Betracht, die 
einfache Hyperacidität, evtl, auch einzelne Fälle von 
Hypersekretion und die mit Hyperacidität einhergehen¬ 
den Fälle von Magengeschwür. Zwischen der einfachen 
Hyperacidität und der mit Hyperacidität eiohergahenden 
Hypersekretion empfiehlt es sich, hinsichtlich der Er- 
fulge, die man mit der Bismutose erzielt, eine Grenze 
zu ziehen. Bei der einfachen Hyperacidität kann die 
Bismutose gate Dienste leisten, da sie in der Tat im¬ 
stande ist, Säure zu binden, sodass die Menge der freien 
HCl im Magen geringer wird. Die Worte, die mau nach 
einein E w a 1 d - B o a s’schen Probefrühstück für die ireie 
Salzsäure erhält, werden bei gleichzeitiger Verabreichung 
einer kleinen Menge Bismutose geringer. 

Was die klinischen Erfahrungen Uber Bismutose beim 
Magengeschwür an belangt, so berechnet Elsner 
die Bismutose als ein gutes Unterstützungsmittel für die 
eigentliche Ruhekur, das auch bei längerem Gebrauch 
keine schädlichen Nebenwirkungen hervorruft. D* 10 
der Mehrzahl der Fälle von Magengeschwür bei geeig¬ 
neter Behandlung die subjektiven Erscheinungen in der 
dritten Woche bereits nachgelassen haben, so wird die 

8 ) Münchener medizinische Wochenschrift 1896. S. 854. 

9 ) Literatur am Schloss. 


Digitized by kjOOQie 



101 


günstige Wirkung, welche die Bismntose in solchen 
Fällen ausübt, natürlich weniger in Erscheinung treten, 
als in denjenigen Fällen, in denen die Ulcuskur nicht den 
gewünschten raschen Erfolg hat. Hier hebt El sner be¬ 
sonders zwei Fälle hervor, in denen noch im Verlaufe 
der dritten Woche zeitweise heftige Schmerzen auftraten; 
schon nach ganz kurzem Bisrautosegebrauch wareu die¬ 
selben verschwunden. 

In Analogie zum Tannalbin, das. ja gegenüber dem 
Taunin bei Darmkatarhen eine sehr grosse Verbreitung 
in der Praxis gefunden hat, dürfte auch die Bismutose 
mit Recht bei Diarrhöen angewendet werden. Freunde 
der Wismurtherapie werden jedenfalls gut tun. der 
Bismutose in den genannten Fällen vor dem Wismut 
den Vorzug zu geben. Biedert, Chefarzt üps Bürger¬ 
spitals zu Hagenau in Eisass, berichtet in diesem Sinne 
(Therapie der Gegenwart, Sept. 1903) und P. Cohn¬ 
heim, Spezialarzt in Berlin, in der Berl. klin. Wochen¬ 
schrift 1903 Nr. 52. C. sah grossen Nutzen insbes. bei 
Magendarmleiden von Potatoren. 

In gleicher Weise berichtet aus der Heidelberger 
medizinischen Klinik (Direktor W. Erb) Uber den the¬ 
rapeutischen Wert der Bismutose Herr Privatdozent Dr. 
Hugo Starck, Assistent für die medizinische Ambu¬ 
lanz (Münchener medizinische Wochenschrift 1902, 
Nr. 47, November). Einleitend bemerkt Verfasser zu¬ 
nächst, wie schwierig es heutzutage für den ordinieren¬ 
den Arzt sei, sich in der Flut der alltäglich auf den 
Markt geworfeneu neuen Medikamente zurechtzufinden 
und namentlich die wirklich brauchbareil von den ledig¬ 
lich nur durch marktschreierische Reklame bekannt ge¬ 
wordenen Heilmitteln zu scheiden. Wenn trotzdem Ver¬ 
anlassung vorliege, einem neueren Präparate, der Bis¬ 
mutose, das Wort zu reden, so geschehe dies, weil die¬ 
selbe nach praktischer Erprobung besonders iu der 
Kinderpraxis von hervorragendem Wert zu sein scheine. 
Neu sei insbesondere die Form, in welcher das altbe¬ 
währte Wismut verabreicht werde; aber gerade darin 
liege der Vorzug des Präparates, in welchem die beiden 
schätzenswertesten Eigenschaften des Wismuts, nämlich 
als Protn-tivum und Adstringens, vollkommen bewahrt 
bleiben. Nach kurzer Erwähnung der Darstellungsweise 
der Bismutose nach patentiertem Verfahren von Kalle u. Ko., 
Biebrich a/Rh., werden die wichtigsten Eigenschaften der 
Bismutose besprochen, unter denen besonders ihre abso¬ 
lute Ungiftigkeit, Geruch- und Geschmacklosigkeit, ihre 
Sterilisierbarkeit, ihre ansserordentliche Quellbarkeit in 
wässrigen Vehikeln und damit zusammenhängend ihre 
gute Emulgierbarkeit nnd schliesslich ihre Widerstands¬ 
fähigkeit gegen Magen- uni Pankreassaft, die ihre pro¬ 
trahierte Wirkung im Verdaunugsirakt bedingt, liervur- 
gehoben seien. Ferner erwähnt D r. Starck noch kurz 
die wichtigsten Indikationen, für welche die Bismutose 
seither empfohlen worden ist (geschwürige und entzünd¬ 
liche Prozesse der Magen- und Darmschleimhaut, Hype¬ 
racidität und Dyspepsie, Ulcus ventriculi, Verbrennun¬ 
gen und Hautulcerationen) und geht dann zur Besprech¬ 
ung seiuer eigenen klinischen Erfolge über, worüber er 
sich folgendermassen äussert: «Was zur Prüfung der 
Bismutose Veranlassung gab, war weniger die dem Mit¬ 
tel durch Witthauer, Elsner u. s. w. zugeschrie¬ 
bene Heilwirkung auf das Ulcus ventriculi, als vielmehr 
die angebliche günstige Beeinflussung des Darmkatarrhes 
der Kinder. Die Beobachtungen beziehen sich auf im 
ganzen 37 Fälle ,0 ), und zwar 10 Fälle veu Brechdurch¬ 
fall, 6 Fälle von chronischem (2 tuberkulösem) Darmka¬ 
tarrh, 17 Fälle vou akutem Darmkatarrh, 4 Fälle von 
Ulcus ventriculi. 9 Patienten hatten das 13. Lebensjahr 

,0 ) Seitdem kamen noch vier weitere Fälle mit gleich gutem 
Erfolge hinzu. Ein einziges Mal wurde das Pulver von einem 
11 Monate alteu Kinde nicht genommen. 


überschritten, im übrigen handelte es sich um Kinder 
zwischen 8 Wochen und 12 Jahren. 

Dosis und Art der Verabreichung des Medikamentes 
variierte etwas. Die ersten Patienten erhielten Bismn- 
tose 4—5 mal täglich 1 Messerspitze, dann stündlich 1 
Messerspitze voll, in letzter Zeit täglich etwa 6 gr. in 
Mixtur. Das Pulver wurde zuerst in Wasser oder Milch 
genommen, Säuglingen wurde es in der Saugflasche ge¬ 
geben, indem das Pulver erst mit etwas heisser Milch 
in der Flasche gut umgeschüttelt und dann mit Milch 
oder Schleim aufgefüllt wurde. Io letzter Zeit schien die 
Ordination als Mixtur passender. 30 gr. Bismutose wer¬ 
den mit derselben Menge Mucilago gumrai arab. im Tie¬ 
gel innig vermengt, das Gemisch auf 200 gr. mit Aqu. 
dest. aufgefüllt. Die Mixtur hat rahmiges Aussehen, 
schmeckt indifferent und hält sich lange. Die Ordination 
lautet demnach: 

Rp.: Bismutose 

Mucilag. gummi arab. . . . aa 30,0 

Aqua dest.ad 200,0 

MD.: stündlich 1—2 Kaffeelöffel voll zu nehmen. 

Die Wirkung war iu den Fällen von Brechdurchfall 
und akutem Darmkatarrh der Kinder durchweg ganz 
vorzüglich, ebenso in vier Fallen ohronischer Enteritis. 
Ein Fall von tuberkulöser Enteritis und Peritonitis 
chron.-tub. blieb unbeeinflusst, 3 Falle von Ulcus ven¬ 
triculi wurden gebessert. In 1 Fall wurde die Behandlung 
frühzeitig aus äusseren Gründen ausgesetzt. 

Es ist zu berücksichtigen, dass das ganze Kranken¬ 
material ambulant behandelt wurde, dass es sich nur um 
Patienten handelte, die ausserhalb Heidelbergs wohnten, 
und die in der Regel erst in die Klinik kamen, uach- 
dem Kuren in ihrem Heimatsorte erfolglos waren, mit 
anderen Worten — es waren meistens schwerere Fälle. 

Was nun zunächst die Fälle mit Brechdurchfall an¬ 
belangt. so war der E;folg meist ganz überraschend. 
Mehrmals hörte sowohl Erbrechen wie Durchfall bereits 
nacli dein ersten Tage mit einem Schlage auf, der 
Appetit kehrte wieder, die Kinder wurden lebhaft und 
nahmen rasch an Gewicht zu. 

ln keinem der nicht spezifischen Magendarmkatarrhe 
war der Erfolg ein schlechter, die Wirkung des Pulvers 
war stets prompt, und zwar so eklatant, dass von Zufall 
keine Rede sein kann. Wenn Tag für Tag 6 -10 Stühle 
entleert werden und bereits nach den ersten 6 gr. Bis¬ 
mutose die Zahl derselben auf 2 und 3 reduziert wird, 
wenn die Konsistenz des Stuhles sich bessert, wenn Rück¬ 
fälle ausbleiben — alles ohne Aenderung der bisherigen 
Diät — dann darf die günstige Aenderung wohl unbe¬ 
denklich auf das Medikament zurückgeführt werden. 

Das Pulver wurde in allen Fällen, auch von kleinen Kin¬ 
dern, die ihre Nahrung vorher zurückwiesen, gern genom¬ 
men, besonders aber, seitdem es in Form obiger Mixtnr ge¬ 
geben wurde. Irgendwelche Nebenwirkungen waren nie¬ 
mals zu vermerken, auch nicht bei grösseren Dosen (von 
stündlich l Messerspitze voll). Es erfolgte niemals Er¬ 
brechen; wo vorher Erbrechen bestand, sistierte dasselbe 
fast sofort. 

Als Indikationen, bei denen das Mittel Erfolg ver¬ 
spricht, fasst Dr. Starck zusammen in erster Linie 
den Brechdurchfall, dann den akuten Magenkatarrh, den 
akuten und chronischen Magendarmkatarrh der Kinder. 

ln allen diesen Fällen ist die Bisraatose dem Bismut¬ 
salze vorzuziehen wegen der vollständigen Ungiftigkeit, 
weil das Pnlver von Kindern leichter genommen wird, 
weil die Verordnung billiger ist und dem Präpärate 
gleichzeitig ein wenn auch nur geringer Nährwert 
innewuhnt». 

Als beste Darreichungsform der Bismutose wird die¬ 
jenige der Mixtur (Vorschrift siehe oben) bezeichnet, «und 
zwar in häufigen Dosen von ‘/a—1 gr., im ganzen 
6—10 gr. pro die». 


Digitized by Google 




102 


Seine Resultate mit denjenigen anderer Autoren (siehe 
Literatur) vergleichend, konstatiert Verfasser «hinsicht¬ 
lich de9 Wertes der Bismulose grosse Uebereinstimmnng. 
Die absolute Ungiftigkeit wird allgemein anerkannt, 
übereinstimmend wird die günstige Witkung auf Appetit, 
Erbrechen, Allgemeinbefinden hervorgehoben. 

Vielfach wurden grössere Dosen gegeben, und zwar 
selbst bei Kindern 15—2o gr. pro die. Wo die Bismu- 
tose wegen unstillbaren Erbrechens per os nicht ge¬ 
nommen werden konute, gelang die Zufuhr per Klysma 
(Manasse). Kuck empfiehlt als Klystier 10 pCt. und 
*20 pt’t. Stftrkeaufschwemmungen, in derselben Weise 
kann die Bismutose zu Magenaussptilnngen verwendet 
worden (K n ck)*. 

Der Aufsatz schliesst mit den Worten: 

«Mein Urteil über die Bismutose möchte ich dahin 
zusammenfassen, dass es eiu unschädliches, geschmack¬ 
loses, auch von kleinen Kindern leicht einzunehmendes, 
vorzügliches Adstringens ist, das Reizzustände des Ma¬ 
gendarmkanals der Kinder in günstigster Weise beein¬ 
flusst*. 

Wenn man die nur 64 pCt. betragenden Dauerlolge 
der internen Therapie bei Ulcu9 ventriculi betrachtet, 
welche J. Schulz aus der Breslauer Klinik publiziert, 
während die Mortalität 7,6 pCt., die Recidive und Miss¬ 
erfolge ‘28 pCt. betragen, so werden wir uns wohl dem 
Wunsche von Schulz auschliessen, bessere Wege zur 
Heilung zu suchen; vor allem wird die Wismutanwen¬ 
dung durch die Bismutose erleichtert uud popularisiert, 
die Furcht vor den grossen Wismutdosea besiegt und 
die leichteu Fälle von Hyperacidität durch frühzeitige 
Behandlung vor dem Uebergang in schwere Ulcusfälle 
bewahrt bleiben. 

Die Herabsetzung der Kindersterblichkeit an Brech¬ 
durchfällen wird denjenigen Nationen, denen Depopu- 
lation droht, willkommen sein müssen; alle Infektions¬ 
krankheiten zusammengenommen äussern sich nicht an¬ 
nähernd so gefährlich wie die MagendarmafFektionen, 
besonders in den Gressstädten 11 ). In Leipzig z. B. ver¬ 
teilen sich in der Periode 1889 bis lb93 tausend jähr¬ 
liche Kindersterbefälle auf die einzelnen Vierteljahre 
wie folgt: 


Januar—März .... 

. 167 

April —Juni. 

. 198 

Juli—Sepiember . . . 

. 462 

Oktober— Dezember . . 

. 173 

Literatur: 



Laquer — Wiesbaden: Therapie der Gegenwart, 
Juli 1901. — J. Kuck, ebenda, November 1901. — 
R. Manasse, Therapeutische Monatshefte. Januar 
190.'. — C. Witthauer, Deutsche medizinische 
Wochenschrift Nr. 19, 1902. — W. Kleiner — Mün- 
chcuer medizinische Wochenschrift Nr. *2*, 1902. — 
W. L »s s a n e r, Deutsche medizinische Wochenschrift 
Nr. 34, 1902. — Bobuleska. T h & s e Jassy 1902. - 
May bäum, Fortschritte der Medizin Nr. *26. 1902.— 
HansElsner (Dr. J. Boas' Poliklinik): Archiv für 
Verdanungskrankheiteu, Bd. VIII. 1902. — Pagen- 
stecher.E.: Deutsche mediz. Wocheoschr. 1902. — 
F i sc h e r, H.: AentJ. Rundschau Nr. 34. — K ü n k 1 e r. 
Allsr. med. Ceniralzeitung Nr. 24. 1902. — Fuchs: 
Deutsche med. Wochenschr. 1903, Nr. 14. — Biedert: 
Ther. der Gegeuwart. Sept. 1903. — Cohn heim: Berl. 
klin. Woob. 1903, Nr. 52. 


Die lonentheorie In der Koprologie. 

Tin ersten Abschnitt meiner Koprologie *) habe ich darauf 
hingewiesen, dass im Verdauungsapparate vom Mund bis znm 
After zwei Prozesse neben einander verlaufen- Einmal wird die 
i aiitgenomuif'ne Nahrung assimiliert und resorbiert und daun 
werden AbfallRioffe ausgeschieden. Im grossen and ganzen 
sind nach den belegen, welche ich an der angeführten Stelle 
gab und nach meinem Artikel «Ursprung der normalen Kot¬ 
stoffe» in der Zeitschrift für öffentliche Chemie bis zar Ent¬ 
leerung des Kotes aus dem Darm die einzelnen Stoffe der 
Nahrnngsstoffe vollständig verschwunden und nur mehr ans- 
geschiedene Abfallstoffe vorhanden. Der Verdau ungsappar.it 
hat damit eine Doppelfuuktion und, ohne dies hier im einzel¬ 
nen beweisen zu wollen, scheint diese Doppeifuuktion dnreh 
die vei schiedensten Tierklassen hiudurchzugeh*-n. Die Vermu¬ 
tung muss darum nahe liegen, dass die beiden Funktionen 
doch in innigerer Beziehung stehen, als dies auf den ersten 
Blick vermutet werden könnte. Es sei dafür einstweilen 
theoretisch etwas weiter ansgegriffen. 

Die letzten 10 Jahre oder etwas mehr haben uns die Ionen¬ 
theorie gebracht. Die Lehre von den Lösungen gilt wohl 
heute allgemein in der Ansicht der lonentheorie für gesichert. 
Wenn also Kochsalz in Wasser gelöst wird, so löst sich 
eigentlich vorläufig eine Anzahl vou freien Ionen des Chlors 
und des Natriums und in diesen wiederum sekundär das 
übrige Kochsalz. Für die organischen Verbindungen mit 
langen Kohleustoffketteu giebt es aber, wie jetzt wohl such 
allgemein anerkannt ist, keine solche Dissociation in freie 
Ionen. Daher gieb. es aber anch keine solche Lösung. Es sei hier 
sofort auf eine einzelne Stoffgruppe als Beispiel übergegangen. 

Wenn wir hartgesottenes Hühnern weise in Wasser brin- 
1 gen, so löst sieh dies nicht, weil das hartgesottene Hüh¬ 
nerei weis» keine freien Ionen bei Berührang mit Was¬ 
ser abgiebt und das Wasser als solches keine entsprech¬ 
enden fielen Ioneu enthält. Es sind die Untersuchungen 
Oe feie’s, dass solches Hühnereiweiss mit Thiotinamin ge¬ 
löst werden kaun. Tbiosinamin ist aber nnr ein substituierter 
I Harnstoff und besitzt als solcher gegenüber den ähnlich aber 
weit umfangreicher gebauten Moleoiilen des Eiweisses die 
Eigenschaften freier Ionen. Das Gleiche ist der Fall mit 
den übrigeu Harnstoffen, soweit dieselben nnr selbst wasser¬ 
löslich sind. Im einfachen Harnstoffe, d. h. dem Carbamid, 

| kann Hart gesottenes Hühnereiweiss ebenfalls gelöst werden 
, Mit Hülfe vou Tbiobariistotf glückt dies nnr vorrübergeh^nd. 

| da der Thioharnstoff bei diesen Versuchen meist durch Ca* 
lagermigeii plötzlich seinen Schwefel als freies gelbes Pülw 
| abwirft. Aüyipneuyiitiiocarbamid lieferte kein Resultat, weil 
I es selbst nicht wasserlöslich ist. Als zugänglichste Vertrete 
i köuuen darum Harnstoff und Tliiosiuauiin angesehen werden, 

! uni an ihnen kann dies louengesetz der Eiweisslösung ge 
uügend studiert weiden 

Zu beachten ist uun, mit welcher Leichtigkeit der Hagen, 
das Oigan der Eiweissveidanuug, gerade Ooncentrationen von 
intermediaieu Eiweissabbaoproiakieu aussclieideu kann und 
wie die Leber in der G.ille ebenfalls ein A iis 9 cheidnngspro 
dukt bereuet, welches im grossen and ganzen in seinen Be¬ 
standteilen der Feitgrnppe näher stellt un i schliesslich doch 
auch wieder nebenbei der Assimilation der Feitgrnppe dient 
Es kann in diesem kurzen Hinweise nur ang-edeutet werden, 
i Eingehende Beweise sind hier nicht zu erbringen. Die Beweine 
I selbst liegen in deu Zusammensteliangea zahlreicher kopro- 
I logischer Befunde. Je zahl reicher diese Befände werden and 
■ auf je mehr Stoffe sich dieselben ausdehnen, tun so enger 
' wird das Netz der Beweise für obige Aufstellaugen. Die Ver- 
i dannngsorgane müssen nach Darlegung aller koprologischei 
Ergebnisse als Organe angesehen werden, in welchen inter¬ 
mediäre Stoffwechselprodnkte abgeschieden und konzentriert 
werden uud nnn konzentriert mit organischen Nahrung«- 
stoffeu (als Coagnlaten) in Berührung kommen, dabei als Ionen 
I dieser Nahrnngsstoffe wirken uud somit zu ihrer Lösung and 
, Resorption beitragen. Bei normalen Verdauungsorganen sißd 
znm Schluss alle autgeuomuienen Nahrungsmittel gelöst ood 
aufgesaugt worden, während ein grosser Teil der ausgesclne- 
, deuen intermediären Stoffwechselprodukte, meist noch darefi 
I Dannpilze seknudär verändert, als Kot entleert wird. 

Es ist dies eine Theorie ohne an<tnhrliche Beweise- Ihe 
Publikation erfolgt zur Wahrung der Priorität- Im 
der Pub.ikatiouen zahlreicher koprologisc-ier Cntersnebsngen 
und Anordnung der Untersuchungen z>t Tabellen drängt sicü 
dem Leser mehr and mehr die Wahrheit dieser anötnghw 
absonderlichen Theorie auf. Wird dabei versäumt zar rechten 
Zeit dieae Theorie ausdrücklich festzulegen, so wird diese 1 
von einem Leser annektiert. 

Bad Neuenahr. Bhe.nprcussen. Oe feie- 


“> Grenzgebiete der Medizin nnd Chirurgie. Bd. XIII. - . .... 

Heft 1. DOefele. Koprologie 1994. Verl. G. F i scher ia 



.-Digiti zad 




10S 


Bücheranzeigen und Besprechungen. 

W. Guttmann: Elektrizitätslehre für Mediziner. 
Verlag von G. Tbieme, Leipzig 1904. 224 S. mit 263 
Abbildnngen und 2 lithogr. Tafeln. Preis 4 M. 80. 

Im Hinblick auf die grosse Bedeutung, welche die Elektri¬ 
zität auf dem Gebiete der Medizin erlangt hat, nnd da in 
den gebräuchlichen physikalischen Lehrbüchern bei der Lehre 
von der Elektrizität die Ärztlichen Bedürfnisse zu wenig 
berücksichtigt, in den für Aerzte geschriebenen Lehrbüchern 
der Elektrodiagnnstik, Elektrotherapie nnd Böntgenwissen- 
schaft wiederum die Hauptgesetze der Elektrizitätslehre in 
wenigen einleitenden Kapiteln zu kurz abgeliandelt. werdeu, 
als dass sie zum vollen Verständnis genügen könnten,—hat der 
Verf. in dem vorliegenden Buche sich die Aufgabe gestellt, 
die grundlegenden Gesetze und Etscheinungen der Elektri¬ 
zitätslehre, soweit sie für aen Mediziner in Betracht kom¬ 
men, in allgemeinverständlicher Form zur Darstellung zu 
bringen, was ihm auch vollkommen gelungen ist. Eine aus¬ 
führlichere Behandlung erfahren, mit Rücksicht auf die 
moderne Entwickelung der Elektromedizin, die elektrischen 
Maschinen und Transformatoren, sowie die Wechsel- und 
Drehströme. Besonders dankenswert ist die zum Schluss des 
Buches auf 47 Seiten hinzugefngte Beschreibung der haupt¬ 
sächlichen Anwendlingsformen der Elektrizität in der moder¬ 
nen Medizin sowie der gebräuchlichsten elektromediziniscben 
Apparate. Zahlreiche gute Abbildungen nnd 2 Tafelu, auf 
denen die Stromverteilung im menschl. Körper und speziell 
in der Haut dargestellt ist, tragen zum Verständnis des 
Textes wesentlich bei. 

Es kann daher das Guttmau n’sche Buch als eine treffli¬ 
che Einführung in die physikalischen Grundlagen der Elek- 
trodiagnostik, Elektrotherapie und Röntgenwissenschaft durch¬ 
aus empfohlen werdeu. 

Bernhoff. 


Auszug aus den Protokollen 
der medizinischen Gesellschaft zu Dorpat. 

Sitzung vom 27. Oktober 1904. 

Dr. Meyer hält seinen angekündigten Vortrag über 
«Myom und Gravidität». 

Vortragender entwirft ein Bild der Anschauungen der Au¬ 
toren der voiigeu Jahrhunderte über die Koinplika'ion der 
Gravidität dnrohs Myom, welche 1894 von Hofmeister 
angefochten werden. Er leugnet eine Beeinträchtigung der 
Fertilität durch Myombilduug und erklärt die Prognose dieser 
Komplikation für relativ günstig, ü 1 s h a n s e n schliesst 
sich nicht in vollem Umfang dieser Auffassung an. Die von 
ihm (Veits Handbuch) gegebene Schilderung der Beeinflus¬ 
sung des Myoms durch die Gravidität, sowie der letzteren, 
der Geburt und des Wochenbetts durch das Myom wird kurz 
referiert. 

Nach Erwähnung der von Winter jüngst mltgeteilten 
Erfahrungen über diese Frage, wird über die Resultate der 
von der Doktorin Ulesko-Stroganowa an gestellten 
mikroskopischen Untersuchungen über die Veränderung der 
Struktur des Myoms durch die Gravidität berichtet. 

Vortragender hat unter 119 operierten Krauken bei den 
Verheirateten 30 pCt. Sterilität konstatiert. 50 Krauen 
hatten im Durchschnittsalter vou 31,5 Jahren 3,7 Kinder ge¬ 
boren, die letzte Geburt 11,6 Jahr vor der Operation durcli- 
gemaclit. Da eine Statistik über der Fertilität der Ehen bei 
uns noch nicht existiert, werden zum Vergleich 125 wegen 
Ovarialtumoren operierte Frauen herangezogen. Hier fanden 
sich 11 pCt. Sterilität; 65 Frauen hatten im Durchschnittsal¬ 
ter von 31,9 Jahren 3,8 Kinder geboren, die letzte Geburt 
6,3 Jahr vor der Operation durchgemacht. Da wohl anzuneh¬ 
men ist, dass Ovarialtumoren die Fertilität beeinflussen, 
spricht die wenngleich nur in geringem Masse günstigere 
Statistik der an ihnen leidenden Frauen im Vergleich mit den 
Myomkranken für eine Beeinträchtigung der Fertilität dnrehs 
Myom. 

Vortragender berichtet über 9 Fälle von Geburten, wo die 
Schwangerschaft durch Myom kompliziert war. 4 Fälle ver¬ 
liefen spontan — in allen batten die Myome vor der Gravidi¬ 
tät gar keinen Einfluss auf die Gesuudbeit der Trägerinnen 
ausgeübt. 1 Fall machte im Frtihwochenbett die Entfernung 
des Tnmor8 notwendig (Inversio nteri); iu 2 Fällen musste 
die Geburt operativ beendet werden, das Wochenbett verlief 
tödlich, — (einmal Ruptur des Uterus, einmal Peritonitis, 
wobei im erweichten Myom Bacterium coli nachgewiese» wnrde). 
Im 8. Falle müsste intra partum ein Myom der hinteren 
Lippe, welche ein absolntes Geburtshindernis bildete, ennc- 


leirt werden; im 9. Fall wurde - mit gutem Erfolg im 3. Monat 
der Gravidität das sehr grosse extraligamentftr tief am 
Cervix herab entwickelte Myom durch snpravaginale Ampu¬ 
tation entfernt. Vortragender betont den Unterschied zwischen 
Frauen, die Myome haben nnd «myomk ranken» Frauen. 
Wenn bei ersteren das Myom oft uur zufällig gefunden wird 
und keinen nachweisbaren Einfluss aut'die Gravidität und 
Geburt ausübt, qo ist bei letzteren Gravidität selten. Gebart 
und Wochenbett oft von gefährlichen Störungen begleitet. 

(Autoreferat). 

Zam Sclilus8 demonstriert M. 3 durch Operationen! gewonnene 
Praeparate von myomatöseu graviden Uteri, sowie mikro-, 
skopi8che Bilder der Veränderungen, welche im Myom durch 
die Gravidät hervorgerufen werden. 

Diskussion: 

Pfa ff fragt, ob nicht die Verkürzung der Fertilitätape- 
riode myomkranker Frauen mit- event. künstlicher Verhin¬ 
derung der Conception in Zusammenhang stehen könne. 

Graubner fragt, wie es komme, dass die myombehafteten 
Frauen annähernd ebensoviel Kinder zur Welt gebracht haben 
wie gesunde. 

Meyer: die Neigung die Conception zu verhüten ist bei 
ans eine Erscheinung der letzten 5 Jahre. Vor der Zeit 
wasste man in den besseren Kreisen davon nicht viel, auch 
in den Dörfern hatte sich die Unsitte noch nicht verbreitet. 
Es ist daher nicht wahrscheinlich, dass dieser Faktor die Stati¬ 
stik beeinflusst hat. zumal es den Patientinnen im Beginn der 
Erkrankung garnichr in den Sinn kommt, dass sie gefährlich 
krank sind. Eher könnte dieser Faktor bei den au Ovarial¬ 
tumoren erkrankten eine Rolle spielen, die meist in jüngerem 
Lebensalter stehen. 

Graubner gegenüber führt Meyer aus. dass die von 
den Myomkranken zur Welt gebrachten 203 Kinder in einer 
Zeit geboren wurden; wo die Krauen nocli nicht myoinkrank 
waren. Die Keime zur Erkrankuug mögen schon iu den 20 ger 
Jahren vorhanden gewesen sein, doch unbewusst: die 203 Ge-, 
bnrteu sind ohne nennenswerte Schwierigkeiten verlaufen. 
Von dem Zeitpunkt an, wo die Franen «in yora krank» sind/ 
macht sich die deutliche Abkürzung der Fertilitätsperiode 
bemerkbar. 

Sekretär: Dr. nied. Tk. L ac k b c h e w i t z. 


Dr. roed. Alfred Frantzen +. 


Am 10. März verschied nach langem schweren Leiden 
Dr. med. A. Frantzen. Nicht unerwartet kam den 
Kollegen diese Trauernachricht. Wussten doch Alle, die 
ihm näher standen, dass seit dem Ende des vorigen 
Jahres eine Hoffnung auf Genesung, nach dem 
Schlaganfall, der ihn am 17. September auf das 
Krankenlager geworfen hatte, ausgeschlossen war. Die 
Wünsche, die ihn in seinen Leiden begleiteten, be¬ 
zogen sich nur noch auf ein baldiges, möglichst leichtes 
Ende. Beinahe 6 Monate hat sein Siechtum angedauert, 
eiu halbes Jahr fast widerstand 9ein Körper unter 
heftigen Schmerzen der tückischen Krankheit, die ihn 
in der Blüte seiner Jahre dahingerafft hat. Hatte er 
doch vor Monatsfrist erst sein 42. Lebensjahr vollendet. 

Im Jahre 1863 zu Petersburg geboren, bezog Frant¬ 
zen 1880 die Universität Dorpat, wo er der Corpora¬ 
tion Estonia angehörte. 1887 wurde er nach Verteidi¬ 
gung seiner Inauguraldissertation «Ueber die Mechanik 
des Magens beim Brechakte» zum Doktor der Medizin 
promoviert. Im selben Jahre lipss er sich in seiner 
Vaterstadt als praktischer Arzt, speziell für Geburts- 
bülfe und Frauenkrankheiten, nieder. Die eisten Jahre 
arbeitete er als Externer an der Nadeshdinski Gebär¬ 
anstalt, 1889 trat er als Teilhaber in die im Jahre 1885 
gegründete Wassili-Ostrowsche Privalklimk für Frauen 
ein. Als da3 Alexandra-Stiit für Frauen begründet wurde, 
übernahm Frantzen dort eine Ambulanz für Frauen¬ 
krankheiten, wie er sie bis dahin am deutscheu Alexan¬ 
der-Hospital gehabt hatte. Erst 2 Jahre vor seinem 
Tode zwang ihn zunehmende Kränklichkeit diese Tätig¬ 
keit aufzageben. Im Jahre 1894 schuf er in Terrijokki 
eine Warmbadeanstalt mit Massage, Doucheu, Schlamra- 


Digitized by VjOOQie 




104 


Moor- and Salzbädern, die er bis za seinem Tode leitete. 
Seit 1894 fangierte er als Direktor des Stieglitzschen 
Kinderasyls, wo er im Range bis zora Staatsrat auf- 
rückte ood mit rassischen Orden bis zam Annen- 
orden II. Klasse, den er noch auf seinem letzten Kran¬ 
kenlager erhielt, ausgezeichnet wurde. 

Frantzens Geschicklichkeit als Operateur, seine 
Sorgsamkeit und Gewissenhaftigkeit als Arzt, seine 
liebenswürdige Persönlichkeit erwarben ihm bald eine 
zahlreiche Privatklieotel, die mit grosser Liebe und An¬ 
hänglichkeit bis zuletzt an ihm hing. Kränklich war er 
schon seit Jahren, aber sein eiserner Wille zwang den 
müden Körper, den Anforderungen des Berufes zu ge¬ 
nügen. Erst iu den letzten Jahren, als seine Krankheit 
gefahrdrohende Dimensionen annahm, gab er den Bitten 
der Freunde nach und gönnte sich jährlich einige 
Wochen Ruhe, die er meist an der Riviera verbrachte. 
Geuesung konnten ihm diese Reisen nicht mehr bringen, 
aber sie haben ihm wohl noch die Möglichkeit gegeben, 
bis zum Herbst 1904 den anstrengenden Beruf zu er¬ 
füllen. 

Ein talentvoller, gewissenhafter Arzt, ein trener Freund 
und Kollege ist dahingegangen. Möge er sanft ruhen! 

S. 


Vermischtes. 


— Der frühere Direktor der chirurgischen Charit6klinik in 
Berlin, Prof. Dr. Franz König, beging am 7./20. März 
das goldene Doktorjubiläum. Der berühmte Chirurg, 
'welcher vor kurzem sein 73. Lebensjahr vollendete, erhielt 
seine medizinische Ausbildung in Marburg, wo er aucii vor 
50 Jahren zum Doktor medicinae promoviert wurde. Nachdem 
er 35 Jahre als Professor und Chemiker, anfangs in Rostock, 
dann in Göttingen und zuletzt als Nachfolger Barde le¬ 
ben s au der Berliner Universität gewirkt, nahm er im vori¬ 
gen Jahre seinen Abschied, um seine Rahetage in Jena za 
verleben. 

— Der Leibcbirarg Prof. emer. Dr. Engen Pa w low 
ist am 9. März in Allerhöchstem Aufträge Zurinspektion 
der Hospitäler in den Fernen Osten abgereist. 

— Der bekannte Berliner Auatom Prof. Dr. Wald eyer 
ist von der Society of medical Jurisprudencein 
New-York, deren Präsident der aus Deutschland stam¬ 
mende Prof. Dr. Carl Beck ist, zam Ehrenmitglied 
ernannt worden. («Allg. m. C.-Ztg.»). 

— Der Gehtilfe des Militär-Medizinalinspektors des Klew- 
schen Militärbezirks, wirkt. Staa>srat Dr S c h m e m a n n, ist 
krankheitshalber verabschiedet worden, unter 
gleichzeitiger Beförderung zum Geheimrat. Zu sei¬ 
nem Nachfolger ist der Divisionsarzt der 77. Inf.-Divis., 
wirkl. Staatsrat Dr. Lobko, ernannt worden. 

— Der Prof. ord. der Kiewer Universität, wirkl. Staatsrat 
Dr. Tritschel, ist von dem Amt eines ansseretatraässigen 
Ordinators und Leiters der klinischen Abteilang des Kiew- 
schen Militärhospitals entbunden worden, welches Amt dem 
Prof. ord. Dr. Wagner übertragen worden ist, bei gleich¬ 
zeitiger Belassuug in seiner bisherigen Stellung. 

— Zu Aerzten fürbesondere Aufträge V. 
Klasse bei derMilitär-Medizinalverwaltong 
d e b sibirischen Militärbezirks sind ernannt: 
der Brigadearzt der Omsker örtlichen Brigade Dr. Narysch- 
kin und der Beamte VI. Klasse bei der Ober-Militärmedizi- 
nalverwaltung Dr. K e r s t e n s — beide mit Belassungin 
ihren gegenwärtigen Aemtern. 

— Der Korpsarzt des 3. Armeekorps, wirkl. Staatsrat Dr. 
Mankowski, ist wegen Krankheit mit Uniform and Pen¬ 
sion verabschiedet worden. 

— Wie wir im «Prawitelstwenny Westnik» vom 12. März 
a. c. lesen, ist dem bekanntlich im August vorigen Jahres im 
Fernen Osten verstorbenen Arzt Bernhard Böttcher 
für A uszeichn u n g in den Kämpfen gegen die 
Japaner der St. Stanislaus-Orden III. Klasse 
mit Schwertern am 4. Februar 1905 verliehen 
worden. 

— Am weiblichen medizinischen Institut 
haben sich Dr. S i c i n s k i, Assistent des klinischen geburts- 
bülflich-gynäkologi8chen Instituts und Akkoucheur des Hof- 
hospitals, sowie Dr. N. Kannegiesser, Arzt an der 


Heilanstalt des Damen-l/ftzarettkomitees, als Privatdo- 
zenten fürGebnrtshültehabilitiert. 

— Verstorben: 1) Am 10. März in Kiew der frühere 
Professor der Chirurgie an der dortigen Universität, wirkl. 
Staatsrat Dr. Theodor Bornhanpt, im 63. Lebensiahre. 

Zn Riga geboren nnd erzogen, widmete sich der Hingeschie¬ 
dene von 1861—1866 dem Stadium der Medizin au der !)or- 
pater Universität. Nach Erlangung der Doktorwürde war B. 
Arzt der Gräfin Stroganow, dann Arzt za Werchne- 
Uralsk im Gouv. Orenbnrg nnd fungierte 1877—1878 als Arzt 
auf dem Kriegsschauplatz im Kaukasus. Nach dem Kriege 
wurde er aut zwei Jahre zur weiteren wissenschaftlichen 
Ausbildung anf Kronskosten iu’s Ausland abkommandiert wo 
er sich in Berlin, Halle, Paris nnd London mit der Chirurgie 
und pathologischen Anatomie beschäftigte, nnd war dann. 
Ordinator am Hospital des Preobraslienskischen Leibgarde¬ 
regiments, bis er 1883 als ordentlicher Professor auf den 
Lehrntnbl der chirurgischen Hospitalklinik in Kiew berufen 
wurde. Wegen zunehmender Kränklichkeit trat er i. J. 1902 
nach 35-jähriger ärztlicher Tätigkeit in den Ruhestand and 
verlebte seine letzten Tage in Kiew, wo er als Chirurg in 
hohem Ansehen stand. 2) ln 3t. Petersburg am 10. März 
der hiesige Frauenarzt Dr. Alfred Frantzen, Direktor 
des Kinderasyls des Barons Stieglitz, im eben vollende¬ 
ten 42. Lebensjahre an den Folgen eines Schlaganfalles. 
Einen ausführlichen Nekrolog finden nnsere Leser in der 
heutigen Nr. der Wochenschrift an anderer Stelle. 3) In 
Serpocbow der dortige langjährige Landschaftsarzt Jo- 
hann Witte im Alter von 52 Jahren nach 25-jähriger 
praktischer Tätigkeit, 4) In Kostroma der Landschaftsarzt 
des Fleckens Parfentjew (Kreis Kologriw), D r. Alexis 
Winogradow, iiu 53. Lebensjahre. Die Venia practicandi 
hatte der Verstorbene i. J. 1878 erlangt. 5) In Christi¬ 
an i a Prof. D r. Johann H j o r t, ein hervorragender j 
Angenarzt, der n. a. mit Erfolg die offene Nachbehandlung, 
der Staroperation eingeführt hat. i 

— In Mnkden sind, wie der Oberbevollmächtigte des ! 
Roten Krenzes Fürst VVassiltschikow aus Charbin 
mitteilt, ausser den Bevollmächtigten Gutschkow, 

01 s 8 o f.|e w, Richter und G e r a s s i m o w , die Aerzte 
Butz, Woinitsch. Wangmut (?), Christianski: 
Kolessnikow.Petin, Ssergiewski, Brodowitsch, 
Krüger, Zumpft. und Potejenko zurückgeblieben. 

— Zum Li bau sehen Lazarett, das von der Liban- 
schen Abteilung des Roten Krenzes auf deo Kriegsschauplatz 
geschickt wurde, ist neuerdings unter der Führung von Dr. 
Schabert eine Hnlfskolonne, bestehend aus 4 Scbtre- 
stein und 9 Sanitären, abgesandt worden. 

— Der Oberarzt der vom Adel Russlands ausgerüsteten 
nnd splendid doiierteu Sanität9kolonne im Fernen Osten, Dr. 

P. Postnikow, welcher sich seit einiger Zeit in Moskau 
befindet, wird, wie verlautet, nicht mehr auf den 
Kriegsschauplatz zurückkehren. 

— Von dem russisch-holiändischeii Feldla¬ 
zarett siud in Mukden die Mitglieder einer von demselben 
ausgesandten fliegenden Kolonne Dr. hieven, stud. Rie¬ 
sen kämpft, 2 Schwestern und 2 Sanitäre zurückgeblieben, 
welch.! nach einer dem Komitee zngegangenen Mitteilung sich 
wohl befinden. 

— Gegen den Prof, exiraord. Dr. V u 1 p i u s, Leiter einer 

orthopädischen Privatklinik in Heidelberg, war von einem 
Patienten, der unter seiner Behandlung ein im Knie ankylo- 
tisebes Bein bis oberhalb des Knies verloren hatte, eine Ent- 
schädigungsklage angestrengt worden. Prof. V. ist 
nnn vom Landgericht wegen fahrlässiger Körper¬ 
verletzung vernrteilt worden: 1) dem Kläger ein 
künstliches Bein zu beschaffen; 2) dem Kläger eine Jahres¬ 
rente von 600 Mark, nnd 3) einen Kapitaibetrag von 12,000 
Mark zu bezahlen. . ! 

— Dem Professor der Epizootologie und Veterinärpolizei 
an der militär-medizinischen Akademie, Mag. veter. N. Mary, 
ist auf Ansuchen der genannten Akademie gestattet wordeu, 
die Vorlesungen au der Akademie zu besuchen und nach Ab¬ 
solvierung des vollen Kursus sich der Prüfung auf den Arzt¬ 
grad vor der med. Prüfungskommission zu unterziehen. 

(Birsh. YVed. — R- Wr) 

— Der Kaiser von Japan soll den in Gefangenschaft be¬ 
findlichen russischen Aerzten gestattet haben, die 
russischen Gefangenen in Japan zu behan¬ 
deln, da ilie japanischen Aerzte zur Behandlung der japani¬ 
schen Verwunderen in der Mandschurei verwandt werden müs¬ 
sen. Die russischen Aerzte werden von der japanischen Re¬ 
gierung für ihre Dienste besoldet werden- 

— EincMagnetopath» vor Gericht. Wegen n“’ 
lauteren Wettbewerbes staud der «Magnetopatb» 
Karl Pohl vor der 9. Strafkammer des Landgericht» 
in Berlin. Der Angeklagte war seines Zeichens Graveur and 
betrieb eine Schablonenfabrik. Dann hörte er Vorträge aber 
Hypnotismus and Magnetismus, las Bücher darüber und wurde 


} 


-~.Di<gitized_by 


Google. —— 


106 


schliesslich «Heilkundiger». Als Motto hat er den schönen 
Spruch ersonnen: «Der Tod bat drei Pathen: die Allopathie, 
die Homöopathie nnd die Hydropathie. Das Leben hat nur ei¬ 
nen Patben — den Magnetopatben». Nach seiner Ausicht ist 
•die Medizin geeignet, Leben ond Gesundheit zu verderben, 
während der «Magnetopath» durch «Auswechslung von Kraft 
und Stoff» das Leben erhalte, ln seinen öffentlichen Anprei¬ 
sungen pflegt der Angeklagte den Mund sehr voll zu nehmen. 
Br ist auch vor einiger Zeit schon wegen unlauteren Wett¬ 
bewerbes zu 1000 M Geldstrafe vernrteilt worden. 
Jetzt stand wieder eine marktschreierische Anzeige unter An¬ 
klage. Sie machte «Zum nenen Jahr» alle Kranken darauf 
aufmerksam, dass es dem Pohl gelungen sei, «starkes 
Rfl ckenmarksleiden vollständig za beseiti- 
g e n», selbst in Fällen, die fast anheilbar schienen. Die Hei¬ 
lung geschehe durch «Uebertragung des Lebensmagnetismas», 
Befördetung des Stoffwechsels, «Bildung nenen Rückenmar¬ 
kes»» u. s. w. Anf Grund dieser Anzeige batte Professor 
Dr. Kossmann namens der Aerztekamtuer den Strafan¬ 
trag gestellt. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten 
zu 500 M. Geldstrafe. 

— Epidemiologisches. Die ßnbonenpest greift 
iu Indien wieder in beängstigender Weise uni sich. Wäh¬ 
rend sonst bei Eintreten wärmerer Witternng die Pest uach- 
zulassen pflegt, hat sie in diesem Jahre au Heftigkeit zuge- 
nommen. Sie bat ihren -Sitz hauptsächlich iu den schmutziger. 
Vierteln der indischen Städte. Es werden wöchentlich etwa 
-35,000, in der letzten Woche sogar 45,000 Todesfälle gemeldet. 
Dabei steht es fest, dass eine grosse Anzahl der Todesfälle 
verheimlicht wird. Die Opposition gegen die Massnahmen der 
Regierung erklärt sich zum Teil aus der Tatsache, dass die 
ZwangsimpfuDg mit dem sogenannten Pestserum die fürch¬ 
terlichsten Folgen gehabt haben soll. Hunderte der Ge¬ 
impften sollen au Mundsperre gestorben seia. Die Pest tritt 
am stärksten iuAudb, Rohilkand und im Pnndjab auf. Manche 
Dörfer haben beieits 75 Proz. ihrer Bevölkerung eingebüsst. 
Im Jahre 1903 soll in Indien ungefähr eine Million Menschen 
4er Pest erlegen sein. 

Bf. 

— Die Gesamtzahl der Kranken in den Civil- 
hospitäleru St. Petersburgs betrug am 5. März 


d. J. 10597 (521 mehr als in d. Vorw.), darunter 1224 Typhus — 
(62 mehr). 946 Syphilis — (49 mehr), 285 Scharlach — (32 mehr), 
116 Diphtherie — (11 mehr), 79 Maseru — (23 mehr) and 31 
Pockenkranke — (6 mehr als in der Vorw.l. 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 27. Februar bis 5. März 1906. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


Lrn Ganzen: 


h h J 

m M ja fl 

ca <a ® g 

^*-3 0 2 


MW Sa * 2 Ä 2 2 S g S 8 S ? r« i 
öa - I l I i I -i I I | I I T ° fl 

523 392 915 223 92 142 16 17 38 83 63 62 63 63 37 15 1 
2) nach deu Todesursachen . 

— Typh. exanth. 1, Typli. abd.54, Febris recurrens 1,Typhus 
ohne Bestimmung der Form 1, Pocken 1. Masern 26, Scharlach 9, 
Diphtherie 15, Cronp 0, Keuchhusten 6. Cronpöse Lungen¬ 
entzündung 26, Erysipelas 12, Grippe 4, Katarrhalische Lun¬ 
genentzündung 121, Ruhr 1, Epidemische Meningitis 0, Akuter 
Gelenkrheumatismus 0, Parotitis epidemica 0, RotzkrankheitO, 
Anthrax 0, Hydrophobie 0, Puerperalfieber 1, Pyämie ond 
Septicaemie 10, Tuberkulose der Lungen 93, Tuberkulose an¬ 
derer Organe 21, Alkoholismns und Delirium tremens 7, Le¬ 
bensschwäche nnd Atrophia infantom 76, Marasmus senilis 30, 
Krankheiten des Verdanungskanals 123, Totgeborene 41. 

♦* Nächste Sltzuugdes Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag, d. 22. März 1905. 

Tagesordnung: Fick: Zur Kasuistik der Hernien. 

♦- NäohsteSitzung des Deutschen ärztlichen 
. Vereins: Montag, den 11. April 1905. 


»ANNONCEN JEDER ART werden in der Buohhandlung von K. L. RICKER in 
St. Petersburg, Nevsky-Pr. 14, sowie in allen in-nnd ausländ. Annoncen-Comptoiren angenommen. 


Ein sehr nützliches Produkt aus Caseara-Sagrada 


SPECIFIQUE 


/CÄSCARINE LEPRINC 

°*L 


„CÄSCARINE 


C 1S H 10 Q 6 


niiiiiiiiiiilli^ ^ SSM 

Medizinische Akademie 
12. Juli 1892. 

Akademie d. Wissenschaften 
1. April 1893 u. 3. Jnli 1899. 


LEPR1NCE 


Erprobt: bei gewöhnlicher Verstopfung. Leberleiden, als antiseptisches Mittel 
für die Verdannngsorgane; bei Atonie des VerdauungskaDals, Verstopfung bei 
Schwangeren und mit der Braut Stillenden, und gegen Gallenstein. 

Gewöhnliche Dosis in Pillen: 2 Pillen nach dem Essen oder znr Nacht vor 
dem Schlafengehen. 

Hanpt-Depot: 62, rue de ia Tour, Paris. (32) 12—3. 

Depot in allen Apotheken und Droguenhandlungen. 


Producfe aus dem natürlichen dem Wasser entzogenen Salze 


(3) 17-17. 




Die Quellen gehören der Französischen Regierung. 

PASTILLES VICHY-ETAT' 
COMPRIMES VICHT-ETAT • 


Sanatorium Villa Primavera. 

Gardone Riviera, Italien. 

Prospekte des Sanitätsrats Dr.Koeniger. 


Im Deutschen Alexander-Hospital wird 
Nachweis ertheilt über znr Zeit dienst¬ 
freie Pfleger nnd Pflegerinnen für die 
private Krankenpflege (gegen Zahlung 
von 60 Cop.). 


Digitized by 


Google 
























106 



Ausgezeichneter Kr nutz für Brinnalkalien — beson¬ 
der h wertvoll in der Frauen-und Kinderpravcis. — 
Bromipin kann unbedenklich in grösseren Bosen 
gegeben werden. (12| , a _ 8 ; 


Ein mildes, relativ ungiftiges, in Itasser leicht 
lösliches Morphinderivat von hervorragender 
schmerz- und hustenstillender Wirkung. Ist in 
allen Füllen als Ersatzmittel für Morphium und 
CodeVn mit Nutzen zu verwenden. 


Der beste Ersatz für Jodalkalien. Anerkanntes 
Mittel bei Lues. Bronchitis. Arteriosklerose, Skro- 
p hu lose, Tuberkulosis indinens, soivie in allen un¬ 
teren Füllen, in denen Jodpräparate in diziert sind 


(Salicylsäurebornylester). Wirkt als äusserliches Mittel be- 
kJ Ca 11 L sonders günstig bei allen nach Erkältung auftretenden 
rhenmatischen und neuralgischen Schmerzen, bei Gelenkrheumatismus, 
Muskelrheumatismus und Ischias. Von einer Mischung aus gleichen 
Teilen Salit und Olivenöl in der Regel täglich 2 mal '/* bis 1 Kaffee¬ 
löffel voll in die Haut der erkrankten Körperteile einzureiben. — Salit 
ist ausserordentlich billig. 

1 CI T 3 fY , /'\l Bei 8e P tl8chen Erkrankungen (Septikämie, 
v^Ulicil gUlt Puerperalprozessen — auch prophylaktisch 
bei Geburten —, Endokarditis, Milzbrand etc.) als Lösung zur intrave¬ 
nösen und rektalen Anwendung, als „Unguentum Credö“ zum Einreiben. 
— Zur Wundbehandlung in Form von Tabletten etc. 

Silberpräparat für I A Billiges Lokal- 

1LI Ul* Augen- und Ge- Anästhetiknm 

schlechtskrankheiten, besonders > von intensiverer und längerer Wir- 
Gonorrhöe. I kung als Kokain. 


Proben und Literatur durch 

Chemische Fabrik yon Heyden, Badebenl-Dresden, 

oder deren Vertreter: (19) 11—4. 

R. Crottet, W. 0.,Sredny Prosp., 8, St. Petersburg. 


Prachtvolle, sonniirt 

Las 

e. Ausführliche 

l||B» 

riorte Prospekte 


x. M 16. 
MOCTa. 


Wasserheilanstalt 

Traunstein-Oberhayern 

Saiatorii für NerraMa 

Das ganze Jahr geöffnet. Leiter nnd 
Besitzer Dr. med. G. Wolf. 


|r.med.iols Kuranstalt 

f.Nervöse u. Erholungsbecliirl.j.fl. FriPflrfrhrflflfll 

| Spet.-Behandl. bei Kongestion. Kopfschmerz. Neuralgien. 1 1 1W111 UUC *' 


Kur- und Seebadeort PERNAU. 

Gesunde Lage. Kalte Seebäder. Temperatur des Wassers 15—16° R. Com- 
fortabel eingerichtete Kurbadeanstalt nnd Kurhaus im Parke am Meere.: Beginn 
der Saisou 20. Mai, Schluss derselben 20. August, VerabfoUt werden. Schlamm-, 
Moor-, Salz-, electrische. Sand-, Kohlensäure- nnd andere Heilbäder, hydrothera- 
pentische und orthopädische Behandlung, Luft- und Lichtbäder. Dieselben sind 
wirksam ue^en Herz- und Nervenerkrankungen. Rheumatismus, zahlreiche chroni¬ 
sche Krankheiten, Lähmungen, Bleichsucht, Skrofulöse, Rhachitis. Frauenleiden 
und andere Krankheiten mehr. Massage. Desinfizierte Wilsche. Täglich Musik. 
Keine Kurtaxe. Weiterausgedehnte Anlagen, viele Promenaden ain Meere. Billiges 
Leben. Dampfer- uud Eisenbahnverbindung. Nähere Auskünfte, Prospecte und 
Quartiervermiiteluug gratis durch 

(40)6-2 die Badeeommission. 

Adressen von Krankenpflegerinnen: 

Luitgart Heimberger, Bac. OcTp., 6 Elise Blau, JlHroBcnaa 58, kb. 15. 

AHH., x- 29. kb. 13. Marie Winkler. yr.> ojiaosa nep. ■ IlaH- 

Frau Marie Bübern, Gr. Stall.hofsti. V j b. 4 . *b. 11. 

Hans d. Finnischen Kirche 6—8,Q. 1P. Frau Minna Rieser, geb. Franke. CTa- 
Frau L. A. Bogoslowskaja, Ertelef pufi neTeprotpcKift npocn., *. JÄ 16. 

Pereulok 16, Qu. 6. kb. 28, y BoBo-KajiHHRHHa MOCTa. 




^ 4 

lii 

!AI 

RTI 

m 


GE 



> i w.' ■ >. 'I 


xxxxxxxxxxxxx 


X 

X c* 
X .5 

K £ 

X . .£ 

K aä ■ 

X =» 

X -g 
X 03 « 

X HE E 

CS3 i: 

x § " 
x H fe 

X cu £ 
X -S = 

X ca tn 

X ~ 
x «g £ 
x= . 

yt 

x 

X £ 
X 


CO ZS* , ® 

£ SifS ’S £ 

m T 3 ,a «* t>o [5 

QJ :0 ,— N 

^ fc *2 « 

■ • %=.2 1 

5 . s“ s 3 g 

’C -q s*.g S > 

CTS ^ *®.2 £, ob 

i S S?» ? ä 

“ *- 'a> 5 s ö •- 

CS tu u « © g £ 

w a. |Sg S » 

u. >> -ofS £ ’S 

® | §Sa » “ 

w) - b£ ® 

• — <■ ■— ZJl 

Q (j 


IO 

^3 ü m 

« Jo -s* 


.£ 5c« o g 

© rfiJ r—< •— 

O D W O 


">< 3 <P Ä 2 - 

nf ' bi Ä Z-. 

S ro ä ©x» t® a 

'S.©.« s 

~ 0 . 

'S 2 £ S) ®§ 

kJ o 

S «- 2 . ® £ 

T, g s - o e 


ä t ■ 

“ = dS 

* N | O 


XXXXXXXXXXXXK 


Ü 08 B. ness. Cn6.,18 llapTa 1905 r. Herausgeber I)r. Rudolf W anach. Buchdruckerei v.A.Wienecke,KatharinenboferPr J*^' 


-ßigitized b 


iGoo^k 














XXX. JAHBGAM. 


ST. PETERSBURGEB 

MEDICINISCHE WOCEENSGIRIFT 

unter der Redaktion von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Jurjew (Dorpat). Riga. 

Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


GENERAL LlörtnR'. 

UNIV. Jh MRlf ); 

MAY 4 


Die „St. Petersburger MedicinischeWochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend.—Der Abonnementapreis ist in Bussland 8Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postzustellung; in den anderen 
Ländern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Derlnsertdonspreis 
für die dinalgespaltene Zeilen in Petit ist 16 Kop. oder 35 Pfen.—Den 
Autoren werden 25 Separatabzügeihrer Originalartikel zugesandt. 

-Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate 
bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von S. L. Bioktr 
in St. Petersburg, Newsky-Prospekt Ns 14. zu richten. — ICanus- 
cripte sowiealleautdieRedaktion bezüglichen Mitteilungenbit- 
tet man an den stellvertretenden geschäftsführendenRedak- 
teur Dr. E- Blessig in St. Petersb., Wassili Ostrow, 1 Linie J<& 28 
zu richten. Sprechstunden täglich von 4—6 Uhr. 


Infolge Erhöhung der Preise für Druckarbeiten sind wir genötigt die Insertionspreise 
vom 1. April 1905 an zu erhöhen und zwar von 10 auf 20 Kop. (von 36 auf 
45 Pf.) pro Zeile der 3 mal gespaltenen Seite. 


N 12 


St. Petersburg, den 26. März (8. April). 


1905 . 


Inhalt: Dr. med. A. Keilmann: Ueber Symphyseotomie. — Referate: Aexel Eur6n: lieber Aetheruarkose nach der 
Tiopfmethode. — Bficberanzeigen und Besprechungen: H. Kisch: Das Geschlechtsleben des Weibes in physiologi¬ 
scher, pathologischer nnd hygienischer Beziehnng. — Hermann Frey: Leber die spezifische Behandlung der Tnberknlose. 
— Sobotta: Atlas der descriptiven Anatomie des Menschen. — Dr. Franz Mracek: Atlas und Grutidriss der Hautkrank¬ 
heiten. — Prof. A. Enlefebarg: Untersuchung des Nervensystems. — Mitteilungen aus der Gesellschaft prakti¬ 
scher Aerzte zu Riga. — Vermischtes. — Mortalitäts-Bulletin 8t. Petersburgs. — Anzeigen. 


(Aus der gyn.-geb. Abt. des Stadtkrankenhauses zu Riga.) 

Ueber Symphyseotomie. 

(Vortrag, gehalten in der Gesellsch. prakt. Aerzte zu Riga.) 

Von 

Dr. med. A. Keilmann. 


M. H.! Die im Jahre 1777 zum ersten Male von 
Sigault ausgeführte Operation fand z. T. begeisterte 
Aufnahme, z. T. wurde sie mit Erfolg bekämpft, wobei 
die wirksamsten Waffen, deren sich ihre Gegner bedie¬ 
nen konnten, die direkten Misserfolge waren, sowohl die 
hinsichtlich der Kinder, als auch die hinsichtlich der 
Mütter. 

Die Madame Souchot, deren Entbindung durch 
Sigault Aufsehen erregte, befand sioh ca. 1 Jahr nach 
der Operation nach Schilderung Hunczosky’s 
(Medizin. Chirurg. Beobachtungen auf seinen Reisen durch 
Engl, und Frankr., Wien 1783) in einem keineswegs 
befriedigenden Zustaude (Gehstörungen und Harnfistel), 
so dass der genannte Antor sagen konnte: «Man siebt 
also klar, dass die Operation weit unter den Lobeser¬ 
hebungen gewesen, die man derselben gleich anfangs mit 
einer Art von Enthusiasmus beilegte und dass man das 
Publikum nur zu hintergehen gesucht habe, da man die 
Umstände der Operation anders schilderte». Der Kampf 
für und wieder die Symphyseotomie wogte noch eine 
Zeit lang hin und her und finden wir ein abschliessendes 
Urteil über die Operation in Siebold’s Versuch einer 
Geschichte der Geburtshilfe (Berlin 1845, B. II. p. 523): 
«Zeit und Erfahrung haben über eine Operation den 
Stab gebrochen, welche jetzt nur noch verblendeten und 
tollkühnen Fachgenossen mehr sein kann, als eine blosse 
•historische Merkwürdigkeit». Noch ein Mal betonte dann 
Siebold (p. 224), dass die Akten über die Sympby- 
seotoraie geschlossen seien and diese gänzlich der Ge¬ 
schichte angehöre. Darin hat er sich non getäuscht, 
denn wenn auch mehr als ein Jahrhundert verging, ehe 


von der Symphyseotomie wieder die Rede war, ist sie 
von Morisani doch wieder ausgeführt worden und die 
verbesserten Resultate der Operation ebneten ibr im 
Laufe von 25 Jahren schliesslich den Weg zu einem 
zweiten Siegeszuge, der sie in den Jahren 1891, 1892, 
1893 von Neapel aus auch in die meisten deutschen 
Kliniken führte, wo sie z. T. begeisterte Aufnahme 
fand. Unter dem Zeichen der Asepsis konnten ihr in 
.der Tat auch andere Erfolge beschieden sein, als vor 
100 Jahren erwartet werden konnte. 

Durch die grosse Menge von allen Seiten erfolgen¬ 
der Mitteilnugen von glücklich verlaufenen Syraphy- 
seotomien gewann man den Eindruck, dass das Wieder¬ 
aufleben dieser Operation eine überaus wertvolle Be¬ 
reicherung der geburtshilflichen Heilverfahren bedeute 
und die erste derartige Operation, die ich za sehen Ge¬ 
legenheit hatte, schien auch mir diesen Eindruck 2 u be¬ 
stätigen: zwei Tage hatte ich einen partus in der Dorpa- 
ter Poliklinik beobachtet; anch als der Muttermund voll¬ 
kommen verstrichen war, trat der grosse Kopf nicht in 
das nur mässig verengte platte Becken ein; nach Kon¬ 
sultation mit dem Kollegon vou Knorre machten wir 
einen Impressionsversuch und als dieser misslang, sahen 
wir die Indikation zur Symphyseotomie, neben der zum 
Kaiserschnitt, als gegeben an und transferierten die 
Kreisseude in die Klinik. Prof. Küstner entschied 
sich für die Symphyseotomie und führte dieselbe sofort 
aus. Es war die erste Symphyseotomie in Dorpat. Der 
Verlauf der Operation uud der Heilung, über den Prof. 
Küstner auf dem V. Kongress der D. G. f. G. (in 
Breslau 1893) berichtet hat, stellte nach jeder Richtung 
einen Erfolg dar. 

Mil Spannung musste man damals dem Verlauf des 
erwähnten V. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für 
Gynäkologie entgegenseüen, auf dem die Symphyseotomie 
als Haupttheraa behandelt werden sollte. Nicht weniger, 
als 25 namhafte Geburtshelfer beteiligten sich an der 
Diskussion mit wichtigen Beiträgen und brachten eine 
massgebende Klarheit in die Symphyseotomiefrage, wenn 


Digitized by Google 



108 


auch z. T. das Resultat enttäuscht haben mag. Meinem 
Urteil nach hat hinsichtlich der Indikationsstellung 
oeben anderen Schau ta dem Erfabrungsresultat den 
präzisesten Ausdruck verliehen und muss ich in den 
Beobachtungen und Erfahrungen, die ich selbst in den 
seither verflossenen 11 Jahren machen kennte, eine Be¬ 
stätigung der Anschauungen des genannten Autors sehen. 
Ich lasse die kurzen Ausführungen Sohauta’s über 
die Indikationen der Symphyseotomie wörtlich folgen 
(cf. Verh. d. D. G. f. Gyn. Leipzig 1893): 

«Als die Syraphyseotomie in den Vordergrund der 
Aktion trat, sagte ich mir, dass diese Operation nur 
fjir wenige Fälle ein Bedürfnis darstellen würde. Dieses 
Bedürfnis ergab sich mir in folgenden Fällen. Wenn 
es sich um eine Beckenverengerung mittleren Grades 
handelt, bei der die Indikation zum Kaiserschnitt vor¬ 
handen wäre, so-führe ich den Kaiserschnitt aus dieser 
Indikation nur dann aus, wenn ich die Asepsis 
des Genital-Apparates gewissermassen in 
meinen Händen habe, wenn ich also gewiss 
bin, dass die Kranke noch nicht vor mir 
von irgend jemand, sei es nun Hebamme 
oder Arzt, untersucht worden ist». — «Es 
giebt also gewisse Fälle, in denen man die Sectio 
caesarea im Interesse der Mütter nicht ausfttbren kann. 
Diese Fälle bildeten eine Lücke und, um diese Lücke 
auszufiillen, schien mir die Symphyseotomie doch bedeut¬ 
sam. Ich gehe nun nach folgenden Grundsätzen vor. 
Wenn die Person, welche ich vor mir habe, vollkommen 
aseptisch ist und der Kopf des Kindes hoch und beweg¬ 
lich steht, mache ich bei gegebener Indikation den Kai¬ 
serschnitt. Ist die Gebärende nicht mehr aseptisch und 
steht der Kopf hoch und beweglich, dann warte ich, bis 
er sich fixiert hat. Im letzteren Falle mache ich die 
Symphyseotomie und schliesse an sie gleich die Extrak¬ 
tion an*. 

Während meiner Assistentenzeit in Breslau wurden 
von Prof. Küstner ausser der Symphyseotomie in 
Dorpat noch 5 oder 6 derartige Operationen ansgeführt; 
diese Zahl erscheint gering, da sie in Beziehung ge¬ 
setzt werden muss zu 3000—3600 Stationsgeburten, mit 
einer durchschnittlichen Frequenz der Beckenverengun¬ 
gen von 14—16 pCt. Eine erfolgreiche Konkurrenz konnte 
die Symphyseotomie dem der künstlichen Frühgeburt 
und dem Kaiserschnitt nicht machen. Wertvoll ist aber 
der Schamfugenschnitt, wo die beiden letztgenannten 
•Verfahren nicht angewendet werden können. Und wenn 
die Beckenverengungen bei nns zu Laude im ganzen 
selten sind, so zeigt der nachstehende Fall, dass die In¬ 
dikation zur Symphyseotomie zwar selten, doch gele¬ 
gentlich berechtigt erscheint. Es ist dieses der einzige 
Fall unter ca. 2000 Stationsgeburten. 

A. K. 34 a. n. hat 3 mal geboren, 1 mal abortiert. Nach 
langem Kreissen sind alle Geburten mit schweren Zangen¬ 
operationen beendet worden: das erste Kind wurde tot gebo¬ 
ren, das zweite asphyktisch, wurde jedoch wiederbelebt, das 
dritte warde desgleichen tot extiahiert. 

< Die Zeit der letzten Kegel konnte nicht angegeben werden. 
Nach 3-tägigCm Kreissen wurde Pat. in die Anstalt gebracht, 
nachdem bereits tags vorher das Fruchtwasser abgegangen 
war. Die Kreissende gab an von 2 Aerzten nnd einer He¬ 
bamme — «sehr oft» — untersucht worden zu sein. 

Stätns bei der Aufnahme war folgender: 

Gracil gebaute, kleine Frau in dürftigem Ernährungszu¬ 
stände, Banchdecken sehr dünn, sonst bot der Organbefnnd 
keine Abweichung vom Normalen. 

Der Fundus Uteri steht 3 Fingerbreiten unter dem proc. 
xiph.: der Uterus ist sehr beweglich und folgt ausgiebig seiner 
Schwei e bei Bewegungen der Frau, ohne durch die dünnen, 
schlaffeu Bauchdecken daran gehindert zn werden. Der Fötns 
liegt in II. Scbädellage mit frei über dem Becken beweglichem 
Kopf. Die Herztöne des Kindes regelmässig, von guter Quali¬ 


tät nnd normaler Freqaenz. Die Wehen sind unregelmässig, 
sehr schmerzhaft, jedoch vou geringer Kraft. 

Bei der inneren Untersuchnng lässt sich das Promontorium 
leicht erreichen and die Länge der Conj. diagonal!« auf 
9— 9'/» cm. bestimmen. Eine quere Verengung lässt sich nicht 
erkennen. Der Muttermnnd ist für 4 Finger darcbgilngig, 
seine Ränder dünn, wenn auch nicht sehr weich; die Blase 
ist gesprungen; der harte, grosse Kopt ist von der Vagina 
ans beweglich im Beckeneingang za fühlen, indem der in das 
Becken hineinragende Teil im wesentlichen durch eine grosse 
Kopfgescbwillst dargestellt wird. 

Bei dieser Lage der Dinge müsste ich mich, meiner 
Ansicht nach, zunächst nnbedingt abwartend verhalten:, 
weil die Eröffnung des Muttermnndes noch keine voll¬ 
kommene, die Wehen unregelmässig und wenig intensiv 
waren, konnte nicht iu Abrede gestellt werden, 
dass der Kopf, wenn es gelingt, die Wehen re¬ 
gelmässig nnd damit vielleicht wirksamer zn machen, 
nach völligem Verstreichen des Muttermundes sich doch 
noch oonfiguriert und in’s Becken tritt; waren doch drei 
Kinder, wenn auch vielleicht schwer, unzerstückelt durch 
das Becken gegangen. War ein Missverhältnis zwischen 
dem Kopfe des Kindes und dem Becken der Matter auch 
zweifellos vorhanden, so kann in solchen Fällen der 
Grad des Missverhältnisses erst nach genügender Beo- 
bachtnngszeit erkannt werden. Zudem zwangen weder 
das Befinden des Kindes noch das der Matter zn sofor¬ 
tigem Eingriff, obgleich letztere als recht angegriffen be¬ 
zeichnet werden konnte. Die. subfebrile Temperatur der 
Matter konnte andererseits als einen Eingriff kontrain¬ 
dizierend angesehen werden. 

Die Kreissende erhielt alsbald nach der Untersuch ang 
Morphium (0,01) subkutan, worauf die Wehen längere 
Zeit sistierten, am dann in Pansen von 5 Minuten mit guter 
Kraft wieder einznsetzen. Nach 12-stündiger Beobachtang 
erschien der Kopf fester auf den Beckeneiugang gepresst, 
die Kopfgeschwulst grösser, der Muttermund nnr wenig 
weiter. Daher wurde noch eine Gabe Morphinm verabreicht, 
worauf die Kreissende einige Standen schlief. Nach weiteren 
9 Stunden war, obgleich relativ kräftige Wehen sich wieder 
entwickelt hatten, doch kein nennenswerter Fortschritt zn 
konstatieren- Die Herztöne des Kindes waren dauernd normal 
geblieben. 

Nunmehr, nach ca. 20-stündiger Beobachtung, musste 
die Hoffnung auf spontane Erledigung des partas aller¬ 
dings aufgegeben werden nnd es galt die richtige Indi¬ 
kation zu stellen. 

Obgleich die Extraktion des perforierten Fötus in für 
die Matter schonender Weise möglich gewesen wäre, 
konnte dieses Verfahren doch nicht in Betracht gezogen 
werden, da das Kind lebte; die «hohe Zange» (der 
Kopf stand über dem Becken) konnte im vorliegenden 
Falle nicht zum Ziele führen and wäre meiner Ansicht 
nach eine fnr Matter und Kind gleich gefährliche Ope¬ 
ration gewesen. Wenn die «hohe Zange* das bestehende 
Geburtshindernis zu überwinden vermag, so vermag die 
H o fm e i e r’sche Impression des Kopfes dieses auch zu 
leisten und dazu in viel sclionenderer Weise; diese musste 
also versucht werden. 

Bei der grossen Wahrscheinlichkeit des Missliogens 
der Impression musste aber für die dann endgiltig zum 
Ziel führende Massnahme vorher die nötige Vorbe¬ 
reitung getroffen werden. Gegeben war dann die rela¬ 
tive Indikatinu zur Sectio caesarea; diese musste in die¬ 
sem Falle aber unbedingt umgangen werden, es sei 
denn, dass der Uterus amputiert und der Stumpf extra¬ 
peritoneal gelagert wird. Es ist eine bedauerliche 
Tatsache, dass Schauta Recht hat, wenn er die 
Asepsis des Genitalapparats nicht mehr als vorhandeq 
aosehen zn dürfen glaubt im Falle «irgend jemand» 
vor ihm untersucht hat; an jedem grösseren Material 
findet inan in unzweifelhaften Zahlen den Beweis für 
Gefährlichkeit der oft sinnlos häufigen vaginalen Unter- 



- Bigitize 





109 


Stichlingen, wenn sie nicht wirklich mit all den Kaatelen 
ansgeführt werden, die jedem geläufig sein mussten, der 
sonst zu solchen Untersuchungen berufen ist. Hält 
Sc ha uta sich für berechtigt, auch Äerzten, die vor¬ 
her die in Betracht kommenden Kreissenden untersucht 
haben, nicht genügendes Vertrauen zu schenken, so wird 
man ihm darin leider nicht widersprechen könueu; 
Hebammen, die bei längerer Geburtsdauer die Kreissende 
aseptisch erhalten, gehören vollends zu den Ausnah¬ 
men. Gerade in den Fällen, die in ihrem Verlauf grös¬ 
sere Eingriffe heischen, tritt die Fehlerhaftigkeit der Vor¬ 
behandlung in grelles Licht, znmal ein Kaiserschnitt bei 
einer Frau, die von einer Hebamme «sehr oft» unter¬ 
sucht ist, erseheint mir auch nach eigenen trüben Er¬ 
fahrungen streng kontraindiziert. 

Im vorliegenden Falle blieb mir also nur eine Mög¬ 
lichkeit nach etwaigem Misslingen der Impression — die 
-Syraphyseotomie. Diese wurde, da die Impression in 
tiefer Narkose auf unüberwindlichen Widerstand stiess, 
denn auch sofort angeschlcsseu. 

Opeiation: Nach entsprechender aseptischer Vorbereitung 
wird der Hautschnitt in der Medianlinie über der Symphyse 
ange'egt, ein krummes geknöpftes Messer von oben her z. T. 
Linier die Symphyse geführt und diese bis zur Hälfte leicht 
durchschnitten; nach geringer Aeuderung der .Schnittrichtung 
gelang es eiu scheinbares, knöchernes Hindernis zu nmge- 
hen und den Schnitt bis zum lig. arcnatnm zu verlängern. 
Da der Kopf sich auch nun noch nicht io’s Becken drücken 
liess, musste auch das lig. arcnatnm durchtrennt werden, 
worauf der Kopf mit der Zange sich leicht in’s Becken ziehen 
liess; die Symphysenendeu wichen dabei um 6—7 cm. ausein¬ 
ander. Nach zweitmaliger Anlegung der Zange konnte der 
Kopf des lebengfrischen Kindes ans dem Becken herausgeho- 
ben werdeu, jedoch nicht ohne Verletzung der vorderen 
Comniissur. Die dabei entstandene Blutung war gering und 
stand anf kurzdauernde Tamponade; die Harnröhre und 
Blase blieben intakt. In das Bindegewebe vor der Symphyse 
wurden einige Seidensuturen gelegt und die Hautwunde 
znm grössten Teil durch Silknähte geschlossen; durch deu 
oberen Wnndwitikel wnrde ein Gazestreifen bis auf die Sym¬ 
physe geführt, ebenso der Raum hinter der Symphyse drai- 
nieri. Die Piacenta hatte sich alsbald nach Gebart des Kindes 
spontan gelöst und war leicht exprimiert worden. Das Kind 
wog 3700 gr. und wurde von der Mutter, mit Beihilfe einer 
Amme, genährt. Die Heilung verlief mit bald nachlassender, 
anfangs reichlicher Wnndsekretiou; die höchste Temp. war 
38,5 am 4 Tage, erreichte mehrfach 38,0 im Laufe der ersten 
zwei Wochen, um dann normal zu bleiben. Eine im Laufe des 
Wochenbettes anfgetretene Cystitis heilte nnter entsprechen¬ 
der Therapie völlig ans. Nach Anlegung eines Verbandes war 
Pat. zwischen zwei Sandrolleu, die anf schiefer Ebene gegen 
das Becken drückten, gelagert worden. 

12 Tage nach der Operation klagte Pat. über heftige 
Schmerzen im Kreuz, die auf Verietznug des rechten Ileo- 
sacralgelenkes bezogen werden mussten. 6 Wochen nach der 
Operation veriioss Pat. das Bell; die Symphysenenden waren 
unterdessen fest mit einander verwachsen. Bald nach Ver¬ 
lassen des Bettes machte Pat. die ersten selbständigen 
Gehversuche, die anfangs sehr viel Mühe machten, weil die 
allgemeine Schwäche der Kranken eine sehr hochgradige 
war; die Symphyse bot ebenso wenig eine Behinderung beim 
Gehen, wie die Ileosacralgelenke 8 Wochen nach der Opera¬ 
tion ging Pat. ohne Stütze mühelos umher, ohne irgend welche 
Schmerzen zu empfinden. Einige Monate nach der Entlassung 
stellte sich die Matter mit dem lebenden Kinde vor, sie hatte 
sich im allgemeinen erholt and war ebenso leistungsfähig 
wie vor der Gravidität. 

Mit dem Erfolge der beschriebenen Operation muss 
man, wie mir scheint, zufrieden sein, weil bei anderen 
Massnahmen entweder das Kind hätte geopfert werden 
müssen oder die Gefahr für die Mütter sich mindestens 
wesentlich erhöht hätte. Das lange Krankenlager war 
z. T. durch den von vornherein sehr elenden Allge¬ 
meinzustand bedingt und hätte Pat. sich nach einem 
Kaiserschnitt nicht schneller erholt, wenn nicht gar bei 
den viel empfindlicheren Verhältnissen der Exitus das 
Krankenlager verkürzt hätte. Jedenfalls dürfte die 
Brauchbarkeit der Symphyseotomie an einem Beispiel zu 


zeigen, berechtigt sein, da, wie mir scheint, die Frequenz 
der mittleren Beckenverengungen rhachitischeD Ursprungs 
in unsrer Stadt zuniramt und ein. Beitrag zur Therapie 
des engeo Beckens im allgemeinen auf das Interesse der 
Herrn Kollegen rechnen darf. 


Referate. 


Axel Eur6u. Ueber Aethernarkose nach der Tropf¬ 
methode. Hygiea. 1904. Sept. 

1. Aether kann ebenso wie Chloroform tropfenweise mit 
einer gewöhnlichen offenen Maske angewandt werden; es 
zeigt dann nicht die von anderen Aetherisierangsmethoden 
bekannten Ungelegenheiten beim Einleiten der Narkose, wird 
leicht auch von kleinen Kindern vertragen und gfebt eine 
durchweg ebenso ruhige Narkose wie Chloroform, während 
sich zugleich die Ungefährlichkeit des Aetbers im Vergleich 
mit Chloroform bei der Tropfmethode mehr gellend machen 
kann als bei älteren Formen der Aethernarkose. 

2. Ans diesen Gründen kann eine Aethernarkose Dach der 
Tropfmethode mit grösserer Zuversicht als andere Formen 
von Narkosen ungeübteren Händen überlassen werden. 

3. Bei Erwachsenen sichert eine sabkatane Morphiuminjek¬ 
tion V 4-1 /* Stunde vor der Narkose den Eintritt und die 
genügende Tiele derselben. Ist vor der Narkose kein Mor¬ 
phium gegeben worden, so mnss man häufig(Potatoren), nach 
vorhergehender Morphiumdosis nnr ausnahmsweise, einige 
Tropfen Chloroform anwenden, nicht zum Einleiten der Nar¬ 
kose, sondern für deu Uebergang derselben vom Exltatiotis- 
zum Toleranzstadinm. 

4. Die Aetbertropfraethode lässt sich auch zur Erzeugung 
des sog. Aetherrausches (S u d e c k) anwenden nnd ausserdem 
selbstverständlich mit jeder Form von Lokalanästhesie kom¬ 
binieren. 

Bach. 


BOcheranzeigen und Besprechungen. 


H. Kisch. Das Geschlechtsleben des Weibes io phy¬ 
siologischer, pathologischer und hygienischer Be¬ 
ziehung. Erste Abteilung. Verlag von Urban nnd 
Schwarzenberg, Berlin und Wien. 1904. 

Das vorliegende Werk soll in 4 Abteilungen erscheinen 
and eine nmfassende Darlegung des Geschlechtslebens des 
Weibes, der physiologischen Sexualtätigkeit, der pathologi¬ 
schen Veränderungen dieser Funktionen, wie der Beeinflus¬ 
sung der somatischen nnd psychischen Vorgänge von dem 
Genitalapparat ans, geben. Bisher ist die erste Abteilung 
erschienen. Diese bringt in ihrem ersten Teil einen allge¬ 
meinen, die Ge8chlechtsverrichtnngen des Weibes in itaren 
Beziehungen zura Gesammtorganismas darlegenden Abschnitt, 
dahin gehören die Menstruation, Pubertät, Beziehungen za 
dem Gesainmtorganismus. 

Verf, der ein Gesamtbild der Sexualtätigkeit des Weibes 
zu zeichnen versucht, wirft manches Streiflicht anf das kul¬ 
turelle nnd das hygienische Gebiet, anch aus der alten Ge¬ 
schichte führt er manche Beobachtangen an. Manche Ka- 

S itel werden besonders ausführlich besprochen, weil die Hand- 
Ocher der Gynäkologie auf manche das physische, psychische 
und soziale Verhalten des Weibes bezügliche Fragen zu 
wenig eingehen. Die folgenden Abteilungen werdeu uicht 
minder interessante Fragen berühren, wie die Pathologie des 
Geschlechtslebens, die sexuelle Hygiene, das Heiraten kran¬ 
ker Mädchen etc. 

Lin gen. 


Digitized by Google 



110 


Hermann Frey. Ueber die spezifische Behandlung 
der Tnberknlu8e (Tuberkulin- nnd Sernmtherapie). 
(Leipzig: und Wien, Franz Dentioke 1905). 

Verf, Arzt in Davos, tritt für die Notwendigkeit einer 
spezifischen Behandlung der Tuberkulose ein, um nicht nur 
klinische, sondern auch anatomische Heilung derselben zu 
erreichen. SpecieÜ bespricht er die Behandlung mit De- 
n y sichern Tuberknlin («Bouillon filtrö du bacille de Koch») 
und dem Marmore k'scheu Serum antituberculeux. Die 
Grundlage der Heilwirkung der Tuberkuline sieht er in der 
lokalen Hyperaeinie um die tuberkulösen Herde. «Wenn die 
Reize, die eine solche Hyperaeniie erzeugen (Tuberkulinein- 
spritKungcn) ziemlich rasch aufeinander folgen, so tritt im 
Bereich der hyperaemischen Zone eine serofibrinöse Transsu¬ 
dation und Leukozyten!uvasion ein und diese Faktoren sind 
es, die die Heilung vollbringen». Nach Verf. verdient das 
Denys’sche Tuberkulin vor anderen Praeparaten deswegen 
den Vorzug, weil es rein mechanisch (Filtration durch Cham- 
berland’sche Kerzen; sterilisiert sei nnd nicht verschie¬ 
denen Manipulationen unterworfen werde (Einengen im Brut¬ 
schtank oder Vacuum, starker Glycerinznsatz, Verdünnen mit 
Karbollösuug), deren Unschädlichkeit für die Wirksamkeit 
des Praeparates nicht ohne weiteres als bewiesen anzusehen 
Ist Verf. giebt Näheres über die Dosierung und die sonstige 
Methodik der Injektionen an. ln schweren Fällen, wo auf 
die beiieude Reaktion seitens des Organismus nicht mehr zu 
rechnen ist, verwendet er behufs passiver Immunisierung das 
M a r m o r e k’sche Antituberknloseseruin. Verf. erblickt in 
demselben ein antitoxisches Serum, (was mit Marm orek’s 
eigener Anschauung nicht gauz übereinstimmi) und ist über¬ 
zeugt, dass demselben eine grosse therapeutische Bedeatung 
za komme. Unangenehme Nebenerscheinungen sind nicht häu¬ 
figer und nicht schwerer als sie überhaupt bei Injektionen 
von Pferdeserum gelegentlich Vorkommen können. Die durch¬ 
aus oberflächliche Beurteilung, der das Serum in der Pariser 
Akademie de M6d6cine unterzogen wurde, wird vom Verf. 
gebührend beleuchtet. (Die Krankengeschichten der von 
Frey mit Serum behandelten Fälle sind bereits vorher in 
der Münchener med. Wochenschrift publiziert worden.) 

a. F e 1 d t 

Sobotta. Atlas der descriptiven Anatomie des Men¬ 
schen. Teil II. Eingeweide, einschliesslich des Her¬ 
zens. (Bd. III der raedizin. Atlanteu). Lehmann. 

Der vorliegende II. Band reiht sich in jeder Beziehung 
würdig dem eisten an. Während bei der Knochen- und Bän¬ 
derlehre eine rein deskriptive Darstelluugs- und Abbildungs¬ 
weise möglich nnd angebracht ist, ist dieselbe in der Splancb- 
nologie, wenigstens teilweise, eine mehr topographische — 
und dieses nicht zum Schaden des Werkes. Auf 19 farbigen 
Tafeln und 187 Abbildungen, von denen jede einzelne ein 
Kunstwerk ist, haben wir eine meisterhafte Darstellung der 
einschlägigen Gebiete vor uns. 

Der beigegebene Grundriss, der ebenso wie der vom ersten 
Bande auch unabhängig als Handbuch zu jedem Atlas be¬ 
nutzt werden kann, giebt eine klare und erschöpfende Dar¬ 
stellung, mit besonderer Berücksichtigung und vielfachen 
Verweisungen auf den Atlas. 

Obgleich man bei Werken aus dem Lehman n’schen Ver¬ 
lage an hervorragende Leistungen auf dem Gebiete bildlicher 
Darstellung gewöhnt ist, erfordern die Tafeln des vorlie¬ 
genden Atlas doch noch eine besondere lobende Erwähnung. 

Wiehert 

Dr. Franz Mracek. Atlas und Grundriss der Haut- 
0 krankheiten. Zweite vielfach verbesserte und er¬ 
weiterte Auflage. Lehmann’s Medizin. Handat¬ 
lanten. Band V. München 1904. J. F. Lehmann’s Ver¬ 
lag. Dauerhaft gebunden 16 Mark. 

Die L eh m a n n’schen Handatlanten haben sich dank der 
vorzüglichen, geradezu künstlerischen Ausführung ihrer Ab¬ 
bildungen und farbigen Tafeln und der Eigenschaft einer 
übersichtlichen didaktischen Behandlung des Materials einen 
hervorragenden Platz in der medizinischen Fachliteratur er¬ 
worben, die Zahl der erschienenen Atlanten beläuft sieb be¬ 
reits auf 31 und sind noch einige in Vorbereitung. Einige 
derselben sind bereits in mehreren Auflagen erschienen; so 
liegt auch von dem Atlas der Hautkrankheiten wiederum 
eine neue Auflage vor, welche im Vergleich zu der im Jahre 
1896 erschienenen ersten Auflage eine ganz ungeheuere Be¬ 
reicherung an farbigen Tafeln erfahren, auch hat der Text 


eine Umarbeitung erleiden müssen, entsprechend den grossen 
Fortschritten, welche auf dem Gebiete der Dermatologie in 
den letzten Jahren gemacht worden sind. 

Einer besonderen Empfehlung bedarf dieser Atlas nicht 
weiter. Der Name des Verfassers desselben garantiert ja für 
die Güte vollständig. 

Hecker. 

Prof. A. Eolenburg. Untersuchung des Nervensy¬ 
stems. Mit 48 Figuren. Sonderabdruck aas dem 
Lehrbuoh der klinischen Untersuchangsmethoden. 
Verlag von Urban nnd Schwarzenberg. 1904. 

Auf 123 Seiten giebt der Verf. eine klare und nmfasseude 
Anleitung für die Anwendung aller bei der Untersuchung 
des Nervensystems in Betracht kommenden Methoden, unter 
welchen auch die Errungenschaften der aliernenesien Zeit ge¬ 
bührende Beachtung erhalten. Das Buch wird sowohl dem 
Lernenden wie dem Praktiker von grösstem Natsen sein. 

Michelson. 


Mitteilungen 

aas der Gesellschaft praktischer Aerzte 
za Riga. 


1401. Sitzung vom 7. April 1904. 

1. Dr. M. Eliasberg hält seinen angekündigten Vortrag I 
«Ueber familiäre amaurotische Idi otie. 

Mir dem Namen «familiäre amaurotische Idiotie», benannte 
Prof. Sachs, Prosektor an der New-Yorker Poliklinik, eine 1 
ganz bestimmte Krankheitsform. «Mit diesem Namen» sagt 
8 ach 8, «habe ich (1896) eine Krankheitsform bezeichnet, die 
mir schon seit den letzten 10 Jahren ihren Haupizügen nach 
bekannt ist. Die charakteristischen Vet ändern tagen im Auges¬ 
hintergrund sind von verschiedenen Ophthalmologen beschrie¬ 
ben worden, doch ist das Krankheitsbild von den Neurologen I 
und Pädiatern, nam. auf dem europäischen Continent, wenig 
beichtet worden». (Deutsche mediz. Wochenscltr. 1898, p. 33). 

Im Jahre 1881 machte Waren Tay (Traosactions of tbe 
ophth. Soc. of the United Ringdom Vol. I) auf einen seltenen 
Augenbefund aufmerksam, den er bei einem 12 mon. Kinde I 
konstatierte. Es handelte sich «um symmetrische Verände¬ 
rungen in der Gegend der Macula lutea —, das Kind konnte 
den Kopf kaum aufrecht halten und die Glieder nur wenig 
bewegen- Die geistige Entwickelung war ungenügend. Bei 
der 1. Untersuchung schienen die Papillen vollkommen ge¬ 
sund zu sein, aber in der Gegend der Macula lutea wir 
eiu deutlicher, etwas diffaser, weisser Fleck, mehr oder weni¬ 
ger kreisrund, in dessen Centrnm ein bräunlich-roter Pankt 
zu sebeu war, der stark vou dem weissen Felde abstacb. 

Tay glaubte, dass es sich um eine kongenitale Veränderung 
handle. Bei einer 2. Untersuchung 5 Monate später bemerkte 
er, dass die Papillen atrophisch geworden, aber die Verände¬ 
rungen in der Macnla dieselben waren. 3 Jahre später be¬ 
richtete Tay (1. c. Vol. IV. 1884) dass in derselben Familie 
3 ähnliche Fälle vorgekommen nnd dass in allen der ophttol- 
moskop sehe Befund und die sonstigen Erscheinungen ganz 
dieselben gewesen sind. Ferner, dass alle drei Kinder vor 
Beendig an ff des 2. Lebensjahres der Krankheit erlegen seien», j 
Sachs: Deutsche med. Wocheuschr. 1898, pg. 22. 

Nach einer Analyse von 10 Fällen entwirft S achs dw 
Krankheitsbild, welches er «ein ungemein deutliches» neMt 

i \. c. pg. 33). «Bei der Geburt und in den ersten Wochen des 
jebens erscheinen die Kinder vollständig normal. Nach Ver¬ 
lauf vou 2 bis 4, sogar von 8 Monaten bemerken die 
Eltern, dass die Kinder teilnamlos sind, dass sie sich wenig 
um ihre Umgebung kümmern, dass die Augen hin- nnd her¬ 
gerollt werden, dass sie sich weder aufsetzen, noch den Kopf 
gerade halten können, und dass spontau wenig Bewegungen 
ausgeführt werden. Die Beeinträchtigung des Gesichtssinne» 
wird oft erst nach Monaten von den Eltern vermutet 


Digitized b> 


Goog 




111 


bei der ärztlichen Untersuchung lässt sich dann der aoffal- 
lende und charakteristische Augenbefund konstatieren. Die 
Schwäche der Extremitäten nimmt allmählich zu and so 
kommt es dann zu dem Bilde einer mehr oder weniger kora- 
pleten Diplegie. Diese ist oft spastischer Art, kann aber auch, 
wie ich besonders betonen will, schlaffer Natur sein, wie in 
meinem 1. Falle. Vor Ende des ersten Lebensjahres oder nnr 
wenig später werden die Kinder total blind, die voll* 
kommen« Idiotie ist deutlich ausgeprägt; es entwickelt 
eich allmählich ein Znstand von Harasmns, d»m die Kinder 
vor Beendigung des 2. Lebensjahres unterliegen. Nor ein 
einziges Kind, das an dieser Affektion unzweifelhaft erkrankt 
war, ist länger am Leben geblieben and hat bis jetzt das 6- 
Jahr erreicht (I. c. pg. 84). 

Ob dieser letzte Fall nicht einen üebergang zu dem Fall 
Hirse hberg (Centrlbl. f. prakt. Augenheilk. Januar 1904) 
darsteilt? 

Es wird dann genauer die Arbeit von Hohr: «Die 
Sachs’sche familiäre amaurotische Idiotie» (Aich. f. Augen¬ 
heilk. Bd. 41, 1900, pg. 285—310) referiert. Der Mohrsche 
Fall ist, wenn mau nur diejenigen in Betracht zieht, welche 
von den Autoren selbst beobachtet worden sind, der 36. Von 
anatomisch-histologisch Untenachten ist. er der 7.; and der 
4. ist er endlich, wo die Angen mikroskopisch antersacht 
worden sind (1. c. pg. 297). Nach dem Jahr 1900 sind 
publiziert worden: 

A. Scbapringer (clt. nach Centrlbl. f. prakt. Angenheilk. 
3902, pg. 177). 

Prof. K. Schaffer. (Wien. klin. Rundschau 1902, Nr. 16; 
dt. nach Centrlbl. f. prakt. Augenheilk. 1902). 

Falkenheim: 4 Fälle; giebt die Zabl der von Aerzten 
gesehenen Fälle anf 47 an (refer. in der Zeiischr. f. Augen- 
heilk. Bd. 8. 1902, pg. 351). Jahrbuch für Kinderheilk. 1901. 
N. F. L1V. Heft 2., ausführliche Literaturangaben enthaltend. 

Wachen heim. (Newyorker med. Monatsschr. 1902, 
pg. 162). 

Prof. B. S a c h s: «ein weiterer Beitrag zur familiären amau¬ 
rotischen Idiotie, einer Erkrankung hauptsächlich der grauen 
Substanz des Centralnervensystems». (Dentscb. med. Wochen¬ 
schrift 1903, Nr. 28, pg. 494—497. 

C. Geisner: (Münchener med. Wochenschr. 1903, Nr. 7, 
pg. 295. 

Lange: Demonstration eines Kindes mit fam. amaurot. 
Idiotie in der inediz. Gesellseh. za Leipzig (21. Jnli 1903), 
(eit. nach der Münchener med. Wochenschr. 1903, pg. 1657, 
Nr. 38.) 

Dr. A. Mülberger’s Fälle (Münchener med. Woch. 
1903, pg. 1968, Nr. 45) sind nicht einwandsfrei. 

Mein Fall: 1. Untersuchung am 15./28. Janoar 1904. 

Die Kranke Chana Lifschitz, Jüdin, 7 Mon. a., gebürtig ans 
Polotzk, Gonv. Witebsk, ist mir behufs genauerer Augen- 
untersuchang vom Kollegen Schönfeldt zugeschickt worden; 
ich verdanke ihm auch die Notizeo über den allgemeinen, 
wie geistigen Zustand der kleinen Patientin. Die Diagnose 
ist io diesem Falle, wie in den meisten früheren, erst vom 
Ophthalmologen gestellt worden. Die Matter 32 a. n., der 
Vater 35 a. n., die Ehe besteht seit 11—12 Jahren. Keine 
Blotsverwandschaft. Die Matter behauptet Immer gesund 
gewesen zu sein. Ihr Mann soll auch keine besonderen 
Krankheiten durchgemacht haben. Von 7 Kindern sind 4 ge¬ 
storben. Die Geburten, die znr richtigen Zeit kamen, verlie¬ 
fen normal. 

Das erste Kind, ein Mädchen (1 */« Jahr nach der Hochzeit), 
starb an Krämpfen in einem Tage, 7 Monate alt. 


Das 6. ist iro Alter von 9 Wochen an «Hasten» gestorben. 

Das 7. ist die vorgostellte Chana Lifschitz, 7 Monate alt, 
sie hält sich steif; die unteren Extremitäten in Extension; die 
Arme werden weniger bewegt. Glänzende Gegenstände wer¬ 
den mit den Augen verfolgt, doch nicht bis znr Endstellung 
derselben. Akustische Reize, — wie eine in der Nähe des 
Ohres zum Klingen gebrachte Tischglocke — rufen keine 
Reaktion hervor. Nadelstiche werden garniebt oder sehr wenig 
percipieit; der Gesichtsausdrnck ist stampf. Die Matter 
suheiut sie nicht za erkennen, da sie von einem fremden 
Manne dauernd getragen wird, ohne die dabeistehende Mutter 
zu berücksichtigen; hierbei ist za bemerken, dass sie von der 
Mutter gestillt wird. Das 7 monatige Rind ist nicht im 
Stande zu sitzen, hält den Kopf nach vorn geuelgt. Keine 
Atrophien am Körper. Sehnenreflexe infolge der steifen 
Haltung der Extremitäten nicht auszolösen; Hantreflexe vor¬ 
handen, nicht gesteigert; kein Fassklon ns, kein Babinski. Der 
H en neberg’sche Reflex des hinteren Gaumens ist stets 
leicht ausznlösen: beim Bestreichen des hinteren Ganmens 
von hinten nach vorn entsteht eine deutliche Contraktion des 
Orbicularis oris mit nachfolgenden Sangbewegnngen der Lip¬ 
pen (Hypothese: rndimentärer Saogreflex infolge Ausschal¬ 
tung der cortico-nacleären Bahnen Oppeoheim-Henne- 
b e r g). 

Die Angen erscheinen änsserlich normal, die Angenbewegang 
nnd die Stellang der Lieder sind normal; die Papillen gleich weit, 
von norm. Grösse, reagieren anf Lichteinfall, die hrechenden 
Medien klar. Beim Ophtbalmoskoplren stellt die Patientin 
immer die Macula lutea ein, anch wenn längere Zeit [_z. ß. beim 
Anfzeichnen) antersacht wird. Die Macula lutea beider Augen 
zeigt die gleichen Verändernngen; sie sind weiss gefärbt 
und nur deren M i 11 e ist in der Grösse einer nicht erwei¬ 
terten quer-ovalen Pupille — etwa kirschrot. Wir habqn 
also einen qnerovalen hellroten Fleck (an der Stelle der Fovea 
centralis), welcher von einer ebenfalls querovalen hellweissen 
(vielleicht mit einem Stich ins Bläuliche) Zoae amgeben ist. 
Die bellweisse Zone ist ca. 1'/* mal so breit, wie die Papille 
Die Entfernung des nasalen Randes der weissen Zone vom 
temporalen Rande der Papille ist ca. I 1 / 1 P- D. Znr weissen 
Zoue ziehen von oben nnd nnten Blutgefässe von scheinbar 
normaler Füllnng and Beschaffenheit, welche sich in der 
Peripherie der weissen Zone verlieren. Die Papille des Seh¬ 
nerven erscheint anf beiden Angen weisslich. Die Blutgefässe 
normal and nicht geschlängelt. 

Wir haben also vor ans einen typischen Fall von am. fam. 
Idiotie. Die Aetiologie ist ganz dunkel: weder SyphiUs, noch 
BlnteVerwandtschaft and hereditäre Momente sollen eine wesent¬ 
liche Rolle spielen. Die Rasse scheint insofern einen wichti¬ 
gen, pathologischen Faktor zu repräsentieren, als die sämmt- 
licben bis jetzt publizierten Fälle bei Juden vorgekommen 
sein sollen. (Higier: Znr Klinik der familiären Optikns- 
affektionen, deutsche Zeitschr. f. Nervenheilk. 1897; vol. X, 
pg. 503). Carter (Arch. of Ophth. and Otology 1894, pg. 126) 
war nach Sachs (1. c. pg. 35) der 1., der den Umstand be¬ 
tonte, dass diese Erkrankung bes. bei KiDdern jüdischer 
Familien vorkomme. Sachs sagt ferner: «ans den oben ange¬ 
führten Fällen waren alle Kinder solcher Abstammung. Wenn es 
sich hier am eine reine Rasseaffektion hanielt, so ist es doch 
sehr auffallend, dass andere familiäre Erkrankungen, die der 
hier beschriebenen nicht (entstehen, unter allen Rassen und 
Nationen beschrieben worden sind». 

Was die anatomischen Verändernngen betrifft, so fasst 
dieselben Mohr (1. c. pg. 310) folgendermasseu zusammen: 
«grosser Faseraasfall im Gehirn in der Oblongata und im 
Rückeumarke, bes. in den Pyramidenbahnen. Gänzliches Feh¬ 
len oder rudimentäres Vorhandensein der Pyramidenzellen; an 
einzelnen Stellen fettige Degeneration, Gliahypertrophie. Im 
Auge: Oedema maculae Inteae, Zunahme der Ganglieuzellen- 
schicht, Sehnervenschwand». 


Das 2., ein JuBge, lebt bis jetzt, ist 8 Jahre a. Ich hatte 
Gelegenheit denselben zu untersuchen, da ihn die Matter 
mitgenommen hatte: Salman Lifschitz hat volle Sehschärfe 
auf beiden Augen; der Angenhintergrnnd, anch die Gegend der 
Macuia lutea beiderseits vollkommen normal. Pupillen normal. 
Er leidet seit der Geburt an Ohrenfluss. Zeitweilig soll er 
psychisch nicht ganz normal sein; er tobt dann ohne seine 
Umgebung za beachten; hierauf beruhigt er sich wieder. 

Das 3., ein Junge, starb 2 1 /* J. a. Er litt nach Aassage der 
Matter an derselben Krankheit, wie die vorgestellte Chane L. 
und hatte oft Krämpfe. Das 4. starb 7 Mon. a- 

Das 5., ein Knabe, ist jetzt 3 J. a., leidet seit der Gebart an 
den «Langen»; im vorigen Jahre wnrde ihm in Polotzk eine Rippe 
reseziert; es kam viel Eiter heraus; jetzt soll ihm die andere 
Seite Bcbmerzen. Die Angen sollen gesund sein, der geistige 
Zustand normal. 


Holden (cit. nach F a 1 k e n h e i m 1. c. pg. 146) fand je¬ 
doch kein Oedem der Retina, die optici waren einfach degene¬ 
riert. Die Erkrankung der Ganglienzellen in der Macula Ist 
vielleicht deijenigen der Ganglienzellen der Grosshirurinde 
coordiniert. Sachs dachte anfangs au eine Agenesis corti- 
calis, ist aber jetzt der Ansicht, dass es sich i.ier um eine 
Aftektion hauptsächlich der centralen grauen Substanz im Ge¬ 
hirn sowie im Rückenmarke handelt und, dass die Entartung 
der weissen Fasern in den vordeien und Seitensträngen 
höchstwahrscheinlich eine sekundäre ist Auch F a I k e n h e i m 
(1. c. 144) ist der Ansicht, dass es sich um einen jeglichen 
entzündeten Charakters bareu, schwer degenerativeu Prozess 
handelt, der post partum das ausgebiidete Centralnervensy¬ 
stem befällt». 


Therapia nulla, eine Prophylaxe dieser Krankheit kennen 
wir nicht. 


(Autoreferat). 


Digitized by i^OOQle 



112 - 


Dr. M. Schönfeldt: Oie Bezeichnung «Idiotie» für die¬ 
ses zunächst noch ganz rätselhafte, aber ungemein scharf 
gekennzeichnete Krankheitsbild ist nicht glücklich gewählt. 
Wir verstehen doch nnter «Idiotie» einen mehr stabilen Zn- 
stand, während es sich hier nm einen — nnd zwar naheza 
foudroyant — tortschreitenden, in fast allen Fällen zum Tode 
führenden (nicht entzündlichen!) Degenerations-Prozess des 
CN Systems handelt. — Dieser Syinptoinenkoinplex beruht anf 
einer Entwicfeelnngshemmnng, einer fehlerhaften Anlage des 
N-Systems, gehört zu den sog. «endogenen» Prozessen (im 
Sinne 8 t.r ti m pe 11 ’s) and zeigt sehr intime Verwandtschaft 
mit anderen familiären Erkrankungen (infantile Cerebralläh¬ 
mung, spastische Diplegie etc.), denn es sind nicht nur Ueber- 
gangsforinen der einzelneu Typen beschrieben, sondern auch 
das Vorkommen all’ dieser verschiedenen Formen in dersel¬ 
ben Familie. 

ln Bezug auf die auffallende Praevalenz des jüdischen 
Volksstammes in der Statistik muss natürlich an erster Stelle 
an die ausserordentliche, heredit. — neuropath. Disposition der 
Juden überhaupt gedacht werden; dann aber muss auch be¬ 
rücksichtigt werden, dass das jüdische Kraukenmaterial in 
der ärztlichen Statistik der Stamraesgenossen auch soust 
überall praevaliert. Trotz alledem bleibt ein derartig eiekti- 
ves Verhalten speziell dieser Krankheit zunächst noch aeiio- 
logisch rätselhaft. 

(Autoreferat). 

Dr. Mandelstamm I wendet sich gleichfalls gegen die 
Auffassung dieser Krankheit als sai generis, und somit auch 
gegen die Termiuoiogie. Ihm würde es richtiger erscheinen, 
wenn man für derartige Fälle die Bezeichnung: «Sehstörun- 
gen bei Idioten» brauchte. 

Dr. Tiling macht auf die Aehnlichkeit des Krankheits¬ 
bildes mit der progressiven Paralyse aufmerksam. Die Li¬ 
teratur biete sichere Anhaltspunkte für das Vorkommen der 
letzteren auch im zartesten Kindesalter. Leider fehle bei allen 
diesen Mitteilangen der Aagenbefnnd. 

2. Dr. K e i 1 in a n n demonstriert vor der Tagesordnung: 

a) Ein 3—4-wöchiges Ei, das nach einer langen Eisenbahn- 
fahrt (Baku—Riga) spontan ausges'tosaen wurde- Das Ei ist 
rings mit Zotten bedeckt. 

b) Eine Decidua vera mit intakter, das junge, 8-10-tägige, 
Ei beherbergender Keflexakapsel. 

c) Zwei vollkommen ausgestossene Deciduen, die von Franen 
mit Tubargravidität stammen. 

d) Eine gravide Tobe mit Rupturstelle, in welcher Placen- 
tarzotten and die Extremitäten des 3-monatichen Fötus sicht¬ 
bar sind. Dis Präparat ist durch Operation bei vitaler Indi¬ 
kation gewonnen. Pat. ist geheilt. Ein Jahr nach der Opera¬ 
tion entwickelte sich eine Gravidität io der anderen Tobe. 
Im Glanben, uteringravid geworden zu sein, hat Pat., so kaun 
man vermuten, einen Abtreibungsversnch an sich vornehmen 
lassen and ist dabei infiziert worden. Die vereiterte Haema- 
toceie war durch die Bauchdecken in der alten Laparotomie¬ 
narbe durchgebioctaen. Nach breiter Eröffnnng wurde ein 
missgestalteter Fötus von ca. 2 Monaten extrahiert. Der Fö- 
tns nnd die wiederhergestellte Frau werden demonstriert. 

(Autoreferat). 

3) Dr. K e i 1 m a n n hält den angekündigten Vortrag : 
«U e b e r‘S ym p li y s e o to m i e». (Der Vortrag ist au der 
Spitze der heutigen Nr. dieser Wochenschrift abgedruckt.) 

Dr. Voss ergänzt die Mitteilungen des Vortragenden über 
die von Dr. Tr ey mann seiner Zelt ansgeführten, nnd Im 
Verein berichteten Sympbyseotomien durch ein Excerpt ans 
den Sitzungsprotokollen vom 17. November 1893, vom 18. 
Mai 1894, nna vom 4. Oktober 1895 wie folgt: 

Sitznug vom 17. November 1893: 

Dr. Treymann referiert über eine Symphyseotomie, die 
er am 16. November 1893 gemacht- (Assistenten: Mühlen 
und Klemm). 

Blutung ans den Schwellkörpern, steht auf Tamponade. 
Zange. Symphyse klafft anf 16 1 /* Cm. Coajngaia vera 
von 8 Cm. 

Sitzung vom 14. Mai 1894: 

Dr. Treymann vertritt die Ansicht, dass heutzutage, wo 
die Symphyseotomie wieder in Aufnahme gekommen, die Per¬ 
foration des lebenden Kindes nur in den seltensten Kälten in¬ 
diziert sein dürfte. Er stellt sich auf den Standpunkt der 
Italiener, nach denen der Symphyseotomie der Vorzug vor 
der Sectio Caesarea gegeben werden müsse — natürlich nur 
innerhalb der für eine Symphyseotomie geeigneten Becken¬ 
verhältnisse. 

Die Deutschen Schulze und Leopold verhielten sich 
ungerechtfertigt ablehnend gegenüber dieser Operation. 

Sitzung vom 4. Oktober 1895. 

Kasuistisches Referat Dr. Trey mann’s. Conjugata vera 
8 Cm. Symphyseotomie. Mutter und Kind gesund. 


Dr. B u 8 c h richtet an Vortragenden die Frage, warom er 
nicht nach der Gigtischen Methode operiert habe? Der Schnitt 
durch den Knochen müsste bessere Heilresnltate ergeben, als 
der durch ein Gelenk- Auch spräche die bei der Symphyseo 
tomie schwierigere Durchführbarkeit der hnobilisierung wie 
auch der Asepsis mehr zugunsten der anderen Methode. 

Dr. Keil mann erkennt die Berechtigung der Pelvitomie 
nach Gigli völlig an Er habe sie in seinem Falle vermie¬ 
den, da sie ihm nicht so geläafig war, wie die Sympbyseo- 
tomie, und er auch keine Säge zur Verfügung hatte. 

Was die Verwachsung der dnrch die Operation gesetzten 
Durchtrennungen betrifft, so sei sie meist überhaupt keine 
knöcherne, sondern eine bindegewebige. Redner hält die an¬ 
gebliche Verkoöcbernng, wie sie bei bereits einmal Sympby- 
seotomierten während der zweiten Operation konstatiert wor¬ 
den, für einen Beobachtungsflehler. Selbst bei eiuer erstma¬ 
ligen Symphyseotomie habe man zuweilen den Eindruck einer 
knöchernen Verwachsung der Sytnpbysenenden. Dies beruhe 
auf einer ongleichmäsBigen Beinhaltung der zn Operierenden, 
und werde durch eine Aberration des Messers von der Me¬ 
dianlinie vorgetäuscht. 

Dr. B r u t z e r : Wäre es nicht möglich eventnelle Funk- i 
Lionsstörungen noch nachträglich durch Silbernähte zu kor¬ 
rigieren? 

Dr. K e i 1 m a n n : Die von Dührsen empfohlene sofortige ( 
Vernähung mit Silberdraht habe nur für kurze Zeit Nach- > 
abmer gefunden. Die Furcht, die benachbarten Organe, (wie j 
Blase etc.) zn verletzen, habe wieder davon zurückgebr&chL 
Bei richtiger Drainage träten funktionelle Störungen meist j 
nicht ein. Redner hat keinen Fall beobachtet. | 

Zweifel sah einmal schon nach 17 Tagen Heilnug. 

Redner hat nach dem Vorgänge Küstner’s allerdingi 
starke Seidennähte zur Verwendung gebracht. 

Für gewöhnlich schliesse sich der Syraphysenspalt schon 
gleich nach der Gebart vollkommen. Die durch die Rücken¬ 
lage allein schon meist komplete Annäherung der Sytnpby- 
senenden könne nor durch seitliche Stützen vermittelst ; 
Bretter, die nach Art der Seitenwände eines Sarges gestellt 
würden, begünstigt werden. 

d. z. Sekretär: S. Krögerjnn. j 


. Vermischtes. 


— Der ansseretatmässigc, ausserordentliche Professor in 
der Universität Juijew (Dorpat), Staatsrat Dr. Zoegev 
Mantenffel, ist zum ordentlichen Professor 
dieser Universität auf den Lehrstuhl d tr 
Chirurgie ernannt worden. 

— Vor einigen Tagen ist Dr. Eduard H e n k i n g, 
bekanntlich im Februar v. J. als Chefarzt einer der erstes 
vom Roten Kreuz ausgerüsteten Sanitätskolonne anf den 
Kriegsschauplatz sich begab, ans dem Fernen Osten wohlbe¬ 
halten nach St. Petersburg zurückgekehrt, db 
sein neues Amt als Leiter der chirurgischen Abteilang i® 
Kinderhospital des Prinzen Peter von Oldenburg zn 
übernehmen. 

— Der Leiboknlist des Allerhöchsten Hofes, Geheimrat Dr 
Tichorairow, ständiges Mitglied des militär-medizinischen 

f elehrten Komitees und beratendes Mitglied des Medizmalrats 
es Ministeriums des Innern, ist zum Mitglieds des Konseils 
der Kais, philanthropischen Gesellschaft ernannt wordeB, 
nnter Belassnng in den bisherigen von ihm bekleideten Aem- 
tern and in der Würde eines Leibokulisten. 

— Der Konsultant der St. Petersbnrger Erziehnngs-An- 
atalten des Ressorts der Kaiserin Msria, wirkl. Staatsrat 
Dr. K n s k o w , ist auf sein Gesuch von dem Am te des 
Direktorgehnltendes hiesigen Marien liospi* 
tals für Arme nnd des mit diesem verbundenen weib¬ 
lichen Alexandrahospitals entbanden worden, 
mit Belassnng in der Stellung als Konsultant bei den genann¬ 
ten Erziehungsanstalten- 

— Vor Kurzem beging der bekannte Chirurg Prof. Dr. Her®- 
Fischer in Berlin sein 50 -jähriges Doktorjubi* 
iänra. Der Jubilar, welcher gegenwärtig im 74. Lebensjahre 
steht, bekleidete von 1868—1890 den Lehrstuhl der Chirurgie 
an der Leipziger Universität und siedelte dann nach Berlin 
über, wo er viele Jahre das Rummelsbarger Krankenhaus leitete. 

— Dem bekannten Kliniker Prof. Dr. Re n v er8, der a fr- 
Arzt der verstorbenen Kaiserin Friedrich war and seit 
mehr als 10 Jahren als Direktor der medizinischen Abteilung 
am Kranicenhause Moabit in Berlin fungiert, ist vom deutschen 
Kaiser der erbliche Adel verliehen worden. 

— Der Taschkentsche Stadtarzt, Staatsrat Dr. Fegl® r » 
ist znm Arzt bei der Person des Chans vou 


> 


Digitized.byi! 




118 


Chiwa ernannt worden, unter Zuzählung zum Militär-Medi- 
zinalressort. 

— Den mit Uniform und Pension verabschiedeten Aerzten-’ 
Dr. S s o k o 1 o w , Brigadearzt der 58. Inf.-Reservebrigade, 
und Dr. K o r n i 1 o w i ts c h . Ordinator der Abteilang für 
Geisteskranke am Warschauer Ujasdow-Hospital, ist nach¬ 
träglich der Rang eines wirklichen Staatsrats 
verliehen worden. 

— Die hiesige «Gesellschaft vonSpeztalärzten» 
hat in ihrer Jahresversammlung am 15. März in den Vorstand 
für das Jahr 1905 gewählt: Zum Präses — Prof. I.Semaoki, 
zum Vizepräses — Dr. A. Eutkowski, zum Direktor der 
von der Gesellschaft unterhaltenen Heilanstalt — Dr. A. 
Drani zy n , zum Leiter dieser Anstalt — Dr. P. Swory- 
kin, zum Sekretär und Kassirer — Dr- W. Helnaz und 
zu Gliedern des geschäftsftthrenden Komitees — die DDr. 
P. M i 1 aj e w b k i, W. Ralaschnikow und L Okint- 
s c h i z (als Stellvertreter). (R. Wr.). 

— Um ein bleibendes Andenken an den verstorbenen Ober¬ 
arzt des Moskauer Alezejew-Irrenhauses Dr. W. Buzke zn 
stiften, wird ein Unterstätzungsverein fär die 
Angestellten in den Moskauer städtischen 
Irrenhäusern in’s Leben gerufen- 

— Der 2. Echelon des Port-Art burschen Ma¬ 
rinehospitals, bestehend ans 9 Aerzten. 16 Schwestern, 
21 Feldschern, 239 Personen der Sanitäts- and Hospitalnann- 
schaft, 242 Veiwundeten u. a. m., ist einem Telegramm aus 
Schanghai vom 20. März an den Hauptmarinestab zufolge, 
dort eingetroffen, am gemeinsam mit dem l. Echelon nach 
Russland weiterznreisen. Mit diesem Echelon traf auch der 
Flaggmannsarzt Dr. Alex. Bunge in Schanghai ein. In 
Port Arthur sind noch 60 Mann der Sanitätstruppe und Hos¬ 
pitalmannschatt mit Dr. Nikolajewski an der Spitze 
auf kurze Zeit zurückgeblieben. 

— Verstorben: 1) Am 17. März za Riga der dortige 
freipraktizierende Arzt Dr. Eugen Lilienthal im 53. 
Lebensjahre, tn Riga geboren und erzogen, widmete sich 
L. von 1873—1879 dem Stadium der Medizin an der Dorpater 
Universität Nach Erlangung des Arztgrades i. J. 1881 liess 
er sich in seiner Vaterstadt als praktischer Arzt nieder. Der 
Hingeschiedene galt als ein gewissenhafter und liebenswürdi¬ 
ger Arzt and erfreute sieb daher bei seinen zahlreichen 
Patienten grosser Beliebtheit. 2) Während der mehrtägigen 
Kämpfe bei Mukden Ist gefallen: der ältere Arzt des 1. Schiit- 
zenregiment8 Dr. Innocenz Gutowski im Alter von 
50 Jahren. Die ärztliche Tätigkeit hat der Verstorbene seit 
1882 ansgeübt. 3) In Moskau der frühere Assistent an der 
psychiatrischen Universitätsklinik Dr. Nikolai Schata- 
1o w im 49. Lebensjahre. Der Verstorbene war ein Schüler 
der Moskauer Universität, an welcher er i- J. 1881 den Arzt¬ 
grad erlangte. Wegen halbseitiger Lähmung musste er bereits 
vor längerer Zeit seine praktische Tätigkeit elnstellen. 4) Am 
80. März n. St. in G ö 1 1 i n g e n der ehemalige langjährige 
Direktor des physiologischen Instituts der dortigen Univer¬ 
sität, Prof. Dr. Georg Meissner, im 76. Lebensjahre. 
Der hingesebiedene Senior der Göttinger med. Fakultät war 
• als Anatom and Physiologe schon in jungen Jahren ein 
hochgeschätzter akademischer Lehrer, denn bereits als Sechs- 
nndzwanzigjähriger wurde er i. J. 1855 ordentlicher Professor 
der Anatomie and Physiologie in Basel. Zwei Jahre Bpäter 
ging er in gleicher Eigenschaft nach Freibarg 1. Br., von wo 
er 1860 als ordentlicher Professor der Physimogie nach Göt¬ 
tingen berufen wurde. Aus der Zahl seiner wissenschaftlichen 
Werke heben wir hier die «Untersuchungen über den Sau¬ 
erstoff» und die «Beiträge zur Physiologie des Sehorgans» 
hervor. 

— Der ältere Ordinator des hiesigen Nikolai-Militärhospitals 
Dr. Viktor Hübbenet, welcher auf den Kriegsschau- 
atz im Fernen Osten als Korpscbirurg fungierte, ist nach 
t. Petersburg: zorflckgekehrl. 

— Das Evangelische Feldlazarett wird jetzt seinen 
Standort im Norden der Mandschurei haben. Die Wahl des 
Ortes, an dem es aufs neue eröffnet werden soll, hängt, wie 
Dr. Schiemann am 17. März telegraphiert, von den Trup¬ 
penbewegungen ab, wahrscheinlich wird er hinter Zizlkar 
liegen. — Dr. K a e g e 1 e r, der mit einer Fliegenden Kolonne 
einige Kosakenregimenter in die Mongolei begleitete, befindet 
sich noch dort und ist gesund. 

— Ausser den von uns bereits namhaft gemachten Aerzten 
sind in Mukden noch die Aerzte K e u ch e l und A d o 1 p h 
Krüger (aas Kurland) in japanische Gefangenschaft geraten. 
Dr. Krüger hat, der «Düna-Ztg.» znfolge, aus Tientsin am 
17 /30. März ein Telegramm abgesandt, in welchem er anseigt, 
dass er Über Indien nach Russland zurückkehre. 


— Die FinDländiscbe Sanitäts ko lonne befinde 
sich bereits auf der Rückreise in die Heimat. 

— Wie der «Now. Wremja» aas Sipingai (Bahnstation) ge¬ 
meldet wird, sind dort am 14. März 24 Aerzte, 228 Sanitäre 
und 2 Priester znFnss angelangt. Sie waren in Mukden 
in Gefangenschaft geraten und von den Japanern als nicht 
nötig zur Behandlung der kranken Russen entlassen 
worden. 

— In den mörderischenSch lachten bei Makden 
sind auch zahlreiche Aerzte Opfer des Krieges 
geworden. In den im «Buss. Inwalid» publizierten Verlustlisten 
luden wir folgende Namen: 

Gefallen: Dr. Innocenz Gutowski, ält. Arzt des 
I. SchÜtzenregiment8. 

Verwundet: die älteren Aerzte Michael Subarew 
(v. Tomskischen Inf.-Reg.), AlexisTarassow (v. 18. ostsib- 
Schützenreg.). Baryscbew vom Primorskischen Dragoner¬ 
reg., der jüngere Arzt des 1. Schützenreg. S. Schechter. 

Kontusioniert: der Divisionsarzt der 3. aibir. Inf.- 
Division I. Tschulowski und der jüngere Arzt Alex. 
Schabkow, der Arzt des 19. ostsibirischen Schützenreg. 
Dmitri Pitscbugin nud die jüng. Aerzte des Willman- 
strandschen Inf.-Reg. Peter Samarin und Engen Bion. 

Vermisst (anbekannt, ob gefallen, verwandet oder 
gefangen): der ältere Arzt Mich. Lewizki und die jünge¬ 
ren Aerzte NI z- Goldmann,8alomon Rosenzweig 
und Joseph Goldblatt v- Tambowschen Inf-Reg., Behr 
Kahn v. a. 25- Artillerie-Brigade. Michael Mallninv- 
9. Tobolsker Inf.-Reg., die Aerzte Nik. Cbanewski. 
Engen Sbrnjew, Valentin Alexandrow und Sa¬ 
muel L e w a n d 6 v. Bolchowscben Inf.-Reg. und der Arzt 
Ppter Piste nuann v. Morschansker Inf.-Reg. 

— Beim Rückzug von Mnkden haben viele Sanitätsabtei¬ 
lungen, die dort und in der Umgegend tätig waren, grosse 
Verloste an Eigentum gebäht So ging der Cbarkower 
Sanitätsabteilung bei dem Rückzuge Eigentum im 
Werte von 15,000 Rbl. verloren. Die Jarosslawer Sa¬ 
nitätsabteilung beziffert ihren Verlost auf 4000 Rbl. 

Aus Moskau ist am 17. März ein in den Werkstätten der 
Nishni-Nowgoroder Bahn formierter Militär Sanitätszug mit 
* dem Oberarzt Dr. L a m b erg an der Spitze nach dem Fernen 
Osten abgefertigt worden. 

— Das Personal des bei Port-Arthur stationierten russi¬ 
schen Hospitaldampfers «Mongolia» wird, mit Ausnahme eines 
Arztes, eines Pharmazeuten und 6 barmherziger Schwestorn, 
nach Schanghai gesandt werden. 

-- Der Kriegsminister hat der Gesellschaft des 
Roten Kreuzes mitgeteilt, dass er ihr 574.152 Rbl. als 
Entgelt der Ausgaben für die Verwundeten und Kranken in 
Lazaretten und Evakuationszügen der Gesellschaft auszahlen 
lasse, und zwar als Anzahlung aaf die von der Gesellsobaft 
vorgelegte Rechnung im Betrage von 1,148,303 Rbl. 95 Kop. 

— Die Hauptverwaltung des rnss. Roten Kreuzes hat, 
wie die «Rnss» erfährt, wegen Mangels an Barmitteln in der 
Hauptkasse, beschlossen, Wertpapiere für '/• Million 
Rbl. zu verkaufen- 

— Da sämmtliche russische Universitäten und auch die 
militär-medizinische Akademie noch geschlossen sind, so wer¬ 
den wohl arfcb die projektierten beschleunigten Prü¬ 
fungen znr Erlangung des Arztgrades nicht zustande 
kommen. Die Studenten des V. Koreas der Charkower 
medizinischen Fakultät haben bereits mit grosser 
Stimmenmehrheit beschlossen, das Staatsexamenjetzt 
nicht abzulegen, ln Odessa konnte das aaf den März 
anberaumt gewesene Staatsexamen in der medizinischen Fakul¬ 
tät nicht staltfindeu, da nur ein einziger von den Examinan¬ 
den die festgesetzte Zahlung entrichtet hatte. 

— Der allrussische Aerztekongress zur Be¬ 
ratung von Massnahmen gegen dieCholera, der 
anfangs vom dortigen Stadthauptmann verboten, in letzter 
Stunde aber vom Minister des Innern gestattet wurde, ist am 
21. März in Moskau durch den Präsidenten der Gesellschaft 
russischer Aerzte zum Andenken an N. J. Pirogow, Dr. 
G a b r i t s c h e w s k i, eröffnet, jedoch, wie aus Moskaa tele¬ 
graphiert wird, bereits am 23. März, also um einen Tag 
früher, als geplant war, geschlossen worden. Zu Vorsitzenden 
wurden die Aerzte Jelpatjewski und Tschenykajew 
gewählt, welche, wie sie in ihren Ansprachen mitteilten, beide 
auf administrative Anordnung von den Orten ihrer Ansässig¬ 
keit noch bis vor kurzem verbannt gewesen sind. Die Zahl 
der Kongressteilnehmer belief sich auf mehr als 1000 Personen. 

— Wie vorteilhaft die Kurpfuscherei auch in aufgeklärten 
Ländern ist, ersieht ina n aus einer Mitteilung der «Frank- 


Digitized by ^ooQie 



fnrter Ztg.», dass der Wanderdoktor Ausmeier in Kircb- 

f indem, einem kleinen Ort im Karhessischen, steuerfreies 
inkonimen für das laufende Jahr anf 130,000 Mark dekla¬ 
rierte. Dieser edle Menschenfreund erkennt alle Krankheiten 
durch einfaches Beschauen des Harns and gibt denen, die 
nicht alle werden, entsprechende Mittel. 

— Das projektierte neue Apotheker-Statut, 
das vom Medlzinal-Departement ausgearbeitet worden, ist, wie 
der «Ssyn Otetsch.» vernimmt, von vielen Städten and Land¬ 
schaften, sowie auch von einigen Begierungs-Insiit'tioiien 
unsympathisch aufgenommen worden. Das Apotheken-Monopol 
wird von ihnen als durchaus nicht wünschenswert dargestellt 
und sie sprechen sich im Interesse der Wahrung der Volks- 
gesundheit durchaus für eine ansgedehnte angehinderte Ent¬ 
wicklung des Apothekerwesens und gleichzeitige Kontrolle 
der Verabfolgung und des Verkaufs jeglicher Art Medi¬ 
kamente aus. 

— Das Komitee der Untei stützangsgesellschaft des Sanato- 
r 1 u m 8 in der Essent uker Gruppe der kaukasischen 
Mineral bäder bringt zu allgemeiner Kenntnis, dass Per¬ 
sonen, welche in das Sanatorium aufgenommen zu werden 
wünschen, vom 15. März bis 1. Mai ihre Anmeldungen beim 
Komitee in Moskau (Xatöeuft nep., *. JA' Sä vom 1. Mai 
an aber in Essentuki machen mögen. Dem Gesuch ist 
eine Schilderang der dienstlichen Stellung, materiellen Lage 
and der Familien Verhältnisse, ein ärztliches Zeugnis (ohne 
Stempelmarken) über die Notwendigkeit einer Kar in Essen- 
taki, Postmarke für Rückantwort und ein Hinweis darauf, in 
welchem Zeitpunkt der Eintritt erwünscht wäre, beizulegen: 
in der ersten Periode genau vom 15. Mai ao; oderinder zwei¬ 
te!« von den ersten Tagen des Juli bis zum 1. September. Die 
volle Pension kostet 40 Rbl. per Monat und Person. Fast 
alle Zimmer sind tür 2 Personen bestimmt. Den Vorzug habert 
Mitglieder der Gesellschaft (Mitgliedsbeitrag 10 Rbl. per Jahr). 
Das Sanatorium ist ausnahmsweise für geringbemittelte Per¬ 
sonen aller Professionen bestimmt, die einer Kar in Essen- 
tnki bedürfen. 

Bf. 

— Die Gesamtzahl der Kranken in den Civil- 
hospitälern St. Petersburgs betrog am 12. März 
d. J. 10702 (103 mehr als in d. Vorw.), darunter 130* Typhns — 
(80 mehr). 972 Syphilis — (26 mehr), 259 Scharlach — (26 wen.), 
106 Diphtherie — (8 wen.), 80 Masern — (1 mehr) und 31 
Pockenkranke — (0 mehr als in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 6. bis zom 12. März 1906. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht nnd Alter: 

QQUhhhklH »« fr. I« C 

im Ganzen: 'S 'S 'S * ® 


544 423 967 200114 159 21 14 4 L 82 72 77 64 66 35 19 3 
2) nach den Todesursachen: 

— Typh. ezanth.O, Typh. abd.58, Febris recarrensO,Typb»i 
ohne Bestimmung der FormO, Pocken 2, Masern 20. Scharlach 16 
Diphtherie 20, Croup 0. Keuchhusten 5, Croupöse Lunge» 
entzündung 52, Erysipelas 8, Grippe 3, Katarrhalische Lu» 
genentzündung 127, Ruhr 2. Epidemische Meningitis 0, Aknt« 
Gelenkrheumatismus 0, Parotitis epidemica 0, Rotskrankheit0; 
Anthrax 0, Hydrophobie 0, Puerperalfieber 0, Pyärnie uni 
Septicaemie 12,Tuberkulose de» Langen 117, Tuberkulose an¬ 
derer Organe 29, Alkoholismns and Delirium tremens 3, Ls- 
benssohwäche und Atrophia infantum 58. Marasmus senilis 33, 
Krankheiten des Verdanungskanals 122, Totgeborene 42. 


Nächst© Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag, d. 5. April 1006. 

Tagesordnung: A. Fel dt: Ueber die modernen Me¬ 
thoden der Taberkulinanwendnng. 
Wladimiroff: Therapeutische ver¬ 
suche mit Tuberkulin an Rindern. 

Näohste Sitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag, den 11. April 1905. 


ANNONCEN JEDER ART werden in der Buchhandlung von K. L. KICKER in 
St. Petersburg, Neveky-Pr. 14, sowie in allen in-und ansländ. Annonoen-Comptoiren angenommen. 


Rationelle Heilung durch Phosphor 

H OM NO L R 


dessen Hauptbestandtheil reine Nucleinsäure ist, von Dr. Leprince hergestellt. 

C 40 , H 54 , Az 14 , 0 37 , P 4 . 

Erprobt: bei Phosphaturie, Neurasthenie, Rachitis, Blutarmut und Alterschwäche. 
Gebrauchsanweisung: 4—10 Pillen während der Mahlzeit. 

Dr. Leprince. 62, rue de la Tour, Paris. 

Erhältlich in allen besseren Apotheken. ^ 33) 12 ~ 3 


Digitized by- 


Google - 















116 


Kgl. BAD KISSINGEN.,., 

Bäder vom 15. April bis 1. November. 

Weltberühmte eisenhaltige Kochsalzquellen (Rakoczy, Pandur, Maxbrunnen, Bockleter, Stahl wasser (phosphoi arsenhaltig), Soole 
mit reichstem Kohlensäuregehalt für Trink- und Badekuren. Reichhaltige Kurmittel. Besondere Heilanzeigen: Magen-Darmer- 
krnuknngen, chron. Katarrhe des Rachens und der Luftwege, Herz-, Leber-, Nierenkrankheiten. Bleichsucht, Fettleibigkeit, 

Zuckerkrankheit, Frauenkrankheiten. 

Versand sämtlicher Mineralwasser durch die Verwai- Aufschlüsse Uber alle An- Vii|«u||pain Dnrj Vjccinnon 

tung der KOnigl. Mineralbäder Kissingen und Booklet. fragen unentgeltlich vom RUIlOlolll UdU mddlllyull« 




Tannalbin (Knoii) T Triferrin (Knoii) 


Erprobtes Antidiarrhoicum, 
geschmacklos, stört Appetit und 
Verdauung in keiner Weise; 

. erhältlich in Pulver und Tabletten. 


p-Nucleins. Eisen. 

Enthalt organ. Phosphor, steigert den 
Haemoglobingehalt d. Blutes u. wird 
vom schwächsten Magen vertragen^ 


J Literatur und Proben kostenlos! ^ 

KNOLL & C? * LUDWIGSHAFEN am RHEIN. 


Pmchtvolle. sonnige 
Lage. Ausiülirlicke 
llusirierte Prospekte. 


[)r.nied.iofs Kuranstalt 

f. Nervöse u. Erholungsbeclürf.I.H. FriPdrirhrnflfll 

I Spei. - Bshandl. bei Kongestion. Kopfschmerz. Neuralgien. 


Sanatorium Villa Primavera. 

Gardone Riviera, Italien. 

Prospekte des Sanitätsiats Dr.Koeniger. 


Adressen von Krankenpflegerinnen: 

Elise Blau, JIiroBCKaa 58, kb. 15. 

Frau Marie Kubern, Gr. Stallhofstr. 
Haus d. Finnischen Kirche 6—8,Q. 19. 

Frau L. A. Bogoglowskaja, Ertelefl 
Pereulok Jä 16, Qu. 6. 

Marie Winkler, yr.Cojauoea uep. r IIrh- 
TejeluoBCiofi yx. r. 4, kb. 11. 


Jhtoool 

„Roehe“ 


beates GoajaeoP 
»r* parat, wasier- 
Witieh, geruchlos, 
angiftig. 

Vera tlgl. Antl- 
ta bereut. undAnti- 
Dlarrholeum. 


k 0.5 gr. 
bequemste und 
billigste Form. 


Sirc/in 

„Roehe“ 


wohlriecheadei 
angenehm 
eeh muckender 
«jrup, idealste 
Form der Kreo¬ 
sot-Therapie. 


ff 


Thigenol Roehe^ 


Synthetisches Schwefelpräparat mit 10°o 
organ. gebundenem Schwefel. 

Braune, dicksyrupöse, geruch- u. geschmacklose, ungiftige Flüssigkeit. 


Tflioeol - Indikatio nen: 

PasfiHeii “"•* 

„ Roehe“ Verordnung: 


\ nrfpilp* Geyenäbev dem Ichthyol und seinen sonstigen Sur- 

UI ItJlir. rognten: Leicht resorbierbar, wirkt nicht reizend, son- 

deru milde, juckreiz- und schmerzlindernd, lässt sich leicht 
mit Wasser abwaschen und fleckt nicht die Wäsche. 
TndiVafifninn* Ekzem, rein oder 20°/o Salbe (sofortige Abnahme des Juk- 
IllUlJialUPllt 11. k eu8> d e8 Nässeus und der Infiltration); Pruritus und 
’ Urticaria (sofortige juckstillende Wirkung); parasitäre 

, Dermatosen wie: Scabies (Einreibung mit grüner Seife. 

um nach 1 Stuude Bad, vollständige Einreibung mit Thigenolum 

purum, abeuds 2. Thigeuoleinreibung. Iu 2 Tagen Heilung); 
Verordnung* Favus etc.: Akne; gynäkologischen Affektiouen wie: Endo-, 

__ Para- und Perimetritis , Beckenexsudate, als 10—20°/o 

Tkigenolvagiualtauipons oder Snppositorien ä 0,30; Rheu¬ 
matismus (Einreibungen mit Thigenol, Chloroform aa 10.0, 
Spir. canrphor 40,0): i2rjj#/peJ(puioderl0 0 /oSalbe)G/M , e«- 
krankheiten (als 10—20% Spiritus); Fissura ani, Hae- 
morrhoiden etc. 

Alleinige Fabrikanten: 

F. Hoffmann-LaRoche & Cie., Fabrik chem.-pharm. Produkte. 

Basel (Schweiz) * Grenzach (Baden). 

Muster und IAtcratur über alle unsere Produkte stehen den Hll. Acrzten gratis 

und franko zur Verfügung. 


Sulfosofsyrup Jtirol 


Eigalen 

[Digitox.solub. 
CloeftaJ 

der wirksame He- 
standteil der Julia 
digital, purpurea. 
Genau dosierbar, 
wird leicht vertragen 
und wirkt schnell- 
In Originalflacons 
A 15 ccm. 


Protyfin 

„ Roehe“ 


haltbares Phopliur- 
elweiiB. Wirksamer 
als die bisherigen 
organischen' 
and anorganischen 
Phosphor- u. Phos- 
phorsfturepraparafi- 
Eite r- u. Brompro- 
lylin „Roche“. 


a frsyfin 


Roehe“ 


entgiftetes Kreosot in Symp¬ 
tom. eignet sich speziell für 

Armen- und Kaasenpraxis. 


Roehe 1 


Thiyeno / , Roehe 

_ ,, e in phosphor- ui 

Irnn htr* ar »enh* 1 ’'«: 6 * 

ffMXUUIlG pr» P arat. Enthalt 1 


bester, geruchloser Jodofbrm- 

et'sdtz. 


synthetisches Schwefelpriiptirat 
mit 10"/ 0 organisch gebund. nein 
Soliwefel. Geruchloser Iclnhyol- 
ersutz. Tiiigenolseife entltillt 
10o/o Thigenol „Koche“. 


e in phosphor- und 
&r senhaltiges Etweiss- 
P r «parat. Kiit halt Phos¬ 
phor in völlig und 
Arsen in nahezu 
entgifteter Form. 


Digitized by 


Google 








116 








Gebr. Schmidt & Co., Reval, 


fTm-^ Spezialität : Sanitäts-Bett- ps^-- 

/j| | | i.J stellen mit verzinkten Spiral-1 

^ Federdraht - Matratzen „Re- \ , 

form“ u. „Patent-Matratzen“. L c ^ 
^ r. Krankenhaus - Einrichtungen. 

Lieferanten fiir Militär-, Städtische, Kieis-hranken-Anstaltcn, Kliniken etc. 

Illustrierte Kataloge und Kostenanschläge gratis. 

Prima Referenzen. 


ANSTALT FÜR WARME BAEDER 



(4) 17-17. 


Eigentüum der Französischen Regierung 

B ADE-SAISON. 

In der Anstalt VICHY, der besteingerichteten in ganz Europa, sind 
vorhanden Bäder und Douchen zur Heilung von Magen-, Leber-. Harn¬ 
blasen-, Hamsalz , Podagra und anderen Krankheiten. 

Täglich vom 15. Mai bis zum 30. September Theater und Concerte im 
Casino. Musik im Park. Lesecabinetts. Gastzimmer für Damen, Spiel-, Sprech¬ 
säle und Billards. Alle Eisenbahnlinien sind mit VICHY verbunden. Frank¬ 
reich, Departement Allier. 


Kur- und Seebadeort PERNAU 



Bester Jodoformersatz. 

Im Gebrauch geruchlos, 
keimfrei, ungiftig selbst 
bei innerlicher Darrei- 

^^^ mm naKr. chung grosser Dosen 

als Darmantiseptikum. 

Schmerz- und blutstillend, nicht reizend, kein Ekzem erzeugend. Kräfti¬ 
ges Desodorans, eminent austrocknend und epithelbildend. Spezifikum 
bei ulcus crnrls, Intertrigo, nässenden Ekzemen, Verbreniinngen. Spar¬ 
samer Verbrauch, daher billig in der Anwendung. 



Bruns’sche Xeroform-Paste. <20) n —4 

Creosotal „Heyden- ist 
nicht nur bewährtestes 
Antiphthisikum, sondern 
auch Speziflknin, bei 
nicht tuberkulösen In¬ 
fektionskrankheiten der 
Luftwege. Rapide Heilung von I’neoinonie (auch Broncho-, Masern-, 
Influenza-, Diphtherie-Pneumonie) durch grosse Dosen Creosotal: 10 bis 
15 g pro die in 4 Portionen, bei Kindern Tagesdosis 1 bis 6 g. 


Proben nnd Literatur durch 

Chemische Fabrik von Heyden, Radebeul-Dresden, 

oder deren Vertreter: 


R. Crottet, W. 0., Sredny Prosp., 8, St. Petersburg. 


Wasserheilanstalt 

Traunstein- Oberbayern 


Sanatorium für MmM 


Das ganze Jahr geöffnet. Leiter and 
Besitzer Dr. tned. G. Wolf. 


Gesunde Lage. Kalte Seebäder. Temperafur des Wassers 15—10° R. Com- 
fortabel eingerichtete Kurbadeanstalt und Kurhaus im Parke am Meere.: Beginn 
der Saison 20. Mai, Schloss derselben 20. August. Verabfolgt werden. Schlamm-, 
Moor-, Salz-, electrlsche, Sand-, Kohlensäure- und andere Heilbäder, hydrothera¬ 
peutische und orthopädische Behandlung, Luft- und Lichtbäder. Dieselben sind 
wirksam gegen Herz- nnd Nervenerkrankungen. Rheumatismus, zahlreiche chroni¬ 
sche Krankheiten, Lähmungen, Bleichsocht. Skrofulöse, Rhacbitis. Frauenleiden 
und andere Krankheiten mehr. Massage. Desinfizierte W'äsche. Täglich Musik. 
Keine Kurtaxe. Weiterausgedehnte Anlagen, viele Promenaden am Meere. Billiges 
Leben. Dampfer- und Eisenbahnverbindung. Nähere Auskünfte, Prospecie und 
Qnartierveimittelung gratis durch 

( 40 ) 6 - 3 . die Badecommission. 


Dr. Schuster 


praktischer Arzt uud Inhaber eines 
Kurhauses 
(Indiv. Kurgem. Diät.) 

BAD NAUHEIM. 


Im Deutschen Alexander-HoapitaJ wir« 
Nachweis ertheilt über zur Zeit dienst 
‘freie Pfleger und Pflegerinnen für die 
private Krankenpflege (gegen Zahlung 
von 60 Cop.). 


Adressen von Krankenpflegerinnen: 
Ludmilla Kawalkewits, EitaTepiiBM- 
cnil KA«ajn>, x- 69, kb. 23. 

Frau Gülaen, W.O., 17 Linie, Hans A»16, 
. Qn. 18. 

Lydia Duvan, Bac. OcTp., 1 hhh., *. 20 
kh. 17. 

Alexandra Kasarinow, HiKOxaeBCiu 

ya. x. 61, kb. 82. 

Frau Elvine Juckam, Bac. octp., 5m, 
68, kb. 96. 

J. Krohn, Bojibui. DoxbauecKaa 23, kb. 8" 
Frau Catharine Miohelson, rarapn- 
CKaa yaHna i. 30, kb. 17. 

Frau Adelheid von Fersen, Karin- 
rinenkanal 81, Q. 20. 

Frau Tursan, CnaccKaa 21, kb. 6. 
Sophie Nafthal. Bac. ocrp..TyuK 0 B» nep. 
7, kb. 5. 

Frau Minna Rieser, geb. Franke. Cn- 
pufl IleTeprotpcKift npoen., x. 16- 
KR. 28, y HoBO-fCajIBHKBBA MOCTt 


— 1 "C M d) 1 

Z Z o.« 

= ® c “ ^ a 

0 -3 S 

ir £ s- 




' £ r = = S c 

if I ■" Ü a) - m B I iS 

ä = ss ff ^ s» .ff ® ■h 

® Ä £■= „TSi S t 


® ® „z: . c? o ® cö rl 

• « £ ;= y S O fi 

J3 St C 3 0 

a = 2 uS '«n 


S « ^ 3 TZr) 


S ® = £ = -ö 

- S x .5- 2 h Säle 
.2 fe-g 


I 


■Z tl ^= S O „-© °ffl 
z - = ® -O -rä = 

Jdg*ü® - * £ c 


fr 


2 =if iU « =sss 


ö „ w 

CM . SS 

c « «3 


^ S 3 . -SS 

S“ aT«« 3 S'S 3*2 
*5 


s° 


«■* i-ffiX ff- o£ C 

If sjTf-^S 

S ® c 

. ä - oj • ff aj c .• . 

0ä c !'öa>«g r ©5sJ 


. o ®^ff’oQj r ^;-, ff» 




= bi g 5 


2 ® 3 “ sX . tni 

g «reo: . 


Jo 


= = ^ =-S s «N = 2 I f 


: ^ = 7 


Aobr. u6hb. Cb 6.,25 MapTa 1905 r. Herausgeber Dr. Rudolf W anach. Buchdruckerei v.A. W'ienecke, Katharinenhofer Pr. 


Digitized by 


Google 







CtWFRAL LORAnY, 

ONIV. OF MICH. 

WAY11 1905 


XXX. jaörgam. ST. PETERSBURGER Nene Folge XXÜ. jakrg. 

UEDICINISCHE WOCHENSCHRIFT 


unter der Redaktion von 


Prof. Dr. Karl Dehio. 

Jurjew (Dorpat). 


Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Dr. Johannes Krannhals. 

Riga. 


Die „St. Petersburger Medicinische Wochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend.—Der Abonnemontaprei8 ist in Bnailand8 Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl.Postzustellung;in den anderen 
Ländern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Derlnsertionapreia 
fürdieRinalgespalteneZeilen inPetitisj20Kop.oder45Pfen.—Den 
Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Originalartikelzugesandt. 

-Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


05 “ Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate ""WB 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von E. L. fiicker 
in St. Petersburg, Newsky-Prospekt JN* 14, zu richten. — Kanus- 
cripte sowie alleaul die Redaktion bezüglichen Mitteilungenbit- 
tet man an den stellvertretendengeschäftsführendenRedak- 
teurDr.E Blessigin St. Petersb., Wassili Ostrow, 1 Linie Ns 28 
zu richten. Sprechstunden täglich von 4—6 Uhr. 


Infolge Erhöhung der Preise für Druckarbeiten sind wir 
906 an zu erhöhen und zwar von 1 
46 Pf.) pro Zeile der 3 mal gespaltenen Seite. 


enötigt die Insertionspreise 


r genötigt ( 

vom 1. April 1906 an zu erhöhen und zwar von 10 auf 20 Kop. (von 36 auf 


J* 13 


St. Petersburg, den 2. (Iß.) April. 


1905. 


Inhalt: Dr. A n li ur Berg: Ein Beitrag znr Abortivbehandlung der Gonorrhoe. — Protokolle des Vereins 
St. Petersburger Aerzte. — Berichtigung. — Vermischtes. — Mortalitäts-Bulletin 8t. Petersburgs. — 
Anzeigen. 


Ein Beitrag zur Abortivbehandlung der Gonorrhöe. 

Von 

Dr. Arthur Berg in Riga. 

Seit langer Zeit ist das ärztliche Bemühen auf ein 
schnelles Beseitigen der Gonorrhöe im ersten Beginn 
gerichtet gewesen. Wenn man diese heimtückische, in 
ihren Folgen sowohl am Träger wie durch Uebertragung 
auf weibliche Individuen unberechenbare Krankheit kennt 
nnd wenn der drastische Ausspruch Ricords: «der 
Tripper beginnt und Gott allein weiss, wann er aufhört* 
vielleicht noch heutzutage Geltung hat, dann ist es wohl 
mehr als verständlich, wenn die Aerzte von jeher auf 
Mittel und Methoden sannen, um dem Fortschreiten des 
gonorrhoischen Prozesses sogleich beim Auftreten Halt 
zu gebieten. 

Derartige Versuche waren schon in der vorbakterio¬ 
logischen Zeit mehrfach gemacht worden, namentlich von 
Ricord and Diday. Es worden Höllensteinlösungeu 
in verschiedenen Concentrationen von 1—12 pCt.zu Injektio¬ 
nen resp. Instillationen in die Urethra benutzt. Das Urteil 
über diese Methode lautet verschieden. Während ein Teil 
der Aerzte über günstige Resultate der Abortivkuren 
berichten konnte, hat ein anderer Teil sehr anangenehme 
Folgen, als: Orchitis, Epididymitis, Urethrocystitis, peri¬ 
urethrale Abszesse, Prostatitis und Stricturen der Urethra 
gesehen. Von französischer Seite wird auch ein Todes¬ 
fall im Anschluss an dieCoupierkur mit Argen tum nitric. 
infolge vereiternder Prostatitis publiziert. Tarnowsky 
veröffentlicht 40—60 pCt. Heilungen in 4 Tagen, be¬ 
merkt jedoch, dass in vielen Fallen die Entzündungs- 
erscheinungen sich derart steigerten — er benutzte eiue 
2 pCt. Höilensteinlösung — dass von der Fortsetzung 
der Behandlung Abstand genommen werden musste. 

Ne i es er hat Spülungen der Harnröhre mit Lösun¬ 
gen von Argent. nitric. 1:8000— 1:1000 in Vorschlag 
gebracht. Finger giebt an, dass er wegen heftiger 
Schmerzen, Oedem der Glans and des Praeputiuras nud 


sanguinolenter Sekretion zum Aufgeben dieser Versuche 
genötigt war. 

Ausser Höllenstein sind von Frank und Lewin 
abortive Spülungen der Urethra mit Albargin 1:3000— 
1:1000 empfohlea worden und von Ahlstroera 2 mal 
täglich Injektioneu einer 2—4 pCt. Protargollösung 
4—5 Taue hinter einander. Letztere Methode habe ich 
nachgeprüft, ohne einen nennenswerten Erfolg verzeich¬ 
nen zu können. 

Endlich ist noch Kali hypermangan. gepriesen worden 
von Jan et in starker, von Gu iard und V alentine 
in schwächerer Konzentration. Die Vorschrift letzterer 
besteht in 2 mal täglichen Spülungen der Urethra mit 
Kalilösungen in der Stärke von 1:6000— 1: 3000. Nach 
ihren Angaben habe ich eine grössere Zahl von Patien¬ 
ten behandelt. Eine Coupierung der Gouorrhöe ist mir 
damit nie geglückt. 

Ueber die Janet’sche Methode habe ich keine eige¬ 
nen Erfahrungen. Wenn Jan et selbst zagiebt, dass 
unter Umständen eine 20—30-tägige Behandlung nötig 
ist, so kann füglich von einer Abortivkur keine Rede 
sein. 

Halten wir Umschau in der Literatur, so erfahren 
wir, dass alle bisher empfohlenen Abortivmethodeü nicht 
allein unsicher in deu Erfolgen, sondern auch oft mit 
Gefahren für den Patienten verknüpft waren, so dass eine 
ablehnende Haltung der Aerzte wohl verständlich er¬ 
scheint. Es sei mir gestattet, hier den Standpunkt eini¬ 
ger Autoren in dieser Frage zu zitieren. 

Finger fährt in seinem Lehrbuch über die Blennorrhöe 
der Sexualorgane, nachdem er die abortiven Kuren be¬ 
sprochen hat, also fort: der Misserfolg aller dieser abor¬ 
tiven Methoden ist aber auch ein weiterer Beweis der 
von uns schon bei Besprechung der Anatomie betonten 
Annahme des raschen Einwanderns der Gonokokken in 
die Tiefe. Lägen die Gonokokken noch 5 und 7 Tage 
nach der Infektion, wie dieses von mancher Seite an¬ 
genommen wird, auf oder zwischen den obersten Epi« 
thellagen, und man vergesse nicht, dass die Urethra 


Digitized by kjOOQie 






deren nur 3 hat, die noch bei Entzündung gelockert, also 
imbibitionsfähiger sind, so müsste eine oder einige Nitras 
argenti * Lösungen völlig parasiticid wirken. Abe»* das 
stete Wiederauftauchen der Gonokokken im Sekrete, 
sobald man selbst mit einer grösseren Serie parasiticider 
Injektionen aufhörte, beweist, dass die Gonokokken ihre 
Schlupfwinkel (Bindegewebe, Drüsen) haben, zu denen 
das Antiseptikum nicht gelangt. Die einzige Behand¬ 
lungsmethode, die wir also heute üben, ist die methodische, 
örtliche, symptomatische und curative Behandlung. 

Casper äussert sich in seinem Lehrbuch der Urulo- 
gie folgend er massen: «Ich bin dazu gekommen, die Abor¬ 
tivbehandlung der Gonorrhöe unter allen Umständen zu 
verwerfen. Ich habe 4 Arten von Verfahren ausprobiert: 
Instillationen mit 2 pCt. Argent. nitric. durch den G y o n - 
sehen Apparat, Injektionen von 2—5 pCt. Protargol, 
Spülungen der Harnröhre nach Jan et mit Kal. per- 
mangan. und dünnen Argentumlösungen. Ich kann nicht 
von einem einzigen Fall sagen, dass die beginnende 
Gonorrhöe dadurch coupiert werden wäre; der begonnene 
Prozess nahm seinen Fortgang. 

Diese Unwirksamkeit kann auch nicht überraschen, 
wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Erscheinungen 
der Gonorrhöe gewöhnlich erst nach Tagen auftreteu, 
während erwiesenermassen die Gonokokken die Ober¬ 
fläche der Schleimhaut schon nach Stunden durchdringen. 
Die Abortivmethoden hätten nur Aussicht auf Erfolg, 
wenn sie vor dieser Zeit angewendet würden. Das mag in 
einzelnen Ausnakmefälleu möglich sein, das Gros der 
Fälle wird davon im besten Falle nicht beeinflusst 
werden. Aber selbst zugegeben, dass in diesem oder 
jenem Fall Erfolg von der Coupierungsmethode zu erhoffen 
wäre, würde ich sie nicht anwenden, weil mir das 
Risiko für die Kranken zu gross ist. Ich habe schwere 
Schädigungen danach beobachtet: Lymphangitis, Lympha¬ 
denitis, Prostatitis und Cvstitis sah ich auftreien und 
zwar in einer Weise, die keinen Zweifel darüber zuliess, 
dass Behandlungsmethode und Komplikation im Verhält¬ 
nis von Ursache und Wirkung standen. Nun sind ja 
diese Komplikationen au und für sich nicht gefähr¬ 
lich, aber sie siud in ihren Folgen unberechenbar. Ist 
also auf der einen Seite die Abortivmetbode unsicher und 
gefährlich, versprechen auf der anderen die üblichen, 
langsam vorgebenden Heilungsverfahren in der Mehr¬ 
zahl der Fälle Erfolg, so meine ich ist der Standpunkt, 
jedwede Abortivbehandlung zu verwerfen, wohl be¬ 
gründet». 

In gleicher oder ähnlicher Weise hatte die Mehrzahl 
der Aerzte zu den Coupiermethoden Stellung genommen. 
Da erschien im Sommer 1903 eine Publikation von 
Engelbreth in Kopenhagen. Nach seinen Ausfüh¬ 
rungen gilt es die Gonokokken, welche die Epithel- 
scbichten der Urethra schnell durchdringen, in der Tiefe 
dieser Zelllager zu töteu, indem er durch Waschungen der 
Urethra vermittelst starker Höllensteinlösungen das 
Epithel destruieit. Er em| fiehlt wenigstens 4 Spülungen 
voizunehmen, die so schnell auf einander folgen, wie 
die destruierte Epithelschicht abgestosseu wird, so dass 
die letzte auf die Basalzellen des Epithels oder auf das 
eigentliche subepitheliale Bindegewebe wirken soll. Er 
giebtdem Argent. nitric. vor dem Kal. hypermangan. den 
Vorzug, weil es keine irritativen Nebenwirkungen hat, 
die Aetzungen sind rein lokal. Er wählt die Spülungen 
vermittelst dts Irrigators nach der von Jan et vorge- 
schlageuen Methode, wodurch die Falten und Krypten 
der Urethra geglättet werden und eine gleichmässige 
Einwirkung des chemischen Mittels auf die Schleimhaut 
in toto ermöglicht wird. 

Die erste Ausspülung findet sogleich bei der ersten 
Konsultation statt, die nächste 6—12 Stunden darnach, 
die folgenden mit 10—12-stündigen Zwischenräumen, so- 


dass die Behandlung im Laufe von 43 Stunden beendigt 
wird. Er kokainisiert vor jeder Waschung, die erste aus¬ 
genommen, die Urethra mit 2—3 Gramm einer 3 pC't. 
Lösung. Die Lapisausspülung ist immer auf die pars 
anterior beschränkt worden. Der Druck während der 
ersten Hälfte der Messung 75 ctin., darauf 125 ctm. 
Menge der Flüssigkeit 5—600 grin., Temperatur 36° C. 
Die Stärke ist nach und Dach ohne Schaden von x /& auf 
*/s pCt. vermehrt worden. Als Nachkor werden Balsa¬ 
mica empfohlen. 

Engelbreth publiziert 30 Krankengeschichten, 
die er ohne Wahl der Fälle mit seiner Abortivmethode 
behandelt hat. Von diesen 30 Patienten wurden 17, also 
ca. 57 pCt. geheilt. Dabei machte er die Beobachtang, 
dass die Inflammation des orificium urethrae in einem 
interessanten Verhältnis zu den Resultaten stand. E? 
zeigte sieb nämlich, dass 17 Fälle ohne Inflammation 
waren, von diesen gelangen 15, also ca. 88 pCt., 13 da- i 
gegen waren inflammiert, von diesen waren 11 negativ, 
also ca. 15 pCt. Genesung. Die Cöupierung gelang also in 
fast allen Fällen, wo keine Inflammation vorhandeo war, 
und sie gelang meist, wo Inflammation des Orificium 
zu konstatieren war. Die Erklärnng für dieses Resultat , 
lag darin, dass die Gonorrhöe in der einen Reihe der i 
Fälle oberflächlich, epithelial, in der anderen dagegen i 
tief, subepithelial war und daher die epitheliale Gonorrhöe ! 
für die abortive Behandlung geeignet ist. j 

Dieser Artikel war ohne Schönrederei mit soviel über- j 
zeugender Offenheit und Wärme geschrieben, dass ich | 
mich zur Nachprüfung seiner Methode entschloss. Ich « 
möchte hier 47 Fälle bekannt geben, die ich nach den 1 
Engelb re th'sehen Vorschriften behandelt habe, i 
Meine Statistik ist klein, aber rein, d. h. alle Fälle sind [ 
mikroskopisch untersucht, allemal haben Gonokokken- | 
iufektionen Vorgelegen und der Verlauf ist genügend ! 
lange beobachtet, um ein Urteil über Heilung resp. 
Nichtheilung zu gestatten. Der Zufall wollte es, dass oo- 
ter meinen ersten 8 Fällen 7 Heilungen zu verzeichnen j 
waren,— ein überraschend günstiges Resultat, das zur Fort- j 
setzung der Versuche ermunterte. ! 

Ich habe laut Angaben von Engelbreth alle : 
Patienten mit entzündlichem orificium urethrae von der • 
Behandlung ausgeschlossen und habe in der ersten Zeit 
4, seltener 5, ganz ausnahmsweise 6 Spülungen mit einer 
Argent. nitric. - lösung von 1:500—1:300 — letztere 
Konzentration nur selten — vorgenommen und habe 
in letzter Zeit die Zahl der Waschungen auf 3 reduziert. 
Einmal schienen mir die ersten Spülungen die ausschlag¬ 
gebenden zn sein, da ich in 2 Fällen, die zufällig nur 2 
mal gespult wurden, Heilung eintreteu sah; andererseits * 
war ich bestrebt, den Patienten durch eiDe geringere 

Zahl der Waschungen die Beschwerden zu erleichtern. : 

Ich habe das auch muht zu bedauern gebraucht, denn 
die Heilungserfolge waren nicht ungünstigere, da von 27 
Patienten, die mit 4 Waschungen und mehr behandelt 
wurden, 17 genasen, also ca. 63 pCt., und von 19 Pa¬ 
tienten, an denen 3 resp. 2 Spülungen vorgenommeu wa¬ 
ren, 14 geheilt wurden, also ca. 73 pCt. 

Zu den Waschungeu habe ich io letzter Zeit keine stär¬ 
keren Höllensteinlösungen als 1:500 benutzt. Druckhöhe 
50 ctm., Quantum der erwärmten Flüssigkeit 500 grra. : 

Vor jeder Spülung, die erste ausgenommen, inji- ' 

zierte ich 4—5,0 einer 2 pCt. Eucainlösnng für die Daaer 
von 5 Minuten. Zur ersten Waschnng braucht nicht 
eucainisiert zu werden, weil dieselbe erstens nicht 
schmerzhaft ist uud zweitens die Gefahr besteht, durch 
die Injektion Keime weiter in die Urethra zn bringen. 

Die erste Spülung wird gleich bei der ersten Konsulta¬ 
tion vorgenommen, die 2. ca. 10 Standen später, die 3. 
folgt dann nach ca. 12—14 Stunden. Dann ersuche ich 
den Patienten nach 48 Stunden wiederzukommen. Beim 



■©igltiz 





Wiedererscheinen belehrt uns ein Blick aufs Orlflcinra 
oder ein Druck auf die Urethra sofort über das Resultat. 
Lässt sich ein deutlicher, gelber Tropfen ausdrücken, 
dann ist die Kur misslungen, in solchem Sekret findet man 
allemal Gonokokken. Ist dagegen das Oriflcium nur 
verklebt oder wird nur eiu farbloser, fadenziehender 
Tropfeu sichtbar, dann ist die Kur geglückt; in diesem 
Sekret sind dann niemals Gonokokken nachweisbar. 

Sind nun die Gonokokken durch die Coupierkur be¬ 
seitigt, so restiert gewöhnlich eiu Katarrh der Urethra, 
der einige Wochen dauern kann. Diesen Katarrh kann 
man entweder ignorieren — er verschwindet von selbst — 
oder man ordiniert ein Adstringens. Engelbreth 
giebt an, in dem Sekret des Nachkatarrhs niemals Bakte¬ 
rien gefunden zu haben. Ich habe diesen Befund in 5 
Fällen zu verzeichnen, Das bat eigentlich nichts Befremd¬ 
liches. Wir sehen ja nicht so selten bei Gonorrhöen, die 
nach den üblichen Methoden behandelt oder auch nicht 
behandelt werden, die Gonokokken schwinden und an 
ihre Stelle andere Bakterien treten, also eine Sekundär¬ 
infektion. Warum sollte es auch hier nicht geschehen? 

Nach Engel breth’s Erfahrungen wäre eine lange 
Inkubationsdauer der Gonorrhöe prognostisch günstig für 
das Gelingen der Coupierkur. Ich kann das nicht bestä¬ 
tigen; von 9 Fällen mit 5—-S-tägiger Inkubation wurden 
6 geheilt, also 66 pCt. und von 28 Fällen mit 1— 2-tä- 
giger Inkubation genasen 15. also 65 pCt.; demnach fast 
das gleiche Verhältnis. 

Dass die Dauer der Gonorrhöe das Resultat der Hei¬ 
lung wesentlich beeinflussen würde, musste a priori an¬ 
genommen werden und die Praxis zeigt es; so heilten 
von 25 Fällen mit eintägiger Dauer 19, also 76 pCt. 
während von 21 Fällen mit 2-tägiger Dauer nur 12 
heilten, mithin 57 pCt. 

Gonorrhöen mit längerer Dauer als 2 Tagen habe ich 
von der Behandlung ausgeschlossen. 

Gelingt die Abortivkur an einem Patienten, so scheint 
sie auch weiter zu glücken; so habe ich einem Kranken 
innerhalb 5‘/ a Monaten 3 und einen anderen innerhalb 
eines Jahres 4 frische Gonorrhöen coupiert. 

Engelbreth giebt als Kontraindikation der vor- 
zunehmenden Aburtivbehandlung inflammatorische Er¬ 
scheinungen am Oiificium urethrae an. Obgleich ich nur 
diese Kontraindikation zur Direktive nahm, so sah ich 
In erster Zeit eine ganze Reihe misslingen und hier 
machte ich die Beobachtung, dass als Grund andere ent¬ 
zündliche Erscheinungen, als Trübung des Urins, Schmerz 
beim Urinieren oder Empfindlichkeit der Urethra auf 
Druck, anzuschuldigen waren. 

Ich möchte daher die Kontraindikationen kürzer fas¬ 
sen und würde die Vornahme der Coupierkur nur gelten 
lassen au Patienten, deren Urethra keine Entzündungs¬ 
erscheinungen, ausgenommen den mikroskopischen Befund, 
erkennen lassen; also keine Inflammation des Oriflcium 
urethrae, kein Schmerz beim Urinieren, keine Empfind¬ 
lichkeit der Urethra auf Druck und klarer mit Flocken 
untermischter Urin. Sehen wir Trübung des Urins in 
beiden Portionen, dann ist die Abortivbehandlung eo 
ipso ausgeschlossen, weil dann die pars posterior schon 
mitergriffen ist. Es gehört nicht zu den seltensten Vor¬ 
kommnissen, dass wir Trübung in beiden Teilen, also 
ein Ergriffensein der Urethra in toto, schon am 3. Tage 
post infectionem sehen. 

Meine Resultate sind nun folgende: von 46 Patienten 
(ein Patient entzog sich nach beendeter Kur der Beo¬ 
bachtung und kommt daher nicht in Betracht) heilten 
31, also ca. b7 pCt. Blicke ich auf meine letzten 20 Fälle 
zurück, wo ich die Konlraindikationen präziser zu stellen 
lernte, so genasen von diesen 15, mithin 78 pCt. Hei¬ 
lungen. 

(Sillass folgt). 


Protokolle des Vereins 9t. Petersburger Aerzte. 

764. Sitzung vom 16. November 1904. 

Präses: Schmitz. — Sekretär: 0. Moritz. 

1. Schmitz spricht Über den Retropharyngeal- 
abszess der kleinen Kinder. 

Dieses Leiden pflegt seinen Ursprung in einer primären 
Lymphadenitis za haben. Za dieser Ansicht ist Schmitz 
deswegen gelangt, weil das einseitige Auftreten des Abszesses 
und sein langsames Wachstum nicht mit der Bökay’soben 
Ansicht, dass es sich um eine nach katarrhalischer Angina 
anftretende Phlegmone handelt — übereinstiramte. Die 
Schmitz’ sehe Anschauung ist nachträglich von B 6 k a y 
als richtig anerkannt worden. In den ersten Lebensjahren 
finden sich nämlich, wie M o 81 nachgewiesen hat, in dem sog. 
Spatinm retroviscerale auf jeder Seite je eine Lymphdrüse, 
welobe nach Most sogar beim Erwachsenen nachweisbar sein 
sollen. Letzteres wird von anderen Autoren bestritten. Die 
Znfuhrbahnen dieser Lyinphdrüsen kommen 1) aus der Nase 
2) aus dein Sehlundkopf 3) ans dem Mittelohr. 

Die Krankheit ist selten. Sch. verfügt Über 50 Fälle, davon 
40 aus der Hogpitalpraxls. Metten hei me r, hat in 42 Jah¬ 
ren nur l Fall gesehn. Nach B 6 k a y — auf 206,000 Kranke 
etwa 2 pCt. Retroph.-Abszesse. Die meisten Fälle kommen 
auf das erste Jahr— B 6 k a y ’ s jüngster Pat. war 2 Monate 
alt, Sch.’s jüngster 4 Monate. Die meisten kommen auf den 5-8. 
Monat. Im 3. Jahr stand nur einer der Sch.’schen Patienten. 

Veranlassung zur Erkraukung sind Schnupfen, Otitis tnedia, 
event. Angina. Angeblich soll zaweilen ein Trauma die Ur¬ 
sache bilden. 

Symptome: Deglutltionsbeschwerden — die Kinder lassen 
die Brust fahren, ferner Schnarchen im Schlafe, zeit¬ 
weilig Sistieren der Respiration im Schlaf, worauf die Pat. 
anfwachen and mit dem Schreien die Atmung wieder einsetzt. 
Ferner ein für dieses Leiden charakteristischer «Gaumenton» 
beim Schreien, so dass schon aus diesem Ton allein die 
D i a g n o 8 e gestellt werden kann. Gesichert wird letztere 
dnreh die Digitalexploration — die Inspektion ist meist schwie¬ 
rig Begleiterscheinungen des Leidens sind meist Fieber and 
Schwellung der Drüsen am Unterkieferwinkel. Die Thera- 
p i e beatent in der rechtzeitigen Eröffnung des Abszesses — 
meist vom Sachen aus, gelegentlich von aussen. Die Incision 
ist unter Fingerkontrolle auszuführen und ist es nicht not¬ 
wendig das Operationsgebiet deutlich zu sehen. Der Abszess 
muss offen gehalten werden, solange noch Sekretion statt¬ 
findet. 

Die Prognose ist bei rechtzeitiger Eröffnung gut. Von 
Sch.’s 50 Kranken starben 3 — von denen wurden 2 von der 
Mutter za früh aus dem Hospital genommen, beim 3. trat 
Spontanperforation ein, wobei das Kind erstickte. 

Zum Schluss verliest Scli. die Krankengeschichte eines 5-mo- 
natigen Kindes, welches bei der Inzision des Abszesses eine 
tiefe Zungenwunde acquirierte mit nachfolgender schwerer 
Blutung, eiDige Tage darauf am Scharlach erkrankte und 
echliesslich gesund entlassen wurde. 

Diskussion. 

Lunin sieht jährlich c. 10—15 Fälle v. Retroph.-Abszess. 
Meist ist der vorangegangene Schnupfen nachweisbar. L. er¬ 
innert sich nur eines Todesfalles, wo gleichfalls Spöntanper- 
foration die Ursache war. L. operiert meist unter Kontrolle 
des Auges. Natürlich muRS für ordentliche Beleuchtung ge¬ 
sorgt sein. 

Fick fragt, ob bei der operativen Eröffnung des Abzesses 
nicht die Gefahr des Elteroinlaufens in den Larynx vorhanden 
ist und wodurch dieselbe event. vermieden wird. 

H e 11 a t fragt, ob Sch. versucht hat mit dem Reflektor in den 
Rachen der betr. Patienten zu schauen. Anf Dr. Fick’8 
Frage meint H., dass die Spontanperforation meist nachts 
. erfolgt bei liegender Stellung der Pat., wodurch das Einflies- 
sen des Eiters in den Larynx begünstigt wird, die Operation 
nimmt man dagegen am sitzenden Kinde vor. 

Petersen: Ist Tuberkulose häufig bei den an Retroph.- 
abszess leidenden Kindern? 

Schmitz: Auf Dr. F’s Frage ist die Antwort, die Hel- 
lat eben gab, wohl die richtige. Die Würgbewegungen 
schliessen im Sitzen die Glottis von selbst. Sch. hat früher bei 
der Operation mit dem linken Zeigefinger die Glottis geschlos¬ 
sen, hält das jedoch nicht für notwendig. 

Den Reflektor hat Sch. nicht benntzt. Was die Tuberkulose 
betrifft, so hat Bö k ay angegeben, dass viele der betr. Kinder 
gkrophnlös gewesen. 

L u n i n: Zn der Frage der Inzision im Sitzen ist noch za 
bemerken, dass nach erfolgtem Schnitt der Kopf sofort nach 
vorn gebeugt wird. L- sah auf jährlich 23,000 Pat. des Kin¬ 
derhospitals in den Jahren 1902—1903 18 resp. 14 Fälle von 
ßetroph.-abazess, 


Digitized by 



lio 


i. Dr. C o 1 m ft r 8 (Heidelberg) als Gast berichtet kurz öb^r 
spine mit Prof. Per.ersen (Heidelberg) gemeinsam auRge- 
führten histologischen Stadien an den Schleim- 
hantcarclnomendesMageng nnd des Rec tarn s. 
Die ausführlich« Arbeit ist in den «Beiträgen zur klinischen 
Ohirnrgie» Rd. 43 erschienen. Bezüglich der Entstehungsart 
der Schleimhsntcarcinome stehen sich die Meinungen Häu¬ 
ft e r ’ s und R i b b e r t ’ 8 gegenüber. Han*er ist der A n- 
sicht, dass es sich stets um eine Degeneration des Schleim- 
hantepithels selbst handelt, während Rihbert annimint. dass 
das Oarcinom stets aus sich selbst heraus wachse nnd das 
Epithel erst, sekundär, rein mechanisch znm Schwund bringe, 
resp. verdränge. Colmers nnd Petersen haben gefnn- 
den, dass in allen Fällen die Ribbert’sche Anschauung 
die zutreffende sei. Dnrch mehrere 1000 Serienschnitte haben 
sie nachweisen kennen, dass die Tnmorelemente einerseits ein 
expansives Wachstnm zeigen — mit Verdrängung des nor¬ 
malen Gewebes, andererseits eine infiltrierende Form anneh¬ 
men, wobei sich Carcinnmstränge im Gewebe vorsohiebeo. 
Nament’ich bei letzterer Form kann man leicht den Eindruck 
gewinnen, wie dieses Hauser passiert ist. dass es sich um 
eine Epitheldeeeneration handelt. Ein“ Untersuchung von 
Serienschnitten jedoch zeigt, dass es sich nnr nm ein passives 
Anseinandevdrineen normaler Zellen handelt. 

Bezüglich der Metastasen frage ist zu betonen, dass das 
Magencarcinom sich meist im Magen selbst nusbreitet nnd 
spät metastasiert — umgekehrt iafc es beim Rectumcarcinom. 
Folgende Zahlen illustrieren die Rezidivverhältnisse: 

Magen: Organrezid. 56 Drüsenrezid. 3 Metastatische Kezid. 41. 
Rectum: > 7 » 53 » 40. 

Au8 diesen Beobachtungen ergiebt sich ifir den Chirurgen 
die Folgernng, dass die Koch er’sehe Modifikation der 
Magenrosektion zu verwerfen ist. Es soll möglichst viel vom 
Magen entfernt werden, da der Pylorns meist, oft auch das 
Duodenum ergriffen ist. Beim Rectumcarcinom fällt dagegen 
oft die mikroskopische Tnmorgrenze mit der makroskopischen 
znsammen. — Die sehr wichtige Frage der Spontanheilung 
des Carcinoms ist entschieden in positivem Sinne zu beant¬ 
worten. Das Vorkommen von krebsigen Drösenschläuchen in 
Blutgefässen und trotzdem erfolgter völliger Heilung beweist 
dieses. B. Schmidt (Strassburg) hat in 15 Fällen carci- 
nomatöso Lungenemboli untersucht und nachweisen können, 
dass eine Organisierung des entstandenen Infarkts und 
ein Schwund der Oarcinomelemente nachweisbar war. Auch 
ein interessanter Fall von v. Beck zeigt, dass bei der Ope¬ 
ration zurückgclassene Tumorelemente der spontanen Re¬ 
sorption fähig sind. Es ist höchst wahrscheinlich, dass an¬ 
fänglich der Organismus mit einer ganzen Anzahl von Meta¬ 
stasen fertig wird, bis er schliesslich entkräftet ist und der 
Tumor sich ungestört entwickeln kann. 

Die Rectiimcarcinome teilt C. in folg. Gruppen: 1. C. adeno- 
matosnm 2. C. solidum 3 Mischformen. Es zeigte sich nun, 
dass in der 2. und 3. Haupt form 100 pCt. Rezidive vorkamen, 
beim C. aden. simpl. 65 pCt-, beim geiat. 8-9 pCt. Dagegen 
beim papilliferum nnd mikrocysticum keine Rezidive. Letztere 
sind auch diejenigen, die am spätesten zur Beobachtnng kom¬ 
men, oft erst nach 2—3 jähr. Bestehen des Tumors. Es er¬ 
giebt sich daraus, dass der Operation stets eine Probeexcision 
und mikroskopische Untersuchung des Tumors voransge- 
schickt werden sollte. Alles in allem geben die Rect.-carci- 
nome nach der Operation in 84 pCt. Rezidive. Handelt es 
sich nicht um eine der prognostisch günstigen Formen des 
Care. adenomato8uiri, so hat die Operation zu unterbleiben. 

Diskussion: 

Westphalen fragt, ob sich die klinisch ja so abweichend 
verhaltenden Ulcnscarcinome histologisch von den primären 
Care, unterscheiden lassen. 

Fick hat vor Jahren aas der Zoe ge'sehen Klinik 2 in¬ 
teressante Magencarcinome histologisch untersucht und einen 
derselben — unter dem Eindruck der V o 1 k m a n n ’ sehen 
Arbeiten — als Endotheliom beschrieben. In beiden Fällen 
konnte er anscheinend inselförmige Schleimhautdegeneratio¬ 
nen nachweisen, doch zeigte es sich bei genauer Untersuchung, 
dass diese Inseln dnrch submnköse Verbindungen im Zusam¬ 
menhang standen- 

Sehr wichtig ist die Feststellung der Notwendigkeit, beim 
Magencarcinom die Magenwand möglichst weit fortzunehmen: 
es scheint somit, dass Mikulicz’ Ansicht nicht richtig ist, 
der in erster Linie die Entfernung der Drüse fordert. 

Dorabrowsky hat mehrfach gesehn, dass operierte 
Rektumcarcinome trotz anscheinend schlechter Prognose nicht 
vezidivierten. So bat er eine Dame operiert, die heute noch 
lebt, nachdem ihr ausserdem vor 2 Jahren ein Mammacarci- 
nom entfernt worden ist. 

Colmers hat beim ‘ Ulcuscarcinom keine wesentlichen 
histologischen Differenzen gesehn. Meist sind es solide, scir- 
röse Tuwwep, dje bösartig sind, Bezüglich der V o 1 k mann¬ 


sehen Endotheliom« elaubt er, dass es sich dabei durchweg nnr 
Carcinome gehandelt hat. 

Was die scheinbar isolierten Herde in der Sch lei in baut be¬ 
trifft, so hat Rihbert durchaus Recht — das Wachstum ist 
stets kontinuierlich. 

Beim fiektumcarcinom sollte stets operiert werden, wenn es 
sich nra C. inicrocysticum und papillifernm handelt. In anderen 
Fällen Ist die Operation zu unterlassen — besonders wenn der 
Tumor solide ist, ist die Prognose absolut schlecht. Czerny 
hat dabei stets schlechte Resultate gehabt. Bezüglich der Ma- 
gencarzinomrezidive ist die M I k u 1 i c z * sehe Ansicht nicht 
zutreffend. Jeder bewegliche Magentumor sollt« exstirplert 
werden. 


Berichtigung. 

ln der Totenliste der Nr. 7 der Petersb. Mod. Wochenschr- 
findet sich die Notiz, dass der frühere Oberarzt der Rassisch) 
Chinesischen Bahn (soll heissen: der Chinesischen Ost-Rahn. 
M. Polet ika in St. Petersburg eestorben sei. Das 
ist ein Trrtnm. Dr. Poletikai9tin Mukden eestorben. 
Er weilte seit dem Herbst vorigen Jahres wieder im fernen 
Osten und stand im Dienst dos Roten Kreuzes. 

Mandschuria, den 10. März 1905. 

Dr. Hans Adolph i. 


Vermischtes. 


— Der ansserordentliche Professor der Gebnrtshtilfe and j 

Gynäkologie ao der Universität Jurjew (Dorpat). Dr. S. Mick- ; 
n o w, ist zum ordentlichen Professor anf diesem j 
Lehrstuhl ernannt worden. ! 

— Der Korpsnrzt des 3. sibirischen Armeekorp«. wirkl* j 
Staatsrat Dr. Rj ab in in. ist als Korps arzt z a m 3- 
Armeekorps übergeführt worden. 

— Der Kurator des Kinderasyls des Zäsarewitscb Georgi 
A 1 e x a n d r o w i t s c b und Oberinspektor der heilgyinnasii- 
scheu Uebungen bei den St. Petersburger weiblichen Lehr¬ 
anstalten des Ressorts der Kaiserin Maria, wirkl. Staatsrat . 
Dr. Bnrsian. ist zum Direktor des Kinderasyls 
der Grossfnrstin Alexandra Nikol ajewna er¬ 
nannt worden, unter Belassuug in dem zweiten von ihm be¬ 
kleideten Amte. 

— Der ausserordentliche Professor der Charkower Univer¬ 
sität Dr. Martynow ist als ausserordentlicher Professe- 
an f den Lehrstuhl der chirnr gischen Hospital¬ 
klinik der Moskauer Universitätübergeföhri 
worden. 

— Der Privatdozent der Charkower Universität Dr. N* 

T r i n k 1 e r ist zum ausserordentlichen Professor 
dieser Universität auf d e in Lehrstuhl der 
chirurgischen Pathologie und der Verband¬ 
lehre ernannt worden. 

— Vor kurzem beging der bekannte Physiologe, Prof. Dr. 

V. Hensen im Kiel, seinen 70. Geburtstag. t 

— Verstorben: 1) In Tomsk der frühere Professor 
der Augenheilkunde an der dortigen Universität, wirkl. Staats¬ 
rat Dr. T h e o p h i 1 Jerofejew, im 62. Lebensjahre. Der 
Hingeschiedene, welcher die Venia practicandi i. J. 1872 er¬ 
langte, begann seine ophthalmologiscbe Tätigkeit als Assistent 
an der Augenklinik der mediko-chirurgischen Akademie nnd 
war daun Privatdozeni au der Akademie, bis er bei der Er¬ 
richtung des Lehrstuhls der Augenheilkunde in Tomsk als 
Professor für dieses Fach an die dortige Universität berufen 
wurde, an welcher er biBznm vorigen Jahre tätig gewesen ist 
In der letzten Zeit lebte er verabschiedet als freipraktizieren¬ 
der Arzt in Tomsk. 2) Am 22. März in S t. Pete r 8 b n r g 
der an8seretatmä88ige Arzt am Marinehospital and städtische 
Sftnitätsarzt des Moskauer Stadtteils Dr. Grigori Mat¬ 
sch ich in im Alter von 40 Jahren, nach mehr als 16-jähri¬ 
ger ärztlicher Tätigkeit hierselbst. 3) In St Petersburg 
am 25. März der ältere Sanitätsarzt des Hofressorts Dr. 
Alexander Haase im 39. Lebeusjahre. Der Verstorbene, | 
welcher seit 1889 als Arzt hier wirkte, fangierte auch als 
städtischer Sanitätsarzt im Liteiny-Stadtteil. 4) In St. Pe¬ 
tersburg der ältere Arzt des hiesigen Alafusowliospitals 
Dr. Peter F r o 1 o w im Alter von 41 Jahren. Der Verstor¬ 
bene begann seine praktische Tätigkeit i. J. 1889 und war in 
früheren Jahren Landschaftsarzt in Rybinsk und Ordin&tor 
am hiesigen städtischen Alexanderhospital. 

— Znm Präsidenten der St. Petersburger 
städtischen Hospitalkommission ist, an Stelle von 


Digitized by 


Google 




131 


Pr. Oppenheim, der hiesige Arzt Dr. Michael Pe- 
trankewitseh eewählt. — Der neue Präsident, welcher 
gegenwärtig im 60. Lebensjahre Rteht, hat ca. 20 Jahre als 
Landschaftsarzt im Twerschen Gouvernement fungiert ond 
war nnch Deputierter der Twerschen Landschaft and Stadt¬ 
verordneter in Twer. Bei den letzten Wahlen kam P. als 
Qnartierinhaber in die St. Petersburger Dnma. 

— Das Ältere Ehrenmitglied des Verwaltnngsrates des 
Armenhauses znm Andenken an den Kaiser Alexander II. in 
der Stadt Oranienbanm nnd Mitglied der Medlzinalabteilnng 
der 8t. Pet. Gonvernements-Venfcsltnng, wirkl. Staatsrat Dr. M i- 
« h ae 1 P o p o w, ist anf seine Bitte der erstgenannten 
S t e 11 n n g enthoben worden. 

— Der Gesellschaft rassischer Aerzte in 
Moskau hat der Moskauer Landschaftsoreanisation zur 
Hülfeleistung für Verwundete, sowie dem Moskauer Stadtamt 
zu gleichem Zweck je 103 7 Rbl. übergeben. Diese Summen 
stammen ans Spenden und Zahlungen der Besucherinnen der 
Korse für Verwundeten- nnd Krankenpflege, welche von der 
Gesellschaft veranstaltet worden waren. 

— Einher ii fen znm aktiven Dienst ist neuerdings 
der anf Grnnd einer nochmaligen Besichtigung als dienst¬ 
tauglich befundene rigasche Arzt Dr. Edm. Blnmenbach 
nnd dem 131. Reserve - Feldlazarett znkommandiert worden. 
Ebenso hat. dem «Felliner Anz.» znfolge, der Fellinsche 
Kreisarzt Dr. H. Strfihmberg. welcher sich seit einem 
Mon.it als Scbiffsarzt auf einer Expedition in den Gewässern 
des Mittel* nnd Schwarzen Meeres befindet, die Einberu¬ 
fungs-Order als Reservearzt erhalten, mit der Weisung, 
sich zunächst nach Omsk zu begeben. 

— Die Geschäftsführung des Evangelischen Feld¬ 
lazaretts hat von dem Oberarzt Dr. S c h i e m a n n in 
einem Telegramm, d. d. 22. März, aus Ounachnlfn die Mittei¬ 
lung erhalten, dass im Lazarett z. Z. noch 7 Offiziere und 13 
schwerverwnndete Soldaten verpflegt werden. OaR gesamte 
Inventar iPt in Charbiu nntergebrächt, ein Waggon mit 
Wintersachen aber bereits anf dem Wege nach Ohailar. 
-Wahrscheinlich wird das Lazarett auf der Station Dshalnn- 
tnn (etwa 50 Werst diesseits Zizikar) wieder errichtet wer¬ 
den. Dr. Raegeier ist mit der Fliegenden Kolonne gesund 
ans der Mongolei zurückgekehrt- Zum grossen Bedauern des 
Oberarztes hat Dr. Lange am 23. März das Lazarett ver¬ 
lassen, um sich von den ungehenren Strapazen, die seine Ge- 
snndheit angegriffen, in der Heimat zu erholen. An D r. 
Langes Stelle schlägt. Dr. von Schiemann Dr. Bierich 
vor, der sich in seiner Arbeit durchaus bewährt hat. Das Ko¬ 
mitee hat diesen Vorschlag gutgeheissen nnd hierauf Dr. Lange 
einstimmig in den Ausschnss gewählt, um sich seines bewähr¬ 
ten Rates in der ferneren Leitung des Samariterwerkes zu 
versichern. 

— Wie der Oberkommandierende General Linewitsch 
mittelst Telegramms an den Kriegsminister berichtete, langte 
am 23. März in Oharbin der in Mukden mit den russischen 
Schwerverwnndeten zurückgebliebene Bevollmächtigte des 
Roten Kreuzes Gntschkow an und mit ihm 9 barmherzige 
Schwestern, 26 Personen des höheren medizinischen Personals 
and 65 Sanitäre. Sie waren von den Japanern aufFnhren bis 
zu unseren Vorposten geschickt worden, wo das japanische 
Reiter-Cort£ge sie unseren Kosaken fibergab. Gntschkow mel¬ 
det. dass von den in Mukden Zurückgebliebenen die übrigen 
200 Personen des Sanitätspersonals, unter denen 20 barmher¬ 
zige Schwestern, 30 Aerzte und 150 Sanitäre sind, von den 
Japanern über Dalni nach Tschifn gesandt wurden, um 
zu Wasser nach Russland zu reisen. Zugleich meldete Gotscli- 
kow, dass er an Verwundeten in den Hospitälern Mukdens 
den Generalmajor Hahnenfeldt, 36 Offiziere, einen Arzt nnd 
1649 Untermilitärs zurfickgelassen habe. Eigentlich sind von 
ans bei der Räumung Mukdens in den Hospitälern des Roten 
Kreuzes an Schwerverwnndeten nnd Schwerkranken nur 460 
Untermilitär8 sowie 406 verwundete nnd kranke Japaner zit- 
rfickgelassen worden, unsere übrigen Verwnndet.en aber, 1 Ge¬ 
neral, 36 Offiziere, 1189 Untermilitärs wurden erst nach dem 
Verlassen von Mokden seitens unserer Truppen in die La¬ 
zarette gebracht, wobei die anf dem Schlacbtfelde gefundenen 
Verwundeten sowohl von unseren als auch von den japani¬ 
schen Sanitären transportiert wnrden. Gutschkow berichtet 
auch, dass die Japaner sowohl mit unseren Aerzten, mit den 
barmherzigen Schwestern nnd Sanitären, als auch mit den 
Verwundeten und Kranken freundlich amgingen nnd sich kei¬ 
nerlei Kränkung oder Bedrängung zuschulden kommen 
Hessen. 

Wie der «Now. Wr.» telegraphiert wird, gehören zu dieser 
aus Mukden in Charbin eingetroffenen Abteilung des rassi¬ 
schen Roten Kreuzes die Aerzte des Kreazeserhöhungs-Ho- 
spitals Butz, Ken che 1, Christianowskj, van Hou- 
ten, stad. Meder; ferner der Pharmazeut Jürgens and 
von dem Holländischen Feldlazarett der Arzt L i e v e n, stnd 
Riesenk ampff, die Schwestern J akob so n und Mel- 


z e r. • • ■ Gleichzeitig sind von den Japanern nach Tschifo 
(zur Weiterreise nach Russland) geschickt, worden: die Aerzte 
Potejenko nnd Woin Usch mit den Schwestern des 
Sfthuwalow-Hospitals nnd das ganze Livlä n'd i sc h e 
Lazarett mit noch anderen 6 gefangenen Aerzten. Die ja¬ 
panischen Aerzte Mnkdens mit. dem Generalinspektor Mori an 
der Spitze verabschiedeten sich von den nnsrigen. Ein Dol¬ 
metscher hielt in OyamaRNainen eine herzliche Ansnracbe. 
dankte dem ganzen rassischen medizinischen Personal für die 
freundliche Hilfe, die es den vetwnndeten Japanern erwiesen 
hat, nnd versprach, dass die japanischen Aerzte die rassischen 
Verwundeten ebenso behandeln werden. 

— Laut nachträglich eineegangener Meldnng sind die als 
anf dem Verbandplatz des Alexandropolsehen Inf.-Regiments 
verblieben in den Verlnstlist.cn angeführten Aerzte: T w a n 
Ssarat. ow8 k j, Hirsch T a t. a r • k i. Peter A wash o n- 
Bki und Leih Polonski am 17. März beim Regiment 
e 1 n g e t r o f f e n. Ebenso haben sich die als verschollen re¬ 
gistrierten Aerzte Samnel Schlechter vom 1. Rchfitzen- 
regiment. nnd Marian Schwarz vom 2. Schützenreglment 
nachträglich bei ihren Regimentern wieder eingefunden. 

— Das hiesige städtische P e t. e r - P a n 1 - R o a p H a 1 ist 
in der Dnmasitznng am 23. März der Gegenstand einer er¬ 
regten Debatte gewesen. Es gelangte nämlich ein Antrag 
des Ministerinras der Volksanfklärung anf 
Uebergabe des Peter-Panl-Hnspitals mit sei¬ 
nem Bndgetan das weibliche medizinisc. heTn- 
st.itntznr Verhandlung. Der Antrag fasst anf der Vor¬ 
aussetzung, dass hei der neuen Ordnung der Dinge alle Miss¬ 
verständnisse beseitigt werden würden, welche, nach der Mei¬ 
nung des Ministeriums, die klinische Tätigkeit des Instituts 
paralysieren, nnd. dass das städtische Hospitslwesen dadurch 
nnr gewinnen würde. 

Das Stadtamt. ist aber anderer Meinung nnd motivierte 
diese, wie wir dem «Herold» entnehmen, foleendermast-en: Das 
Peter-Paol-Hospital beherbergt gegenwärtig 700—800 Kranke; 
das medizinische Institut, will aber nur 580 Kranke unterhal¬ 
ten. Gegenwärtig werden alle Kranke anfgenommen, das In¬ 
stitut aber würde nnr für die Klinik interessante Kranke anf- 
nehmen. Der Residenz fehlt es ohnehin an Hospitälern nnd 
viele Kranke bleiben ohne Behandlnng. Wird das Peter-Panl Ho¬ 
spital dem Institnt übergeben, so werden die anderen Hospitäler 
noch mehr überfüllt werden. Da das medizinische Institut nnn 
eine staatliche Anstalt geworden ist. bedürfe cs anch nicht 
mehr fortwährender Onfer seitens der Stadt- Die Stadt tne 
für das Institut ohnehin genng: sic gab ihm Baugrund, unter¬ 
hält eine seiner Kliniken nnd gewährt ihm eine Subsldie von 
15,000 Rbl. jährlich n. s. w. 

Stadtverordneter Kriwenko führte hierauf aus, dass früher oder 
später dieses HoBpitat, in dem das Institut sein Heim nun ein¬ 
mal aufgeschlagen hat, demselben zufallen müsse, denn ein 
solches Institnt könne doch nicht ohne Kliniken bleiben. 
Stadtv. Falbork protestiert dagegen: das Institut sei kein 
Privatunternelimen mehr, das anf städtische Hilfe angewiesen 
wäre. Es sei nicht Sache der Stadt, staatliche Institutionen 
aus ihren limitierten Mitteln zu dotieren. Stadtv. Kabar meinte, 
dass das Institnt resp. das Ministerium das Hospital von der 
Stadt kaufen könne; für das Geld die Stadt dann ein Ersatz¬ 
hospital bauen können. 

Stadtv. Kedrin unterstützte den Stadtverordneten Kriwenko 
nnd empfahl die Frage zur weiteren Ausarbeitung an die 
Kommission in Sachen der Verbesserung des Hospitalwesens 
zn verweisen, was aber zu Lärm im Hanse Veranlassnng gab. 

Es wurde zur Abstimmung geschritten, bei welcher der 
Dumaantrag mit ällen gegen 4 Stimmen angenommen, d. li. 
dag Gesuch wegen Abtretung des Peter-Paul- 
Hospitals abgelehnt wurde. 

— Ueberden von derPirogow-Aerztegesellschaft 
veranstalteten Anticholerakongress in Moskan ist 
wenig zn berichten, da die wissenschaftliche Ausbeute der 
Verhandlungen desselben eine recht kärgliche ist. Eine all¬ 
gemeine Desinfektion zwangsweise durchznführen, 
wurde nicht für möglich erklärt, dagegen die unent¬ 
geltliche Verbreitung von Mitteilungen über 
die Krankheit durch Flugblätter u n d Vorle¬ 
sungen, sowie prophylaktisch eOholeraimpfnn- 
g e n für notwendig erachtet. Es wurde noch die Resolution 
angenommen, dass es den Aerzten nicht möglich sei, an den auf 
Grund des Reglements vom Jahre 1903 zn organisierenden 
sanitären Fxekntionskommissionen teilzunehmen, da in ihnen 
allein die Staatsbehörden anzaordnen haben. Vor Schluss des 
Kongresses wurde die Gründung eines allrussischen 
Aerzteverbandes beschlossen und die Sitzung des 
Anticholerakongresses verwandelte sich alsdann, wie die 
«Now. Wr.» schreibt, in die erste Tagung des neuen «Verban¬ 
des znm Kampf gegen das bureaukratische Regime und für 
das Repräsentationsprinzip». 


Digitized by kjOOQie 



— Die Gesamtzahl der Kranken In den Civil- 
liotpitftlern St. PetereburRS betrug am 19. März 
d. J. 10676(26 wen. alsiu d. Vorw.), darunter 1296 Typhus — 
(102 wen.). 968 Syphilis — (4 mehr), 240 Scharlach — (19 wen.), 
121 Diphiherie — (13 mehr), 88 Masern — (8 mehr) und 28 
Pockenkrauke — 13 wen. als in der Yoiw.). 


Mortalitäts-Bulletin. St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 13. bis zum 19. März 1906. 

Zahl der Sterbefäll 

1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 

a 

© 

a 

© 

u 

JA 

ce 

ki 

JA 

* 

k 

JA 

aS 

fm 

JA 

eö 

Ih 

JA 

eS 

*-■ 

JA 

es 

k, 

JA 

ce 

JA 

«S 

k. 

JA 

4 

kl 

JA 

eS 

Im 

JA 

CD 

_„ 



►'S 

*“5 

•"S 



*-a 


•“S 



s 

M W. Sa. 

«o 

I 

(M 

1 

iß 

| 

o 

H 

Iß 

I 

8 

1 

s 

1 

o 

1 

s 

1 

8 

1 

O 

1 

f 

-a 

a 

a 


i 

o 

1 


C© 

1 

t—4 

«o 

1 

fM 

1 

1 

»—4 

I 

*—* 

i 

r-^ 

to 

h- 

OD 


Diphtherie 14, Croup 0, Kenchhusten 3. Cronpöae Lungen¬ 
entzündung 24, Krysipelas 4, Grippe 10, Katarrhalische Lun* 
geneutzündnng 128, Eiuhr 0, Epidemische Meningitis 0, Akuter 
Gelenkrheumatismus 0. Parotitis epidemica 0, Ro tzk rank hei tO, 
Anthrax 0, Hydrophobie 0, Puerperalfieber 0, Pyämie und 
Septicaemie 13. Tuberkulose der Lungen 122, Tuberkulose an¬ 
derer Organe 36, Alkoholiemus und Delirium tremens 8. Le¬ 
bensschwäche und Atrophia infantum 57. Marasmus senilis 28, 
Krankheiten des Verdanungskanals 127, Totgeborene 34. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag, d. 5. April 1905. 

Tagesordnung: A. Feldt: Ueber die modernen Me- 
tliodeu der Tnberknliuanwendnng. 

W l ad i in i r o f f: Therapeutische Ver¬ 
suche mit Tubei kniin an Rindern. 


Nächste Sitzung des Deutschen ärztlichen 


522 4ii 933 193132 171 19 16 37 79 67 68 57 52 28 14 o Vereins: Montag, den 11. April 1905. 
2) nach deu Todesursachen: 

— Typh. exanth. 1, Typh. abd.55, Febris recurreus2,Typbus - 

ohneBestimmiingder FormO, Pocken 4, Masern28,Scharlach 13, 


•ANNONCEN JEDER ART werden in der Buohhandluug von K. L. RICKER in 

St. Petersburg, Nevsky-Pr. 14, sowie in allen in-und ausländ. Annoncen-Comptoiren angenommen. 



wavic 

-1 IT 

HYilM 

Man hüte sich vor Nachahmungen 

md bezeichne genau die (Quelle. 

VICHY CELESTINS 

Nieren-, Harnblasen-, Magen- 
Krankheiten. 

VICHYgrandegrille 

Leber- und Gallenblasen- 
Krankheiteu. 

VICHY HOPITAL 

Krankheiten der Yerdauungs- 
Organe, dos Magens und der 
Därme. (2) 18—iS. 


Adressen von Krankenpflegerinnen: 

Sliae Blau, JIsroBCK&s 58, kb. 16. 

-'rau Marie Kuben , Gr. 6tallbol»‘f 
Haus d. Finnischen Kirche 6—8<Q- 

Frau Ij. A. Bogoslowskaja, Ertelen 
Pereulok Jft 16, Qu. 6. 

Marie Winkler.yr.Ooaaaosa nep. ■ llaB ' 

TnsolMORCRntt yj. a. ä. KB. lt- 

Frau Tur8«n, CnaccR&a 21, rb. 6. 

Sophie Nafthal. Bac. ocTp. TyvKOB’E n P 
7, rb. 5. r 

Frau Minna Rieser, geh. Franke, o 
pufl IIeTepro(J)CKi8 npocn., I- 
rb. 28. y HoBO-KajTHHRHBa n 

J. Krohn, Boxbm. üoifeavecRafl 23, »*■ 

Frau Catharine Miohelson, larap 
csaa yxBiia x. 30, rb. 17. 


Digitized by VjOOQie 
























Thioeol 

„Roche“ 

keitei Ouajacol- 
nrtparat, wasser¬ 
löslich, «ruchlos, 
ungiftig. 
Vorsügl. Anti- 
tuberoul. und Anti* 
Diarrhö lenm. 


„ Roche“ 

K 0.6 gr. 
bequemste und 
f billigste Form. 


Sulfosot- 
syru'p 
„ Roche“ 

entgiftetes 
Kreosot in Syrnp 
form, eignet sich 
Speziell fOr Armen- 

und K ss ee n p m le. 




die idealste cPorm d. Kreosot- 
ßezw. SuajaeoUcTßerapie . 

Wohlriechender, angenehm schmeckender Syrup. 

tt . *1 Sirolin hat vor allen äußern Kreosot-und Gua.jacoltheia- 

V oneiie. pien die Vorteile dts guten Geruches, angenehmen Ge- 

"™———- schmacks und völliger Unschädlichkeit. 

Lungentuberkulose, Keuchhusten, Chirurg. Tuberkulose, 'allge- 
inaiKailOnen. meine SchwSchezustände, Skrophulose, Influenza. 

\/'orrvr/lr»nnfT* Sirolin, Lagen am orig. Erwachsenen 3—6 Teelöffel, Kin- 

V erorüliuilg. 2- 3 Teelöffel täglich, vor oder uniuitteltyar nach dem 
Essen, rein oder in Wasser. 


Ul/qmiinnf Vor minderwertigen Nachahmungen wird gewarnt. Sirolin Ist 
warnunyi nur echt, wenn jede Flasche mit unserer Firma versehen ist. 

Alleinige Fabrikanten: 

F. Hoffmann-LaRoche & Co., Fabrik chem.-pharm. Produkte 

Basel (Schweiz) -K Orenzach (Baden). 

Munter und Literatur über alle unsere Produkte stehen den EH. Aerzten gratis 

und franko zur Verfügung. 


Airol 

.Roche“ 


Asterol Thigeno/ 

Roche“ „Roche“ 

MSM wweew HVIltlletischns Kchwpfalnriin 


bester, geruchloser Jodoform¬ 
ersatz. 


wasserlösliches Hg.-Pr«parat, 
fallt nicht Kiweiss, reizt nicht, 
greift Instrumente nicht an. 


synthetisches Schwefelpriiparat 
mit 10"/o organisch gebundenem 
Schwefel. Geruchloser Ichthyol¬ 
ersatz. Tiiigenolteife enthalt 
IO 0/0 Thigenol „Roche“. 


Eigalen 

[Eigitox.solub. 
Clcetia] 

der wirksame Be¬ 
standteil der folia 
digital, purpurea. 
Genau dosierbar, 
wird leicht vertragen 
und wirkt schnell. 
In Originalflacons 
& 15 ccm. 


Protylih 

„ Roche“ 


haltbares Phosphnr- 
elwelas. Wirksamer 
als die bisherigen 
organischen' 
und anorganischen 
Phosphor- n. Phos¬ 
phors Aurepräparate 
Eisen- u. B ompro- 
tylln „Roche“. 




unerkannt vorzügl. Haemostatikuin, beson¬ 
der* bewährt bei Uterusblutungen. In Form 
ron Substanz, Tabletten , Watte und Gaze. 


ausgezeichnetes Hypnotikum ohne jegUche 
se/uidl ich e Nebenwirkung. In Dosen zu 0,25 
Ms 0,5 und Ms 1 gr. (li) 13—10. 


sehr beliebtes Anästhetikwm. Besitzt d. anäs¬ 
thetischen Eigensch. d. Cocainsohne d. Ne¬ 
ben wirk IHe Lösungen sind sterüisierbar. 


Prachtvolle, sonnig 0 
Lage. Ausführliche 
illustrierte Prospekte. 


f.Nervöseu. Erholungsbedürf.j.FI. Friedrichrfldfll 

I Spet.-Behandl. bei Kongestion. Kopfschmerz. Neuralgien. ; Thür 


ir.med.iots Kuranstalt 



BAD HALL (Oberösterreieh). 

Jodbrombad I. Ranges. 

Aelteste und heilkräftigste Jodquelle in Europa. 
Gegen Frauenkrankheiten, Exsudate, chronische Entzündungen, Scrophuleee, 
Syphilis erworbener oder ererbter Natur ,und deren Folgekrankheiten, Gicht, 
Rheumatismus etc. etc. 

Modernste Kurbehelfe. Auskünfte erteilt 

(39) 6-3. die Badeverwaltung. 


Hammerand 


-WIEGST, VIJX. 

Verlangen Sic illustrierte 
Preiskourants gratis und 
franko. 



Digitized by 


Google 


























Originalprodukte „Heyden“ ® 


von uns in die Medizin eingeführt: 

Salicylsäure, salicylsaures Natrium, salicylsaures Wismut, Salol, 
Creosotal, Duotal, Xeroform, Orphol, Soiveol, Itro), Collargol, 

Acoin etc. 

Neu: Salocreol und Salit. 

gischer Erkrankungen. Salit ausserordentlich billig; Salocreol noch von 
spezieller Wirkung bei Erysipelas faciei, Lymphadenitiden und skrofu¬ 
lösen Drüsenanschwellungen. 

TCfVIl» assimilierbares Eiweisspräparat zur sub- 

llull* VälvUSLAj k u t a n e n, ganz besonders aber auch zur r e k t a- 
len Ernährung und zur Darreichung per o s als Kraftnährmittel. 

Wir fabrizieren in bester Qualität Acetylsalicylsäure, 
in Substanz und als leicht zerfallende Tabletten, Guajacol, cryst. und 
liquid., Benzonaphtol, Phenacetin, Lactophenin, Hexamethylentetramin, 
Diacetylmorphinum hydrochlor. etc. 

Literatur durch 

Chemische Fabrik von Heyden, Radebeo 1-Dresden, 

oder deren Vertreter: (21) 10—4. 

R. Crottet, W. 0., Sredny Prosp., 8, St. Petersburg. 



EUNATROL 

Vorzügliches Cholagogum bei Gallenstein und anderen Gallen- und 
Lebei krankbeiten; wird besondeis in Foim der Eunatrolpillen ohne 
jede üble Nebenei sclieiuung n.onaielang genommen. 

UROSIN 

Einziges, von Dr. Weiss, dem Erfinder der Chinasäure-Therapie 
empfohlenes und sicher prophylaktisch wirksames Präparat gegen 

Gicht und andere harnsaure Ablagerungen. 

(7) 3-3. 

FO BTOIN 

Gesclunaekfreie8 Antidiarrhoicum, sicher wirksam bei akutem, chroni¬ 
schem und tuberkulösem Darmkatarrh. 

Muster nebst Uterutur stehen den Herren Aerzten kostenlos zur Verfügung. 



eil be¬ 
it urge- 
ervor- 
angen, 
hneter 
im Er¬ 
lichen, 
»logen. 
Bäder, 
Fango 



Wasserheilanstalt 

Traunstein-Oberbayern 

Saialorii für MnlMi 

Das ganze Jahr geöffnet. Leiter und 
Besitzer Dr. med. G. Wolf. 

Im Deutschen Alexander-Hospital wir« 
Nachweis ertlieilt Aber zur Zeit dienst¬ 
freie Pfleger und Pflegerinnen für dis 
private Krankenpflege (gegen Zahlung 
von 60 Cop.). 

Adressen von Krankenpflegerinnen; 

Ludmilla K&walkewits, EaaTepanH- 
caifl Kauajn>, x 39, rb. 23. 

Frau Gülaen, W. 0..17 Linie, flau« Jft 16, 
Qu. 18. 

Lydia Duvan, Bac. Ocrp., 1 xih., g. 2Ct 

KB. 17. 

Alexandra Xasarinow, HiKoxaencnas 

yx. x. 61 , rb. 39 . 

Frau Elvine Juokam.Bac. ocTp., 6m. 
68, kb. 96. 

xxxxxxxxxxxxx 


S ® 2 '2 

* 

-S 


. bp..S 
jr if ® a 


S s*,2 


s 

«Sa 

fege 

•2 Sog 


* * ii j 2 

5 = ns i i * 

x ® :l||s x 

* s i. = li s - 5 2 8 
5 -I % i ft| i i 5 

x=i ilü |l i 

g ss£fiih 5 

* J f 8 5|? | 3 5 

XT ZT ® ® ►» ^ m TT 

g P -8 ! *5". S ! x 

X s£ 5 fe S »lg ► « X 

X <H X B £-S !s 5 X 

X sg £ £ 1{$ 3 j X 

X 53 jlflljx 
X g iss j-sl » 

x ■§ ! 

X £ * 5 «• 

XXXXXXXXXXXXX 


© M 

♦-> p e j 

*«■8 « 

SfS S 

.2 o 

»•5 . *-« 
*>g§ ► 

o ». JA 


X B P'2.2 — 
© * 3 8.2 'S, a 
Q- S £«&* 3 1 
s§£ ts £ 


i'S.S 

S §h 
D g S 

«iSg 

s * g 

S B 
® N CS 


- X 

5 2 

I: I 

! s x 

s j. 8 

?• s 

fl £ 

§ £ x 

ca 

s * X 
|s X 

p - x 

La I X 

s I X 
► o x 

4 2 x 

fl 5 

Li x 
«Mt 8 


Aobb. neis. Cn6.,2 Anpija 1905 r. Herausgeber Dr. Rudolf W anach. Bucbdrnckerei v.A. Wienecke, KatharinenhoferPr.J»16, 


-Digitiz 


oog- 
































GENERAL LI9RARV, 

univ. oF mich. 

MAY 11 1905 


XXX. JAHRGANG. ST PFiTEfl SfillB IrFiB Nene Folge XXII. Jahrg 

ME3ICIII30EE W0CIINSC1SIFT 

unter der Redaktion von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Jurjew (Dorpat). Riga. 


Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger MedicinischeWochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend.— Der Abonnementspreia ist in Bassland 8Rbl.für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postzustellung; in den anderen 
Ländern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. DerXnsertionspreis 
für die 3raal gespaltene Zeilen inPetit ist 20Kop. oder45 Pfen.—Den 
Autoren werden 25 Separatabzügeihrer Originalartikel zugesandt. 

—Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von K. L. Bicker 
in St. Petersburg, Newsky-Prospekt Ms 14. zu richten. — Äanus- 
cripte sowie alleauf die Redaktion bezüglichen Mitteilungenbit- 
tet man an den stellvertretenden ge sc hä fts führ enden Redak¬ 
teur Dr. E- Blessig in St. Petersb., Wassili Ostrow, 1 Linie Ms 28 
zu richten. Sprechstunden täglich von 4—6 Uhr. 


N 14 


St. Petersburg, den 0. (22.) April. 


1905. 


Inhalt: Dr. Artlinr Berg: Ein Beitrag zur Abortivbehandlung der Gonorrhöe. — Dr. Alexander Raphael: Ueber 
eine empfindliche Methode zom Nachweis von Galteufarbstoff im Barn. — Protokolle des deutschen ärztl. Vereins zu 
St. Petersburg. — Kleinere Mitteilungen and therapeutische Notizen. — Vermischtes. — Mortalitäts- 
Bulletin 8t. Petersburgs. — Anzeigen. 


Ein Beitrag zur Abortivbehandlung der Gonorrhöe. 

Von 

Dr. Arthur Berg iu Riga. 


(SclllU88.) 

Wenn ich einen Rückblick'auf die von mir nach der 
Engelbrethschen Methode behandelten Patienten 
werfe, so glaube ich folgendes konstatieren zu können: 

1) Kann die von Engelbreth postulierte Zahl der 
Waschungen von 4 —5 auf 3 reduziert werden, viel¬ 
leicht sogar auf 2. Letzteres ist nur eine Voraussetzung; 
die Zahl der mit 2 Waschungen behandelten Kranken 
ist noch eine zu geringe, um daraus Schlüsse zieheu zu 
können. Ich habe 3 Patienten mit je 2 Spülungen ba- 

. handelt, 2 davon genasen. Es wäre wünschenswert, >'ie 
Versuche in dieser Richtung fortzusetzeu. Die Reduktion 
der Zahl der Spülungen auf 3 bedeutet für den Patien¬ 
ten und Arzt einen grossen Gewinn, denn mit der Häufigkeit 
der Eingriffe steigen selbstverständlich die Beschwerden 
der Kranken. 

2) Halten sich die durch die Spülungen der Patienten 
verursachten Unbequemlichkeiten in durchaus bescheide¬ 
nen Grenzen; nur ein Patient refüsierte nach 2 Waschun¬ 
gen die Fortsetzung der Kur. 

3) Scheint diese Coupierkur keine Gefahren für den 
Kranken zu involvieren. Ich habe keine Komplikation 
und auch keine Verschlimmerung des gonorrhoischen 
Prozesses nach missglückter Kur bei meinen 47 Fällen 
eintreten sehen. Engelbreth beschreibt allerdings 
unter 30 Fällen eine Periurethritis, die im Anschluss an 
die Waschungen entstaud. Diesem Ereignis wäre, wenn 
es vereinzelt bleibt, keine allzugrosse Bedeutung beizu¬ 
legen, weil wir einmal Periurethritiden auch bei der 
üblichen Injektionsbehandlung auftreten sehen, gelegent¬ 
lich auch bei interner Behandlung ohne jeglichen me¬ 
chanischen resp. chemischen Insult der Urethra. 

Wie steht es nun mit den eventuell in der Folge erschei- 
* oenden Strikturen? Ich habe die Urethra der Patienten, 
denen ich 3 resp. 4 mal die Gonorrhoe coupierte, darauf¬ 


hin untersucht und habe kein Infiltrat nachweisen kön¬ 
nen. Die Beobachtungszeit ist natürlich eine viel zu 
kurze, um sich ein endgültiges Urteil bilden zu können. 

4) Ist diese Kur eine Ralikilkur, insofern als man 
dem Patienten am übernächsten Tage nach beendeter 
Behandlung mit Bestimmtheit sagen kann, ob er genesen 
ist oder nicht. Es handelt sich nur um 2 Dinge, entwe¬ 
der befinden sich die Gonokokken in für das Medika¬ 
ment erreichbarer Tiefe, sie werden dann alle vernich¬ 
tet uod der Patient ist genesen oder sie sind nicht 
mehr erreichbar und der Patient bleibt krank. Dass die 
Gonokokken nur scheinbar vertilgt werden, um in späte¬ 
rer Zeit wieder zum Vorschein zu kommen, beobachtet 
man nie. 

5) Scheinen die Gonokokken nicht so schnell in die 
Tiefe zu dringen, wie von vielen Autoren angenommen 
wird, die schon aus diesem Grunde allein jede Abortiv¬ 
methode perhorresziereu. Es giebt eine ganze Reihe von 
Fällen, in denen die Gonokokken noch viele Tage post 
infectionem rein epithelial sitzen müssen, denn sonst 
wären die durch die oben besprochene Coupierinethode 
erzielten Resultate nicht so günstige. Einige Aerzte, wie 
z. B. Blaschko, meinen, die Versuche der Abortivkur 
wären aussichtslos, sobald das Sekret mikroskopisch 
nur Leukoeyten und zahlreiche Gonokokken enthält. leb 
habe unter dem Mikroskop nur ausnahmsweise etwas 
anderes gesehen und doch sind die Kuren gelungen. In 
den allerersten Stadien, wo im mikroskopischen Bilde 
die polygonalen Plattenepithelien praevalieren, die Zahl 
der Leukocyten eine geringe ist, die Gonokokken 
grösstenteils frei im Sekret oder auf den Epithelien 
liegen, in diesem Stadium bekommt man die Patienten 
höchst selten zu Gesicht. 

Misserfolge wird es gewiss immer geben; durch unsere 
klinischen Untersuchungsmethoden werden wir voraus¬ 
sichtlich niemals imstande sein, mit Sicherheit festzu¬ 
stellen, wieweit die Gonokokken ins Gewebe eingedrun- 
gen sind. In der Mehrzahl der Fälle können wir aus 
den oben augeführten Merkmalen wohl erkennen, ob 


Digitized by GjOOQie 



126 


Namen. 

i 

'S 

*. 

o 

ca 

o 

25 

s 

OB 

"© 

I 

5 

Inkubation. 

«8 * 
ja ca 

fc-2 

o *2 
ca ca 

O cS 

!§ 

T3 ® 
T3 

11 

Q 

— 

I. Urinportion. 

Behandlung. 

ca 

S» 

ca 

B 

ä 

s 

>4 

O) 

N 

Resultat 

js§ 

SaS 

. 

fe .2 
§«a 
Q 

Besondere Bemerkungen. 

J. K. 

11 

3 

1 

1. trüb 

26./VII1 7», 7«. 27./VIII 7«, V«. 
2&/VIII V«, 7*- 

6 

? 

— 


J. P. 

II 

2 

2 

klar 

2./IX 7*. 7«. 3./IX '/*, '/*. 

4 

+ 


6./XI noch serös- sanguinolente« 
Sekret Zinc. permang. zur In¬ 
jektion. 

H. H. 

m 

2 

2 

trüb 

3./IX 7». 4./1X V», 7». 5./IX 7«- 

4 

— 

12 

5./1X Schwellung des Gliedes, 
sanguinolenter Ausfluss. 

A. S. 

ii 

4 

1 

klar 

4./IX Vs. 5./IX '/*. 3. Spülung ver¬ 
säumt 6./IX 7 4 , Vs- 7./IX 7*- 

5 

+ 

— 

9./1X sanguinolentes Sekret: L«en- 
kocyten,